Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5284
Themen:   87725
Momentan online:
200 Gäste und 5 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > ErzÀhlungen
Urteil morgen!
Eingestellt am 09. 02. 2002 18:51


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Haget
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: Dec 2001

Werke: 280
Kommentare: 1613
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Haget eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Urteil morgen (bitte Kritik!)

Urteil morgen! ErzÀhlung in Berichtsform, ca. 12 Buchseiten

Heute ist nur ein Dienstag. Aber morgen ist DER Mittwoch - Tag des Urteils, auf welches viele schon so lange fiebernd warten. Wie entscheiden wohl die Richter?
Selten wohl waren in einem Gerichtsverfahren die Fakten so klar und unbestritten. Auch die Zeugen hatten die bekannten und völlig gleichen Dar-stellungen beider Parteien nur bestÀtigt. Und trotzdem ist der Ausgang des Verfahrens völlig offen, wenn auch viele sich jeweils ganz sicher sind...

Angefangen hatte es mit der Wette zwischen den alten Freunden und ehemaligen Nachbarskindern Bruno Hauser und Gerhard MĂŒllerschön.

Aber ich muss weiter ausholen, da zum Vorgang wie zur ganzen Vorgeschichte viele Leute an sich wahre Brocken zu völlig unsinnigen Mosaiken zusammenfĂŒgten und endlich einmal die volle wahre Geschichte zusam-mengestellt werden muss. –

Bruno und Gerhard waren schon als gleichaltrige Kinder unzertrennlich und sogar beieinander, wenn sie ganz unterschiedlichen Interessen nachgingen. Bruno baute sich in der kleinen Werkstatt seines verstorbenen Großvaters schon mit acht Jahren selbst einen kleinen Handwagen, mit dem er kleine Erledigungen fĂŒr seine Eltern oder Großmutter ausfĂŒhren wollte.
Auf einer Kiste saß dann Gerhard daneben und schnitzte meistens an Stöcken, die er kunstvoll verzierte und meistens noch mit einem Tier- oder Menschen-Kopf als Knauf versah. Oder er befasste sich mit seinem Zei-chenblock, der schon viele von ihm ganz exakt dargestellte GegenstĂ€nde des kleinen Raumes enthielt. - Gerhard war eben der KĂŒnstler.

Die Rollenverteilung Praktiker - KĂŒnstler blieb auch so in den weiteren Jahren. Vielleicht fĂŒhrte gerade dieses dazu, da eben jeder im eigenen Bereich blieb, dass sich nie Streit oder Neid in die Freundschaft drĂ€ngen konnte. Sie fanden immer Gelegenheit, zusammen zu sein und trotzdem den so unterschiedlichen Neigungen nachzugehen.

Mit etwa zwölf Jahren beschĂ€ftigte sich Bruno anfangs oft nur gegen Trinkgelder an der Tankstelle am Ortsrand, indem er die Scheiben der tankenden Autos reinigte, deren Ölstand nachsah oder auch den Kunden das Betanken abnahm. SpĂ€ter war er neben der Schule tĂ€glich ein bis zwei Stunden dort und erhielt auch vom Tankstellenbetreiber ein kleines Entgelt fĂŒr seine vielen kleinen Handreichungen.

Gerhard war natĂŒrlich auch dort. Er zeichnete die abgestellten Autos, versuchte sich zeichnerisch an den Gesichtern von Stammkunden und ging auch schon mit seinem kleinen Tuschkasten zur Landschaftsmalerei ĂŒber. Er war selbst sein strengster Kritiker: Bei etwa nicht exakt gelungenen bayerischen Berge im Hintergrund, wurde das Bild sofort möglichst korri-giert oder sonst vernichtet. Oft konnte er an Tankstellenkunden - denen ja Bruno das Betanken abnahm - seine kleinen Werke fĂŒr ein paar Groschen verkaufen. Ob dieses nun alles Kunstkenner waren oder nur Gönner, die auch dem stilleren der beiden freundlichen Jungen etwas zukommen lassen wollten, war nicht erkennbar.

... aber rein finanziell war Bruno vielfach erfolgreicher fĂŒr meistens den gleichen Zeitaufwand.

Auch nach der Schulentlassung war Bruno schon lĂ€ngst tĂŒchtiger Autoschlossergeselle, als Gerhard sich nach einer abgebrochenen Anstreicher- pardon Malerlehre noch immer auf dem Wege zum Tischlergesellen befand.
Anfangs waren selbstverstĂ€ndlich noch die Feierabendstunden gemeinsam gewesen, aber nachdem Gerhard mit seiner inzwischen verwitweten Mutter „ins SchwĂ€bische“ gezogen war, wurden die persönlichen Kontakte immer seltener. Man verlor sich aus den Augen und es waren schließlich nur noch gelegentliche Wunschkarten zu den Geburtstagen. –

Zum Tischlergesellen wurde Gerhard nicht.
Dieses war auch wohl ein recht ungeliebtes Ziel, zumindest gelang es ihm nicht, sich darauf richtig zu konzentrieren. Er wurde in der Werkstatt nur dann wirklich wach, wenn es gelegentlich galt - aber leider viel zu selten -, ein altes beschnitztes MöbelstĂŒck zu renovieren oder gar zu ergĂ€nzen. An der Drehbank war er recht geschickt und bei freihĂ€ndigen Schnitzereien durch seine Übungen seit frĂŒher Kindheit ein wahrer KĂŒnstler.

Aber die Feierabendstunden gehörten der Malerei. Er malte weiterhin gnau nach der Natur.
Oder kopierte im stĂ€dtischen Museum dort ausgestellte Bilder, wobei er sich dann auch an solche recht erfolgreich wagte, die nach seiner EinschĂ€tzung „nichts“ darstellten oder die Tatsachen verfĂ€lschten. Er konnte auch hin und wieder eine seiner - auch so bezeichneten! - Kopien an eine Kunsthandlung verkaufen. Da kam ihm seine Art zugute, alles ganz exakt nach Vorbild auf die Leinwand zu bringen.

Mit eigenen Werken aber hatte er einfach keinen Erfolg.

Selbst sein großartiges Ölbild „Drei SchwĂ€ne“ hatte monatelang vergeb-lich in der Kunsthandlung Torsini gehangen. Dabei hatte er hier sogar im Interesse einer besseren Bildbalance sich selbst ĂŒberwunden und ein biss-chen gemogelt. Bei einem Vergleich mit der richtigen Landschaft konnte man unschwer erkennen, dass die beiden großen KastanienbĂ€ume auf dem Bild viel dominierender und grĂ¶ĂŸer waren. Dabei war Gerhard aber keineswegs von seiner Linie abgewichen, genau nach der Natur zu malen. Er war - nur fĂŒr die BĂ€ume! - einfach etwas nĂ€her ans Motiv herangerĂŒckt.
... und hatte dabei eigentlich auch ein recht schlechtes Gewissen.

Nun trug er sein Meisterwerk enttÀuscht wieder nach Hause.

„Niemand kauft drei weiße SchwĂ€ne eines Gerhard MĂŒllerschön!“ hatte der KunsthĂ€ndler gesagt und ihm empfohlen, sich lieber noch mehr auf Kopien zu spezialisieren. Aber welcher KĂŒnstler hat wohl auf Dauer Lust, immer nur Bilder lĂ€ngst verstorbener Kollegen abzumalen?
Außerdem war der Stundenlohn dabei meistens niedriger als fĂŒr Putzfrauen.

„Niemand kauft drei weiße SchwĂ€ne eines Gerhard MĂŒllerschön!“
Dieser Satz ging ihm immer wieder durch den Kopf. Sollte er resignieren? Vielleicht einen ganz anderen Stil versuchen? Oder andere Motive?
Er konzentrierte sich weiter auf diesen Satz, der ihn so niederschmetterte und in dem er eine Lösung zu finden hoffte. Und er fand eine - sie war im Satz verborgen und erlaubte ihm, weiterhin ganz exakt das zu zeichnen und zu malen, was er und jeder andere wirklich sah.

Und so kam das Bild schon am nĂ€chsten Tage wieder zum selben KunsthĂ€ndler mit nur zwei „kleinen“ Änderungen:
Die drei SchwÀne waren jetzt blau - sogar sehr blau, fast schon ultramarin. Sie dominierten und verÀnderten damit das ganze Bild.
Und in der unteren rechten Ecke war der „Gerhard MĂŒllerschön“ verschwunden. DafĂŒr jetzt in schwungvollen Buchstaben: „Georgi Musardi“.

Vor der Kunsthandlung aber wĂ€re Gerhard fast wieder umgekehrt. Die NamensĂ€nderung? Na gut, viele KĂŒnstler arbeiten unter anderen Namen. Aber die blauen SchwĂ€ne? Sie taten seinen Augen weh; ja, er spĂŒrte sogar so etwas wie Herzstechen bei diesem Anblick. So eine VerfĂ€lschung der Natur! War das noch sein Bild, sein Stil?
Er tröstete sich damit, es sei ja auch nun ein Musardi, also das Bild eines anderen Ichs. Seinen richtigen Namen wĂŒrde er nie unter so etwas setzen.

Als das Bild in der Kunsthandlung Torsini wieder seinen alten Platz hatte - ob Herr Torsini vielleicht auch nur Maier hieß? -, konnte Gerhard es noch von draußen durchs Fenster sehen. Vorher war es - fast - wirklichkeitstreues Abbild der Landschaft. Jetzt war die wunderschön gemalte Gegend nur noch eine Art Rahmenhandlung fĂŒr die unwirklichen blauen SchwĂ€ne.
Na ja, es sollte ja auch nur ein Versuch sein.

Auch Herr Torsini hatte seinen Satz eigentlich so gar nicht gemeint und war ĂŒberrascht von dessen Wirkung. Aber trotzdem nahm auch er noch eine „kleine“ Änderung vor: Wenn schon, denn schon! Hinter den alten Preis von 350 DM kam - spĂ€ter, als Gerhard schon außer Sichtweite war - noch eine Null. Denn vielleicht hatte der bisherige Misserfolg ja auch mit am zu kleinen Preis gelegen? Wer kauft denn schon fast wertlose Kunst?

Welche der drei Änderungen nun den Ausschlag gaben, wird nie zu ergrĂŒnden sein. Aber nach drei Tagen war das Bild fĂŒr 3.500 DM verkauft.

Jetzt keinen Fehler machen! Gerhard zog um ans andere Stadtende, obwohl er in der neuen Wohnung weniger Platz und auch nicht mehr das gĂŒnstige Nordlicht hatte. Aber er wollte als KĂŒnstler unter den alten Gerhard MĂŒllerschön einen richtigen Endstrich setzen und nun nur noch Georgi Musardi sein. Seine Haare ließ er lĂ€nger wachsen und kleidete sich italienisch. Oder so, wie er sich einen Italiener vorstellte. Er kannte seine neuen „Landleute“ allerdings nur von einer nahen Baustelle und von ĂŒberwiegend alten Bildern.

Und er begann, die alten MĂŒllerschön-Bilder der neuen Situation anzupassen. Zwei KĂŒrbisse wurden nun rosa und zum Mittelpunkt eines Gartens: Verkauft!
Sieben Spatzen wurden statt grau bis braun nun grĂŒn in allen Schattierungen: Verkauft!
NatĂŒrlich stets mit der neuen Signatur unten rechts!
... und alles in der neuen Preisklasse, von der er als Gerhard MĂŒllerschön nicht einmal zu trĂ€umen gewagt hatte.

Sogar in einer KĂŒnstlerzeitung wurde der so ungewöhnliche Stil des aus dem Nichts aufgetauchten Newcomers erwĂ€hnt. Klein, nur unter Verschiedenes, aber Georgi wurde „Jemand“, er war auf dem Wege nach oben.

Seine alten Bilder waren bald aufgebraucht. NatĂŒrlich blieb er seinem neuen Stil treu und malte stets streng genau das, was die Natur zeigte - nur eben mit einer deutlichen und dominierenden FarbĂ€nderung. Auch als er selbst mit grĂ¶ĂŸtem Fleiß der Nachfrage nicht genĂŒgen konnte, blieb er bei seinem sehr zeitaufwendigen exakten Stil
„Musardi“ wurde zu einem Begriff in der Welt der KĂŒnstler und Kunst-liebhaber. Es war nicht nur ein neuer KĂŒnstler, es war ein völlig neuer Kunststil geboren worden!
... und Gerhard? Wer war das? Er war jetzt wirklich und nur noch Georgi Musardi und fĂŒhlte sich auch so. Er schwebte ĂŒber seiner mageren Vergangenheit auf einer fetten Wolke des GlĂŒcks und Erfolgs. Nun, GlĂŒck eigentlich sehr eingeschrĂ€nkt. Er hatte zwar unzĂ€hlige Verehrerinnen und Verehrer in fast allen Altersklassen, aber die meinten meistens nur seine Kunst, seinen bekannten Namen, seinen finanziellen Erfolg oder wollten mit in die Kreise, in die Georgi jetzt aufgestiegen war. - Einen neuen Freund oder gar eine Freundin hatte er noch nicht gefunden. Eigentlich im Wirbel und Zeitdruck der neuen Situation auch wohl gar nicht gesucht.
Und seinen alten Freund Bruno? Vergessen? Nein, aber doch seit vielen Monaten weit ins HinterstĂŒbchen des GedĂ€chtnisses verdrĂ€ngt.

Und Bruno? Die zuletzt von ihm an Gerhard geschriebene Geburtstagskarte war unzustellbar zurĂŒckgekommen. EnttĂ€uschung. Sein alter Freund hatte ihm nicht einmal die AdressenĂ€nderung mitgeteilt. Und das Telefonbuch? Nun, Gerhard hatte noch nie ein Telefon gehabt: „Wer soll mich schon anrufen?“ Dabei hĂ€tte Bruno seinen KĂŒnstler-Freund gerne wissen lassen, dass er die Tankstelle im Ort hatte ĂŒbernehmen können und als Meister nun regen Betrieb in der angeschlossenen Autowerkstatt hatte. Bruno war ja schon immer fleißig und nun weiter auf ebenfalls erfolgrei-chem Wege.

Die Freunde vergaßen sich natĂŒrlich nicht - die Freundschaft ruhte eben. -

Aber es gibt ja noch ZufĂ€lle. Bei einem Besuch „auf neutralem Boden“ in Ulm trafen sich die beiden alten Freunde, wobei Bruno zuerst erkannt wurde. Er selbst nĂ€mlich brauchte mehrere Blicke, um in diesem langhaa-rigen „Italiener“ seinen einst eher stillen und zurĂŒckhaltenden Freund zu erkennen. Und noch nach mehreren BegrĂŒĂŸungssĂ€tzen, als sein Verstand diesen „unbekannten Mann“ lĂ€ngst fest zugeordnet hatte, wollte sein GefĂŒhl diesen „Fremden“ noch lange nicht als den vertrauten Freund akzeptieren. Erst im lĂ€ngeren GesprĂ€ch in einer nahen GaststĂ€tte wachte das alte GefĂŒhl gegenseitiger Freundschaft bei beiden wieder richtig auf. Und nach einigen Bieren sahen nur noch die Augen beim GegenĂŒber die Unterschiede zu frĂŒher; in ihren Herzen war die alte Freundschaft und Vertrautheit wieder eingekehrt.

An das neue Äußere und Auftreten seines Freundes gewöhnte sich Bruno, dass aber Gerhard „gestorben“ war und dafĂŒr ein „Georgi“ geboren, war schwerer zu lernen. Bruno bemĂŒhte sich wirklich, diesen Wunsch seines Freundes zu erfĂŒllen - den alten Gerhard gab es ja nun wirklich nicht mehr.
In wieder erneuerter und gefestigter Freundschaft verließen Georgi und Bruno das Lokal - nicht aber in geordnetem Schritt. Die Biere?
Gemeinsam stolperten sie in einen Stapel SperrmĂŒll nur wenige Meter vor der GaststĂ€ttentĂŒr, dort zur Abholung am nĂ€chsten Morgen bereitgestellt. Bruno kniete plötzlich vor einem alten Stuhl, Georgi saß auf einem zweiten. - Sie lachten gerne mit, als sie von anderen Passanten gehĂ€nselt wurden.

Und sie blieben sich einig, dass die beiden StĂŒhle durchaus noch brauchbar seien und viel zu schade fĂŒr den MĂŒllplatz.

Da man sich vorher schon geeinigt hatte, gemeinsam in Brunos Hotel zu ĂŒbernachten, wurden ins nĂ€chste Taxi auch die beiden StĂŒhle mit eingela-den. - -

Am nĂ€chsten Tage waren diese StĂŒhle eigentlich â€žĂŒbrig“. Sie brauchten sie beide nicht und wollten sie schon im Hotel einfach vergessen.
Bruno jedoch erklĂ€rte realistisch, man könne jeden Stuhl noch fĂŒr mindestens 30,- verkaufen, worauf Georgi meinte, ein KĂŒnstler könne leicht das Tausendfache erzielen. - Sie „stritten“ und diskutierten darĂŒber wie frĂŒher als Kinder mit immer neuen Ideen.

Als aber Georgi ernsthaft darauf bestand, er könne einen Stuhl mit gering-fĂŒgiger „ErgĂ€nzung“ schneller fĂŒr 30.000 DM verkaufen als Bruno den anderen fĂŒr 30,- DM, wurde praktisch schon der Grundstein fĂŒr den spĂ€teren Streit und Prozess gelegt.

Sie einigten sich auf eine Wette. Unter gleichen Voraussetzungen sollte Bruno einen Stuhl zusammen mit einem ganz normalen Ziegelstein auf dem Sitz fĂŒr 30,- DM anbieten.
Georgi nahm sogar den Stuhl mit dem etwas gespaltenen Bein und wollte diesen mit gleichem „Zubehör“ fĂŒr 30.000 DM verkaufen - als Kunstwerk
KĂŒnstler mĂŒssen wohl so ausgefallene Ideen haben, aber Bruno konnte selbst nicht verstehen, wieso er sich auf solchen Unsinn einlassen konnte. Aber die Sache war schon im Rollen.

Und fĂŒr die gleichen Voraussetzungen hatte Georgi auch schnell eine Idee. Sein Ulmer KunsthĂ€ndler Burger war gerade in grĂ¶ĂŸere RĂ€ume umgezogen und die Miete fĂŒr den nun leeren alten Eckladen lief noch einige Wochen. Innen wurde zwar schon umgebaut, die beiden Schaufenster aber waren nutzbar - nur gleichwertig waren sie leider nicht. Das kleinere zeigte zur belebteren, das grĂ¶ĂŸere zur ruhigeren Straße. Also auslosen? Sie hatten eine bessere Idee und einigten sich darauf, dass der mit dem Umbau beschĂ€ftigte Tischlermeister die StĂŒhle jeden Tag zur gleichen Uhrzeit vertauschen sollte. Nur der erste Tag wurde durch WĂŒrfeln bestimmt und Bruno als Gewinner entschied sich fĂŒr den Start im kleineren Schaufenster.

Die Wette wurde schriftlich fixiert mit dem Tischlermeister Heinle als Zeugen:
* Bruno will seinen Stuhl fĂŒr 30 DM verkaufen, Georgi seinen fĂŒr mindestens 30.000 DM. Wer zuerst mit vollem Zahlungseingang erfolgreich ist, erhĂ€lt vom Verlierer 100 Flaschen Champagner der Marke XY *

Bruno putzte und polierte seinen Stuhl grĂŒndlich und stellte einen neuen Ziegelstein auf den Sitz. Vor den Stuhl kam sein Preisschild - auf GrĂ¶ĂŸe und Farbe hatte man sich auch geeinigt - mit der Aufschrift:
„Stabiler Stuhl, gebraucht (Ziegelstein ist Zugabe) nur 30,- DM“

Georgi machte sich nur die MĂŒhe, einen gefundenen alten Ziegelstein mit eingebranntem großen B auf den Sitz zu stellen. Sein Preisschild:
„Werk des KĂŒnstlers Georgi Musardi: B-SITZ, Festpreis 32.000 DM“

Da am GeschĂ€ft ein Hinweis auf die neue Adresse mit Telefon der Kunsthandlung hing , ĂŒbernahm es der KunsthĂ€ndler, auf Angebote zu warten. Glaubte er an einen Erfolg? Nun, KunsthĂ€ndler erleben so viele EnttĂ€uschungen und unerwartet gute Überraschungen, dass sie wohl nichts mehr wundert
... und Tischlermeister Heinle tauschte natĂŒrlich tĂ€glich die beiden Fensterinhalte gegeneinander aus.

Er musste oft tauschen!

Aber ob nun erwartet oder nicht, es ergab sich tatsĂ€chlich Interesse fĂŒr Georgis Kunstwerk.
Ein Mister Johnson aus den USA hatte schon einige Monate vorher zwei Musardi-Bilder in dem Kunstladen an der Ecke erworben. Wie er damals versicherte, nicht fĂŒr sich selbst, sondern fĂŒr einen reichen Sammler aus Los Angeles, der ihn wohl schon oft mit Ă€hnlichen AuftrĂ€gen betraut hatte. Georgi war also wirklich auf dem Wege zum Weltruhm?

Dieser Mr. Johnson stand nun wieder vor einem Schaufenster des inzwischen leeren Ladens und las zu seiner Überraschung, dass sich der Georgi Musardi auch mit 3-dimensinonaler Kunst befasste. Und wie der Preis zeigte, offenbar recht erfolgreich. Also waren auch die schon frĂŒher ge-kauften Werke dieses KĂŒnstlers sicherlich enorm im Preis gestiegen. - Telefonisch ließ er sich von Herrn Burger das Werk B-SITZ fĂŒr 24 Stunden reservieren, um mit seinem Auftraggeber RĂŒcksprache zu halten. Dieser schlief natĂŒrlich noch; immerhin war es in LA gerade tiefe Nacht.

Schon am Nachmittag aber stand Mr. Johnson in Herrn Burgers neuem Laden, um den Kauf dieses Kunstwerkes zu vollziehen. Er hatte noch nie um den Preis gefeilscht und bezahlte voll, ohne die als Verhandlungsspiel-raum gedachten 2.000 DM abzuhandeln. Der Tischler sollte eine Kiste anfertigen, Polstermaterial beschaffen und am nĂ€chsten Tage in Mr. Johnsons Gegenwart das wertvolle KunstStĂŒck verpacken.
PĂŒnktlich kam Mr. Johnson anderntags in den kleinen Eckladen und hatte eine Rolle Haushalts-Papiertuch mitgebracht, mit der er die Stuhlteile fest umwickelte - Kunst muss sorgsam behandelt werden. Er war auch nicht mit der bereitliegenden Holzwolle zufrieden! Es musste die Plastikfolie beschafft werden mit den eingeschweißten kleinen Luftkissen. Da die Kiste noch in einen Stahl-Sammelcontainer sollte, konnte dem Stuhl auf dem Transport eigentlich nichts passieren. - Die Abholung erfolgte mit einem Lasttaxi zum Flughafen nach MĂŒnchen. Oder nach Stuttgart?

Vermutlich ist die Kunstsendung beim unbekannten Liebhaber in LA gut angekommen. - -

Georgi hatte - vielleicht auch zur eigenen Überraschung - die Wette gewonnen und lud nun Bruno ein, diesen großen Erfolg in Ulm zu feiern. Dort sollte Bruno natĂŒrlich auch seine Wettschuld begleichen.
Sie besuchten gemeinsam zuerst den KunsthĂ€ndler Herrn Burger, der - obwohl hierfĂŒr eigentlich nichts vereinbart - die 2.000 DM „Überpreis“ als Provision bekam und fuhren dann zum Eckladen, um auch dem dort tĂ€tigen Tischlermeister Heinle ihren Dank abzustatten.

Dort aber eine große Überraschung, die sie zu dritt herzhaft belachten:
Herr Heinle hatte bei mindestens einem der Stuhl-UmzĂŒge das Preisschild nicht mitgenommen. Es war Brunos Stuhl mit dem neuen Ziegelstein per Luftfracht unterwegs nach Los Angeles. Georgis „Kunstwerk“ mit dem gespaltenen Bein und dem alten B-Stein aber stand noch mit Brunos Preisschild im grĂ¶ĂŸeren Fenster.

Nun, in Amerika wĂŒrde es ja keiner bemerken; selbst Herr Johnson kannte die minimalen Unterschiede ja nicht und hatte vielleicht auch gar nicht bemerkt, dass zwei eigentliche gleiche StĂŒhle anboten worden waren. Richtiger: Ein Kunstwerk und ein Stuhl, der dem Kunstwerk bis auf den Spalt gleich war.

Dann aber wurde Bruno nachdenklich: Nun hatte ja sein Stuhl als Erster einen KĂ€ufer gefunden und somit er die Wette gewonnen.
Oder doch nicht?

Georgi war nĂ€mlich der Ansicht, der KĂ€ufer bzw. der Agent Mr. Johnson habe fĂŒr seinen Stuhl bezahlt; immerhin hatte er ja ein Kunstwerk haben wollen und dieses nach seinem - Georgis - Preisschild ausgewĂ€hlt.
Klar, oder?

Tatsache aber blieb, dass zweifellos Brunos Stuhl ausgewÀhlt und verkauft wurde und Georgis immer noch im Fenster stand.

Der Tischlermeister als Zeuge der schriftlich festgelegten Wette aber wollte nun eigentlich nicht Schiedsrichter sein. - Er komplizierte die ganze Sache sogar noch:

Georgi hatte die Wette auf keinen Fall gewonnen, so viel stand fĂŒr ihn fest, da Brunos Stuhl schneller verkauft wurde.
Aber! Ein ganz großes ABER!
Bruno hĂ€tte, um Wettgewinner zu sein, seinen Stuhl fĂŒr 30 DM verkaufen mĂŒssen. Der tatsĂ€chlich erzielte Preis war zwar höchst erfreulich weit darĂŒber, bedeutete aber keinesfalls den Gewinn der Wette, die nun einmal auf genau 30,-DM abgefasst war.
Wer also hatte nun die bereits an Georgi ĂŒbergebenen 100 Flaschen Champagner zu bekommen? Sollte man sie sich teilen? Und wer sollte sie bezahlen?

Aus anfĂ€nglich scherzhaftem Disput, Argumente hin und her, wurde tatsĂ€chlich der erste ernsthafte Streit zwischen den Freunden, als nĂ€mlich die Frage aufkam, wem denn nun der Kaufpreis zustand bzw. die davon noch vorhandenen 30.000 DM! Nun war plötzlich die ursprĂŒngliche Wette ne-bensĂ€chlich - es ging um viel Geld!

Nach teils sogar bösen Worten wollte man dann aber doch nicht ohne Versöhnung auseinandergehen und beschloss, einen Rechtsanwalt einzuschalten. FĂŒr einen Anwalt war es sicherlich eine Kleinigkeit, hier den Schiedsrichter zu spielen. - Dachten sie.

AnwÀlte wollen und sollen aber eigentlich nicht (Schieds-)Richter sein. Ob dieses nun der Grund war oder weil die beiden (noch) Freunde immer gleichzeitig sprachen:
Der am nĂ€chsten Tage besuchte Anwalt wollte lieber mit immer nur einer Person alleine sprechen. Und redete nach den beiden EinzelgesprĂ€chen allerlei ĂŒber unklare Vereinbarungen und noch zu prĂŒfende Fakten, wollte aber ĂŒber seine Meinung zur Wette oder gar der Geldverteilung keinerlei AuskĂŒnfte geben.
Als er riet, einer der beiden solle sich lieber einen anderen Anwalt nehmen und dann mĂŒsse man ein richtiges Gericht entscheiden lassen, waren sich die Freunde schnell darin einig, hier nur das vorher vereinbarte Beratungs-honorar zu bezahlen und dann schnell zu verschwinden.

... um dann doch jeder fĂŒr sich nach einigen Tagen andere AnwĂ€lte aufzusuchen. Denen war der Streitwert groß genug, um ebenfalls an einem Prozess interessiert zu sein und das Unheil nahm seinen Lauf. -

Unheil? Nun, fĂŒr die Freundschaft wohl auf jeden Fall. Und natĂŒrlich musste letztlich auch einer von beiden der Verlierer sein mit zweifellos erheblichen Kosten. - Aber wer?

Der erste Verhandlungstag vor dem Gericht in Ulm war erst nach mehreren Monaten. Bis dahin waren lange SchriftsÀtze der AnwÀlte hin und her gegangen. Die Gesetze waren wirklich nach allen Seiten ausgeleuchtet worden, angeblich vergleichbare Urteile wurden zitiert und jede Seite hatte selbstverstÀndlich das Recht bei sich. Dabei war man in der Darstellung des tatsÀchlichen Vorgangs absolut einig und das Gericht bekam vom KunsthÀndler und vom Tischlermeister als Zeugen nur die BestÀtigung des Vorganges. - Also alles klar?

Durch einen Bericht in einer Zeitschrift ĂŒber bildende Kunst wurde sogar die ĂŒberregionale Presse auf diesen ungewöhnlichen Prozess aufmerksam. Über die reine Berichterstattung hinaus ließ man Parteinamen anklingen. Bisherige Werke des KĂŒnstlers Georgi Musardi wurden abgebildet und beschrieben und auch Bruno hatte in diesen Wochen mehrfach in seiner Werkstatt Besuch von Zeitungsfritzen - er nannte sie so - und Fotografen.

Der Fall wurde teils ernsthaft und seriös, ĂŒberwiegend aber ironisch oder sogar recht gemein so richtig ausgeschlachtet. In Leserbriefen wurde ge-nau begrĂŒndet, warum nur diese oder die andere Seite Recht bekommen mĂŒsse. Viele Hobby-Richter konnten sich wieder einmal richtig austoben. Dieses setzte sich fort an den Stammtischen und Kneipen-Theken zwischen Leuten, die eigentlich weder von Kunst und Handel noch von Gesetzen eine Ahnung hatten.
NatĂŒrlich musste Bruno das Geld bekommen, schon weil doch der angebliche KĂŒnstler so lange Haare hatte.
Oder doch Georgi? Immerhin kostete das Benzin an Brunos Tankstelle ei-nen Pfennig mehr als im Nachbarort.
- Gewichtige Argumente auf allen Seiten.

Aber auch die Richter wurden heftig kritisiert.
Warum hatten diese es abgelehnt, auch zu den 100 Flaschen Champagner eine Entscheidung zu fĂ€llen? Wettschulden sollen nur Ehrenschulden sein und nicht einklagbar? Ja und? Immerhin standen ja die Flaschen schon irgendwo rum - bei wem ĂŒberhaupt? - und der Versender wollte sein Geld haben; sie waren von Bruno im Internet bestellt worden. Irgend einer musste doch Gewinner der Wette sein.
Und wer denn nun dieser Gewinner sei, konnte doch von diesen Fachleu-ten wirklich festgelegt und verraten werden, auch wenn auf den verein-barten Gewinn kein Rechtsanspruch bestand. Wozu sind denn Richter da?!
Immerhin liefen lĂ€ngst unzĂ€hlige neue Wetten darĂŒber, wer denn diese Stuhlwette gewonnen habe.

Stopp! Wir wollen den Streit nicht auch noch in diesen rein sachlich gedachten Wahrheitsbericht hereintragen. Die Stuhl-Wette, ein lĂ€ngst gelĂ€ufiger Begriff, war eben immer noch völlig unentschieden und wĂŒrde es vielleicht auch bleiben.

Die auch aufkommenden GesprĂ€che darĂŒber, wieso ein Stuhl so wertvoll wurde, nur weil ihn ein KĂŒnstler ins Schaufenster stellte, gingen in den Diskussionen um Recht und Gerechtigkeit weitgehend unter. Kunst steht sowieso ĂŒber solchen ErwĂ€gungen. -

Der Wirt, vor dessen GaststĂ€tte die StĂŒhle gestanden hatten und von dem sie auch hinausgestellt worden waren, spĂŒrte Appetit auf den Kuchen „30.000 DM“. Der so teuer verkaufte Stuhl sei immer noch sein Eigentum gewesen!
Nachdem schon sein Anwalt ihn aufgeklĂ€rt hatte, dass bereitgestellter SperrmĂŒll „Niemands-Gut“ sei, fiel ihm ein, die StĂŒhle seien dort nur vo-rĂŒbergehend abgestellt worden. Nun erhielt er von seinem Berater die wichtigste Information: Zu dem Zeitpunkt war es ja nur ein Stuhl und noch gar keine Kunst!
Diese kleine Nebenepisode kam aber als chancenlos zu den Akten. Der Trittbrettfahrer wurde schnell seiner Hoffnungen auf zumindest einen Anteil am Gewinn beraubt.

Aber war nicht der unbekannte Kunstsammler aus LA eigentlich durch die Vertausch-Panne irgendwie betrogen worden? Musste man ihn vielleicht durch Inserate ausfindig machen?
Diese Frage beschÀftigte nicht nur die Stammtisch-Diskussionen, sondern auch Georgi und Bruno samt ihren AnwÀlten. Und vermutlich doch wohl auch die Richter?
... und wenn dieser gefunden wĂŒrde? Sollte Georgi dann durch einen KĂŒnstler-„Hoheitsakt“ aus der Ferne auch den zweiten Stuhl zum Kunstwerk erklĂ€ren? Oder wollte man dann gar die beiden doch eigentlich gleichen StĂŒhle gegeneinander austauschen?

Nur in den Organen der Kunstszene wurde diese Frage eigenartiger Weise nicht angeschnitten. Oder nicht eigenartig? Wollte man diesen Punkt viel-leicht gar nicht gerne diskutiert wissen? - Offene Frage! --

Es gibt zwar immer noch viele Menschen in Deutschland, die sich nicht fĂŒr diesen nach ihrer Ansicht „Blödsinn“ interessieren, aber nur wenige, die noch gar nichts von der Stuhl-Wette gehört oder gelesen haben.
Unter den Interessierten aber gibt es drei vermutlich Ă€hnlich große Parteien:
Pro Georgi, pro Bruno und noch Unentschieden. Aber unter den Unent-schiedenen warten mit Sicherheit viele nur das Urteil ab, um es ab morgen dann „natĂŒrlich schon immer“ gewusst zu haben, wem der Sieg zustand. Und die Gruppe mit dem letztlich falschen „pro“? - Sie wĂŒrden nach dem Urteil genau wissen, welchen Punkt die Richter nicht genĂŒgend berĂŒck-sichtigten und sich darum so grĂŒndlich irrten.

Aber es gibt noch eine weitere Gruppe: Georgi und Bruno.
Ja, hier ist lĂ€ngst das Wort Gruppe im Sinne von Gemeinschaft wieder angebracht. Die Freundschaft war nie besser - das Urteil selbst interessierte sie eigentlich schon gar nicht mehr. Über die Wette und Verteilung des Kaufpreises hatten sie sich lĂ€ngst privat geeinigt und den Bestand an Champagner miteinander erheblich dezimiert.

Es wĂ€re ihnen - ganz im Gegenteil zu den anderen Gruppen - sogar lieb, wĂŒrde die UrteilsverkĂŒndung noch verschoben. Auch Richter können doch krank werden! Vielleicht jedenfalls eine kleine UnpĂ€sslichkeit?

Denn nach dem Urteil wird die Presse - sogar im Fernsehen war die Stuhl-Wette schon behandelt worden! - wohl schnell andere Sensationen finden und die den beiden zugewachsene Aufmerksamkeit wird rasch einschlafen.

Ob Bruno dann noch genug BeschĂ€ftigung fĂŒr die inzwischen angeschaffte zweite Autowaschanlage hat? Und der Tankstellen-Umsatz mit „zufĂ€llig“ durchfahrenden Fremden wird nach UrteilsverkĂŒndung vermutlich schnell wegfallen.

Und Georgi - der fast vergessen hat, dass er einst Gerhard MĂŒllerschön hieß - wĂŒrde auch gerne weiter im Scheinwerferlicht der Berichterstattung stehen. Seine Bilder werden inzwischen schon verkauft, noch ehe sie ge-malt sind. Und die Preise waren explodiert! In Versteigerungen hatten frĂŒhe KĂ€ufer schon das zwanzigfache ihres Einsatzes erzielt! Ob Georgi wohl seine fĂŒr ihn und seine bisherigen Kunden so lukrative Bekanntheit auf-recht halten kann - sie ist die eine HĂ€lfte des Erfolges fĂŒr jeden KĂŒnstler.
Und sein Stil ist schon lÀngst nichts Neues mehr - viele malen inzwischen auf Àhnliche Weise. Oder versuchen es jedenfalls.

Nun, morgen ist DER Mittwoch.

Bruno und Georgi sitzen gemeinsam in dem beliebten CafĂ© mit dem schönen Blick auf das Ulmer MĂŒnster. Nach der vorausgegangenen Diskussion - natĂŒrlich nicht gegeneinander, sondern fĂŒr ein gemeinsames Ziel - hat nun jeder ein StĂŒck seiner Lieblingstorte vor sich. Sie hatten einen gemeinsamen Entschluss gefasst: Obwohl auch sie neugierig auf das Urteil waren und sind - es soll keines geben.

Jeder hatte gerade seinen Anwalt angerufen und instruiert, dass „die Parteien“ sich außergerichtlich geeinigt hĂ€tten.
Die AnwÀlte hatten beiden dringend abgeraten, auf das Urteil zu verzichten. Waren sie beide selbst neugierig darauf? Oder ging es vielleicht nur um das nach einem Urteil höhere Honorar?

Aber morgen mĂŒssen und werden die AnwĂ€lte nun gleich das Gericht ĂŒber die außergerichtliche Einigung informieren und das natĂŒrlich bereits formulierte Urteil wandert unverkĂŒndet zu den Akten.
Schöner Nebeneffekt fĂŒr die ehemaligen StreithĂ€hne: Auch die Gerichtskosten werden etwas gemindert.

Hauptgrund aber natĂŒrlich: Die Diskussionen mit pro und contra werden nicht so schnell einschlafen und die Spekulationen werden bleiben. Und ob nun Praktiker oder KĂŒnstler - es zahlt sich aus, bekannt und im GesprĂ€ch zu sein.

Oder? - Doch dazu: Urteil nach morgen.

- E N D E -

__________________

Haget wĂŒnscht Dir Gutes!
Selbst dĂŒmmste SprĂŒche machen oft Sinn
- auch krumme Pfeile fallen irgendwo hin!

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


jorunn
Hobbydichter
Registriert: Jan 2002

Werke: 4
Kommentare: 43
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
Hallo, haget

hihi. Was ist Kunst, das ist die bekannte Frage, und man sollte ja besser nicht darĂŒber dikutieren.
Allerdings, um ein wenig zu meckern, ich finde das letzte Drittel, wo es darum geht, wer was wo wann von wem gewonnen hat und wer von wem ... also, das find ich ein wenig zu breit ausgewalzt. ich muss dazu sagen, dass ich keinen Drucker habe und die geschichte direkt am PC lese, da sind mir die Augen auf einmal diagonal gelaufen. Der Anfang mit den beiden Freunden und die wundersame Erstehung des Malers war schön und flĂŒssig zu lesen, doch dann hakts. Warum genau, da sind wahrscheinlich Berufenere in der LL als ich (wenn ich das immer so wĂŒĂŸte, wĂ€ren meine Texte besser). Ich bin nun mal eine Verfechterin der kurzen WĂŒrze (vor allem am PC) und wĂŒrde da ein bißchen streichen.
Viele GrĂŒĂŸe
Jorunn

Bearbeiten/Löschen    


Haget
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: Dec 2001

Werke: 280
Kommentare: 1613
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Haget eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

MoinMoin jorunn,
danke, dass Du dich "mit mir" befasst hast. Die ganze Geschichte ist mir etwas entglitten. UrsprĂŒnglich sollte es eigentlich die Darstellung eines nach meiner Ansicht unlösbaren juristischen Problems werden, ergĂ€nzt durch die nicht gewinnbare Wette. Und enden: "Urteil morgen", also ohne Auflösung.
Jetzt ist eigentlich mehr ĂŒber Formen der Kunst zu entscheiden. - Vielleicht gibt es noch weitere Meinungen. Ich warte mal ab und arbeite dann noch daran.
Ich habe bisher nur gereimt, abgesehen von einer kleinen Versucht-Kurzgeschichte. Dieses ist fast erster Versuch.
Liebe GrĂŒĂŸe
__________________

Haget wĂŒnscht Dir Gutes!
Selbst dĂŒmmste SprĂŒche machen oft Sinn
- auch krumme Pfeile fallen irgendwo hin!

Bearbeiten/Löschen    


Zefira
???
Registriert: Jan 2001

Werke: 14
Kommentare: 1113
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Zefira eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Ich bin ein Stuhl....

... und das ist gut so (das habe ich doch irgendwo mal gehört - von wem bloß...?)

Die Geschichte macht großen Spaß, ich wĂŒrde aber auch Jorunn zustimmen, daß der Mittelteil zu lang ist.

Die Sache mit dem ursprĂŒnglichen Besitzer der StĂŒhle, der auch noch profitieren will, hat mir gefallen. Aber ansonsten wird da viel Allgemeines und Spekulatives ausgewalzt.

Ich war ĂŒbrigens selbst mal Juristin und mache mir gerade Gedanken ĂŒber die Richter, die tage- und wochenlang ĂŒber diesem Problem gegrĂŒbelt und sich die Haare gerauft haben - um dann, einen Tag vor ihrem großen Tag, zu erfahren, daß alles umsonst war. Tragisch, tragisch... das mit ihrem Herzblut geschriebene Urteil landet im Reißwolf. Vielleicht Stoff zu einer neuen Geschichte?


Liebe GrĂŒĂŸe,
Zefira
(die jetzt ihre StĂŒhle kritisch durchmustern geht)

Bearbeiten/Löschen    


Haget
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: Dec 2001

Werke: 280
Kommentare: 1613
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Haget eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Stimmt Zefira,
ich hĂ€tte den Stuhl fragen sollen! Als was mag sich der wohl da drĂŒben in den USA fĂŒhlen. Steht dort als Kunstwerk und wurde doch nie getauft. (Bei vielen "Christen" ist es wohl umgekehrt).
Klarstellung: "...und das ist gut so!" passt nicht zu mir!
Ansonsten werde ich an meinem Mittelteil noch krÀftig arbeiten - um meine Geschichte zu straffen.

Übrigens: Ich wĂ€re auch auf das Urteil gespannt. Habe eigentlich versucht, ein gerechtes oder auch "nach Recht" unmöglich zu machen.

Liebe GrĂŒĂŸe
__________________

Haget wĂŒnscht Dir Gutes!
Selbst dĂŒmmste SprĂŒche machen oft Sinn
- auch krumme Pfeile fallen irgendwo hin!

Bearbeiten/Löschen    


ZurĂŒck zu:  ErzĂ€hlungen Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.



Leselupe-Bücher





Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!