Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m√ľssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5284
Themen:   87720
Momentan online:
561 Gäste und 15 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Erzählungen
Staubige Strassen 2
Eingestellt am 29. 07. 2002 21:43


Autor
Ein neues Thema ver√∂ffentlichen.     Antwort ver√∂ffentlichen.
mikhan
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jul 2002

Werke: 21
Kommentare: 12
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

...Da merke ich, daß mein Sitznachbar den Bewegungen der Soldaten ebenso gespannt folgt wie ich selbst. Erschrocken erkenne ich die Maschinenpistole, die auf seinen Knien liegt. Meine Angst bemerkend, winkt der Mann mir freundlich zu. Sehr leise, so daß ich kaum ein Wort verstehen kann, raunt er mir etwas zu.
"Das könnte Probleme geben. Besser wir verlassen das Lokal durch den Hinterausgang."
Mit der Spitze seiner Pistole weist er auf die T√ľr hinter der Theke. Obwohl ich seine Besorgniss nicht ganz teile, wird mir beim Anblick der nun gef√§hrlich nahe gekommenen Soldaten doch etwas mulmig. Irgendwie hat er sicher recht, denke ich, obwohl ich doch eigentlich nichts zu bef√ľrchten habe.
Unauff√§llig steht er auf und bedeutet mir ihm zu folgen. Die Menschen in dem Lokal beachten uns nicht, selbst der Gastwirt blickt gleichg√ľltig in den Raum, w√§hrend wir durch die T√ľr schreiten. Im gleichen Augenblick betreten auch die Soldaten das Lokal. Pl√∂tzlich geht alles sehr schnell, die gezischten Befehle der Soldaten, Tische werden umgeworfen, Teegl√§ser zerspringen, Menschen werfen sich zu Boden. Wie in einem Traum haste ich durch die T√ľr in den dahinter liegenden Hof, und sehe, wie mein geheimnissvoller Begleiter mit der Maschinenpistole auf die heranst√ľrmenden Soldaten feuert. Einer der Soldaten wirft eine Rauchgranate in den Hof, so da√ü ich nur mit M√ľhe erkennen kann, wohin mein Begleiter flieht. Unsicher laufe ich ihm nach und finde mich auf der Stra√üe wieder.
"Schnell, wir d√ľrfen nicht stehen bleiben, folge mir!"
Erst nachdem wir unzählige Gassen hinter uns gelassen haben, kommen wir zu Ruhe. Atemlos lassen wir uns im Schatten eines verfallenen Brunnens nieder, der inmitten des ärmlichen Viertels steht, in welchem wir uns befinden.
Der mir eigentlich völlig Fremde schaut mich an und fängt an zu lachen.
"Mein Name ist Azad. Es scheint ich habe dich da ganz in etwas mit hineingezogen, was?"
"Ich weiß eigentlich noch gar nicht so recht, was eben passiert ist, aber ich glaube, wenn ich in dem Lokal geblieben wäre, dann wäre es mir schlecht ergangen. Was wollten die bloss von uns?"
"Diese Stadt ist sehr gef√§hrlich, besonders f√ľr Ausl√§nder wie dich. Man k√∂nnte dich entf√ľhren, oder - noch schlimmer - und das ist dir passiert, du gehst in das falsche Lokal. Diese Teestube, wo wir uns begegnet sind, das ist ein bekannter Treffpunkt f√ľr Rebellen aus dem gesamten Umkreis der Stadt. Ein Ausl√§nder, an einem solchen Ort, die Soldaten mussten dir einfach folgen."
"Und du, du bist wohl so ein Rebell?"
Azad lacht laut auf, als er meine, halb im Scherz gestellte, Frage hört. Dann antwortet er mir.
"Ja, ich bin so ein Rebell, tut mit leid, das ich da mit hineingezogen habe, doch vielleicht wären wir jetzt alle beide tot, wenn wir nicht die Flucht ergriffen hätten."
Azad schaut sich vorsichtig um und f√ľgt dann hinzu:
"Auch hier sind wir keineswegs sicher. Ganz in der Nähe von hier wohnt eine Freundin von mir, besser wir machen uns auf den Weg zu ihr. Hier ist es zu gefährlich, sie werden dieses Viertel bald durchkämmen."
Dann brechen wir auf, gehen durch die br√ľtende Mittagshitze, die alles Leben auf den Stra√üen ersticken l√§√üt. Roter Staub fegt √ľber den Platz hinweg. Von irgendwo her ert√∂nt wieder das Rufen des Muezzins.
Schon bald haben wir das Haus von Azads Freundin erreicht. Ein kleines rundliches Lehmgeb√§ude ohne Fenster und einem T√ľrrrahmen, dem die T√ľr fehlt.
Nur schemenhaft l√§√üt sich der d√ľstere Innenraum ausmachen. Ohne zu Z√∂gern tritt Azad in das Haus ein, legt seine Maschinenpistole, die er bislang unter seinem Gewand verborgen gehalten hatte, auf den Boden und ruft nach seiner Freundin und bedeutet mir Platz zu nehmen.
Da ich nirgendwo einen Stuhl sehen kann, hocke ich mich auf den k√ľhlen Steinboden. Aus dem hinter dem Haus liegenden Hof taucht eine Frauengestalt auf, von der ich nur die Umrisse erkennen kann.
"Das ist Evin, eine gute Freundin." sagt Azad leise zu mir und spricht dann mit lauter Stimme zu Evin. Ich verstehe kein Wort von dem was sie sagen, denn sie benutzen eine andere Sprache, als die, die auf den Straßen gebraucht wird. Mein Unbehagen bemerkend wendet sich Azad wieder mir zu und meint:
"Evin meint auch, da√ü es hier zu gef√§hrlich f√ľr uns ist, wir m√ľssen alle drei die Stadt verlassen und zwar noch heute nacht. Sie wird unsere Flucht organisieren."
Flucht? Erst jetzt wird mir klar, daß ich da in eine ziemlich unangenehme Situation geraten bin, die ich immer noch nicht ganz begreifen kann. Erschöpft lasse ich zu Boden sinken. Azad lacht laut, offensichtlich kann ihn nichts aus der Ruhe bringen.
Evin bringt uns Tee, den wir leise schl√ľrfend trinken. Jetzt, wo sie zu uns in den Raum getreten ist, kann ich sie viel besser erkennen. Sie wirkt sehr kr√§ftig und hat einen ernsten, entschlossenen Gesichtsausdruck. Obwohl sie kaum √§lter als 20 Jahre sein kann, lassen sie ihre, durch die unbarmherzige Sonne, breungebrannte haut und die wild flackernden Augen wesenlich √§lter und reifer erscheinen.
Ungezwungen setzt sie sich zu uns und trinkt ebenfalls Tee, eine ungew√∂hnliche Geste, in dieser Gegend, wo die Geschlechter sonst so vehement voneinander getrennt werden. Azad, der meinen verbl√ľfften Gesichtsausdruck bemerkt hat, kann sich ein weiteres Lachen nicht mehr l√§nger verkneifen...

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Zur√ľck zu:  Erz√§hlungen Ein neues Thema ver√∂ffentlichen.     Antwort ver√∂ffentlichen.



Leselupe-Bücher





Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!