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Leselupe.de > Humor und Satire
Verruchte Tochter
Eingestellt am 31. 07. 2016 17:31


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onivido
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Wie ein Tiger im Käfig schritt Herr Kühne im Wohnzimmer auf und ab. Den Fernseher hatte er ausgeschaltet. Zu dämlich das Program. Herr Kühne war besorgt. Es war schon weit über zehn Uhr nachts und seine Tochter, Susy, war immer noch nicht nach hause gekommen. Seine Frau war auch nicht da. Nicht einmal ihr Handy hatte sie eingeschaltet. Ausgerechnet heute war ihr Tratschabend. Sie war eben nie zur Stelle, wenn man sie brauchte. Geteilte Sorgen sind doch bekanntlich halbe Sorgen. Oder war es geteiltes Leid? Natürlich, Leid. Ist doch egal. Und ausserdem, wem sollte er da jetzt die Schuld geben für das Verhalten dieser Göre, mit wem sollte er zanken. Diese Weiber, sie haben eben kein Verantwortungsgefühl! Wie konnte seine Frau nur so lasch reagieren, wenn es darum ging Susy den Umgang mit Mehmet auszureden, geschweige denn zu verbieten. Recht hatte sie natürlich schon. Susy hatte eigentlich gar keine grosse Wahl. In ihrer Schule gab es doch fast nur Türken. Dafür konnte Susy nichts. Sie mussten ausziehen aus diesem Viertel, nichts wie weg von hier, weg, bevor es zu spät war. Ja, und ausserdem meinte Sabine, so hiess seine Frau, sähe der Mehmet sehr gut aus. Das war doch die Höhe, ihm so in den Rücken zu fallen. Zugegeben Mehmet war eigentlich ganz okay. Ein ausgezeichneter Fussballer. Ein vernünftiger Junge, keine Drogen, keinen Alkohol, etwas zu altklug für Kühnes Geschmack.
“Es gibt nur einen Gott”, hatte er geantwortet, als das Gespräch einmal vom Fussball unverhofft auf Religión kam, “die Menschen verehren ihn alle auf ihre Weise. Überall hat er einen anderen Namen, genauso wie auch der Mond und die Sonne in jeder Sprache anders heissen.”
Wer ihm das wohl vorgesagt hatte? Bestimmt nicht der Imam. Egal, es war wirklich gar nicht so dumm. Wenn der Kerl nur ein Jens wäre oder ein Otto, sogar ein bayrischer Seppl wäre noch akzeptabel, aber augerechnet Mehmet. Kühne fühlte sich verlassen und hilflos. Na ja, seine Gattin würde schon wieder nach hause finden. Aber seine Tochter, wo sie nur steckte. Sollte er bei Mehmets Eltern anrufen? Er wusste nicht einmal ihre Telefonnummer. Was hatte Susy angezogen? Er müsste ihre Kleidung beschreiben können, wenn er eine Vermisstenmeldung bei der Polizei machte. Erschrocken verwarf er diesen Gedanken. Dennoch plagten ihn böse Vorahnungen, als er er die Tür des Zimmers seiner Tochter öffnete.
Auf ihrem Bett lag ein Briefumschlag. Hastig riss er ihn auf und fingerte ein Blatt Papier heraus, eine aus einem Schulheft herausgerissene Seite.

Lieber Vati, liebe Mutti,
ich bin zu meinem neuen Freund gezogen. Endlich habe ich eingesehen, dass Mehmet nicht der Richtige für mich ist. Bestimmt freut euch das. Jetzt habe ich die Liebe meines Lebens gefunden. Der Junge ist wirklich fantastisch. Seine Piercings, seine Tätowierungen und sein tolles Motorrad haben es mir angetan. Aber nicht nur das. Ich bin schwanger und Adrian meint, wir werden sehr glücklich sein in Berlin. Er möchte viele Kinder mit mir haben und das ist auch mein Traum. Ich habe gemerkt, dass Marihuana keinem schadet und wir haben vor das Kraut auf dem Balkon zu pflanzen als Nebenverdienst und natürlich auch für uns und unsere Freunde, weil sie uns Kokain besorgen, soviel wir wollen.
Wir beten, dass die Wissenschaft bald ein Mittel gegen AIDS findet, damit Adrian wieder gesund wird. Adrian meint, dass seine Menschenrechte grob missachtet werden. Er kann nicht einmal zum Arzt gehen, weil ihn sonst bestimmt die Polizei schnappt, wegen eines Ăśberfalls auf einen Supermarkt in Recklingshausen. Dabei ist eine Kassiererin ums Leben gekommen. Mein Adrian war nicht schuld.
Um Geld braucht ihr euch übrigens keine Sorgen zu machen. Adrian hat seine Freunde Leo und Boris dazu überredet, mich bei den Filmen mitmachen zu lassen, die sie im Keller drehen. Ich verdiene 50 Euros pro Szene. 50 weitere, wenn mehr als drei Männer mitwirken und 50 mehr, wenn ein Hengst dabei ist. Mach dir keine Sorgen Mutti, ich bin schon fast 16 und kann auf mich aufpassen.
In ein paar Jahren besuche ich euch, damit ihr eure Enkel kennenlernt.

Eure liebe Tochter Susy


P.S.: Papi, Mutti, das ist ein Scherz. Ich bin bei VerĂłnica. Wir sehen fern. Ich wollte euch nur zeigen, dass es Schlimmeres im Leben gibt als KopftĂĽcher.

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Alferich Weber
Wird mal Schriftsteller
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Liebe/r onivido

Ich finde die Grundidee deiner Geschichte wirklich ausgesprochen gut und deine Erzählkunst ist auch auf einem überdurchschnittlichem, gut zu lesenden Level. Ich habe nur einen massiven Kritikpunkt an deiner Erzählung, von dem ich nicht schweigen kann, gerade jetzt, wo dein Werk zum Werk des Monats erklärt wurde.
Dieser Kritikpunkt bewegt sich auf der Ebene des Diskurses (dem „Was?“) deiner Geschichte.

Im Grunde lässt sich deine Erzählung ja als eine „Anti-Diskriminierungsgeschichte“ lesen. Die Lösung der Handlung finde ich da allerdings nur mäßig gelungen. Du wendest dich zwar gegen die Diskriminierung von Menschen auf Grund ihrer Herkunft oder ihres kulturellen Hintergrundes, allerdings nur um direkt im Anschluss das klischeebehaftetste Bild eines Rockers zu zeichnen (man könnte fast schon sagen: zu karikieren) und somit die vorhandene Skepsis gegen die eine Bevölkerungsgruppe auf eine andere zu verlagern. Nun werden halt nicht mehr Türken diskriminiert, sondern rockerhaft aussehende Menschen. Spinnen wir die Geschichte doch einmal weiter: Susy trennt sich irgendwann aus welchem Grund auch immer von ihrem Mehmet und verguckt sich – wie es der Zufall so will – in einen Metaller. Denkst du der Vater wäre nach so einem Brief dieser Partnerschaft aufgeschlossener?
Man könnte zwar sagen, es handele sich ja um eine fingierte und daher wahrscheinlich (stark) übertriebene Schilderung, jedoch ist es dieser Satz „… dass es Schlimmeres im Leben gibt, als Kopftücher.“, der den Fokus noch einmal auf das Aussehen legt und diesen Eindruck wieder zerstört.

Mein Fazit ist daher:
Eine tolle, absolut zeitgemäße Grundidee, verpackt in eine gekonnte Prosasprache, die aber auf der Ebene des Diskurses so ihre Schwächen hat, da sie das Problem der Diskriminierung anstatt eine Art Lösungsansatz zu bieten nur von einer Bevölkerungsgruppe zur nächsten verschiebt.
Es kann nicht die Lösung sein, dass man die Diskriminierung der einen Bevölkerungsgruppe hemmt, indem man die Diskriminierung einer anderen verstärkt.

Liebe GrĂĽĂźe
Alferich

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onivido
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Fuer meine verspaetete Reaktion auf die Kommentare entschuldige ich mich. Es war mir waehrend der letzten 2 Wochen nicht moeglich, mich an einen PC zu setzen.
Wie ich sehe ist die Geschichte aus verschiedenen Gruenden auf starke Ablehnung gestossen. Nur aus Respekt vor dem Redakteur der Leselupe , der sie ausgewählt hat, habe ich sie nicht geloescht.
Besonders moechte ich Alferich fuer seine Anlyse danken. Jedoch straeube ich mich dagegen den Typ den die Tochter als ihren neuen Schwarm beschreibt, als Bevoelkerungsgruppe, oder Minderheit zu betrachten. Es wird hier eindeutig ein krasser Versager beschrieben, der besser in einer Irrenanstalt oder bestenfalls in einer Strafanstallt aufgehoben waere.
Es freut mich auch dem Volksgenossen Gerber eine Gelegenheit gegeben zu haben seiner Wut Ausdruck zu geben. Nicht verstehe ich aber, warum er zu dem Schluss kommt, ich wuerde deutsche Maenner als “Dreck” bezeichnen, oder darstellen, es sei denn er meine, dass der neue Schwarm der Tochter den deutschen Mann verkoerpere. Der ist wirklich Dreck.
Uebrigens—wo waren die Maenner bei den Uebergriffen in Koeln. Koennen Maenner ihre Frauen nicht selbst beschuetzen. Brauchen sie die Polizei dazu?

Beste Gruesse///Onivido


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