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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Und immer wieder die Stadt
Eingestellt am 08. 04. 2001 21:16


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Anna
Wird mal Schriftsteller
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ist nicht allzu ernst zu nehmen...

Und immer wieder die Stadt. Ich geh immer wieder hin. Heute auch. Es hĂ€tte beinahe ein UnglĂŒck gegeben, eine Amoklaufende Frau. Mich. Gleich am Bahnhof, als ich auf das Tram wartete, hĂ€tte ich schon platzen können. Ein Mann spielte Harfe, unverschĂ€mt fröhlich. Freut euch, der FrĂŒhling ist da, sang sein Instrument. Es hatte recht, der FrĂŒhling ist wirklich da, es war so ziemlich der erste schöne Tag in diesem nun doch schon ziemlich fortgeschrittenen Monat. Und natĂŒrlich viel los in der Stadt. Was musste es auch ausgerechnet heute schön sein! WĂ€re ich ein Panzer oder sonst ein möglichst grosses GefĂ€hrt, könnte man jetzt einige hundert plattgewalzte Menschen von den Gehsteigen kratzen. Platteauschuhe, knallenge, cellulite-fördernde Hosen, ĂŒber fleischigen Oberschenkel gestrafft, Schichten von Make up und hunderte von grimmig dreinschauenden Gesichtern, schön platt. Jetzt weiss ich nicht so genau ob ich mich freuen soll ĂŒber mein Dasein als Mensch oder ob ich es nicht doch lieber vorziehe, eine Dampfwalze zu werden und mal durch ein paar StĂ€dte zu rollen. Anfangen wĂŒrde ich in meinem Wohnort und mich dann Richtung ZĂŒrich bewegen.
Das Messer hab ich vorsorglich zu Hause gelassen. Amoklaufen ohne Messer ist weniger gefĂ€hrlich. So weit kam es aber nicht. Zum GlĂŒck.
Zu einer Freundin, etwas abholen und dann in einem vollgestopften Tram wieder zum Hauptbahnhof. Immerhin hör ich die Harfe nicht mehr. Dann zwĂ€nge ich mich durch enge GĂ€sschen um mal wieder einen Laden zu suchen, von dem ich noch immer nicht weiss in welchem dieser blöden GĂ€sschen er sich befindet. Ziemlich entnervt finde ich ihn. Und kann kaum rein. Sonst hat es nie viele Leute darin. Hatte es zumindest nie, aber jetzt ist ja FrĂŒhling und das schlĂ€gt den Leuten aufs GemĂŒt, sie mĂŒssen einkaufen gehen, merken, dass sie im Winter fĂŒnf Kilo zugenommen haben und stellen entnervt fest, dass ihnen Grösse sechsunddreissig nicht mehr passt. Ihre Laune sinkt dem Nullpunkt entgegen, hysterisch verlassen sie den Laden, rennen in die nĂ€chste Apotheke oder ins nĂ€chste Kaufhaus, um DiĂ€tprodukte zu kaufen. Nach zwei oder drei Wochen, manchmal auch vier, kehren sie in den Laden zurĂŒck, zwĂ€ngen sich in Grösse sechsunddreissig, Fleisch quillt, sie kaufen’s trotzdem und gehen zufrieden nach Hause.
Danke schön, darauf kann ich verzichten. Ich fahre, nach einigen –vergeblichen– Versuchen, in verschiedene LĂ€den reinzukommen, wieder nach Hause.
Das nĂ€chste Mal lerne ich jeden Tag den neuen Wetterbericht auswendig und fahr nur nach ZĂŒrich, wenn es mit hundertprozentiger Sicherheit regnet, stĂŒrmt, hagelt oder schneit.

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Birgit Kachel
Hobbydichter
Registriert: Feb 2001

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Liebe Anne,

nimm das, was du schreibst, ruhig ernst - es gelingt dir nĂ€mlich gut, in Ich-Form Momente niederzuschreiben, einen Allgemeinzustand daraus abzuleiten bzw. zu schildern und dabei doch bei deinen GefĂŒhlen und (Welt-)Ansichtigen zu bleiben. Weiter so!!

Mit liebem Gruß

Birgit Kachel

(gerade vom Land (polnisches Riesengebirge) in die Stadt zurĂŒckgekehrt und wieder mal festgestellt, daß es zwei völlig verschiedene Welten sind und dementsprechendes auch aus uns herauszulocken bzw. abzutöten in der Lage ist.

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Anna
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Feb 2001

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Hallo Birgit

Danke fĂŒr den Kommentar!

Eigentlich meinte ich es auch ernst...Ich nerv mich jedesmal, wenn ich in die Stadt fahr und dann sind dort soooo viele Leute, ĂŒberall, man kann nirgends hin, ausser vielleicht in den Zoo oder den Botanischen Garten, eher letzteres, weil im Zoo dann auch noch so viel kleine Kinder sind mit ihren nervigen MĂŒttern, "Jöööööh, Pascal, lueg emal das Geissli aa!" (Pascal, schau dir mal die junge Ziege an) und so weiter; da fahr ich dann doch lieber nach Hause und in den Ferien an einem Wochentag, Dienstage sind immer gut, wieder hin, wenn die Leute arbeiten...
(aber allzu ernst muss man es doch nicht nehmen...;-))

Ich mag die Welt des Landes lieber und bin froh, nur einer kleinen Stadt zu wohnen, wo ich in 5 Minuten mit dem Fahrrad im Wald bin...

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Ole
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Dampfwalze

Hallo AnnA,

gefÀllt mir, Deine Dampfwalzenambition!
Die Hektik der Stadt ist wirklich nervig.
Ich gehe da auch lieber mitten in der Woche
einkaufen. Aber es gibt zum GlĂŒck auch "ruhigere"
Ecken, oder ich empfinde sie (als Stadtmensch)
nur so angenehm, weil ich gelernt habe, die
Hektiker unbeachtet an mir vorbeiziehen zu lassen.
Sieh das Gute in Deinen Beobachtungen.
Freue Dich, daß Du nicht dazugehörst, daß Du die
wahren Werte und das Schöne noch kennst!

Deine Ironie in diesem Text hat mir besonders gefallen!

Liebe GrĂŒĂŸe
Ole.
__________________
"...Wir sitzen mit unsern GefĂŒhlen
meistens zwischen zwei StĂŒhlen --
und was bleibt, ist des Herzens Ironie..."

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Anna
Wird mal Schriftsteller
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Re: Dampfwalze

Hi Ole
weisst Du was? ich geh morgen nach ZĂŒrich! ich werde da ein bisschen herumlaufen und keinen Schirm mitnehmen, weil wenn ich nĂ€mlich einen mitnehme, regnets eh nicht. Da ich aber will ,dass es regnet oder lieber noch schneit (weil morgen nĂ€mlich mal wieder Samstag ist), lass ich den Schirm zu Hause.Vorsorglich nehme ich noch das Buch "Wie verwandle ich mich in eine Dampfwalze" mit und eventuell noch eine Schaumgummipolsterung falls es viele Leute hat, die ein kleines dĂŒnnes MĂ€dchen gerne mal weg, bzw auf die Strasse schubsen bzw stossen...
hm, zum Thema ruhigere Ecken: der ZĂŒrichsee ist so eine. Aber nur auf dem Wasser. Wenn nicht gerade Sommer ist und unzĂ€hlige Pedalos rumgondeln. Einmal war ich mit einer Freundin gerade auf dem See mit einem Pedalo, da kam eine nette kleine Regenwand ĂŒber den Üetliberg und innert zehn Sekunden waren wir patschnass. Wir lachten uns fast kaputt, fuhren dann blitzschnell zurĂŒck (ich bin glaub ich noch nie im Leben so schnell Pedalo gefahren...), wo uns der Bootsvermieter lachend empfang. Ja, und dann gingen wir zur Strasse hoch und da bricht meine Freundin nochmals in Lachen aus. "Wir hĂ€tten einen Schirm gehabt", sagt sie, und da ist es mit meiner eher ĂŒblen Laune aus und wir laufen lachend und patschnass durch die Stadt, wo uns natĂŒrlich alle anglotzen. Dann gehen wir in ein Mc Donalds (ich hasse Mc Donalds)und essen erstmal eine Portion Pommes Frites. Danach begehe ich eine riesenfehler und kaufe einen Donut. der war so fettig und klebrig, dass ich ihn an den schmutzigen Spiegel, der dort so rumhing, hĂ€tte kleben können. Leider hab ich ihn dann gegessen...
Ja. das war wohl das tollste, was mir in ZĂŒrich passiert ist...

Grosser Gruss
Anna

PS: in letzter Zeit bin ich eher ziemlich ironisch, scheint mir...

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Ole
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Hey Anna,

tolle Story....!
ich konnte es mir bildlich vorstellen, wie ihr
pitschnass zu MC Dreck rein seid.
gib mir bescheid, wenn es mal wieder in
strömen regnet, in ZĂŒrich, dann komme
ich gern vorbei, und schau euch zu...
schön, daß ich dich einmal so fröhlich
"erleben" durfte.....!
..und sag bitte noch einmal: "Üetliberg" !
--> das klingt ja sĂŒĂŸ!!!

P.S.: ich habe mir mal deinen Schirm fĂŒr
mein Foto im Profil ausgeliehen, Danke!

Viele GrĂŒĂŸe
Ole.
__________________
"...Wir sitzen mit unsern GefĂŒhlen
meistens zwischen zwei StĂŒhlen --
und was bleibt, ist des Herzens Ironie..."

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