Spannung kann erzeugt werden, indem man die Antworten, die der Leser erwartet (Bsp.: Die Antwort auf die Frage, welcher der beiden Protagonisten, die zu den Küchenmessern geriffen haben, zuerst zusticht..) solange wie möglich hinauszögert.
Dies kann durch Einschübe (Erzählschritte) geschehen oder auf Satzebene, indem man das aufschlussgebende Wort an den Schluss stellt.
Bsp.: Hans lugte vorsichtig um die Ecke und sah im Licht von sechs Fackeln, die im weiten Rund um den Waldboden steckten und eine kaum bewachsene Fläche von kaum 15 Metern Durchmesser beleuchteten, eine seltsame Gestalt.
Zwischen Hans lugte vorsichtig und sah....eine seltsame Gestalt, liegt der wichtigste, aber auch \"ärgerlichste\" Teil, der den Leser auf die Folter spannt. Dabei kann die Erzählzeit oft auch länger sein als die erzählte Zeit.
Wer schafft es im folgenden Satz den Leser am längsten auf die Folter zu spannen?
Aufgabe:
Ich trat voll auf die Bremse.........
......krachte aber trotzdem in den vor mir stehenden Wagen.
Viel Spaß beim Schreiben!
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jon
Foren-Redakteur Autor mit eigener TV-Show
Lektor
Registriert: Nov 2000
Das ist natürlich eine lustige Fingerübung – nur die Begründung ist völlig unsinnig. SOLCHE Sätze (wie in dem Beispiel) sind nicht spannend – sie sind zäh, langatmig, unübersichtlich oder gar "unlesbar"…
Ich trat voll auf die Bremse, mein Oberkörper strebte der Frontscheibe zu, die Reifen qietschten, im Kofferraum rumpelte es und das Heck meines Autos wollte partout nach vorn, die Limoflasche schoss aus ihrer angeblich unfallsicheren Halterung, knallte gegen die Konsole, plumpste in den Fußraum und übergab sich zischend über meine guten Schuhe, ich trat noch verzweifelter auf Kupplung und Bremse – bockte regelrecht – und zog das Lenkrad zu mir und …
…krachte in den vor mir stehenden Wagen.
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Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)
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Denschie
Guest
Registriert: Not Yet
Ich trat voll auf die Bremse, während die Beatles im
Radio weiterhin unermüdlich "Lucy in the sky with diamonds"
besangen, und ich mich fragte, ob es nun LSD-Werbung
sein sollte oder nicht,bemerkte jedoch, dass es zu spät
war und konnte nur noch schnell ein Stoßgebet losschicken,
das mich hoffentlich vor einem grausamen Tod eingequetscht
zwischen Lenkrad und Fahrersitz bewahren würde, bevor ich
die Augen schloss und in den vor mir stehenden Wagen
krachte.
Na ja, der letzte Satz ist etwas umgestellt.
Mal ehrlich: findest du das spannend, Darlene?
Ich würde nach so einem Satz nicht weiterlesen. Allerdings
auch nicht nach dem, den du als Beispiel bringst.
Trotzdem eine unterhaltsame Idee, das will ich nicht
abstreiten.
Gruß,
Denschie
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Stephanie Seelig One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Oct 2001
Ich trat voll auf die Bremse, als meine Augen direkt auf die Straße sahen und ich außer grauem Asphalt nichts sah, jedoch gedanklich bei ihm war - bei ihm - der mir gerade gestand, dass er sich das Leben nehmen würde, wenn ich jetzt fahre, denn sein Leben hätte keinen Sinn mehr und ich wüßte es, wüßte es sehr genau, dass ich an allem Schuld sei, weil ich ein gefühlskaltes, egoistisches Frauenzimmer sei, dass nur ihre Vorteile nutzt und sich sonst um keinen scherrt, um Niemanden, noch nicht einmal um ihn, der alles für mich sie tun würde, alles, wobei er sich fragt, was er als Lohn bekäme und bei dieser beschissenen, letzten Frage krachte ich in den vor mir stehenden Wagen.
Na ja, hab es auch versucht.
Lieben Gruß Stephanie
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Gespräche sind Leitplanken
Gezähmte Lippen
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Edgar Wibeau
Guest
Registriert: Not Yet
Fingerübung
Ich trat voll auf die Bremse, der wie immer perfekt geschminkte Erdbeermund meiner Frau, die zum x-ten Mal über meinen Fahrstil gemeckert hatte, machte mich diesmal nicht verrückt, sondern vereinte sich mit der Frontscheibe wie zum Kuss, begleitet vom hässlichen Geraüsch der aufplatzenden Silikonimplantate, für die die letzten drei Raten des Beauty-Kredits noch nicht zurückgezahlt waren und ich fragte mich, als gezackte Risse mein Blickfeld zerteilten, ob die Teilkaskoversicherung wohl für Glasschäden aufkommt, die durch innere Einwirkung entstanden sind.
Ich trat voll auf die Bremse und konnte meinen neuen Mercedes gerade noch stoppen, bevor er die junge Frau in dem kurzen Sommerkleid überrollen konnte, die wild gestikulierend hinter ihrem parkenden Käfer stand und offensichtlich, so deutete ich messerscharf die Situation, mitgenommen werden wollte zur nächsten Tankstelle, denn die Motorhaube ihres Wagens stand offen und deutlich konnte ich in ihrem von blonden Locken umrahmten herzförmigen Gesicht außer einem neckischen Ölfleck auf der Stirn auch die typisch weibliche Ratlosigkeit angesichts schon minimalster technischer Probleme wahrnehmen, die allerdings in Erleichterung umschlug, als sie jetzt zu mir in den Wagen stieg, zwitschernd ihre Not darlegte, sich artig für mein souverän gemachtes und mit sonorer Stimme vorgebrachtes Angebot, sie selbstverständlich bis ans Ende der Welt zu kutschieren, bedankte, sich aufatmend in den bequemen Ledersitz zurücklehnte und mich lächelnd beobachtete, wie ich, etwas abgelenkt durch den Anblick ihrer wirklich reizenden braungebrannten Schenkel, versuchte, den Rückwärtsgang einzulegen, dabei aber einen fatalen Fehler beging und beim energisch männlichen Tritt aufs Gaspedal (schließlich trotzdem) in den vor mir stehenden Wagen krachte.