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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Tauziehen
Eingestellt am 26. 09. 2004 12:30


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monti
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Tauziehen (Neufassung)

Tauziehen

Hedwig saß im CafĂ© des Hofgartens und trank genĂŒĂŸlich einen Cappucino. Endlich war der FrĂŒhling eingekehrt. Sie hielt das Gesicht mit geschlossenen Augen in die Sonne. Es waren um diese frĂŒhe Zeit nicht viele Menschen im CafĂ©. Ein unrasierter dunkelhĂ€utiger Mann, mit großen Augen setzte sich an den Nachbartisch, er trug einen grauen Anzug, sein weißes Hemd war weit geöffnet, so dass man den dichten Haarbewuchs seiner Brust sehen konnte. Den Blick auf Hedwig gerichtet, schnalzte er mit der Zunge, als ob er sagen wollte: Na, mein sĂŒĂŸes HĂ€schen. Hedwig öffnete die Augen und sah als erstes den unrasierten Mann am Nachbartisch, der sie anglotzte. So ein Macho. Widerlich. Doch gleich darauf fiel ihr Blick auf ein Paar, das am CafĂ© vorĂŒberging. Sie erkannte den Mann an der Seite einer hĂŒbschen Blondine. Robert! VerĂ€rgert streckte sie ihm die Zunge aus. Das Gesicht des Mannes am Nachbartisch verdĂŒsterte sich, er erhob sich und sagte mit beleidigter Miene: „Das werdet ihr bereuen.“ Er sagte ‚ihr‘, als ob alle Personen im Umfeld des CafĂ©s und auch das Lokal selbst daran beteiligt gewesen wĂ€ren, ihn zu beleidigen. Danach zog er ab. Hedwig dachte nur: Komischer Kerl. Aber gut, dass er abhaut.
Herbert, der alles gesehen hatte, eilte zu Hedwig. Sie kannten sich gut. Fast jeden Samstag bei gutem Wetter saß Hedwig hier und wurde von ihm bedient. „Bist du verrĂŒckt? Das war Dschingaschwili! Wie kannst du ihm die Zunge ausstrecken?“
Hedwig verstand nur Bahnhof. Sie hatte noch nie von diesem Menschen gehört. Außerdem hatte die Zunge nicht ihm gegolten, sondern ihrem Ex-Freund Robert, der gerade mit seiner neuen Flamme vorbeimarschiert war. Absichtlich. Um Hedwig zu Ă€rgern.
„Wer ist denn Dschinga ... dingsbums?“ fragte Hedwig.
„Dschingaschwili. Der König der Spieler. Er spielt nur um Geld: Schach, Poker, RommĂ©, Dame, Backgammon, Skat. Und er gewinnt meistens. Das gibt ein bestimmt ein Tauzieh-Unwetter“, sagte Herbert.
Hedwig verstand noch immer nichts, wagte aber nicht zu fragen. Sie bezahlte und ging nach Hause. Dass ihr Ex-Freund Robert so schnell eine Neue gefunden hatte, erschĂŒtterte sie. Herbert sah ihr kopfschĂŒttelnd nach. Wie konnte man so unbedarft sein und nicht wissen, wie gefĂ€hrlich es war, Dschingaschwili zu beleidigen.

Am selben Abend öffnete Herbert das Fenster im Wohnzimmer und schnĂŒffelte. Ein sĂ€uerlicher Geruch lag in der Luft, das reinste Tauzieh-Unwetter zog auf.
„Heute Nacht werde ich wohl raus mĂŒssen“, sagte er zu seiner Frau Elena.
„Was? Doch nicht etwa zum Tauziehen?“
„Doch. Und an allem ist Hedwig schuld, die hat Dschingaschwili beleidigt.“
„Ach, war der wieder im CafĂ©?“
Herbert nickte. Seit Dschingaschwili in ihrer Stadt war, hatte er schon mehrmals ein Tauzieh-Unwetter herbeigezaubert, zuletzt, als er von dem MĂŒnchner Schachmeister Clemens, den er matt gesetzt hatte, ĂŒbel beschimpft und als Gauner der dritten Art bezeichnet worden war. „Das gibt ein Unwetter!“, hatte Dschingaschwili mit erhobener Faust gerufen, bevor er wie ein BĂŒffel davonstapfte. Ein arges Tauziehen war am selben Abend in der Stadt die Folge gewesen. Selbst Clemens sah sich damals genötigt, die Ärmel aufzukrempeln und mitzumachen.
Es kam, wie Herbert vorausgesehen hatte; kurz vor Mitternacht spĂŒrte er einen Drang in sich, zum Tauziehen hinauszugehen, wie so viele MĂ€nner, die anfĂ€llig waren fĂŒr das Tauzieh-Unwetter. Da man das PhĂ€nomen nun schon mehrmals erlebt hatte, war man diesmal vorbereitet. Die Feuerwehr hatte vorsorglich Taue auf der Theresienwiese und an der Isar bereit gelegt. Mehrere Stunden lang zogen Hunderte von MĂ€nnern gegeneinander an den Tauen, unter ihnen auch der BĂŒrgermeister. Auf Frauen wirkte das Unwetter ebenfalls, sie litten in solchen NĂ€chten an Schlaflosigkeit, manche sogar an Tanzsucht. Die Diskotheken waren in solchen NĂ€chten von Frauen bevölkert.
‚Oh dieser verfluchte Dschingaschwili‘, dachte Herbert, als er sich nach dem Tauziehen im Morgengrauen erschöpft auf den Heimweg machte, ‚dieses eingewanderte UngetĂŒm aus dem Osten, der hat unsere SchwĂ€che erkannt.‘

__________________
Monti

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Fellmuthow
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Hallo Monti, nur ein paar Bemerkungen...

Hedwig saß im CafĂ© des Hofgartens und trank genĂŒĂŸlich einen Cappucino. Endlich war der FrĂŒhling eingekehrt. Sie hielt das Gesicht mit geschlossenen Augen in die Sonne. Es waren um diese frĂŒhe Zeit nicht viele Menschen im CafĂ©.

Ein unrasierter Mann, offenbar ein OsteuropĂ€er (warum dieses Klischee?) mit großen dunklen Augen setzte sich an den Nachbartisch. Er trug einen grauen Anzug, sein weißes Hemd war weit geöffnet, so dass man den dichten Haarbewuchs seiner Brust sehen konnte. Den Blick auf Hedwig gerichtet, schnalzte (er) mit der Zunge, als ob er sagen wollte: Na, mein sĂŒĂŸes HĂ€schen.

Hedwig öffnete die Augen und sah als erstes den unrasierten Mann am Nachbartisch, der sie anglotzte. Widerlich! Doch gleich darauf fiel ihr Blick auf ein Paar, das am CafĂ© vorĂŒberging. Sie erkannte den Mann an der Seite einer hĂŒbschen Blondine. VerĂ€rgert streckte sie ihm die Zunge aus.

Das Gesicht des AuslĂ€nders am Nachbartisch verdĂŒsterte sich. Er erhob sich und sagte mit beleidigter Miene: „Das werdet ihr bereuen.“ Er sagte ‚ihr‘, als ob alle Personen im Umfeld des CafĂ©s und auch das Lokal selbst daran beteiligt gewesen wĂ€ren, ihn zu beleidigen. Danach zog er ab.

Hedwig dachte nur: Komischer Kerl. Aber gut, dass er abhaut.

Herbert, der (]gerade im Anmarsch war und) weglasssen alles gesehen hatte, eilte zu Hedwig. Sie kannten sich gut. Fast jeden Samstag bei gutem Wetter saß Hedwig hier und wurde von ihm bedient.

„Bist du verrĂŒckt? Das war Dschingaschwili! Wie kannst du ihm die Zungeausstrecken(raus stecken)?“

Hedwig verstand nur Bahnhof. Sie hatte noch nie von diesem Menschen gehört. Außerdem hatte die Zunge nicht ihm gegolten, sondern ihrem Ex-Freund Robert, der gerade mit seiner neuen Flamme vorbeimarschiert war. „Wer ist denn Dschinga ... dingsbums?“

„Dschingaschwili. Der König der Spieler. Er spielt nur um Geld: Schach, Poker, RommĂ©, Dame, Backgammon, Skat. Und er gewinnt meistens. Das gibt ein bestimmt ein Tauzieh-Unwetter“, sagte Herbert.

Hedwig verstand noch immer nichts, wagte aber nicht zu fragen. Sie bezahlte und ging nach Hause. Dass ihr Ex-Freund Robert so schnell eine Neue gefunden hatte, erschĂŒtterte sie.

Herbert sah ihr kopfschĂŒttelnd nach. Wie konnte man so unbedarft sein und nicht wissen, wie gefĂ€hrlich es war, Dschingaschwili zu beleidigen.

Am selben Abend öffnete Herbert das Fenster im Wohnzimmer und schnĂŒffelte. Ein sĂ€uerlicher Geruch lag in der Luft, das reinste Tauzieh-Unwetter(was ist ein Tauzieh-Unwetter? Wieso riecht die Luft dann sĂ€uerlich?) zog auf. „Heute Nacht werde ich wohl raus mĂŒssen“, sagte er zu seiner Frau Elena. (Wieso muss er raus?)

„Was? Doch nicht etwa zum Tauziehen?“

„Doch. Und an allem ist Hedwig schuld, die hat Dschingaschwili beleidigt.“

„Ach, war der wieder im CafĂ©?“

Herbert nickte. Seit Dschingaschwili in ihrer Stadt war, hatte er schon mehrmals ein Tauzieh-Unwetter herbeigezaubert, zuletzt, als er von dem MĂŒnchner Schachmeister Clemens, den er auf dem Brett matt gesetzt hatte, ĂŒbel beschimpft und als Gauner der dritten Art bezeichnet worden war. Ein arges Tauziehen war am selben Abend in der Stadt die Folge gewesen. Selbst Clemens sah sich damals genötigt, die Ärmel aufzukrempeln und mitzumachen.

(von hier ab bleibt alles unklar.)
Es kam, wie Herbert vorausgesehen hatte; kurz vor Mitternacht spĂŒrte er einen Drang in sich, zum Tauziehen hinauszugehen, wie so viele MĂ€nner, die anfĂ€llig waren fĂŒr das Tauzieh-Unwetter. Die Feuerwehr hatte die Taue auf der Theresienwiese und an der Isar schon bereit gelegt. Mehrere Stunden lang zogen Hunderte von MĂ€nnern an den Tauen, unter ihnen auch der BĂŒrgermeister. Auf Frauen wirkte das Unwetter ebenfalls, sie litten in solchen NĂ€chten an Schlaflosigkeit. (????)

(Wieso legt die Feuerwehr die Taue aus?)

Oh dieser verfluchte Dschingaschwili, dieses eingewanderte UngetĂŒm aus dem Osten, (wieder dieses Klischee, als hĂ€tten wir nicht selbst genĂŒgend Gauner) der hatte ihre SchwĂ€che (???)erkannt, dachte Herbert, als er sich erschöpft auf den Heimweg machte.

vG
Fellmuthow




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HW

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monti
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Re: Hallo Monti, nur ein paar Bemerkungen...


Hallo Fellmuthow,

vielen Dank fĂŒr deinen Kommentar nebst Korrektur meiner Geschichte. Ich gebe zu, ich habe sie zu frĂŒh ins Forum gestellt, war sehr in Eile, weil ich am nĂ€chsten Tag in Urlaub fahren wollte. Ich bin jetzt zurĂŒck und werde mich erstmal mit deinen Anmerkungen beschĂ€ftigen. Allerdings meine ich, dass du mit meiner Art zu schreiben stets Schwierigkeiten haben wirst. Ich bin großer AnhĂ€nger von Nikolaj Gogol und Daniil Charms, zwei großen russischen Autoren der grotesken und absurden Literatur.
Viele GrĂŒĂŸe
monti

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Monti

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