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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
War's das?
Eingestellt am 04. 06. 2008 20:38


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salzhering
Hobbydichter
Registriert: Jun 2008

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War\'s das?
Ja, ich glaube, das war\'s!
Ich sehe mein Leben vor meinem inneren Auge ablaufen.

Das da bin ich!
Wo, fragen Sie?
Sehen Sie die Br├╝nette in dem engen Schwarzen?
Na ja, ich bin nicht direkt die Br├╝nette.
Mich finden Sie etwas weiter unten.
Sehen Sie ihre Schuhe? Da bin ichÔÇŽ ehmÔÇŽ wir.
Damals waren wir noch ein Paar.
Hier sehen Sie eines unserer Turniere.

An die Br├╝nette erinnere ich mich gut. Wir tanzten den Tango und sie hatte erfreulicherweise ihre Mitte gefunden. Sie strapazierte meinen Absatz nicht unn├Âtig.
Ohne Neid: Sie war eine herausragende T├Ąnzerin.
Und das verdankt sie nur mir!

Sehen Sie diese Schlusspose?
Schauen Sie sich ihre Fesseln an! Nur mein fein geschwungener Absatz l├Ąsst diese Elefantentatzen zierlich wirken.

Ach, mir wird ganz warm ums Riemchen, wenn ich meinen Linken sehe.
Wissen Sie, wir haben damals immer gewettet, ob wir diese Turniere gewinnen w├╝rden oder nicht.
Der Einsatz war immer der gleiche: Dem Gewinner geh├Ârte in der n├Ąchsten Nacht der mit Samt ausgelegte Schuhkarton ganz alleine.
Die Turniere gewannen wir immer.
Und ich verlor immer die Wetten.
Warum, fragen Sie?
Ich verrate Ihnen ein kleines Geheimnis.
Am kleinen Zeh des linken Fu├čes unserer Br├╝netten wuchs ein n├Ąssender Fu├čpilz.
Wenn ich mich an den Geruch meines Linken zur├╝ckerinnere, kann ich nicht behaupten, dass ich jemals wirklich verloren habe, wenn ich drau├čen schlafen musste.
Insbesondere, nachdem uns unsere Br├╝nette zuvor stundenlang misshandelt hatte.
Sie watete mit unseren vom Turnier zerschundenen Wildledersohlen durch Champagner.
Und je sp├Ąter der Abend, umso mehr k├Ąmpfte die Br├╝nette um ihre kostbare Mitte und strapazierte doch unsere Abs├Ątze.

Wie naiv wir damals waren. Wir glaubten an das M├Ąrchen, dass T├Ąnzer die Schuhe ewig in Ehre hielten, mit denen sie einen Sieg ertanzt hatten. Das war angeblich auch der Grund, warum sie uns zu ihren Siegesfeiern nicht auszogen.

Ja, was glauben Sie wohl?
Unsere Br├╝nette war zu faul, sich dem Anlass entsprechend Badelatschen anzuziehen. Und so durften wir am eigenen Leibe erfahren, dass Champagner manchmal nicht nur die Zunge, sondern auch die sensiblen N├Ąhte exklusiver Schuhe l├Âst.
Und da waren sie pl├Âtzlich: Die Anzeichen, von denen ich glaubte, dass ich sie niemals sehen w├╝rde.
Neue Schuhe! Silbern gl├Ąnzend standen sie da mit ihrem Fu├čr├╝cken-Strass-Steg.
Gott, wie kitschig!

Wir wurden an eine Blondine verschenkt.
Eine Blondine, die nicht tanzen konnte.
St├Ąndig kratzte sie unsere Sohlen auf, in der Hoffnung, das stumpfe Leder w├╝rde ihre Schrittfolgenfehler in strahlende Posen verwandeln.
Weil sie trotzdem aufgrund ihrer unkoordinierbaren Hampeleien ├╝ber ihre eigenen F├╝├če stolperte, trat sie uns!
W├╝tend stapfte sie auf den Boden und wenn sie besonders erregt war, trampelte sie auf den Schuhen ihrer Tanzpartner herum.

Als wir schlie├člich beim Tango wegrutschten, war selbst mir klar, dass sich etwas ├Ąndern musste.
Die Blondine ├Ąnderte etwas.
Mein Linker und ich, wir flogen quer durch den Saal und rutschten unter eine Heizung.
Spinnweben klebten an mir.

Sp├Ąter sp├╝rte ich jemanden an meinem Riemchen.
Wir wurden gefunden und beim Hinausgehen in einen M├╝lleimer fallengelassen.
Kurz darauf w├╝hlte ein Mann im M├╝ll.
Er verschenkte uns an eine Rothaarige.

Sie r├╝mpfte die Nase.
Es war emp├Ârend!
Frauen gerieten bei unserem Anblick gew├Âhnlich in Verz├╝ckung.
Erfreulicherweise besa├č diese G├Âre zumindest genug Anstand, uns anzuziehen.
Kr├╝mel klebten an ihrer Fu├čsohle und zwischen ihren Zehen hingen Fusseln.
Wenigstens stank sie nicht!

Daf├╝r stank der Ort, an dem sie tanzte.
In meiner bierdurchtr├Ąnkten Sohle steckte der Splitter einer Flasche.
Meine wenigen, noch verbliebenen N├Ąhte l├Âsten sich langsam auf.

Bereits nach einem Tanz f├╝hrte ihr Partner unsere Rothaarige von der B├╝hne durch den Tanzsaal in den hinteren Bereich dieses Etablissements, in dem man sich in Separees zur├╝ckziehen konnte.
Doch wir gingen weiter, den Flur entlang zum Hinterausgang.
Wir stiegen in ein Auto.
Weicher Teppichboden streichelte meine gequ├Ąlten Sohlen.

Als wir wieder anhielten h├Ârte ich in der Ferne einen Hund kl├Ąffen; vor uns war ein Kiesweg und als ob das alles nicht reichen w├╝rde, blutete die Rothaarige mich auch noch voll.

Ich kann vieles ertragen;
lass sie dreckig sein, lass sie schwitzen, lass sie H├╝hneraugen haben;
v├Âllig egal, aber F├╝├če d├╝rfen nicht bluten.
Vor allem da ich Zeit meines Lebens nie mit Lederpflege behandelt wurde,
was ich verdammt noch mal verdient h├Ątte!
Zum Teufel!
Ich bin ein Turnier-Tango-Schuh!

Ach was rege ich mich denn ├╝berhaupt noch auf?
Was danach passierte, ist schnell erz├Ąhlt.
Unsere Rothaarige lie├č sich von ihrem Tanzpartner auf ein Bett werfen.
Kichernd zog sie meinen Linken aus und lie├č ihn fallen. Das war das letzte Mal, dass ich ihn sah.

Gerade als sie mich auch ausziehen wollte, zog ihr Tanzpartner mich nah zu sich ran und k├╝sste die schmutzigen Zehen, die vorn aus meinem Leder herausguckten.
Er setzte mich aufs Bett und ├Âffnete mein Riemchen.

Pl├Âtzlich brach ich durch die Oberfl├Ąche.
Wasser!

Die Rothaarige sprang auf; mein Absatz brach.
Dann wei├č ich nur noch, dass pl├Âtzlich ├╝berall Wasser war. Durch alle Ritzen lief es, auch durch die Ritze in meiner Sohle, in der der Bierflaschensplitter steckte, der das Wasserbett aufgeschlitzt hatte.

Mein Absatz hing an einem Faden.
Die Rothaarige zog mich aus und warf mich in die Fluten.
Ich ertrank.









Ja glauben Sie wirklich allen Ernstes, ich erz├Ąhle Ihnen hier die Geschichte eines ertrunkenen Tangoschuhs?

Es kam viel profaner. Am Ende erwischte mich der Alptraum eines jeden Schuhs.
Der Hausterrier rettete mich vor dem Ertrinken
und verbiss sich in meinem Leder.

War\'s das?
Ja, ich glaube, das war\'s!

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