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Leselupe.de > Erzählungen
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Eingestellt am 07. 08. 2005 11:58


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Isa
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2004

Werke: 36
Kommentare: 13
Die besten Werke
 
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Gute Ideen hatte er normalerweise immer kurz vor dem Einschlafen. Wenn er in seinem harten Bett lag, die Federn der Matratze sich unangenehm in seinen Rücken bohrten und er dieses Gefühl des unendlichen Fallens hatte, dann stürmten die Gedanken auf ihn ein, und jede bot sich ihm von ihrer besten Seite an.
Häufig war er zu diesem Zeitpunkt schon in seine drei Decken, eine dünne Fliesdecke, dann eine weiche Frottedecke und darüber noch eine dicke Daunendecke, gekuschelt, denn er fror immer erbärmlich. Leider beschränkte sich diese Kälte nicht nur auf den Winter, sondern fröstelte ihn auch im Sommer, wenn er die Daunendecke nicht mehr benutzte. Nach einigen Kombinationen, welche Decke er im Sommer weglassen sollte, hatte er die Frottedecke zusammengefaltet und in seinen Schrank gelegt. Diese wurde jedoch sofort zum Herbstanfang hervorgeholt. Nur in der Hitze konnten seine Gedanken fließen und sein Körper hatte sich an diese Temperatur gewöhnt, so dass er nicht dazu fähig war, anders einzuschlafen. Außerdem liebte er die Bettwärme und war davon überzeugt, dass sich nur in diesem Zustand seine Gedanken selbstständig machten und die Genialität seiner Werke erzeugten. Er hatte es geschafft, diese sich selbst überlassenen und frei entwickelten Gedanken zum richtigen Zeitpunkt einzufangen. Sein Pferd war der Füller und das Lasso die Tinte, seine flinke Hand hatte die Rolle eines geschickten Cowboys übernommen, welcher einen Gedanken nach dem anderen einfing und somit zu Papier brachte.
Darum hatte er es sich angewöhnt, bei Licht einzuschlafen. Dies trieb zwar seine Stromkosten in die Höhe, aber immerhin schaffte er es so, wichtige Eindrücke oder gar großartige Ideen einzufangen, welche sonst verloren gegangen wären.
Ebenfalls lagen ein immer frisch aufgefüllter Füllfederhalter, sowie etliche Schreibblöcke, griffbereit auf seinem Nachttisch. Es bedurfte nur einer kleinen Bewegung, eines schnellen Griffes und schon hatte er seine Werkzeuge in der Hand, um mit seinem unsicheren Unternehmen zu beginnen.
Natürlich war ihm klar, dass diese Methode noch lange nicht die beste und effektivste war. Oft genug schlief er ein, ohne es geschafft zu haben, sich aus dem fruchtbaren Dämmerschlaf zu reißen und im Nachhinein wusste er, dass er etwas Wichtiges versäumt hatte zu notieren, kam jedoch nie darauf, was es gewesen sein könnte.
Ein weiteres Problem war die Schrift. Er hatte ohnehin eine schreckliche Handschrift und war dankbar für seine treue Schreibmaschine, welche ihm schon einigen Ärger, betreffend seiner Handschrift, erspart hatte. Doch die Schreibmaschine zu nutzen, während er sich, bereits im Halbschlaf, Notizen machte, war fehlgeschlagen. So hatte er diese Methode schon nach einigen missglückten Versuchen, bei welchem gar kein Papier in der Maschine war, oder er nur mit Ziffern geschrieben hatte, verworfen.
Doch die gefangenen Gedanken handschriftlich niederzuschreiben, hatte nur minder einen größeren Erfolg. Oftmals konnte er seine eigene Schrift nicht mehr entziffern. Manches Mal hatte auch sein Füller versagt, da er am Tag zuvor vergessen hatte, in wieder mit der wichtigen Tinte aufzufüllen. Manchmal riet er, was er niedergeschrieben haben könnte und wenn er viel Glück hatte, ergab alles einen Sinn. Dies waren jedoch die Ausnahmefälle, denn meistens blieben die Striche und Bögen nur unverständliche Symbole auf weißem Papier. Oft knüllte er es zusammen, denn ihm war so, als würden die schiefen Striche ihn hämisch auslachen und für seine Torheit verspotten, weil er sich einbildete, wilde Gedanken zähmen zu können.
Jedoch hielt ihn dies alles nicht davon ab, immer wieder zu notieren, was im kurz vor dem Schlaf einfiel. Er war erst durch diese Methode erfolgreich geworden und er sah in Zukunft keinen Grund, warum dieser Erfolg so plötzlich vorbei sein sollte.
Man nannte ihn bereits jetzt „Genie der Literatur“ und lobte ihn in höchsten Tönen, natürlich nur seine Anhänger. Er jedoch gab als seine Vorgehensweise beim Schreiben, über die er jedes Mal etwas gefragt wurde, immer an, ihm fiele dies alles vor dem Einschlafen ein, was heitere Ausbrüche bei den Reportern und abfälliges Schnauben der Neider hervorrief, jedoch voll und ganz der Wahrheit entsprach.

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