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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Traumphasen
Eingestellt am 18. 03. 2003 21:14


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Wastebo
Hobbydichter
Registriert: Mar 2003

Werke: 3
Kommentare: 2
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„Das Leben ist ein Sommer“, sagte der alte Mann. Der Satz hing eine Weile zwischen unseren StĂŒhlen in der Luft. Irgendwann verblasste er. Mir war kalt. Der Alte sah mich erwartungsvoll an. Ich hatte ihm nichts zu sagen. Mit einem Ruck erhob er sich, sein Stuhl kippte um. Er begann, im Zimmer herumzulaufen. „Ein Sommer auf dem Land. Wenn meine Frau wieder gesund ist, kaufen wir uns ein Haus auf dem Land.“

Er versteifte sich etwas, als er die Unsicherheit in seiner Stimme bemerkte. Dumpf klangen seine Schritte auf dem Teppich. Manchmal hielt er inne und wandte sich in meine Richtung. Dann sagte er Dinge wie GlĂŒck und Zufriedenheit. Ich zĂ€hlte seine Schritte. Er begann lauter zu atmen und machte nur noch kleine Pausen zwischen den SĂ€tzen. Als er nach einer Weile wieder an den Tisch zurĂŒck kam, hatte er ein dickes Fotoalbum unter dem Arm. Es war gefĂŒllt mit unzĂ€hligen sorgfĂ€ltig ausgeschnittenen Bildern, die kleine Bauernhöfe und HolzhĂŒtten zeigten. Er lĂ€chelte.

Es hatte angefangen zu schneien. Ich stand auf und trat ans Fenster. Bald wĂŒrde das Laub im Garten vollkommen mit Schnee bedeckt sein. Ich dachte an das GerĂ€usch meiner Schritte im Schnee und an die Fußspuren, die ich hinterlassen wĂŒrde. In meinem RĂŒcken hörte ich das Rascheln von Papier. Ich wandte mich um und fragte, ob ich mit seiner Frau sprechen könne. Er sagte ja.

Vorsichtig schloss ich die TĂŒr hinter mir, als ich in das Zimmer trat. Durch das Fenster fiel ein weiches Licht in den Raum. Die alte Frau drehte mir das Gesicht zu. Als sie sich bewegte, entstanden kleine Wirbel aus Staub und Licht ĂŒber der Matratze. Sie versuchte zu lĂ€cheln. Ich trat etwas nĂ€her ans Bett. Sie streckte mir ihre Hand entgegen. Ich musste an trockene Zweige denken. Ich fragte, wie sie sich fĂŒhle und legte meine Hand auf die Bettdecke. Ich sagte: „Das Leben ist ein Sommer.“ Sie sagte: „Alte Menschen sind wie Steine.“

Ich blickte weg und schwieg. Der Kirschbaum vor dem Fenster fing Schneeflocken. „Es wird nicht besser. UnverĂ€ndert, meint der Arzt.“ Sie stieß ein ersticktes Lachen aus. „UnverĂ€ndert. Das hört sich so an, als stĂŒnde die Welt da draußen still. Ich weiß, dass es nicht so ist.“ Der Blick zur TĂŒr, kleines Weltende vielleicht. „Mein Mann. Er sieht mich an und sagt bitte werde wieder gesund.“ Ich strich mit den Fingern ĂŒber die Decke und berĂŒhrte ihre HĂ€nde. „Warm“, sagte ich. „Mein Mann sagt, ich stinke. Er schlĂ€ft im Wohnzimmer.“

Die Bettdecke hob und senkte sich jetzt in kĂŒrzeren AbstĂ€nden unter ihren AtemzĂŒgen. „Manchmal frage ich mich, was ich falsch gemacht habe. Manchmal auch glaube ich, die Antwort zu wissen. Aber das ist nur das Fieber.“ Ich zĂ€hlte ihre AtemzĂŒge. „Ich habe Angst“, sagte sie plötzlich „Irgendwann beginnt man zu vergessen, dass man krank ist. So stelle ich mir den Tod vor.“ Vor ihren Lippen verwandelten sich die Worte in Licht und Staub und sanken langsam zu Boden. Winzige FlĂŒsse zogen sich wie Falten durch ihre Haut. Ich brachte ihr einen Spiegel und sagte, sie dĂŒrfe die Krankheit nicht vergessen. Ich verabschiedete mich. Sie sagte auf Wiedersehen und danke.

Anna rief an. Sie sagte liebst du mich und ich sagte Liebe ist nur ein Wort. Sie sagte ich vermisse dich, vermisst du mich? Ich sagte vielleicht und dachte an Blicke, die wie Mondlicht waren. Sie sagte weißt du noch, der Herbst. Als die BĂ€ume ihre BlĂ€tter und wir unsere Herzen verloren. Sie fragte, weshalb ich so still sei und ich sagte ich schreibe deine Worte mit. Sie lachte und sagte das sind nur Worte.

Im Flur sah ich, dass die TĂŒr zu IvaÂŽs Zimmer offenstand. Drinnen war es dunkel. Vor dem Fenster war der Mond. Auf dem Teppich saß Iva wie ein Schatten. Als ich durch das Zimmer ging, stieß ich einen Stuhl um. Iva sah mich an und schwieg. Ich setzte mich neben sie auf den Teppich und konnte mich nicht an den Klang ihrer Stimme erinnern. Sie deutete auf das Fenster. Die Schneeflocken wirbelten vorbei am Mond und klirrten leise, wenn sie die Scheibe berĂŒhrten. Im Hof raschelte der Kirschbaum wie Papier. Ich dachte an Geschichten und zĂ€hlte die Flocken.

Irgendwann stand Iva auf. Sie ging langsam zur Wand. Ich hörte einen dumpfen Schlag und stellte mir vor, wie sie mit dem Fuß dagegen trat. Sie sagte: „Verdammt.“ Ich blickte zum Fenster und sah die Eisblumen auf dem Glas. Nach einer Weile ging ich zurĂŒck in mein Zimmer. Erst beim Hinausgehen fiel mir auf, wie leer ihr Zimmer war. Keine Möbel, nur der Stuhl.

Einige Tage spÀter ging es der alten Frau etwas besser. Ihr Mann zeigte mir wieder seine Bilder und erzÀhlte von Dingen wie Freiheit. Er redete viel und schnell und lief im Zimmer umher, um die Worte einzufangen, die wie Schmetterlinge aus seinem Mund kamen. Er ging ans Bett seiner Frau und sagte das Leben ist ein Sommer. Die Frau schwieg und strich den Staub von der Bettdecke.

Am nĂ€chsten Morgen wurde ich durch LĂ€rm aus dem Nebenzimmer geweckt. Als mir Iva die TĂŒr öffnete, sah ich, dass ihr Stuhl zerbrochen an der Wand lag. Geschmolzener Schnee lief wie TrĂ€nen ĂŒber ihre Wangen. Sie sagte: „Ich sehe furchtbar aus.“ Ich sagte ja. Sie wandte sich um und starrte auf den Stuhl. „Entschuldige“, sagte sie. Sie erzĂ€hlte von Liebe und ich dachte an schwarze Rosen. Dann sagte sie, dass sie nicht mehr an Liebe glaube und hob den Stuhl auf. Sie kam wieder zu mir und hielt mir den Stuhl hin. Ich sagte ich bin kein Held und sie sagte das macht nichts.

Wir setzten uns auf den Teppich. Sie sagte: „Manchmal wĂŒrde ich gerne schreien.“ Ich fragte, warum sie es nicht tue und sie antwortete: „Weil ich noch nicht wach bin.“. Immer wieder trieben einzelne Schneeflocken durch das geöffnete Fenster ins Zimmer. Sie fielen auf den Teppich und schmolzen. Iva strich sich das Haar aus der Stirn und ich musste an Wind denken. Sie sagte hast du eine Heimat und ich sagte ich glaube nicht. Ich merkte, dass unsere Worte aus Glas waren und an den leeren WĂ€nden zerbrachen.

Sie sagte das Leben ist ein Hotel und ich bewunderte ihre klare Stimme. „FrĂŒher war alles einfach“, sagte sie „FrĂŒher, ich mag dieses Wort nicht, das hört sich so an, als gĂ€be es nicht nur dieses eine Leben.“ Sie wandte sich zum Fenster und sagte: „Man muss einfach loslassen.“ Der Schnee verfing sich in ihren Haaren. Ich versuchte, mir den FrĂŒhling vorzustellen. „Aber was ist, wenn mich niemand fĂ€ngt?“

In dieser Nacht konnte ich nicht schlafen.

Dann kam der FrĂŒhling.

Die alte Frau bekam wieder hohes Fieber. Ich saß im Wohnzimmer und verfolgte den Zeiger der Wanduhr, wĂ€hrend der alte Mann hinter mir ununterbrochen redete. Die Worte jagten sich durch das Zimmer und flogen aus dem geöffneten Fenster in den Garten. Er reihte Worte wie Vertrauen und Hoffnung aneinander. Ich fragte, ob er mir sein Album zeigen wolle. Er sagte nein, heute nicht. Ich fragte, ob ich seine Frau sehen könne. „Meine Frau ist nicht krank“, sagte er und funkelte mich böse an. Er sagte, es gehe ihr gut, bald sei sie gesund, sie freue sich auf das Landhaus. Das Leben ist ein Sommer, sagte er.

Die alte Frau blickte aus dem Fenster. Draußen blĂŒhte der Kirschbaum in rosa und weiss. Als ich eintrat, wandte sie mir das Gesicht zu. Ich dachte an Pergament. Sie war dĂŒnn wie Schmetterlinge ohne FlĂŒgel.

Der Spiegel stand mit der Vorderseite zur Wand. Sie sagte: „Wenn ich in den Spiegel sehe, ist da nur mein Schatten.“ Ich setzte mich auf die Bettdecke und malte mit dem Finger kleine Blumen in den Staub. Die Frau hustete und die Blumen lösten sich auf. Sie sagte: „Manchmal trĂ€ume ich, wieder gesund zu sein. Das ist schön. Dann wĂŒnsche ich mir, nicht mehr aufzuwachen.“ Ich ging zum Fenster und öffnete es. Der Wind trieb BlĂŒtenstaub ins Zimmer und ich dachte an Schnee. Ich nahm den Spiegel und drehte ihn um. „Bitte vergessen sie nichts.“

Ein paar Wochen spÀter war der alte Mann fort. Seine Frau erzÀhlte mir, dass er endlich ein Landhaus gefunden hÀtte. Neben ihrem Bett lag das Album.

Im Sommer begann Iva wieder zu lachen. Ich legte mein Ohr an die Wand und dachte an Anna und den Wind.

Im Juli brachte sie ihr Kind zur Welt. Ich lĂ€chelte, als ich es zum ersten Mal sah. Es war weiß wie der Schnee.

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annabelle g.
Guest
Registriert: Not Yet

lieber wastebo,

ich finde das ganz schön erzÀhlt ... ein text mit einem ruhigen duktus.

nur ein paar kleine anmerkungen:

- drei absÀtze hintereinander fangen mit "Ich" an: "Ich stand ...", "Ich trat ..." und "Ich blickte weg"
- "Liebe ist nur ein Wort" ist zu hollywoodmĂ€ĂŸig, da wĂŒrde ich ein eigenes bild setzen
- "weiß" wird nach alter und neuer rechtschreibung mit "ß" geschrieben ...

schöne grĂŒĂŸe, annabelle

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annabelle g.
Guest
Registriert: Not Yet

es sei denn ...

... du kommst aus der schweiz, fÀllt mir ein.
außerdem habe ich mich verklickt und dachte, der text steht in der schreibwerkstatt.
e-gal.

annabelle

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Michael Schmidt
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Werke: 39
Kommentare: 1954
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Hallo wastebo,

der Anfang wirkt wie eine AufzĂ€hlung, bei mir kommt kein Lesefluß auf, irgendwie verbinden sich die SĂ€tze nicht, teilweise weil der Aufbau der SĂ€tze gleich ist,adurch ergibt sich ein monotoner Rhythmus.

Aber vielleicht geht es ja nur mir so.

Bis bald,
Michael
__________________
Der ErnstFall Michael Schmidt

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Evchen13
???
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Hallo Wastebo,

ich gebe Michael recht. Deine Geschichte, die Idee ist gut, doch vieles ist nicht stimmig. Einerseits irretiert die Geschichte in der Geschichte und ich weiß nach wie vor nicht so recht, was du damit aussagen willst. Dann beschreibst du viele Dinge zu ĂŒberspitzt. Male mal auf einem Bett, wo jemand darin liegt, in den Staub Buchstaben, grĂŒbele.

Hier hast du noch eine Menge Arbeit, doch es könnte eine schöne Geschichte werden.

GrĂŒĂŸe


Ev
__________________
TrÀume nicht dein Leben, sondern lebe deine TrÀume!

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Wastebo
Hobbydichter
Registriert: Mar 2003

Werke: 3
Kommentare: 2
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Hi

Danke fĂŒr die schnellen Antworten erstmal.

@annabelle
Die vielen Ichs stören mich auch, die AbsÀtze hab ich korrigiert. Oft sind die "Ich"s aber unvermeidlich

@michael
Ja, der Rhythmus ist vielleicht monoton. Die SĂ€tze sind kurz wie bei einer AufzĂ€hlung, parataktisch und fast ohne Verzierungen. Eigentlich wollte ich damit die Ă€ußere KĂ€lte des Protagonisten darstellen, klar, dass es sich dann ein bisschen monoton ließt. Ich habe versucht, diese sprachliche Monotonie durch viele Bilder usw auszugleichen.
Dass die SĂ€tze sich oft nicht verbinden stimmt sicherlich auch. Die Überleitungen fallen einfach weg, Adjektive sind kaum welche vorhanden.

@evchen13
Stimmig ist die Geschichte wahrscheinlich nicht. In jedem Abschnitt tauchen unterschiedliche Sprache, Bilder, Farben, Dialoge und Probleme auf. Das war der Versuch, innere Spannung aufzubauen.

Eigentlich war die Geschichte auf mind. 30 Seiten hin angelegt, irgendwann fielen all die Überleitungen und Adjektive weg, jetzt sind es drei Seiten. Vielleicht ist alles zu dicht, vielleicht nimmt die Verwirrung ĂŒberhand. Das mĂŒsst ihr entscheiden

Schöne GrĂŒĂŸe
Wastebo

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flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 277
Kommentare: 8126
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ja,

ich glaube auch, dass du zuviel weggestrichen hast. ich stehe vor deinem text wie die kuh vor dem neuen tor, und bei den meisten anderen texten fĂŒllt meine fantasie alle lĂŒcken aus. rĂŒck ruhig noch n paar seiten rĂŒber, damit uns helle wird, was du meinst. lg
__________________
Old Icke

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