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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
The Sun After The Storm by Myself
Eingestellt am 17. 07. 2003 12:32


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LinhNguyen
Bl├╝mchendichter
Registriert: Jul 2003

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Kapitel eins

„Liz, Zeit zum Aufstehen!“, rief Mrs. Coogan wie jeden Morgen durch das kleine Haus in Kansas City, in dem sie und ihre junge Tochter, Liz, wohnten, da die ├Ąltere in New York studierte.

Mr. Coogan war am zwanzigsten Hochzeitstag wegen Herzversagen gestorben. Ihre beiden T├Âchter hie├čen Liz und Jen, Liz war sechzehn und Jen neunzehn. Liz hatte blond gelockte Haare und wundersch├Âne braunen Augen, so wie ihr Vater damals, Jen dagegen hatte blonde glatte Haare und blaugr├╝nen Augen, so wie ihrer Mum, aber sie trug immer braune Kontaktlinsen und f├Ąrbt sich die Haare jeden Monat neu, und Liz war der Meinung, dass sie dadurch nur ihre Mutter ein wenig erschrecken wollte, denn ihre Mutter hasste es, wenn sich ihre T├Âchter einfach so die Haare f├Ąrbten.



„Liz, wie lange willst du denn noch schlafen?“, fragte ihre Mutter. „Du musst in einer Stunde zur Schule!“

„Ist ja gut... ich bin doch schon wach!“, murmelte Liz und versuchte aus dem Bett zu steigen, aber dies gelang ihr noch nie wirklich am fr├╝hen Morgen.

Und wie jeden Morgen, griff sie heute auch wieder zu ihrer Anlage hin├╝ber, um dann die Musik laut aufzudrehen, damit sie richtig wach werden konnte.

W├Ąhrend „What a girl wants“ aus den Boxen tr├Ąllerte, h├╝pfte sie zu der Melodie ins Badezimmer und versuchte sich die Z├Ąhne zu putzen, was ihr nicht so gut gelang, da sie nebenbei versuchte, mitzusingen, auch wenn man kein Wort verstehen konnte. Aber das war ihr lieber, als wenn die ganze Nachbarschaft h├Âren k├Ânnten, wie schlecht sie sang.

„Guten Morgen, Mum“, sagte sie wie immer fr├Âhlich, wenn sie die K├╝che betrat, da es in der K├╝che morgens immer besonders gut und lecker nach Pfannkuchen roch.

Sie setzte sich an den Tisch und fr├╝hst├╝ckte, dabei ging sie die Briefe durch, die auf dem Esstisch lagen.
Werbung, Werbung, Werbung, Mums Brief, Rechnung, Werbung und Werbung, dachte sie gelangweilt. Dann trank sie noch schnell ein Glas Milch und ging auf ihr Zimmer, um ihre Tasche zu packen, da sie wusste, dass in ein paar Minuten ihre Freundinnen vor der T├╝r stehen w├╝rden, genau so wie jeden Morgen, wenn es Schule hie├č.

Ding Dong... kam es von unten... Liz schnappte schnell nach ihrer Tasche und rannte die Treppe hinunter, w├Ąhrend sie noch versuchte, ihre Schuhe beim Laufen anzuziehen. Unten angekommen riss sie die T├╝r auf und begr├╝├čte die M├Ądchen mit einem L├Ącheln, und rannte noch schnell in die K├╝che um sich mit einem Kuss von ihre Mum zu verabschieden.

„Na Liz, hast du das auch schon geh├Ârt?“, fragte Tine mit gehobenen Augenbrauen.

Liz schaute sie nur fragend an, aber sie wunderte sich eigentlich nicht so sehr dar├╝ber, wieso Tine wieder was Neues erfahren hatte, da sie immer die Erste von der Clique war, die das Neuste erfuhr. Die anderen M├Ądchen lauschten auch gespannt zu.

„Na ja...“, fing Tine an zu erz├Ąhlen, „ihr kennt doch alle diesen super hei├čen Typ von der Schulband, Ben, oder?“
Alle nickten und ihre Augen weiteten sich noch weiter auf, denn Ben war mit Abstand der absolut hei├česte Typ an der Schule. Er war, bevor er in den Schulband einstieg Footballspieler, aber auf Grund einer Sportverletzung, musste er seinen Lieblingssport ausfallen lassen. Er war gro├č, muskul├Âs, sportlich, hatte dunkle Haare, gr├╝ne Augen und war absolut beliebt, insbesondere bei den M├Ądchen.

„Er hat sich von seiner Freundin... ├Ąhm... wie hie├č die doch noch mal... diese h├╝bsche Br├╝nette, die letztes Jahr zur Ballk├Ânigin gew├Ąhlt wurde...“, ├╝berlegte sie.

„Du meinst Nadine“, warf Liz ein.

„Ja genau“, antwortete Tine schnell und erz├Ąhlte weiter. „Na ja, jedenfalls habe ich geh├Ârt, dass er mit ihr Schluss gemacht h├Ątte, da sie zu aufdringlich sei. Also, wenn ich ehrlich sein soll... ich w├╝rde ihn mir echt gerne angeln, aber ihr wisst ja, meine Chancen bei ihm zu landen, sind gleich null.“

Die Freundinnen schauten sich gegenseitig an und fingen an zu lachen und Witze ├╝ber Tine herzuziehen, denn alle wussten, dass sie total auf Ben stand.

Liz war echt froh, dass sie Freundinnen wie Tine, Andie, Mel und Liza hatte, denn sie waren wirklich die besten Freundinnen der Welt. Sie teilten alles miteinander, und unternahmen auch alles miteinander. Bei ihnen f├╝llte Liz sich nie einsam oder im Stich gelassen.

In der Schule angekommen, liefen sie wie immer den Gang endlang und holten ihre Schulb├╝cher aus den Schlie├čf├Ąchern. Pl├Âtzlich knallte die T├╝r zum Sporthalle auf und zehn Cheerleader liefen in die G├Ąnge und f├╝hrten mit ihren Pompons einen Tanz vor, das bei dem Footballspiel am Ende der Woche statt finden sollte. Alle gaben Beifall, nur Liz und ihre Freundinnen lie├čen es kalt, da es ihnen ├╝berhaupt nicht interessierte, was die Cheerleader drauf hatten. Liz verdrehte wie immer die Augen, da sie Cheerleader nicht besonders mochte, denn sie sind ihrer Meinung nach total eingebildet, versnobt und total arrogant und halten sich immer f├╝r die Besten der Besten.

Aber womit Liz nicht gerechnet hatte war, dass die Gr├╝nderin der Cheerleader, eine schlanke h├╝bsche Blondine mit sch├Ânen gr├╝nen Augen, auf Liz und ihre Freundinnen zu ging und Liz das Pompon ins Gesicht hielt und meinte, dass sie nicht cool genug sei und sich deswegen nicht ├╝ber die Cheerleader lustig machen sollte. Liz fegte mit einer Handbewegung den Pompon auf den Boden und sagte: „Ich wei├č wohl, wer hier cool ist und wer nicht. Ihr Cheerleader haltet euch wohl f├╝r besonders toll, wenn ihr alle die gleichen Klamotten tr├Ągt und eure Pompons schwingen k├Ânnt, oder? Aber nicht jeder will so hirnlos sein wie ihr! Und ich kann dir versprechen, dass ein Schwein sogar viel intelligenter ist als ihr Cheerleader.“

Sie ging mit ihren B├╝chern in der Hand weiter und schaute nicht ein Mal zur├╝ck.

„Liz...“, fl├╝sterte Liza.

„Was? Wieso fl├╝sterst du denn so?“, fragte sie ein wenig entnervt und verdrehte dabei die Augen.

„Als du die Cheerleader deine Meinung gesagt hast, stand Ben in der N├Ąhe!“

„Na und?“, entgegnete Liz. „Wenn schon, ist mir doch egal, ob er in der N├Ąhe stand oder nicht.“

„Hey... reg dich mal wieder ab!“, beruhigte Tine sie. „Wir meinen ja nur...“

„Schon gut! Muss jetzt in den Unterricht. Sehen uns dann nachher in der Cafeteria. Ciao!“, sagte Liz und ├Âffnete die T├╝r zum Klassenraum und ging hinein.

Obwohl es noch nicht geklingelt hatte, und sie die Schule verabscheute, wollte sie im Klassenraum bleiben... sie wusste aber nicht wieso sie das wollte. Vielleicht, weil sie einfach mal etwas Ruhe brauchte. Schlie├člich hatte sie genug Stress zu Hause, jeden Tag musste sie Geschirr sp├╝len und W├Ąsche zusammen legen und abends muss sie auch meistens kochen.

Wieso reg ich mich in letzter Zeit eigentlich so auf, fragte sie sich, und war w├╝tend auf sich selbst.

Und endlich hat es gegongt und alle gingen in die Klasse. Liz schmiss ihre B├╝cher auf den Tisch und bereitete sich auf den langweiligen Geschichtsunterricht von Mr. Tyler vor... sie nahmen im Moment Frankreich durch, was die Sch├╝ler wenig interessierte.

„Guten Morgen allerseits...“, rief der Lehrer wie jeden Morgen in die uninteressierte Runde, aber diesmal f├╝gte er noch was hinzu. „Heute haben wir einen neuen Sch├╝ler in unserem Kurs... er ging zwar schon immer auf dieser Schule, aber er hat jetzt alle Kurse gewechselt... deswegen hoffe ich mal, dass ihr nett zu ihm seid!“

Keiner im Raum machte einen Mucks, und sie schauten alle zur T├╝r hin├╝ber, denn sie waren gespannt, wer es war... und endlich, er betrat den Raum mit einem charmanten L├Ącheln im Gesicht... es war Ben!

Ohne zu ├╝berlegen ging er auf einen der vielen freien Pl├Ątze zu und setzte sich hinter Liz.

Liz sp├╝rte, wie sie rot anlief... ihr wurde mal warm und mal kalt... sie wagte es nicht nach hinten zu schauen, denn sie w├╝rde sich wahrscheinlich nur blamieren... das vorhin im Gang hat ihr schon gereicht. Also sa├č sie die ganze Stunde still auf ihrem Platz und gab keinen Laut von sich, sie hat noch nicht mal einen Witz gerissen, was nat├╝rlich nicht zu ihr passte, denn sie musste mindestens einmal im Unterricht einen Witz ├╝ber etwas rei├čen, was Mr. Tyler erz├Ąhlte.

Schon wieder hat es gegongt, die erste Unterrichtstunde war nun um und alle packten eilig ihre Taschen, um zum n├Ąchsten Unterricht zu eilen.
„Liz“, h├Ârte sie von hinten, und sie war sich sicher, dass Ben das gesagt hatte.

Sie drehte sich langsam um und schaute ihn fragend an, dabei versuchte sie m├Âglich cool zu bleiben, was ihr, ihrer Meinung nach, allerdings nicht so gut gelang.

„Das vorhin im Flur war echt mutig von dir“, sagte er und l├Ąchelte sie an. „Ich hoffe doch, dass wir uns mal treffen k├Ânnten.“

Ohne auf Liz’ Antwort zu warten, ging er aus dem Raum und schaute sie noch ein Mal an.

Liz stand wie fest genagelt da und ihr schossen tausend Gedanken durch den Kopf. Wollte er sich wirklich mit ihr treffen, war das gerade nicht eine Anmache, fand er die Aktion vorhin auf dem Flur wirklich cool, oder hat sie jetzt nur getr├Ąumt?

Dann riss sie ein weiterer Gong aus ihren Gedanken, und sie erinnerte sich, dass sie noch Unterricht hatte, also rannte sie so schnell wie m├Âglich ├╝ber den Flur, um in den n├Ąchsten Unterricht zu kommen.

Sie schaffte es zum Gl├╝ck noch, bevor der Lehrer kam. Sie machte sich gerade auf dem Weg zu ihrem Platz, als sie ihn wieder entdeckte... diesmal sa├č er vor ihr. Er l├Ąchelte sie wieder an und diesmal bem├╝hte sie sich, ihm auch einen L├Ącheln zu schenken.

Hat er jetzt etwa auch noch mit mir Franz├Âsisch, wunderte sie sich.

Kaum hatte sie sich hingesetzt, schon drehte er sich um und fragte sie, wann sie denn Zeit h├Ątte, und ob sie denn ├╝berhaupt mit ihm ausgehen wollte. Sie schrieb etwas auf einem Zettel und gab es ihm, dazu meinte sie, dass er sie mal anrufen und sie dann noch mal fragen sollte. Dann betrat der Franz├Âsischlehrer den Raum und begr├╝├čte sie auf Franz├Âsisch.

„Liz, Zeit f├╝r deinen Vortrag!“, sagte er und wies sie nach vorne.

Sie schnappte sich noch einen Block, wo sie ihre Notizen stehen hatte und lief damit nach vorne. Eigentlich waren das die selben Notizen von Geschichte, aber sie hatte keine Zeit und keine Lust gehabt, neue Informationen ├╝ber Jeanne d’Arc f├╝r Franz├Âsisch rauszusuchen. Au├čerdem war es doch umweltfreundlich von ihr, die Notizen zwei Mal zu benutzen, denn schlie├člich w├╝rde ein weiteres Notizblatt Papierverschwendung gewesen, und die B├Ąume w├╝rden deswegen wo m├Âglich noch mehr gef├Ąllt.

Sie hielt ihren Vortrag und beantwortete Fragen von ihren Mitsch├╝ler zum Thema, anschlie├čend konnte sie sich setzen, und sie war froh, dass der Franz├Âsischlehrer nicht darauf geachtet hatte, was das f├╝r Notizen waren, sonst h├Ątte sie mit Sicherheit eine sechs bekommen.

Der Lehrer sagte ihnen noch schnell die Hausaufgaben zum n├Ąchsten Tag, bevor es wieder gongt. Dann packten alle schnell ihre B├╝cher und st├╝rmten aus dem Raum, Liz war auch darunter, denn sie musste ihre Freundinnen von der Sache mit Ben erz├Ąhlen. Sie war auf ihre Gesichter gespannt und vor allem, was Tine dazu meinte. Also lief sie wie ein Blitz in die Cafeteria und setzte sich wie immer an ihrem Stammtisch. Und endlich, da kamen die anderen... sie machten aber nicht gerade den Eindruck, als w├╝rden sie noch etwas essen k├Ânnen, denn sie sahen alle so schrecklich blass aus.

Tine setzte sich hin und legte ihren Kopf auf den Tisch und st├Âhnte auf, und die anderen machten es ihr nach. Liz hob nur eine Braue, denn sie konnte sich nicht vorstellen, was sie denn in Biologie gemacht hatten.

„B├Ąh... ich hasse Fr├Âsche!“, st├Âhnte Tine und setzte einen Blick auf, den sie immer hatte, wenn sie sich vor etwas ekelte.

„Wir mussten Fr├Âsche anfassen!“, klagte Mel mit einem angewiderten Blick.

Liz lachte herzhaft und erz├Ąhlte ihnen von der Sache mit Ben. Die Freundinnen staunten nicht schlecht und stellten Liz immer und immer wieder neue Fragen. Denn nicht jede hatte das Gl├╝ck, von einem beliebten Jungen aus der Schule angesprochen zu werden. Sie kicherten und fl├╝sterten, wie es sich f├╝r M├Ądchen in ihrem Alter ├╝blich war. Pl├Âtzlich hatten sie Ben im Blick, und sie dachten, dass er gleich wahrscheinlich an ihnen vorbei gehen w├╝rde und mit einem Mal waren sie still.

Aber er blieb auf einmal vor ihnen stehen... Liz’ Herz schlug ihr bis zum Hals... sie konnte kein Wort raus bringen, obwohl sie ihren Mund bewegte... sie wollte etwas sagen, nein, sie hatte das Gef├╝hl, dass sie was sagen musste, aber ihr Hals war wie zugeschn├╝rt.

Er legte ihr Franz├Âsischbuch neben ihr Tablett, und meinte, dass sie das n├Ąchste mal lieber auf ihre B├╝cher aufpassen sollte, es sei denn, sie wollte, dass er ihr ihre B├╝cher bringt. Dann verschwand er auch wieder. Sie atmeten alle tief durch und Liz schaute ihm nur noch hinterher, bis er sich bei seinen Freunden hingesetzt hatte.

„Ach Gott...“, atmete Mel auf, „du hast echt Gl├╝ck! Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie sehr ich dich beneide, Liz!“

Die anderen M├Ądchen stimmten Mel zu und nickten. Liz wurde wieder rot im Gesicht und schaute weg. Ihr Blick fiel auf das Franz├Âsischbuch, dass ihr Ben gerade hingelegt hatte... da war eine rote Rose dran geheftet. Sie packte das Buch schnell in ihre Tasche, und hoffte, dass die anderen die Rose noch nicht bemerkt hatten, dann stand sie auf und verabschiedete sich von den Freundinnen und lief in die Bibliothek.

In der Bibliothek setzte sie sich in den hintersten Ecken und genoss ihre einzige Freistunde in der Woche, indem sie ein Buch las. In der N├Ąhe von ihr sa├čen zwei oder drei M├Ądchen, die wahrscheinlich auch in die gleiche Stufe gingen wie sie, die M├Ądchen unterhielten sich schon fast zu laut f├╝r eine Bibliothek, deswegen konnte Liz ein paar ihrer W├Ârter lauschen.

Auf einmal redeten sie von Ben, und als Liz dies h├Ârte, spitzte sie ihren Ohren, tat aber trotzdem noch so, als w├╝rde sie lesen.

„Hast du das schon geh├Ârt? Ben interessiert sich f├╝r so eine Liz... ├Ąhm... wie hie├č die jetzt...“, h├Ârte sie das eine M├Ądchen fl├╝stern.

„Du meinst Liz Coogan?“, fragte das andere M├Ądchen.

Dann herrschte erst mal ein wenig Ruhe.

„Da dr├╝ben sitzt sie.“, deutete das eine M├Ądchen. „Sie hat eine gro├če Schwester, die in New York studiert. Aber meinst du wirklich, dass er was von ihr will? Ich meine... sie ist ja ganz h├╝bsch, aber wegen ihr hat er sich von der Ballk├Ânigin getrennt?“

„Du hast mir anscheinend nicht zugeh├Ârt, oder?“, ├Ąrgerte sich die eine. „Er hat sich von Nadine getrennt, weil sie ihn zu sehr gedr├Ąngt h├Ątte, mit ihr zu schlafen! Aber er wollte noch nicht, weil er Angst davor hat... er ist ja auch noch unschuldig! Au├čerdem w├Ąre Nadine nicht Ballk├Ânigin, wenn sie nicht mit Ben zusammen w├Ąre!“

Dann wurden die M├Ądchen von einer Bibliothekarin zum Schweigen gebracht. Die Bibliothekarin war eine rundliche Frau, die mindestens f├╝nfzig war, sie hatte wie immer ein schwarzes Oberteil und eine schwarze Hose an und machte einen schlecht gelaunten Eindruck. Na ja, kein Wunder, sie musste ja auch jeden Tag, die sie in der Schule – eigentlich eher in der Bibliothek – verbrachte, mit Sch├╝ler auskommen, die einen schrecklichen L├Ąrm von sich gaben.

Liz sa├č noch ein paar Minuten am Tisch, dann beschloss sie, aufzustehen und mal kurz an die frische Luft zu gehen, au├čerdem wollte sie nicht diese Ben-Nadine-Geschichte h├Âren.

Drau├čen schien die Sonne, so sch├Ân wie noch nie... sie hatte das Gef├╝hl allein auf der Welt zu sein. Sie versuchte jede einzelne Sonnenstrahlen einzufangen, die sie sehen konnte. Sie ging ├╝ber die gr├╝ne Wiese und atmete dabei die frische Luft tief ein und wieder aus, sie war froh, dass sie eine Freistunde hatte, denn die brauchte sie wirklich, vor allem heute. Die Geschichte mit Ben besch├Ąftigte sie immer noch... wieso wollte er sich denn mit ihr treffen? Hatte er nur eine Wette verloren? Was war hier eigentlich los? Sie fand auf gar nichts eine vern├╝nftige Antwort. Und sie verstand die Welt nicht mehr.

Ach was soll das ganze, Liz, dachte sie, wieso zerbrichst du dir den Kopf ├╝ber so ein paar Kleinigkeiten, es gibt wirklich besseres zu tun!

Sie genoss noch ein paar Minuten lang die frische und freie Natur und die warmen Sonnenstrahlen, bis sie von dem Gong aus ihrem friedliche Welt geholt wurde. Sie lief wieder in das gro├če Schulgeb├Ąude, ├╝ber den langen, gro├čen und vollen Flur, wo es nur so von Sch├╝ler der Unter- und Oberstufe wimmelten. Sie hatte an manchen Stellen schon Probleme durch zu kommen, aber letzt endlich schaffte sie es doch noch zum n├Ąchsten Raum. Jetzt hei├čt es Kunst. Kunst war die zweite Unterrichtstunde, in dem sie mit ihren Freundinnen Unterricht hatte. Sie setzte sich wie immer m├Âglichst nahe ihrer Freundinnen. Bevor sie ├╝berhaupt ein Wort sagen konnte, betrat der Kunstlehrer, ein kleiner Mann mit einem franz├Âsischen Schnauzbart, den Raum und begr├╝├čte sie. Dann erkl├Ąrte er, was sie in der Stunde machten, und wie sie zu zeichnen hatten. Zu Liz’ Gl├╝ck ging die Stunde schneller rum, als erwartet.

Sie und die anderen gingen in der Pause nach drau├čen und genossen das Wetter in Kansas City.

„Und Liz, was hast du vor?“, fragte Mel neugierig und schloss dabei die Augen, um die Sonnenstrahlen auf ihre Haut sp├╝ren zu k├Ânnen.

„Wie was habe ich vor?“, wunderte Liz ├╝ber die bl├Âde Frage von Mel, denn sie waren alle am Nachmittag mit einander im Cafe verabredet.

„Na, Mel meinte bestimmt die Sache mit Ben!“, half ihr Tine auf die Spr├╝nge.

Liz runzelte die Stirn und schloss die Augen... sie wusste selber nicht, was sie vor hatte, und erst Recht nicht, was sie sagen sollte, wenn er sie anrief.

Die Freundinnen bemerkten Liz’ ahnungsloser Ausdruck, also bohrten sie nicht weiter nach.

Der restliche Tag verging wie im Fluge, und die Sch├╝ler der High School in Kansas City st├╝rmten aus dem Geb├Ąude, um nach Hause zu gehen, denn wer war in dem Alter denn schon gern in der Schule.

Auf dem Nachhauseweg, war Liz allerdings alleine, denn Tine, Mel, Andie und Liza hatten noch Chor. Also nutzte sie diese Gelegenheit aus, um noch mal ├╝ber Ben nachzudenken. Pl├Âtzlich tippte ihr jemand von hinten auf die Schulter, und sie schrak auf. Langsam drehte sie sich um, und erkannte aus dem Augenwinkel, dass Ben sie angetippt hatte.

Sie l├Ąchelte ihn an und er l├Ąchelte zur├╝ck. Sie sp├╝rte zwar, wie sie rot anlief, aber dennoch versuchte sie dies zu unterdr├╝cken. Er lief neben ihr her und fragte sie, ob sie sich denn ├╝ber die Rose gefreut hatte.

Den ganzen Weg entlang unterhielten sie sich, als w├╝rden sie sich schon so lange kennen und als ob es nur sie beiden auf der Welt g├Ąbe. Mit der Zeit verschwand auch Liz’ Verlegenheit.

Als sie dann an Liz’ Haus ankamen, blieben sie noch stehen und zwischen ihnen herrschte eine peinliche Stille.

„Das ist ja l├Ącherlich“, lachte Ben.

Liz schaute ihn erschrocken an, denn sie dachte, dass er mit das ist ja l├Ącherlich die Sache mit ihr und ihm meinte.

„Ich meine...“, beruhigte er sie, „wir haben den ganzen Weg hier her, ununterbrochen ├╝ber alles m├Âgliche geredet und jetzt stehen wir stumm hier und sagen nichts!“

Sie schauten sich an und fingen an zu lachen.

„Liz, wie lange willst du denn noch drau├čen stehen? Das Essen wird langsam kalt!“, rief ihre Mutter aus dem K├╝chenfenster.

„Du hast es ja geh├Ârt“, atmete sie auf und verdrehte dabei die Augen, „ich muss rein, bevor Mum wieder Kr├Ąmpfe bekommt.“

„Okay“, nickte Ben, „ich rufe dich nachher noch an, okay?“
Sie wandte sich um und ging ins Haus, aber bevor sie die Haust├╝r hinter sich schloss, drehte sie sich noch mal um und winkte ihm zu.

Dann warf sie ihre Sachen auf den Flur und tanzte buchst├Ąblich ins Esszimmer. Sie war so gl├╝cklich wie nie zu vor, es war so, als h├Ątte sie einen Oscar gewonnen, oder sogar besser. Sie konnte das Gef├╝hl nicht beschreiben, sie war verliebt! Sie war ├╝ber beide Ohren in Ben verliebt.

Sie versuchte zu essen, aber sie musste immer und immer wieder an ihn denken, an diese wundersch├Ânen gr├╝nen Augen, die hoch gestylten schwarzen Haare und die Muskeln von ihm... aber was sie an ihm mochte, war die Art, wie er mit ihr auf dem Nachhausweg gesprochen hatte.

„Liz... bitte... du musst jetzt was essen... an diesen gut aussehenden Jungen von vorhin kannst du auch nachher denken!“, scherzte ihre Mutter.

„Mum!“, sagte sie und gab ihr einen kleinen Tritt gegen ihre F├╝├če.

Kapitel zwei



Es war schon l├Ąngst Abend, und Liz hockte in ihrem Zimmer und tanzte zu der Musik von Shakira. Das Telefon lag nat├╝rlich auch in der N├Ąhe, n├Ąmlich auf dem Schreibtisch... sie wartete immer noch auf Bens Anruf.

Vielleicht wird er auch gar nicht anrufen, w├Ąre ja auch viel zu sch├Ân um wahr zu sein, dachte sie traurig und drehte die Musik leiser, dann warf sie sich auf ihr gro├čes Doppelbett, das mit Kissen ├╝berf├╝llt war.

Und endlich, das Telefon klingelte... sie sprang wie ein Blitz auf und eilte zum H├Ârer, dabei stolperte sie ├╝ber ihre Schultasche, welche mitten im Zimmer lag.

„Ja?“, lies sie von sich h├Âren.

„Hi Liz! Ich bin’s... Ben!“

„Hi! Ich dachte schon, dass du mich gar nicht mehr anrufst“, sagte sie erfreut und f├╝gte noch schnell hinzu, „nicht dass ich den ganzen Tag vor dem Telefon gesessen habe...“
„Das w├Ąre ja wirklich mal was neues gewesen!“, unterbrach er sie und lachte vergn├╝gt.

Sie unterhielten sich erst mal wieder stundenlang, dann kam Liz’ Mutter ins Zimmer und zeigte auf die Uhr, das hie├č, dass es Zeit war ins Bett zu gehen.

„├ähm... du Ben...“, sagte sie.

„Oh... ich wei├č, es ist schon sp├Ąt...“, unterbrach er sie wieder, „also kommen wir jetzt mal zur Sache, wann h├Ąttest du denn mal Zeit? Wie w├Ąre es denn mit morgen Abend? Da k├Ânnten wir doch ins Kino gehen und danach irgendwie in ein Restaurant was essen gehen.“

„Okay“, stimmte sie ihm zu. „Also dann, schlaf gut!“

Sie legte auf und warf sich wieder auf ihr Bett, diesmal sprang sie noch ein paar Mal auf und ab. Schlie├člich hatte sie ein Date mit Ben, mit dem beliebtesten Jungen der Schule, was f├╝r ein Gl├╝ck musste sie haben! Sie schwebte auf Wolke sieben. Sie konnte es immer noch nicht fassen, dass Ben sie eingeladen hatte, es kam ihr alles wie ein Traum vor, und sie hatte aber auch Angst, dass wenn sie wieder aufwacht, alles wieder so sein w├╝rde, wie vorher... n├Ąmlich dass sie sich gar nicht kannten. Aber, daran mochte sie nicht zu lange denken, denn sie war im Moment einfach viel zu gl├╝cklich, um an negativen Sachen zu denken.

In dieser Nacht schlief sie besonders gut, na ja, ist ja auch nicht verwunderlich, vor allem weil sie jetzt ein Date mit Ben hatte.

Beep beep beep beep beep... ert├Ânte auf einmal etwas neben ihr, sie ├Âffnete die Augen und schlug es mit einer Handbewegung tot. Sie wandte dann wieder mit ihrer Hand auf der linken Seite ihres Bettes, wo ihre Anlage stand, und drehte ihre Musikanlage auf.

Im Radio lief „Dirrty“ von Christina Aguilera.

Liz stand wie jeden Morgen auf und putzte sich die Z├Ąhne... aber an diesem Morgen war irgend etwas anders als sonst. Lag es am Wetter? Oder lag es an der Geschichte mit Ben? Richtig! Es lag an Ben! Sie war ja verliebt, und sie hatte ein Date mit ihm, und zwar an diesem Abend!

Unten in der K├╝che angekommen, war ihre Mutter nicht da, auf dem Tisch war ein Teller Pfannkuchen und daneben eine Nachricht von ihrer Mum, sie meinte, es sei etwas wichtiges, weshalb sie nicht mehr zu Hause war, und sie sollte wie normal zur Schule gehen.

Da ihre Mutter nicht da war, trug sie den Teller nach oben auf ihr Zimmer und versuchte zu essen und gleichzeitig zu tanzen. Sie war so gl├╝cklich, dass sie so viel Energie hatte, das sie aber nicht zum Vorschein bringen konnte.

Nach ein paar Minuten klingelte es unten und sie rannte so schnell wie sie konnte hinunter.

Das konnten doch nicht ihre Freundinnen sein, die erscheinen doch nie im Leben so fr├╝h, dachte sie, bevor sie die T├╝r aufriss.

Und sie traute ihren Augen nicht, sie konnte nicht glauben, wer vor ihrer Haust├╝r stand, es war Ben... Ben und er hatte einen Blumenstrau├č in der Hand, die er ihr ├╝berreichte.

„Oh... ├Ąhm... d... d... danke...“, stotterte sie, „das... das w├Ąre doch nicht n├Âtig gewesen.“

Er l├Ąchelte und betrat das kleine Haus. Liz rannte in die K├╝che und holte eine Vase aus dem Schrank, in die sie den sch├Ânen Blumenstrau├č aus Rosen und Orchideen stellen konnte.

„Ich hoffe, dass ich jetzt nicht irgendwie ungelegen erscheine.“, sagte er.

Sie sch├╝ttelte den Kopf und bat ihm mit nach oben zu kommen. Oben angekommen, streckte sie ihm den Teller mit Pfannkuchen entgegen, worauf er aber dankend ablehnte, weil er schon gefr├╝hst├╝ckt hatte.

Danach hatte sie noch genau f├╝nfzehn Minuten Zeit, um sich fertig zu machen, bevor die anderen erschienen. Sie lie├č ihn also alleine im Zimmer und verschwand mit ihren Klamotten im Badezimmer.

Ben ging im Zimmer rum und guckte sich jedes einzelne Bild, das am Wand hing genau an, und er erkannte, wie h├╝bsch und unschuldig Liz doch schon immer gewirkt hatte. Und er sah die vielen B├╝cher in ihrem B├╝cherregal, aber was ihm komisch vorkam, war, dass sie da haupts├Ąchlich nur Romane und normale B├╝cher hatte, und keine Schulb├╝cher. Er hatte geglaubt, dass sie eigentlich tausend B├╝cher f├╝r die Schule in ihrem Regal haben m├╝sste, denn wenn man nur ihre Noten angeguckt hatte, dann geht man selbstverst├Ąndlich davon aus.

Dann betrat sie wieder das Zimmer und Ben ging zu ihr hin├╝ber... er schaute ihr tief in die Augen und fl├╝sterte ihr zu, wie h├╝bsch sie doch sei... und eh Liz darauf antworten konnte, beugte er sich zu ihr und k├╝sste sie.

Sie sp├╝rte, dass sie diesmal wirklich zu schweben begann... sie h├Ątte nie damit gerechnet, dass er ihr jemals sagen w├╝rde, dass sie h├╝bsch sei, und sie h├Ątte erst Recht nicht damit gerechnet, dass er sie k├╝ssen w├╝rde. Aber das war jetzt unwichtig, ihr ging es nur darum, den Kuss zu genie├čen, also erwiderte sie seinen Kuss.

Dann h├Ârte er auf sie zu k├╝ssen und schaute ihr wieder in die Augen. In diesem Augenblick erlebte sie seine Augen noch n├Ąher als sonst... und sie sp├╝rte seine N├Ąhe... sie war wirklich gl├╝cklich, wahrscheinlich war sie der gl├╝cklichste Mensch im ganzen Universum.

„Hat er dir gefallen?“, fragte er sanft.

Sie nickte und sie k├╝ssten sich noch mal, aber diesmal war der Kuss viel l├Ąnger und intensiver... der Kuss enthielt eine Art Romantik, doch der Kuss wurde von dem Klingel unten unterbrochen.

Liz schaute auf die Uhr und sie wusste, dass es ihre Freundinnen sein mussten. Also gingen die beiden hinunter und ├Âffneten die T├╝r. Und kaum war die T├╝r offen und man Ben sehen konnte, waren die M├Ądchen ein wenig verwirrt. Er l├Ąchelte in die Runde und gab Liz noch einen Kuss auf die Wange, dann verschwand er auch wieder, denn er wusste, dass es sich nicht geh├Ârte mit einen Haufen M├Ądchen zur Schule zu gehen.

„Liz, verheimlichst du uns etwas?“, fragte Andie aufdringlich.

„Echt, ey!“, warf Tine beleidigt ein.

„Was hatte der Kerl schon am fr├╝hen Morgen hier bei dir zu suchen?“, bohrte Liza nach.

„Also...“, sagte Mel, „du bist uns ja wohl eine Erkl├Ąrung schuldig! Wieso siehst du so gl├╝cklich aus?“

Liz l├Ąchelte und sie erz├Ąhlte auf dem Weg zur Schule alles... und zwar bis ins Detail, sie hatte absolut keine Kleinigkeit ausgelassen. Die Freundinnen konnten kein einziges Wort rausbringen, denn die Sache war auch f├╝r ihnen wie ein kleines Traumm├Ąrchen.

Als sie dann in der Schule ankamen und den Flur entlang gingen, sp├╝rte Liz, wie ein paar Sch├╝lerrinnen auf sie zeigten. Aber sie wusste nicht, warum sie dies taten, sie war absolut ahnungslos. Auch ihre Freundinnen wurden ein wenig unsicher.

„Na Liz, kommst du dir jetzt cool genug vor?“, fragte sie ein Cheerleader von hinten.

Liz drehte sich um und erkannte sie sofort wieder, es war das M├Ądchen, das sie am Vortag bl├Âd angemacht hatte.

„Was willst du damit sagen?“, fragte sie kalt.

„Na ja“, fing sie an, „ich habe geh├Ârt, dass du mit Ben geschlafen h├Ąttest und ihn dadurch Nadine, unsere Ballk├Ânigin, ausgespannt h├Ąttest!“

Liz wollte sich gerade verteidigen, als Nadines Stimme ert├Ânte.

„H├Âr zu Sarah“, sagte sie w├╝tend, „halt dich lieber aus Sachen raus, die dich nichts angehen! Au├čerdem kann ich dir versichern, dass Liz nichts im Geringsten mit der Trennung von mir und Ben zu tun hat! Also, lass sie in Ruhe! Und h├Âr auf andauernd nur Ger├╝chte zu verbreiten, das kann ja kein Mensch mehr ertragen. Und falls es dich interessiert, Ben hat sich nicht von mir getrennt, und ich habe mich auch nicht von ihm getrennt, wir haben uns n├Ąmlich gleichzeitig und zwar in Freundschaft getrennt.“

Die Cheerleader, Sarah, lief auf einmal rot an und verschwand so schnell sie konnte. Dann wandte sich Nadine Liz zu und l├Ąchelte sie an.

„Liz, ich hoffe du wirst mit ihm gl├╝cklich, wenn zwischen euch was laufen sollte!“, sagte sie. „Und... ├╝bertreib es nicht mit ihm, denn sonst wirst du ihn verlieren, genau so wie ich ihn verloren habe. Ehrlich, das war nur ein Tipp von mir.“

Und ohne zu h├Âren, was Liz sagen wollte, verschwand sie auch wieder.

Die halbe Schule hatte den Vorfall auf dem Flur mit bekommen und sie sprachen von nichts anderem mehr, au├čer ├╝ber die Geschichte mit Liz, Nadine, Sarah und Ben.

In der Pause war es f├╝r Liz besonders schlimm, denn jeder aus der Schule kannten sie und schauten deswegen immer zu ihr, wenn sie ├╝ber die Schlagzeile in der Schule redeten. Und zu allem ├ťberfluss kam Ben auch noch zu ihnen r├╝ber, eigentlich freute sie sich ja dar├╝ber, nur der Augenblick war nicht gerade der Beste, denn dadurch zogen ihre Freundinnen, sie und Ben ungewollt alle Blicke auf sich. Dennoch versuchte sie vollkommen normal zu wirken, so als w├╝rde sie es gar nicht bemerken, dass alle r├╝ber starrten.

Ben beugte sich zu ihr und fragte sie, ob sie denn mal eben zusammen raus gehen k├Ânnten.

Das kam ihr dann schon besser entgegen, denn sie konnte die Blicke der anderen nicht mehr ertragen, also gingen die beiden aus der Cafeteria hinaus in die Freie.

„Wei├čt du“, fing er an, „also... diese Ger├╝chte, die Sarah in der Schule verbreitet, ist nicht wahr... und jetzt hat sie halt irgendwie mit bekommen, dass ich mich mit dir treffen m├Âchte, also hat sie noch mehr dazu gedichtet.“

„Das wei├č...“, sagte sie.

„Bitte h├Âr mir jetzt nur zu“, bat er sie und erz├Ąhlte weiter. „Ich hab mich nicht von Nadine getrennt, weil sie mich irgendwie gedr├Ąngt h├Ątte oder so... ich hab mich von ihr getrennt, weil ich die Beziehung f├╝r nichts hielt... ich meine, ich kam mit ihr echt super aus, aber irgendwie hat da noch was gefehlt, und die Beziehung ging dem Ende nahe, deswegen hat sich im Grunde genommen niemand von niemandem getrennt... ich war halt der erste, der den Schritt gewagt hatte.“

Jetzt konnte Liz so gut wie gar nichts mehr verstehen, aber das war jetzt auch egal, denn er schaute ihr tief in die Augen und sie wusste, dass er sie gleich wieder k├╝ssen w├╝rde, und sie freute sich darauf. Jedoch hatte sie sich get├Ąuscht, denn er gab ihr nur einen kleinen Kuss auf die Stirn und sagte mit sanfter Stimme, dass er sie dann am Abend abholen w├╝rde, und ging.

Sie schaute ein wenig traurig hinterher, freute sich aber dennoch auf dem Abend, denn es war das erste Mal, dass sie ein Junge ins Kino einlud.

Der Tag verlief wie im Fluge, denn es war schon Abend, und sie sa├č am Esstisch mit ihrer Mum, und summte vor sich hin. Aber ihre Freude verflog wieder, als sie bemerkte, dass was mit ihrer Mutter nicht stimmte, denn seit dem sie zu Hause war, sah ihre Mutter ziemlich blass und am Boden zerst├Ârt aus.

„Was ist denn mit dir los, Mum?“, fragte sie ihrer Mutter mit besorgter Stimme.

„├ähm... nichts...“, schreckte sie auf, „ist schon gut Schatz! Sieh zu, dass du rechtzeitig fertig wirst, bevor Ben nachher auf dich warten muss.“

Obwohl ihre Mutter ihr versicherte, dass nichts w├Ąre, machte sie sich Sorgen. Aber sie gab sich trotzdem M├╝he, ein gut gelauntes Gesicht hinzuzaubern, als Ben klingelte. Sie gingen also los und schauten sich den neusten Streifen im Kino an, aber Liz konnte sich nicht auf den Film konzentrieren, denn ihre Gedanken schlichen sich immer wieder zu ihrer Mum... als Ben merkte, dass sie etwas auf dem Herzen hatte, schlug er vor fr├╝her aus dem Film zu gehen. Als sie drau├čen waren, schlug sie vor, erst noch Spazieren zu gehen, bevor sie in ein Restaurant gingen.

Sie gingen in den Park und setzten sich vor einen Brunnen.

„Was ist denn los, Liz?“, fragte Ben. „Gef├Ąllt dir der Abend nicht, oder habe ich etwas falsch gemacht?“

„Nein“, fing sie langsam an, „es ist wegen meiner Mum... sie hatte schon den ganzen Tag irgendwas auf dem Herzen, aber sie will mir nicht sagen, was sie hat.“

Eine Zeit lang sagten beide nichts.

„Sie war schon heut Morgen weg... wenn ich doch nur w├╝sste, wo sie war.“, sprach sie weiter. „Wei├čte Ben, ich hab nur noch sie... und meine gro├če Schwester ist in New York, um zu studieren. Deswegen mache ich mir ja so viel Sorgen um meine Mum.“

„Wie w├Ąre es“, ├╝berlegte Ben, „wenn wir uns wann anders treffen w├╝rden, und du gehst jetzt nach Hause und versuchst dann mit deiner Mutter zu reden?!?“

„Aber macht...“, versuchte sie zu fragen.

„Nein, es macht mir nichts aus.“, unterbrach er sie. „Ich wei├č, dass die Familie wichtiger ist, als so ein Treffen. So was kann man jeder Zeit wiederholen, Liz, aber in der Familie kann man nie etwas wiederholen, also labere hier nicht l├Ąnger rum und geh nach Hause!“

Sie gab ihm einen Kuss und lief so schnell wie sie konnte nach Hause.



„Liz?“, h├Ârte sie ihre Mutter rufen, als sie die Haust├╝r zu knallte.

Ohne zu antworten rannte sie in die K├╝che, wo ihre Mutter zwischen einen Haufen Papiere sa├č und ziemlich niedergeschlagen aussah. Liz konnte noch sehen, wie eilig sie es hatte, all die Papiere wegzustecken, was aber nicht geklappt hatte, denn die Papiere flogen alle auf dem Boden.

„Mum“, fing sie erschrocken an, „was ist denn eigentlich los? Was wird hier gespielt? Und vor allem was sind das f├╝r Papiere?“

„Ach Liz“, stotterte sie, „ich... ich... ich wei├č nicht, wie ich es dir erkl├Ąren soll... heute Morgen bekam ich einen Anruf vom Krankenhaus in New York...“

„Ist Jen was zugesto├čen?“, unterbrach sie sie.

„Ja... leider...“, sagte sie mit ged├Ąmpfter Stimme und einen traurigen und besorgten Blick. „Sie hat leider die Herzkrankheit von deinem Vater geerbt.“

In diesem Augenblick lief Liz einen Schauer ├╝ber den R├╝cken, denn sie wusste, dass es nur noch eine Frage der Zeit war, bis Jen starb. Sie war so w├╝tend und zu gleich traurig, sodass sie beim Aufstehen den Stuhl mit voller wucht auf den Boden knallte. Sie rannte heulend auf ihr Zimmer und schloss die T├╝r zu, denn sie wollte nicht, dass ihre Mutter sie so sah, da sie noch nie vor jemandem geweint hatte. Ihr flossen die Tr├Ąnen nur so ├╝ber das Gesicht, es wollte nicht aufh├Âren und sie konnte nichts dagegen tun. Sie stellte sich Fragen, die sie nicht beantworten konnte.

Warum musste ihre Schwester diese Krankheit haben? Wann wird sie sterben? Kann sie Jen noch ein einziges Mal besuchen, bevor Jen nicht mehr unter den Lebenden weihte? Wie wird es weiter gehen? Sie war absolut ahnungslos, sie wusste gar nichts mehr, sie wusste einfach nicht, wie sie sich jetzt verhalten sollte... sollte sie die starke Tochter spielen, damit ihre Mutter nicht so viel Kummer ertragen musste, oder sollte sie ihren Gef├╝hlen freien Lauf lassen?

Pl├Âtzlich klingelte das Telefon, Liz versuchte es zu ignorieren, da sie jetzt mit niemandem reden wollte. Aber nachdem das Telefon nicht aufh├Âren wollte zu klingeln, hob sie dann doch ab, und ihre Freundinnen sprachen gut gelaunt in den H├Ârer, sie h├Ârte aber nur halbwegs zu.

„Liz? Hallo? Bist du noch dran?“, fragte Tine. „Hey Liz, hast du uns ├╝berhaupt zugeh├Ârt? Was ist denn los?“
„Oh... ├Ąhm... tut mir Leid... mir... mir geht es jetzt nicht so gut... wir k├Ânnen uns morgen ja unterhalten. Also, bis morgen!“, sagte sie mit heiserer Stimme ins Telefon und versuchte ihr Schluchzen zu unterdr├╝cken.



Am n├Ąchsten Morgen wachte sie auf, und sie hatte das Gef├╝hl, dass nichts mehr so war wie es sein sollte, denn ihre perfekte und rosarote Welt existierte nicht mehr, da sich ein schwarzer Schleier ├╝ber ihre perfekte Welt fallen lie├č.

Auch dies konnte man beim Fr├╝hst├╝cken sp├╝ren, da keiner von beiden was sagten.

„Liz...“, fing ihre Mutter an, „wenn... wenn du m├Âchtest, dann k├Ânnten wir beide dieses Wochenende nach New York zu Jen fliegen... und... und sie besuchen.“

Liz nickte und verlie├č das Haus, nachdem sie ihr Glas ausgetrunken hatte. Sie wusste, dass es noch zu fr├╝h war, aber sie wollte nicht von ihre Freundinnen oder von Ben abgeholt werden, da sie noch ziemlich unter der schlechte Nachricht von ihrer Mutter litt.

Sie lief ohne ein Ziel durch die Gegend und gelang so in den Park. Dort blieb sie stehen, und schaute sich um, denn sie hoffte, dass sie den damals so gro├čer und starker Baum entdecken w├╝rde, an dem sie und Jen immer gespielt oder rumgealbert hatten. Dort hingen alle Erinnerungen aus ihrer Kindheit, und sie wollte sich noch mal an alles erinnern, bevor sie zu Jen nach New York flog.

Als sie dann im Park stand, ├╝berkam ihr ein unglaublich warmes Gef├╝hl, wie an jenem Sommertag, als sie mit ihrer Schwester im Park war und von ein paar Jungen aus der Schule ge├Ąrgert wurde. Sie hatte noch alles vor Augen... ein gro├čer Junge ging auf sie los und schrie sie ohne einen vern├╝nftigen Grund an, ihr standen schon die Tr├Ąnen in die Augen, und ihre Schwester, Jen, die auch von den anderen Jungs ge├Ąrgert wurde, nahm sie bei Hand und rannte mit ihr so schnell sie konnte den Weg entlang, was danach geschah, wusste sie nicht mehr, aber das war auch nicht wichtig.

Liz ging auch immer hier hin, wenn sie traurig war, oder wenn sie einfach nur alleine sein wollte, und ihre Ruhe haben wollte... aber sie war schon sehr sehr lange nicht mehr an dem Baum... sie war, seitdem ihre Schwester nach New York ging, nicht mehr dort, denn sie hielt es nicht f├╝r richtig, wenn sie jetzt ohne Jens N├Ąhe einfach so dort hin ging. Aber jetzt war es allm├Ąhlich Zeit, wieder dorthin zu gehen. Und da sah sie den gro├čen und m├Ąchtigen Baum.

„Ach...“, seufzte sie traurig, als sie unter den Bl├Ąttern stand. „Wenn du doch w├╝sstest, was meine Schwester im Augenblick durch machen muss. Am Wochenende fahren wir, also, meine Mutter und ich, zu ihr nach New York.“

Sie redete mit dem Baum, als w├Ąre er lebendig, und als w├╝rde er ihre Gef├╝hle und ihr Schmerz in ihrem Innern f├╝hlen und verstehen k├Ânnte. Auf einmal fing ihre Uhr an zu piepen, es war ein Zeichen daf├╝r, dass sie langsam wieder los gehen sollte, bevor sie zu sp├Ąt zur Schule kam.

Ohne ein Wort zu sagen, oder ├╝berhaupt zu gucken, ging sie an Ben und ihre Freundinnen vorbei. Den Unterricht konnte sie auch nur unruhig verfolgen, denn ihre Gedanken waren immer nur bei Jen, sie konnte sich einfach nicht vorstellen, auf einmal ohne Jens Anrufe zu leben.

Kapitel drei



Die Tage in der Schule verliefen wie in Schneckentempo, dennoch war es nun Wochenende und Liz und ihrer Mutter stiegen in dem Flugzeug ein, um nach New York zu fliegen.

„Mum...“, fragte Liz sehr leise. „Glaubst du, dass Jen das vielleicht ├╝berleben w├╝rde? Ich meine... Dad war alt und hatte nicht mehr genug Kraft um sich zu wehren, aber Jen... Jen ist jung...“

Ihre Mutter gab darauf keine Antwort, da sie nicht wusste, ob sie ihr die Wahrheit sagen sollte oder l├╝gen sollte, die Wahrheit w├╝rde Liz vielleicht nicht ertragen, aber ihre Mutter hat sie noch nie angelogen... also war es besser, wenn sie ihr keine Antwort auf ihre Frage gab.

Der Flug dauerte nicht lang, und sie kamen in New York an. Ohne zu ├╝berlegen, riefen sie ein Taxi und lie├čen sich zum Krankenhaus fahren.

Unterwegs schaute Liz aus dem Fenster und bewunderte New York City. Sie wusste zwar, dass New York eine hektische und gro├če Stadt war, aber dass die Stadt so wundersch├Ân war, h├Ątte sie nicht gedacht. F├╝r einen Augenblick konnte sie den Grund vergessen, weshalb sie in New York war, aber schon bald ├╝berholt ihre Erinnerungen ihr Leben wieder, und sie schaute wieder traurig, trauriger als bevor sie den Flughafen verlassen hatte.

„Eine sch├Âne Stadt, oder?“, fragte der Taxifahrer.

Liz nickte und bem├╝hte sich f├╝r einen Augenblick gl├╝cklich auszusehen, aber das gelang ihr nicht wirklich, aber das war jetzt auch nicht mehr n├Âtig, denn sie waren nun angekommen. Ihre Mutter bezahlte das Taxi und sie gingen gemeinsam in dem gro├čen Krankenhaus hinein.



„Hi Mum und Liz“, sagte Jen ersch├Âpft, als sie die beiden im T├╝rrahmen entdeckte.

„Jen“, rief Liz, und schnellte zu ihrer Schwester hin├╝ber. „Wie geht es dir? Fehlt dir etwas? Soll ich dir vielleicht was bringen?“

„Liz... beruhig dich mal wieder!“, lachte Jen. „Ich werde schon nicht sterben. Versprochen. Heut zu Tage gibt es gute Medikamente!“

W├Ąhrend Liz und Jen sich unterhielten, sprach Mrs. Coogan mit dem Doktor vor der T├╝r, der Jen betreute.

„Mrs. Coogan, ich wei├č nicht, wie ich es Ihnen sagen soll...“, fing der Arzt an, und er sah besorgt aus. „Aber ihre Tochter, Jen, sie wird es vielleicht nicht ├╝berleben k├Ânnen. Wir haben alles getan, was in unsere Macht stand, aber die Situation wird von Tag zu Tag kritischer. Die einzige M├Âglichkeit, die es noch gibt, ist die Maschinen, die Jen noch am Leben erhalten, aus machen lassen, damit sie nicht mehr leiden muss. Aber das m├╝ssen Sie entscheiden.“

Der Doktor musste gehen, als sein Melder anfing zu piepen, und er lie├č Mrs. Coogan besorgt zur├╝ck. Sie war absolut ahnungslos, denn sie wusste nicht, ob sie ihre Tochter einfach sterben lassen sollte, damit sie nicht mehr leiden musste, oder sie durch Ger├Ąte so lange am Leben lassen, wie es nur m├Âglich war, und damit sie weiterhin ihren Schmerz ertragen musste.
Sie schaute durch ein Fenster in den Raum hinein, wo Jen und Liz waren, und sie wusste, dass sie es Liz nicht antun konnte, aber sie musste es tun.





„Was hast du denn, Mum?“, fragte Liz, als sie im Hotel waren.

„Liz, wir m├╝ssen mit einander reden. Es ist sehr Ernst.“, sagte ihre Mutter.

Liz setzte sich auf ihrem Bett und schaute aus dem Fenster, denn sie wusste, dass jetzt irgend eine Entscheidung kam, aber sie wusste nicht welche.

Ihre Mutter ging im Zimmer auf und ab, und sie schien nerv├Âs zu sein. Ihre Schwei├čperlen liefen langsam ├╝ber ihre Stirn, und sie machte sich nicht die M├╝he es aus dem Gesicht zu waschen.

„Also, Liz...“, fing sie an, und versuchte ruhig zu klingen, in dem sie nur auf den Boden schaute. „Ich wei├č, wie hart es jetzt klingen wird, aber es ist wirklich sehr Ernst.“

Sie machte eine Pause und schaute auch aus dem Fenster, w├Ąhrend dessen sagte Liz kein Wort, und schaute ihre Mutter an.

„Der Doktor sagte, dass Jens Situation von Tag zu Tag schlimmer wird... und sie haben hier auch schon alles m├Âgliche getan, was in ihre Macht stand, aber es hat nicht gereicht, um Jen zu retten“, sagte sie und machte wieder eine Pause, „und als einzige M├Âglichkeit steht nur noch, abzuwarten, bis Jen ganz in Koma f├Ąllt, oder die Ger├Ąte abschalten, damit Jen nicht mehr leiden muss.“

„Hast... hast...“, stotterte Liz, und biss sich dabei auf die Lippen, um die Tr├Ąnen in ihren Augen zur├╝ckzuhalten, „hast du... hast du denn auch schon mit Jen dar├╝ber gesprochen?“

Ihre Mutter nickte und setzte sich auf dem andern Bett.

„Und... und sie ist damit einverstanden?“, fragte Liz w├╝tend.

Und wieder nickte ihre Mutter.

Ohne was zu sagen, stand Liz auf und lief aus dem Zimmer. Ihre Mutter wollte sie noch aufhalten, aber sie hatte nicht mehr die Kraft dazu gehabt, denn kurz darauf brach sie in Tr├Ąnen aus.

Liz sa├č in dem Caf├ę unten, und trank einen Milchshake. Sie wusste nicht, was sie von alldem halten sollte. War das wirklich eine gute Idee, ihr all die Ger├Ąte abzuschalten, die ihr im Moment das Atmen erm├Âglichte? Wie soll es nur weiter gehen? Wird jemals alles so sein wie fr├╝her?

„Miss... entschuldigen Sie bitte, Miss...“, ert├Ânte eine junge M├Ąnnerstimme.

Liz schreckte auf, und sah den gro├čen jungen Mann an.

„Kann ich mich bitte hier hin setzen? All die anderen Tische sind besetzt.“, sagte er und fuchtelte mit der Hand rum.

Liz schaute sich im Restaurant um, um zu sehen, ob das stimmte, und wie der junge Mann schon sagte, es war wirklich voll. Also nickte sie.

Er setzte sich hin und schaute Liz an. Sie konnte seinen Blick sp├╝ren, sie konnte sp├╝ren, wie sein Blick ├╝ber ihr Gesicht streifte, und dann anhielt, als er ihre Busen betrachtete. Liz f├╝hlte sich unwohl, also drehte sie sich samt K├Ârper richtig zum Fenster.

„Ich hei├če Jack“, sagte er.

Liz tat so, als w├╝rde sie ihn nicht h├Âren, und hoffte im Innern, dass er gleich verschwinden w├╝rde.

„Und Sie?“, fragte er, um sie in ein Gespr├Ąch zu wickeln.

„Mary Kate...“, log sie, da sie es f├╝r unh├Âflich hielt, nicht auf die Frage zu antworten, „Mary Kate Moss.“

„Woher kommen sie?“, fragte er weiter, und sah ihr dabei in den Ausschnitt.

„Louisiana“, log sie wieder.

„Ich komme aus Boston, und studiere hier.“, sagte er, „und was machen Sie hier, Mary Kate?“

„Nichts! Ich mache nichts.“, antwortete sie.

„Aha... Sie sind also einfach nur so hier?“, wollte Jack wissen.

Liz nickte.

„Mary Kate, ich studiere Kunst, und ich w├╝rde mich sehr freuen, wenn Sie f├╝r mich Modell stehen k├Ânnten.“, sagte er und l├Ąchelte sie an, „nat├╝rlich bekommen sie daf├╝r auch Geld.“

„Was?“, staunte Liz, „ich soll Modell stehen?“

„Ja... Sie haben ein leicht zu zeichnendes Gesicht, und Sie sind h├╝bsch.“, sagte er.

„Und... und was muss ich da machen?“, fragte sie.

„Na ja, Sie m├╝ssen sich dann schon ausziehen, da ich ein freies lebendiges Modell zeichnen muss.“, sagte er und grinste.

Liz wusste nicht recht, ob sie das machen sollte. Sie fand ihre K├Ârper zwar sch├Ân, aber sie hat sich noch nie vor jemandem einfach so nackt hin gestellt.

„Na gut... aber was kriege ich daf├╝r? Und wann und wo soll ich erscheinen?“, fragte sie interessiert.

„Sie kriegen 250 Dollar, und wenn Sie jetzt Zeit haben, m├Âchte ich sehr gerne jetzt anfangen. Mein Zimmer ist n├Ąmlich hier im zweiten Stock.“

Liz nickte, und sie gingen zu ihm hinauf auf das Zimmer. Unterwegs wurde es ihr dann doch noch ein wenig mulmig. Sie sollte sich vor einen total fremden Mann, oder Student, ausziehen... so was hatte sie noch nie gemacht. Andererseits bekam sie daf├╝r eine ganze Menge Geld, und es w├╝rde sie vielleicht ein wenig von Jens Krankheit ablenken.

Als sie im zweiten Stock ankamen, und vor der T├╝r stand, ├╝berlegte Liz schon, ob sie doch nicht lieber einen R├╝ckzug machen sollte.

Was soll das, du Feigling, dachte sie, so was kommt doch nicht alle Tage wieder, also rei├č dich zusammen.

Er bat sie, hinein zu treten. Als Liz im Zimmer war, schloss er die T├╝r hinter sich, und ging hin├╝ber in einer Ecke, wo viele Scheinwerfer und Lampen standen. Und gleich daneben, die Utensilien, f├╝r das perfekte Zeichnen. Er schaltete alle Lichter im Zimmer an, damit es hell genug war, und damit sie nicht fror, wenn sie ganz nackt da stand.

„Sie k├Ânnen sich hier ausziehen, oder Sie k├Ânnen ins Badezimmer gehen, und sich dort ausziehen, das ist mir egal.“, sagte er, und wandte sich wieder zu seinen Utensilien.

Liz ging ins Badezimmer und zog sich dort aus, dann kam sie wieder.

„Legen Sie sich da bitte auf das Bett“, sagte er, und sie tat es.

Dann schaute er sie an, anscheinend gefiel ihm die Position, in der Liz war, noch nicht, also kam er zu Liz und legte ihre H├Ąnde so hin, wie er sie haben wollte, und legte da ein Kissen vor und dort ein Kissen hin.

„Okay, sprechen Sie nicht, und bewegen sie sich nicht, es sei denn, ich sage es.“, sagte er, als er anfing sie zu zeichnen.

Es dauerte ungef├Ąhr drei bis vier Stunden, bis er mit ihrer Zeichnung fertig war. Es war mittlerweile elf Uhr, und Liz lag immer noch nackt auf seinem Bett.

„Wir sind fertig, Mary Kate“, sagte er, „wenn Sie wollen, k├Ânnen Sie sich ihr Bild ja ansehen.“

Ohne zu ├╝berlegen sprang Liz auf, und schaute sich ihr Bild an. Sie war ├╝berrascht, denn das Bild war so sch├Ân, dass sie fast glaubte, dass es der K├Ârper eines andere M├Ądchen war.

„Das Bild ist sch├Ân.“, sagte sie, und verga├č, dass sie sich immer noch nicht angezogen hatte.

„Danke“, sagte Jack, „wahrscheinlich ist das Bild nur so gut geworden, weil Sie ein fantastischer Modell waren.“

Sie sah ihn an und sah ihm dabei direkt in die Augen, die waren so dunkel, dass man glaubte, man s├Ąhe in ein schwarzes Loch. Ihr wurde klar, wie anziehend Jack doch war.

Auf einmal sp├╝rte sie, wie nah er ihr auf stand. Sie schaute ihn immer noch an, und dann sp├╝rte sie seine Lippen, seine weichen Lippen und sie erwiderte seinen Kuss. Er umarmte sie noch fester, und wollte sie gar nicht mehr los lassen. Aber auf einmal stie├č sie ihn von sich weg, und schnappte nach ihren Klamotten, und rannte ins Bad... dort blieb sie vor dem Spiegel stehen, und betrachtete sich.

Was habe ich mir dabei gedacht?, fragte sie sich. Ich kenne ihn ja noch nicht mal.

Sie zog sich an, und suchte nach einer Ausrede, mit dem sie wieder verschwinden konnte, aber ihr fiel nichts ein, also gab sie auf nachzudenken... sie ├Âffnete langsam die T├╝r und schaute ins Zimmer... aber er war nirgends mehr zu sehen... er war spurlos verschwunden. Sie atmete auf und ging erleichtert in den Raum hinein... doch pl├Âtzlich sprang Jack vor die T├╝r, und er hielt in seiner Hand ein Messer. Liz lie├č einen spitzen Schrei von sich h├Âren, und versuchte weg zu rennen, dies gelang ihr jedoch nicht, denn sie stolperte und fiel zu Boden.

„Hier kommst du nicht lebend raus!“, sagte Jack mit einem fiesen Grinsen und kam auf sie zu.

Liz geriet immer mehr in Panik und sie wusste nicht, was sie tun sollte... alles was sie sagen konnte war „Nein... bitte nicht... nein“ oder „H├Âren Sie damit auf... bitte...“. Doch dann kam das Zimmerm├Ądchen rein, und stie├č auch wieder einen lauten und spitzen Schrei aus, kurz darauf kamen alle Hotelg├Ąste in der Umgebung in das Zimmer und ├╝berw├Ąltigten so den M├Ârder, nach dem man schon gesucht hatte.

Liz kam mit einem Schrecken davon und war nun in ihrem Zimmer, sie wusste nicht, was aus ihr geworden w├Ąre, wenn das Zimmerm├Ądchen nicht in dem Augenblick gekommen w├Ąre. Ja wohl, das Zimmerm├Ądchen hat ihr das Leben gerettet, sie war die Heldin!

„Liz, wie geht es dir jetzt?“, fragte ihre Mutter besorgt.

„Mom, mir geht es gut... wie oft soll ich dir denn noch versichern, dass alles okay ist?“, antwortete sie schon etwas entnervt.

„Liz, ich m├Âchte doch nur nicht, dass dir auch etwas zust├Â├čt, weil...“, versuchte sie ihre Tochter zu beruhigen.

„Ja, ich wei├č es langsam... und ich wei├č auch, dass du dir Sorgen um mich machst, aber lass mich doch verdammt noch mal alle in Ruhe!“, unterbrach sie ihre Mutter mit bebender Stimme, sie war kurz davor, alles kaputt zu schlagen, was ihr im Weg stand, oder ihr auf die Nerven ging.

Ihre Mutter wollte noch was sagen, hielt es aber dann f├╝r angebracht, wenn sie jetzt aus dem Zimmer ging, und Liz alleine lie├č.

Liz weinte... sie weinte und weinte... wieso musste es ausgerechnet ihr passieren... wieso passierten in letzter Zeit immer nur solchen schrecklichen Dingen, das sind Fragen, worauf sie nicht antworten konnte. Sie lie├č all ihre Sorgen raus, indem sie weinte... und sie weinte sich in den Schlaf hinein.



Am n├Ąchsten Morgen wachte sie sehr fr├╝h auf, und ging runter in dem kleinen Restaurant, dort trank sie einen Cappuccino... diesmal lie├č sie niemandem auf dem Platz gegen├╝ber von ihr, denn das mit dem Erlebnis am Vortag hat sie noch nicht ganz bearbeitet. Sie trank ihren Cappuccino, und sah aus, als w├Ąre sie nicht anwesend, sie schaute ziellos nach drau├čen, und hatte auch keine Gedanken. Sie f├╝hlte sich leer und verloren, sie hatte das Gef├╝hl, als w├Ąre sie verloren, oder in ein tiefes schwarzes Loch gefallen, wo sie nicht mehr raus kam. Sie hatte einfach keine Kraft mehr, um weiter zu machen. Sie wusste auch nicht, ob sie das mit dem Ausschalten der Ger├Ąte im Krankenhaus ├╝berstehen w├╝rde, sie war absolut ahnungslos und sie hatte kein Vertrauen mehr, nicht mal zu sich selbst.

„Ach Liz, ich habe dich ├╝ber all gesucht“, sagte ihre Mutter vorsichtig, denn sie wollte nicht, dass Liz sich schon wieder aufregte.

Liz schaute auf und als sie ihre Mutter sah, schaute sie wieder aus dem Fenster und sagte nichts. Ihre Mutter setzte sich auf dem gegen├╝berliegenden Stuhl und bestellte einen starken Kaffee.

„Liz...“, fing ihre Mutter an, und wartete auf Liz’ Reaktion. Als Liz aber nichts sagte, fuhr sie fort. „Liz, ich wei├č, wie hart das ganze f├╝r dich ist... vor allem... vor allem das mit Jen heute...“

„Sch├Ân, dass du dir halbwegs vorstellen kannst, wie mir im Augenblick zu mute ist. Aber du kannst nicht die H├Ąlfte von dem f├╝hlen, was ich jetzt durch machen muss.“, sagte sie und schaute ihre Mutter dabei nicht in die Augen.

„Liz...“, sagte ihre Mutter.

„Nein Mom, jetzt wirst du mir zuh├Âren.“, sagte Liz und schaute dabei wieder aus dem Fenster. „Wei├čt du Mom, ich war vor ein paar Tagen noch so gl├╝cklich... ich hatte einen Freund, und er ist sogar der beliebteste Jungen der Schule... ich habe es allen gezeigt, indem ich ein M├Ądchen von den Cheerleader meine Meinung gesagt habe. Ich hatte die besten Freundinnen auf der Welt, und meine Welt war in Ordnung... vollkommen in Ordnung. Aber jetzt... jetzt ist es ein Desaster! Meine Schwester wird heute das Licht ausgemacht... ich wurde gestern beinahe vergewaltigt oder m├Âglicherweise sogar get├Âtet, und das nur weil ich ein Modell darstellen wollte, um mich von all den schrecklichen Dingen abzulenken. Meine Welt bricht vollkommen zusammen. Ich wei├č nicht mehr weiter, Mom.“

„Liz, ich w├╝rde dir so gerne helfen, aber ich wei├č nicht wie...“, fl├╝sterte ihre Mutter, und ihr traten schon die Tr├Ąnen in die Augen. „Tut mir leid Liz, ich habe es als Mutter versagt...“
Liz sagte nichts, obwohl sie wusste, dass ihre Mutter nicht als Mutter versagt hatte, aber sie wollte nichts sagen, weil sie sonst in Tr├Ąnen ausbrechen w├╝rde. Sie stand auf und verlie├č den Raum, denn sie musste schnell an die frische Luft. Sie rannte raus und warf sich auf die gr├╝ne Wiese hinter dem Hotel und versuchte ihre Tr├Ąnen zur├╝ckzuhalten. Sie wollte nicht weinen, nicht jetzt... sie musste stark bleiben, sie durfte nicht weinen... aber sie weinte.



Die Zeit verging schnell, denn Liz stand jetzt bei ihrer Schwester am Bett und hielt ihre Hand. Sie suchte nach den richtigen Worten, um sich zu verabschieden, aber sie wusste nicht, wie sie es machen sollte, denn sie musste sich noch nie von jemandem verabschieden, der noch am Leben war, aber gleich „get├Âtet“ wurde.

„Liz“, sagte Jen. „Ich wei├č, dass du traurig bist... aber es war mein Wunsch okay? Du musst mir etwas versprechen, Schwesterchen.“

Jen hatte, seit sie zehn war, nie wieder Schwesterchen zu Liz gesagt, deswegen traten Liz jetzt wieder die Tr├Ąnen in den Augen, und rollten ihr Gesicht langsam hinunter.

„Ja... ja Jen... ich werde dir alles versprechen, was du willst...“, schluchzte Liz und wischte sich die Tr├Ąnen aus dem Gesicht.

„Du musst mir versprechen, dass du dein Leben weiter lebst, auch wenn ich sterbe, okay? Das ist wirklich wichtig f├╝r mich. Ich werde immer bei dir sein, auch wenn du mich nicht sehen kannst. Ich werde immer in deinem Herzen weiter leben, okay? Aber du... du musst dein Leben weiter leben!“, sagte Jen mit ruhiger Stimme und wischte ihre Schwester die Tr├Ąnen weg. „Bitte versprich es.“

„Okay... okay Jen, ich verspreche es dir... ich werde weiter leben.“, schluchzte Liz noch lauter als vorher.

Sie gab Jen noch einen Kuss auf die Stirn, bevor sie weggezerrt wurde. Die ├ärzte gaben Jen noch einen Schlafmittel, anschlie├čend schalteten sie die Ger├Ąten alle nacheinander ab, und Jen schlief ruhig ein. Liz schrie und weinte f├╝rchterlich, aber sie wusste, dass ihre Mutter, auch wenn sie ihre Gef├╝hle nicht zum Vorschein brachte, noch mehr darunter litt, als sie.

Kapitel f├╝nf



Ein paar Tage sp├Ąter, lie├čen sie Jens K├Ârper nach Kansas City liefern, um sie dort zu begraben. Sie flogen also wieder zur├╝ck nach Kansas City. Dort wurde Liz von Freundinnen, die mittlerweile wussten, was passiert war, empfangen. Sie fiel ihnen in die Arme, und Morgan versuchte sie zu tr├Âsten. In den darauf folgenden Tagen war Liz nicht mehr sie selbst, sie wollte nichts mehr zu sich nehmen, sie wollte mit niemandem reden, sie wollte nichts mehr von Ben h├Âren, sie zog sich ganz zur├╝ck, sie machte sogar mit Ben Schluss... in der Schule sa├č sie in den hintersten Ecken und meldete sich im Unterricht nicht mehr, in den Pausen verschwand sie meistens in dem kleinen Gew├Ąchshaus in der Schule, und schrieb dort in ein Buch, aber keiner wusste, was sie dorthinein schrieb. Vielleicht versuchte sie so alles zu verarbeiten, wovon sie sich noch nicht erholt hatte.

Eines Tages verga├č sie das Buch im Gew├Ąchshaus, und ein Junge aus dem Kurs fand das Buch. Er hielt es f├╝r angebracht, hinein zu schauen, und tats├Ąchlich, dort schrieb sie ihre Trauer und ihre Tr├Ąnen nieder... er las es durch und wollte es ihr wieder geben, aber er ├╝berlegte es sich noch einmal, und kam auf die Idee, das ganze zu kopieren und es in der Schule als Flyer zu verteilen, damit jeder lesen konnte, was Liz auf dem Herzen hatte, und damit auf dem Highschool mal wieder was los war. Au├čerdem wollte er ihr eins auswischen, denn Sarah, Liz’ Feindin, war seine Freundin, und so konnte er ihr beweisen, dass er sie nicht auf den Arm nehmen wollte.
Ein paar Tage sp├Ąter, nachdem Liz ihr Buch nicht mehr fand und verzweifelt danach suchte, wurden die Flyer bereits verteilt. Aber es wurde erst mal nur die erste Seite in der Schule verteilt.



„Wieso soll man leben, wenn man auch morgen sterben kann? Was ist der Sinn des Lebens? Man lebt und verschwendet seine Zeit, und stirbt dann irgendwann irgendwo ganz alleine! Man muss Zeiten ├╝berstehen, die nicht gerade angenehm sind! Also... wieso wurde man dann geboren? Wurde man geboren, um verletzt zu werden, oder wurde man geboren, um zu lieben? Wenn man geboren wurde, um zu lieben, dann w├╝nschte ich, ich w├Ąre nie geboren... denn wenn ich liebe, dann liebe ich von ganzem Herzen, aber wer wei├č es schon zu sch├Ątzen (???), und wenn ich meine Liebe gestehe, wird ich nur verletzt. Wieso haben die Menschen, die ich liebe, soviel Spa├č daran, mir weh zu tun, mich zu verletzen und mir Schaden zuzuf├╝gen? Wieso? Kann mir das einer sagen? Manchmal sitze ich allein und im Dunkel auf meinem Bett, und denke ├╝ber mein gottverdammtes Leben nach... und kleine, nass schimmernden Perlen flie├čen ├╝ber meine Wange... ich werfe mich aufs Bett und weine... weine bis ich m├╝de werde, und einschlafe. Aber wieso f├╝hle ich mich nicht besser, obwohl ich doch schon alles aus der Seele rausgeweint habe? Wieso geht es mir nicht besser? Wieso nur? Ich wei├č nicht, wieso es mir nicht besser geht... also versuche ich nach Hilfe zu rufen... ich rufe in den Raum hinein... doch niemand antwortet, also rufe ich immer weiter und lauter, aber niemand h├Ârt mich... der Raum, der noch vor ein paar Minuten hell erleuchtet gewesen ist, verwandelt sich in ein schwarzes Loch... in ein tiefes schwarzes Loch... es versucht mich hinein zu zerren... ich versuch mich zu wehren... ich versuche wegzulaufen, aber es ist st├Ąrker als ich, es hat mich eingeholt, und mich in sich hinein gesogen... alles um mich herum verlor seine Gestalt und es ist dunkel... ich suche einen Ausgang, aber bis jetzt habe ich keins gefunden. Ich bin in meiner Einsamkeit gefangen worden, und ich kann mich nicht befreien, denn ich habe keine Kraft mehr... ich bin einfach viel zu schwach. Der Raum ist mittlerweile schon PECHSCHWARZ und die Tr├Ąnen flie├čen mir wieder ├╝ber mein Gesicht. Ich frage mich, ob es jemals aufh├Âren wird. Ich frage mich, ob mich jemals jemand h├Âren wird, und mich aus diesem Raum holt. Ich frage mich, ob meine Einsamkeit jemals ein Ende nimmt... ich frage mich vieles, finde aber auf nichts eine Antwort. Mein Leben hat einfach keinen Sinn mehr! Wieso weiter leben, wenn man sich in den Schlaf weinen muss? Wieso weiter leben, wenn man sein ganzes Leben lang nur verletzt wird? Ich versuche nicht mehr dar├╝ber nachzudenken, sondern versuche neue Kraft zu sch├Âpfen... neue Kraft, die ich jetzt brauche, um einen Ausgang aus diesem dunklen Raum zu finden. Aber wo ist die Kraft, die ich jetzt brauche? Ich habe keine Zeit mehr, um nach diese Kraft zu suchen, denn jede Tag, den ich in diesem Raum verbringe, kostet mich meine Kraft. Ich versuche also aufzustehen, schaffe es aber nicht, denn meine Kr├Ąfte reichen nicht mehr aus... aber ich versuche es immer wieder, auch wenn ich wei├č, dass es mein Tod sein k├Ânnte... meine Wille wird mir helfen. Und tats├Ąchlich... ich stehe... ich stehe jetzt... ich versuche den Gang vor mir entlang zu laufen, in der Hoffnung, dass er mich aus der Dunkelheit raus holt. Ich renne weiter und weiter, ich renne so schnell es geht, doch immer wenn ich geglaubt habe, dem Ausgang nahe zu sein, werde ich immer wieder entt├Ąuscht... ich bleibe stehen, und will gerade aufgeben, aber dann entdecke ich ein Licht am Ende des Ganges, also renne ich weiter, aber diesmal schneller. Das Licht wird immer heller, je n├Ąher ich ihm entgegen komme. Und endlich, ich habe eine T├╝r erreicht. Soll ich wirklich rausgehen? Ich blicke noch ein Mal zur├╝ck in den dunklen Gang, aber alles wirkt nun verschwommen, also drehe ich mich wieder um, um die T├╝r zu ├Âffnen. Aber wieso will der T├╝rgriff nicht so, wie ich es will... er bewegte sich nicht. Verzweifelt lass ich los... anscheinend werde ich f├╝r Ewigkeiten hier drin festgehalten. Doch dann hat jemand die T├╝r auf der andere Seite ge├Âffnet und reicht mir die Hand. Ich sehe diesen Menschen an und gebe ihm meine Hand... er zog mich aus dem Gang und nimmt mich in seine Arme... wer ist er, und woher kommt er? Er sagt mir, dass er die Hoffnung sei, und dass er da sei, um mir zu helfen... dann verblasst auch seine Gestalt, und Licht f├Ąllt auf meinem Bett.

Ich denke noch mal nach. Der dunkle Raum war schrecklich, er hat mich m├╝de gemacht, er hat mich verletzt, er hat meine Einsamkeit ausgenutzt und mich hineingesogen, aber mein Wille war st├Ąrker, und hat mir die n├Âtige Kraft gegeben, den Gang entlang zu laufen... am Ende hat mir die Hoffnung geholfen... ich war also nicht allein... ich war noch nie allein. Ich habe mich, mein Wille und die Hoffnung... ich bin nicht allein! Aber was ist mit andere Menschen? Geh├Âren sie nicht auch in meinem Leben? Nein... sie haben mir nur blo├č weh getan, mich belogen und verletzt... nein, sie geh├Âren nicht in meinem Leben... nein, sie geh├Âren nicht dazu... sie haben noch nie dazu geh├Ârt, und werden nie dazu geh├Âren... genau so wenig geh├Âren die Menschen dazu, die meine Liebe nicht zu sch├Ątzen wissen... die, die Risse in meinem Leben verursacht haben, und die, die mich ausgenutzt haben. Ich erkenne, dass ich niemandem um mich herum haben muss, wenn ich ├╝berleben will... wenn ich ├╝berleben will, brauche ich nur mich und die Hoffnung und meine Wille, mehr brauche ich nicht, denn meine Seele ist schwarz wie die Nacht.

Jetzt habe ich nichts mehr zu sagen, denn alles was ich zu sagen habe, wurde gesagt...“



Dies war die erste Seite ihres Buches... sie musste raus kriegen, wo sich das Buch im Augenblick befand, denn sie wollte nicht, dass die ganze Schule ihr Buch und ihre Gedanken kannte.

„Liz...“ , rief ihr jemand hinterher, als sie wieder im Gew├Ąchshaus verschwinden wollte.

Sie drehte sich um, und es war Ben... er hielt einen Flyer in der Hand, und Liz wusste sofort, dass es eine Kopie von ihrem Buch war. Sie schaute ihn an, und wartete darauf, was er zu sagen hatte.

„Liz, ich... also... ich wei├č nicht, wie ich es sagen soll, aber wenn du deswegen nichts mehr mit mir zu tun haben willst, dann verstehe ich es vollkommen, aber wir bleiben dann trotzdem Freunde, okay? Und das hei├čt, dass du mir immer noch alles erz├Ąhlen kannst, was du auf dem Herzen hast.“

Liz schaute ihn an, und dann schaute sie auf das Blatt Papier, welches Ben in der Hand hielt. Sie antwortete nicht, obwohl sie wusste, dass er auf eine Antwort wartete. Sie rannte weg. Sie konnte noch h├Âren, wie Ben ihren Namen rief, aber sie drehte sich nicht um, sondern rannte weiter und weiter... denn sie hatte Angst, dass wenn sie sich umdrehte, dass er sie wieder k├╝sste, und sie so dazu zwang, wieder mit ihm zusammen zu sein. Sie verlie├č das Schulgeb├Ąude und rannte irgendwohin, m├Âglichst weit weg von der Schule. Sie rannte, ohne zu wissen, wohin und wo lang. Nach ein paar Minuten stand sie in einem ├Ąrmeren Viertel der Stadt, und schaute sich um. ├ťberall standen dunkelh├Ąutigen Leuten, und starrten sie an. Sie ging durch den Viertel, und schaute sich immer wieder kurz um, um sicher zu gehen, dass niemand auf sie zukam, oder ihr zu Nahe kam.

Auf einmal hatte Liz das Gef├╝hl, dass sie von einem Mann bedroht wurde, also rannte sie schneller, doch auf einmal lief alles zu schnell, und sie konnte seine H├Ąnde an ihren Arme f├╝hlen... er zog sie weg und hielt sie in seinen Armen fest... als sie ihre Augen wieder ├Âffnete, sah sie ein Auto an ihnen vorbei flitzen...

„Gl├╝ck gehabt, junge Lady!“, sagte er und sah sie dabei an. „Sie sollten hier nicht ganz alleine herum laufen, denn nur wenigen der Leute hier in dieser Gegend m├Âgen wei├če Frauen, deswegen w├Ąre es besser, wenn Sie diese Gegend hier sofort verlassen...“
„├ähm...“, stotterte Liz langsam, „├Ąhm... ja... danke...“

Und der junge Mann lie├č sie los, und Liz rannte davon. Aber sie drehte sich noch ein Mal um, und l├Ąchelte ihn an, aber dann war sie auch schon um eine kleine Ecke gebogen, und verlie├č so die Gegend der Schwarzen.

Jetzt schossen ihr tausend Gedanken durch den Kopf, wer war er, wieso hat er sie gerettet, und vor allem, wird sie ihn jemals wieder sehen? Sie fand ihn gar nicht mal so schlecht, und hatte nun nur noch sein Bild und sein Auftreten im Kopf... er war ihr Held! Aber was war mit Ben? Empfindet sie denn auf einmal gar nichts mehr f├╝r ihn? War er nicht ihre gro├če Liebe? Er war doch immer f├╝r sie da, wenn sie ihn gebraucht hatte, und vorhin wollte er ihr sogar helfen, aber wieso ist sie dann weinend weg gelaufen? Aber wenn sie nicht weggelaufen w├Ąre, h├Ątte sie den jungen Mann nicht getroffen. Sie wusste nicht, was sie machen sollte, sie wusste nicht, f├╝r welchen Weg sie sich entscheiden sollte, denn einerseits war Ben ihre gro├če Liebe, andererseits kann sie nur noch an den jungen Mann denken, der ihr das Leben gerettet hatte. Sie wusste einfach nicht mehr weiter.



Es wurde langsam dunkel, und Liz wusste, dass sie eigentlich schon l├Ąngst zu Hause sein sollte, und sie wusste auch, dass ihre Mutter bestimmt wieder vor Sorge bei ihren Freundinnen anrufen w├╝rde, aber das hinderte sie nicht daran, in die n├Ąchste Bar zu gehen, und sich dort zu betrinken.

Sie setzte sich also an die Theke und lie├č sich einen Wodka nach den andern eingie├čen, und trank es wie normales Wasser. Es dauerte nicht lange, bis sie richtig betrunken war. Ein wenig sp├Ąter, als sie ihr Gesicht auf die Theke presste, kam ein gro├čer Typ zu ihr hin├╝ber und sprach sie an.

„Lady, sind sie zuf├Ąllig Liz Coogan?“, fragte er, und r├╝ttelte an ihren Schultern.

Liz schaute auf, und murmelte etwas vor sich hin, das so ├Ąhnlich klang wie: „Klar, was haben Sie denn gedacht??“

Der Mann bezahlte also f├╝r Liz, und schleppte sie weg. Er hatte drau├čen vor der Bar ein kleines Problem gehabt, denn es war ├Ąu├čerst schwierig, sie leise in den Auto zu kriegen, ohne viel Aufsehen zu erregen, aber auch dies gelang ihm mit etwas Zeit. Er fuhr also los, und versuchte Liz klar zu machen, wie gef├Ąhrlich es sei, um diese Uhrzeit in einer Bar rumzuh├Ąngen, und sich dort voll laufen zu lassen, aber er wusste auch, dass Liz eh nicht zuh├Ârte, da sie f├╝r so was viel zu weggetrieben war.

Als das Auto vor Liz’ Haus anhielt, wusste Liz, wer der Mann war... er war ein Polizist.

„Ach du Schei├če“, murmelte sie, als er ausstieg, und an der T├╝r klingelte. „Jetzt gibt es aber ├ärger mit Mom!“

Nach einer Weile kam Mrs. Coogan aus dem Haus zum Auto gerannt, und versuchte Liz aus dem Auto zu holen... Liz aber wollte nicht raus, denn sie wusste, dass sie nichts au├čer Stress haben wird, wenn sie aussteigt. Aber letztendlich schaffte ihre Mutter das dann doch noch.

Als der Polizist weg fuhr, und sie drinnen waren, setzte Liz sich auf dem Sofa, und bereitete sich auf eine gro├če Standpauke vor, aber alles was kam, war nur: „Liz, das h├Ątte ich nicht von dir erwartet.“

Klar, ihre Mutter war jetzt entt├Ąuscht von ihr, aber wieso hielt sie nicht eine Standpauke?? Das verstand Liz nicht mehr, und da will einer behaupten, die Welt sei in Ordnung!

Ihre Mutter verlie├č das Wohnzimmer, ohne auch nur zu schimpfen.



„Autsch, wieso tut mir mein Kopf nur so weh?“, klagte Liz, als sie am n├Ąchsten Morgen auf dem Sofa im Wohnzimmer wieder wach wurde.
Ihr tat jede einzelne Knochen weh, und wenn sie auch nur ihren Kopf bewegte tat es noch mehr weh, aber sie konnte nichts gegen machen, das war nun mal der Nachteil, wenn man zu viel getrunken hat.

Sie stand auf, und ging in die K├╝che, um eine Aspirin zu nehmen, doch das was sie in der K├╝che sah, damit h├Ątte sie nicht gerechnet... ihre Mom lag auf dem Boden, und neben ihr tausender von verschiedenen Tabletten. Liz schrie auf, und rannte zum Telefon r├╝ber, sie w├Ąhlte so schnell wie es nur ging die Notrufnummer. Wenig sp├Ąter kam auch der Notarzt zu ihnen, und teilte Liz mit, dass ihre Mutter Gl├╝ck hatte, dass sie sie so fr├╝h entdeckt hatte, weil es sonst wahrscheinlich zu sp├Ąt sein k├Ânnte. Jetzt wurde ihre Mutter mit dem Krankenwagen weg gefahren, und Liz sollte ihr ein paar Sachen von zu Hause einpacken, und dann schnell zum Krankenhaus kommen.

W├Ąhrend sie die Sachen ihrer Mutter packte, schossen ihr Gedanken durch den Kopf. Hat ihre Mutter das nur gemacht, weil sie letzte Nacht so betrunken nach Hause gefahren wurde? Hat sie das gemacht, weil sie sie nicht liebte? Wird sie nun auch nachdem sie ihre gro├če Schwester verloren hatte, auch ihre Mutter verlieren?

Kapitel f├╝nf



Die Tage vergingen schneller, als Liz die Stunden z├Ąhlen konnte, in der ihre Mutter bewusstlos im Krankenhaus lag. Mittlerweile wusste schon die halbe Stadt, dass ihre Mutter Selbstmord begehen wollte, und die Nachbarn besuchten Liz fast jeden Tag, und schaute t├Ąglich bei ihrer Mom im Krankhaus vorbei. Erst jetzt erkannte Liz, was f├╝r nette Menschen es in ihrer Umgebung gab, und was f├╝r gute Freunde ihre Mom doch hatte. Und was hat sie gemacht? Anstatt ihre Mom ├╝ber der Sache mit Jen hinweg zu verhelfen, bereitete sie ihr nur noch mehr Sorgen. Sie konnte sich nicht mehr aus dieser Lage raus ziehen, sie war total am Boden zerst├Ârt... sie trank, und sie konnte nicht aufh├Âren, und jetzt hat sie auch noch mit dem Rauchen angefangen... was w├╝rde als n├Ąchstes kommen?? Sie warf einen kleinen Blick auf die Zigarette, die sie in der Hand hielt, und direkt daneben war ein Glas Alkohol. Wird sie bald auch Drogen nehmen? Sie erkannte, dass sie dringend Hilfe brauchte, aber wer wollte ihr denn noch helfen?? Sie hat doch alle Hilfe abgelehnt, die sie damals bekommen hatte.

Sollte sie jetzt zu ihren Freundinnen gehen, und ihnen um Hilfe bitten, und sollte sie Ben anrufen, um sich bei ihm auszuheulen?? Was w├╝rde Ben ├╝berhaupt dazu sagen, wenn sie ihn jetzt anrufen w├╝rde? Und ├╝berhaupt... hatte er Zeit, um sich mit ihren Problemen zu besch├Ąftigen???
Ein Klingel an der T├╝r riss sie aus ihren ganzen Fragen, und sie stand auf, um die T├╝r zu ├Âffnen. Zu erst z├Âgerte sie, weil sie es nicht mehr ertragen konnte, dass Nachbarn immer bei ihr vorbei schauten, und ihr was zum Essen und Blumen mit brachten, aber dann ├Âffnete sie doch die T├╝r.

Es war Ben, der geklingelt hatte. Er hielt eine wei├če Rose in der Hand, die er ihr gab. Kurz darauf fiel sie ihm in den Armen, und er hielt sie fest, genau so wie damals, als sie sich in ihrem Zimmer k├╝ssten. Es war ein sch├Ânes Gef├╝hl, wieder in seinen Armen zu sein. Nach einer Weile lie├č sie ihn wieder los, und bat ihn hereinzukommen.

„Und... wie geht es dir?“, fragte Ben, als sie sich im Wohnzimmer nieder lie├čen.

„Na ja...“, fing Liz an, „wie soll es mir schon gehen? Einfach nur schrecklich!“

Es herrschte f├╝r eine sehr lange Zeit eine gewisse Stille zwischen ihnen.

„Ben...“, unterbrach sie die Stille. „Ich habe das Gef├╝hl, dass ich an allem Schuld bin.“
Sie legte eine Pause ein, um abzuwarten, wie Ben reagierte, aber er schaute sie nur an, und gab ihr ein Zeichen, dass sie weiter reden sollte.

„Ich meine“, schluchzte sie, „eigentlich war es meine Aufgabe stark zu sein... aber statt dessen war ich nur w├╝tend... ich war w├╝tend auf mich, ich war auf die ganze Welt w├╝tend... meine Schwester hat mich verlassen, und ich wusste einfach nicht weiter, also habe ich viel Mist gebaut... ich habe angefangen zu trinken... und deswegen hat meine Mom versucht, sich das Leben zu nehmen. Ben, ich brauche Hilfe...“

Er nahm sie in seine Arme und fl├╝sterte ihr leise ins Ohr, dass er immer f├╝r sie da sein werde.

Also sa├čen sie lange im Wohnzimmer und redeten, redeten ├╝ber alles, und Liz f├╝hlte sich besser, denn sie wusste nun, dass sie jemanden hatte, der ihr immer zuh├Âren w├╝rde, wenn sie ihn brauchte.

„Danke Ben.“, sagte sie, als sie alles gesagt hatte, was ihr auf dem Herzen lag.

„Danke... wof├╝r denn?“, staunte Ben.

„Na, daf├╝r, dass du deine Zeit mit mir verschwendet hast, und mir zugeh├Ârt hast.“, sagte Liz stirnrunzelnd.

„Aber Liz...“, sagte er mit einem L├Ącheln, „du wei├čt, dass ich dich liebe, und das hei├čt, dass jede Minute, in der ich mit dir verbringen darf, ist f├╝r mich sehr kostbar... au├čerdem sagte ich doch, dass ich immer f├╝r dich da sein werde.“
Sie l├Ąchelte ihn an, und stand auf. „Willst du zum Essen hier bleiben?“

Er sch├╝ttelte seinen Kopf, denn er m├╝sste zu Hause essen, das h├Ątte er seiner Mom versprochen, also stand auch er auf, und gab ihr einen kleinen Kuss auf die Wange, dann verabschiedete er sich auch schon von ihr. Er ging und lie├č sie alleine zur├╝ck.

Was ist nur aus mir geworden, fragte sie sich, ich brauche dringend professionelle Hilfe... aber zu erst muss ich meine Mom besuchen.

Also machte sie sich auf dem Weg, und kaufte unterwegs noch einen Blumenstrau├č.
Als sie im Krankenhaus ankam, ├╝berkam ihr wieder das Gef├╝hl, wie damals, als sie Jen in New York besuchen war, aber sie riss sich zusammen und ging weiter den leeren Gang entlang, bis sie im Krankenzimmer ihrer Mutter stand.

„Oh Liz“, ert├Ânte eine Frauenstimme, es war ihre Mutter. „Was verschafft mir die Ehre, dass du mich besuchen kommst?“

„Mom“, stammelte sie, „bitte... sei nicht so... es tut mir ja wirklich leid, dass ich an dem Tag getrunken habe... aber ich war total fertig...“
Sie machte eine Pause und wollte h├Âren, was ihre Mutter jetzt sagen w├╝rde, aber sie sagte nichts.

„Mom“, fing sie wieder an, „bitte verzeih mir... ich konnte nun mal nicht die starke Tochter spielen... es tut mir wirklich sehr sehr leid. Ich besuche jetzt auch eine Entzugsklinik...“
„Ist schon gut Liz“, sagte ihre Mutter. „Ich habe eh keine Chance mehr weiter zu leben...“
„Was willst du damit sagen Mom?“, fragte Liz.

„Ich will damit nur sagen, dass ich eine zu hohe Dosis genommen habe, und die ├ärzte nichts f├╝r mich tun konnten... es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis ich sterbe.“, erkl├Ąrte sie.

„Aber...“, brachte Liz aus ihrem Mund und hielt Inne.

Es herrschte Stille im Raum, bis eine Krankenschwester hereinkam, um den Blutdruck ihres Mutters zu ├╝berpr├╝fen. Sie bat Liz darum, f├╝r diese Zeit den Raum zu verlassen, was Liz auch tat.

Sie f├╝hlte sich jetzt einfach nur schwach, sie hatte das Gef├╝hl, dass sie an allem Schuld war. Sie stand vor der T├╝r des Zimmers und machte sich Vorw├╝rfe. H├Ątte sie nicht so viel getrunken, h├Ątte ihre Mutter das wahrscheinlich nicht gemacht. Wieso hatte sie ├╝berhaupt damit angefangen? Wieso ging alles schief, was sie anfasste?

„Miss Coogan“, sagte die Krankenschwester, die aus dem Zimmer ihres Mutters kam. „Wahrscheinlich wissen Sie auch schon, dass wir nichts mehr f├╝r Ihre Mutter tun k├Ânnen, da sie eine zu hohe Dosis an verschiedenen Medikamenten genommen hatte, also ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sie von uns gehen wird. Es tut mir leid, dass wir nichts mehr f├╝r Ihre Mutter tun k├Ânnen.“

Liz nickte und schaute der Krankenschwester in die Augen, und bem├╝hte sich um ein leichtes L├Ącheln.

Ohne noch mal bei ihrer Mutter vorbeizuschauen verlie├č sie das Krankenhaus so schnell es ging. Ihr Leben war nun wirklich ein Desaster. Alles ging schief, sie konnte nichts und zwar wirklich gar nichts mehr retten. Zu erst verlor sie ihren Vater, und dann ihre Schwester, und sehr bald schon auch ihre Mutter. Sie war allein auf der Welt, und sie wusste nichts mehr, was sie tun k├Ânnte, um alles wieder in Ordnung zu bringen.

„Die perfekte Welt der Liz Coogan brach zusammen“, sagte sie leise, und Tr├Ąnen rollten ├╝ber ihr Gesicht.

Sie stand nun ganz allein auf der Stra├če und weinte. Kein Mensch kam und half ihr, kein Mensch beachtete sie.
Nach ein paar Minuten ging sie wieder los, sie ging einen Weg, welchen sie schon mal gegangen ist, n├Ąmlich der Weg, welcher zu der Stra├če der Schwarzen f├╝hrte. Sie wusste zwar nicht, wieso sie diesen Weg ging, aber sie vertraute ihr Herz. Wenig sp├Ąter stand sie in der Stra├če, genau da, wo sie vor ein paar Tagen gestanden hatte, und der junge Mann zu ihr kam, um ihr zu helfen. Sie schaute sich um, und entdeckte eine kleine Gruppe von Kids in ihrem Alter, sie standen dort und nahmen eine Pille nach der andere ein, als w├Ąren sie nur ein paar Smarties, die bunt sind, aber nach Schokolade schmeckten. Liz beobachtete diese Jugendlichen, sie wusste, dass sie gerade XTC einnahmen.

Womit Liz aber nicht gerechnet hatte war, dass sie zu ihr her├╝ber kamen. Sie bildeten einen Kreis um Liz und betrachteten sie von oben bis unten. Liz wusste nun, dass sie keine Chance mehr hatte zu entkommen... es war zu sp├Ąt!
„Hey Kleine!“, sagte eines der Typen und warf seinen Kumpel einen Blick zu, was Liz aber nicht verstand. „Was macht denn so eine kleine m├Âchte gern Prinzessin hier in unserer Gegend? Hat dir dein Daddy nicht gesagt, dass es hier sehr gef├Ąhrlich sein kann?“
Und alle lachten ├╝ber den letzten Satz des Jungens.

„Was geht dich das ├╝berhaupt an, was ich hier mache?“, fragte Liz mit einer unsicheren Stimme, aber sie bem├╝hte sich sicher r├╝ber zu kommen.

„Ui... Jungs, die Kleine hat gesprochen!“, sprach ein anderer Typ aus dem Kreis.

„Hab ich dich gebeten zu sprechen alter?“, maulte der andere, der immer noch mit Liz im Kreis steht. „Hey Kleine, du siehst ziemlich fertig aus! Wie hei├čt du denn?“

Jetzt klang er auf einmal lieb und f├╝rsorglich, genau so wie Ben. Er schaute ihr genau so intensiv in die Augen, wie Ben das immer gemacht hatte.

„Liz“, antwortete sie wie hypnotisiert... hypnotisiert von seinen Augen.

„Schon mal so eine Pille genommen?“, fragte er, und hielt eine rosafarbene Pille in der Hand.

Liz sch├╝ttelte den Kopf.

„Ist ganz harmlos! Guck...“, sagte er, und schluckte die Pille. „Und, willst du probieren? Ehrlich, ist total harmlos!“
Liz schaute ihn an, und sie wusste in ihrem Innern, dass sie diese Pillen nicht nehmen durfte, da sie nicht davon abkommen w├╝rde, aber ihr Herz raste so schnell, dass sie nicht klar denken konnte.

„Was...“, stammelte sie mit noch unsichererer Stimme als vorher, „was, wenn ich die nicht nehmen will?“
Und wieder lachten sie, und wiederholte Liz’ Frage.

„Was wenn du die nicht nimmst?“, wiederholte ein anderer Junge, nachdem sie sich beruhigt hatten, und der, der mit Liz im Kreis stand ein Zeichen gab, dass er antworten sollte. „Wenn du die kleinen sch├Ânen Pillen nicht nimmst, dann kommst du nicht lebend hier weg, und wir werden dich immer und ├╝berall terrorisieren, wir wissen n├Ąmlich, wo du wohnst, wo du zur Schule gehst, wie dein Leben ist, und was f├╝r Freunde du hast! Also? Was nun?“

Es gab also wirklich keine Chance mehr f├╝r sie, entweder sie nahm die Pille, oder sie nahm sie nicht, und w├╝rde dann wahrscheinlich sterben. Es blieb also keine andere Wahl, als die Pille zu schlucken.

Sie streckte ihre Hand aus, und der Typ, der bei ihr stand gab ihr eine kleine rosafarbene Pille, und schaute ihr dabei zu, wie sie die Pille herunterschluckte. Als auch das geschafft war, klatschten alle begeistert in die H├Ąnde, und er nahm sie in den Armen, und f├╝hrte sie die Stra├če entlang. Sie wusste zwar nicht, wohin sie jetzt gingen, aber das war ihr auch egal, denn sie f├╝hlte sich irgendwie leicht und schwerelos. Es war ein Gl├╝cksgef├╝hl, dass sie schon seit ihrer Kindheit nicht mehr hatte. Doch dieses Gef├╝hl verschwand genau so schnell, wie sie kam. Auf einmal f├╝hlte sie sich deprimierte denn je, und dann wusste sie auch wieder, wo sie war... sie war jetzt in einer Wohnung, sie lag da auf dem Bett, aber wessen Bett es war, wusste sie nicht. Dann kam auch wieder der Typ, der ihr die Pille gegeben hatte, und setzte sich zu ihr.
„Ach ja, nenn mich einfach J.!“, sagte er, und gab ihr eine weitere Pille.

Diese wird auch wieder schnell von Liz heruntergeschluckt. Sie l├Ąchelte ihn an, und war wieder wie in Trance... sie setzte sich auf und beugte sich ├╝ber ihn... er legte seine H├Ąnde auf ihrer Taille und k├╝sste sie... sie erwiderte den Kuss, und so sa├čen sie eng umschlungen auf dem Bett und k├╝ssten sich lange. Sie k├╝ssten sich und schworen, dass das keine einzige Sache blieb. Liz wusste nicht so genau, was sie da eigentlich tat, aber so lange sie dadurch gl├╝cklich war, wollte sie nicht aufh├Âren.

Dann sp├╝rte sie seine H├Ąnde unter ihren Klamotten, und sie sp├╝rte sein Atem auf ihrer Haut, er streichelte ihr ganzer Oberk├Ârper, und schnelle als erwartet, lagen sie auch auf einander und taten das, was Liz eigentlich in ihren Tr├Ąumen, immer anders vorgestellt hatte.

Am Tag darauf wachte sie auf, und sie lag alleine im Bett, und geplagt von Kopfschmerzen. Au├čerdem konnte sie sich nicht mehr an die letzte Nacht erinnern, alles schien wie weggeblasen zu sein.

„Na, wie geht’s?“; fragte J. mit einem breiten Grinsen im Gesicht. „Scheinst dich ja an gar nichts mehr zu erinnern!“
„Sag mir, was letzte Nacht los war!“, forderte sie ihn raus. „Au├čerdem solltest du mir schnell eine Pille geben, sonst drehe ich total durch!“

Er lachte und ging zu einer Kommode r├╝ber, und holte von dort eine kleine T├╝te, wo die kleinen Pillen waren, und holte eines von ihnen raus. Er kam wieder zur├╝ck zu ihr und gab sie ihr.

„Tja, du willst also wissen, was letzte Nacht passiert war?“, fragte er, und legte sich neben ihr auf dem Bett. „Na ja, da gibt es eigentlich nichts gro├čes zu erz├Ąhlen... wir hatten mit einander die sch├Ânste Sache der Welt erlebt! Und ich muss schon sagen, du bist ziemlich gut!“

„Bitte?“, sie traute ihren Ohren nicht. Hatte sie wirklich mit ihm Sex gehabt? Aber wieso wei├č sie nichts mehr von. „Du willst mir doch nicht erz├Ąhlen, dass wir mit einander geschlafen haben!“
Sie schluckte die Pille, und J. lachte, und fing wieder an, ihr an die W├Ąsche zu gehen.

„Nat├╝rlich haben wir es getan, meine Liebe!“, sagte er, und k├╝sste sie. „Aber ich habe bestimmt nicht damit angefangen... du hast mich zu erst gek├╝sst, und wolltest nicht damit aufh├Âren... was blieb mir also anderes ├╝brig?“
Liz riss sich los und stand auf. Aber sie konnte kaum noch stehen, sie dachte, dass der Boden unter ihr verschwand, also legte sie sich wieder ins Bett. Und wieder fing J. damit an sie zu streicheln und ihr die Sachen auszuziehen, aber womit er absolut nicht gerechnet hatte war, dass Liz sich doch dazu zwingen konnte aufzustehen, und rauszurennen.

„Hey Liz“, rief er ihr hinterher, „du kannst ruhig weg laufen, aber ich wei├č, dass du wieder zur├╝ck kehren wirst, wenn du wieder Stoff brauchst! Du wirst sp├Ątestens am fr├╝hen Morgen zur├╝ckkehren!“
Sie rannte und rannte. Nach einer Weile war sie dann endlich bei sich zu Hause und schloss sich in ihr Zimmer ein. Was hat sie sich nur dabei gedacht? Wie konnte sie nur einfach diese Drogen nehmen, obwohl sie wusste, dass es gef├Ąhrlich war? Was sollte sie jetzt denn noch machen? Sie wusste auch, dass sie sp├Ątestens am Abend wieder dorthin zur├╝ck gehen wird, weil sie den Stoff brauchte. Aber sie wollte nicht wieder zur├╝ck gehen, denn sie wusste, dass sie dann wieder mit J. schlafen m├╝sste, wenn sie den Stoff umsonst bekommen wollte, sonst m├╝sste sie 25 Dollar blechen, und so viel Geld hatte sie nicht mehr. Was lieb ihr also anderes ├╝brig, au├čer wieder zur├╝ck zu J. zu gehen? Sie steckte total in der Klemme, und sie wusste absolut keinen Ausweg mehr.

Sie ging also nach drau├čen, und versuchte noch m├Âglichst wie ein normales M├Ądchen durch die Stra├če zu gehen, aber der Drang nach den Drogen verriet sie. Sie lief so schnell sie konnte, aber sie schaffte es nicht, denn ihre Sucht wurde so stark, dass sie sich nicht mehr bewegen konnte, sie brach mitten auf der Stra├če zusammen, und zitterte am ganzen K├Ârper. Die Passanten, die vorbei gingen, machten nur einen Bogen um Liz herum, und taten so, als h├Ątten sie sie nicht gesehen.

„Bitte...“, keuchte Liz mittlerweile, „bitte helfen Sie mir. Holen sie Hilfe... bitte...“
Sie packte einen total fremden Mann am Ärmel an, und flehte diesen Mann auch um Hilfe. Er schaute ihr nur ohne jedes Gefühl in die Augen, und riss seinen Arm los, und ging weiter.

Sie war hilflos, und lag auf der Stra├če, und flehte schon wildfremden Menschen an, ihr zu helfen.

Ein kleiner Junge im Alter von zehn kam auf Liz zugerannt, und wollte ihr helfen.

„Miss, kann ich Ihnen helfen? Was brauchen Sie denn?“, fragte der kleine Junge.

„Jack, h├Âr auf fremden Menschen zu bel├Ąstigen! Lass das M├Ądchen in Ruhe!“, rief seine Mutter von weitem.

„Ja Kleiner, du kannst mir helfen... sag deiner Mom, dass sie f├╝r mich ein Krankenwagen rufen soll... und zwar so schnell es geht... ich brauche dringend ├Ąrztliche Hilfe.“, keuchte Liz noch, bevor sie bewusstlos wurde.

Zum Gl├╝ck z├Âgerte die Mutter nicht lange, sondern rief sofort den Krankenwagen an. Bis der Krankenwagen kam, blieb sie und ihr Sohn noch bei Liz, und versuchte Liz wieder wach zu kriegen, was ihnen aber nicht gelang.

Liz wachte erst im Krankenhaus auf. Sie schaute sich um, aber alles wirkte sehr verschwommen... sie konnte nur ein paar Ärzte und Arztassistenten um ihr Bett herum erkennen.

„Wo bin ich?“, fragte sie m├╝de, aber leicht nerv├Âs.

„Sie sind da, wo Ihre Mutter vor ein paar Stunden gestorben ist, Miss Liz Coogan.“, antwortete die eine Arztassistentin. „Leider haben wir f├╝r Ihre Mutter nicht viel tun k├Ânnen. Es tut uns leid.“
„Aber jetzt m├╝ssen wir uns erst mal um Sie k├╝mmern“, meinte der Arzt. „Sie haben, wie ich in den Bluttesten sehen kann, also Drogenproblemen...“
Er guckte Liz an, und sie nickte, dabei vermied sie den Blickkontakt mit dem Arzt, und schaute aus dem Fenster.

„Ich w├╝rde Ihnen eine Therapie vorschlagen“, schlug er vor, „aber hier im Krankenhaus, sodass wir noch Aufsicht ├╝ber Sie haben.“
„Gut“, sagte Liz bestimmt. „Ich bin damit einverstanden! Ich m├Âchte auch nicht l├Ąnger von Drogen abh├Ąngig sein.“

Kapitel sechs



Monate vergingen, und Liz ging es endlich wieder besser. Sie war bei der Beerdigung ihrer Mutter dabei und entschuldigte sich am Grab bei ihr, f├╝r alles, was sie jemals getan hatte. Sie wurde inzwischen bei ihrer Tante aufgenommen, und versuchte nun in eine Art Privatschule wieder ein normales Schulleben zu f├╝hren.

„Liz“, rief Tante Sharon in den Garten, „hier ist jemand f├╝r dich!“
Liz schaute hoch, und traute ihren Augen nicht, es war Ben, der vor ihr steht. Sie stand langsam von dem Blumenbeet auf, und klopfte sich Erde von den Klamotten. Sie wusste nicht recht, was sie machen sollte... sie wusste nicht, ob sie ihn nun umarmen soll oder nicht...

„Hi!“, sagte Ben mit einem L├Ącheln.

„Hi!“, erwiderte Liz.

Beide schauten sich an und eine Stille herrschte ├╝ber ihnen. Pl├Âtzlich rannten sie auf einander zu und umarmten sich so, als w├╝rden sie sich nie mehr wieder los lassen wollen.

„Ich liebe dich immer noch“, fl├╝sterte Ben.

Liz erwiderte nichts, sondern umarmte Ben nur noch fester. Sie hoffte, dass er dadurch erfuhr, dass sie auch immer noch das Gleiche f├╝r ihm empfand, wie am Anfang.

Sie setzten sich nach einer Weile auf die Schaukeln, die Liz aus ihrer Kindheit kannte, und unterhielten sich.

„Wann gehst du denn wieder in unsere Schule?“, fragte Ben neugierig.

Liz schwieg, denn sie wusste nicht, wie sie auf diese Frage antworten sollte. Denn sie durfte nie wieder in eine normale Schule gehen, da sie immer kontrolliert sein musste... die ├ärzte hatten sich Sorgen gemacht, dass sie vielleicht r├╝ckf├Ąllig werden k├Ânnte.

„Ich...“, stotterte Liz und hielt Bens Hand fester als zuvor. „Ich... ich wei├č es ehrlich gesagt nicht... aber...“
„Aber?“, fragte Ben mit gehobenen Augenbrauen.

„Aber... ich glaube, dass ich nie wieder in eine ├Âffentliche Schule gehen kann... denn ich muss immer kontrolliert werden, sonst besteht die Gefahr, dass ich r├╝ckf├Ąllig werden k├Ânnte, und alles wieder von vorn beginnt.“, sagte Liz und schaute dabei besch├Ąmt auf dem Boden.

Ben gab einen Seufzer von sich, und schaute dann in den Himmeln. Sie hielten ihre H├Ąnden und schwiegen.

„Wieso ist es au├čerhalb der Stadt eigentlich immer so ruhig und friedlich?“, wunderte sich Liz.

„Tja, wahrscheinlich weil hier kaum Autos fahren... deswegen kann man hier auch besser die Sterne sehen.“, antwortete Ben und schaute ihr tief in die Augen. „Aber ich glaube, dass man die Sterne auch in deinen Augen sehen kann, Liz!“
Sie l├Ąchelte ihn an, und lief ein wenig rot an.

Auf einmal fing etwas an zu klingeln... es war Bens Handy.

„Ich muss jetzt“, sagte er und verdrehte dabei die Augen. „Werd bald wieder vorbeischauen... mach’s gut!“

Er stand auf und gab ihr noch einen leichten Kuss auf ihre Wange und verschwand.

Sie schaute ziellos rum und streichelte ihre Wange dort, wo er ihr einen Kuss gab. Es war ein unglaubliches Gef├╝hl, wieder fast ein normales Leben zu f├╝hren, und dazu noch zu erfahren, dass der Kerl, den man abgewiesen hatte, einen immer noch von ganzem Herzen liebte. Es grenzte bei nahe an einem M├Ąrchen. Aber gleichzeitig machte es sie ein wenig traurig, denn sie h├Ątte nicht erwartet, dass ihre Freundinnen sie nicht besuchen w├╝rde. Immerhin kannten sie sich schon von klein an, und nicht so wie das mit ihr und Ben.

„Aber das Leben geht auch ohne ihnen weiter!“, sagte sie zu sich und stand auf.

„Liz, Abendessen!“, rief Sharon in den Garten und winkte sie zu sich.

Liz stand auf und lief ins Haus.

„Aber bevor...“, fing Sharon an.

„Ja ja...“, unterbrach sie Sharon, „zuerst die H├Ąnde und das Gesicht wasche und andere Klamotten anziehen, und danach in die K├╝che!!!“
„Genau!“, stimmte ihr Sharon zu.

Liz wusste ganz genau, dass Sharon das sagen w├╝rde, denn sie sagte es jedes Mal, wenn Liz im Garten gearbeitet hatte.



„Und, willst du mir nichts ├╝ber den jungen Mann von eben erz├Ąhlen?“, forderte Sharon ihre Nichte Liz beim Essen mit einem L├Ącheln auf.

„Ach Tantelein...“, scherzte Liz, denn sie wusste, dass Sharon es nicht mochte, Tante Sharon oder Tantelein genannt zu werden.

„Liz...“, ermahnte sie.

„Schon gut“, antwortete Liz und f├╝gte noch schnell „Sharon“ hinzu.
„Also?“, fragte sie neugierig. „Wer ist er? Falls du mich fragst, er scheint ein netter Bursche zu sein!“
„Ja, in der Tat, er ist ein netter Bursche!“, lachte Liz. „Wir waren fr├╝her mal ein Paar, was mich und auch ziemlich viele gewundert hatte. Denn bevor er mit mir zusammen kam, war er mit der Ballk├Ânigin zusammen, und sie war ziemlich h├╝bsch! Na ja, er hatte jedenfalls auf einmal die gleichen Kurse wie ich und er sa├č auch seltsamerweise immer in meiner N├Ąhe. Eigentlich hatte ich mir damals nicht bei gedacht. Na ja, irgendwann fragte er mich, ob ich mit ihm ausgehen wollte, nat├╝rlich hab ich da zugestimmt... ich meine... er war hei├č begehrt!!! Was sollte ich dann auch anderes machen? Tja, wir verstanden uns ziemlich gut, und dann kamen wir irgendwie zusammen. Aber unsere Beziehung bekam dann Risse, als die Sache mit Jens Tod begann, und dann hing ich ja auch noch an Drogen und Mom ist dann gestorben.“
Es herrschte ein Schweigen und beide sagten nichts. Sie a├čen weiter, als h├Ątten sie nie ein Thema am Tisch aufgegriffen.

Liz legte ihr Besteck auf dem Teller und fragte, ob sie schon aufstehen d├╝rfte. Sharon nickte.

„Liz“, sagte Sharon, bevor Liz aus der K├╝che verschwand, „vielleicht magst du diesen Satz jetzt nicht h├Âren, aber ich meine es vollkommen ernst. Wenn du Hilfe brauchst, oder wenn du einfach nur jemanden brauchst, mit der du einfach nur reden willst, sei es das Thema Jungs oder wie auch immer, ich werde immer f├╝r dich da sein!“
„Das wei├č ich doch, Sharon.“, l├Ąchelte Liz und ging auf ihr Zimmer.

Liz wusste nun endlich, dass sie eigentlich immer Hilfe bekam, egal in welche Situation sie sich befand. Sogar der fremde Junge und seine Mutter haben ihr geholfen, und sie in den Krankenhaus gebracht, obwohl sie Liz nicht mal im Geringsten kannten. Und jetzt wurde sie mit offenen Armen bei Sharon aufgenommen. Pl├Âtzlich sch├Ąmte sie sich, dass sie ihr Leben nicht zu sch├Ątzen wusste.

„Von nun an, werde ich mein Leben zu sch├Ątzen wissen, und auch andere Menschen helfen, und nicht nur an mich denken.“, nahm sie sich vor.

Aber wo sollte man denn da anfangen? Sie hatte absolut keine Ahnung. Sollte sie vielleicht zu erst Geld an Waisenh├Ąuser spenden?

Sie setzte sich also an den Computer und rief eine Aktion, namens „C.O.W.“, ins Leben („C.O.W.“ = „Child of World“. Sie surfte ins Net und erstellte eine Seite f├╝r diese Aktion, in der jeder und zwar auch wirklich jeder mit wirken konnte, der etwas spenden oder los werden wollte.

„Sharon“, rief sie nach unten, „komm mal bitte kurz nach oben! Ich muss dich was fragen!“

„Bin schon unterwegs“, tr├Ąllerte Sharon.

Sie blickte durch die T├╝r und guckte Liz fragend an.

„Du hast doch so viel Ahnung von Homepagebau und so, oder?“, fragte Liz.

Sharon antwortete nicht, sondern nickte nur.

„Gut, ich m├Âchte eine Aktion „C.O.W.“ ins Leben rufen, und eine Seite daf├╝r erstellen.“, sagte Liz, und als sie Sharons fragenden Gesicht bemerkte f├╝gte sie noch schnell hinzu: „Es soll arme Kinder und Kinder in Waisenh├Ąuser helfen. C. steht f├╝r „Child“ und O. f├╝r „of“ und W. f├╝r „World“... also hei├čt es eigentlich „Child of World“!“

„Oh... du willst also was Gutes f├╝r die Menschheit tun!“, stellte Sharon voller Freude fest. Denn wenn Sharon etwas an einem Mensch zu sch├Ątzen wusste, war das, dass sie andere Menschen, die es nicht so gut haben, helfen wollen. Und genau aus diesem Grund war sie von Liz’ Idee total begeistert, und setzte alles daran, die Homepage mit so vielen Websites wie m├Âglich zu verlinken, damit ja auch jeder, der im Net unterwegs war auf diese Seite gelangen konnte.
Sie druckten Werbebl├Ątter, als w├╝rden sie Zeitungen drucken. Innerhalb weniger Minuten, hatten sie alles geschafft, was eine Aktion schaffen musste. Sie hatten genug Werbung ins Net gestellt und genug Werbebl├Ątter f├╝r diese Aktion gedruckt, sodass Liz sie am Tag darauf verteilen konnte.

„Danke, Sharon!“, sagte Liz, als Scharon wieder runter gehen wollte.

„Nichts zu danken!“, erwiderte sie. „Ich m├Âchte, dass du wei├čt, wie stolz ich auf dich bin. Und ich denke deine Eltern und Jen sind auch sehr sehr stolz auf dich!“

Sie l├Ąchelten sich an und Sharon verschwand aus dem Zimmer.

„Ach ja...“, st├Âhnte Liz. „Mom, Dad und Jen... ich hoffe wirklich, dass ihr stolz auf mich seid... und vor allem Mom...“

Kapitel sieben



Die Monate vergingen wie im Flug, und mittlerweile war es Herbst, und die Bl├Ątter an den B├Ąumen verf├Ąrbten sich zu einen wundersch├Ânen Goldbraun. Und Liz’ Leben war auch wieder ganz wieder normal. Sie besuchte ab und zu ihre alte Schule und ihre Freundinnen, und diese besuchten Liz jetzt auch wieder. Und was ihre Beziehung zu Ben angeht, die hat sich in eine Freundschaft umgewandelt.

„Wollen wir ein Eis essen gehen?“, fragte Mel, als die F├╝nf wieder in der Stadt bummelten, aber diesmal waren sie mit Ben unterwegs, also waren sie eigentlich sechs.

Alle schauten sich an und schrieen gleichzeitig wie aus einem Munde: „Ja!!!!!“

„Wisst ihr was?“, fragte Liz voller Lebensfreude.

Tine, Andie, Mel, Liza und Ben schauten sie neugierig an.

„Ihr seid echt spitze!“, sagte sie und schl├╝rfte ihr Milchshake. „Ich meine, ihr gebt euch immer noch mit mir ab, obwohl ich hier in der Stadt nicht mehr so einen guten Ruf habe.“
„Na und?“, warf Andie ein und schaute sich in der Eisdiele um. „Wenn jemand was gegen dich hat, nur weil er diese ganzen bescheuerten Geschichten ├╝ber dich geh├Ârt hat, dann ist er einfach bescheuert!“
„Genau!“, stimmte Mel zu. „Und au├čerdem... wir kennen uns schon seit wir gerade mal die Welt erblickt haben!“
Und wieder kicherten die M├Ądchen, wie sie es sonst auch taten.

„Ach Ben... entschuldige bitte, aber wir sind halt M├Ądchen, und M├Ądchen kichern halt viel und laut!“, sagte Liza und legte eine Hand auf Bens Schultern.

Ben grinste und meinte: „Na ja, ich werde es heute wohl noch ├╝berleben!“
„Hey, willst du damit etwa sagen, dass wir schrecklich sind??“, warf ihm Liz vor.

Und wieder fingen sie an zu lachen, und sogar Ben lachte mit.



„Oh...“, h├Ârten die Sechs neben ihren Tisch sagen. „Da sitzt ja Liz Coogan!“
Sie drehten sich alle zu der Stimme um, aber keine von ihnen kannte diese Person, die dort stand, keine au├čer Liz.

„Wer bist du denn, S├╝├čer?“, fragte Mel.

„Mel, lass den Schei├č!“, forderte sie Liz auf. „Du kennst den nicht! Das ist J.!!“
„Etwa der J.?“, stellten die andern geschockt fest.

„Richtig! Ich bin der J., der ihr damals die Droge gab, und der damals mit ihr geschlafen hatte.“, lachte J. und versuchte Liz dadurch l├Ącherlich dazustellen. „Ach ├╝brigens, Baby, du warst gar nicht mal so schlecht, daf├╝r, dass es dien erstes Mal war!“
Er und seine Kumpels gingen auch schon von dem Tisch weg und setzten sich wo anders hin, aber sie hatten immer noch einen ziemlich guten Blick auf Liz und ihre Freunde.

„Ihr habt mit einander...“, wunderte sich Liza.

Ben unterbrach sie aber durch einen Blick und einen Sto├č unterm Tisch.

„Ja!“, antwortete Liz kurz und knapp, denn sie hatte keine Lust, sich noch mal mit der Geschichte von fr├╝her zu besch├Ąftigen.

„├ähm...“, sprach Tine und Mel langsam, „wenn wir gehen sollen, dann musst du es nur sagen!“

„Nein, nein, schon in Ordnung! Ich will halt nicht mehr ├╝ber die Vergangenheit sprechen, was mit mir und J. war, und wie was war und halt so was!“, antwortete Liz ein wenig bissig.

Und es herrschte pl├Âtzlich eine unheimliche Stille mit eine gewisse Grad von K├Ąlte in dem Eiscaf├ę zwischen Liz und ihre Freunde und J. und seinen Kumpels. Liz warf einen Blick zu J. hin├╝ber, und dabei kreuzten sich ihre Blicke und es gab eine Art von eisiger Augenblick zwischen ihren Blicken.



„Ach Leute, mein Appetit ist jetzt vergangen, seit J. und seinen Kumpels hier sind... wollen wir gehen?“, verk├╝ndete Liz mit lauter Stimme.

Die andern folgten ihr aus dem Caf├ę. Sie gingen direkt in den Park, in der sie immer waren, wenn das Wetter sch├Ân war, und sie nicht wussten, was sie tun sollten.

„Hey, alles okay?“, fragte Ben, als die Freundinnen vorne liefen, und Ben hinten bei Liz blieb.

„Ja, mit mir ist wirklich alles in Ordnung!“, erwiderte Liz.

Ben sagte nichts mehr, als Liz seinen Blicken ausweichte. Aber in Wirklichkeit hatte er noch Fragen an sie, zum Beispiel, was da mit J. war oder wie sie sich kennen lernten. Aber er wollte Liz nicht unn├Âtig aufregen, also hielt er es f├╝r besser, wenn er einfach nur schweigt.

Auf der Wiese im Park angekommen, warfen sie sich hin und lagen faul nebeneinander.



„Sag mal Ben“, fing Liz leise an, damit die anderen sie nicht h├Ârte. „Wieso ist eigentlich aus unserer Beziehung eine freundschaftliche Beziehung geworden?“

„Ich verstehe es ehrlich gesagt auch nicht so genau.“, antwortete Ben verwunderlich.

„Aber ich habe das Gef├╝hl, dass zwischen dir und Liza was ist oder?“, bohrte Liz weiter nach.

„Zwischen mir und Liza?“, fragte er spottend. „Quatsch! Zwischen uns l├Ąuft nichts! Wir verstehen uns halt gut, mehr nicht!“
„Doch, da ist was zwischen euch! Vielleicht merkst du es nur blo├č nicht, aber ich glaube sie hat dich gern!“, meinte Liz.

„Kann schon sein!“, erwiderte Ben. „Aber ich empfinde nichts f├╝r sie. Ich meine, sie sieht wirklich gut aus, aber im Innern meines Herzens liebe ich ein anderes M├Ądchen.“

„Und wer ist dieses M├Ądchen, das du im Innern deines Herzens liebst?“, fragte Liz ein wenig spottend.

Ben gab darauf keinen Antwort, sondern nur einen L├Ącheln.

„Hey ihr S├╝├čen, wor├╝ber diskutiert ihr denn wieder?“, fragte Tine, und setzte sich dazu.

„├ťber nichts!“, antwortete Ben.



Sie alberten noch ein wenig auf der Wiese rum, und erinnerten sich an all die witzigen Geschehnisse, die sie als Kind in diesem Park erlebt hatten.

„Na ja, es wird langsam ziemlich dunkel, und ihr wisst ja, wie meine Eltern sind!“, st├Âhnte Mel, und verk├╝ndete damit, dass sie gehen musste.

Und damit gingen alle nach Hause. Liz aber, ging nicht ganz alleine nach Hause, denn Ben wollte sie noch auf dem Weg begleiten. Liz wehrte sich dagegen, und meinte, dass er ruhig nach Hause gehen k├Ânne, und dass sie ja kein Kind mehr w├Ąre und dass sie auf sich aufpassen k├Ânne. Ben lie├č aber nicht locker, und so schlenderte Ben hinter ihr her, damit sie sich nicht ganz aufregte.

Die ganze Stra├če entlang sagten sie kein Wort, sie redeten nicht mit einander und schauten sich auch nicht an.

Pl├Âtzlich sprang aus der n├Ąchste Biegung eine dunkle Gestalt auf Liz zu, und hielt ihr Handgelenk fest. Liz schrie auf, und die Person hielt ihre Mund zu. Ben ging schon in Angriffposition, um einzugreifen, falls es brenzlig wurde. Aber es war nur J. und hinter ihm seinen Kumpels. Sie lachten alle triumphierend, so als h├Ątten sie alle einen Pokal gewonnen.

„Liz, willst du nicht eine sch├Âne Pille nehmen? Nur eine kleine wundersch├Âne Pille!“, fragte J. mit s├╝├čer Stimme und hielt ihr eine Pille wie damals unter die Nase.

„Nein, danke! Ich kann gut darauf verzichten!“, erwiderte Liz bissig und drehte sich kurz um, um Bens Hand zu nehmen, und zerrte ihn weg.

Aber J.s Kumpels schnitten ihnen den Weg.

„Hey hey hey... nicht so eilig, meine Freunde!“, rief J. ihnen zu.

„H├Âr mal du schei├č Typ, was willst du von ihr? Lass sie jetzt mal sch├Ân in Ruhe, oder ich rufe die Bullen an!“, drohte Ben.

J. warf einen missbilligen Blick auf Ben und schaute widerw├Ąrtig weg, so als w├Ąre Ben eine Art Haufen von Dreck und Mist.

„Was ich von ihr will?“, wiederholte J. Bens Frage. „Ich will sie nur wieder ein wenig abh├Ąngig machen und damit meine Kohle verdienen, alter!“

„Ben, lass uns gehen! Ignorier ihn!“, fl├╝sterte Liz kaum h├Ârbar.

Sie packte Bens Arm und versuchte ihn weiter zu zerren, aber er riss sein Arm aus Liz’ Griff, und blieb stehen. Liz konnte das Feuer in seinen Augen sehen, und sie merkte, dass es gleich zum Schl├Ągerei zwischen ihm und J. kommen wird, und genau das wollte sie verhindern. Aber sie schaffte es nicht, denn bevor sie Ben wieder ergriffen hatte, lie├č J. eine Anmerkung ├╝ber Liz ab, das Ben nicht h├Âren konnte... n├Ąmlich dass sie nichts au├čer eine billige Schlampe sei. Ben schlug ohne zu ├╝berlegen zu, und in weniger als eine Sekunde lieferten die beiden eine unglaubliche Schl├Ągerei, von der man nicht sagen konnte, wer am Ende blutig auf der Stra├če liegen bleiben w├╝rde, und wer mit ein paar Kratzer davon kommen w├╝rde.

Liz stand am Stra├čenrand und schaute entsetz zu, w├Ąhrend J.s Kumpels diese Schl├Ągerei mit Zurufe unterst├╝tzten. Sie schrieen, br├╝llten J.s Namen und versuchte von Au├čen Ben mit Worten abzulenken, damit J. Oberhand gewinnt. Aber nichts der Gleichen geschah. Ben blieb noch recht konzentriert und schlug voller Kraft gegen J.s Nase. Man konnte sehen, wie seine Nase blutete, aber J. wollte noch nicht aufgeben, denn er wollte Ben zeigen, was er drauf hatte, also wischte er sich das Blut kurz und schnell ab, und schlug auf Ben.

Und wieder br├╝llte die Bande wie verr├╝ckt.

Liz konnte in dieser Moment an nichts anderes denken, als daran, was sie tun sollte, wenn Ben verliert, und wenn er am Ende blutig auf der Stra├če liegen w├╝rde, und J. sie weg zerren w├╝rde, alles wieder von vorn beginnen w├╝rde.

„Ben, du wirst gewinnen!“, schrie sie so laut sie konnte.

Es sah so aus, als w├╝rde der Kampf nicht vor Sonnenaufgang aufh├Âren, also ergriff Liz Eigeninitiative und hob eine leere Falsche am Stra├čenrand auf und schlug damit auf J.s Kopf. Das haute ihn um, und er sackte zusammen. Bevor Ben noch einen Wort sagen konnte, schrie Liz, dass sie rennen sollten, bevor J.s Kumpels auf sie losgingen.
Sie rannten ohne Zwischenstops zu Liz nach Hause.

Keuchend kamen sie am Haus an, und Liz riss ohne zu z├Âgern die T├╝r auf und schob Ben hinein. Als sie drinnen waren, schloss Liz wie ein Blitz die T├╝r und alle Fenstern zu, aus Angst, dass J. und die andern hinter ihnen her waren.

Ben setzte sich auf einen Stuhl in der K├╝che, w├Ąhrend Liz ins Badezimmer ging, um saubere Handt├╝cher, Desinfizierspray und ein paar Pflaster zu holen.

„Wo ist eigentlich Sharon?“, fragte Ben, als Liz wieder zur├╝ck in die K├╝che kam.

„Sie sei ausgegangen, hat sie zu mindest auf dem Zettel im K├╝hlschrank geschrieben.“, antwortete Liz knapp.

„Hat sie endlich wieder einen neuen Mann an ihrer Seite?“ erkundigte er sich.

Liz zuckte die Schultern und zog einen Stuhl zu sich. Sie setzte sich vor Ben hin und schaute ihn an.

„Man Junge, du machst auch Sachen!“, seufzte Liz und fing an, seine Wunden mit dem Tuch erst mal etwas zu reinigen.

„Aber er hat angefangen, dich so zu beschimpfen. Und ich bin dein Freund... dann kann ich mich bei so was auch nicht beherrschen.“, verteidigte er sich.

Liz sagte nichts mehr zu der Aktion, denn sie wusste, dass es zwecklos war mit Ben dar├╝ber zu diskutieren, da er immer eine Antwort parat hatte. Aber hatte sie sich da gerade eben verh├Ârt, oder hatte er tats├Ąchlich gesagt, dass er ihr w├Ąre? Oder meinte er damit nur einfach normale Freunde, und Liz hat es mal wieder falsch verstanden. Bestimmt hatte sie es falsch verstanden... aber was wenn er es wirklich so meinte, dass sie ein Paar waren? Liz musste unbedingt nach fragen, aber zu erst muss sie seine Wunden desinfizieren, bevor die sich irgendwann entz├╝nden.



„Ben“, fing sie an, als sie schon fast mit dem Desinfizieren fertig war.

„Ja?“

„Wie meintest du das gerade eben mit ich bin dein Freund bla bla bla?“, fragte sie. Und lief dabei ein wenig rot an.

„Wie ich das meinte?“, wiederholte er und kniff dabei die Augen zusammen, denn tat ein bisschen weh, als sie mit dem Tuch in der N├Ąhe seiner Augen kam.

Liz nickte und tupfte weiter an seinem Stirn rum.

Ben wusste nicht recht, wie er auf diese bestimmte Frage antworten sollte, denn er hatte es vorhin einfach so ausgesprochen, als w├Ąre es die normalste Sache der Welt. Aber jetzt, nachdem sie ihn gefragt hat, fiel es ihm etwas schwerer, es zu erkl├Ąren.

„Hmm...“, brummte er leise und leicht nerv├Âs. „Wie ich es gemeint habe... ich meine... wir sind doch irgendwie Freunde, oder etwas nicht?“

„Ja sind wir.“, antwortete Liz traurig, und bem├╝hte ihre Tr├Ąnen zur├╝ck zu halten. „Aber... ach vergiss es einfach! Ist nicht so wichtig!“
„Nein... komm sag es jetzt einfach!“, forderte er sie auf. „Alles, was du sagen willst, und alles, was mit uns zu tun hat ist mir wichtig!“

Liz schaute wieder weg, damit ihre Blicke sich nicht kreuzten. Denn das Letzte, was sie jetzt wollte, war, dass sie auch noch Blickkontakt aufnahmen.

„Es ist nur so... Ben... ich empfinde noch etwas f├╝r dich... glaube ich.“, sprach sie langsam, leise und piepsig.

„Kannst du es bitte noch ein mal wiederholen?“, fragte er, als h├Ątte er im Lotto gewonnen. „Glaubst du, oder bist du dir da sicher?“

„Ich... ich...“, stotterte sie. „Ich bin mir da sicher, dass ich noch immer was f├╝r dich empfinde...“
Sie wagte es nicht, ihm in die Augen zu schauen, denn sie hatte Angst, dass er sich jetzt ├╝ber sie lustig machen w├╝rde, was nat├╝rlich ziemlich affig war, denn sie wusste genau, dass er sie auch noch liebte.

„Wei├čt du Liz“, fing er an, und hielt dabei ihre H├Ąnde fest, und zwang sie so, ihm in die Augen zu schauen. „Ich liebe dich immer noch genau so wie vorher. Mir ist es egal, was andere von dir halten, ich liebe dich einfach.“
Liz schaute ihn an, und sie merkte, dass er es ernst meinte. Sie wusste nicht recht, was sie jetzt tun sollte, soll sie jetzt vor Freude weinen, oder soll sie jetzt lachen? Sollte sie ihm jetzt um den Hals fallen, oder sollte sie ihn jetzt k├╝ssen?

Unbewusst fiel sie ihm dann um den Hals und kleine Freudetr├Ąnen stie├čen aus ihren Augen. Sie hatte schon lange kein solches Gl├╝cksgef├╝hl gehabt. Sie war einfach nur gl├╝cklich, dass sie Ben bei sich hatte.

Ben schaute ihr wieder in die Augen und wischte ihre Tr├Ąnen aus dem Gesicht, dann k├╝sste er ihren Stirn und sagte, wie sehr er auf solch einen Augenblick gewartet h├Ątte.

Liz war warm ums Herz und sie umarmte ihn noch fester, und fl├╝sterte ganze leise: „Ich liebe dich, Ben...“

Jedoch unterbrach das Klingeln am Haust├╝r diese wundersch├Âne Augenblick zwischen den beiden.

Liz machte sich von der Umarmung los, und ging zur Haust├╝r, aber bevor sie die T├╝r ├Âffnete, schaute sie noch durch das kleine Fenster in der N├Ąhe hinaus, um sich sicher zu sein, dass es nicht J. und seine Kumpels waren. Es war Sharon, ihre Tante.

„Hi! Schon so fr├╝h vom Date zur├╝ck?“, erkundigte sie sich, als sie die T├╝r ├Âffnete, und Sharon ins Haus reinst├╝rmte.

„Ja“, erwiderte sie schnell und lief in die K├╝che, blieb aber dann abrupt stehen, als sie Ben sah. „Oh... Ben! Sch├Ân, dass du auch wieder hier bist! Was ist denn mit die passiert? Hast du dich mit jemandem geschlagen?“

„Hi Sharon! Ja, so kann man das auch sagen.“, l├Ąchelte Ben. „Ich glaube, ich gehe jetzt nach Hause, bevor meine Mom sich Sorgen macht! Sie hat ja immer noch diese Angewohnheit, gleich alles zu alarmieren, wenn ich auch nur f├╝nf Minuten zu sp├Ąt komme!“

Er stand auf und verabschiedete sich von Sharon, und ging zur Haust├╝r.

„Bist du dir sicher, dass du jetzt nach Hause gehst? Ich meine, was wenn J. und die andern da drau├čen in irgendeiner Ecke auf dich warten?“, fragte Liz besorgt.

„Keine Sorge! Ich werde auf mich aufpassen!“, erwiderte Ben mit einem breitem Grinsen und dr├╝ckte ihr einen Kuss auf dem Mund, und machte sich schnell zur Haust├╝r. „Ich werde dich nachher noch anrufen, wenn ich zu Hause bin!“

Kapitel acht



„Ja gut, dann kommt ihr alle heute so gegen sechs Uhr zu mir, und bringt bitte noch ein paar Videos und den ganzen Beautykram mit. Popcorn machen wir dann bei mir, okay?“, rief Liz zum Telefonh├Ârer, der neben ihr auf dem Bett lag, und versuchte sich auch gleichzeitig auf ihren Nagellack zu konzentrieren.

„Ja gut... dann sehen wir uns nachher! Ciao!“, sagte sie noch, und dann beugte sie sich zum H├Ârer und dr├╝ckte auf dem Auflegtaste.



Mittlerweile sind schon drei Wochen vergangen, und sie und Ben sind noch zusammen, aber was ihre Liebe noch im Weg stand, war Liz’ Freundinnen. Denn immerhin wussten sie nicht, was ihre Freundinnen dazu sagen w├╝rden, wenn sie die beiden wieder zusammen, als Paar, sahen. Wie w├╝rden sie wohl darauf reagieren? Das w├╝rde Liz an diesem Abend austesten wollen, w├Ąhrend sie wieder einen ihrer Beautyabende machten.



„Hi M├Ądels!“, rief Liz fr├Âhlich in die Runde, als ihre Freundinnen vor der Haust├╝r standen. „Kommt rein!“
Und wie die kleinen K├╝ken, kicherten sie und alberten schon gleich am Haust├╝r, und zw├Ąngten sich hindurch.

„Ach Liz, du wirst es nicht glauben!“, lachte Mel, w├Ąhrend sie ihre Jacke auf dem Stuhl neben ihr warf. „Unsere Tine hat eben einen total fremden Kerl auf der Stra├če angemacht!“
„Was?“, fragte Liz erstaunt. „Tine? Wow... willst du uns was verheimlichen?“

„Hey, ich habe ihn nicht angemacht!“, verteidigte sie sich und musste auch in Lachen ausbrechen, denn die andern schauten sie wieder mit dem durchdringenden Blick an. „Er war nur der Kumpel von meinem Bruder!“

„Ein Kumpel des Bruders? Na, da hast du aber dann echt gute Chancen!“, rief Andie zu Tine r├╝ber.



„So... ich habe einen Plan aufgestellt!“, sagte Liza, als sie sich alle im Wohnzimmer versammelten. „Ich w├╝rde sagen, wir fangen mit der Maske an, und w├Ąhrend wir es einwirken lassen, nehmen wir einen Fu├čbad... und dabei schauen wir uns irgendeine Soapserie im Fernsehen an. Und nachdem wir mit der Maske und dem Fu├čbad fertig sind, kommt die Manik├╝re dran... und dabei k├Ânnten wir, denke ich mal alles machen, was wir wollen, und danach kommen die Videos dran! Was halltet ihr davon?“

„Liza“, sagte Tine entschlossen, „du bist wirklich eine kleine Planmaus! Wir machen es genau so, wie du es vorgeschlagen hast, oder was denkt ihr?“
Alle nickten entschlossen.



„Ach M├Ądels... unsere Beautyabende sind doch die besten! Wir sollten uns bei The Real World bewerben... aber vielleicht w├Ąren wir auch zu langweilig f├╝r denen.“, plapperte Liz, w├Ąhrend sie die Manik├╝re unterbrach, und in die K├╝che ging, um den Popcorn in die Mikrowelle zu tun.

„Ich denke auch, dass wir zu langweilig w├Ąren“, stimmte ihr Andie zu. „Ich meine... wir streiten uns nie, wir rei├čen uns nicht die Haare raus, wir kratzen uns nicht gegenseitig blutig... oder sehe ich es falsch?“
Und wieder brachen sie alle in Lachen aus.



„Ach ja, Liz... sag mal“, meinte Mel, als Liz mit dem Sch├╝ssel Popcorn wieder ins Wohnzimmer zur├╝ck kam. „L├Ąuft da zwischen die und Ben wieder was?“
„Bitte?“, fragte Liz, und versuchte dabei so erstaunt wie m├Âglich zu wirken. „Ich und Ben? Nein, nicht dass ich w├╝sste... wieso?“

„Na ja, es w├Ąre toll, wenn ihr beide wieder zusammen seid... ich meine... da steht doch nichts mehr zwischen, oder?“, sagte Tine, w├Ąhrend sie sich ihre frisch lackierten Fingern├Ągeln anschaute.

„Das stimmt! Da muss ich dir ausnahmsweise mal Recht geben, Tine!“, gab auch Andie zu. „Hey, komm... ihr seid das perfekte Paar! Ihr seid wie f├╝r einander erschaffen! Gott hat es bestimmt gut gemeint, als er euch auf die Welt gesetzt hat!“
„Ich glaube nicht an Gott!“, erwiderte Liz.

„Ja... ist gut!“, sagte Liza. „Aber trotzdem! Ist doch egal, ob du an Gott glaubst, oder nicht! Du und Ben... ihr seid das perfekte Paar! Also... sieh zu, dass ihr wieder zusammen kommt!“



Liz antwortete nichts, und l├Ąchelte nur.

Sie ging zur Videorekorder und steckte eine Videokassette rein, dr├╝ckte anschlie├čend auf Play.

„Also, ich kann es mir nicht erkl├Ąren, aber ich habe wirklich das Gef├╝hl, dass da was l├Ąuft... zwischen dir und Ben!“, lies Tine nicht locker, als Liz sich wieder hinsetzte und etwas Popcorn in die Hand nahm.

„Wisst ihr... ich habe es euch noch nicht erz├Ąhlt“, fing Liz dann doch an. Aber bevor sie weiter sprechen konnte, kam Sharon in das Wohnzimmer reingest├╝rmt und blieb sofort am T├╝r stehen.

„Ach... entschuldige bitte... ich habe es ja ganz vergessen... heute ist ja euer Beautyabend. Keine Sorge, ich bin schon so gut wie weg!“, l├Ąchelte Sharon und ging wieder.

„Ciao Sharon!“, riefen die M├Ądchen noch, bevor Sharon ganz weg war.

„Also Liz, was wolltest du uns da eben erz├Ąhlen?“, fasste Mel das Thema wieder auf.

„Na ja... also...“, fing Liz wieder an, und schaute in die Runde, mit den neugierigen Blicken, die nur noch sie anstarrten.

„Also?“, ging Andie mit der Stimme hoch.

„Also...“, fing Liz wieder an. „Ben und ich, wir sind schon l├Ąngst wieder zusammen gekommen... ich wollte es euch ja eigentlich erz├Ąhlen, nur ich wusste nicht, wie ihr darauf reagieren w├╝rdet... und deswegen wollte ich es euch heute erz├Ąhlen...“

„Also warte mal... du willst uns erz├Ąhlen, dass ihr schon l├Ąngst wieder zusammen seid, wir aber nichts davon wussten?“, erkundigte sich Andie noch mal, und schaute dann die andern an, um sicher zu sein, dass auch wirklich niemand was davon wusste.

Liz nickte.

„Ja, wir sind an dem Abend zusammen gekommen, wo wir alle am Nachmittag J. in diesem Caf├ę begegnet sind... und er hat mich dann ja nach Hause gebracht, und unterwegs sind wir J. und seine Freunde noch mal begegnet, und die haben sich geschlagen und so... dann waren wir bei mir, und sind dann irgendwie zusammen gekommen.“, erkl├Ąrte Liz und schaute schuldbewusst.

„Wirklich gut, wie ihr uns hingehalten habt!“, lachte Mel. „Ich glaube ich spreche jetzt f├╝r uns alle... wir haben es wirklich nicht bemerkt, und Liz... wir sind sehr sauer auf dich, weil du uns als Freundinnen nicht vertraut hast...“

Dann warf Mel einen Blick zu Tine, und gab ihr ein Zeichen, dass sie den Satz beenden sollte, denn sie sind alle schon so gut mit einander befreundet, sodass sie sich auch ohne Worte verstehen konnten.

„Aber...“, schnappte Tine Mels Satz wieder auf. „Wir freuen uns dennoch f├╝r dich, und verzeihen dir...“

„Versprich uns aber bitte, dass du uns das n├Ąchste Mal nicht so hinh├Ąltst, okay?“, f├╝gte Andie noch hinzu.

„Ja... ich verspreche es euch! Und danke!“, l├Ąchelte Liz und warf sich zufrieden auf das Sofa.



Ihr Leben war anscheinend wieder vollkommen in Ordnung, und sie hatte nichts mehr einzuwenden. Alles war wieder perfekt! Ihr Leben, ihre Freundinnen und ihre alten Problemen! Sie war wieder die alte Liz. Sie war nicht mehr Drogenabh├Ąngig, und sie wusste jetzt besser mit ihren Problemen umzugehen. Und sie wohnte bei der beste Tante der Welt, n├Ąmlich Sharon, die zwar manchmal einen ziemlichen Knall hatte, aber dennoch war sie mindestens genau so trendy wie die anderen Jugendliche in ihrem Alter.

Sie konnte sich wirklich nicht mehr beklagen.

Ihre Welt war wieder genau so rosig wie vorher, bevor Jen und ihre Mutter gestorben war. Richtig... Jen und ihre Mutter waren nicht mehr da. Und wieder schaute Liz etwas trauriger. Aber sicher geht es ihnen auch gut, egal wo sie waren.

Vielleicht glaube ich ja doch an Gott, dachte Liz.

Kapitel neun



„Hey komm, du musst J. anzeigen, sonst hast du nie Ruhe vor ihm“, rieten ihr die Ben und ihre Freundinnen, w├Ąhrend sie wieder in ihrem Stamm Lokal waren, und J. gar nicht so weit weg sa├č.

„Aber...“

„Kein aber!“, unterbrach Andie sie. „Du kannst auch nicht verhaftet werden, weil du schon l├Ąngst wieder clean bist! Du hast nichts zu bef├╝rchten!“



Sie schaute wieder r├╝ber zu J., und ihr lief eine kalte Schauer ├╝ber den R├╝cken, und sie musste wieder an fr├╝her zur├╝ck denken. Es war einfach unvorstellbar, wie sie in diese Stra├če reingeraten war.



„So meine S├╝├če... ich muss jetzt wieder gehen. Bandprobe!“, verk├╝ndete Ben, und stand auf.

Liz’ Freundinnen sa├čen da, und fingen an Liz anzugrinsen, und machten schon einen Kussmund.

Ben gab Liz dann einen langen Kuss, bevor er entg├╝ltig ging.

„Hmm... sch├Ân was?“, neckte Andie ihn, als er seine Jacke nahm. „Ich wusste doch schon immer, dass Liz ihre Lippen sehr gut pflegt! Du musst mir unbedingt dein Geheimnis verraten!“



Ben lachte und verabschiedete sich auch von den anderen.



„Gott... er ist so s├╝├č!“, jauchzte Liz wie ein kleines Kind, wenn es ein Eis bekam.

Die Freundinnen fingen wieder an, loszukichern.



„Also, was ist jetzt mit J.?“, bohrte Tine nach.

„Ich denke noch nach.“, antwortete Liz kurz und knapp. „Ach, was ist denn jetzt eigentlich mit dem Freund deines Bruders, Tine? Ich habe euch neulich gesehen, als ich mit Sharon wieder shoppen war. Und das sah nach mehr als nur Freundschaft aus!“
„Du hast uns gesehen?“, fragte Tine und ging dabei mit ihrer Stimme so hoch, dass sie es selber merkt, und sofort verstummte.

Liz nickte. Und dadurch weckte sie auch die Neugier der anderen. Nun waren alle Blicke auf Tine gerichtet.

„Ja gut, wir sind zusammen! Seit zwei Tagen! Ich wollte ihn euch eigentlich erst morgen vorstellen.“, gab Tine zu und schaute auf dem Tisch.

„Endlich!“, atmete Liza auf. „Endlich hat unsere Tine bewiesen, dass sie doch ein Herz f├╝r Jungs hat. Wurde aber auch langsam Zeit, meine Liebe!“





Tage vergingen mittlerweile, und sie standen alle vor der Polizeirevier.

Liz stand still und steif da, denn sie hatte Angst, dass sie was falsches sagen konnte, und auch davor, dass sie auch verhaftet werden k├Ânnen, denn sie hatte auch mal Drogen genommen.

Aber jetzt bleibe mal ruhig, Liz, dir kann nichts passieren, schlie├člich bist du nicht mehr drogenabh├Ąngig, sprach Liz zu sich.

Sie atmete tief durch, und warf noch ein L├Ącheln zu den anderen, die drau├čen vor der T├╝r auf sie warten sollten.



„Du schaffst es schon!“, riefen die anderen, und Ben gab ihr noch einen Kuss.



Sie ging aufgeregt hinein und als sie drinnen stand, war sie noch nerv├Âser als zuvor, und wollte auf der Stelle umdrehen und wieder raus gehen, aber zu sp├Ąt... denn ein Polizist sprach sie an.


„Miss, kann ich Ihnen helfen?“

„├ähm... ja...“, stotterte sie nerv├Âs vor sich hin. „Ja... Sie... Sie k├Ânnen mir helfen... ├Ąhm... ich... ich...“

„Setzen Sie sich doch“, bot ihr der nette Polizist an, als er ihre Aufregung bemerkte. „M├Âchten Sie einen Glas Wasser?“

„Nein, danke“, antwortete Liz und f├╝hlte sich schon viel besser, als sie sich hingesetzt hatte, und der Polizist sie anl├Ąchelte. „Also, ich bin hier, weil ich einen Kerl anzeigen m├Âchte, der mit Drogen dealt. Ich wei├č es, weil er mir fr├╝her Drogen angeboten hatte, und ich wegen ihm Drogens├╝chtig wurde.“



Als sie dann endlich aus dem Revier heraus kam, sprangen Ben und ihre Freundinnen sofort auf, und rannten zu ihr, um zu fragen, wie es gelaufen sei. Liz erz├Ąhlte alles in groben Z├╝gen.

„Jedenfalls wird J. erst mal eine Drogenkontrolle von der Polizei unterzogen, und wenn es positiv ausf├Ąllt, wird seine Wohnung untersucht und seine Kumpels werden dann auch noch untersucht... also kurz gesagt, alle Menschen, die mit ihm befreundet sind, oder in Verbindung sind, werden untersucht!“, schloss Liz ihre Erz├Ąhlung ab.

„Gut!“, stimmten die anderen gemeinsam zu.

Kapitel zehn



Zwei Woche, nachdem Liz bei der Polizei war, erschien in der Morgenzeitung ein kleiner Bericht von der Polizei und die Verhaftung J.’s.

Darin stand, dass J. bei frischer Tat erwischt wurde, wie er versuchte, ein kleines M├Ądchen im Alter von vierzehn Jahre alt, die Drogen aufzudr├Ąngen. Und er wurde auf der Stelle festgenommen und seine Freunde wurden auch gleich untersucht. Sie h├Ątten eine Strafe von sechs Monate im Gef├Ąngnis und danach m├╝ssten sie Sozialdienst leisten, und gleichzeitig eine Drogentherapie machen.

Liz triumphierte und grinste bis ├╝ber beiden Ohren.



„Hey Liz, was grinst du wieder so? Du solltest dich jetzt lieber mit dem Fr├╝hst├╝cken beeilen, bevor du zu sp├Ąt im Caf├ę erscheinst... das hei├čt nat├╝rlich, wenn du deine Freunde nicht warten lassen willst...“, sagte Sharon, w├Ąhrend sie ihr Brot mit Nutella beschmierte.

„Ich bin einfach nur gut gelaunt...“, erkl├Ąrte Liz. „J. wurde festgenommen und seine Freunde auch... die sind jetzt hinter Gitter und nach sechs Monaten kommen die dann wieder raus und m├╝ssen Sozialdienst leisten und eine Drogentherapie machen. Toll, oder?“

„Ja... ich bin froh, dass du ihn angezeigt hast, Liz.“, antwortete Sharon und legte das Schmiermesser, welches jetzt mit Nutella bekleckert war, hin.
Sie l├Ąchelte Liz an, und ihr traten die Tr├Ąnen in den Augen. Sie war so stolz auf Liz... sie war stolz auf sie, weil sie es geschafft hatte, wieder ein so normales Leben zu f├╝hren, als w├Ąre nie etwas vorgefallen, sie war stolz auf sie, weil sie den gro├čen Schritt gemacht hatte, und J. angezeigt hatte. Sie war mehr als nur stolz auf sie, und sie war sich auch sicher, dass Liz wusste, dass sie stolz auf sich selber sein konnte.



„Sharon, ich gehe schon jetzt los... ich m├Âchte noch Moms und Jens Grab besuchen.“, sagte Liz, als sie vom Stuhl aufstand.

„Okay.“, l├Ąchelte Sharon.

„Ach... kannst du mir etwas Geld leihen? Ich bin gerade ziemlich knapp bei Kasse, und gleich muss ich ja auch wieder ins Caf├ę...“

„Klar... wie viel brauchst du denn?“, fragte Sharon.

„So ungef├Ąhr zehn Dollar.“

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