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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
The Bums. Drama
Eingestellt am 05. 05. 2002 10:17


Autor
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Stefan Seifert
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Sep 2001

Werke: 25
Kommentare: 16
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THE BUMS
(Die Penner)


St├╝ck in zwei Akten von Stefan Seifert


Better to rule in bohemian hell than to serve in bourgeois heaven.
Jim Mullen




Dramatis personae:


Clemens
Ein unauff├Ąlliger Mann zwischen drei├čig und vierzig.

Judith
Eine Frau unbestimmten Alters. Sie tr├Ągt eine Henkeltasche und sieht aus wie eine etwas nachl├Ąssige Hausfrau, die ihre Eink├Ąufe macht.

Karl
Ein gutaussehender Mann etwa Mitte vierzig. Er tr├Ągt einen dunklen, gestreiften Anzug und einen schwarzen ledernen Aktenkoffer. Seine grauen Haare sind kurz geschnitten und er hat einen grauen Kinn- und Oberlippenbart mit wei├čen Einsprengseln.

Norbert
Ein sehr d├╝nner Mann in einem alten, weiten Mantel. Er hat verquollene Augen und einen verfilzten grauen Bart. In der Hand tr├Ągt er einen Stoffbeutel.

Carola, Karls Frau, eine elegante Erscheinung mit gro├čem Hut und Sonnenbrille.

Carla, Karls Nichte.

Ein Polizist

Ein Trauerredner

Trauerg├Ąste, Angestellte des Beerdigungsinstitutes




Erster Akt

Erster Aufzug


Zwei B├Ąnke am Rande eines Parks, nicht weit von einer Kaufhalle.

Clemens betritt die B├╝hne.

Er setzt sich auf eine Bank und wartet einfach. Ein paar Spatzen kommen neugierig n├Ąher.
Clemens holt eine Papiert├╝te mit Br├Âtchen aus der Jackentasche und beginnt, die Spatzen zu f├╝ttern.

Dann kommt Judith. Sie setzt sich neben Clemens und sieht den Spatzen zu. Die Einkaufstasche stellt sie neben sich auf die Bank.

Karl taucht am Ende der Stra├če auf.
Er setzt sich zu den beiden auf die Bank.

Karl:
Erinnert mich bitte daran, da├č ich halb elf weg mu├č. Ich habe einen Termin. Kann viel davon abh├Ąngen. Wichtige Leute ...

Clemens:
Warum sollen wir dich erinnern, Karl, leidest du unter Alzheimer?

Judith:
Damit spa├čt man nicht, Clemens. Alzheimer ist schlimmer, als wenn man ein Bein gebrochen hat oder einen Arm, sogar als wenn man im Rollstuhl sitzt.

Judith ├Âffnet ihre Tasche und holt eine Flasche Sangria heraus. Sie bietet sie Karl an, der einen Schluck nimmt, dann trinkt sie selber und reicht die Flasche Clemens. Nachdem der ebenfalls einen kr├Ąftigen Schluck genommen hat, schraubt sie die Flasche wieder zu und stellt sie zur├╝ck in ihre Einkaufstasche.

Clemens:
Rotwein ist die Basis eines gesunden Lebens. Damit kannst du hundert Jahre alt werden.

Karl:
Das erinnert mich an etwas. An diesen griechischen J├╝ngling aus der Antike. Ich komme jetzt nicht auf den Namen. Der hatte mit einer G├Âttin geschlafen, oder war ihr sonst zu Diensten gewesen. Jedenfalls war sie sehr zufrieden mit ihm und er konnte sich etwas w├╝nschen. Er dachte, das w├Ąre seine gro├če Chance und w├╝nschte sich das ewige Leben.

Sein Fehler war, da├č er vergessen hatte, sie gleichzeitig um ewige Jugend und Gesundheit zu bitten.
Er schrumpfte mit den Jahren zu einem j├Ąmmerlichen H├Ąuflein zusammen. Er hatte alle nur denkbaren Gebrechen, konnte nicht leben und nicht sterben und bereute seinen Wunsch bitter.

Judith:
Auch frische Luft ist gesund. Nicht den ganzen Tag vor der Glotze sitzen.

Karl:
Ich pers├Ânlich besitze gar keinen Fernseher. Das will mir immer niemand glauben, aber es geh├Ârt nun mal zu den Prinzipien meiner Lebensweise.
Ich besitze B├╝cher. Nicht viele, aber die wesentlichen.
Die Bibel. Homer. Die griechischen Trag├Âdien. Die Geschichten aus Tausendundeiner Nacht.

Judith:
Was denn, Karl, du liest M├Ąrchenb├╝cher?

Karl:
Was die Probe der Jahrtausende bestanden hat, das ist auch wirklich etwas wert.
Das ist der Brunnen, aus dem die Gro├čen sch├Âpfen.
Alles andere ist Plunder. Reine Zeitverschwendung.

Es sind im Grunde immer wieder die gleichen Geschichten, die erz├Ąhlt werden.
Liebe und Verrat, Rebellion und Scheitern, Schuld, S├╝hne und Vergebung.
Es gibt nichts, von dem was heute im Fernsehen l├Ąuft, was nicht schon in den alten B├╝chern vork├Ąme.
Ich bevorzuge die Originale.

Wie sp├Ąt ist es, Clemens?

Clemens:
Hast du nicht selber eine Uhr?

Karl:
Ja, aber ich hasse es, auf die Uhr zu sehen.

Clemens:
Es ist kurz vor zehn.

Karl:
Danke, Clemens.

Norberts merkw├╝rdige Gestalt n├Ąhert sich.

Judith:
Kinder, die Klapper hat Ausgang. Da kommt Norbert.

Norbert setzt sich auf die Nachbarbank. Seinen Stoffbeutel legt er behutsam neben sich.

Judith:
Willst du einen Schluck, Norbert?

Norbert:
Danke, Judith. Aber ich darf nicht. Kriege Medikamente. Fr├╝h passen sie immer auf, da├č man auch wirklich alles schluckt.

Judith:
Und da darfst du ├╝berhaupt nichts trinken?

Norbert:
Nein.

Judith:
Sag mal, was kriegst du denn so f├╝r Medikamente?

Norbert:
Sedativa, Antidepressiva, krampfl├Âsende Mittel, Vitamine, St├Ąrkungsmittel, Herzpillen. Die ganze Palette. Bei manchen wei├č ich gar nicht, was es ist. Sie sagen es mir nicht.

Karl:
Himmlischer Vater! Leute wie du sind ein Segen f├╝r die Pharmaindustrie. Ich geb’ dir mal v├Âllig kostenlos einen guten Rat, Norbert. Schmei├č das ganze Zeug in den M├╝ll, oder sp├╝l es die Toilette runter. G├Ânn mal den Kanalratten einen Nirwana-Trip.

Judith:
Hast du welche von den Pillen mit, Norbert? Zeigst du sie mir mal?

Norbert:
Klar, Judith. Ich sammle die doch.

Er holt eine Schachtel hervor, in der er verschiedenfarbige Pillen und Kapseln aufbewahrt.

Judith:
Was ist das f├╝r eine?

Norbert:
Die ist zum Appetitanregen.

Judith:
Und die violette hier?

Norbert:
Die ist gegen die Winde im Darm.

Judith kichert:
Und die gr├╝ne da?

Norbert:
Die ist zur Beruhigung.

Judith:
Und die gelbe? Die sieht ja richtig appetitlich aus.

Norbert:
Vitamin C.

Judith:
Das ist ja gesund. Wie Zitrone. Kann ich mal eine haben?

Norbert:
Von mir aus.

Judith nimmt ein Dragee und sp├╝lt es mit Sangria hinunter.

Judith:
Welche ist denn gegen Depressionen?

Norbert:
Die runde hier, glaube ich.

Judith
Kann ich die auch mal probieren?

Norbert:
Meinetwegen. Ob du sie nun schluckst, oder ob ich sie schlucke...

Judith nimmt die Pille und sp├╝lte sie ebenfalls mit Sangria hinunter.

Karl:
Was sagen denn deine Angeh├Ârigen dazu, da├č sie dich in der Klapper mit dem Gift vollpumpen?

Norbert:
Was f├╝r Angeh├Ârige?“

Judith:
Hast du keine Frau?

Norbert ├╝berlegt:
Ich glaube, ich hatte mal eine, aber das mu├č schon eine Weile her sein. Ich wei├č nicht, was aus der geworden ist. Wenn ich mich recht erinnere, war sie rothaarig. Oder blond.

Karl:
Aber du mu├čt doch Eltern haben, oder Geschwister. Onkel, Tanten. Die ganze Sippschaft eben.
Ich hab zum Beispiel einen Bruder, der ist Ingenieur bei Porsche. Deswegen fahre ich auch nur diese Automarke. Einmal Porsche, immer Porsche.

Clemens:
Du f├Ąhrst einen Porsche, Karl? Jetzt haust du aber auf den Putz. Wo hast du ihn denn geparkt?

Karl:
Im Moment hat ihn meine Frau. Sie ist Ärztin. Da braucht sie einen Wagen.

Judith zu Norbert gewandt:
Aber eine Mutter wirst du doch haben. Lebt deine Mutter noch, Norbert?

Norbert:
Ich wei├č nicht. Vielleicht. Mir hat jedenfalls noch niemand gesagt, da├č sie gestorben w├Ąre. Aber das will nichts hei├čen. Sie sagen mir sowieso nichts.

Judith:
Naja, alles brauchen sie dir auch nicht zu sagen. Du bist ja nur Patient. Ein armer Irrer mit nem weichen Keks. Aber warum sollten sie es dir nicht sagen, wenn deine Mutter gestorben w├Ąre?

Norbert:
Ich soll nicht merken, da├č sie mich v├Âllig isoliert haben. Meine ganze Familie haben sie verschwinden lassen. Eines Tages werdet auch ihr verschwunden sein, nur weil ihr mich gekannt habt.

Clemens:
Wer sollte sich schon die M├╝he machen, uns verschwinden zu lassen. Der CIA? Der KGB? Die Stasi? Der Mossad? Ist doch Quatsch.

Judith:
Du hast die Mafia der Arschgesichter vergessen.

Karl:
Genau! Darauf kannst du einen zur Brust nehmen. Immer die Arschgesichter im Auge behalten.

Norbert:
Sie machen es so, da├č es niemandem auff├Ąllt. Es sterben ja dauernd Leute. Der eine hat einen Herzinfarkt, der andere einen Verkehrsunfall, der springt aus dem Fenster. Alles v├Âllig normal. Keiner findet was dabei.

Clemens:
Und warum das alles? Das gibt doch keinen Sinn. Was bezwecken sie damit?

Norbert:
Totale Kontrolle. Sie beeinflussen die Gehirnstr├Âme und die Leute haben keinen eigenen Willen mehr. In Wahrheit sind sie nur noch Automaten. Marionetten. Sie h├Ąngen an unsichtbaren F├Ąden und plappern fertige Texte nach. Sie leben nicht mehr wirklich. Sie leben nur noch zum Schein. Sie essen, trinken, heiraten, kriegen Kinder. Alles nur zum Schein.
Bei manchen klappt es aber nicht. Die sind ihnen im Wege. Und denen passiert dann etwas.

Clemens:
Und was ist mit dir, Norbert? Hat es bei dir auch nicht geklappt?

Norbert:
Nein. Und was f├╝r sie noch viel schlimmer ist: Ich bin ihnen auf die Schliche gekommen. Ich habe gemerkt was l├Ąuft. Aber ich war unvorsichtig. Sie haben es spitzgekriegt und mich in die Klapper gesteckt. Da beobachten sie mich jetzt. Sie wollen wissen, mit wem ich Kontakt habe, wer meine Hinterm├Ąnner sind und so weiter.

Judith:
Und was erz├Ąhlst du ihnen?

Norbert:
Ach, ich erz├Ąhle ihnen ich h├Ątte mit Jesus gesprochen oder ich w├╝rde Stimmen h├Âren, die mich davor warnen, Gurkensalat zu essen. Sowas in der Art.
Manchmal merken sie, da├č ich sie verarsche, dann werden sie w├╝tend. Aber im gro├čen und ganzen habe ich meine Ruhe.

Ein schwarzer Porsche h├Ąlt auf der anderen Stra├čenseite. Darin sitzt eine sehr sch├Âne, sehr aparte Frau mit einem breitkrempigen Hut und einer Sonnenbrille. Sie sieht reglos geradeaus und scheint nichts um sich herum zu bemerken.

Norbert:
Seht ihr die da dr├╝ben? Scheinbar ein Mensch, in Wahrheit ein Automat. Wahrscheinlich haben sie sie geschickt, um mir nachzuspionieren.

Karl:
Entschuldigt mich einen Augenblick. Da dr├╝ben ist Carola, meine Frau.

Karl steht auf und geht zu dem Porsche.

Die Frau l├Ą├čt das Fenster herunter und Karl spricht mit ihr. Die Frau blickt dabei ausdruckslos geradeaus.

Norbert:
Ein Automat, ganz eindeutig. Bei manchen merkt man es sofort, bei anderen kommt man erst allm├Ąhlich dahinter. Bei der hier m├╝├čte es eigentlich jedes Kind merken.

Die Frau l├Ą├čt das Fenster von dem Porsche wieder hoch. Karl tritt einen Schritt zur├╝ck und sie f├Ąhrt weg. Die ganze Zeit ├╝ber hat sie nicht den Kopf gewendet. Karl schlendert langsam, mit einem pfiffigen Gesichtsausdruck wieder zu seiner Bank zur├╝ck.

Judith:
Was ist, Karl? Hat sie gefragt, was sie zum Abendbrot machen soll?

Karl:
Nein. Ich bin getrennt von Tisch und Bett. Immerhin habe ich noch einen Wohnungsschl├╝ssel. Aber wahrscheinlich l├Ą├čt sie bald die Schl├Âsser auswechseln.

Clemens:
Hast du keine eigene Bude mehr?

Karl:
Ich wohne zur Zeit bei Freunden, das macht mir nichts aus. Aber sie sitzt nun mal am Geldhahn.
Sie will sich scheiden lassen. Das war es eigentlich, was sie mir sagen wollte.

Norbert:
Sie ist nicht echt. Sie ist ein Automat.

Karl:
So schlimm ist sie gar nicht. Ich glaube, im Grunde ihres Herzens mag sie mich noch. Wir hatten einmal eine tolle Zeit miteinander. Sie hat selber gesagt, es war die sch├Ânste Zeit ihres Lebens.

Wir hatten eine richtige romantische Aff├Ąre. Eine Zeitlang dachten wir, wir w├Ąren das ideale Liebespaar. Sie sah aus wie Catherine Deneuve. Und mir sagte man eine ├ähnlichkeit mit Sean Connery nach. Wo wir hinkamen, waren wir der Mittelpunkt. Am Strand, in der Nachtbar, auf Partys.

Alles war vorbei, als ich in den Knast mu├čte. Wegen Scheckbetrugs.
Ich wei├č selber nicht, wie ich da reingeschlittert bin. Sowas passiert schneller, als man denkt, wenn man ├╝ber seine Verh├Ąltnisse lebt.
Vor Gericht sagte meine Frau nat├╝rlich, sie h├Ątte von allem nichts gewu├čt. Das war auch in Ordnung so. Sie sollte da nicht mit hineingezogen werden. Das war einzig und allein mein Bier.
Dann kehrte sie wieder in den Scho├č ihrer Familie zur├╝ck. Die hatte mich von Anfang an abgelehnt.

Norbert:
Die Sache ist v├Âllig klar. Als du im Knast warst, haben sie sie umgedreht. Eine Marionette aus ihr gemacht. Das ist nicht mehr sie selbst.

Karl:
So etwas ├ähnliches habe ich ihr auch gesagt. Daraufhin erwiderte sie, sie empf├Ąnde nur noch Mitleid f├╝r mich. Immerhin, Mitleid ist besser als gar kein Gef├╝hl. Ich werde sie schon wieder rumkriegen, da bin ich mir ziemlich sicher.

Er ├╝berlegt einen Augenblick.

Sag mal, Norbert, hast du auch Schlaftabletten?

Norbert:
Klar, das ist meine Spezialit├Ąt. Die la├č ich jeden Abend verschwinden. Damit k├Ânnte ich eine ganze Kompanie einschl├Ąfern.

Karl:
Kannst du mir welche geben, so zehn bis zwanzig St├╝ck?

Clemens:
Mensch, Karl, mach keinen Unsinn. Was willst du denn mit dem Zeug?

Karl:
Mach du dir nur keine Sorgen. Ich wei├č schon was ich tue.

Norbert reicht Karl eine Handvoll Tabletten, die dieser sorgf├Ąltig begutachtet und dann in seiner Tasche verschwinden l├Ą├čt.

Clemens:
Sag mal, Karl, hattest du nicht einen Termin?

Karl winkt ab:
Den kann ich verschieben. Man soll sich nicht aufdr├Ąngen, das macht keinen guten Eindruck. Wer seinen Wert kennt, der kann auch mal einen Termin platzen lassen.
Ist noch was zu trinken da?

Judith:
Es m├╝├čte noch mal jemand was holen. Kommst du mit, Clemens?





Zweiter Aufzug


Gleiches Bild wie vorher, zwei Tage sp├Ąter.

Clemens und Judith sitzen auf ihrer Bank. Norbert sitzt auf der Bank daneben.
Judith hat ihre Einkaufstasche neben sich, Clemens f├╝ttert die Spatzen. Norbert sitzt neben seinem Stoffbeutel.


Clemens:
Karl scheint heute wieder nicht zu kommen. Das ist schon der zweite Tag. Langsam mache ich mir seinetwegen Sorgen.

Norbert:
Vielleicht haben sie ihn umgedreht. Er sitzt wahrscheinlich jetzt in irgendeinem B├╝ro und sieht aus wie ein Mensch, der Karl hei├čt. Aber in Wahrheit ist er nur noch ein Automat. Eine Puppe.

Judith:
Karl nicht. Das traue ich ihm nicht zu. Tagein, tagaus in das gleiche B├╝ro gehen, vor dem Computer sitzen, sich das Geschwafel des Chefs anh├Âren, den Tratsch der Kollegen – das ist nicht Karls Art.
Da glaube ich schon eher, da├č er sich mit seiner Frau wieder vers├Âhnt hat. Vielleicht liegt er jetzt noch im Bett und wartet darauf, da├č sie ihm das Fr├╝hst├╝ck bringt. Mit frischen Br├Âtchen, weichen Eiern und dampfendem Kaffee.

Clemens:
Das glaube ich nun wieder nicht. Ich habe die Frau gesehen. Die ist kalt wie der Eisberg, der die Titanic gerammt hat, und genauso hart und unerbittlich.

Norbert:
Sei bitte korrekt, Clemens. Nicht der Eisberg hat die Titanic gerammt, sondern die Titanic den Eisberg. Der schwamm friedlich in seiner nat├╝rlichen Umgebung, bis pl├Âtzlich dieser Technikkolo├č auf ihn zuraste und ihn verletzte. Hat jemals irgendjemand danach gefragt, was aus dem Eisberg wurde, nach so einem Trauma? Was hatte die verdammte Titanic mit den vielen Million├Ąren an Bord dort ├╝berhaupt zu suchen? Bei diesen sch├Ânen, stillen Eisbergen ...

Judith:
Du hast wirklich keine Ahnung von Frauen, Clemens. Je k├Ąlter eine nach au├čen ist, um so hei├čer ist sie in Wirklichkeit. Alles nur Fassade, alles nur Taktik.

Ein Streifenwagen h├Ąlt. Ein Polizist steigt aus und geht auf sie zu.

Polizist:
Sch├Ânen guten Morgen, die Herrschaften.

Judith:
Spinne am Morgen...

Polizist:
Wir haben einen Hinweis aus der Bev├Âlkerung erhalten. Sie sollen mit einem Burkert, Karl, Alter 45 Jahre, besch├Ąftigungslos, vorbestraft, ohne festen Wohnsitz, regelm├Ą├čig hier Kontakt gehabt haben. K├Ânnen Sie diese Angaben best├Ątigen und das diesbez├╝gliche Hinweisaufkommen erh├Âhen?

Norbert:
Mich laust der Affe. Die werden immer schlampiger. Die f├╝hlen sich schon so sicher, da├č sie auf jede Tarnung verzichten. Jetzt bringen sie ihren Automaten nicht mal mehr bei, wie Menschen zu sprechen.

Polizist:
B├╝rger, ich mache Sie darauf aufmerksam, da├č Sie sich im Falle einer Beamtenbeleidigung einer Ordnungswidrigkeit im Sinne eines polizeiwidrigen Verhaltens schuldig machen und ich diesen Tatbestand mit einer geb├╝hrenpflichtigen Verwarnung ahnden kann.

Norbert:
Mit so schlampig programmierten Automaten rede ich nicht. Das beleidigt meine menschliche W├╝rde. Unsereiner hat auch seinen Stolz.

Judith:
H├Âren Sie, Herr Wachtmeister, bei dem k├Ânnen Sie sich ihren Sermon sparen. Der hat Kost und Logis in der Klapper. Bestrafen k├Ânnten Sie den h├Âchstens, indem sie ihm den Nachtisch streichen.
Was ist denn mit Karl?

Polizist:
Sie geben also zu, mit dem oben genannten Burkert, Karl, Alter 45 Jahre, ...

Clemens:
Ja, ja, das geben wir ja zu. Das ist schlie├člich kein Verbrechen. Er hat immer hier mit uns gesessen. Nur gestern und heute ist er nicht gekommen.

Polizist:
Hat diese Person, Burkert, Karl, in letzter Zeit Suizidabsichten ge├Ąu├čert?

Judith:
Was soll er ge├Ąu├čert haben?

Polizist:
Die Absicht, eine Selbstmordhandlung vorzunehmen.

Clemens:
Meinen Sie, ob er sich umbringen wollte?

Polizist:
Ja, wenn Sie es so formulieren wollen.

Judith:
Karl, sich umbringen? Nie im Leben. H├Âchstens sich zu Tode saufen. Aber das tun wir ja alle, fr├╝her oder sp├Ąter.

Norbert:
Mich versuchen sie, mit Pillen umzubringen. Aber da k├Ânnen sie lange warten. Holzauge, sei wachsam.

Clemens:
Warum wollen Sie das denn wissen? Ist etwas mit Karl passiert?

Polizist:
Wir f├╝hren Ermittlungen durch, um festzustellen, ob der genannte Burkert, Karl, in der Nacht vom 12. zum 13. dieses Monats in der Wohnung seiner von ihm getrennt lebenden Ehefrau eine erfolgreiche Suizidhandlung mit letalem Ausgang vorgenommen hat, oder ob derselbe in derselben Nacht eine erfolglose Vort├Ąuschung einer Suizidhandlung mit ebenfalls letalem Ausgang durchf├╝hrte.

Judith:
Das soll er alles in einer Nacht gemacht haben?

Polizist:
Das Ergebnis dieser Ermittlung ist von entscheidender Bedeutung f├╝r die Kl├Ąrung der Faktenlage und den weiteren juristischen Verlauf.
Im ersten Fall w├╝rde es sich um ein Suizidvergehen handeln, das unter anderem ausbleibende oder verringerte Zahlungen von Versicherungen zur Folge h├Ątte.
Im zweiten Falle k├Ânnte man den Vorgang als einen, wenn auch selbstverschuldeten, Unfall ansehen. Eine etwaige Versicherungszahlung m├╝├čte dann in voller H├Âhe erfolgen.

Clemens:
Karl ist tot?

Polizist:
Wenn Sie es so formulieren wollen.

Judith:
Wie konnte das denn passieren?

Polizist:
Der Betreffende begab sich in oben genannter Nacht mit Hilfe eines in seinem Besitz befindlichen Wohnungsschl├╝ssels in die Wohnung seiner von ihm getrennt lebenden Ehefrau, die nicht anwesend war, von der er jedoch auf Grund eines im Laufe des vorhergehenden Tages erfolgten Gespr├Ąches annehmen konnte, da├č sie noch in derselben Nacht in ihre Wohnung zur├╝ckkehren w├╝rde.
Dort nahm er eine ├ťberdosis Schlaftabletten sowie eine gr├Â├čere Menge Alkohol ein.
Die Ehefrau kehrte erst am sp├Ąten Nachmittag des darauffolgenden Tages in ihre Wohnung zur├╝ck und konnte nur noch den Tod des von ihr getrennt lebenden beziehungsweise nicht mehr lebenden Ehemannes feststellen.

Judith:
Der arme Karl. Er wollte wahrscheinlich nur an ihr Mitleid appellieren und hat es ├╝bertrieben.

Clemens:
Wie immer. Er hat immer alles ├╝bertrieben.

Norbert:
La├čt euch doch nicht ins Bockshorn jagen, Leute. Merkt ihr denn nicht, was hier gespielt wird? Das waren die. Die haben die Frau vorgeschickt. Das war ihr K├Âder. Und dann ist er in die Falle getappt. Das war kein Unfall, das war Mord.

Polizist:
Wovon reden Sie ├╝berhaupt? Wieso Mord? Und wer sind die?

Norbert:
Na wer schon. Die Mafia nat├╝rlich.

Polizist:
Was f├╝r eine Mafia? Hatte der verstorbene Burkert, Karl, Kontakte zu ausl├Ąndischen Staatsb├╝rgern?

Norbert:
Ich meine die Mafia der Arschgesichter, du schlampig programmierter Automat.

Polizist:
Das geht zu weit. Ich mache Sie darauf aufmerksam ...

Judith:
Herr Wachtmeister ...

Polizist:
Na gut. Haben Sie mir noch irgendetwas zu dem Sachverhalt mitzuteilen? Nein? Wenn ihnen doch noch etwas einfallen sollte, wenden Sie sich bitte an eine Polizeidienststelle Ihres Vertrauens.
Beachten Sie auch unsere Anti-Drogenkampagne „Ich bin mir selbst Droge genug.“
F├╝r uns steht der Mensch im Mittelpunkt.
Guten Tag.

Der Polizist entfernt sich. Er steigt in den Streifenwagen, der Streifenwagen f├Ąhrt weg.

Die drei sitzen eine Weile regungslos.

Judith:
Hast du noch Geld, Clemens?

Clemens greift in die Tasche und holt sein Portemonnaie hervor.

Ich hole uns einen Sechserpack Pilsener. Vielleicht reicht’s auch noch zu ner Flasche Klaren.




3. Aufzug

Stunden sp├Ąter. Szene wie vorher, ohne Norbert. Clemens uns Judith haben jeder eine Bierb├╝chse in der Hand. Der Papierkorb neben ihrer Bank ist mit leeren Bierb├╝chsen gef├╝llt.


Judith:
Karl wird uns fehlen. Ohne ihn wird es nie wieder so sein, wie es war.

Clemens:
Er war irgendwie die Seele vom Ganzen.
Vielleicht sollten wir jetzt mal dar├╝ber nachdenken, ob es sich lohnt, so weiterzumachen.

Judith:
Ja, wir m├╝├čten neu anfangen. Noch mal ganz von vorne.

Clemens:
Wir m├╝ssen einen neuen Mittelpunkt in unserem Leben finden. So wie es jetzt ist, kann es nicht weitergehen.
Der Papierkorb ist auch schon ganz voll.

Judith:
So schlampig wie die Stadtverwaltung hier ist, kann es Wochen dauern, bis den mal jemand ausleert.

Clemens:
Wir m├╝ssen uns innerlich einen Ruck geben. Wir m├╝ssen uns sagen, das ist eine Chance, dein Leben zu ver├Ąndern. Nutze sie.

Judith:
Woran denkst du, Clemens?

Clemens:
Wir sollten uns vielleicht eine andere Bank suchen.

Sie blicken zur Nachbarbank.

Judith:
Wie w├Ąr’s denn mit der?

Clemens:
Die ist nicht schlecht.
Am besten, wir tun es sofort, ehe wir wieder in Lethargie verfallen.

Judith:
Also los.

Sie ergreift ihre Tasche. Beide gehen, mit den Bierb├╝chsen in der Hand, zur Nachbarbank und setzen sich dort wieder.

Clemens:
Ich glaube hier ist es besser.

Judith:
Ja, schattiger.

Clemens:
Und viel ruhiger.

Judith:
Bessere Luft.

Clemens:
Man kommt mal auf andere Gedanken.

Judith:
Man sieht die Welt aus einem anderen Blickwinkel.

Clemens:
Kein Wunder, da├č es Norbert hier so gut gef├Ąllt.

Sie schweigen und sehen nachdenklich vor sich hin.

Judith:
Du, Clemens.

Clemens:
Ja?

Judith:
Es geht nicht.

Clemens:
Nein?

Judith:
Nein.

Clemens:
Warum nicht?

Judith:
Es ist Norberts Bank.

Clemens:
Norbert wird schon nichts dagegen haben, da├č wir mit auf seiner Bank sitzen.

Judith:
Ich glaube doch.
Es k├Ânnte ihn v├Âllig aus dem Gleichgewicht werfen. Vielleicht w├╝rde er dann gar nicht mehr aus seiner Klapper herauskommen. Wir w├╝rden ihm seinen einzigen festen Punkt hier drau├čen wegnehmen.

Ich hab mal einen Film gesehen, mit Dustin Hoffman. Der spielte auch einen, der in der Klapper lebte. Der drehte schon durch, wenn er nicht die richtigen Unterhosen anhatte, oder wenn er nicht das richtige Kompott kriegte oder zur gewohnten Zeit die gleiche Fernsehquizshow sehen konnte.

Ich glaube, so ├Ąhnlich ist es auch mit Norbert.
Wenn der uns hier auf seiner Bank sitzen sieht, geht er schnurstracks wieder in seine Klapper zur├╝ck und kommt nie wieder raus.

Clemens:
Vielleicht hast du recht, Judith. Also gehen wir wieder zur├╝ck.

Judith:
Ja. Ehe wir in Lethargie versinken.

Sie stehen auf, gehen wieder zu ihrer alten Bank zur├╝ck und setzen sich.

Clemens:
Eigentlich ist es hier sogar besser.

Judith:
Ja. Man hat mehr Sonne.

Clemens:
Und die V├Âgel zwitschern.

Judith:
Diese w├╝rzige Luft.

Clemens:
Gut, um mal abzuschalten. Einmal alles hinter sich zu lassen.

Judith:
Die Aussicht ist viel sch├Âner.

Clemens:
Ja.

Sie schweigen eine Weile. Man h├Ârt Vogelgezwitscher.

Judith:
Du, Clemens, wir m├╝ssen herausfinden, wann die Beerdigung ist.

Clemens:
Meinst du, wir sollten hingehen?

Judith:
Unbedingt. Das sind wir Karl schuldig.

Clemens:
Die werden nicht gerade erfreut sein, wenn wir da aufkreuzen. Die Familie, meine ich. Und seine Witwe.

Judith:
Das kann uns egal sein. Au├čerdem k├Ânnen wir uns ja vorher Mut antrinken.

Clemens:
Es wird sicher eine Anzeige in der Zeitung stehen. Wir k├Ânnen ja immer mal am Zeitungsstand in der Kaufhalle nachsehen.

Judith kichert:
Nat├╝rlich nehmen wir auch Norbert mit. Wir waren schlie├člich alle seine Freunde.

Clemens:
Ja. Das ist das mindeste, was wir noch f├╝r ihn tun k├Ânnen.

Sie trinken schweigend.

Judith:
Warst du eigentlich einmal verheiratet, Clemens?

Clemens:
Ja.

Judith:
Hat deine Frau dich verlassen?

Clemens:
Nein. Sie ist tot.

Judith:
O Gott. Wie ist denn das passiert?

Clemens:
Es war ein Verkehrsunfall.
Vor uns ist pl├Âtzlich so ein gro├čer Laster ausgeschert, auf unsere Spur hin├╝ber. Ich hatte es zu sp├Ąt gemerkt, weil ich gerade eine CD einlegen wollte. Das ganze war Sekundensache. Meine Frau hat geschrien, es hat geknallt, dann hat es uns gegen die Leitplanke geschleudert. Ein anderes Auto ist in uns reingefahren. Es gab ein furchtbares Chaos. Sie mu├čten uns rausschwei├čen. Meine Frau hatte erst geschrien, dann war sie still.
Diese Stille war das Schlimmste von allem.
Die Menschen sollten nicht den L├Ąrm f├╝rchten, sondern die Stille.

Beide trinken schweigend.

Und was ist mit dir? Du hattest wohl auch viel Pech?

Judith:
Das kannst du laut sagen. Ich habe verschiedene M├Ąnner gehabt, aber es endete immer auf die selbe Weise. Sie waren pl├Âtzlich verschwunden und mit ihnen alles Geld, was ich zusammengespart hatte.
Jetzt lebe ich alleine. Einsam. Nach gro├čen Entt├Ąuschungen.

Sie schluchzt.

Clemens:
Na, la├č nur. Du wirst schon noch den Richtigen finden.

Judith:
Du, Clemens.

Clemens:
Ja?

Judith:
Willst du heute nicht mit zu mir kommen?
Wir k├Ânnten uns zusammen was im Fernsehen angucken.

Clemens:
Ich wei├č nicht ...

Judith:
Ich habe auch noch eine Flasche Whisky da. F├╝r besondere Gelegenheiten. Und was zu knabbern.

Clemens:
Na ja, warum nicht. Ich habe heute sowieso nichts Besonderes vor.

Judith:
Am besten, wir gehen gleich. Ehe wir in Lethargie versinken.

Sie gehen ab, sich gegenseitig st├╝tzend.




2. Akt

1. Aufzug


Friedhof. Feierhalle. Eine Urne auf einem Podest. Davor Blumen. Trauerg├Ąste. Angestellte des Beerdigungsinstitutes.
Clemens, Judith und Norbert kommen mit nicht gerade taufrischen Blumenstr├Ąu├čen in den H├Ąnden. Judith wie immer mit ihrer Einkaufstasche. Sie sehen sich unsicher um, dann gehen sie z├Âgernd zu der S├Ąule mit der Urne und legen ihre Blumen nieder. Bewegung unter den Trauerg├Ąsten. Jemand redet auf einen Angestellten des Beerdigungsinstitutes, den sp├Ąteren Trauerredner, ein. Der zuckt mit den Schultern.

Trauerredner:
Es tut mir leid, aber so lange sie sich anst├Ąndig benehmen, k├Ânnen wir sie nicht hindern ...

Alle nehmen Platz. Clemens, Judith und Norbert sitzen deutlich von den anderen isoliert. Der Trauerredner stolziert auf und ab. Schlie├člich stellt er sich vorne vor der Urne auf. Getragene Musik erklingt (Adagio von Albioni). Musik wird ausgeblendet.

Trauerredner blickt ab und zu auf sein Manuskript :
Verehrte Trauerg├Ąste. Liebe Hinterbliebene, Angeh├Ârige und Freunde des teuren Verstorbenen.
Wir haben uns heute hier versammelt, um von einem Menschen Abschied zu nehmen, dessen viel zu fr├╝her Tod eine schmerzliche L├╝cke hinterl├Ą├čt.
Der Verstorbene wuchs auf in der liebevollen Obhut seiner Familie. Schon bald zeigte der Knabe Karl vielf├Ąltige Begabungen. Er liebte B├╝cher, trieb Sport, spielte in einer Kapelle, trat als Schauspieler in Sch├╝lerinszenierungen auf, sang in einem Knabenchor.
Doch beendete er die Schule nicht, denn sein rastloses Streben trieb ihn in die Welt hinaus. Er schlo├č sich einem Zirkus an und bereiste ferne L├Ąnder. Dort begegnete er der Liebe in Gestalt einer Parterreakrobatin, Elvira war ihr Name. Doch diese Verbindung w├Ąhrte nicht lange, denn die Unrast trieb ihn weiter.
Ein Freund erweckte seinen unternehmerischen Ehrgeiz, und er er├Âffnete ein Gesch├Ąft in der Branche des Gebrauchtwagenhandels.
Hier lernte er seine zweite Frau kennen, Gudrun, die bereit war, die H├Âhen und Tiefen des Lebens als Gesch├Ąftsmann mit ihm zu teilen.
Doch diesem Gl├╝ck war keine Dauer beschieden. Unternehmerischer Mi├čerfolg, verursacht durch schlechte Ratschl├Ąge falscher Freunde, sowie Zerw├╝rfnisse mit seiner Frau lie├čen ihn seine Schritte wieder ins Ausland lenken ...

Ein Mann tritt zu dem Trauerredner, der gleiche, der ihn schon zuvor angesprochen hatte, und fl├╝stert ihm einige Worte ins Ohr. Der Trauerredner nickt und bl├Ąttert nerv├Âs in seinem Konzept.

Nach vielerlei Auf und Ab der Wechself├Ąlle des Lebens ... tapfer ertragenen Widrigkeiten, die ihn nicht zu beugen vermochten ... traf er schlie├člich diese Frau, Carola, die hier unter uns ist und um ihn trauert, in deren Armen er den Frieden fand, den er so lange gesucht hatte. Doch auch diesem Gl├╝ck war leider keine Dauer beschieden. Ein tragischer Ungl├╝cksfall ri├č ihn viel zu fr├╝h aus unserer Mitte.

Wir wollen nun Abschied nehmen.

Der Trauerredner tritt beiseite. Wieder ert├Ânt Musik. Ein sehr d├╝nner, langer Mann in schwarzem Anzug ergreift die Urne und stolziert mit ihr langsam, steif und unnat├╝rlich, mit durchgedr├╝ckten Knien, hinaus, wobei er die Urne mit ausgestreckten Armen vor sich h├Ąlt.
Der Trauerredner und die Trauerg├Ąste folgen ihm, unter ihnen Clemens, Judith und Norbert.

Am Grab angekommen, l├Ą├čt der d├╝nne Mann die Urne in ein Erdloch hinab. Daneben steht auf einem Gestell eine Schale mit Erde und einer kleinen Schaufel.
Die Trauerg├Ąste treten einer nach dem anderen heran, werfen eine Schaufel mit Erde in das Grab und stellen sich hinter dem Grab im Halbkreis auf.

Judith tritt an das Grab. Sie holt eine Flasche Sangria aus ihrer Einkaufstasche, schraubt sie auf und sch├╝ttet etwas in das Grab.

Judith:
Nimm noch einen letzten Schluck, Karl.

Die Trauerg├Ąste sind wie versteinert.

Weiblicher Trauergast schreit :
Warum tut denn keiner was?

Zwei M├Ąnner zerren Judith vom Grab weg.
Norbert ist zunehmend erregter geworden.

Norbert schreit :
Sie haben ihn umgebracht! Die Arschgesichter haben ihn umgebracht!

Tumult.

Trauerg├Ąste:
Eine Unversch├Ąmtheit.

Wer hat denn seine Saufkumpane hergebeten?

Das habe ich kommen sehen. So etwas mu├čte ja passieren.

Das haben wir nun von unserer Gro├čz├╝gigkeit. Wir sind blamiert bis auf die Knochen.


Clemens nutzt das Durcheinander und zieht sich in einen Seitenweg zur├╝ck.
Dort steht ein junges M├Ądchen mit dem R├╝cken zu ihm. Sie hat das Gesicht mit den H├Ąnden bedeckt und ihre Schultern zucken.

Clemens verlegen :
Entschuldigen Sie bitte ... Es tut mir leid. Wir wollten Ihre Gef├╝hle nicht verletzen.

Das M├Ądchen dreht sich um und nimmt die H├Ąnde vom Gesicht. Sie weint nicht sondern lacht.

Aber das ist ja ... Als ich Sie sah, dachte ich im ersten Augenblick, Sie weinen.

Carla:
Warum denn? Das Ganze war doch urkomisch. Und es pa├čt zu Karl. Als h├Ątte er ihnen noch nach seinem Tod noch eins ausgewischt.

Clemens:
Sind Sie eine Verwandte von Karl?

Carla:
Ja, ich bin seine Nichte. Ich hei├če Carla. Sie k├Ânnen ruhig du zu mir sagen.

Clemens:
Ich bin Clemens. Du kannst auch du zu mir sagen.

Carla:
Onkel Karl war mir von der ganzen Familie mit Abstand der liebste. Die anderen k├Ânnen Sie alle vergessen. Sie haben sie ja eben erlebt.
Mit ihm konnte man Sachen erleben.
Ein Klassiker war es, ihn abends loszuschicken um ein Brot zu holen oder irgend etwas anderes, was man noch brauchte. In der Regel kam er erst nach Stunden wieder, schwankend und in Begleitung irgend eines S├Ąufers. Ein verkanntes Genie, das er in der Kneipe getroffen hatte. Das gab immer ein Chaos, bis sie den Saufkumpel wieder losgeworden waren.
Aber es war nie langweilig mit ihm. Er sorgte immer f├╝r Wirbel, hatte verr├╝ckte Ideen und erz├Ąhlte irgendwelche kuriosen Geschichten.

Clemens:
Er sagte immer, alle Geschichten w├Ąren eigentlich schon erz├Ąhlt worden und sie st├╝nden in der Bibel, bei den alten Griechen oder in den Geschichten aus Tausendundeiner Nacht.
Zuletzt hatte er eine von einem griechischen J├╝ngling erz├Ąhlt, dem eine G├Âttin die Gabe ewigen Lebens gew├Ąhrt hatte. Aber er hatte sie nicht zugleich um ewige Jugend gebeten und wurde zu einem zusammengeschrumpften H├Ąufchen Elend, das von allen nur denkbaren Gebrechen geplagt wurde.

Carla:
Das ist echt komisch. Typisch Onkel Karl. Und die Geschichte von Orpheus und Euridike, hat er die auch erz├Ąhlt?

Clemens:
Das ist die von dem S├Ąnger, dessen Frau gestorben war?

Carla:
Ja, sie wurde von einer Schlange gebissen. Er konnte sich mit ihrem Tod nicht abfinden und stieg hinab in die Unterwelt. Dort r├╝hrte er das Herrscherpaar mit seinem Gesang so sehr, da├č sie ihm Euridike zur├╝ckgaben. Aber er durfte sich nicht nach ihr umdrehen, auf dem Weg nach oben.

Clemens:
Ja, aber er drehte sich doch um. Weil er die Stille hinter sich nicht ertragen konnte. Und so hatte er sie f├╝r immer verloren. Eine traurige Geschichte.

Carla:
Es ging aber noch weiter. Danach war Orpheus fertig mit der Welt und den Menschen und zog sich in sein Schneckenhaus zur├╝ck. Deswegen wurde er von hysterischen Weibern erschlagen und fand schlie├člich seine Euridike in den Gefilden der Seligen wieder. Also vielleicht doch noch sowas wie ein Happyend?

Clemens:
Na ja, ich wei├č nicht ...
Du, ich glaube, die Trauergesellschaft hat sich verzogen. Mu├čt du nicht mitgehen?

Carla:
Eigentlich w├╝rde ich den Tag lieber anders verbringen.

Clemens:
Das kann ich verstehen.

Carla:
Ich lade dich zu einer Wodka-Cola ein. Und dann gehen wir in den Lunapark. Ich m├Âchte unbedingt noch einmal mit dem gro├čen Riesenrad fahren. Von dem man ├╝ber die ganze Stadt sieht. Das habe ich schon lange nicht mehr gemacht.

Clemens:
Ich auch nicht.

Sie gehen ab.





2. Aufzug


Gleiches Bild wie im 1. Akt. Clemens und Judith sitzen auf ihrer Bank. Clemens f├╝ttert die Spatzen. Judith hat ihre Tasche neben sich. Ab und zu nehmen sie einen Schluck Sangria.

Judith:
Da├č sie mich aus der Kneipe rausschmei├čen, ist mir ja nichts Neues. Aber aus dem Friedhof, das ist mir zum ersten Mal passiert.

Clemens:
Wenn es wenigstens von Dauer w├Ąre. Aber irgendwann kommst du ja doch wieder. Und wenn es als Leiche ist. Dann m├╝ssen sie dich reinlassen.

Judith:
Ja, als Leiche behandeln sie dich respektvoll. Da bist du auf einmal der teure Verstorbene. Egal was du f├╝r Mist gebaut hast in deinem Leben.

Clemens:
Karl hat es jetzt hinter sich. Der baut keinen Mist mehr.
Ob Norbert heute kommt?

Judith:
Das war sein Stichwort. Da kommt er.

Norbert erscheint und setzt sich auf seine Bank. Seinen Stoffbeutel legt er wieder sorgf├Ąltig neben sich.

Judith:
Na Norbert, wieder Ausgang gekriegt?

Norbert:
Ja, aber sie haben gesagt, wenn noch mal Beschwerden kommen, ist Schlu├č damit.

Clemens:
Die n├Ąchste Beerdigung wird ja noch eine Weile auf sich warten lassen.

Norbert:
Da w├Ąre ich mir nicht so sicher. Karl war der erste. Wer wird der n├Ąchste sein? Du, Clemens? Oder Judith?

Judith:
H├Âr auf, Norbert. Mir wird ganz unheimlich zumute.

Norbert:
Es sieht immer ganz normal aus. Ein ungl├╝cklicher Zufall. Eine pl├Âtzliche Krankheit. Keinem f├Ąllt etwas auf. Nur manchmal ist es offensichtlicher Mord. Wenn andere Mittel versagen. Bei Kennedy zum Beispiel. Oder bei John Lennon.

Ein schwarzer Porsche f├Ąhrt vor.

Da kommt schon der Todesengel.

Judith:
Nun halt aber den Mund, Norbert. Du kannst einem ja richtig Angst machen.

Carola, Karls Witwe, steigt aus. Gro├čer Hut, teures Kost├╝m, Sonnenbrille. Sie geht unsicher auf die drei zu.

Carola:
Guten Morgen. Entschuldigen Sie bitte. Ich bin Carola, ich war Karls Frau.
Kann ich einen Augenblick mit Ihnen sprechen?

Ich m├Âchte mich bei ihnen entschuldigen.
Meine Familie hat da wohl gestern auf dem Friedhof etwas ├╝berreagiert.

Judith:
Wir nehmen das nicht so tragisch. Wir sind Kummer gew├Âhnt.

Clemens:
M├Âchten Sie sich nicht setzen?

Norbert:
Aber nicht auf meine Bank.

Carola verlegen :
Ich wei├č nicht.

Sie sieht sich unbehaglich um.

Judith:
Machen Sie sich nur keine Sorgen. Hier sieht sie keiner.

Carola:
Aber nur f├╝r einen kurzen Moment.

Sie setzt sich zu Clemens und Judith.

Clemens:
Es wird schon keiner vorbeikommen, der sie kennt.

Carola:
Also, ich m├Âchte mich entschuldigen. Es war nicht richtig, wie man sich Ihnen gegen├╝ber verhalten hat. Sie haben es ja nicht b├Âse gemeint. Sie wollten eben auf Ihre Art von Karl Abschied nehmen. Ich verstehe das.
Sie haben Karl gern gehabt. Alle haben Karl gern gehabt, au├čer meiner Familie. Die haben ihn geha├čt. Und mich auch irgendwie, solange ich noch mit ihm zusammen war.

Clemens:
Karl hatte zuletzt noch gesagt, da├č Sie ihn im Grunde ihres Herzens m├Âgen, auch wenn Sie sich scheiden lassen wollten.

Norbert:
Als er im Knast war, haben sie sie umgedreht.

Carola:
Es stimmt, ich hatte Karl noch immer gerne, aber ich konnte nicht mehr mit ihm zusammenleben.
Er hatte mich zu oft entt├Ąuscht. Irgendwann ging es nicht mehr. Er brachte mich immer in die gr├Â├čten Schwierigkeiten und dann verschwand er.
Einmal hatte er mich in einem Hotel in S├╝dfrankreich sitzen lassen, mit Schulden und unbezahlten Rechnungen. Der Manager holte die Polizei. Ich mu├čte mich vor meiner Familie dem├╝tigen, damit sie Geld schickten.
Karl war auf und davon, mit unserem letzten bi├čchen Geld und irgendwelchen interessanten Menschen, die er gerade kennengelernt hatte.
Sp├Ąter kam er dann wieder, mit einem gro├čen Blumenstrau├č und einer Flasche Champagner.

Judith:
Und haben Sie ihm verziehen?

Carola:
Damals ja. Man konnte ihm einfach nicht lange b├Âse sein, wenn er einen so anguckte.

Judith:
Ja, ich kenne das. Von der Sorte gibt es viele.

Carola:
F├╝r meine Familie war das nat├╝rlich ein gefundenes Fressen, und sie fingen an, Bedingungen zu stellen. Schlie├člich verlangten sie die Scheidung. Ich mu├čte einwilligen, ich hatte Schulden. Und ich wollte auch nicht mehr.

Sie holt ein Taschentuch hervor und wischt sich die Augen.

Aber jetzt bin ich wieder unabh├Ąngig von meiner Familie und das verdanke ich Ihnen. Daf├╝r m├Âchte ich Ihnen danken.

Judith:
Wieso verdanken Sie das uns?

Carola:
Auf Grund Ihrer Aussagen kam die Polizei zu dem Ergebnis, da├č Karls Tod ein Unfall war.
Karl hatte eine ziemlich hohe Lebensversicherung zu meinen Gunsten abgeschlossen. Wir wollten sie schon mehrmals k├╝ndigen, aber im letzten Moment war Karl immer davor zur├╝ckgeschreckt.
Nun mu├čte die Versicherung die volle Summe zahlen. Dadurch konnte ich die Schulden bei meiner Familie begleichen und bin jetzt wieder frei in meinen Entscheidungen.
Ich m├Âchte mich gerne erkenntlich zeigen. Kann ich irgendetwas f├╝r Sie tun? Kann ich Ihnen mit Geld helfen?

Clemens:
Das ist sehr freundlich von Ihnen, aber wir haben eigentlich alles, was wir brauchen.

Norbert:
Ich lasse mich nicht kaufen.

Judith:
Du sei still, Norbert. Du brauchst dir freilich keine Sorgen zu machen. Du bist ja versorgt.

Carola:
Ich k├Ânnte Ihnen etwas Startkapital vorschie├čen, f├╝r eine neue Existenz.

Clemens:
Wissen Sie, wir sind mit unserer Existenz eigentlich ganz zufrieden. Ich will hier nicht weg.
Ich sitze einfach da und f├╝ttere die Spatzen und warte, da├č jemand kommt und da├č die Zeit vergeht.
Irgend jemand kommt immer.

Judith:
Und ich leiste Clemens Gesellschaft. Dann ist da ja auch noch Norbert. Soll der alleine hier sitzen, wenn er Ausgang hat?

Carola:
Dann lassen Sie mich wenigstens etwas beisteuern ... f├╝r Ihre Getr├Ąnkekasse.

Sie holt einen gro├čen Geldschein aus ihrer Tasche und l├Ą├čt ihn in Judiths Einkaufstasche gleiten.

Judith:
Aber nur, wenn Sie einen mittrinken. Das ist eine Frage der Ehre.

Carola:
Einverstanden.

Sie nimmt einen Schluck Sangria.

Da k├Ânnen wir uns ja auch duzen. Ich bin Carola, das wi├čt ihr ja schon.

Judith:
Ich bin Judith, das ist Clemens und der da dr├╝ben ist Norbert. Der ist eigentlich in der Klapper, ist aber harmlos und kriegt Ausgang. Jetzt mu├č er sich zusammenrei├čen, wegen der Entgleisung gestern auf dem Friedhof.

Norbert:
Hallo, Carola. Sei nicht b├Âse, da├č ich dich f├╝r einen Automaten gehalten habe.

Carola:
Ach, das ist alles schon vergeben und vergessen. Wenn man sich erst mal n├Ąher kennenlernt, sieht man den anderen mit ganz anderen Augen. Viel menschlicher.

Norbert:
Du schaffst es schon noch und zeigst ihnen den dicken Daumen. So wie ich.

Carola:
Sch├Ân habt ihr es hier. Eine sch├Âne Aussicht.

Clemens:
Ja. Und so ruhig.

Judith:
Die w├╝rzige Luft.

Carola:
Man sieht die Dinge gleich aus einem anderen Blickwinkel.

Nimmt noch einen Schluck.

Wie sp├Ąt ist es eigentlich?

Clemens:
Kurz vor elf. Haben Sie ... hast du einen Termin?

Carola:
Den kann ich auch verschieben.
Man soll sich nicht aufdr├Ąngen, das macht keinen guten Eindruck. Wer seinen Wert kennt, der kann auch mal einen Termin platzen lassen.
Ist noch was zu trinken da?

Judith:
Es m├╝├čte bald mal wieder jemand was holen. Ehe wir in Lethargie versinken.

Sie sitzen und trinken. Die V├Âgel zwitschern.


__________________
Stefan Seifert

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GabiSils
???
Registriert: Mar 2002

Werke: 1
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Hey, bravo! Das gef├Ąllt mir richtig gut, ich kann es mir auch als Auff├╝hrung ohne weiteres vorstellen.

Gru├č
Gabi

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ElsaLaska
Guest
Registriert: Not Yet

Lieber Stefan,

ich gebe zu, ich finde Dramen etwas m├╝hselig zu lesen, aber dieses hier war wirklich sehr kurzweilig, gut gemacht, voller guter Ideen, die Du mal schnell so anreisst in den
Dialogen und vor allem mit einer ├╝berraschenden Wendung.
Kompliment auch f├╝r den Titel, der d├╝rfte die Anklickzahlen gleich in die H├Âhe schnellen lassen
Äh, ICH weiss natürlich, was ein bum ist, keine Bange. Aber die anderen wissen das nicht

Besonders am├╝sant fand ich diese Stelle:
"Beachten Sie auch unsere Anti-Drogenkampagne „Ich bin mir selbst Droge genug.“ F├╝r uns steht der Mensch im Mittelpunkt."

Aber nat├╝rlich waren auch die Szene am Grab und das Gespr├Ąch mit Carola ganz am Schluss wirklich gut gemachte Highlights.

Sollten wir nicht vielleicht ein extra Forum f├╝r solche Arbeiten haben?*gr├╝bel*

LG
Elsa

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Matthias Schulz
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Stefan,

vielen Dank, dass das Drama so schnell kam, freut mich wirklich riesig, und dann noch gleich so ein Gutes!

Die interesanteste Szene, finde ich, ist die, in der Clemens und Judith die Bank wechseln wollen, um nicht in Lethargie zu verfallen. Sie glauben Norbert zwar gerne, dass sie selbst frei sind und die anderen Menschen Automaten, aber eigentlich sind sie genau so automatisch wie die "Bourgeoisie" - Sie schaffen es nicht einmal, sich auf eine andere Bank zu setzen, und wollen es nicht einmal zugeben (Das Argument, dass Norbert deswegen durchdrehen k├Ânnte, nehme ich den beiden nicht ab). Eigentlich f├╝hren nur die Vertreter der "Bourgeoisie", Carla und Carola, ein "lebendiges" Leben, ein Leben, das nicht nur aus Routine besteht - Sie sind vorurteilsfrei, und k├Ânnen ihre Lebensart auch ├Ąndern, die anderen nicht mehr.

Wirklich sehr gutes Drama, finde ich!

Viele Gr├╝├če,
Matthias

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annabelle g.
Guest
Registriert: Not Yet


lieber stefan, nicht zu glauben, dass das bei dir in der schublade lag. hoffe, es wird bei einer auff├╝hrung ans tageslicht treten. hier ein paar anregungen ...

- w├╝rde die b├╝hnen- und schauspieleranweisungen/beschreibungen in klammern setzen, das ist ├╝bersichtlicher zu lesen
- karl, carola, carla sind die namen so ├Ąhnlich?
- norbert dagegen f├╝r die lusche mit dem stoffbeutel sehr gut
- spatzen h├╝pfen, finde ich
- w├╝rde nur schreiben „norbert n├Ąhert sich“; auf seine merkw├╝rdige gestalt sind wir schon zu anfang hingewiesen worden
- „Die Frau l├Ą├čt das Fenster herunter und Karl spricht mit ihr. Die Frau blickt dabei ausdruckslos geradeaus.“ „Die Frau“ wiederholt sich, besser zu einem satz zusammenziehen!
- „├č“ und „ss“ schreibung noch falsch: alles was kurz ist wie „Fass“ und „muss“ mit „ss“; alles was lang ist „Stra├če“ oder „hei├čen“ mit „├č“
- „Wir hatten einmal eine tolle Zeit miteinander. Sie hat selber gesagt, es war die sch├Ânste Zeit ihres Lebens“; wiederholung, zweite „zeit“ raus
- „Clemens und Judith sitzen auf ihrer Bank. Norbert sitzt auf der Bank daneben“; wiederholung nur „Norbert auf der daneben“


Ansonsten das, was die anderen schon gesagt haben, gutes st├╝ck, stimmige dialoge, sch├Âne einzelheiten!

zum einstellen in die lupe vielleicht besser nur ein paar szenen - um eine tendenz der kritik zu kriegen - weil ein drama insgesamt zu lang f├╝r potentielle leselupenkritiker sein d├╝rfte. ich habe bei „rudi + susa“ nur 12 der existierenden 30 existierenden szenen genommen!

sch├Âne gr├╝├če, annabelle

.-)))

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Stefan Seifert
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Sep 2001

Werke: 25
Kommentare: 16
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Liebe anabelle,

Was den Gebrauch von ├č, ss und dergleichen betrifft, so halte ich es wie die FAZ, d.h. ich beteilige mich nicht an der Rechtschreibereform. Im ├╝brigen bin ich der Meinung, da├č ein Autor, auch ein Amateur, das Recht hat, so zu schreiben, wie er will. Wenn ihn dann keiner lesen will, hat er selbst den Schaden, wenn aber, ist es gut (siehe Arno Schmidt).

Die Wiederholungen stehen in den Regieanweisungen, die im original kursiv geschrieben sind. Dort sind sie f├╝r mein Empfinden nicht zu beanstanden, da gewisserma├čen technischer Natur.

Die Verwandtschaft der Namen Karl, Carola und Caroline ist beabsichtigt.

Was die L├Ąnge betrifft, das ist sicher wahr, ich hatte das St├╝ck auf die Anfrage von Matthias Schultz hin spontan aus der Schublade genommen.
Ansonsten vielen Dank f├╝r alle freundlichen Anmerkungen!

Mit besten Gr├╝├čen
__________________
Stefan Seifert

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Martin Weber
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2002

Werke: 6
Kommentare: 30
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Sehr gut

Das Drama finde ich gut. Vielleicht fehlt zum Abschluss noch eine super ├╝berraschende Wendung, wie z.B. das Karl wieder lebend auftaucht. Aber ich will dir in dein Werk nicht hinein Pfuschen! Sehr gut, fast so episch wie D├╝rrenmatts "Die Physiker"!
__________________
Fliehe, mein Freund, in deine Einsamkeit und dorthin, wo eine rauhe, starke Luft weht. Also sprach Zarathustra

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