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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Von der S-Klasse zur S-Bahn
Eingestellt am 20. 08. 2002 23:49


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Ronin
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2002

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Von der S-Klasse zur S-Bahn

Es gibt Tage an denen bleibt man am besten im Bett. Kennt ihr solche Tage an denen alles schiefgeht, was nur schiefgehen kann? Tage an denen sich euer weiteres Leben mit nur einer einzigen (Fehl-)Entscheidung so drastisch ├Ąndern kann wie ihr euch das niemals vorstellen k├Ânnt?
An dem Tag an dem man etwas verliert, was f├╝r viele so selbstverst├Ąndlich ist?

Es war einer dieser Tage der schon ganz anders anfing als all die anderen Tage. Verschlafen, mit dem Na├črasierer zweimal geschnitten, ein Knopf vom Hemd abgerissen und kein Kaffee mehr im Haus.
Wie soll ein Tag der so beginnt schon enden? Genauso wie er angefangen hat, wenn der Rest nicht besser verlaufen w├╝rde.
Auf der Arbeit nur an verh├Ąrtete Fronten gesto├čen, meckernde Kunden, jammernde Chefs, unbefriedigte Sekret├Ąrinnen. Man merkt, wie man innerlich kocht, versucht aber immer noch Fassung zu behalten.
Das Mittagessen lauwarm und ohne Geschmack, die freundlichen Kollegen saufen den Kaffee leer und ├╝brig bleibt nur eine versiffte, leere Kanne. Der Urlaub mu├čte gestrichen werden, w├Ąhrenddessen drau├čen das sch├Ânste Sommerwetter auf einen am Baggersee warten w├╝rde.
Man ist dann endlich froh, als es 18 Uhr ist, und man die Heimreise antreten kann, denn der Zeitpunkt zu explodieren w├Ąchst mit jeder Minute, die man dieser H├Âlle noch l├Ąnger ausgesetzt ist.
Raus ins Auto, auf die Autobahn und mit den Gedanken schon zuhause. Man ├╝berlegt sich, so schnell wie m├Âglich in die vier W├Ąnde zu kommen und niemanden mehr f├╝r heute zu sehen und nichts mehr zu tun, was das Elend an diesem Tag noch schlimmer machen k├Ânnte.
Das einzigste erfreuliche ist die Heimfahrt, denn die Sonne ist immer noch am Himmel und der Fahrtwind pfeift angenehm durchs Auto.
Doch dann geschieht das, was nicht mehr h├Ątte heute passieren d├╝rfen. Ein BMW auf der linken Spur, dessen Fahrer wohl der Meinung ist, er w├╝rde in einem LKW sitzen und er d├╝rfte nur mit Tempo 80 auf der Autobahn fahren. Das Einzigste was er noch wu├čte war, das er „zwei Nieren“ auf seinem K├╝hler hat, mit dem er ein Dauerbenutzungsrecht f├╝r die Linke Spur beim Kauf des Fahrzeug erworben hat.
Normalerweise w├╝rde man in dieser Situation versuchen ruhig zu bleiben, denn Schlachten in dieser Gr├Â├čenordnung geh├Âren ja schon fast zum ganz normalen Strassenbild, doch wenn man eh schon geladen ist, dann kommt einem so ein Kandidat genau richtig.
Also aufs Gas und versucht Rechts vorbeizukommen. W├Ąre ja nicht das schwierigste, so lange auf der rechten Spur keine langsam fahrenden Autos w├Ąren und der „Heizer“ in seinem BMW nicht auf einmal aus unerfindlichen Gr├╝nden doch noch sein Gaspedal wiedergefunden h├Ątte.
„Also sch├Ân. Spielen wir ein Spielchen. Kommst mir heute gerade recht.“
Kilometer um Kilometer vergehen zur Rush-Hour bis die M├Âglichkeit da ist. Rechts rausgeschert, Gas und vorbei, dann versucht links wieder vor ihm einzuscheren.
Eine Szene wie aus Alarm f├╝r Cobra 11. Zwei PKWs und ein LKW teilen sich zwei Fahrspuren, weil keiner der beiden nachgeben wollte und der BMW-Fahrer versuchte die L├╝cke zu schlie├čen. Kampflinie ist angesagt, denn es gab ja auch keine Alternative, denn rechts ein LKW mit dem man sich besser nicht anlegen sollte, ganz egal welche Automarke man f├Ąhrt, es sei denn es ist ein Chrysler (Sherman-Panzer), und links der BMW dessen Vorderreifen auf gleicher H├Âhe mit dem Hinterreifen des Mercedes-Fahrers ist.
„Also sch├Ân. Like Schumi. Zentimeter um Zentimeter reinpressen, denn was anderes geht jetzt sowieso nicht mehr.“
Viele denken jetzt sicher wieder:“Typisch. M├Ąnner am Steuer und dann mit solchen Autos...“
Was soll ich nach Rechtfertigungen suchen? Jeder Mensch macht Fehler.
Es sah sehr spektakul├Ąr aus, aber passiert ist nichts.
Doch, es ist etwas passiert. Der Stolz des BMW-Fahrers wurde sehr stark verletzt. Wurde er doch von seinem ├Ąrgsten Todfeind ├╝berholt und vor allen anderen in seinen Augen l├Ącherlich gemacht. Das konnte er nat├╝rlich so nicht auf sich sitzen lassen und so geschah es, das zwei Wochen sp├Ąter eine Strafanzeige ins Haus flatterte.
Richter, Anw├Ąlte. Alle in einen Sack. Beschweren sich ├╝ber unn├Âtige Prozesse und zu viel Arbeit und dann machen sie wegen so einer Aktion einen riesigen Fackelzug.

Nach einem Jahr dann die Verhandlung.
Vorstrafen: Keine.
Flensburg-Highscore: Null Punkte.
Unfallfrei seit 10 Jahren.
Tathergang: Kein Alkohol im Spiel, keine Gef├Ąhrdung, keine Massenkaramboulage.

Urteil: 6 Monate F├╝hrerscheinentzug f├╝r eine Ersttat ist noch niedrig angesetzt, so meinte die Richterschaft, obwohl selbst die Staatsanwaltschaft weniger forderte.

Ein Hoch auf unsere Richter. Kindersch├Ąnder, Vergewaltiger, Massenm├Ârder, Drogendealer, Scheinasylanten laufen frei auf den Strassen rum und der Staat schaut seelenruhig zu, aber wenn es um verletzten Stolz geht, da greifen wir Deutschen richtig durch! Jawoll.

Gerechtigkeit? Nein. Deswegen ist Justizia blind, denn sonst w├╝rde sie weinen, wenn sie all die Fehlentscheidungen mit ihren eigenen Augen sehen m├╝sste.

Tja, von nun an hei├čt es bis zum Termin des Berufungsverfahrens umzusteigen. Von der S-Klasse in die S-Bahn.

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Rainer
???
Registriert: Jul 2002

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hallo ronin,

deine spa├čige und ├╝berraschend endende geschichte w├╝rde noch viel besser, wenn du deine gegner umfangreicher beschreiben w├╝rdest, vielleicht den hass in den augen des ├╝berholten bmw-fahrers, die staatsanwaltschaft als alte vertrocknete jungfern, denen es so richtig spass macht, einem s-klasse-fahrer mal einen reindrehen zu k├Ânnen, die linksliberalen und wahrscheinlich selbst p├Ądophilen und drogens├╝chtigen richter als versoffene individuen darstellen. ein besserer schluss, du triffst an der s-bahn-station den bmw-fahrer, und st├Â├čt dieses schwein vor den gerade einrollenden zug - satisfaction f├╝r beide: er war vor dir, und du hast die genugtuung.

rainer

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Ronin
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2002

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Hallo Reiner,

vielen Dank f├╝r Deinen netten Comment. Freue mich doch immer wieder ├╝ber Feedback. (Wer nicht? *g)

Jau, die besten Geschichten schreibt doch immer noch das Leben. So sagt man ja.
Heute kann ich auch (wenn etwas schmerzhaft aus dem Portemonnaie heraus) wieder dar├╝ber lachen und als alte, vertrocknete Jungfer kann man nur die Richterin titulieren

Deine Idee ist nicht schlecht. W├╝rde das ganze (wie es der Proze├č eigentlich war) ins L├Ącherliche ziehen.

Werd ich vielleicht im dritten Teil schreiben. Eine Parodie darauf?! ;-)

Viele Gr├╝├če,
Ronin

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