Fünfundzwanzig Jahre habe ich mit ihr verbracht. Man könnte es eine silberne Hochzeit nennen. Ich weiß nicht, ob sie noch ein Geheimnis vor mir hat. Aber darum geht es jetzt auch nicht mehr. Sie war fünfzehn Jahre jünger als ich, und doch lebten wir zusammen, falls man unsere Lebensweise so nennen konnte. Über Wochen, oft auch über Monate habe ich sie nicht gesehen.
Wenn am Abend ein Gewitter tobte und der Regen gegen die Fenster prasselte, fand ich Geborgenheit in Harmonie mit ihr. Viele Nächte habe ich traumlos geschlafen. So glaubte ich es jedenfalls. Andere Nächte habe ich schlaflos heruntergequält, sie gehasst dafür.
Wenn Sonnenlicht hineinstrahlte, gefiltert von frisch belaubten Bäumen, strömte Wärme in uns hinein. Wenn sich an einem Wintermorgen ein Sturm erhob, Schnee umherwirbelte, stand ich später auf als sonst, zumindest wenn ich nicht zur Arbeit musste. Manchmal stieg der Morgen sonnig sanft herauf und ich freute mich wie schön das Leben war. Manchmal sank der Abend mit intensiver dunkler Trägheit herab und ich fragte mich, ob ich überhaupt noch leben wollte.
Wie viele Worte, Sätze und Geschichten konnte ich denken in dieser langen Zeit. Wie viele Gefühle habe ich durchlebt, wenn ich in ihr war. Die Zahlen lassen sich nicht mehr erfassen. Die vielen Reisen, die ich in Kopf und Körper gemacht habe, wenn ich in ihr weilte, haben mich immer wieder dorthin geführt, wo ich bereits war, in meiner Einsamkeit. Doch ich bin nicht mehr dieselbe, zwischen mir und mir und zwischen ihr und mir ist eine Distanz entstanden. Die Zeit zwischen damals, dem Beginn unserer Liaison und jetzt, wurde plötzlich mit ungeheurer Kraft weggezogen. Ich konnte mich nicht mehr an sie klammern. Sie hatte für mich ihre Seele, ihre Substanz verloren und war zu einer reinen Form geworden. Ich habe sie verlassen – meine Wohnung.
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Es gibt für Alles den richtigen Zeitpunkt und Zeichen dafür, die das anzeigen (Indianische Weisheit)
Grendel hat recht. Sprachliche Camouflagen können nur dann als gelungen gelten, wenn sie nicht, so wie hier, sätestens in der Mitte des Textes ein "Auflösung" ahnen lassen. Vor allem mus die Verkleidung auf den Torso passen. Hier passt sie nicht immer, wie man beim zweitem Mal Lesen festellt - manches stimmt sprachlich nicht und manches ist zu sehr an den Haaren herbeigezogen.
Eine Wohnung kann durchaus zu jemandem gehören wie eine LiebhaberIn. Man kann bemrkenswerte Gefühle haben, wenn man "drin" ist - und ebenso starke, wenn man sie verliert.
Eine hübsche Idee, sprachlich aber nicht besonders gelungen ausgeführt. Was gäbe es da nicht alles an Metaphern ...
danke euch. Grendel, deinen Vorschlag finde ich gut. Moony, das kann man so sehen, doch ich entwickle meine Texte nicht gerne mit zu viel Metaphern-"Ballast", lasse meine Geschichten sich eher erzählerisch entwickeln. Zu viele Metaphern überladen für meinen Geschmack Geschichten oft. Bei dieser sehr kurz gehaltenen Story erst recht. Sonst wäre wohl eher eine Gedichtform angemessen. Natürlich könnte man die Geschichte beliebig ausdehen und anreichern, doch das war nicht mein Ziel.
LG USch
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wenn euch die Idee gefällt, so macht was draus. Ich habe nichts dagegen, wenn ihr euch sprachlich austoben wollt.
LG USch
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Moony
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Wenn Du suggerieren möchtest, es gehe um etwas anderes als eine Bleibe, z. B. um eine Liebhaberin, solltest Du, um im Sprachwitz zu bleiben, nur passende Schablonen und passende Metaphern verwenden: Du kannst (beziehungsmäßig) etwas mit einer Freundin haben, nicht aber mit einer Wohnung. Du kannst in einer Wohnung silberne Hochzeit feiern, aber nicht mit ihr. Sie war nicht 15 Jahre jünger, sondern sie ist es immer noch - es sei denn, sie wurde abgebrochen. Man lebt nicht mit Räumen, sondern in ihnen. Dass man mit einer Liebhaberin auch dann eine Beziehung pflegen kann, wenn man sich nicht dauernd sieht, weiß jeder, der schon mal eine hatte: Der Volksmund nennt das ein "Fernbeziehung". Wie man Zeiten "in sich verwaltet" kann, weiß niemand.
Das, Usch, sind die Ungereimtheiten allein des ersten Absatzes. Leider geht's so weiter, und es bleibt dem aufmerksamen - und wohlwollenden - Kritiker nur, Dir zu raten, die wie bereits gesagt hübsche Idee nur mit solchen Metaphern vollzustopfen, die tatsächtlich stimmen und nur dann witzig sind.
So aber lahmt das Teil schon ganz zu Beginn und gerät immer mehr auf die schiefe Bahn. Deine Empfehlung an uns, es gefälligst besser zu machen, verschlägt nicht: Es ist Deine Idee und Dein Text, und es sind Deine Fehler. Du magst sie korrigieren oder nicht.
lg
Moony
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