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Leselupe.de > Erzählungen
Ursachenforschung
Eingestellt am 11. 01. 2003 11:08


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Melchior
???
Registriert: Oct 2001

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Ursachenforschung

"Weil niemand weiss, warum sachen passieren!" Die frage ist jedoch komplizierter, um so mehr, da sie, bis jetzt, noch nicht einmal formuliert ist. "Hat denn nicht alles, was vor sich geht, eine ursache? Etwas, dass es begruendet, es definiert." Zugegeben, es ist etwas unfair, damit zu beginnen, aber in anbetracht der ueberschrift sollte eine herausforderung dieser, oder aehnlicher, art ... Erwartet? Und schon verschwunden!
"Nichts zu spueren von unzufriedenheit!" sagt er und tastet nach ihrer brust. "Was noch?" fragt sie, irgendwie stimmenlos, wie unsinnig das auch immer klingen mag. Er wendet sich zum nachttisch und zuendet sich eine zigarette an. "Du rauchst zuviel!" Er lehnt sich zurueck, so das sein kopf an der wand lehnt "Das weiss ich!" Das fenster hatte er vorsorglich geoeffnet, trotz der objektiven kaelte dieses abends. Nachdem er die zigarette ausgeduekt hat, zieht er seine shorts aus und legt sich auf sie. Schon der gewohnheit wegen gibt sie sich ein wenig unwillig und zoegerlich, aber nicht allzu lange. Mehr zu den folgen dieser ursache zu schreiben, verbieten die elementaren grundlagen der diskretion. Darum also ohne umschweife zurueck. Aber wohin?
Es soll leute geben, die denken, das leben verlaufe in einer kreisbewegung, was immer das auch heissen soll. Andere wiederum beschwoeren, wenn auch nur implizit, oder aus purer unwissenheit, die eine oder andere richtung. Schliesslich sind da noch die nicht seltenen verbalen gebirgslandschaften. Unwissenheit unterstellt hier nicht Stupidität, sondern ist, etwas moderater, eher in der dimension: unbesonnene alltagseinerlei bilder - zu lesen. Vor, zurueck, auf, ab, oder vielleicht doch, Wiederkehr des ewig gleichen, frei nach dem motto: jeder wie er will.
Er hatte kopfschmerzen und es war erst mittag. Nichts hatte geholfen, bis er schliesslich entschied, sich mit unmengen von bier linderung zu verschaffen. Es war einer jener tage, die gemeinhin als normal bezeichnet werden, als ob es das tatsaechlich gebe. Vielmehr war es warm, voegel sangen, das fenster stand offen und noch unendlich viele, andere, eher belanglose, aber dennoch wunderbare, dinge gingen vor sich. Wenn das irgendwas veraendern wuerde, koennte gesagt werden, dass die neubausiedlung ruhig war, oder auch, dass der supermarkt puenktlich um achtdreissig geoeffnet hatte und bananen im sonderangebot hatte. Vorsicht! Als naechstes folgt ein bild. In jenem moment bewegte sich jene frage, die schon stundenlang, irgendwie, gegenwaertig war, mit ungewohnter konsequenz auf ihn zu. Mit unbekannter Heftigkeit, dass er sich ihrer nicht erwehren konnte. Es sei verziehen.
"Hatte es soweit kommen muessen?" Was fuer eine frage, natuerlich musste es genau bis dahin kommen. Geschichte irrt sich nun mal nicht und geschieht, ob man will oder nicht. "Das muss ich aufgeschnappt haben." Sagte er, obwohl er allein war. Unmittelbar darauf dachte er, was fuer unfassbar spiessige gedanken man sich macht, wenn man nur betrunken genug ist. Dieser satz sei erlaubt, wengleich er nicht verbuergt ist. Er stand auf um die vorhaenge zu zuziehen, da ihn die mittagssonne blendete. Die Vergegenwärtigung dieses bewussten vorgangs, laesst das so albern erscheinen, besonders die drei "z" in zu zuziehen. "Erscheinen", eigentlich sollte er gewusst haben, dass das zu nichts fuehrt, es schien ihn allerdings in hingeberlaune zu versetzen. Und wieder scheint etwas irgendwie zu sein. Aber der schein truegt doch und jeder sollte das wissen, er muss es tun, da es seiner natur entspricht, andererseits waere er doch wohl eine tatsache. "Bloedsinn!" Obwohl auch das unheimlich bewegend ist, nahm er die fernbedienung der stereoanlage, um ein wenig musik zu hoeren. Er hatte bereits zuviel getrunken, immerhin ist das doch irgentwie wichtig. Zu wichtig, um es in diesem moment klar zu machen, wenn das ueberhaupt moeglich oder ratsam ist. Ausserdem taten seine augen weh.
Sie war zu spaet! Schon wieder zu spaet. Er haette es gewusst haben wollen, was allerdings an der tatsache nichts aendert. Warum aber gewusst? Wie soll er es den gewusst haben koennen? Sie hatte sich, seit er sie kannte, das eine oder andere mal nicht zur verabredeten zeit am verabredeten ort eingefunden. Dieser fakt allein reiche allerdings nicht aus, um von zu spaet kommen, oder verspaetung reden zu koennen, hatte sie mehrfach betont. Selbstverstaendlich hatte sie immer gute gruende dafuer, die einiges erklaeren wuedren, wie sie meinte. Er hatte gewartet und hatte wahrscheinlich nicht weiter drueber nachgedacht. Nein er sei nicht veraergert. Sie solle sich setzen und und aufhoeren sich zu entschuldigen. "Ich bin auf dem besten weg, mir all diese sinnlosen aufregungen abzugewöhnen." Er hatte es wohl zu leise gesagt, da sie in keiner weise darauf reagiert. Sie hatten sich vor gut einem jahr kennengelernt. Sie waren ein paar mal ausgegangen und sagten freunden nach etwa vier wochen, dass sie jetzt zusammen seien.
Irgendwie kam er an dieser stelle nicht mehr viel weiter. Ausserdem hatte sich sein, alles in allem, etwas unwirklicher gesamtzustand noch nicht entscheidend veraendert, will sagen verbessert. Es ging ihm schlecht und es war ihm nun fast ueberhaupt nicht mehr moeglich sich zu konzentrieren. Wenn er haette schlafen koennen, waere er wahrscheinlich zu bett gegangen. "Dann wohl noch eine zigarette." Wie selbstverstaendlich es doch in solch einem moment erscheint, dass das feuerzeug nicht funktioniert, versetzte ihn dann doch sichtlich in erstaunen. Ueber die tatsache, die zu diesem moment der klarheit fuerte, kann an dieser stelle nur vorsichtig gemutmaßt werden, schon allein da sich eine innenansicht, als wenig puplikumswirksam und zu schwierig, erweisen wuerde. Ganz zu schweigen von der unansehnlichkeit. Derjenige, der meint dieses risiko verantworten zu koennen, muss selbst ziemlich masochistische tendenzen aufweisen. Das scheint die angemessene annahme. Ein hauch von Zufriedenheit.

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Melchior

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Melchior
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Nicht durchgehalten, aber trotzdem liebgewonnen!
Ich hoffe und wuensche man nimmt es mir nicht uebel.
Danke
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Melchior

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