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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Susi und die Neiderin
Eingestellt am 11. 03. 2003 13:08


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Inu
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Susi und die Neiderin.

Lena trifft Susi in der Stadt.
Susi: braungebrannt, HaarmĂ€hne weißblond, die Beine in hochhackigen Sandaletten. Susi ist schick. Susi ist attraktiv, ein Blickfang, wie sie da zĂŒgig und elegant durch die Einkaufspassage eilt. Susi ist fĂŒnfundzwanzig Jahre alt.

Doch Susi ist krank. Sie leidet. Hat schwere Depressionen. Und stĂ€ndig RĂŒckenschmerzen. Susi kann nicht arbeiten. Sie lebt von Mutter Staat.

"Wie schön, dich zu sehen, Lena! Wir haben uns total aus den Augen verloren", ruft Susi. "Ich freu mich, ich freu mich! Aber du siehst mĂŒde aus!"

Lena weiß, dass sie mĂŒde aussieht. Sie ist zwanzig Jahre Ă€lter als Susi. TĂ€glich entdeckt sie neue, graue Haare. Und Falten ... Lena eilt weniger beschwingt durchs Leben. Sie hat AUCH immer RĂŒckenschmerzen.

"Ich wusste nicht, dass du noch in der Stadt bist", sagt Lena leise.
In Wirklichkeit hatte sie GEHOFFT , Susi sei endlich von der BildflÀche verschwunden. Susi ist ein Stachel in ihrem Fleisch.
"Ach ja, ich war eine Weile fort ... Urlaub ... weißt du!", sagt Susi lĂ€ssig.
Lena blickt die andere neugierig an.
"Das dĂŒrfte ich eigentlich niemandem erzĂ€hlen", flĂŒstert Susi, "da will gleich jeder wissen, wo ich das Geld her hab. Also, Ferien wie diese gibt’s nicht noch einmal. Fantastisch! Ich war nĂ€mlich auf den Malediven und ... "

Da sieht sie plötzlich etwas Sezierendes in Lenas Augen. Lenas sehr kĂŒhler Blick stoppt Susis Begeisterungsausbruch sofort.
"Du ... der Flug - du wirst es nicht glauben - hat kaum was gekostet! Ein SonderschnĂ€ppchen. Hatte ich aus dem Internet! Außerdem war es eigentlich kein wirklicher Urlaub, könnte ich mir ja gar nicht leisten ... nein, ich habe bei einer Familie gewohnt. Hab bei denen ausgeholfen, gearbeitet im Haushalt und so ... weißt du!"

Ärger und Widerwillen kriechen in Lenas Hirn, dass ihr fast schlecht wird und sie nur fort möchte. Doch ihre Neugier ist stark:
"Wohnst du eigentlich noch in der Mozartstraße?" fragt sie wie nebenbei.
"Ja, ja", sagt Susi.

Lena ist tief enttĂ€uscht. Sie hatte heimlich gehofft, man habe diese Frau zu guter Letzt doch noch auf die Straße gesetzt. Denn Susi hat sich die Wohnung auf niedertrĂ€chtige Weise unter den Nagel gerissen.
- Eine Wohnung, die eigentlich fĂŒr mich bestimmt war - denkt Lena bitter. Seither ist dieses WeibsstĂŒck fĂŒr sie ... nein, nicht gestorben, dafĂŒr ist die viel zu laut, zu auffĂ€llig, nein ... aber ihr Anblick reizt Lena, wie das berĂŒhmte rote Tuch den Stier. Lena hasst Susi. Nur in raren, von kĂŒhler Vernunft dominierten Momenten muss sie sich eingestehen: Susi ist nicht wirklich bösartig, nur eben SCHLAU. Ganz gleich: die Wunde, die Susi ihr geschlagen hat, schmerzt jedesmal aufs Neue, wenn sie sich begegnen. Dabei liegt die Angelegenheit ĂŒber zwei Jahre zurĂŒck.

In dem kleinen Zeitungsladen, den sie auch heute noch betreibt, seufzt Lena eines Tages vor den Kunden: stressig sei es, tĂ€glich die dreißig Kilometer zur Arbeit und wieder heim zu fahren. Sie wohnte damals weit draußen auf dem Land. Dass sie eigentlich lieber in die NĂ€he ihres GeschĂ€ftes ziehen wolle, sagt sie.

"Da habe ich ein ideales Angebot", lĂ€chelt ein etwa sechzigjĂ€hriger Herr, der bei Lena regelmĂ€ĂŸig seine Zeitung und Zigaretten kauft. "Die Stadt hat hier im Viertel ein altes Jugendstilhaus ĂŒbernommen und lĂ€sst es gerade renovieren. FĂŒr drei Stockwerke stehen die Mieter schon fest. Aber da ist noch das vierte, das Dachgeschoss. Wir tun uns schwer damit, denn es entspricht nicht der Norm, weil die KĂŒche fehlt. Es gibt da nĂ€mlich ein Gesetz, das genau bestimmt, wann ein Projekt als Wohnraum vermietet werden darf und wann nicht. Also dieses dĂŒrfen wir nicht an eine Familie vermieten, höchstens an jemanden, der es fĂŒr gewerbliche Zwecke nutzt. Sie könnten dort ihre Zeitschriften und ZigarettenvorrĂ€te lagern ... pro forma natĂŒrlich, nur um dem Gesetz zu genĂŒgen. Sie sehen: eine etwas außergewöhnliche Wohnung. Wirklich, diese Dachetage ist im höchsten Grad ... unkonventionell!"

"Trotzdem ... eine KĂŒche wĂŒrde ich doch ganz gern haben!" meint Lena .

"Also Wasseranschluss ist natĂŒrlich da ... nur Starkstromherd, Waschmaschine, Trockner, GeschirrspĂŒler, all das kann nicht angeschlossen werden, die elektrischen Leitungen dort oben sind zu schwach. FĂŒr zwei Kochplatten aber reicht die KapazitĂ€t. Und es wird im Keller MĂŒnz-Automaten fĂŒr die WĂ€sche geben. Das alte GemĂ€uer hat immerhin ĂŒber hundert Jahre auf dem Buckel, da kann man nicht ALLES verlangen", sagt der Mann mit seinem seltsamen LĂ€cheln, "aber glauben Sie mir, die Wohnung besitzt auch einige verborgene VorzĂŒge. Hier ist meine Karte. Ich schreibe Ihnen jetzt noch die Adresse von dem Projekt dazu. Dann können sie hingehen und sich selbst ein Bild machen. Die Handwerker arbeiten jeden Tag dort. Die RĂ€umlichkeiten sind also zugĂ€nglich. Sagen Sie, ich hĂ€tte Sie geschickt und rufen Sie mich gleich an und geben mir Bescheid, ob sie interessiert sind."

Lena ist ĂŒberrascht. Der unauffĂ€llige Kunde, mit dem sie nur manchmal ein paar Worte gewechselt hat, entpuppt sich jetzt als Baudezernent der Stadt. So steht es auf der Karte.

"Die Wohnung scheint mir wie fĂŒr SIE geschaffen!", sagt der Mann, als er seine Zeitungen bezahlt.
Soll das ein Kompliment sein? Doch eher das Gegenteil! Eine Dachgeschoss-Angelegenheit im vierten Stock mit schrĂ€gen WĂ€nden und schwachen elektrischen Leitungen, die kein GerĂ€t aushalten, eine fehlende KĂŒche und er meint, dafĂŒr sei sie die ideale Mieterin.
"Danke sehr, ich werde es mir ĂŒberlegen", sagt Lena freundlich.
"Warten sie nicht zu lange, ich muss nĂ€mlich nĂ€chste Woche fĂŒr eine Weile verreisen."

Gerade als er dabei ist, zur offenstehenden TĂŒr hinauszugehen, kommt Susi in den Laden gewirbelt.
"Heh, heh, hab ich da was von Wohnung gehört?", ruft sie. "Das interessiert mich aber! Ich will doch lang schon raus aus dieser komischen WG ... bin die ganze Zeit auf der Suche. Wo ist denn dieses Haus?"

Niemand antwortet.

"Ich könnte mir die Sache ja unverbindlich anschauen und dir dann morgen berichten, ruft Susi enthusiastisch. Lena, du hast natĂŒrlich den Vortritt und nur, wenn du nicht interessiert bist ..."
"Okay", sagt Lena, "geh ruhig hin." Sie gibt Susi die Visitenkarte des Dezernenten mit der Adresse des GebÀudes.

"Eigentlich hat der Herr die Wohnung ja Ihnen offeriert, Lena", mischt sich eine Kundin ein.

"Na ja, ich schaue sie ja nur FÜR meine Freundin an ... das darf ich doch!", kontert Susi launisch, "wir haben schließlich fast den gleichen Geschmack!"

Am nÀchsten Tag fragt Lena: "Bist du in der Wohnung gewesen?"
"Nee", antwortet Susi, "noch nicht, aber vielleicht morgen!"
Zwei Tage spÀter zuckt Susi mit den Schultern: "Verdammt, ich hab's noch immer nicht geschafft."
Am nÀchsten Tag erscheint sie dann mit heruntergezogenen Mundwinkeln im Laden:
"Das ist vielleicht eine Bruchbude ... ein Dachjuchhe im fĂŒnften Stock ... wahnsinnige Treppen, natĂŒrlich kein Fahrstuhl ... da ist man ja schon fertig, wenn man oben ankommt und alles ... mini ... mini, drei, vier winzige KabĂ€uschen ... also wirklich ... und die reinste Baustelle! Sieht nicht aus, als ob das jemals was wĂŒrde."

Lena, die nach Überdenken, Überschlafen und nun auch nach Susis negativer Beschreibung keineswegs wild auf dieses Appartement ist, kĂŒmmert sich nicht weiter, vergisst die Sache.

Da bietet ihr jemand schon vier Tage spĂ€ter eine andere Wohnung an. Im ersten Stock eines Mietshauses. Eine Zwei-Zimmer-KĂŒche-Bad-Angelegenheit, weder groß noch klein, weder schön noch hĂ€sslich. Standard eben. Aber sofort bezugsfĂ€hig. Außerdem ist sie nur einen Steinwurf vom Laden entfernt. Lena fackelt nicht lange, macht alles mit dem EigentĂŒmer klar und zieht ein.

Von Susi hört und sieht sie eine Weile nichts. Eines Samstag Morgens taucht sie wieder im Laden auf.
"Halt dich fest, meine Liebe", jubelt Susi. "Erinnerst du dich an diese Dachgeschoss-Sache da ...? Also, ich KRIEGE die Wohnung. Herr Vanderweide ( das ist der bewusste Baudezernent ) war sehr von mir angetan und hat bei der Stadt ein gutes Wort fĂŒr mich eingelegt. Hab den Mietvertrag schon in der Tasche. Juhu ... Es ist unglaublich. Lena, geh nachher mal mit! Das musst du sehen. Was die daraus gemacht haben - man sollte es nicht fĂŒr möglich halten!"

Lena geht nach Ladenschluss mit. Nur drei Minuten Fußmarsch und sie sind da!
Das Haus steht auf einer Anhöhe am Rand des Heine-Parks. Es ist eine schöne, einst hochherrschaftliche Villa, und wie Lena ja schon weiß, ganz im Jugendstil gebaut. Die Dachwohnung, um die es geht, liegt im vierten Stock. Die Treppen sind breit und bequem. Sie wĂŒrden sogar fĂŒr siebzigjĂ€hrige Rentner noch zu bewĂ€ltigen sein. Und die Zimmer? Es sind tatsĂ€chlich niedrige, mit weißer Rauhfaser tapezierte KĂ€mmerchen mit schrĂ€gen WĂ€nden, wie Susi erwĂ€hnt hatte. Allerdings mit gerĂ€umigen Aussparungen, die weit unters verkleidete DachgebĂ€lk reichen, wo man durch Einbau von Regalen eine Menge Stauraum zum Aufbewahren von Sachen schaffen könnte. Platz fĂŒr eine Schreib- und Arbeitsecke und genug Nischen fĂŒr Futonbetten oder Liegen sind auch vorhanden.
Doch zugegeben, diese RĂ€umlichkeiten sind eher bescheiden.

"Komm", sagt Susi, "jetzt zeig ich dir was ziemlich Tolles!"
Das ‚ziemlich Tolle‘ ist das Badezimmer. Lena kann nur laut schreien. Vor Staunen. Denn es ist mindestens dreimal so groß, wie die BĂ€der, die man heute in normalen Wohnungen hat. Und sehr hell. Die Decke fĂŒllt ein riesiges, kuppelförmiges Oberlicht aus. Auf dem Boden weiße Marmorfliesen. An den WĂ€nden hellbeige Kacheln mit Seerosen- Motiven. Gleich zwei identische, sanft geschwungene Waschbecken mit kostbar verzierten WasserhĂ€hnen. DarĂŒber ovale Spiegel. Alles Jugendstil. In einer Nische ein Bidet. Wie schick!
Die Badewanne jedoch ist hochmodern. Luxus pur. Eine ĂŒbergroße Eckwanne, etwas erhöht in den Boden eingelassen, daran anschließend ein Podest, auf dessen Marmor man es sich bequem machen kann wie auf der Bank eines Solariums. Denn wĂ€rmend und golden fallen sogar jetzt, an diesem rauen Herbsttag die Sonnenstrahlen von oben auf all diese Pracht.
"Das ist fantastisch!" Lena ringt nach Luft.
"So ... was du bisher gesehen hast, war der normale Wohn-und Nutzbereich", grinst Susi, "aber jetzt gehen wir einmal dort hinĂŒber!"

Das ‚Zimmer‘, das sie jetzt betreten - Susi hatte es Lena damals im Laden komplett unterschlagen - ist eher eine kleine Halle von etwa FÜNFZIG Quadratmetern und hell, hell. Scheint von einem exzentrischen Bauherrn einst aus purer Lust und Tollerei auf das flache Dach gesetzt worden zu sein. Auch dieser Raum ist von einer luftigen Glaskuppel mit Metallstreben, einer wohlgeformten Kuppel im puren Jugendstil ĂŒberspannt, durch die alles Tageslicht der Welt hereinströmt.
Lena taumelt fast vor Aufregung, vor aufkeimendem Neid - der Susi hoffentlich verborgen bleibt!

"Hast du ein GlĂŒck!" ruft sie ein ums andere Mal und kann ihr AufgewĂŒhltsein kaum mehr verbergen. Ihre Stimme ĂŒberschlĂ€gt sich, wĂ€hrend sie in diesem wundervollen kleinen Saal herumblickt, der jetzt Ende Oktober von einer Helligkeit durchflutet ist, als sei draußen satter Hochsommer.

"Da muss das Amt mir aber ab und zu einen Fensterputzer genehmigen", wirft Susi munter ein, "ich mĂŒsste ja auf eine hohe Leiter steigen, um DIESE FlĂ€chen zu reinigen, ICH mit MEINER Bandscheibe!"

Der kuppelĂŒberdachte Raum besteht auf einer Seite aus zwei deckenhohen, glĂ€sernen SchiebetĂŒren, die bis zum Fußboden reichen. Durch eine dieser TĂŒren treten sie nun ins Freie und stehen auf einer DACHTERRASSE , von der man die herrlichste Aussicht nach drei Himmelsrichtungen genießt. Auch davon hatte das schlaue Geschöpf damals im Laden kein Wort erwĂ€hnt.
Lena regt sich so auf, dass sie fast umfÀllt. Fast umfÀllt vor Wut. Vor Neid. "Warum habe ich Idiotin mir die Wohnung nicht angesehen, damals!", denkt sie in ohnmÀchtigem Zorn.

"Hundertzwanzig Quadratmeter ist die Terrasse groß", jubelt Susi, "und nur von meiner Wohnung her erreichbar, wird also mir ganz allein gehören. Das habe ich schriftlich. Die anderen Mieter kommen hier nicht herauf, es sei denn, ich wĂŒrde sie einladen!" aber die haben ja selbst ihre Balkone.

Vor dem brusthohen SicherheitsgelĂ€nder schreitet Lena die drei offenen Seiten der Terrasse ab. Sie zittert. Löst sich nur langsam aus dem Dunst von Grimm und feuerroter Wut: „All das könnte ich jetzt tĂ€glich haben, wenn ...“

Der Panorama-Blick ist wunderbar. Traurig sieht Lena von oben auf die bizarren, malerischen HausdĂ€cher mit Dutzenden von Winkeln, Erkern, romantischen, efeuumrankten Ecken dazwischen Kleine, von Menschen begrĂŒnte Oasen voller Blumenstöcke leuchten im roten und schwarzen Ziegelmeer. Hier ist man hoch ĂŒber allem. Lenas Blick geht weit ĂŒber die StraßenzĂŒge der Stadt, umfasst die steil ragenden, vereinzelten KirchtĂŒrme hie und da, wandert dann in die Ferne bis zu Wiesen, zum Fluss und weit hin zu den WĂ€ldern. Eine Aussicht ... unsagbar frei und schön!

"Das ist einmalig. Dagegen ist meine Wohnung ein Scheißdreck", denkt Lena. "ICH könnte jetzt hier leben. Mir ist das alles angeboten worden ... MIR !" Ihr ist nach Heulen zumute.
"Das ist das Domizil, von dem ich immer getrĂ€umt habe", schluchzt etwas tief in ihrer Seele. Sie fĂŒhlt sich elend. Betrogen. Verraten.

Sie denkt:"Die RĂ€umlichkeiten, von Grund auf renoviert, sind noch jungfrĂ€ulich und rein. Man kann sie herrlich gestalten. Das wird natĂŒrlich nicht der Fall sein, wenn Susi nĂ€chste Woche mit all ihrem Krempel einzieht und sie verseucht", denkt Lena bitterböse.

"NatĂŒrlich haben sie das alles hier nicht meinetwegen so schön auf die Reihe gebracht", flötet Susi, "sondern das Haus gehört der Stadt und steht unter Denkmalschutz. Sie mussten es nach alten PlĂ€nen stilgetreu wiederherstellen. Unsummen haben sie da hinein gepumpt. Auch die ĂŒbrigen Wohnungen sind prachtvoll. Aber diese hier toppt alles!"

"Ja, es ist wirklich wunderbar", sagt Lena, die vor Übelkeit jetzt wirklich fast umfĂ€llt.

"Das darf man keinem erzĂ€hlen", wispert Susi, "dass eine Sozialhilfe-EmpfĂ€ngerin eine solche Bleibe bekommen hat. Und mit 350 DM ist sie billig. Obwohl ... meine Miete zahlt eh das Amt. Nur, zu einem hab ich mich verpflichten mĂŒssen: sie wollen nĂ€mlich, dass ich Tina zu mir nehme."
Tina ist Susis dreijÀhrige Tochter, die bei der Oma lebt.
"Meine Mutter soll nĂ€mlich ins Krankenhaus ... die Herzklappe ... und da mĂŒssten sie das Kind in ein Heim stecken. Das wĂŒrde den Staat eine Menge Geld kosten. Aber das mit Tina ist kein Problem, ich nehm sie ja gern", sagt Susi. "Platz ist genug und im Sommer haben wir auch die Dachterrasse ... Ach, liebe Lena, du musst mir ein bisschen beim Einrichten helfen, du hast einen so exquisiten Geschmack!", schleimt die Schlange ... "Irgendwie brauch ich da noch eine Kochstelle ..."

Lena fĂŒhlt sich gleich wieder gefordert: "Du brauchst eine Kochzeile mit einer DoppelspĂŒle. Das Ganze kannst Du in der Nische dort hinter einer SchiebetĂŒr verstecken. Gleich daneben wĂŒrde ich eine schicke Essecke einrichten. Zum Schlafen, zum Arbeiten und fĂŒr die Sachen ist in den schrĂ€gen Kammern mehr als genug Platz. So brauchst du den Raum mit der Glaskuppel und dem Parkettfußboden nicht fĂŒrs ‚normale‘ Wohnen zu benutzen, sondern kannst etwas Herrliches daraus machen. Eine weitlĂ€ufige Sitzhalle, ein exotisches, grĂŒnes Paradies!"

Beim Gedanken an all diese Möglichkeiten vergisst Lena fĂŒr einen Augenblick ihre Trauer, ihre Wut. "Du solltest dir richtig große, hohe Pflanzen heranzĂŒchten. Ich kann dir jede Menge Ableger geben. Bei dem Oberlicht hier wĂ€chst wahrscheinlich alles schnell bis zur Decke."

Warum biedert sie sich Susi an? Glaubt sie durch die Wiederbelebung dieser Freundschaft - die eigentlich nie wirklich eine war - zumindest als Besucherin ab und zu die Schönheit und den Komfort der Wohnung genießen zu dĂŒrfen!

"Viele Pflanzen ... meinst Du wirklich, Lena? Ach, das darf ich gar nicht publik machen, was fĂŒr eine Wohnung ich hier habe. Bitte sag du es auch niemandem! Sonst werden die Spießer nur neidisch! Ach Lena, nach dem Umzug mach ich eine Party fĂŒr meine liebsten Leute. Du kommst doch auch, oder? Du musst mich eh bei der Einrichtung beraten und so... juhu und dann geh ich Möbel kaufen!"
"An den Seiten des Kuppelraumes entlang wĂŒrde ich nur ein paar edle, WEIßE Sitzelemente aufstellen", sprudelt Lena heraus, "und in die Ecke den Fernseher und die Musikanlage. Sonst nichts. Damit die FlĂ€che weit und großzĂŒgig bleibt."
"Ja aber da wĂ€re so schön viel Platz fĂŒr viel Zeug!"

"Stopf diesen EINEN Raum bitte nicht mit irgendwelchem Kleinkram und Nippes voll!".
- Lena kennt Susis Vorliebe fĂŒr Plastikpuppen, Dekoschrott und ĂŒbergroße, gammelige Stofftiere, mit denen sie jeden freien Platz ihres Zimmers in der WG verziert hatte -

"Wo soll ich aber all die Blumentöpfe draufstellen", hakt Susi nach, "wenn ich doch in dem Raum keine Möbel... ?"
"Du stellst die Pflanzen direkt auf den Boden in großen, einfachen, schönen GefĂ€ĂŸen. Am besten auf Hydrokultur. Dann wachsen sie wie im Dschungel."
"Jawohl, Mama!" ruft Susi und grinst ĂŒbers ganze Gesicht.

"Schau mal", sagt Lena spĂ€ter, "es sind Mulden in den Boden der Terrasse eingelassen, da kann man Erde einfĂŒllen und sogar kleine BĂ€ume pflanzen. Die haben wirklich an alles gedacht, damals vor hundert Jahren. Da draußen kann man schlafen, wohnen, Partys feiern .... so hoch liegt die Terrasse, dass es keine Einsicht durch irgendwelche Nachbarn gibt. "
Ach, Lenas Gedanken machen wilde SprĂŒnge:
"Du und die Tina, ihr könnt praktisch den gesamten Sommer ĂŒber hier draußen leben ... ein zusĂ€tzliches Wohnzimmer ... "

Mit der hellen Begeisterung bricht aber schon wieder Neid wie eine gelbe Woge ĂŒber sie herein.
Das Schlafen im Sommer unter freiem Himmel ist ein stĂ€ndiger, unerfĂŒllbarer Traum von Lena, die in ihrer neuen Behausung nur einen 80 auf 80 cm großen KĂŒchenbalkon hat.
‚Vielleicht könnte ja auch ich, von Susi eingeladen, ab und zu die Nacht hier draußen verbringen, direkt unter den Sternen!‘ Hoffnung keimt in ihr auf.
"Da hast du eine fantastische Wohnung", sagt sie und kann die Trauer in ihrer Stimme, ja die TrÀnen kaum mehr verbergen.

"Ich find sie auch lustig", plappert Susi, "obwohl ... immer die schmutzige WĂ€sche in den Keller schleppen und dann wieder die ganzen Treppen hoch, das ist nicht gerade das Gelbe vom Ei ..."

"Ist doch keineswegs der Rede wert, verglichen mit all dem Schönen."
"Okay", grinst Susi, "du hast Recht. Also, du kannst kommen und hier auf der Terrasse ĂŒbernachten, so oft du willst. Wir können uns auch zusammen auf meinem Dachgarten sonnen, wenn du magst! Warte mal, bis ich erst eingerichtet bin. Wenn erst die große Party steigt." Susi lĂ€chelt zufrieden.

Aber Lena kriegt die Wohnung nicht mehr zu sehen. Schlimmer ... Susi kreuzt nie mehr bei ihr im Laden auf. Wo sie vorher doch fast jeden Tag da war! Die Pflanzenableger hat sie sich auch nicht abgeholt und bleibt verschollen. Lena ist traurig, gekrĂ€nkt, ist wĂŒtend darĂŒber, dass die andere sie ignoriert.
"Vielleicht hat Susi ja meinen Neid, meine Missgunst gespĂŒrt", ĂŒberlegt sie. Und Lenas Neid und Missgunst werden immer stĂ€rker, wenn sie denkt, wie glĂŒcklich sie selbst mit dieser Wohnung geworden wĂ€re.

Inzwischen vergehen sechs Wochen. Susi hat Lena noch immer zu KEINER Einweihungsparty geladen. Was ist nur los mit ihr?

Da muss Lena sich einfach Gewissheit verschaffen. Sie schleicht sich eines Abends nach GeschĂ€ftsschluss zur Jugendstil-Villa. Außen, neben dem Eingang zeigt das Klingelschildchen der Dachetage als einziges keine Aufschrift. Vielleicht wohnt Susi gar nicht hier, hat die Wohnung am Ende doch nicht bekommen ...Wishful thinking! Lenas Wangen röten sich. Schadenfreude!
Die HaustĂŒr ist nur angelehnt. Lena tritt in den Flur. Nun hat sie aber traurige Gewissheit: Susi ist mitnichten hinausgeworfen worden. Ihr Name prangt stolz an einem der BriefkĂ€sten. Das heißt: es gibt sie nach wie vor, sie ist nicht von der BildflĂ€che verschwunden, will nur von Lena nichts mehr wissen.

Lena hatte sich auf die NĂ€chte unter dem Sternenhimmel wirklich gefreut, ja, aus irgend einem rĂ€tselhaften Grund hĂ€tte ihr sogar der Aufenthalt in Susis Wohnung unsagbar viel bedeutet. Jetzt ist sie elend. Bitterböse GefĂŒhle brodeln wieder in ihr. Jedoch hinaufzugehen und mit Susi zu sprechen, das wĂ€re der Gipfel der Peinlichkeit. Lena fĂŒhlt sich krank. Sie wankt nach Hause.

Nun ist es klar: Susi geht ihr absichtlich aus dem Weg. Einmal kommen sie sich ungewollt auf zwei verschiedenen Straßenseiten entgegen. Susi wendet den Kopf schnell geradeaus, vermeidet den Blick hinĂŒber zu Lena, der schon das verkrampfte BegrĂŒĂŸungslĂ€cheln automatisch aufs Gesicht gesprungen ist.

Monate spĂ€ter treffen sie sich zufĂ€llig im Wartezimmer beim Zahnarzt. Da können sie nicht umhin, ein paar Worte miteinander zu wechseln. Gleich fragt Lena nach der Wohnung. Sie kann nicht an sich halten. Die Neugier ist zu stark. Aber Susi verliert kein einziges gutes Wort ĂŒber ihre herrliche Bleibe. RĂŒhmt weder die fantastischen LichtverhĂ€ltnisse, noch die Dachterrasse, noch hat sie sonst irgend etwas Positives zu melden.

"Stell dir vor, im Erdgeschoss, in dem Haus nebenan ist ... eine CHENMISCHE REINIGUNG“, jammert sie stattdessen. "Da steigen DĂŒnste hoch ... ich kann dir sagen. Furchtbar. An manchen Tagen dringt ein solch widerlicher Gestank herauf ... also, das hĂ€lt ĂŒberhaupt niemand aus!"

Lena meint, - nein, sie ist sicher - dass das mit den GerĂŒchen eher unwahrscheinlich ist, denn Susis Wohnung liegt in luftiger Höhe, die chemische Reinigung aber im Erdgeschoss eines reichlich entfernt stehenden NACHBARHAUSES.

"Ich habe gegen die Besitzer Klage erhoben", sagt Susi, "und werde nicht eher Ruhe geben, bis sie hundertprozentige Filter eingebaut oder ihre GiftkĂŒche fĂŒr immer geschlossen haben. Ich bin schließlich juristisch sehr gut gepolstert."

Von Tina redet Susi dann etwas spÀter und ganz nebenbei. Ihre Tochter wohne nicht mehr bei ihr, sie sei krank geworden, kein Wunder, wo die RÀume so belastet seien durch die Abgase von diesem impertinenten, italienischen Reinigungsfritzen.. Jetzt sei Tina wieder bei der Oma, die sich ja , Dank der neuen Herzklappe, gut berappelt hÀtte ... Bei der Oma sei die Kleine doch am besten aufgehoben.
"Das bedeutet aber nicht, dass ich nun keine ‚alleinerziehende Mutter‘ mehr bin, wie diese missgĂŒnstige Zicke, die Frau MĂŒller – du kennst sie, sie kommt in deinen Laden - dem Amt gemeldet hat. Die ist ja nur auf die Kohle neidisch, die ich kriege", sagt Susi zornig, "und das Kind ist ja nun einmal meines, fĂŒr das allein ich einzustehen habe. Und wer weiß denn, wie lang die Tina noch bei meiner Mutter bleibt ... ich kann sie doch nicht stĂ€ndig hin- und her ummelden! "
Lena schĂŒttelt irritiert den Kopf. Sie schweigt.

Susi, die heute wieder einmal ihr Herz auf der Zunge trÀgt, fÀngt jetzt auch noch prompt von dem Mann zu reden an, von dem die bösen Nachbarn behaupten, dass er bei ihr wohne, weil sein BMW Tag und Nacht vor ihrem Haus stehe.
„Da sieht man mal wieder die Gemeinheit der Leute“, sagt sie, „ die haben es doch fast geschafft, dass mir die StĂŒtze gekĂŒrzt wird.
Also, egal, was die NeidsĂ€cke labern ... Frank ist zwar oft bei mir, aber er ist nur ein guter Bekannter. Abends fĂ€hrt er immer heim und schlĂ€ft bei seiner Mutter. Er hat nach seiner Scheidung nur seine Klamotten, ein paar BĂŒcher und den Computer bei mir untergebracht und ist noch nicht dazu gekommen, das Zeug wieder zurĂŒckzuholen. Aber gerade in der Zwischenzeit ist eine Tussi vom Amt dagewesen. Sie hat blöderweise auch seinen bescheuerten Rasierapparat und benutzte WĂ€sche von ihm in meinem Bad gefunden. Da hat sie gemeckert, dass wir wahrscheinlich in einem eheĂ€hnlichen VerhĂ€ltnis oder so ... Dabei ist das eine rein platonische Sache mit dem Frank. Ein Paar sind wir schon gar nicht. Der Alten habe ich aber mal richtig die Meinung gegeigt. Ich bin schließlich krank und behindert und brauch das Geld. Die hat sich auch nie wieder gemeldet." Susi schiebt energisch das Kinn vor.

Ihr Monolog bricht prompt ab und rettet Lena vor einem Wutanfall, als die Zahnarzthelferin Susi in den Behandlungsraum ruft.

Danach vergehen Monate. Lena hört und sieht von Susi nichts mehr.

Dann, in jenem langen, höllisch heißen Sommer, geschieht es, dass die beiden sich wieder an einem spĂ€ten Samstag Nachmittag in der FußgĂ€ngerzone zufĂ€llig ĂŒber den Weg laufen. Susi, wie immer schön gestylt, leichtfĂŒĂŸig, Sonnenbrille hoch in den Haaransatz geschoben, schicke, neonpinke Beuteltasche am Arm, erklĂ€rt lĂ€ssig, dass sie den ganzen Tag im Schwimmbad gewesen sei ..."Schade Lena, ich hab wenig Zeit, bin drĂŒben im Ratskeller mit Freunden zum Abendessen verabredet. Aber laufen wir doch ein StĂŒck miteinander!"

"Was macht deine Wohnung?" fragt Lena mĂŒde.
"Ach die Wohnung! Na ja, so toll wie du denkst, ist das alles auch nicht!"
"Auf alle FĂ€lle bist du ziemlich gut dran. Ich kann nachts vor lauter SchwĂŒle nicht schlafen! Eine Terrasse ist nicht das Schlechteste bei dieser Hundehitze“, seufzt Lena.
Susi schĂŒttelt sich: "Wenn du nur wĂŒsstest, wie unangenehm das dort manchmal wird ... All das Nachtgetier, die urggh ... Insekten ... Das macht echt keinen Spaß. Und mit diesen Schrott-Waschmaschinen im Keller kriegt man seine Sachen ĂŒberhaupt nicht sauber, außerdem schlucken sie viel zu viele MĂŒnzen. Meinst du, die Stadt wĂŒrde das endlich mal in Ordnung bringen? Da muss ich wieder Druck machen. Ich lass mir doch nicht alles gefallen!"

"Man soll eben um sein Recht kÀmpfen", sagt Lena sarkastisch.

Und sie denkt bitter daran, wie sie doch sechs Tage die Woche von morgens sieben bis abends halb sieben im brĂŒtend heißen Laden sitzt und Zeitungen verkauft, zu deren LektĂŒre sie selbst kaum kommt, weil bei ihr immer Betrieb ist. Wie sie geduldig auf jeden Rentner eingeht, der hier seinen Lottoschein ausfĂŒllt und gern mit ihr ein kleines SchwĂ€tzchen hĂ€lt. Wie sie sich das Getratsche der Hausfrauen aus der Nachbarschaft anhören muss, die bei ihr jeden Morgen die ‚Bild‘ kaufen und einmal in der Woche eine Fernsehillustrierte, arme Einsame, die danach stundenlang herumhocken und ihre hĂ€uslichen Probleme drastisch schildern. Und das Tag fĂŒr Tag. Zum Ausgehen hat sie nach einer solchen Woche weder Lust noch Kraft. Um eine Reise zu machen, mĂŒsste sie den Laden schließen oder eine Vertretung engagieren. Doch das geht aus finanziellen GrĂŒnden nicht. Wieder hat in der NĂ€he ein neuer Kiosk aufgemacht. Immer mehr Konkurrenz. Und wozu die ganze Schufterei? Ein Monat ist schnell um und jeden neuen Ersten kommen Ladenmiete, Krankenversicherung, Telefon- und Stromrechnung auf sie zu. Dazu die Miete fĂŒr ihre mickrige Wohnung. Da bleibt fĂŒr Luxus nichts ĂŒbrig. So vergeht Jahr um Jahr.

Susi, die Sonnenbraune, blickt aus dunkel-umschminkten Augen fröhlich in den Tag.
"Schau mal, Lena", sagt sie und lĂ€sst die Ältere einen kurzen Blick in eine TragetĂŒte werfen, die sie aus ihrer schicken Tasche zieht.
"Guck mal, hab ich mir eben gekauft. Escada!"
Etwas Pinkfarbenes, Wolkig-Duftiges, SeidenglÀnzendes sticht ins Auge. Abendkleid? Hausanzug? Lena will es gar nicht wissen.
"Steht mir gut, das Teil", sagt Susi, "ach, weißt du was ... setzen wir uns noch schnell hierher zum Italiener und trinken einen Espresso! Der Typ, mit dem ich mein Date hab, kann ruhig ein paar Minuten warten! Ich muss dir noch etwas Wichtiges erzĂ€hlen. Ich hab da ein riesengroßes Problem am Hals. Die Leute vom Amt wollen nĂ€mlich wissen, woher das Geld stammt, mit dem ich meinen letzten Urlaub finanziert habe! Die sind derart penetrant!"
"Urlaub?"
Ja, ich bin doch vorigen Monat in Florida gewesen. Und jetzt hat mich irgend jemand verpfiffen. Die alte Hexe vom Amt hat mich eh schon die ganze Zeit auf dem Kieker, die hat also das bescheuerte ReisebĂŒro ausfindig gemacht. Nun heißt es, ich hĂ€tt noch eine andere Geldquelle oder so was ... weißt du. Also, ich hab den Tussis gesagt, eine Freundin hĂ€tte mir die Kohle geborgt und ich mĂŒsste sie natĂŒrlich wieder ratenweise zurĂŒckzahlen.
"Könnte ja sein“, sagt Lena angewidert
Susi grinst schalkhaft. "Ich kenn keine, die behaupten könnte, sie hĂ€tte mir 2000 DM ... Die mĂŒsste dann wieder beweisen, woher sie ... und so weiter. Derart beschissen sind die inzwischen drauf bei den Ämtern. Total uncool. Immer nur am Überlegen, wie sie Leuten wie mir das Geld kĂŒrzen können ... wo sie sonst die Milliarden raushauen wie nix! Da hab ich gedacht, wo ich dich gerade treffe ... vielleicht wĂŒrdest du fĂŒr mich ...? aussagen, meine ich ... Es kostet dich ja keinen Pfennig. Sag einfach DU hĂ€ttest mir das Geld geliehen. Lena. Ich wĂ€r dir ewig dank ..."

Da verspĂŒrt Lena einen Augenblick lang den wilden Drang, dem WeibsstĂŒck so richtig mitten ins Gesicht ...

Aber sie ist noch nie im Leben wirklich aus sich herausgegangen ... sie tut es auch jetzt nicht. Und auf einmal ist in ihr nur Leere. Sie schĂŒttelt den Kopf, sagt kein Wort, trinkt ihren Kaffee mit einem bitteren Schluck zu Ende, legt zwei DM auf den Tisch und hastet wortlos davon.

„Wie bist du denn drauf?“, hört sie Susi noch rufen ...

*







Copyright Irmgard Schöndorf Welch MÀrz 2003










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Waldemar Hammel
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Ach, der Schreibstil stört mich: Er hat mich so gepackt, daß ich einfach voller Spannung bis zum Ende weiterlesen mußte, denn er ist gepflegt und fehlerlos (evtl. FlĂŒchtigkeitsfehler hab' ich gar nicht mitbekommen)
Ich finde den Text super geschrieben, kurzweilig, interessant, in den Formulierungen nicht ĂŒbertrieben.
Steckt sehr viel Arbeit drin! Es war mir ein Genuß, Danke!

Zum Inhalt: Da beiß' ich mir eher die Zunge ab, als offiziell meine Ansichten darzulegen.


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Inu
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Hallo lieber Waldemar

quote:


Ach, der Schreibstil stört mich: Er hat mich so gepackt, daß ich einfach voller Spannung bis zum Ende weiterlesen mußte, denn er ist gepflegt und fehlerlos (evtl. FlĂŒchtigkeitsfehler hab' ich gar nicht mitbekommen)
Ich finde den Text super geschrieben, kurzweilig, interessant, in den Formulierungen nicht ĂŒbertrieben.
Steckt sehr viel Arbeit drin! Es war mir ein Genuß, Danke!

Zum Inhalt: Da beiß' ich mir eher die Zunge ab, als offiziell meine Ansichten darzulegen.
[/QOTE]

Irgendwei werde ich aus Deiner Kritik nicht klug. Der Schreibstil missfÀllt Dir, andererseits hat er Dich gepackt und es gefÀllt Dir???

Zum Inhalt: Das ist deutsche Wirklichkeit ( war sie zumindest vor wenigen Jahren noch ). Allerdings habe ich beide Frauenfiguren l e i c h t ĂŒberzogen.
Viel Arbeit????

Ganz liebe GrĂŒĂŸe
Inu

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Waldemar Hammel
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Huch, ich hab' vergessen das Wort stört in "..." zu setzen. Entschuldige bitte! Der Schreibstil gefĂ€llt mir natĂŒrlich, eben auch deshalb las ich den Text mit großem Genuß bis zum Ende.

PS. zu Soz.Hilfe Empf.: Die darben doch ganz grĂ€ĂŸlich in unserem Land, oder, falls Du meinst, denen ginge es besser als den Arbeitenden, sind sie vielleicht tatsĂ€chlich schlauer? Das Spiel heißt doch: "the winner takes it all!"

LG's, waldemar

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Inu
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Hallo Waldemar

SozialhilfeeempfĂ€ngerinnen. Sicher sind sie alle irgendwie bedĂŒrftig und gebeutelt. Sicher erleben sie schlechte Behandlung durch die Ämter. Wenn sie was im Kopf haben, meistern sie das durch Schlauheit und Einfallsreichtum oder sie werden ganz egoistisch und kĂ€mpfen mit harten Bandagen.

Wie Du siehtst, habe ich beide Frauen, die Arbeitende und die 'Schmarotzerin' gleichermaßen unsympathisch ( oder symppathisch?) geschildert, die eine bauernschlau, vital, ein bisschen verlogen, die andere langweilig, enttĂ€uscht und mit einem unerfĂŒllbaren Traum Solche Leute gibt es wirklich in unserer Gesellschaft. Denk ich zumindest.

Gruß
Inu

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Waldemar Hammel
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NatĂŒrlich gibt es solche Leute, ich sag' ja auch nichts dagegen. Und die Darstellung beider ist Dir durchaus gelungen...

grĂŒĂŸli, w.

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