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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Virago
Eingestellt am 05. 06. 2004 18:54


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Thomas Sichelschmied
Schriftsteller-Lehrling
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Virago



Geschichten beginnen manchmal an den ungew├Âhnlichsten Orten. Einige in der Vergangenheit, andere in der Zukunft und manche auch schlicht am Anfang. Diese hier nun beginnt im Jahre 2027 in einem Hamburger Stra├čencafe.


Eine junge Frau betrat das Lokal in der Saseler Twiete, einer recht ruhigen Nebenstra├če im Norden der Stadt. Sie schlenderte zu einem der freien Tischchen im Inneren, setzte sich und wartete. Gekleidet war sie trotz der schon warmen Maisonne in eine dunkle Lederhose und Jacke. Drau├čen am Stra├čenrand stand ein Chopper-Motorrad. Mit dem war sie gerade gekommen. Ein Hauch von Benzin und Landstra├če lag noch in der Luft. Die Kr├╝mmer gl├╝hten noch ein wenig nach und die Auspuffrohre – alle satt in Chrom gehalten - spiegelten die Beine der Vorbeigehenden, doch daf├╝r hatte der d├╝rre Mann am Tresen keine Augen. Er schaute oder starrte zu der Frau in Lederkluft. Sie bemerkte ihn. Nat├╝rlich, denn er stierte ja unentwegt. Etwas Eigenartiges, Merkw├╝rdiges lag in ihren Augen, fand er, vielleicht auch Trauer. Dann sah sie weg. Der Mann stand auf, nahm sein Bierglas und ging geradewegs zu ihr hin├╝ber.

„Ist das da eine ‚Savage’?“, fragte er und begann damit ein Gespr├Ąch.

„Nee, Virago“, mehr beil├Ąufig antwortete sie ihm und widmete sich dann der Bestellkarte. Er blieb weiterhin neben ihr stehen.

„Die ist schon alt, oder? Ich tippe 2006 oder 2008.“

Die Frau, Sonja hie├č sie, wurde langsam ungn├Ądig. Der Typ nervte sie, au├čerdem roch er streng. „Es ist eines der Letzten der V8er.“, meinte sie dann etwas schnippisch.

„H├Ąh?“

„Das war ein Filmzitat aus einem der Lieblingsfilme meines... Vaters...“, sie stockte, „aber das kann Ihnen sicher egal sein. Um Ihre Frage zu beantworten: Ja, es ist eine der letzen in Deutschland neu zugelassenen Viragos. Baujahr 2004. Die Exemplare, die danach kamen, waren Grauimporte aus Polynesien oder aus Aserbaidschan. Warum wollen Sie das eigentlich wissen? Sie sehen nicht gerade aus, als wenn schon einmal auf einer Maschine gesessen h├Ątten.“

„Ach? Und wie sehe ich denn aus“, wollte der Mann, dem seine Eltern die poetischen Vornamen Huobert Eugen gegebenen hatten, nun gerne wissen. Der s├Ąuerliche Geruch von Alkohol umnebelte seine letzten Worte. Er h├Ątte vielleicht besser nicht fragen sollen, denn in Sonjas Gesichtsz├╝gen spiegelte sich eine gewisse Gereiztheit.

„Wie Sie aussehen, wollen Sie wissen? Wirklich?

Er nickte und grinste dabei breit.

„Gut. Lassen Sie mich mal ├╝berlegen... Ich denke... ja, ich denke Sie sehen aus wie jemand, der eine Frau nur deshalb nach ihrem Motorrad fragt, weil er darin eine M├Âglichkeit sieht, auf ihre Titten und ihren Arsch zu starren und sich dabei vorzustellen, wie es wohl w├Ąre, sein kleines verkr├╝ppeltes Ding in ihre M├Âse zu stopfen. Ja, so denke ich, sehen Sie aus.“

Dem Mann fiel die Kinnlade runter. Aber sie hatte nicht ganz unrecht, denn er sah wirklich ein bisschen so aus. Hinter dem kleinen viel zu untergewichtigen Huobert war inzwischen ein Kellner erschienen. Er l├Ąchelte verlegen und traute sich wegen dem eben Geh├Ârten kaum zu etwas zu fragen. Sonja bestellte ein Kirscheis mit Sahne und dazu einen Cappuccino ohne S├╝├čstoff (wegen der Krebsgefahr), aber daf├╝r mit unraffiniertem Zucker. Huobert Eugen zahlte wortlos und verlie├č dann puterrot das Cafe; er w├╝rde es nie mehr betreten. Einfach schon deshalb nicht, weil er so in Gedanken ├╝ber das eben Erlebte einen LKW ├╝bersah und wenige Tage darauf an den Folgen dieses Unfalles verstarb.

Das Eis schmeckte k├╝nstlich, passend zu den Kirschen, fand sie, aber der Cappuccino holte alles wieder raus. Er war einfach nur k├Âstlich. Nachdem sich ihr Puls und auch ihr allgemeiner Zustand wieder ein wenig beruhigt hatten, fand sie die Mu├če, das zu tun, weshalb die meisten Menschen ein Stra├čencafe betraten; n├Ąmlich, um andere Leute zu beobachten. So las, leicht versetzt am Tischchen neben ihrem eine ├Ąltere Dame in einer Zeitschrift, eine Ausgabe von Gala aus dem Jahre 2012, wohl ein Nachdruck. Hinter ihr knutschte wie wild ein P├Ąrchen und dahinter, sie verrenkte ihren Kopf, um ihn zu sehen, sa├č ein Mann. Auch er schaute zu ihr her├╝ber. Oh, nein, nicht schon wieder so einer, dachte sie ver├Ąrgert und ignorierte ihn fortan einfach.

Das Interieur hier gefiel ihr. Es war so eine spannende Mischung aus 80iger Jahre Stil des vorangegangen Jahrhunderts – klare Linien, viel Metall, Kunststoff – und andererseits ein bisschen Verwegenes einer Havanna-Bar mit reichlich Holz im Tresenbereich, einer Landkarte vom ehemaligen Cuba, dem unvermeidlichen Che Bild und dazu, vermutlich gedacht als Gegensatz, das ber├╝hmte Poster von George Bush nach dem Kriegsverbrecherprozess. Per Hand hatte jemand: noch 26 Jahre, dazu geschrieben, aber das war wohl schon etwas her, denn im Fernsehen hatten sie unl├Ąngst gesagt, er m├╝sse noch bis M├Ąrz 2050 einsitzen. Das waren nur noch 23 Jahre. Der Mann schaute noch immer zu ihr her├╝ber, nicht so penetrant, wie der Typ vorhin, aber trotzdem so, dass sie es bemerkte. Wieder zwang sie sich, ihre Blicke schleifen zu lassen. An der Wand, wo die Landkarte vom ehemaligen Cuba... wieso sagt eigentlich alle Welt immer ‚ehemaliges’? Und sie sagte das auch immer. Warum? Cuba hie├č immer noch Cuba, oder etwa nicht? Ein Schatten baute sich pl├Âtzlich vor ihr auf. Er geh├Ârte zu dem Mann, der bis eben noch in der hinteren Ecke des Cafes gesessen hatte. Sie war so in Gedanken gewesen, hatte sein kommen nicht bemerkt und so erschreckte sie sogar ein wenig, als er so pl├Âtzlich vor ihr stand.

„Ist was?“, fragte sie ihn deshalb auch gereizt.

„Nein. Oder vielleicht doch.“ Er wirkte unsicher. „Ich habe vorhin - versehentlich nat├╝rlich - ihr Gespr├Ąch mit angeh├Ârt. Und... nun ja, es geht mich eigentlich nichts an, aber es wurden nie Motorr├Ąder aus Polynesien oder aus Aserbaidschan importiert. Das musste ich jetzt einfach mal loswerden.“ Er wirkte nun noch unsicherer.

Sonja musste sich hart ein L├Ącheln verkneifen. „Na, dann habe ich mich wohl geirrt. Und... noch was?“, wobei das letztere h├Ąrter klang, als es beabsichtigt war.

„Mein Name ist Hans“, ignorierte er ihren scharfen Ton und streckte ihr die Hand hin, „und bevor sie mich nach meinem Aussehen fragen... ich lebe seit Jahren mit meinem Freund zusammen, da besteht also wenig Gefahr wegen Sie wissen schon...“

Jetzt l├Ąchelte auch sie, wenn auch nur verhalten. „Ich bin nicht immer so“, meinte sie und erwiderte den H├Ąndedruck. Dann bot sie ihm einen Platz an. „Haben Sie auch eine Museumsmaschine, oder woher kommt das Interesse?“ Sie musste den letzten Satz wiederholen, da vor dem Cafe gerade ein Krankenwagen im Eiltempo mit Blaulicht und zugeschaltetem Martinshorn vorbei fuhr.

„Ja stimmt, ich habe auch eine - schwedischer Grauimport ├╝brigens. Und nun ja, sie l├Ąuft halt nicht wirklich rund, eigentlich l├Ąuft sie gar nicht mehr.“

„Woran liegts denn?“

„Vermutlich an dem linken Luftbutzen. Er fiel mir beim Ausbau in Einzelteilen entgegen. Und versuchen Sie mal, daf├╝r Ersatz zu bekommen.“

Iss’ verdammt schwer f├╝r alten Dinger heut’ noch Teile zu kriegen. Ich hatte das Problem auch mal. Eigentlich ist es ja nur ein Zierteil mit ein paar Kabeln drin, aber ohne zu fahren, ist halt auch schlecht. Es hat bei mir insgesamt ├╝ber sechszehn Wochen gedauert, bevor mein H├Ąndler die Ersatzbutze bekam. Und seit die japanischen Zulieferer nun gar nicht f├╝r ihre Altmaschinen produzieren...“


„... gibt es nur noch diesen Mist aus Italien“, beendete er ihren Satz. „Und die passen meistens nicht einmal.“

„Genau.“

Schweigend sa├čen sie eine Weile da. Sonja trank an ihrem zweiten Cappuccino und Hans hatte sich eine weitere Schale Milchcafe bestellt.

„Ich fand das vorhin sehr mutig von Ihnen“, meinte er dann in die Stille hinein.

„Mutig? Ich wei├č nicht. Nennen sie mich Sonja. Mutig...“ sie atmete tief aus, „mutig war das eigentlich nicht. Der Kerl tat mir nachher fast ein bisschen leid.“ Und um das Thema zu wechseln meinte sie dann: „Was machen Sie eigentlich sonst so; au├čer in Cafes fremde Gespr├Ąche zu belauschen?“

„Ich?“ Ein bisschen rot wurde er. „Ich bin Schichtleiter bei Nockermann in Harburg.“ Schichtleiter bei Nockermann zu sein, war zwar keine direkt falsche Auskunft, aber auch nicht die volle Wahrheit, denn im Eigentlichen betrieb er mit zwei anderen Gesellschaftern das Antiquariat: ‚The Dead walks’. Ein Etablissement, das sich in der Hauptsache auf alte Gruselfilme, wie z.B. die Zombie- und Untotenfilme der siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts spezialisiert hatte, alle nat├╝rlich ungeschnitten und digital ├╝berarbeitet.. Aber zum Leben hatte es selten gereicht, was seine Anteile abwarfen. Und er hatte vor der Frage gestanden, ob er weiterhin nur die Dosenravioli und Dauerwurst der Marke Lidl zu sich nehmen und einmal vielleicht ├ähnlichkeiten mit gewissen Gestalten gewisser Filme aufweisen w├╝rde oder ob er nicht doch noch versuchte zus├Ątzlich Geld zu verdienen. Er hatte sich gegen Lidl entschieden. „Entt├Ąuscht?“, fragte er, nachdem Sonja zuerst nichts antwortete.

„N├Â, wieso“, sagte sie, aber ein bisschen entt├Ąuscht war sie doch.

Sie tranken beide wieder wortlos weiter. Entt├Ąuscht, dachte sie, wieso soll mich das irgendwie.... und warum, ich meine, er ist doch sowieso schwul... und wenn er ... was meinte Papa, sei die beste Frauenanmache? Mach’ einen auf schwul und sie werden versuchen, dich zu bekehren. Na ja, vielleicht... dann sah sie seinen abgespreizten kleinen Finger am Rande der Kaffeeschale und seinen beinahe sehns├╝chtigen Blick auf die beiden gut gebauten jungen M├Ąnner, die gerade die Lokalit├Ąt verlie├čen. Ach egal, dachte sie. Eine Spur von irgendetwas nicht zu Erkl├Ąrendem war jedoch dabei.

„Ich muss weiter, meine Schicht beginnt und die Maschinen wollen halt beladen werden...“ Sie hatte ganz in Gedanken gar nicht bemerkt, dass er aufgestanden war. „Ich bin morgen zur ungef├Ąhr gleichen Zeit wieder hier. Vielleicht sehen wir uns ja, wenn Sie m├Âgen.“ Die Jacke hing l├Ąssig ├╝ber der Schulter. Er schenkte er ihr ein jungenhaftes Grinsen und wollte gerade gehen, da fiel Sonja doch noch etwas ein: „Weshalb sagen eigentlich alle immer ‚ehemalig’?“ Und dann, auf seinen ratlosen Gesichtsausdruck: „Na ja, alle Welt spricht von Cuba immer als das Ehemalige. Wissen Sie warum?“

„Ja, ich denke schon. Cuba ist seit Jahren in Privatbesitz. Die Besitzer haben sie in „Dianetica“ oder ├Ąhnlich umbenannt. Hei├čt Havanna jetzt nicht auch irgendetwas mit Hubble? Aber den jetzigen Bewohnern ist das wahrscheinlich sowieso egal seit dieser Zoonose-Sache damals.

„Zoo... was?“

„Zoonose. Das ist ein Virus, der von seinem urspr├╝nglichen Bet├Ątigungsfeld – was wei├č ich; Pflanzen oder so – mutiert und nun auf Menschen ├╝bergeht. So was wie die Schwedische Mutterkorn-Pandemie im Jahre 2016 zum Beispiel.“

„Und das wei├č alles ein Schichtleiter bei Nockermann?“

„Ich“, er wurde etwas unruhig, „ich lese halt viel und gern. Machen doch viele, oder?“

„Und“, sie war immer noch nicht fertig mir ihm, „und warum sollte der Name den Bewohnern egal sein? Ich finde, es macht schon einen Unterschied, wie die Stadt hei├čt, in der ich wohne. Mir w├Ąre das nicht egal.“

„Ihnen sicher nicht, aber ich denke, Ameisen und anderen Viechern ist der Name des Ortes egal, auf dem sie gerade krabbeln. Und sonst lebt da keiner mehr. Wegen der Zoonose eben. So nun muss ich aber wirklich...“ Damit dampfte er ab.


Sonja f├╝hlte sich etwas merkw├╝rdig, vielleicht auch einfach nur ratlos. Trotzdem oder auch genau deshalb kam sie am folgenden Tag erneut in das Cafe an der Saseler Twiete. Hans war auch da. Und wieder sprachen sie miteinander. Langsam begann so eine wunderbare Freundschaft. Viele Wochen trafen sie sich, tranken Kaffee, a├čen Kuchen, manchmal auch Eis und redeten, redeten jeweils f├╝r viele Stunden. Sie sch├Âpften allm├Ąhlich Vertrauen zueinander. Sie zu dem Mann mit den braunen einf├╝hlsamen Augen, den leicht abstehenden Ohren und dem Bauchansatz, der manchmal mehr einem Lexikon als einem ├╝blichen Menschen glich und er zu der Frau mit dem charismatischen ├äu├čeren, der gro├čen Nase und den Augen, die so viel Trauer und Leid erlebt haben mussten.

Er ahnte, dass es etwas gab, was sie gerne loswerden wollte und irgendwann, es war an einem Freitag ├╝brigens, fragte er sie einfach danach. Und tats├Ąchlich, an diesem Tag, der sich durch nichts als seinem Datum von dem Freitag davor oder dem danach unterschied, begann sie, davon zu erz├Ąhlen. Es war eine Geschichte die sie zuvor noch mit niemandem geteilt hatte und sie war sehr traurig. So wie das meist bei Geschichten ist, die einen selbst betreffen.

„Ich wei├č gar nicht recht, wo ich anfangen soll.“ meinte sie und fragte sich damit schon, ob sie die Geschichte wirklich erz├Ąhlen sollte.. Hans schlug in seiner ruhigen Art vor, sie m├Âge einfach am Anfang beginnen. „Gut, beginne ich also am Anfang“, antworte sie ihm und entschied sich damit daf├╝r.„Als ich geboren wurde, lebten meine Eltern noch zusammen. Sie hatten sich wohl zuerst auch noch gerne, aber dann, keiner konnte mir sagen wieso und warum, trennten sie sich. Einfach so. Ich muss wohl so sieben oder acht Jahre alt gewesen sein. Mein Vater meinte, es lag an Marion, meiner Mutter, und sie meinte, es lag an ihm.“ Sonja zuckte mit den Achseln: „Keine Ahnung, was da genau los war. Auf jeden Fall blieb ich bei meiner Mutter. Dann kam Paul, ihr Neuer. Er war eigentlich nett, aber ich konnte mit ihm machen, was ich wollte. Ich habe ihn im Grunde die ganze Zeit herumkommandiert. Vielleicht hat er sich deshalb auch wieder von Marion getrennt? Danach war sie ├╝berwiegend mit Frauen zusammen, immer alles so alte Weiber, aber auch die blieben zumeist nicht f├╝r lange.

Na ja, es ging uns damals trotzdem eigentlich ganz gut. Marion hat halbtags gearbeitet und Wolfgang... genau, mein Vater, hat zumindest zuerst noch Alimente gezahlt. Er war bei einer Bank und verdiente nicht schlecht, aber dann flog er raus oder wurde gek├╝ndigt. Er zahlte dann am Anfang weniger, klar, aber sp├Ąter leider gar nichts mehr. Mutter hat vielleicht geflucht!“ Sonja und Hans waren l├Ąngst in ein vertraulicheres DU ├╝bergegangen. „Marion setze dann f├╝r ihn beim Jugendamt ein Besuchsverbot gegen mich durch und wir zogen kurze Zeit sp├Ąter in eine andere Stadt, nach Berlin. Mutter meinte, ich h├Ątte viel von meinem Vater geerbt. Und in Bezug auf Berlin hatte sie wohl auch Recht, denn ich habe diese Stadt genau wie er aus tiefstem Herzen gehasst.“

„Warum eigentlich?“

„Berlin ist f├╝r mich eine Ansammlung voll stinkender Bauten, eine Kakophonie f├╝r die Augen, um mit Pastor Kneselbecks Worten zu sprechen. Alles nur Beton und nur durchbrochen von noch mehr Beton...“

„Nee, warum sich deine Eltern getrennt haben, meinte ich eigentlich.“

„Ach so, das. Keine Ahnung, sagte ich doch schon. Freunde, die meine Eltern kannten, meinten, dass sie sich vielleicht nie wirklich geliebt haben. Geheiratet hatten sie ja auch nur, weil ich kam. Und als ich dann da war...“, sie schwieg einen Moment, „ als ich dann da war, habe ich am Anfang wohl viel geschrieen... und habe sie wenig zur Ruhe kommen lassen. Vielleicht war das auch ein Grund mit...“

„Ach was! Glaube ich nicht“, meinte Hans, diesmal sehr bestimmt: „Wenn sich Leute trennen, dann tun sie es verdammt noch mal nur ihretwegen. Rede dir da blo├č nichts ein. Du kannst am allerwenigsten daf├╝r.“

„Ist ja auch egal. In Berlin lebten wir einige Jahre. Marion wurde immer ├Âfter krank und blieb dann tagelang im Bett. Beim Aufr├Ąumen habe ich h├Ąufig dutzende leerer Packungen mit Vitaminbops gefunden. Kennst diese Horrordinger?“

„Wer kennt sie nicht?“

„Die sollten verboten werden.“

„Sind sie doch l├Ąngst.“

„Oh! Eines Morgens auf jeden Fall erwachte sie einfach nicht mehr. Das war vielleicht Schei├če! Stell dir vor, du gehst in ihr Zimmer und sie liegt da, einfach nur da mit weit aufgerissenen Augen. Nicht tot, aber auch nicht viel besser!“ Eine Tr├Ąne folgte den sanften W├Âlbungen ihrer Wange. Hans reichte ihr eine mehr oder weniger unbenutzte Serviette. „Sie kam auf eine Pflegestation. Keiner konnte mir sagen, f├╝r wie lange. Hanna, die Frau mit der sie zusammen war, mochte mich nicht besonders. Traf sich gut, ich sie n├Ąmlich auch nicht. Wolfgang h├Ątte mich sicher gerne zu sich genommen, aber, wie du dir denken kannst, stimmte das Jugendamt nicht zu. Er schuldete denen schlie├člich schon seit Jahren meinen Unterhalt. Ich kam f├╝r kurze Zeit in ein Heim und dann in eine Pflegefamilie. Da war ich elf.“ Ein Becher Tee stand dampfend vor ihr. „Aber ich war nicht lange da. Mit 12 war ich wieder im Heim. Papa schrieb mir beinahe jede Woche, die ganze Zeit ├╝ber. Er versuchte alles, stritt sich mit den Beh├Ârden, ging sogar vor den elektronischen Gerichtshof, aber es half alles nichts. Wie hei├čt es doch: Die M├╝hlen der Beh├Ârden mahlen langsam, aber daf├╝r lange!

Mutter war all die Zeit noch immer im Koma. Sie wurde schlie├člich nach Karlsruhe verlegt, angeblich wegen der besseren ├Ąrztlichen Versorgung. Aber ich denke heute, sie haben nur deshalb dahin verfrachtet, weil es f├╝r sie billiger war. Wahrscheinlich aber nicht billig genug, denn Wolfgang bekam Nachricht, dass sie vorhatten, die Maschinen, die sie am Leben hielten, abzuschalten.“

„Warum denn das? War sie gehirntot?“ fragte Hans. Es ging ihm sichtlich nahe.

„Nein, wegen der Versicherung. Sie weigerte sich, die Kosten weiterhin zu ├╝bernehmen. Vaters Anw├Ąltin meinte, dass das zwar ungesetzlich sei, aber eine ├╝bliche Vorgehensweise, weil dann, wenn ein Widerspruch gegebenenfalls erwirkt ist, sie l├Ąngst verstorben w├Ąre. Is\' heftig, oder? Wolfgang ist dann bei der gerichtlichen Voranh├Ârung richtiggehend ausgetickt, hat mir die Anw├Ąltin erz├Ąhlt. Das Gericht hat ihn deswegen zu einer Ordnungsstrafe verdonnert. Und weil er nicht zahlen konnte - eigentlich ja nicht Neues - sollte er eine Ersatzhaftstrafe antreten. Doch anstatt an diesem Tag vor den Gef├Ąngnistoren zu stehen, stand er pl├Âtzlich mitten im Speisesaal des Heims. Lederklamotten, Mot├Ârheadaufn├Ąher, Stiefel, er sah aus, als k├Ąme er direkt aus dem Museum. Ich wei├č es noch genau: Er baute sich vor mir auf, sagte kein Wort und warf mir einfach die Lederkombi hin.“

Hans betrachte sie. War das der gleiche Aufzug? Aber er fragte nicht nach, sondern h├Ârte zu und schenkte gelegentlich Kaffee nach.

„Wie gesagt, er stand einfach nur da und wartete. Aber ganz konnte er sich ein Grinsen doch nicht verkneifen, man konnte es an dem Zucken der Mundwinkeln erkennen. Ich zog dann die Sachen an und wir gingen los. Was hei├čt gingen - ich kam mir vor wie beim Einmarsch der Gladiatoren, nur quasi andersherum, denn wir marschierten nicht in eine Arena hinein, sondern geradewegs aus einer hinaus. Und drau├čen schwangen wir uns aufs Moped und fuhren ab.“

„Mit der Virago, die drau├čen steht?“

„Klar, mit welcher denn sonst?“

„Wei├č ich... jetzt... auch nicht.“

„Nat├╝rlich fuhren wir mit der. Es war das Einzige, was er besa├č, diese alte XV535. Hatte ich das nicht schon erw├Ąhnt?“

„Doch, bestimmt“, log Hans.

„Es war klasse! Wir fuhren raus aus dieser dreckigen Stadt, nat├╝rlich nicht, ohne uns diverse Male zu verfahren und dann ging’s in Richtung Hamburg“

„Seit der Ringautobahn braucht man ein Studium, um sich da noch zurecht zu finden, kenn’ ich aus eigener Erfahrung.“

„Den Eindruck hatten wir auch. Wir sind dann ├╝ber Hamburg auf der A255 nach Hildesheim gefahren. Von da aus nur noch ├╝ber Landstra├čen. Das war so geil! Kannst du dir das vorstellen? Das Knattern des Motors, die Landschaft, die an dir vorbei zieht. Dieser stimulierende Geruch von Benzin, Motor├Âl ... Wer noch auf keiner Maschine sa├č, kann sich das gar nicht vorstellen. Einzigst, dass die Konstrukteure den Tank so klein gehalten haben nervte. Du musst so halt jede 150 bis 200 Kilometer tanken. Insgesamt haben wir drei Tage gebraucht. Tags├╝ber sind wir gefahren, besser w├Ąre sicher nachts gewesen, weil sie uns bestimmt gesucht haben, aber Wolfgang konnte genauso gut Karten lesen, wie ich; n├Ąmlich gar nicht. Ich wei├č nicht, wie oft wir uns verfahren haben, nur noch, dass wir uns Karlsruhe schlie├člich von S├╝den her gen├Ąhert haben. In den N├Ąchten haben wir auf Campingpl├Ątzen ├╝bernachtet; so richtig rustikal mit Lagerfeuer, Dosenbier, W├╝rstchen und am Stock gebratenem Brot. Lecker! Ich h├Ątte grad’ Appetit auf ein St├╝ckchen Kuchen, m├Âchtest du auch noch eines, Hans?“

Hans nickte geistesabwesend. Er war viel zu sehr gefangen in ihrer Erz├Ąhlung als dass er ├╝ber Banalit├Ąten wie Essen nachdenken mochte. Sonja bestellte zwei St├╝ck Haselnusskuchen. Sie machten eine Pause, a├čen und nachdem Sonja wieder von der Toilette kam, sie ging recht h├Ąufig dorthin, erz├Ąhlte sie weiter:

Am Nachmittag des dritten Tages sind wir in Karlsruhe angekommen. Wir hatten sowieso gro├čes Gl├╝ck, denn eine Woche danach kam die bundesweite Mauteinf├╝hrung und ich glaube nicht, dass wir uns die Reise dann noch h├Ątten leisten k├Ânnen.“ Sonja a├č die letzten Haselnusskr├╝mel von ihrem Teller. „Am Bahnhof von Karlsruhe dann haben wir die Maschine abgestellt und sind anschlie├čend mit der Tram zu dem Krankenhaus gefahren. Es war eigentlich gar kein richtiges Krankenhaus. Dort liefen weder Schwestern noch ├ärzte herum. Was wir sahen, waren einige Leute von einem Sicherheitsdienst und vereinzelt ein paar Pfleger. Wenn man es genau betrachtet, glich das ganze eher einem Friedhof, nur, dass auf diesem die Leichen noch lebten. Auch richtige Krankenzimmer gab es nicht. Die Leute lagen sonstwo und wurden nur f├╝r Angeh├Ârige in einen Besucherraum gekarrt. Aber wenigstens lie├č man uns zu ihr. Dann aber...“ sie machte eine Pause, „ als wir sie sahen.. sie tat mir so Leid, so unendlich Leid. V├Âllig bleich und so ausgezehrt war sie. Mein Gott, war das schrecklich.“ Sonja erhob sich erneut. „Ich geh noch mal kurz aufs Klo, eine Erblast meiner Mutter, wei├čt du, die musste auch immer oft.“ Als sie von dort wiederkam, waren ihre Augen klein und rot.

„Papa hat mich dann gefragt, was wir machen sollen. Und ob es nicht vielleicht doch besser w├Ąre, wenn man die Maschinen einfach abschalten w├╝rde. Und ob du es glaubst oder nicht, just in diesem Augenblick schlug sie die Augen auf! Unglaublich! Vermutlich das erste Mal seit Jahren. Papa und ich, wir haben sie in den Arm genommen. Sehr lange. Ein Pfleger, oder wie man die nannte, meinte, es w├Ąre nun langsam an der Zeit Abschied zu nehmen. Tja, wie soll ich sagen... wir waren da anderer Meinung. Wolfgang hat sie hochgenommen, ich nahm unsere Sachen und wir sind gefl├╝chtet. So schnell, die Wachm├Ąnner haben gar nicht begriffen, was da passiert war.“

Danach schwieg sie. War die Geschichte zuende? Schon? Hans war sich unsicher, wollte nicht unh├Âflich sein und Fragen, doch seine Neugier obsiegte: „Und was geschah dann“, fragte er: „Ich meine, geht es deiner Mutter heute besser?“

Sonja schaute ihn an, wie jemand, der aus einem tiefen Schlaf erwacht. Nie hatte sie jemanden diese Geschichte erz├Ąhlt und als sie es jetzt tat, war ihr so, als durchlebe sie alles noch einmal. ├ťberhaupt, wie lange war es her, seit sie mit einem Freund ein gutes Gespr├Ąch gef├╝hrt hatte. „Zu lange“, dachte sie, doch sprach sie dabei laut.

„Bitte?“.

„Was, ach so, Mutter... Nein, sie lebt nicht mehr, Vater auch nicht.“ Die n├Ąchsten S├Ątze ├╝berlegte sie sich gut und als sie auch sie erz├Ąhlte, gab sie damit ein St├╝ck von ihrem Innersten preis. „Wolfgang ist mit Marion in ein Taxi gestiegen. Ich wollte nat├╝rlich auch mit, aber an der Wagent├╝r stie├č er mich zur├╝ck. Sehr grob, ich w├Ąre fast gefallen. Er warf mir die Z├╝ndschl├╝ssel der XV zu und sagte: „Ich liebe dich, Sonja! Nimm die Schl├╝ssel, die Maschine geh├Ârt dir. Papiere liegen in den Satteltaschen. Ich schulde deiner Mutter noch etwas und das m├Âchte ich ihr wiedergeben. Als ich fragte, was das sei, sagte er nur: Zeit! Einfach nur ein wenig Zeit“ und knallte die T├╝r dann zu.

Sie haben sie dann einige Tage darauf gefunden. In einem Waldst├╝ck, nicht weit von Ettlingen entfernt. Sie lagen beide zusammengekuschelt um ein abgebranntes Feuer. Beide tot. W├╝rstchen und Tofu lagen da noch rum. Was die Todesursache betraf... in dem Tofu fand man Salmonellen. Sp├Ąter erfuhr ich, dass auch mein Vater auch krank war und ich nehme an, dass sie beide...weil sie geschw├Ącht waren... daran...dann gestorben sind.“ Sonja konnte und wollte ihren Tr├Ąnen keinen Halt mehr geben. Hemmungslos schniefte sie in ein Serviettentuch.


Hans hatte genug geh├Ârt. Er kannte jetzt die Geschichte, ihre Geschichte. Seine Gesichtsz├╝ge wirkten nun starr und unentschlossen. Er sah aus, als wollte am liebsten zahlen und gehen. Wieder verlie├čen ein paar junger Burschen Arm in Arm das Cafe, doch diesmal schaute er ihnen nicht hinterher und auch spreizte er seinen kleinen Finger nicht ab, als er geistesabwesend zur Kaffeetasse griff. Ein kleiner Schwei├čfilm lief ├╝ber seine Stirn.

„Du Sonja, Ich glaube, ich muss dir etwas sagen“, begann er.

„Musst du nicht.“ Sie nahm seine Hand, legte sie in die ihrige und dr├╝ckte sie fest.

„Doch, ich... habe dich belogen, ich bin ... weder Schichtleiter noch schwul.. Gut, ich arbeite auch bei Nockermann, dass stimmt schon, aber eigentlich...“

„Ich wei├č.“

„Wie, woher das?“ Wenn er vorher nicht schon rosafarben angelaufen war, dann war es sp├Ątestens jetzt.

„Ich habe dich letzte Woche in deinem Laden gesehen und Hans, glaubst du wirklich, ein paar Blicke oder ein abgespreizter Finger k├Ânnen eine Frau f├╝r lange ├╝ber wahre Absichten hinweg t├Ąuschen?“

„Nein, wohl eher nicht“, meinte er ein wenig kleinlaut und blickte zu Boden. Doch seine Hand lag immer noch in ihrer und auch jetzt lie├č sie sie nicht los. Als er aufsah strahlte sie ihn an und nach einem Augenblick strahlte er zur├╝ck.


Irgend jemand hatte bei dem Poster von George W. Bush die Zahl 26 in eine 23 ge├Ąndert. Der Schrift nach k├Ânnte es eine Frau gewesen sein.







__________________
Thomas Sichelschmied

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Zinndorfer
???
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Hallo Thomas, der Text f├Ąngt im Pr├Ąsens an, dabei w├╝rde ich es auch belassen. Und dann genauer arbeiten. Wenn die Frau das Lokal betritt, ist klar, dass sie im Inneren ist. Ein Hauch von Landstra├če ist in einem Hamburger Stra├čencafe schwer vorzustellen, der von Benzin dagegen schon. Das Bild von dem Motorrad aber ist insgesamt gut. ÔÇ×Fragte er und begann damit ein Gespr├ĄchÔÇť ist klar. K├╝nstlich und k├Âstlich liegen zu nah beieinander. ÔÇ×Gut, beginne ich also am AnfangÔÇť, antworte sie ihm und entschied sich damit daf├╝rÔÇť ist ein Satz, der sich in sich selber dreht. Und bei dem Dialog verliert man manchmal den Faden. Wer ist der Sprecher? Der Einleitungsabsatz ist gelungen, erweist sich jedoch leider im Velauf der Geschichte als Leichtgewicht, das noch beigepolstert werden k├Ânnte. In der Mitte l├Ąuft der Mann rot an aus einem weit banaleren Grund als er sp├Ąter rosafarben wird ÔÇô ein plakativer Hinweis auf die Pointe? Aber was ist die Pointe? Gibt es zwei? Sind sie miteinander verbunden? Noch passt es nicht wirklich zusammen. Gru├č Zinndorfer

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Zinndorfer
???
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Hallo Thomas, hast du meinen Kommentar gesehen? Ich frage nur, weil du wieder einen neuen Text eingestellt hast. Vielleicht bist du ja an Kommentaren nicht interessiert, dann brauche ich mich ja auf deinen Threads auch nicht mit mir selbst zu unterhalten. Gru├č Zinndorfer!

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Thomas Sichelschmied
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Hallo Zinndorfer,

nee is schon recht, ich freue mich ├╝ber R├╝ckmeldungen. Was das mit dem Rotwerden betrifft, da stimme ich dir zu und werde das auch um├Ąndern. Eine Geschichte in der Gegewart zu Schreiben liegt mit nicht, ich bevorzuge da lieber die Vergangenheitsform.

Gr├╝├če Thomas Sichelschmied
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Thomas Sichelschmied

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aboreas
Routinierter Autor
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Hallo, Thomas,

gut zu wissen, dass solche weitgehend mehrwertsteuerresistente Feinkostl├Ąden wie "Lidl" auch im Jahre 2027 noch existieren. Wie steht es mit Aldi?

Ansonsten eine muntere, interessante Geschichte.

Gru├č: abo

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