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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Tanz der Seelen (Prolog)
Eingestellt am 03. 10. 2005 16:51


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cara
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Prolog

Sie hatten es immer schon gesp├╝rt, dieses Band zwischen ihnen, dass seit Urzeiten zu existieren schien. Schon ├äonen vor ihrer Geburt in dieser Welt, weit ├╝ber ihr blo├čes Dasein hinausgehend. Nichts konnte sie trennen, und nichts durfte sie jemals trennen. Und so zweifelten sie nicht mehr, dass sie eingehen durften in das dunkle Haus, auch vor ihrer Zeit, selbstgew├Ąhlt. Gemeinsam w├╝rden sie durch das Tor treten und hin├╝ber gehen auf die andere Seite. Auf diese Weise w├Ąre es nicht mehr m├Âglich, die eine von der anderen Seele zu scheiden. Sie w├╝rden eins sein und bleiben auf ewig, durch alle noch kommenden Zeitalter hindurch, und nie wieder w├╝rde etwas zwischen sie treten k├Ânnen.
Sie wussten, was sie taten. Sie waren sich vollkommen klar dar├╝ber, dass diese Welt sie als S├╝nder sehen w├╝rde. Ihre K├Ârper, oder was von ihnen ├╝brig bliebe, w├╝rden auf ungeweihtem Boden bestattet werden. Doch das waren nur ihre sterblichen H├╝llen; verg├Ąngliche, fragile Schleier ihrer Seelen, luftige H├╝tten, die schon innerhalb eines einzigen, kurzen Menschenlebens fadenscheinig wurden und ihrer unsterblichen Essenz nur noch ungen├╝genden Schutz boten. Die sie am Boden hielten, ihnen das Fliegen zu verweigern und sie zu beschweren. Ihre Seelen w├╝rden frei werden von diesem Zwang, sobald sie den letzten Schritt getan h├Ątten. Und ihre brutalen Verfolger w├╝rden zu sp├Ąt kommen, ihre Aufgabe noch erf├╝llen zu k├Ânnen. Denn sie w├╝rden schon f├╝r immer vereint sein, wenn diese sie eingeholt haben w├╝rden. Nur noch eine kurze Weile...
Sie hielten sich bei den H├Ąnden, schon die ganze Zeit ├╝ber auf ihrem Weg, und langsam hatten sie sich selbst und gegenseitig ├╝berzeugt, dass sie keine Wahl hatten. Da sie zusammen geh├Ârten, ein Jeder Teil des Anderen war, mussten sie nun mutig sein, ihre Angst besiegen, die ihnen die Kehle zuschn├╝rte, und mussten die bange Frage zum Verstummen bringen, die ihre Gedanken qu├Ąlte. Nein, sie durften nicht wankend werden. Sie taten das Richtige, das Einzige. Ihre H├Ąnde fassten sich fester in dem festen Vorsatz, sich nicht mehr voneinander l├Âsen zu wollen.
So gelangten sie schlie├člich an das Ziel ihrer Reise. Mit pochenden Herzen, die im Gleichtakt schlugen wie ein gemeinsames, standen sie da und sahen sich nicht mehr um. Langsam wandten sich ihre K├Âpfe einander zu, und sie blickten sich noch ein letztes Mal in die Augen. Stumm, denn der Worte waren keine mehr zwischen ihnen; schon lange waren sie ├╝ber diese hinaus. Noch einmal versenkten sich ihre Blicke, verschr├Ąnkten sich innig. Und ein letztes Mal sanken sie so ineinander, zogen den anderen in sich hinein, wurden zu einem Wesen, einem Leib, einer Doppelseele.
Nur eine Bewegung, und sie fielen. Endlos schien die Zeit sich zu dehnen, und dennoch lie├čen sich ihre H├Ąnde nicht los. Ein letztes Mal drehte sich der rechte Kopf dem Linken zu, sah im letzten Bruchteil der allerletzten Sekunde noch einmal das Antlitz des Partners. Die Lider locker ├╝ber den unglaublichsten blauen Augen geschlossen, das marmorblasse, fein gemei├čelte Profil entspannt und von einem ├╝berirdischen Leuchten erhellt. Die langen, blonden Locken flatterten im Wind...
Sie sp├╝rten den Aufprall nicht, der ihre K├Ârper auf den gezackten Felsen zerschmetterte. Das Einzige, was sie f├╝hlten in der lichtlosen Dunkelheit, war, wie sie immer leichter wurden und stetig immer h├Âher stiegen. Und als sie ihre wahren Augen ├Âffneten - nicht die, welche sie so bereitwillig zur├╝ck gelassen hatten - sahen sie dieses warme, tiefblaue Strahlen, erkannten sich gegenseitig und lie├čen sich ineinander flie├čen; wurden f├╝r einen kurzen Moment wahrhaft eins.
Bis etwas schief zu laufen begann. Pl├Âtzlich und ohne Vorwarnung zog es die Beiden, die nun eins waren, in zwei verschiedene Richtungen auseinander. Verzweifelt klammerten sie sich ineinander fest und sp├╝rten doch schon die f├╝rchterliche Unausweichlichkeit der Ereignisse. Sie hatten einen sch├Ąndlichen Fehler begangen. Niemals, unter keinen Umst├Ąnden, h├Ątten sie tun d├╝rfen, was sie vollbracht hatten, niemals h├Ątten sie ihre sterblichen H├╝llen auf diese Weise entweihen d├╝rfen! Das schreckliche Unrecht ihrer Tat wurde ihnen schlagartig bewusst, bevor sie mit einem letzten Ruck schmerzhaft und qualvoll getrennt wurden.
Und da sie sich so beharrlich und mit aller Kraft aneinander festgehalten hatten, rissen sie sich gegenseitig Teile ihrer Seele fort, f├╝hlten den grausamen Schmerz des gespalten werdens und des zerteilt seins. Immer weiter wurden sie voneinander entfernt, sp├╝rten die andere H├Ąlfte ihrer selbst kaum noch, um so peinigender aber die eigene Amputiertheit. Die Seele, deren sterbliche H├╝lle im letzten Moment noch einen Blick auf ihre Geliebte geworfen hatte, stellte schlie├člich mit namenlosem Schrecken fest, dass sie allein zur├╝ck geblieben war. Ihr Gegenst├╝ck, das allein sie vollst├Ąndig machen konnte, war verschwunden. In die bodenlose Verzweiflung hinein, in der die Seele sich daraufhin erging, sprach eine Stimme zu ihr, wie aus ihr heraus und gleichzeitig in sie hinein:

"Du wirst zur├╝ck geschickt, jetzt sofort, und du wirst selbst sehen m├╝ssen, wohin du gelangst. Ich kann dir sagen, es wird nur eines von vielen Malen sein, die du wirst zur├╝ckkehren m├╝ssen. Das Eine aber h├Âre, und merke es dir wohl, auf dass du es niemals mehr vergessen sollst, wie viele Leben dir auch noch beschieden sein werden:
Frevle niemals mehr deinem Seelenhort auf die Art, wie du daran getan!"

Und noch w├Ąhrend die strenge und doch liebevolle Stimme verklang, sp├╝rte die von verzweifelter Ausweglosigkeit erf├╝llte Seele einen starken, stetigen Zug und bemerkte schlie├člich ein grelles, kaltes Licht, dass ihr durch und durch ging, stetig allumfassender wurde und sie schlie├člich ├╝berflutete. K├Ąlte war rings um sie, so pl├Âtzlich und schmerzhaft, dass sie gequ├Ąlt aufschrie, bevor sich eine alt bekannte und doch g├Ąnzlich neue Nacht um sie schloss und alle Erinnerung mit sich nahm.
__________________
Die Gedichte schreiben mich -
ich f├╝rchte sie nicht mehr.

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