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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Vergiss die Peitsche nicht!
Eingestellt am 29. 03. 2003 11:07


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Efiriel
Hobbydichter
Registriert: Mar 2003

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"Vergiss die Peitsche nicht!",das hatte mein Vater mir in kleiner Tradition jeweils dann gesagt, wenn ich im Begriff stand, das Haus in Richtung meiner Freundin zu verlassen, wo auch immer sich diese gerade befand. Er fand es wohl witzig, doch ich glaube es war nicht mal von ihm. Klingt irgendwie nach einem fetten, toten Dichter vergangener Zeit, altmodischer Br├Ąuche . Jedenfalls waren seine B├╝cherregale voll mit schmierigen Schm├Âkern, geschrieben von Zeitgenossen Kautabak bespuckter Gehsteige und Pferde beschissener Kopfsteinpflaster.
Heute denke ich nur mehr selten daran, mein Vater ist tot und meine Freundin hat mich verlassen, genau genommen in umgekehrter Reihenfolge. Es war aus, bevor ich die Identit├Ąt seiner sterblichen H├╝lle einwandfrei best├Ątigen konnte. Sie hatte wohl nie die richtigen Worte gefunden. Als sie meine Hand hielt, und die Kellerdecke kalt neonbeleuchtet auf mein Gem├╝t dr├╝ckte, als wir vor den kl├Ąglichen Resten sich ├╝berwerfender Erinnerungen standen, da war sie l├Ąngst von mir getrennt. Im Grunde k├Ânnte man meinen, es h├Ątte mit meiner jetzigen Situation nicht viel zu tun. Genau genommen hatte es das auch nicht. Aber in meinem Leben l├Ąsst sich nichts genau nehmen, nicht wenn man der Wirklichkeit Rechnung tragen wollte. Ja oder Nein, falls es ihn wirklich geben sollte, war ich der ÔÇ×Vielleicht-TypÔÇť. Ich gl├Ąnzte durch Unentschlossenheit in allen Lebenslagen, war zwar nicht stolz darauf, aber wusste im Grunde nicht, wie sich daran etwas ├Ąndern lie├če, wollte es wohl auch nicht genug. Franz├Âsisch zum Beispiel war ganz oben auf jener Liste, die ich einst anlegte, um mein unruhiges Gewissen zu m├Ą├čigen. Ich war immer zu schwach, zu jenen Dingen ernsthaft zu stehen, sie mir praktisch zu Eigen zu machen. Immer kapitulierte ich im Bestreben etwas genug zu wollen um daf├╝r einstehen zu k├Ânnen. Diese Liste war so lang, wie jene, die ich ausgleichend anlegen musste, um den ├ťberblick ├╝ber mein Versagen nicht zu verlieren. Mein Vater hatte so recht, nur einmal h├Ątte ich eine Peitsche mitnehmen, nicht nur zu meiner Freundin, und sie als spitze Zunge ├╝ber das Gel├Ąchter meiner Mitmenschen fahren lassen sollen. Ich meine, alles auf meinen Vater zu schieben, w├╝rde es mir zu leicht machen, und auch meiner Mutter, die mich mit vier bei meinem Vater zur├╝ck gelassen hatte, um mit einem viel j├╝ngeren Franzosen ÔÇ×etwas NeuesÔÇť auszuprobieren. Als Erwachsener machte ich mir genau ├╝ber diese Formulierung so meine Gedanken. Nie hatte ich etwas Neues ausprobiert, es stand mir nicht zu, daran zu denken. Ich betrat Tag f├╝r Tag alte Pfade, breitgetreten von Klischee geschusterten Selbstmitleidslatschen.
Und ├╝berhaupt, wollte ich denn nur Franz├Âsisch sprechen k├Ânnen, weil ich heimlich glaubte, meine Mama w├╝rde kommen, um mich zu sich und Jean Pierre zu holen? Vielleicht um etwas Neues auszuprobieren? Vorletztes Jahr hatte sie noch eine Karte geschickt. Sie war nun wieder alleine oder schon wieder nicht mehr, damals war sie es, so genau konnte ich es nicht sagen. Wollte ich auch nicht.
Das war so eine Sache mit der Schuld der Anderen beim Erreichen eines gewissen Punktes des eigenen Daseins. ÔÇ×Hier und HeuteÔÇť genannt oder auch ÔÇ×jetztÔÇť. Vielleicht war ich gerade dort angekommen. Meine Zukunft kannte niemand, auch jene nicht, welche immer schon vorgaben zu wissen, was aus einem wie mir werden m├╝sse. Meine Vergangenheit kannte sich selbst und das gen├╝gte ihr, mich st├Ąndig daran zu erinnern, wie schlecht sie es mit mir getroffen habe. Die Welt war schuld. Vielleicht? Wenn sie besser mit mir umgesprungen w├Ąre, w├╝rde ich nicht an diesem Punkt meines Lebens siebzehn geladene Gendamerie-Glocks auf mich gerichtet wissen. ├ťberraschung! Diesen Knalleffekt wollte ich mir nicht nehmen lassen. In der mir einzig bekannten Realit├Ąt arbeitete ich ohnehin seit sieben Minuten unabl├Ąssig darauf hin, als die Art missverstandener T├Ąter, fast schon Opfer, t├Âdlich getroffen doch noch als bemitleidenswertes Gesch├Âpf zumindest ein wenig respektiert zu werden. Wie in diesem Film mit Kevin Costner, wo er am Ende von seinem eigenen Vater nicht gerettet werden kann und ohne ersichtlichen Grund erschossen wird, weil ein ├╝bereifriger US-Cop oder Sheriff, was wei├č ich, den Schie├čbefehl gab. Ich stellte es mir sehr sch├Ân vor, so zu enden. Dennoch tief in mir wusste ich es besser. Ich hatte meine Geisel ein wenig zu r├╝de an den Haaren gezogen, um von den Medien, die durch Glasaugen die Welt verstehen - schlimmer noch erkl├Ąren wollen - noch auf die Seite der Robin Hood-Verbrecher gebracht zu werden. Neun Banken in sieben Tagen. Das war schon was. Ich hab es nie der Jugend weg genommen, denn ich lie├č mir ausschlie├člich die Safes der alten Menschen ├Âffnen. Seit das Bankgeheimnis nur mehr marginal existierte, konnte man als R├Ąuber durchaus Prinzipien entwickeln und es sich prima leisten ein wenig w├Ąhlerisch zu sein. Mein Ansatz, so empfand ich ehrlich, war gut, dass die Medien mich zum Omir├Ąuber machen w├╝rden, war mir bei Bier, Brezel und Tatort mit G├Âtz George vom Jahre Schnee nicht klar gewesen. Ich meine, die alten Leute ben├Âtigen das ganze Geld ohnehin nur zum Vererben, und ich ben├Âtige es zum Leben. Und so erfolgreich war mein Prinzip alleine wegen des gro├čen Zeitaufwandes schon nicht.
Alles erbeutete, reichte bei weitem noch nicht aus mich auch nur ann├Ąhernd reich zu nennen. Hab ich schon erw├Ąhnt, das ich arbeitslos bin? Nein? Ich wei├č das passt! Vielleicht hatte ich die Folge nicht richtig verstanden, aber es schien Spa├č zu machen, bewaffnet eine Bank zu ├╝berfallen. An dieser Stelle sollte ich, obwohl ich es nur ungern zugebe, auf den gravierenden Unterschied von Fernsehen und Wirklichkeit hinweisen. Also zwischen G├Âtz George und dem typischen ├Âsterreichischen Landgendarmen liegen Welten. G├Âtz war um L├Ąngen besser, trotzdem er gegen Ende auch schon ansatzweise einen Bierbauch entwickelte. Ich stand hier und hielt ein drei├čig Zentimeter Messer an die Kehle einer jungen Frau. Im Halbkreis umzingelte mich die Exekutive und versuchte, mich zum Aufgeben zu ├╝berreden. Es hatte dennoch neun Banken und sieben Tage gebraucht, bevor die hinter mein System gekommen waren. Ab der dritten Bank zeigten sie sich nach jeder weiteren umso erstaunter. So etwas gab es im ganzen Bezirk noch nicht. Doch sie schienen sich auf mich eingestellt zu haben.
Nachdem sie meine Regeln heraus bekommen hatten, war es ihnen ein Leichtes mir aufzulauern. Vermutlich war sie gar keine Bankangestellte. Irgendwie hatte ich es geahnt, nach alphabetischer Reihung zu agieren, k├Ânnte sich als Fehler herausstellen. Alles nur weil ich mich nicht entscheiden konnte. Und irgendwie war das Branchenverzeichnis Schuld daran. Schlie├člich wird es dann doch jemanden bei Kaffee und Kipferl aufgefallen sein, welches Muster neben dem chronologischen noch deutlich ersichtlich auf dieser Liste meiner Heldentaten so un├╝bersehbar ins Auge sticht. Example: Bank (A)ustria, Bank (B)awag, Bank (C)A. und so weiter. Ja, meine Unentschlossenheit machte hatte mir eben wieder zu schaffen gemacht, und das ich dem M├Ądel niemals ernsthaft weh tun w├╝rde, also mehr als das bisschen Haare rupfen, stand f├╝r mich so fest, wie kaum was zu vor. Was dennoch nicht wirklich fest zu nennen war. Trotzdem konnte ich mich nicht entschlie├čen aufzugeben. Immerhin wussten die ja nicht das ich ein Laschi mit Bowiemesser war. Nein, ich war der kaltherzige ÔÇ×Omir├ĄuberÔÇť, welcher netten alten Damen, das wenige sauer verdiente Geld, dass sie f├╝r ihren Lebensabend unbedingt ben├Âtigten, wegnahm. Ja genau, ohne mit einer Wimper zu zucken. Es stand dennoch nicht in meiner Macht, es spontan von mir ausgehend zu beenden. All das Geschwafel im Geiste war emsiges Blendwerk, um mein mutma├čliches Ende noch ein wenig hinaus zu z├Âgern. Die Frau deckte mich, nur ein Kopfschuss w├╝rde mich davon abhalten, ihr zwischen Rippe f├╝nf und sechs mein Messer tief ins Herz zu rammen. Und eventuell die Unkenntnis dar├╝ber, wo genau sich diese im Lehrbuch f├╝r angewandte Medizin angegebenen Rippen befanden. Mein Vater war von einem Laster ├╝berfahren worden, meine Nachbarin hatte meinem damals siebzehnj├Ąhrigen Ich tr├Âstlich zugefl├╝stert, dass nur ein Schuss in den Kopf weniger weh tat, als vom Laster ├╝berrollt zu werden. Wenigstens war sein Gesicht heil geblieben, so konnte ich ihn problemlos als meinen Vater erkennen, was bei Projektileintritt im oberen Kieferbereich gleich neben dem Wangenknochen nicht unbedingt so leicht sein muss. Ich will nicht sagen, Leute wie meine Nachbarin brachten mich auf die verr├╝ckte Idee, andere dazu zu bringen, sich so hinzustellen, dass mein Ausweichen mich auf Wege brachte, die viel vehementer als im R├Âmischen Reich nur an einen Punkt zu f├╝hren scheinen. Dies w├Ąre ja verr├╝ckt. Und das bin ich nicht. Dumm, gleichg├╝ltig, sogar sorglos. Nicht aber verr├╝ckt! Es w├Ąre aber kein Wunder, wenn ich es w├Ąre. Bis heute habe ich keine Ahnung, ob sich mein Vorbild und einzige St├╝tze in dieser schrecklichen Welt umgebracht hat oder ob er einfach ein einziges Mal in seinem Leben in Gedanken versunken verga├č, nachzusehen, ob er die Stra├če auch queren k├Ânne. Was ich f├╝r meinen Teil wirklich wollte, war so ungewiss wie der Ausgang dieser Situation. Sie schrieen immer noch durcheinander, ich solle doch aufgeben, und etwas befehlsm├Ą├čiger: ÔÇ×Messer weg oder ich schie├če!ÔÇť Ich glaube, er verga├č einfach nachzusehen, so wie ich verga├č, mir einen ordentlichen Plan zurecht zu legen, wie ich ein Leben ohne ihn ertragen w├╝rde k├Ânnen. Ich wollte aufgeben, der jungen geduldigen und etwas eingesch├╝chterten Polizistin, welche ich unter andren Umst├Ąnden liebend gerne um ihre Telefonnummer gefragt h├Ątte, das Messer ├╝berantworten. Ja, am Boden liegend, von unz├Ąhligen Cholesterin gesch├Ądigten K├Ârpern nieder gedr├╝ckt, auf einen gn├Ądigen Richter hoffend, dem Ganzen ein w├╝rdiges Ende bescheren. Zur├╝ck in mein Inneres. Ich bin mir wie immer nicht sicher was meinen Vater so besch├Ąftigt hatte, aber ich hab mir so meine Gedanken gemacht.
Vielleicht, dass die K├Ąsekreiner wieder teurer geworden waren, oder warum sie ihm nun so schwer im Magen lagen oder dass er sich mit mir etwas ausgemacht hatte und schon sp├Ąt dran war. In M├Ągen konnten sie hineinsehen und in seinem lesen, dass er sich kaum umgebracht haben w├╝rde, nachdem er sich zuvor gut angegessen hatte. Meine Freundin, so nenne ich sie immer noch, gab ihnen recht. Vielleicht lag sie damit richtig, sie hatte gut Reden, f├╝r sie ging es um nichts. Ich vermisse sie. Und doch blieb kaum noch Platz f├╝r lange Gespr├Ąche, denn es war so weit. Schon lag ich am Boden. Das Messer war mir eher aus der Hand genommen als ich Hauptschlagader oder f├╝nfte Rippe nur andenken konnte, doch wie gesagt, ich h├Ątte dies nie getan, nicht im ├Ąu├čersten Notfall. Eigentlich nicht weil ich den Entschluss gefasst hatte es nicht zu tun, nein vielmehr weil ich mich nie entschlie├čen k├Ânnte es durchzuziehen. Doch es war gelaufen, denn das klicken von Handschellen machten es offiziell, ich war verhaftet. Der Glatzkopf vom Hauptschalter, der mir gleich wie der Leiter einer Spezialeinheit mit hohem Rang, keine Ahnung, etwa Major vorgekommen war hatte sich angepirscht und seine Kollegin gerettet. Dass sie mir in die Seite trat, wurde von der Mehrzahl nun aus allen L├Âchern str├Âmenden scheinbar die ganze Zeit ├╝ber versteckt gebliebenen Schaulustigen mit verst├Ąndigem Murmeln quittiert. Ich selbst fand es nur gerecht, obwohl ich sie nun charakterlich anders einstufte und nicht mehr in Versuchung kommen w├╝rde, sie als nett zu bezeichnen. Das warÔÇÖs also, ich war weder gestorben noch hatte ich jemanden get├Âtet. Was ich bezweckt hatte, wissen die G├Âtter. Es war geschehen, wie alles in meinem Leben. Dies war der Punkt, an den ich kommen sollte, nicht weil es so einen Schwachsinn wie Schicksal oder Vorbestimmung gab, sondern weil ich alles tat, um dies zu erm├Âglichen, und noch mehr, alles auslie├č, was es verhindert h├Ątte. Ich w├Ąre wohl gleich verhaftet worden, h├Ątte sich die vom Klo kommende vermeintliche Bankangestellte nicht so g├╝nstig als Geisel geboten! Nun zerrte sie an meiner Maske, nahm sie ab und sah mich an. Kurz bef├╝rchtete ich sie w├╝rde spucken. Nun hatte ich wieder ein Gesicht.

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Wanni
Festzeitungsschreiber
Registriert: Mar 2003

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zum Text

Also im Gro├čen und Ganzen, ist das schon nicht schlecht geschrieben, finde ich. Aber irgendwie geht der Zusammenhang in der Mitte mal verloren und die Story klingt ein wenig ├╝bertrieben. Da man aber in Geschichten alles schreiben kann - was soll's.
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rolarola
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Mar 2003

Werke: 13
Kommentare: 97
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Hallo Efiriel!

Nette Geschichte! Der "fette, tote Dichter vergangener Zeit" hie├č ├╝brigens Friedrich Nietzsche und das Zitat mit der Peitsche stammt aus dem Werk "Also sprach Zarathustra". Den Tipp mit der Peitsche bekommt Zarathustra von einem alten Weiblein.

LG,

rolarola
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Efiriel
Hobbydichter
Registriert: Mar 2003

Werke: 3
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Danke

Hallo Wanni, Hallo Rolarola

Hallo. Ich bin erfreut andere Meinungen zu erhalten. Familie und Freunde haben oft nicht den n├Âtigen Abstand.
Mir wird ja nachgesagt, ich schreibe manchmal abgehackt und kompliziert. Meine Gedanken machen oftmals gro├če Spr├╝nge und es ist nicht wirklich einfach f├╝r den Lesenden die Duftspur nicht abrei├čen zu lassen.
Daher versuche ich auf Anregungen angemessen zu reagieren, das ist aber nicht immer einfach. Ihr macht es mir allerdings sehr leicht, da ihr sehr gut zu mir seid.

liebe Gr├╝├če

Efiriel

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