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Leselupe.de > Erzählungen
Über die Legitimation des Flirtens
Eingestellt am 12. 09. 2008 18:45


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kleinebärin
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Registriert: Sep 2008

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Fatima ist eine anständige Frau.
Sie ist Lehrerin, Mutter dreier Söhne, seit siebzehn Jahren verheiratet, ihrem Ehemann treu ergeben und sie hat keine Affären.
Hin und wieder allerdings leistet sie sich einen kleinen Flirt - in angemessenen Grenzen, versteht sich. So etwas ist prickelnd und gut für das Selbstbewusstsein, macht beschwingt-und ist doch so ganz und gar menschlich.
Denn - Hand aufs Herz - genießen wir jene Koketterie zwischen Mann und Frau nicht selber von Zeit zu Zeit? Vielleicht wenn wir zur Arbeit gehen und mit dem netten Kollegen plaudern, wenn wir im Fitnessstudio ein ganz kleines bisschen mit dem durchtrainierten, gut gebauten Trainer schäkern, oder gar in der Kneipe am Abend die Blicke mehr als einmal zu dem gut aussehendem Herrn am Nachbartisch senden.
Meine Freundin Fatima ist eine anständige Frau.
Sie lebt in Zarqa, einer mittelgroßen Stadt in Jordanien, trägt einen langen Rock und ein Kopftuch, und sie ist Muslimin.
Sie geht in kein Fitnessstudio und in keine Kneipe am Abend.
Aber sie geht mit mir zum Markt, um sich neue Unterwäsche zu kaufen.
An einem sonnigen Nachmittag machen wir uns auf den Weg zu jenem Damen-Unterwäschegeschäft, welches sie schon lange kennt und das ihrer Meinung nach ein gutes Sortiment zu bieten hat, wo sie aus Erfahrung gut beraten wird und immer zufrieden war. Im Schaufenster versprechen geblümte Nachthemden, kurze Negliges sowie luftige, bunte Shorties eine reichhaltige Auswahl. Wir betreten den Laden, in dem uns eine wohlige Kühle empfängt. Es ist ruhig hier drinnen, denn wir sind zu dieser Zeit die einzigen Kundinnen. Zu meiner großen Überraschung empfängt uns ein attraktiver, junger, modisch gekleideter Verkäufer. Freundlich erkundigt er sich nach unseren Wünschen. Dass er ein echter Profi ist – das lerne ich recht schnell an diesem Nachmittag. Denn nicht nur mit den aktuellen Trends in der Dessous-Branche kennt er sich aus, sondern auch mit den Maßen seiner Stammkundinnen. Egal ob Körbchengröße des Büstenhalters oder das Maß der Unterhose-nichts entzieht sich seiner Kenntnis. Als wahrer Fachmann präsentiert er meiner Freundin die neusten Modelle. Da bleibt kein Wunsch offen, und der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt: Aus kleinen Schachteln zieht er elegante Spitzen-BH`s hervor, vom neutralen Weiß über Schwarz bis hin zum sündigen Rot. Matt oder schimmernd sind die feinen Stoffe.
Die Fragen Fatimas beantwortet er detailliert, die Vor- und Nachteile eines jeden Modells kennt er bestens, jener Push-up-BH hebt die Brust, der andere verkleinert sie, und dieser hier sitzt am Besten. Denn die Träger sind variabel oder gar gänzlich abnehmbar. Das allerneuste Modell jedoch - giftgrüner Satin mit raffinierten doppelten Spagetti-Trägern - ist seiner Meinung nach absolut unschlagbar und unter Garantie im ehelichen Schlafzimmer ein voller Erfolg!
Und ganz nebenbei holt er den zum jeweiligen BH passenden Slip hervor. Dabei lässt er den Hüftslip auf beide Hände gleiten und spannt ihn dekorativ, den Tanga fasst er an den seitlichen dünnen Bändern und lässt ihn vor unseren Augen hin und her schwingen, den String legt er dezent auf die Glasvitrine.
Während ich mit roten Wangen schamhaft auf einem Hocker neben der gläsernen Verkaufstheke sitze, macht Fatima einen konzentrierten, aber noch unentschlossenen Eindruck. Sie kann sich nicht entscheiden - schwarze Spitze oder roter Latex - und beginnt mit dem Verkäufer sachlich über Vor- und Nachteile der beiden Modelle zu diskutieren. Nur ein kaum wahrnehmbares Schwingen in ihrer Stimme und ein gewisses Glänzen in den Augen des Verkäufers scheinen dieser Ernsthaftigkeit zu spotten. Und die Hitze, welche sich in dem kleinen Laden auszubreiten beginnt und gegenüber welcher sich der unermüdlich kreisende Deckenventilator als machtlos erweist…
Bevor Fatima zu einer Entscheidung gelangt ist, betreten neue Kunden das Geschäft. Mit einer einzigen schnellen, fließenden Bewegung nimmt unser Verkäufer die Dessous von der Ladentheke auf und lässt sie darunter verschwinden. Er murmelt kurz eine Entschuldigung in unsere Richtung und dass es nicht lange dauern werde. Dann wendet er sich dann den neuen Kunden zu, einem älteren Ehepaar mit ihren drei heranwachsenden Töchtern, welche mit einem neuen Wäscheset ausgestattet werden sollen. Unter dem kritischen Blick des Vaters legt der Verkäufer weiße, kochfeste Büstenhalter und Unterhosen von der Art deutscher Liebestöter auf die Theke. Die Mutter prüft das Material, es verspricht ihrer Meinung nach eine lange Haltbarkeit. Und mit zwei Garnituren je Tochter ist der Kauf rasch abgewickelt und die Familie verlässt den Laden.
Mit einem gewinnenden Lächeln wendet sich der Verkäufer uns zu, und zaubert blitzschnell die sündige Reizwäsche wieder unter der Theke hervor.

Fatima hat die Unterbrechung genutzt um ihre Entscheidung zu treffen. Sie wählt ein Dessous aus schwarzer, eleganter und zarter Spitze.
Auf dem Weg zur Kasse nennt der Verkäufer den Preis, und die Erotik verlässt fluchtartig das Geschäft und macht der Stimmung des Gemüsemarktes Platz: Fatima will viel weniger bezahlen, und unnachgiebig beginnt sie zu handeln und zu feilschen. Zum Schluss einigen sich beide in der Mitte der genannten Preise.
Ich stehe von meinem Hocker auf, da erkundigt sich der Verkäufer bei mir, ob ich auch etwas brauche und lässt dabei seinen Blick bereits fachmännisch über meinen Körper gleiten. Ein anderes Mal vielleicht, weise ich das Angebot des Mannes schnell zurück.
Wir verlassen den Laden – und um die Lippen von Fatima, meiner anständigen Freundin Fatima, spielt ein zufriedenes Lächeln.





__________________
© uma

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anbas
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Hallo Kleinebärin,

habe Deinen Text gerne gelesen und kann mich den Worten von nachts nur anschließen.

Ich bin allerdings gerade in Laune für Textarbeit. Ich hoffe, es ist für Dich in Ordnung, wenn ich ein paar Anmerkungen mache:

quote:
Sie ist Lehrerin, Mutter dreier Söhne, seit siebzehn Jahren verheiratet, ihrem Ehemann treu ergeben,(Komma) und sie hat keine Affären.
Eventuelle zwei Sätze draus machen, z.B. so:
quote:
Sie ist Lehrerin, Mutter dreier Söhne, seit siebzehn Jahren verheiratet, ihrem Ehemann treu ergeben. Noch nie hatte sie in ihrem Leben eine Affäre.

quote:
Sie geht in kein Fitnessstudio und in keine Kneipe am Abend.
Aber sie geht mit mir zum Markt, um sich neue Unterwäsche zu kaufen.
Zweimal "geht" kurz hintereinander. Vielleicht
quote:
Aber sie nimmt mich mit zum Markt ...

quote:
An einem sonnigen Nachmittag machen wir uns auf den Weg zu jenem Damen-Unterwäschegeschäft, welches sie schon lange kennt und das ihrer Meinung nach ein gutes Sortiment zu bieten hat, wo sie aus Erfahrung gut beraten wird und immer zufrieden war.
Der Satz ist für mein Empfinden sehr lang - vielleicht zwei draus machen.

quote:
Dass er ein echter Profi ist – das lerne ich recht schnell an diesem Nachmittag.
Dass ... das ... - klingt nicht schön, würde ich ändern.

quote:
(...)ist seiner Meinung nach absolut unschlagbar und unter Garantie im ehelichen Schlafzimmer ein voller Erfolg!
Und ganz nebenbei holt er den zum jeweiligen BH passenden Slip hervor.
Dieses "und" am Satzanfang kommt für mein Leseempfinden nicht so gut.

quote:
Und die Hitze, welche sich in dem kleinen Laden auszubreiten beginnt und gegenüber welcher sich der (...)
Auch hier würde ich den Satz nicht mit "und" beginnen - zumal im selben Satz noch ein weiteres "und" auftaucht.

quote:
Auf dem Weg zur Kasse nennt der Verkäufer den Preis, und die Erotik verlässt fluchtartig das Geschäft und macht der Stimmung des Gemüsemarktes Platz:
Vorschlag:
quote:
Auf dem Weg zur Kasse nennt der Verkäufer den Preis. Schlagartig (Sofort) verlässt die Erotik fluchtartig das Geschäft und macht der Stimmung des Gemüsemarktes Platz:
Zum Abschluß noch Folgendes: Hin und wieder hast Du bei den Gedankenstrichen kein Freizeichen gelassen. Mir hat es das Lesen dadurch erschwert.

So, dass soll's gewesen sein. Ich hoffe, Du kannst mit meinen Anmerkungen / Vorschlägen etwas anfangen.

Liebe Grüße

Andreas

__________________
Wenn der Weg das Ziel ist, kann man nicht falsch abbiegen. (anbas)

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