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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Wahre Liebe
Eingestellt am 16. 03. 2010 15:24


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Heinrich K
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Feb 2010

Werke: 2
Kommentare: 1
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Wahre Liebe

Den meisten Paaren wird es schon nach kurzer Zeit zu albern. Sie geben sich einen gute Nacht Kuss, streicheln sanft durch des anderen Haar, verkehren mehrmals die Woche, wenn sie nicht zu mĂŒde sind und legen sich dann erschöpft auf den RĂŒcken. Oder den Bauch, wie immer sie besser schlafen können. Jeder fĂŒr sich in ihrem riesigen Doppelbett.
Thomas Miene erkaltete schlagartig, wenn er an diese Menschen denken musste. Sie wurde starr, angstvoll eines so schrecklichen Gedankens. Er Ă€rgerte sich ĂŒber sein eigenes Doppelbett. Das neue Gestell, die ĂŒbergroße Matratze, zwei Kissen, zwei Decken. Es war verschwendetes Geld. Herzloses Geld, das er in spĂ€ten Überstunden erkĂ€mpfen musste. In langen Stunden, die er spĂ€ter zu ihr ins Bett kam. SpĂ€ter die Decke anhob und seinen Kopf auf das schon warme Kissen legte. SpĂ€ter seine Hand zĂ€rtlich auf die Brust der schlafenden Gestalt legte und ihren ruhigen Herzschlag unter seinen Fingerspitzen ertastete. Den restlichen Platz der linken Bettseite mit seinen mĂŒden Gliedern fĂŒllte.
WĂ€hrend er behutsam durch ihr Haar strich, galt nicht ein Gedanke der unberĂŒhrten BetthĂ€lfte ihm gegenĂŒber. Nicht im Ansatz sehnte sich sein erschöpfter Körper nach einer Nacht ungestörten Schlafes, als seine HĂ€nde von ihrem Gesicht langsam ĂŒber den geschmeidigen Hals zu ihrem bebenden Busen glitten. Wie sie zitternd weiter zu ihrem schlanken Bauch fĂŒhlten, suchte man vergebens nach einem Anzeichen von Bedauern der wenigen Stunden Schlaf, die er ihr opferte.
Mit einem sanften Kuss auf die kleine Nasenspitze, rief er sie aus ihren TrĂ€umen zu sich. Sie lĂ€chelte. Sie war eine furchtbar kitzelige Person und ihre Nase war der empfindsamste Teil ihres sinnlichen Gesichts. Als sie die Lider unwillig öffnete, löste ihr von unbewussten Reizen ausgelöstes LĂ€cheln ein schamloses, glĂŒhendes Grinsen ab. Voller Vertrauen presste sie ihre gierigen Lippen an seine, in Ehrfurcht seiner nichtgedachten Gedanken. Viel war passiert an diesem Tag, doch keine Worte waren nötig. Sie lehnte ihren Kopf an seine warme Brust, fasste mit ihrer rechten Hand Ă€ngstlich sein Nachthemd, wĂ€hrend ihre linke scheu nach seinem starken Hals suchte. Er bettet ihren Kopf behutsam in seine linke Hand und umschloss ihren zierlichen Körper kraftvoll mit der anderen. Er schĂŒtzte sie. Sie waren in Sicherheit, vor dem gewaltigen Geschehen des heutigen Tages. Dem Schrecklichen, das alles Ă€ndern wĂŒrde.
Gemeinsam flĂŒchteten ihre Gedanken zu ihrer unglaublichen Geschichte, die niemand fassen konnte und doch glauben musste, wenn er nur einen Blick in ihre tiefen, blauen Augen warf. Sie konnten nicht lĂŒgen.


Es war die letzte Vorlesung im Jahr gewesen. An einem Donnerstag, kurz vor Heilig Abend. Sein Aufschrieb war mal wieder nur ein grotesker Haufen unzusammenhĂ€ngender Worte geworden. Dabei war er intelligent. Verdammt intelligent und wĂŒrde wohl, wie schon immer in der Schule, auch hier Jahrgangsbester werden. Wenn er sich nur konzentrierte. Aufraffte. Seine Blicke davon abhielt stĂ€ndig nach vorne links zu huschen. Einen Hinterkopf mit Zopf. Darunter ein weißer, eleganter Strickpulli. Viel mehr sah man nicht. Von ihren sĂŒĂŸen, runden Ohren – oder besser von ihrem rechten Ohr kannte er jede Rundung, jede Sommersprosse und jeden kleinen Ohrring, den sie je getragen hatte. Zwei Ringe kreisten ineinander, an einem kleinen DrĂ€tchen hĂ€ngend, um ihre Achse und hypnotisierten ihm die Sinne. Da, endlich drehte sie sich nach Rechts und er bestaunte ihr Profil mit einer Aufmerksamkeit, die ein Kant, Platon oder Hobbes vergebens von ihm erhoffte. Ihre großen Augen schauten neugierig durch den Raum, begierig die ganze Welt mit ihren Blicken zu erforschen. Die Lippen zart und weich gĂ€hnten unverschĂ€mt in die Runde, als mĂŒssten sie allein das monotone Geplapper des Professors ertragen. „Hatschi!“, es war Winterzeit, und die meisten lĂŒsternen Blicke erfroren bei schneuzenden, rotzenden Gestalten. Er konnte sich kaum auf seinem Sitz halten, als sie sich schĂŒchtern all der Aufmerksamkeit in seine Richtung gewandt die Nase putzte. Dabei kitzelte das Tuch sanft an ihrer unwiderstehlichen Nase, sodass sie grinsend kichern musste. Keine zehn Pferde hĂ€tten seine brennende Brust in diesem Moment vor dem Bersten bewahren können, als er ihr mit einem herzhaften „Gesundheit!“ Luft verschaffte. In seinem Eifer dröhnte sein Ruf durch den ganzen Saal, sodass sich jedes Gesicht, einschließlich das des grimmigen Professors, erschrocken zu ihm wandte. Sie lĂ€chelte ihn spöttisch an, dankbar, dass nun alle mit hochgezogenen Augenbrauen auf ihn starrten und nicht mehr zu ihr. Ein LĂ€cheln nur fĂŒr ihn. Der Rest der Stunde ging in einem undurchdringbaren weißen Nebel unter.

Sein Sitznachbar stupste ihn ungeduldig von der Seite. „Komm, lass mich durch, die Vorlesung ist vorbei und du solltest auch besser verschwinden, bevor der Prof sieht, dass du ihm seinen nagelneuen Hörsaal vollgekritzelt hast“, sprach ihn der Schnöselpulli ĂŒber PolohemdentrĂ€ger genervt an. Seufzend nahm er seinen unbeschriebenen Block von dem entstellten Tisch herunter und warf ihn in seine verranzte UmhĂ€ngetasche. UmhĂ€ngetaschen waren mittlerweile modern unter mĂ€nnlichen Studenten. Seine, jedoch, war so heruntergekommen, dass selbst seine spartanisch lebende Großmutter bei ihrem Anblick jedesmal die Nase rĂŒmpfte. WĂ€hrend er mit schwindligem Kopf die Reihe verließ, schĂ€mte er sich zum ersten Mal ihrer. Der Ursprung hierfĂŒr ging mit ĂŒbertrieben langsamen Schritten gerade den Gang zur TĂŒr entlang. Die Gestalt schlenderte nervös trippelnd an der Wand entlang, scheinbar interessiert jedes Plakat musternd. Ihre Augen fuhren langsam von Wort zu Wort, wĂ€hrend ihre kleine, runde Nase wie ein Peilsender die Richtung angab. Endlos betrachtete er ihr streng angespanntes Gesicht. Ihre zusammengezogenen Brauen und gepressten Lippen, als nĂ€hme der Inhalt all ihre Konzentration in Anspruch. Immer wieder musterte sie Plakat um Plakat, inspizierte gnadenlos Zeile fĂŒr Zeile, bis sie sich mit einem entschlossenen Ruck ihm direkt zuwandte, in die Augen blickte und zornig ausrief: „Wie lange muss ich denn noch diese peinlichen Demoplakate hier mustern bis du, blöde Ölgötze, endlich ein FĂŒnkchen Mumm in deine Knochen bekommst?“ Dabei wurde ihr Gesicht ganz rot vor Wut – oder Scham? – und sie rannte aufgebracht davon. Er bemerkte die Beleidigung seiner gestern noch spĂ€t Nachts entworfenen Plakate nicht einmal und stĂŒrzte mit langen Schritten hinter ihr her. Sie eilte gerade die Treppe hinunter, als er mit einem entschiedenen Satz ĂŒber das GelĂ€nder sprang und eine Etage tiefer laut vor ihrer Nase aufkam. Vor Schreck schrie sie laut auf und ließ dabei ihre BĂŒcher fallen. „Möchten Mylady mich eventuell zu einem galanten Dinner in der vorzĂŒglichen Mensa begleiten?“, grĂŒĂŸte Thomas sie mit forscher Dreistigkeit. Plötzlich fing sie lauthals an zu lachen und zusammen hoben sie schmunzelnd die BĂŒcher auf. Sie schĂŒttelte bestĂ€ndig den Kopf, als sie die Treppe hinuntergingen: „Du bist doch verrĂŒckt!“ - „Hm,“ erwiderte er ihr neckend, „ziehen wir Bilanz. Du hast meine mĂŒhselige Arbeit beleidigt, mich eine Ölgötze bezeichnet und mich unwiderruflich fĂŒr verrĂŒckt erklĂ€rt. Darf ich zumindest den Namen meiner mir Übelgesinnten erfahren?“. Sie sagte ihm ihren Namen. Es war ein schöner Name. Ein unbeschreiblicher Name und sie waren noch keine zwei Schritte aus der TĂŒr, da schloss er die Hand dieses bezaubernden MĂ€dchens in die seine. Sie ging diese Nacht nicht nach Hause. Sein enges Bett bot Platz genug fĂŒr zwei frisch Verliebte. Das ganze Wochenende hielt es die Beiden warm, lauschte den langen GesprĂ€chen und drehte sich rĂŒcksichtsvoll weg, als sie sich vorsichtig nĂ€her kamen.

Nie hatten sie so viel und so ehrlich gelacht, wie dieses Wochenende, als sie den anderen gefunden.
Nie hatte das Herz so warm, so lebendig, so kraftvoll gepocht. Nie gaben sie sich mehr einem anderen hin. Öffneten sich. Legten nieder jeden gewaltigen Schutzwall. Doch am Mittwoch brachte er sie zum weinen.
„Wieso weinst du denn?“, er schloss sie besorgt in seine Arme, wĂ€hrend sie ihr Gesicht heftig in seiner Brust vergrub. „Habe ich etwas Falsches gesagt? Was passiert denn bei euch so schreckliches an Weihnachten, dass es dich so mitnimmt?“, flĂŒsterte er tief verĂ€ngstigt in ihr Ohr. Sie weinte heftig und es dauerte lange, bis seine mitfĂŒhlenden Worte und schĂŒtzende Umarmung sie beruhigten. Es war spĂ€t geworden. Er fragte nicht wieder nach Weihnachten, denn sie kam von selbst zu ihm, als sie bereit war. Sorgenvoll legte er sich ins Bett und hielt sie weiter fest in seinen Armen. Hielt behutsam Wache, wĂ€hrend sie sein Hemd bis spĂ€t in die Nacht durchnĂ€sste. FĂŒr sie gab es kein Weihnachten. Sie war allein.



Dieser Absatz kann bereits in sich als abgeschlossen betrachtet werden. Das offene Ende soll zum Nachdenken anregen.
Bei Interesse folgt eine Fortsetzung...


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