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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Strings
Eingestellt am 26. 07. 2003 08:02


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Grit1962
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Registriert: Jul 2003

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STRINGS

„Was? Unterhosen von der WĂ€scheleine? Wer macht denn so was?“, fragte ich sie erstaunt. Richarda war den TrĂ€nen nahe. Die schönen String-Tangas, keines unter 20 DM, davon gleich 8 StĂŒck, einfach geklaut. „Vielleicht ein Nachbar?“, fragte sie mich. Woher sollte ich die Antwort kennen? Richarda war aber auch ein Sahneschnittchen. Zugegeben, ich war schon neidisch auf ihr Aussehen. Schlank, ĂŒber 175 cm groß, volle BrĂŒste. Ein frecher, blonder Kurzhaarschnitt, ein genial schöner voller Mund. Also wĂ€re ich ein Mann gewesen





Ich quĂ€lte mich mit mehr als 20 ĂŒberflĂŒssigen Kilos, von wegen volle Brust und an Strings war erst gar nicht zu denken. Einen Vorteil hatte meine Figur in diesem Moment, - ich kam als Diebin nicht in Frage.

Es klingelt und Richarda schaute entnervt zur TĂŒr. „So eine Wg ist wie ein Taubenschlag“ sagte sie und wischte sich mit dem HandrĂŒcken die TrĂ€nen aus den Augen. Nun war es passiert. Mascara vermischte sich mit dem Make up und hinterließ eine hĂ€ssliche dunkle Spur auf an ihrer SchlĂ€fe. „Schau mal in den Spiegel, du siehst nicht gerade klasse aus. Ich schau mal nach, wer da geklingelt hat.
Richarda verschwand im Bad und ich ging zur TĂŒr, die ich einen Spalt breit öffnete.
„Michael!“, rief ich erstaunt und ein wenig zu laut und wich glatt einen Schritt zurĂŒck.
Dieser Mann war Ken,- ich war aber nicht Barbie. Dieser Mann war so schön das mein Herz jedes Mal bis zum Hals schlug, wenn er mir nur einen Blick gönnte. Und was noch schlimmer war, ich bekam wieder diesen Kloß im Hals, der jede Kommunikation fast unmöglich machte. So ruderte ich also mit meinen Armen, als einladende Geste die Wohnung zu betreten. Michael lĂ€chelte und trat beschwingt ein.

Aus seinem Rucksack (daran erkennt man die Motorradfahrer) beförderte er eine Flasche Sekt, strahlte mich mit seinem Blendax-LÀcheln an und
meinte :“Hol bitte mal zwei GlĂ€ser, ich habe heute Geburtstag.“
Oh
er will mit MIR Sekt trinken? Mein ganzes Gesicht war ein einziges Fragezeichen und ich stand, zur SalzsĂ€ule erstarrt, meiner Optik durchaus bewusst dumm da, brachte nicht einmal einen GlĂŒckwunsch heraus. Gott sei dank, dachte ich, als Richarda mit dem gleichen Blendax-LĂ€cheln aus dem Bad kam. Gut sah sie aus, so genial gut, das ich mich gleich noch hĂ€sslicher fĂŒhlte. „Hi Micha!“ zwischerte sie. „Ich bin schon wieder weg, muss los habe noch eine Verabredung.“ Sie kĂŒsste mich auf die Wange, lĂ€chelte mich dabei verheißungsvoll an und warf Michael eine Kusshand zu. „Wo habe ich sie nur wieder?“ Den Blick suchend durch die KĂŒche gleitend fand sie ihren Lederbeutel und entschwand so schnell, das ich wieder mal nichts sagen konnte. Mensch was war nur mit mir los?
Ich nutzte die Gelegenheit und suchte in den SchrÀnken nach halbwegs passablen SektglÀsern.


Die Flasche Sekt, eine mir unbekannte Marke, glitt routiniert durch seine HĂ€nde. Mit geschickten Fingern löste er die Verdrahtung, die den Korken hielt und meine Gedanken schweifen ab, beim Anblick dieser HĂ€nde. Ich sah ihn an einem schwarzen FlĂŒgel, ein gefĂŒhlvoller Blues in A-Moll floss aus diesen HĂ€nden direkt in mein Ohr, und bei all dieser kitschigen Romantik roch ich sogar das glĂŒhende Holz in dem Kamin. Ich merkte plötzlich dass ich erbĂ€rmlich schwitzte und fast wĂ€re mir das Sektglas entglitten. Meinen kindlichen JonglierkĂŒnsten verdankte das Glas nun ein weiteres Fortbestehen und holte mich zugleich in die RealitĂ€t zurĂŒck. Michael lĂ€chelte mich an und fragte:“ Sag mal Grit, bist du durch den Wind heute? Bisher habe ich noch nicht einen ganzen Satz von Dir gehört. Magst nicht trinken? Dachte ich mache dir eine Freude!?“ Ohne auf meine Antwort zu warten goss er den Sekt ein und reichte mir ein Glas. Wie stießen an, als wĂ€re es ein Festtag und es gĂ€be mĂ€chtig was zu feiern. Der Sekt war gut gekĂŒhlt und schmeckte prickelnd trocken. Jede Perle dieses GetrĂ€nks rann einzeln durch meine Kehle und löste unwillkĂŒrlich einen Lachreiz aus. Scheinbar hatte eine höhere Macht ein Einsehen mit meiner lĂ€hmenden Befangenheit und es war, als löste sich ein Knoten in meiner Brust. Die Fassung zurĂŒckgewinnend lĂ€chelte ich nun entspannt und fragte nach dem tatsĂ€chlichen Grund seines Besuches.

Michael gehörte zu den StammgÀsten in unserer Kneipe. Ein Lokalmatador im wahrsten Sinne des Wortes, von den MÀdels und Frauen umschwÀrmt.
Ich gab mich dem nicht hin. Ein Blick in den Spiegel verhinderte jeden nur so kleinen Anflug einer SchwĂ€rmerei fĂŒr diesen Mann. Groß und blond, schlank und sportlich. Volle Lippen und strahlend blaue, lustige Augen. Er schmiss mit diesen schelmischen Blicken gekonnt um sich und des Öfteren sah ich die ein oder andere mit ihm in die Nacht verschwinden. Richarda passte zu ihm. Zumindest optisch. Nach 3 heißen Beziehungsjahren bemĂ€ngelte sie jedoch seine Flatterhaftigkeit, befand ihn unzuverlĂ€ssig und arbeitsscheu und setzte ihn vor die TĂŒr. Michael schien es mit Fassung zu tragen, ließ sich eventuellen Liebeskummer nicht anmerken und begegnete ihr fortan, als wĂ€re nie etwas zwischen ihnen gewesen. Richarda liebte nun meinen Martin. Und mein Martin liebte Richarda. Seitdem hatten sich die langen und gesprĂ€chsintensiven Abende und NĂ€chte in unserer WG-KĂŒche nicht mehr ereignet. Sobald Martin kam und Richarda da war, oder umgekehrt, entschwanden sie turtelnd und verliebt in sein Zimmer. Ich fĂŒhlte mich verdammt vernachlĂ€ssigt und einsam. Und die Badezimmerwaage zeigte erschreckende 92 kg, mit wenig Aussicht auf eine neue Liebe. Der nahende Sommer erweckte beĂ€ngstigende GefĂŒhle, dachte ich an den Kauf eines neuen Badeanzuges und nun? Nun saß er da und wollte mir eine Freude machen. Irgendetwas passte da nicht, dachte ich und goss mir ein zweites Glas ein.

Der Grund? Mensch Grit, du bist wirklich nicht bei der Sache. Ich habe Geburtstag! Du hast mir noch immer nicht gratuliert!“
Nun klang er doch ein wenig ungehalten und begann energisch seinen Rucksack zu durchwĂŒhlen. Ein PĂ€ckchen Samson kam zum Vorschein. Der Löwe grinste mich hĂ€misch an und ich schaute wieder auf diese wundeschönen HĂ€nde.
„Da gab es mal einen Wettbewerb von Samson. Wer innerhalb von zehn Minuten die meisten Zigaretten drehte, gewann einen Schlafsack, “ erzĂ€hlte ich, wĂ€hrend er das BlĂ€ttchen anleckte. Ich bekam eine GĂ€nsehaut. „Entschuldige bitte, herzlichen GlĂŒckwunsch zum Geburtstag. Bin tatsĂ€chlich heute daneben, ist wohl das Wetter.“ Mein Glas erhebend lĂ€chelte ich ihn an und dachte darĂŒber nach, dass zum Geburtstag ja eigentlich auch Geschenke gehören. Jetzt fing ich an mich zu Ă€rgern. Er kam hierher, an seinem Geburtstag. Ladet man nicht ein zu solchen AnlĂ€ssen? LĂ€sst man nicht dem anderen wenigstens eine kleine Chance ein Geschenk zu besorgen? Was hĂ€tte ich ihm wohl gekauft? Eine Familienpackung Kondome? Ein After-Shave? Mir wĂ€re nichts VernĂŒnftiges eingefallen, im Grunde kannte ich Michael nicht. „Gibt es etwas, was du dir wĂŒnschst?“, fragte ich und hoffte doch er bleibt wunschlos. „Ja“, meinte er, „gute Frage, ich denke darĂŒber noch nach, aber ich habe ein wenig was vorbereitet zu Hause. Hast du Lust mit mir zu Essen?“
Lust? Lust! Wo blieb sie nun die höhere Macht und die Eingebung? Klar hatte ich Lust. Lust darauf sein Reich zu betreten, welches ja den Barbies reserviert war. Die Neugierde stieg in mir hoch wie die FontÀne aus einem Hydranten.
„Okay, ja gerne. Ich komme mit.“ Mehr brachte ich nicht heraus und hielt meine Nase wieder in das Glas, fĂŒhlte ich doch eine unwillkommene Röte in meinem Gesicht.
Das war eindeutig nicht mein Tag.


Ich fuhr Motorrad! Das Vorderrad behielt sogar bei der heftigen Anfahrt Bodenkontakt und ich genoss den Fahrtwind der durch die Ritzen des Helms strömte. „Du musst dich richtig festhalten!“, rief er mir zu und gab zur BestĂ€tigung seiner Aufforderung Gas. Mir blieb nicht anderes ĂŒbrig als mich an ihn zu klammern und ich begann mich ausgeliefert zu fĂŒhlen. Wie der berĂŒhmte Affe auf dem Schleifstein! Er fuhr wie ein Henker, ungeachtet jeglicher Geschwindigkeitsbegrenzungen, mit 90 Sachen durch die DĂŒsseldorfer Innenstadt.
„Guck mal! Da hinten sind Bullen!“, schrie ich. Ein Lachen drang ein mein Ohr und gleichzeitig bis in mein RĂŒckenmark. Dort stieß es auf NervenstrĂ€nge von denen ich bis zu diesem Zeitpunkt nichts wusste. „Ich habe doch Geburtstag!“, schrie er zurĂŒck und behielt konstant die Geschwindigkeit bei. „Nicht so steif!!! Leg dich doch mal in die Kurven!“ Ins Zeug legen konnte ich mich, wenn ich wollte und mich wirklich gut fĂŒhlte. Aber in Kurven??? Ich schloss meine Augen und versuchte ruhig zu atmen. Langsam bekam ich ein GefĂŒhl fĂŒr die Kraft unter meinem dicken Hintern und begann den Ausflug zu genießen.


Seine Lederjacke hatte einen eigentĂŒmlichen, mir bis dahin völlig unbekannten Geruch, den ich selbst im Fahrtwind und durch diesen Helm riechen konnte.
Wie viele Frauen hatten diesen Duft schon in der Nase? Ob Richarda ihn auch so wahrgenommen hat? Ich werde sie unbedingt fragen mĂŒssen, dachte ich, als er recht ruppig das Motorrad stoppte.
Der Altbau sah einladend aus. Mitten in DĂŒsseldorf - Bilk, an der Altstadt gelegen.
Das Treppenhaus schien wie aus einer anderen Zeit. Beim Anblick des GelÀnders
tippte ich auf Jugendstil, aber meine Kenntnisse auf diesem Gebiet waren beschrĂ€nkt und ich wagte nicht mich zu blamieren. Michael öffnete einladend seine bleiverglaste HaustĂŒr und ich trat ein. „Schön hier“, meinte ich, ohne mich umgeguckt zu haben und schon Ă€rgerte ich mich ĂŒber meine vorschnelle Äußerung. Er hatte gute Laune, pfiff einige ungerade Töne und griff nach meiner Hand. Nicht das ich sie nie wieder hĂ€tte waschen wollen, aber der Gedanke kam mir durchaus in den Sinn. Nun verstand ich die hysterischen, ohnmĂ€chtigen MĂ€dchen und Frauen beim letzten Bowie Konzert. Hoffentlich steh ich das bei Bewusstsein durch. Ich wollte mich erinnern können, ein Leben lang.

Michael öffnete seinen KĂŒhlschrank und förderte eine weitere Flasche Sekt ans Tageslicht. Mit einem Blick in diesen KĂŒhlschrank wusste ich, ich war wirklich im Paradies. Kein Vergleich mit dem spĂ€rlichen Inhalt unseres WG-KĂŒhlschrankes, dessen einziger Inhalt oft nur die GlĂŒhbirne war, die hoffentlich auch immer schön ausging, wenn man die TĂŒr schloss. Dort wo das Eierfach sein sollte, stapelten sich bestimmt sechs Tafeln Schokolade. KĂ€se, Schinken und einige angebrochene MarmeladenglĂ€ser stachen mir sofort ins Auge. Drei verschiedene Sorten! Und das fĂŒr einen Junggesellen! Joghurt, ein Becher Sahne und eine Schale mit Hackfleisch aus der SB-Theke des Supermarktes rundeten meine Vorstellung vom Schlaraffenland ab. Sah das alles appetitlich aus, meine SpeicheldrĂŒsen stellten auf Produktion und ich schluckte um nicht zu sabbern. „Magst du Spagetti Bolognaise?“, fragte er und jonglierte dabei geschickt mit zwei großen Zwiebeln. „Klar, mag ich! Kochen wir zusammen?“

Plötzlich fiel die Lethargie dieses Tages von mir ab und ich fĂŒhlte mich so gut wie schon lange nicht mehr zuvor. Eifrig schnitt ich die Zwiebel, wĂ€hrend er den frischen Parmesan auf einer kleinen Reibe rieb. Aus seinem Wohnzimmer klang Musik, die ich bis dahin nicht kannte. Monotonie in der SĂŒdsee. Ideal.
Der Sommer begann in diesem Augenblick.


Das war die beste Bolognaise die ich je gegessen hatte und Michael war ein guter Koch, der mir gerne seine Tricks verriet. „Gebe etwas Zucker an die Tomaten, das nimmt ihnen die SĂ€ure und die Sauce wird herrlich mild“, meinte er .
„Deine blauen Augen machen mich so sentimental, soooooo blaue Augen“, trĂ€llerte er dann fröhlich. Ich schmolz, wie der ParmesankĂ€se auf den Nudeln.

Zum Nachtisch streckte er sich ĂŒber den KĂŒchentisch, legte seine Hand in meinen Nacken und zog meinen Kopf zur Tischmitte. Sein Kuss schmeckte nach Knoblauch und Parmesan und vermischte sich mit dem Geruch seiner Lederjacke, der mir noch in der Nase haftete. Eine herrliche Kombination, die meine Lust weckte und warme, wohlige Schauer auslöste. In diesem Moment vergaß ich die Barbies und Kens, vergaß Richarda und unseren KĂŒhlschrank. Das letzte an das ich bewusst dachte war, dass das jetzt nicht gemein ist, nicht hundsgemein.

Sein Bett war ein Altar der Lust. TatsĂ€chlich hatte es etwas sakrales. WĂ€hrend er sanft mit der rechten Hand meine Brust unter meinem T-Shirt knetete, erzĂ€hlte er ĂŒber den schwierigen Einbau des Bettes in der Fensternische, sprach von Wasserwaage und MatratzenĂŒbergrĂ¶ĂŸe und von extra gefertigten Laken.
Ich fand es hochinteressant und hoffte er wĂŒrde nicht aufhören, meine BrĂŒste zu bearbeiten. Er ließ sich nicht bitten und erfĂŒllte mir meinen Wunsch ungefragt, wĂ€hrend er von dem Blick auf den Sternenhimmel in der Nacht schwĂ€rmte, den er von seinem Bett so sehr genoss. Als wir uns liebten war ich damit beschĂ€ftigt meinen Bauch möglichst flach erscheinen zu lassen und mich nicht in ungĂŒnstige Positionen zu begeben. Er sprach kein einziges Wort und auch auf dem Weg ins Bad blieb er schweigsam.

Ich hörte die Dusche und langsam stiegen mir die TrĂ€nen der Wut in die Augen. Warum konnte ich nicht einfach genießen, statt diese Bauch-Weg-Gedanken zu denken? Nicht einfach unbeschwert, und mit der zum Sex gehörenden Leichtigkeit, einfach Nehmen und Geben? Oh wie war ich wĂŒtend! Ich sollte mich anziehen und gehen, nie mehr darĂŒber reden und mir bestenfalls noch schnellstens das Rezept aufschreiben fĂŒr diese superleckere Sauce. Duschen konnte ich nachher zu Hause, besser noch baden, dachte ich, als ich mich nach meiner Jeans bĂŒckte und dabei einen Blick unter den Aufbau seines Altares warf.
Schwarz und weiß, Spitze und BĂ€ndchen. Was lag denn da? Ich zog den kleinen WĂ€schehaufen unter dem Bett hervor. String-Tangas, ungefĂ€hr so viele, wie heute morgen noch aufs Richardas WĂ€scheleine hingen, hielt ich in meiner Hand.
Leicht feucht und nach WeichspĂŒler riechend, erinnerten sie mich daran, dass es wirklich jetzt Zeit war zu gehen.


Die TĂŒr fiel leise hinter mir ins Schloss. Ich fĂŒhlte mich benommen und war mir nicht sicher, ob es allein am Sekt lag. In meiner Tasche Richardas Strings und eine gĂ€hnend leere Geldbörse. Mist, dachte ich, ein Taxi wĂ€re jetzt gut. Was sollte diese ganze Aktion nur? Was hatte es mir gebracht außer einem Saucenrezept? Was wollte Michael eigentlich von mir? Fragen ĂŒber Fragen und ich merkte da waren nicht nur Strings in meiner Tasche, sondern auch in meinem Kopf.

Im Grunde war es egal, was er von mir wollte. Hatte mich in die Samson-Höhle gewagt und trug die Kristallkugel den Jugendstilflur herauf, mit dem Blick in meine Zukunft. Einer dicken, verklemmten Zukunft. StĂ€ndige RĂŒckenschmerzen werden die Folge sein, weil die Flachbauch-Fake-Bett-Gymnastik auf Dauer zu sehr anstrengen wird. Das wollte ich nicht!
Eine Hungerkur ist dringend angesagt, aber doch nicht bei solchen Saucen, dachte ich und schon wieder lief mir das Wasser im Mund zusammen. In diesem Moment wusste ich, das ich nie magersĂŒchtig werden kann.

Als ich unsere Wohnung betrat, saßen Richarda und Martin am KĂŒchentisch. Eine Kerze brannte und die AtmosphĂ€re wirkte gemĂŒtlich und entspannt. Zum ersten Mal seit langer Zeit war ich wirklich froh, nicht alleine zu wohnen. Die Anwesenheit der beiden Verliebten, Joe Cocker aus dem Radio und er Duft von angebranntem Restkaffee in der Kaffeemaschine, genau das brauchte ich jetzt.
Richardas Blendax-LĂ€cheln strahlte fĂŒr mich und Martin meinte: „Komm setz dich zu uns, siehst mĂŒde aus. Möchtest du mit uns was trinken?“ Wie ein Auslöser wirkte dieser Satz auf mich und ich begann zu heulen. Ich wĂŒhlte in meiner Tasche und förderte die Tangas ans Kerzenlicht. Eine nach der anderen zog ich sie langsam heraus und hielt sie mir dabei mal vor die Augen, mal an die Nase und an die Brust. Raffiniert wie ein Striptease bot ich eine Vorstellung und meine Heulerei schlug ĂŒber in ein wildes GelĂ€chter. Ich brauchte noch gut eine Stunde, bis ich wieder einen vernĂŒnftigen Satz heraus brachte.

An diesem Abend fasste ich einen Entschluss der mein Leben prÀgen sollte.
Ich wollte lernen mich selbst zu lieben.
Keine Gymnastik mehr, keine RĂŒckenschmerzen!
Ich schaute in den Spiegel und sagte: „Ich bin schön! Ich bin ich! Ich bin Grit!“
Daran wollte ich nun wirklich glauben.
Der Weg ist das Ziel und ich tat den ersten Schritt.



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Grit62

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laetitia
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Registriert: Not Yet

Hallo Grit

hab mir grade deine beiden Geschichten durchgelesen, muss sagen, beide flĂŒssig und mit der gewissen Portion Humor, der bei vielen anderen, die oft meinen, die Welt verbessern zu mĂŒssen, fehlt.
Haben mir gut gefallen, mach weiter so.
Gruß

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Grit1962
???
Registriert: Jul 2003

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Kommentare: 20
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Humor...

Lieben Dank Laetitia,

es freut mich natĂŒrlich das es dir gefĂ€llt :-) FĂŒr mich persönlich darf der Humor nicht zu kurz kommen, auch bei ernsteren Themen. Irgendwie versuche ich immer den Dingen das Positive abzugewinnen. Eine Frage der MentalitĂ€t eben. Ich las "Maxi" von dir, und da habe ich, auch wenn die Geschichte traurig endet, auch einen gewissen Humor gelesen. Letztlich ist es Leben (..sfreude).

Viel Spaß noch...
Grit
__________________
Grit62

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laetitia
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Grit

Ja, den ernsten Dingen Humor abgewinnen, das ist die Kunst. Immer positiv denken, auch wenn‘s manchmal schwer fĂ€llt. Freut mich, dass du so denkst.
Es grĂŒĂŸt dich aus dem sonigen Nordhessen

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