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Vermisst
Eingestellt am 16. 12. 2003 23:51


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Yoanna
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Vermisst

"Noch 1 Person vermisst
Nach der ├ťberschwemmung am letzten Montag im s├╝dfranz├Âsischen D├ępartement H├ęrault wird weiterhin eine junge Frau vermisst. Eine Pressesprecherin der ├Ârtlichen Rettungsorganisationen lie├č verlauten, es werde nach wie vor intensiv nach der Vermissten gesucht. Ihre ├ťberlebenschancen s├Ąnken jedoch st├╝ndlich ÔÇŽ"

├ťber den Rand ihrer Zeitung hinweg konnte Veronika den Strom der mit Einkaufst├╝ten beladenen Passanten beobachten, die, mit sich und ihren Angelegenheiten besch├Ąftigt, gleichg├╝ltig an ihr vor├╝berhasteten. Hin und wieder stie├č einer von ihnen versehentlich gegen ihren Tisch und brachte ihre Kaffeetasse zum Klirren. Sie atmete befreit ein. Berliner Luft ! So gut nach den Jahren spie├čb├╝rgerlicher Enge in der franz├Âsischen Kleinstadt, wo sie sich redlich, doch vergeblich bem├╝ht hatte, den termingeplagten, karriere-orientierten Jungmanagern namhafter Unternehmen aus Marseille, Bordeaux oder Toulouse die Grundregeln der deutschen Grammatik beizubringen.

Wie lange w├╝rde man wohl noch nach ihr suchen ? Ab wann gibt einer es auf, jede Spur eines nahestehenden Menschen zu verfolgen, der bei einer Unwetterkatastrophe verschwunden ist ? Von welchem Zeitpunkt an erkl├Ąrt man ihn f├╝r tot ?

Tot. Muss ich jetzt sterben? Chaos ├╝berall ÔÇŽ Die Wassermassen haben mein Auto hochgehoben und tragen es einfach mit sich davon. Ich habe keine Gewalt mehr dar├╝ber, was mit mir geschieht. Wasser dringt ein, wo ist der T├╝rgriff ÔÇŽ So sieht der Tod aus, das ist also das Ende. Ein fast vierzigj├Ąhriges, kinderloses Leben erlischt, spurlos und ohne Nachkommen. Das Wasser umsp├╝lt eiskalt meine Knie. Da f├Ąllt mir Anne ein, wie sie gestern beim Kaffeetrinken zu mir sagte: "Such dir doch einfach einen anderen Mann, dann wirst du schon sehen, wie das mit dem Kinderkriegen klappt." Solche banalen Gedanken tauchen auf, wenn der Tod naht.

Und dann war da der Baumstamm gewesen, der das Auto vor├╝bergehend zum Stillstand gebracht hatte, lange genug, damit sie sich ans Ufer retten konnte.

Der Rest hatte sich als Kinderspiel entpuppt. Das Bankkonto, das sie vor Jahren f├╝r die von der Gro├čtante geerbte Geldsumme eingerichtet und stets vor Jean geheimgehalten hatte ÔÇô hier war ihr unersch├╝tterlicher Hang, sich nach allen Seiten abzusichern, endlich einmal zu etwas n├╝tze gewesen - w├╝rde f├╝rs erste gen├╝gen, um sich ein Leben in Freiheit und neuer Zuversichtlichkeit aufbauen zu k├Ânnen.

Inzwischen musste Jean die Hoffnung aufgegeben haben, sie noch lebend wiederzusehen. Falls er ├╝berhaupt gehofft hatte. Immerhin war ihre Beziehung in den letzten Monaten alles andere als rosig gewesen. Unter der Belastung der jahrelangen, vergeblichen Versuche, ein Kind zu zeugen, war die Liebe nach und nach verschlissen. Langwierige, oft schmerzhafte Untersuchungen, Hormonbehandlungen und Zeitpl├Ąne waren wie Parasiten in ihr Intimleben eingedrungen. Und am Ende hatte immer wieder die Entt├Ąuschung gestanden, wenn der Traum vom eigenen Kind wieder einmal wie eine Seifenblase zerplatzt war.

Bald w├╝rde sie 40 sein, eigentlich schon viel zu alt, um ├╝berhaupt noch an Kinder zu denken. Aber sie konnte nicht anders. Kinder zogen sie einfach magisch an mit ihren gro├čen Augen, ihren glatten Gesichtern, dem ┬ź Kindchenschema ┬╗, das sie im Biologieunterricht durchgenommen hatten und das bei ihr anscheinend besonders intensiv und nachhaltig an den sogenannten Mutterinstinkt appellierte.

Und jede Stunde, mit der sie ihr Schweigen verl├Ąngerte und es schlicht unterlie├č, sich bei ihrem fr├╝heren Lebensgef├Ąhrten zu melden, verringerte die M├Âglichkeit, den einmal getanen Schritt r├╝ckg├Ąngig zu machen. So einfach war das. Sie hatte nichts weiter zu tun, als die Zeit vergehen zu lassen ÔÇŽ

Ein Job als Lehrerin war schnell gefunden. Ihre Berufserfahrung und Weltgewandtheit waren Eigenschaften, die sich jetzt als wahre Tr├╝mpfe herausstellten. Auch eine Wohnung anzumieten, erwies sich als unerwartet einfach. Jetzt fehlte nur noch der Mann, denn die biologische Uhr tickte unerbittlich weiter.

Dem Direktor der Sprachenschule, in der sie arbeitete, begegnete sie zun├Ąchst nur ein paarmal fl├╝chtig auf dem Flur. N├Ąher kamen sich Veronika und Harald erst auf der Weihnachtsfeier, die f├╝r s├Ąmtliche Mitarbeiter in einem Restaurant abgehalten wurde. Sie sa├čen zuf├Ąllig nebeneinander und verstrickten sich rasch in ein angenehmes, f├╝r beide Seiten spannendes Gespr├Ąch. Sp├Ąter, beim Tanzen, hatten sie jede Menge Spa├č miteinander, alberten herum und verlie├čen die Feier auf ganz nat├╝rliche Weise gemeinsam.

Der Nachtspaziergang, der nun folgte, war nicht unbedingt das Aufregendste, was Veronika sich als Auftakt zu einer Liebesbeziehung vorzustellen vermochte. Die K├Ąlte verhinderte jedes l├Ąngere Stehenbleiben, bei dem man sich beispielsweise tief in die Augen h├Ątte blicken oder sogar k├╝ssen k├Ânnen, und zwang sie, entschlossen auszuschreiten. Immerhin kuschelten sie sich zum Schutz gegen den Frost zusammen und passten ihre Schritte einander an. Abgesehen von den witterungsbedingten Unannehmlichkeiten waren die Gegebenheiten ideal: Intensive Lebenserfahrung hatte beide zu verantwortungsbewussten Menschen heranreifen lassen, beide waren ungebunden, beide w├╝nschten sich, nun endlich eine Familie zu gr├╝nden.

So ergab es sich wie von selbst, dass sie ein Paar wurden. T├Ąglich entdeckten sie neue gemeinsame Interessen, weitere Punkte, in denen sie harmonierten. Sie verbrachten eine gl├╝ckliche Zeit miteinander, und als Veronika andeutete, man solle allm├Ąhlich beginnen, an Heirat und Nachwuchs zu denken, war Harald sofort einverstanden.

Dass Veronika in S├╝dfrankreich schon einmal verheiratet gewesen und von dort einfach spurlos verschwunden war, verschwieg sie ihm selbstverst├Ąndlich.

Sie mussten nicht lange warten, Freundin Anne hatte Recht gehabt. Veronika f├╝hlte sich bereits schwanger, bevor sie noch das Testergebnis abgelesen hatte. Harald war au├čer sich vor Freude, und augenblicklich begannen beide, Pl├Ąne f├╝r die Zukunft zu schmieden. Zuerst sollte ein Haus mit Garten irgendwo am Stadtrand gefunden werden, denn das Kind w├╝rde frische Luft und viel Platz brauchen. Dann wollten sie heiraten und ein gro├čes Fest im neuen Heim ausrichten. Veronika w├╝rde ihre Berufst├Ątigkeit vorerst unterbrechen, um sich uneingeschr├Ąnkt dem Kind widmen zu k├Ânnen. Und vielleicht w├╝rde die Zeit auch noch reichen, um ein zweites Kind zu bekommen.

Alles traf wie geplant ein. F├╝r Veronika, die mit Jean jahrelang nichts als Frustrationen erlebt hatte, war dies eine v├Âllig neue, himmlische Erfahrung. Endlich durfte sie sich als Bestimmerin ihres eigenen Schicksals f├╝hlen und war den Wechself├Ąllen ihrer eigenen Geschichte nicht mehr so hilflos ausgeliefert.

Jonas kam drei Tage nach dem errechneten Entbindungstermin zur Welt. Die Geburt verlief ohne medizinische Zwischenf├Ąlle, allerdings nicht im Beisein des Vaters, der kein Blut sehen konnte und bef├╝rchtete, nur im Weg zu stehen. Als alles vorbei war, kam er jedoch sogleich in den Krei├čsaal gelaufen und nahm seinen Sohn erst ungl├Ąubig, dann voller Stolz in die Arme. "Na, du Stammhalter", begr├╝├čte er ihn, wobei er ihn etwa einen halben Meter vom eigenen K├Ârper entfernt auf den ausgestreckten Armen balancierte. Zur Antwort erhielt er zun├Ąchst nur ein schwaches Qu├Ąken, das jedoch rasch zu einem w├╝tenden Schreien anschwoll. Verunsichert reichte er das B├╝ndel seiner Frau zur├╝ck, die es sogleich an die Brust legte. Das Gl├╝ck der frischgebackenen Familie war vollkommen.

In den n├Ąchsten Monaten durchlebte Veronika s├Ąmtliche H├Âhen und Tiefen des Mutterdaseins in der Anfangsphase. Durchwachte N├Ąchte, anhaltendes Geschrei des S├Ąuglings sowie vergebliches Suchen nach den Ursachen, Stillprobleme und Vorsorgeuntersuchungen machten nunmehr ihren Alltag aus. Harald entpuppte sich bei alldem als schwache Hilfe, denn er schien das Baby, um das sich gegenw├Ąrtig alles drehte, in erster Linie als Angelegenheit seiner Frau zu betrachten. Damit seine Nachtruhe nicht gest├Ârt wurde ÔÇô immerhin arbeitete er tags├╝ber, wie er des ├Âfteren betonte - schlug sie ihr Nachtlager vor├╝bergehend im Wohnzimmer auf, wo sie das Kind in der N├Ąhe haben und nach Bedarf stillen konnte.

Eines Abends schreckte Veronika von der Wohnzimmercouch hoch, auf der sie gerade todm├╝de zusammengesunken war. Harald war ger├Ąuschvoll ins Zimmer getreten und hatte sich schwerf├Ąllig neben sie auf den Fu├čboden fallen lassen. Offensichtlich hatte er Alkohol getrunken. ÔÇ×Stell dir vor, wir haben den Gro├čauftrag vom Arbeitsamt in der Tasche! Ich werde eine ganze Reihe neuer Lehrer f├╝r Deutsch als Fremdsprache einstellen m├╝ssen. Das war genau das, was wir brauchten. Schade, dass du im Moment nicht abk├Âmmlich bist, du musst ja stillen.ÔÇť Veronika freute sich ehrlich f├╝r ihn. Endlich w├╝rde ein frischer Wind durch sein Unternehmen wehen, dem es in der letzten Zeit nicht mehr so gut gegangen war. An diesem Abend machten sie es sich mit einer Flasche Champagner gem├╝tlich und malten einander die neuen Perspektiven in den schillerndsten Farben aus.

Von nun an lag die Entfaltung der neuen Kleinfamilie allein in Veronikas H├Ąnden. Abwasch, Einkauf und verschmutzte Windeln waren ausschlie├člich ihr Ressort, w├Ąhrend Harald immer h├Ąufiger entweder im Arbeitszimmer anzutreffen oder g├Ąnzlich abwesend war. An Ausruhen war Nachts wenig, tags├╝ber fast gar nicht zu denken. Sie versuchte, die Hausarbeit liegen zu lassen, wenn das Kleine schlief, und sich selbst ein wenig Ruhe zu g├Ânnen, doch jedesmal pl├Ąrrte Jonas gleich wieder los, wenn sie es sich gerade auf der Liege im Wohnzimmer bequem gemacht hatte. Es blieb ihr nichts anderes ├╝brig, als mit aller Kraft gegen die M├╝digkeit anzuk├Ąmpfen und sich in Gelassenheit zu ├╝ben. Schlie├člich hatte sie nicht diesen au├čergew├Âhnlichen Weg zur ersehnten Mutterschaft eingeschlagen, um jetzt schlapp zu machen. In der Stillgruppe kn├╝pfte sie Kontakte zu anderen Frauen, die ihr ├╝ber die schlimmsten Momente hinweghalfen, wenn alles aus dem Gleis zu geraten schien.

An einem Sonntag Morgen er├Âffnete ihr Harald beim Fr├╝hst├╝ck, er m├╝sse in drei Wochen einen siebent├Ągigen Intensivkurs auf der Insel R├╝gen leiten. "Moment mal, das f├Ąllt ja genau auf Jonas' Geburtstag!", rief Veronika entsetzt aus. Der Gedanke, dieses erste Jahresfest allein mit ihrem Sohn begehen zu m├╝ssen, lie├č Panik in ihr hochsteigen. Dann brach ihr Unmut durch. Was f├╝r eine Familie sie denn seien, wenn sie solche H├Âhepunkte nicht gemeinsam erlebten. Ob ihm sein Sohn so wenig bedeute. "Nun mach mal halblang, Vero", meinte er l├Ąssig, "es kommt doch nicht auf ein paar Tage an, und der Kleine versteht doch sowieso nichts davon." Schlie├člich schlug er vor, die Feier auf den Tag seiner R├╝ckkehr zu verlegen, so dass er dabeisein k├Ânne.

Sie lud ihre Freundinnen von der Stillgruppe mit deren Kindern ein. Das Wohnzimmer wurde mit Girlanden und Luftballons geschm├╝ckt, aus der Musikanlage schallten fr├Âhliche Kinderlieder, und auf dem Esstisch standen Kaffee, Saft, Kuchen und Bonbons bereit. Es wurde eine gem├╝tliche, turbulente Feier. M├╝tter und Kinder lachten durcheinander, tanzten und schlugen sich die B├Ąuche mit S├╝├čigkeiten voll. Als Harald am fr├╝hen Abend im T├╝rrahmen stand und entgeistert auf das bunte Treiben starrte, bemerkte ihn zun├Ąchst niemand. Erst nachdem er laut "Was'n hier los?" dazwischengebr├╝llt hatte, wurde es schlagartig still im Raum. "Ach, da bist du ja", rief Veronika leichthin und legte eine neue CD ein. "Komm, tanz mit uns, es macht gerade so viel Spa├č!" Aber Harald sch├╝ttelte nur den Kopf und brummte etwas von "anstrengender Woche" und "ausruhen", wobei er sich umdrehte und in sein Arbeitszimmer fl├╝chtete. So hatte er sich das Feiern anscheinend nicht vorgestellt. Die G├Ąste fingen die Botschaft auf und verabschiedeten sich rasch, obwohl Veronika ihnen immer wieder beteuerte, sie seien herzlich willkommen, und er meine es doch nicht so. An diesem Abend wurde Veronika endg├╝ltig klar, dass sie in ihrer Ehe einsam war.

Den gemeinsamen Urlaub wollten sie im ├Âsterreichischen Vorarlberg verbringen. "Aber nur zwei Wochen, mehr ist nicht drin", hatte Harald vorsichtshalber angek├╝ndigt, f├╝r den Fall, dass sie Vorstellungen von einem l├Ąngeren Ferienvergn├╝gen hegte. Das Apartment befand sich in einer idyllischen Clubanlage an einem blumen├╝bers├Ąten Berghang, von dem man eine herrliche Aussicht ins Tal hatte. Sofort nach ihrer Ankunft schlug Veronika begeistert vor, gleich eine kleine Wanderung zu unternehmen, bevor noch die Koffer ausgepackt w├Ąren. Harald lehnte entsetzt ab, er sei m├╝de und m├╝sse sich erst einmal ausruhen.

Sein Ruhebed├╝rfnis erwies sich in den folgenden Tagen als besonders hartn├Ąckig. Veronika musste ihre Wanderungen gezwungenerma├čen ohne ihn unternehmen, wobei sie Jonas in der R├╝ckentrage mitnahm, was ihren Aktionsradius erheblich einschr├Ąnkte. Um dennoch mehr von der Umgebung sehen zu k├Ânnen, fuhr sie oft zun├Ąchst ein St├╝ck mit dem Wagen.

"Papa mit", kr├Ąhte Jonas eines Morgens und streckte Harald seine ├ärmchen entgegen, als dieser es sich gerade mit der Zeitung auf dem Sofa bequem gemacht hatte. "Nee nee, lauft ihr mal sch├Ân ohne mich die Berge rauf", st├Âhnte er, "Papa muss immer so viel arbeiten, der braucht jetzt seine Ruhe. Nimm Regenzeug mit, Veronika, sie haben Gewitter angek├╝ndigt."

In der Tat ballten sich in der Ferne dunkle Wolken zusammen, die Veronika jedoch nicht davon abhielten, sich mit Jonas ins Auto zu setzen und loszufahren. Einen ganzen Tag mit Harald in der Wohnung zu verbringen, schien ihr eindeutig langweiliger, als im Auto durch ein bisschen Regen zu fahren.

Dieser lie├č nicht mehr lange auf sich warten. Veronika war fast im Tal angekommen, als die ersten Blitze durch den schwarz gewordenen Himmel zuckten. Hundertfach hallte der Donner von den Bergen wider, und das Wasser ergoss sich in Sturzb├Ąchen die Stra├če hinunter. Bald schon musste Veronika an den Stra├čenrand fahren und anhalten. Sie sah, wie sich weiter unten im Tal das Wasser sammelte, wie der Fluss innerhalb weniger Minuten ├╝ber seine Ufer trat. Kurz darauf war die ganze Talsohle mit Schlammmassen bedeckt, und einige Pkw, die Wanderer dort abgestellt hatten, fingen bereits an zu schwimmen. Die Bilder, die sich ihr boten, waren furchtbar vertraut und vermischten sich mit ihrer Erinnerung.

Wassermassen ├╝berall. Alles ger├Ąt aus den Fugen, weicht auf in der kalten Flut. Wasser dringt ins Auto, wo ist der T├╝rgriffÔÇŽ Nur nicht die Nerven verlieren jetzt. Denk nach, handle, denk an dein Kind.

Jonas weint. "Hab' keine Angst, mein Kleiner, wir kommen hier schon wieder raus."

Heftig keuchend blickte Veronika um sich. Sie hatte es in der Hand. Wieder einmal.


"Katastrophale ├ťberschwemmungen in ├ľsterreich
Das schwere Hochwasser, das in den letzten Tagen weite Teile Deutschlands ├╝berflutet hat, forderte nun auch in ├ľsterreich erste Opfer. Im Bundesland Vorarlberg sind gestern sieben Menschen in den Schlammmassen ums Leben gekommen.
Wie die ├Âsterreichischen Beh├Ârden mitteilten, werden seit gestern auch eine Frau und ihr 17 Monate alter Sohn vermisst. Sie waren trotz der ung├╝nstigen Witterungsbedingungen mit dem Auto zu einer Wanderung aufgebrochen. Der Ehemann benachrichtigte am fr├╝hen Abend die Polizei. Nach Mutter und Sohn wird mit ungebrochenen Kr├Ąften gesucht."

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wondering
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Liebe Yoanna,

ich habe deine Geschichte sehr gerne gelesen.
Sie ist fl├╝ssig geschrieben und auch der Spannungsbogen hielt sich bis kurz vor Schluss, als ich ahnte, dass deine Prot. wieder "flieht".

Selbst die eine oder andere klischeehafte Darstellung passt ins Gesamtbild.
Ob deine Protagonistin gut daran tut, jedesmal zu fl├╝chten, auch wenn das Weltklima mit seinen h├Ąufigen Unwettern ihr dabei helfen mag, wird der Leser jeweils f├╝r sich entscheiden.

Ich habe an einer Stelle eine Frage zu Spachlichem:
"Sp├Ąter, beim Tanzen, hatten sie jede Menge Spa├č miteinander, alberten herum und verlie├čen die Feier auf ganz nat├╝rliche Weise gemeinsam."

Wie muss ich mir eine "unnat├╝rliche Weise" vorstellen, eine Party zu verlassen?

Ich denke, es gen├╝gt, darzustellen, dass sie die Party gemeinsam verlassen...

Alles in Allem gelungen meint
mit Gr├╝├čen
wondering

__________________
Wenn man die Ruhe nicht in sich selbst findet, ist es umsonst, sie woanders zu suchen.

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Yoanna
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Nat├╝rliches Verlassen von Partys

Hallo wondering,

Danke f├╝r Dein n├Ąchtliches Lesen. "Nat├╝rlich" verl├Ąsst man die Party gemeinsam, wenn man dar├╝ber nicht erst gro├č spricht, sondern es einfach tut. "Unnat├╝rlich" ist es, wenn einen die Umst├Ąnde dazu treiben oder wenn man erst lange dar├╝ber debattiert hat.
Ich glaube auf jeden Fall, die Prot wird durch ihr ewiges Fliehen nicht gl├╝cklicher. Aber ich fand den Gedanken faszinierend, so eine ├ťberschwemmungskatastrophe, von denen es in letzter Zeit ja jede Menge gibt, f├╝rs eigene Verschwinden zu nutzen. Also, nicht f├╝r meines, nat├╝rlich. Oder sollte ich das doch mal probieren ...?

Gr├╝belnde Gr├╝├če,

Yoanna

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