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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Was Mike und Mila geschah.
Eingestellt am 19. 11. 2006 16:55


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Haarkranz
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Registriert: Oct 2006

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Was Mike + Mila geschah.

Die Unruhe hatte Mike schon seit Wochen im Leib. Etwas stimmte nicht zwischen ihm und Mila. Er hatte nĂ€chtelang gegrĂŒbelt. Sicher, er war auch schuld, aber wer schleppte die Kohle ran? War kein Zuckerschlecken die Maloche. Gasthausfraß, Gasthausbett, immer gleiche öde Abende vor der Glotze. Volksmusik oder Sport, auf anderes war keine Einigung zu erzielen, Mehrheit war auch in der Kneipe Mehrheit. Besonders im Winter, wenn es draußen saute, war das unheimlich nervig. Klar, immer öfter kam er kribbelig nach Hause. Auch sie saß allein. Was er sich vorstelle, was sie mit den einsamen Abenden anfinge, hatte Mila ihn angebrĂŒllt, als er sich beklagte. AngebrĂŒllt, er hielt sich das immer wieder vor Augen, Mila hatte ihn angebrĂŒllt, seine sanfte Mila. War noch nicht lange her, da war sie zu bange allein einkaufen zu gehen. Schritt fĂŒr Schritt war er mit ihr gegangen, um ihr die Furcht vor der fremden Welt zu nehmen. Alle starren mich an, hatte sie ihm zugeflĂŒstert, als sie bei Aldi vor der Kasse warteten.
Keiner starrt dich an, MĂ€dchen, hatte er versucht zu beruhigen. Sieh bitte richtig hin, die starren ins Leere. Ich mache das genauso. Wohin sollste gucken, wenn du mit vielen Fremden dicht zusammenstehst. Die sind weiß, insistierte Mila, die starren mich an, weil ich dunkelhĂ€utig bin.
Quatsch mit Soße, Mila, so dunkel wie du sind SĂŒdspanier und SĂŒditaliener auch. Du unterscheidest dich nur durch dein gutes Deutsch. Die sprechen oft nach zwanzig Jahren Deutschland unsere Sprache nicht korrekt. So hatte er sie aufgebaut. Hat FrĂŒchte getragen, nach einem Jahr hatte sie sich eingewöhnt.
Sie waren jetzt im vierten Jahr zusammen, seit zwei Jahren verheiratet. Auf Montage war er immer gewesen, Mila hatte nie was daran auszusetzen. Schließlich verdiente er bombig. Lief alles gut, war er oft schon Donnerstagnachmittags zuhause.
Sobald er sein Pensum ĂŒbersah, rief er Mila schon mittwochs an, um ihr anzukĂŒndigen, er kĂ€me einen Tag frĂŒher. Was hatten sie fĂŒr Liebesfeste gefeiert. Vier NĂ€chte und drei Tage, das glich die drei Tage außer Haus dicke aus. Sie konnten mehr zusammen sein als manche VerkĂ€ufer, die die ganze Woche von neun bis halbsieben ran mussten, neuerdings auch noch samstags bis sechs. Bruder Kurt bei P&C hatte die Schnauze gestrichen voll von seinem feinen Job.
So ratterten ihm die Gedanken ohne anzuhalten durchs Hirn. Seit wann war das so? fragte er sich immer wieder. Etwas war geschehen, und etwas musste geschehen, ging so nicht weiter, sah nach gegen die Wand fahren aus.
Er war nicht der Einzige, der sich verstolperte. Zum GlĂŒck hatten sie keine Kinder, sollte es schief gehen. Mit Kindern kannste als Mann dein Testament machen, kommst nie mehr auf die FĂŒĂŸe.
Soweit war es noch nicht, ruhig Blut, Mike! Vielleicht sollte er seinen Widerstand gegen den Putzjob im Haus aufgeben. Die Verwaltung hatte Mila den angetragen, oder sie hatte sich drum bemĂŒht, egal. Er hatte sich gesperrt, meine Frau ist keine Putzfrau, war nicht diplomatisch, sein Widerstand.
Andere Jobs gibt es hier nicht fĂŒr mich, ich bin Ägypterin, hatte Mila frustriert argumentiert. Komme aus einem Drittland, hab ein Bleiberecht nur, weil ich mit dir verheiratet bin. Bleiberecht ist kein Arbeitsrecht. Bleibt mir nur ĂŒbrig, schwarz als Putze zu arbeiten.
Stimmte nicht genau, ging auch anders, nur warum wehrte er sich? Was war dagegen einzuwenden? Ich bin jung und stark, hab immer gearbeitet, ich werde verrĂŒckt, kann nicht nur hocken und auf dich warten, hatte sie zuletzt geweint.
Er wÀhlte ihre Nummer, das Handy klingelte ins Leere. Halbzehn, wo mochte sie sein, vielleicht ins Kino gegangen, obwohl, allein war sie noch nie im Kino gewesen.
Nach mehreren vergeblichen Versuchen, die ihn nervöser und nervöser gemacht hatten, meldete sie sich endlich um elf.
Wo warst du, fragte er, und konnte seine nervöse Erregung nur schwer zĂŒgeln. Spazieren? Hast es nicht mehr ausgehalten, warst den ganzen Tag auf Ritt? So, wunderschön war es?
Mila Liebes, unterbrach er sie, und versuchte, soviel ZĂ€rtlichkeit wie er drauf hatte, in seine Stimme zu legen. Mila, ich habe große Sehnsucht, hab mir das mit deinem Job ĂŒberlegt, hab nichts mehr dagegen, hast recht gehabt, kannst nicht wie ein Vögelchen im Bauer sitzen und auf mich warten.
Am anderen Ende ein langer Moment garnichts, dann Milas Stimme, so du hast es dir ĂŒberlegt, schön, nur schade, dass der Job weg ist. Heute morgen begegnete mir die neue Putzfrau im Hausflur, hab kurz mit ihr gesprochen, kommt aus Ungarn. Dauert nicht lange und sie bekommt eine Arbeitserlaubnis, meint sie. Vielleicht eine neue Chance fĂŒr mich.
Verdammt, Mila, tut mir leid. Was sagst du? Dir auch, ja klar, dir auch, du bist mĂŒde?
Gut, geh zu Bett, gute Nacht, MÀdchen, trÀum schön.
Schöne Scheiße! Mike steckte das Handy weg. Jetzt bin ich in Zugzwang, Mila wird auf Jobsuche gehen. Wer weiß, was sie findet, da wĂ€re der Job im Haus echt gut gewesen. Nicht zu Ă€ndern, halbzwölf, ab in die Koje, morgen wird es hart.

Mila
Mila schaltete das Telefon ab. Wenn es ihm in den Sinn kommt, ruft er mich mitten in der Nacht an, erzĂ€hlt mir noch einmal, wie leid es ihm tue, mir den Job vermasselt zu haben und ich wĂ€lze mich den Rest der Nacht schlaflos im Bett. Ist dumm gelaufen zwischen uns in letzter Zeit. Erst trainiert er mich endlos, wie ich mich verhalten soll, hab ich es endlich kapiert, sperrt er mich ein. Einsperren ist vielleicht zuviel gesagt, aber er versucht, mich zu kontrollieren. Bis vor einem Monat rief er fĂŒnf-, sechsmal ĂŒber Tag an, wollte wissen, ob alles ok sei, was ich tĂ€te und wo ich wĂ€re.
Die Anruferei hat er drangegeben, als ich mich einfach nicht mehr meldete, hat eingesehen, Kontrolle ist nicht, nicht mit mir. Die NervositĂ€t kommt aber deutlich rĂŒber, wenn wir uns abends sprechen. Hat den Jux aus der Liebe genommen, ist zu öder Fickerei verkommen.
War ein lustiger Tag heute, hab nach Monaten endlich wieder richtig gelacht. Jussuf, ein Landsmann, ist neben uns eingezogen. Als der mich sah, hat er mich sofort als Ägypterin erkannt und arabisch gegrĂŒsst. Mike weiß noch nichts von der neuen Nachbarschaft, soll möglichst so bleiben, sonst dreht der durch. Begegnen werden die sich kaum. Jussuf arbeitet jedes Wochenende und muss um fĂŒnf zur Arbeit. Sein Name auf dem TĂŒrschild „J. Abel“ lĂ€sst nicht auf einen Ägypter schließen. Nicht dass ich was anfangen will mit Jussuf, nur den Umgang mit ihm verbieten lass ich mir nicht. Mike wĂŒrde darauf bestehen, also halte ich die neue Nachbarschaft schön unter dem Teppich.
War wie zuhause der Tag. Was wir lustig finden ist so ganz verschieden von deutschem Lachen. Ich habe endlos gegibbelt, hoffentlich denkt Jussuf nicht, ich könnte nichts anderes. Stopp, einmal, als er von der Moslembruderschaft erzĂ€hlte, waren wir doch ernst. FĂŒr mich ist die Bruderschaft eine subversive Bande, die die Scharia einfĂŒhren, uns Frauen unterdrĂŒcken will.
Jussuf sieht das nicht so. Klar sind die sehr religiös, rĂ€umt er ein, aber andererseits kĂ€mpfen sie fĂŒr arabische IdentitĂ€t gegen die iraelisch-amerikanische Überfremdung und UnterdrĂŒckung. Der nahe Osten hĂ€ngt am Tropf der Amis, sagte er. Die Pseudokönige und korrupten Diktatoren verschleudern den Reichtum unserer LĂ€nder an den Westen. Sieh dir die Spritpreise an, ein Euro dreißig musst du im Schnitt hier zahlen, eingekauft wird die Suppe bei uns fĂŒr zehn Cent. Der Gewinn wird hier gemacht, steht an jeder ZapfsĂ€ule neunundsiebzig Cent des Preises sind Steuern, die der deutsche Staat kassiert. Muss nichts weiter erklĂ€rt werden. In fĂŒnzig Jahren ist das Öl alle und wir wieder die Kameltreiber, die wir in den Augen der Westler immer waren.
So betrachtet, sieht das schon komisch aus mit der Gewinnverteilung. Doch ob ausgerechnet die Moslembruderschaft das richten kann, da hab ich meine Zweifel.
Zugeben muss ich, Politik ist nicht mein Ding. Jussuf sagt, die Bruderschaft sei die einzige Formation in Ägypten und im Magreb, die bereit ist, sich zu wehren. Verfolgt werden die seit dem Attentat auf Sadat ohnehin massiv, viel mehr kann denen garnicht geschehen, daher wohl auch die Bereitschaft zu zĂŒndeln. Was solls, hier in Deutschland haben die keine Interessen und auch nichts verloren.

Mike
War ein Wochenende fast wie frĂŒher. Mila war sanft und ausgeglichen, hab ihr, ohne dass sie mich fragen musste, geraten, sich nach einem anderen Job umzusehen. Sollte die Ungarin aufgeben, könnte sie, wenn die Hausverwaltung mitspielte, ihr nachfolgen.
Eine herrliche Radtour war das zu Bauer Bemmel, haben uns rundherum satt gegessen an selbstgepflĂŒckten Erdbeeren mit Schlagsahne. Auf der Heimfahrt war Mila ausgelassen wie ein Kind, die Schlagsahne stand uns etwas quer und wir rĂŒlpsten um die Wette. Es war Heuernte, die Bauern hatten das gemĂ€hte Gras zu grossen Walzen zusammengerollt. Mila musste mal, hat sich hinter eine der Walzen gehockt. Als sie aufstand, habe ich sie in den Arm genommen und wir haben uns auf der duftenden Wiese geliebt.
Ich fasse wieder Mut, hoffe, dass es doch gutgeht mit uns. Macht mir den Scheißjob in Gronde leichter. MĂŒssen KĂŒhlwasserrohre austauschen, NĂ€hte am DruckwasserbehĂ€lter prĂŒfen und evtl. verstĂ€rken. Alles mit dem GeigerzĂ€hler vor der Brust, in unmittelbarer NĂ€he der Höllenmaschine. Wird gut, nein sehr gut bezahlt, sonst tĂ€t ich das nicht. Habe es Mila nicht erzĂ€hlt, macht sich unnĂŒtze Sorgen, bekommt nachher noch Angst vor ihrem verstrahlten Mann.
Gronde erledige ich noch, danach sechs Wochen Ferien. Seit zwei Jahren keinen regulĂ€ren Urlaub genommen, diesmal geht es nach Ägypten, werde Mila ĂŒberraschen. Bespreche es mit ihr, bevor ich buche, nacher will sie garnicht hin.
Habe jetzt eine beinharte Woche vor der Brust, kann vor Freitagmittag nicht nach Hause. Egal, freue mich jetzt schon auf die neue Mila.

Mila
Mila vertrödelte den Montag im Bett. Das Wochenende hatte ihr gefallen. Die Fahrt raus zu dem Bauern, das ErdbeerpflĂŒcken, die Liebe im Heu. Mike war wie umgewandelt, so viel gelacht hatten sie schon lange nicht mehr. Lag es an mir, fragte sie sich. Ein StĂŒck weit schon, wusste sie, und das hing wieder mit Jussuf zusammen. Die Stunden mit ihm hatten etwas bersten lassen in ihr, etwas hartes, kaltes in ihrem Bauch direkt unter dem Nabel. Hatte sich dort eingegraben, zuerst als kleines Unangenehmes, spĂ€ter immer raumgreifender, und zuletzt als steinkaltes Gewicht, ihr die Atemluft nehmend. Jussuf? Sicher, mit ihm habe ich seit Jahren zum ersten Mal wieder arabisch gelacht. Aber auch mit Mike am Sonntag auf der RĂŒckfahrt mit den RĂ€dern hatten sie sich ausgeschĂŒttet vor Lachen. Als wir uns im Heu liebten, hat Mike mir ins Ohr geflĂŒstert, was wohl wĂ€re, kĂ€me jetzt plötzlich eine andere Dame vom gleichen BedĂŒrfnis getrieben wie du, und stolpert ĂŒber uns?
Wir liessen voneinander ab, so schĂŒttelte es uns bei der Vorstellung, was jene imaginierte Dame wohl fĂŒr ein Gesicht machen wĂŒrde. Mike, habe ich gelacht, von mir sĂ€he sie nur wenig, aber dein auf- und ab-pumpender Hintern sĂ€he ihr voll ins Gesicht.
Wir brachen unser Spiel vorerst ab, zu sehr steckten wir einander mit immer neuem Gepruste an. Nachts holten wir nach, was nicht vollendet worden war und es war fast so schön wie am Anfang.
Fast so schön? Da muss ich genau hinschauen und forschen. Genauso schön geht nicht, da war nicht die Scham und spĂ€ter die Leidenschaft, als der Damm brach. Nein, so war das nicht. Die Scham konnte ich lange nicht besiegen, erst als mir das gelang, kam die Leidenschaft, oder wie die Deutschen sagen die Wolllust. Mike war ein kundiger Liebhaber, der nichts ĂŒberstĂŒrzte, nichts verlangte, was ich nicht wollte, oder wie ich damals dachte, konnte.
Wie sind wir uns entglitten? War es tatsĂ€chlich seine Kontrolle oder gebar die verebbende Leidenschaft die Kontrolle? Ich werde es mit ihm besprechen. Wir dĂŒrfen uns nicht festbeißen an einem Ausrutscher, einem falschen Wort oder eben so etwas wie Kontrolle. Leidenschaft kann nicht immer hochgehen. Er hat es schwerer als ich, freut sich die Woche ĂŒber aufs Zuhause und dazu gehört die Liebe, die er sofort und mehrmals will. Ob mir danach ist, spielte keine Rolle, richtiger, er setzte voraus ich will.
Es klingelt. Kann nur Jussuf sein, kenne sonst keinen. Ich zieh mir die Decke ĂŒber den Kopf und versuche zu schlafen. Habe im Augenblick keine Verwendung fĂŒr ihn. Arabische MĂ€nner können unangenehm hartnĂ€ckig werden. Reicht man ihnen den kleinen Finger, gelĂŒstet es sie nach der Hand. Da klingelt es wieder, also egal wer das ist, ich bin nicht da und schlafe erst mal eine Runde.
Es war zwölf Uhr vorbei, als ich wach wurde. Schnell sprang ich auf und wollte unter die Dusche. Mit einem Auge sah ich, jemand hatte einen Zettel unter die TĂŒr geschoben. Von Jussuf, aufdringlicher Kerl! Erst mal frisch machen und anziehen.
Auf dem Zettel seine Telefonnummer und darunter: Bitte ruf mich an, ich habe einen Job fĂŒr dich. Ich hatte ihm von meiner Sehnsucht nach einem Job erzĂ€hlt. Die Frage war, wie kommt ein Ägypter, kaum im Land, an einen Job, der mir gefallen könnte? Was steckte dahinter? Wahrscheinlich eine nicht sehr kluge Anmache, wird mich als Putzfrau fĂŒr seine Wohnung haben wollen, inclusive Nebendienste. Ich reagiere gar nicht, nur wird er keine Ruhe geben, auf dem Jobangebot herumreiten. Ich muss ihn fragen, was ist das fĂŒr ein Job?
Schon wieder das Telefon, muss rangehen, könnte Mike sein. „Hallo, Dunst! Herr Schreiber? Bitte, was kann ich fĂŒr Sie tun? Ich kann den Job haben? Wunderbar! Ja sicher, ich bin in 10 Minuten bei Ihnen.“
Die Frau aus Ungarn hat schon geschmissen, ich krieg den Job. Nix wie hin.
Hat geklappt, ich putze Wentzelstrasse Nummer 16, 18 und 20. BĂŒrgersteig, Keller und Treppenhaus von Montag bis Donnerstag jeden Tag 6 Stunden fĂŒr 10 Euro die Stunde. Wie das im Einzelnen ablĂ€uft mit Steuern und so, hab ich gesagt, mĂŒssten sie Freitag mit Mike regeln.
Ich fange sofort an, 240 Euro die Woche verdiene ich, das sind beinah 1000 Euro im Monat. Rechne ich das in Àgyptische Pfund um wird mir schwindelig. Mike wird staunen, ob er sich auch freut? Begreife immer noch nicht, warum ich nicht arbeiten sollte, hab ihm doch oft genug erklÀrt, rumsitzen wÀre nicht meins, mache mich rattig.
Rattig ist Mikes Ausdruck. Lern französisch oder russisch, wenn du rattig wirst! Warum willst du putzen? Das Geld brauchen wir nicht, ist also vertane Zeit, wĂ€hrend der du NĂŒtzliches tun könntest, hielt er stĂ€ndig dagegen!
Sprachen lernen, meinst du? wo ich doch schon deutsch, englisch und arabisch spreche! Kann ich mir dafĂŒr was kaufen? Nichts bekomme ich dafĂŒr, muss dich fĂŒr jeden kleinsten Dreck um Geld fragen! So kann ich nicht leben, Mike, jedenfalls nicht glĂŒcklich, war meine Antwort. Antwort stimmt nicht ganz. Ich hab ihn manchmal angeschrieen, in letzter Zeit öfter. Hat ihn verstört, las es aus seinem Gesicht, bekam andere Augen, die Pupillen wurden klein wie Stecknadelköpfe.
Das ist hoffentlich vorĂŒber. Wenn ich mir ausmale, wie ich in einem Monat mit dem ersten selbstverdienten Geld H&M unsicher machen werde! Mike hat zwar immer gesagt, geh, kauf dir was Schönes, aber ich hab ihn um Geld fragen mĂŒssen. Da reichte mir das Nötigste. Das wird jetzt anders, muss mich in acht nehmen, dass mich der Kaufrausch nicht packt, ich fĂŒr UnnĂŒtzes Geld ausgebe.
Aber jetzt erst einmal an die Arbeit, bevor ich ausgebe, muss ich verdienen.

Als Mike anrief und ich ihm von meinem Job erzĂ€hlte, hat er sich gefreut. Hörbar erleichtert war er, hatte ich den Eindruck. Unsere Verstimmung hat ihn sicher ebenso genervt wie mich. Ihn vielleicht noch mehr, er musste arbeiten, ich konnte mir den Frust wegjoggen und wegschlafen. Jussuf hat sich nicht wieder gemeldet, gut so, hab auch keine Zeit mehr fĂŒr ihn. Sein Auto stand ĂŒber Tag in der Tiefgarage, scheint nicht zur Arbeit gefahren zu sein, arbeitet der tatsĂ€chlich nur an Wochenenden? Was soll’s, geht mich nichts an.
Mit dem verdienten Geld könnte ich mir einen Urlaub in Kairo leisten. Die wĂŒrden Augen machen, stĂ€nde ich plötzlich als Lady aus dem Westen vor ihnen. Mit Mike als Ehemann wird das schwierig, Zuhause erkennen die eine Zivilehe nicht an. FĂŒr die lebe ich unverheiratet mit ihm zusammen, mit einem UnglĂ€ubigen, unvorstellbar!
Da mĂŒssen wir vorher zum Imam, der muss uns nach muslimischem Ritus zusammentun und ein Dokument in arabischer Schrift ausfertigen. Hoffentlich können die TĂŒrken das? Ich glaube, in der TĂŒrkei ist nur die Zivilehe gĂŒltig, doch hier in Deutschland haben die Frommen ordentlich Boden gutgemacht, die vielen kopftuchtragenden jungen MĂ€dchen beweisen es.
Ob Fatima schon verheiratet ist? Anzunehmen, Kinder wird sie auch schon haben. Die Pille darf sie nicht nehmen, ihr Mann wĂŒrde durchdrehen. Wie lange bin ich weg? FĂŒnf Jahre, da wird sie leicht zwei, drei Kleine haben. Darf mir nicht vorstellen, es wĂ€re mir ebenso ergangen! Dein Mann, dein Herr.
Im Haus hat die Frau zwar das Sagen, doch was ist das fĂŒr ein Haus in Kairo? Ein, zwei Zimmer fĂŒr die ganze Familie. Eigenes Klo, Bad ist nicht. In Deutschland nicht vorstellbar, in welchen VerhĂ€ltnissen die Menschen dort leben. Ich denk dabei nicht an die Armen! Die hausen in ausgerĂ€umten GrĂ€bern auf den Friedhöfen, wovon es reichlich gibt in der uralten Stadt. Aber hin möchte ich schon, denk oft an unsere Kleinen.

Am nÀchsten Morgen, einem Dienstag, war ich schon um sechs auf der Treppe.
Ich konnte einfach nicht mehr schlafen, SchĂ€fchen zĂ€hlen, wie Mike mich gelehrt hat, und das Wissen, die Treppe lĂ€uft nicht weg, halfen nicht. Ich musste raus aus dem Bett, in die Putzklamotten und ran an den Speck. Um acht hatte ich den Keller geschafft und wollte frĂŒhstĂŒcken gehen, als sich Jussuf mit einem langen Paket durch die TĂŒr zu zwĂ€ngen versuchte. Er schob sich mit seiner Last durch die TĂŒr, die eine automatische Falle hatte, und blieb hĂ€ngen. Ich lief hin und half ihm, das lange, schwere Ding durch die TĂŒr bugsieren. Jussuf wehrte ab, lass nur, ich mach das schon, schob er sich an mir vorbei und blieb erneut hĂ€ngen.
Soll ich nun helfen oder nicht, fragte ich, und ließ ihn allein fummeln. Er kam nicht weiter, schließlich meinte er, ich möge hinten anfassen und dirigieren. FĂŒr den Aufzug war das Paket zu lang, also zog Jussuf vorn und ich schob hinten, bis wir endlich oben waren. Nun hilf meiner Neugier und erklĂ€r mir bitte, was wir da die Treppe raufgezerrt haben, fragte ich ihn.
Jussuf sah mich an und sagte: „Du als arabische Frau kannst schweigen, nicht fĂŒr immer, aber fĂŒr vier Wochen schĂ€tze ich doch? In vier Wochen zeige ich dir, was es auf sich hat mit Jussufs Wunderlampe und du wirst staunen. Solange bitte ich dich um Geduld, abgemacht?“
„Sicher, warum nicht, Jussuf, so neugierig bin ich auch wieder nicht, dazu muss ich keine arabische Frau sein!“
Jussuf schloss die WohnungstĂŒr auf, kam aber wieder nicht klar mit dem Ding. Ich packte noch einmal zu und erkannte, wir kommen nicht weiter, wenn er nicht die TĂŒr zum Bad aufmacht. „Jussuf, die BadezimmertĂŒr aufmachen!“ keuchte ich.
„Geht so, warte, ich heb höher,“ der Jussuf, „jetzt schieb noch einmal ordentlich“ was ich tat, und die Stange oder das Rohr knallte gegen die Decke.
„Danke Mila, ist gut, ich schraub auseinander, geh rein zu dir, nochmal danke fĂŒr die Hilfe.“
Ok, dachte ich, mach es allein, guckte aber dann doch durch den Spion und sah nur noch das Ende von dem Ding verschwinden. Von wegen auseinanderschrauben, der hat die BadezimmertĂŒr aufgemacht, da gab es kein vertun. Nur warum macht der ein Geheimnis aus seinem Badezimmer? Was sollte ich nicht sehen? Da musste was sein, ich hĂ€tte den Raum durch die geöffnete TĂŒr total ĂŒberschaut, das war ihm klar, was wollte er verbergen? Als ich fertig gefrĂŒhstĂŒckt hatte, wusste ich nicht, was ich gegessen und getrunken hatte. Jussufs Badezimmer wollte mir nicht aus dem Kopf. Ich ging in unser Badezimmer und legte ein Ohr an die Wand. Es war nichts zu hören, in Jussufs Badezimmer geschah nichts. Konnte sein, er wartete, bis ich die Wohnung verließ, um dann das Rohr oder die Stange auseinanderzuschrauben? Nur warum? Warum die Geheimnistuerei?
Ich sollte ihm und mir eine Chance geben. Ging ich nicht an die Arbeit, konnte er denken, ich beobachte ihn. Dass ich den Putzfrauenjob ergattert hatte, hat er sicher aus meiner Aufmachung und Eimer und Besen, die ich trug, als er mich im Keller sah, geschlossen.
Gleichwohl hÀtte ich nur zu gern gewusst, was es mit seiner GeheimniskrÀmerei auf sich hatte. Mikes Diktaphon! Das Band sprach auf Sprache an und schaltete, sollte eine Pause lÀnger als 5 Sekunden wÀren ab, um bei nÀchstem Ton erneut aufzunehmen. Schnell ein Handtuch auf den Klodeckel gelegt, das GerÀt angeschaltet und gerÀuschvoll die Wohnung verlassen.
Den Keller hatte ich fertig, also putzte ich mich Etage fĂŒr Etage die Treppen hinauf, bis ich vor meiner eigenen TĂŒr angelangt war, das hieß Feierabend. Jussuf war mir bei meiner Arbeit nicht begegnet, also musste er in seiner Wohnung sein. Ich bin gespannt, was das Tonband gespeichert hat.
Ich schloss auf und schlĂŒpfte durch die TĂŒr. Irgendwie war mir mulmig, Jussuf, den ich eigentlich liebenswĂŒrdig in Erinnerung haben sollte, Ă€ngstigte mich plötzlich.
Ich nahm das Band aus dem Bad mit in die KĂŒche und liess den Streifen durchlaufen. War ich erleichtert oder enttĂ€uscht, ich kann es nicht sagen, das Band hatte nichts VerdĂ€chtiges gespeichert. Zweimal rauschte die WasserspĂŒlung, das wars. Ich ĂŒberlegte einen Augenblick, was machte mich so misstrauisch? Die Tatsache, dass Jussuf diese lange Stange transportierte und sein merkwĂŒrdiges Verhalten, war es das? Oder schwang da seine eingestandene Sympathie fĂŒr die Moslembruderschaft mit, die mich beunruhigte? Nur warum? Seine ErklĂ€rung, die Machthaber Arabiens seien allesamt ein korrupter Haufen, stimmte. Andererseits waren die Methoden, mit denen die MoslembrĂŒder kĂ€mpften, brandgefĂ€hrlich, sie unterschieden nicht zwischen Unschuldigen und Schuldigen bei ihren Mordkomplotten, as ich ihm aber nicht anlasten kann. Er hat ganz allgemein ĂŒber die Verschleuderung des einzigen Rohstoffs Arabiens an den Westen gesprochen, die EmpfĂ€nger der Petrodollars gegeisselt, womit er recht hat. Also was ist, Mila? HĂ€ngen wir es tiefer? Noch einmal das Tonband aufstellen, vielleicht bringt es was?

Mike
Sie hat den Job, o Gott sei Dank. Sie hörte sich so glĂŒcklich an wie schon lange nicht mehr. Ich freue mich auf dich, hat sie durchs Telefon gehaucht, und es war am Wochenende fast so schön gewesen wie in unserer ersten Zeit.
Mike, GlĂŒckspilz, streng dich an, sei bester Laune am Freitag, bei dem es hoffentlich bleiben wird. Mach ich mir an sich keine Sorgen, hab zwölf Stunden rangeklotzt jeden Tag, da muss Freitag um zwölf Schicht sein. Um halbeins bin ich unterwegs, also um spĂ€testens drei liegen wir uns in den Armen, SchĂ€tzchen.
Zwölf Stunden, in der einen Hand den Schutzschirm, in der anderen die Spritze, gehen verdammt ans Eingemachte. Deshalb ab in die Koje, essen, ein paar Bierchen und Sense, sonst wird das morgen nichts. Eine Naht muss liegen wie die andere, dabei im wahrsten Sinne des Wortes nahtlos. Jeder Zentimeter wird kontrollgeröntgt, da fĂ€llt die kleinste UnregelmĂ€ssigkeit auf. Also Augen zu und Kraft tanken, Sorgen schein ich mir nicht mehr machen zu mĂŒssen.
Montag auf der RĂŒckfahrt nach Gronde.
Das lief wie am SchnĂŒrchen, war noch eine Stunde frĂŒher zuhause als ich kalkuliert hatte. Mila war wie umgewandelt, hĂŒpfte wie ein Kind vor Freude. War nichts mit der Liebe, erst musste ich zur Hausverwaltung ihren Vertrag abklĂ€ren, dann schleppte sie mich zu H&M von einem Schaufenster zum nĂ€chsten. Wie gefĂ€llt dir das und wie jenes, konnte mich nicht drĂŒcken mit der Standardaussage: An dir gefĂ€llt mir alles, ging nicht, sie zog mich in den Laden, probierte an und ich musste Farbe bekennen.
FĂŒr ein Kleid und einen Hosenanzug wollte sie Kredit. Geschenkt von mir kam nicht in Frage, wĂŒrde mir die Freude nehmen, ich will was Selbstverdientes, beharrte sie.
Habe mir nicht vorstellen können, wie sehr die AbhĂ€ngigkeit von mir sie bedrĂŒckt hat. Jetzt weiß ichs, hĂ€tte uns beinah in Ă€rgste Schwierigkeiten gebracht.
Das mit dem Jussuf lass ich mir in Ruhe durch den Kopf gehen. Mila hat mir erzÀhlt von dem Nachmittag mit ihm, und wie sie ihn danach abgeblockt hat, bis die Geschichte mit dem Rohr passierte. Passt auf, das MÀdchen, obwohl Moslembruderschaft und Badezimmergeheimnis abenteuerlich kombiniert sind. Auf dem Tonband hatte sich nichts getan, sollte der an einem Sprengkörper basteln, ging das nicht gerÀuschlos ab.

Mila
Mike und ich sind wieder Geliebter und Geliebte. Oh, war das Wochenende schön. Wie selbstverstĂ€ndlich fand er mein Treffen mit unserem Nachbarn Jussuf. Kkann ich gut verstehen, hat er gemeint, kann auch nicht mitlachen, wenn meine tĂŒrkischen Kollegen sich nicht einkriegen ĂŒber einen Witz, der ĂŒbersetzt absolut kalt bleibt.
Meine Bedenken wegen des Rohrs, Badezimmer und Bruderschaft hat er zerstreut, ich glaube, ich seh Gespenster. Aber warum hat Jussuf mir vier Wochen Schweigen abverlangt?
Bewundert hat mich Mike in meinen chicken Klamotten. Meinen, meinen Klamotten. Ich sah es ihm an, der ganze Kerl strahlte. Die Sonne scheint wieder bei uns, wir sind nur zum essen aus dem Bett. Er möchte mit mir nach Kairo, ich wollte ja auch hin, bin schon so lange weg, nur Mike wird es scheußlich finden. Der muss doch auf’s Klo, der arme Mann hat nicht die geringste Vorstellung von einem 50-Personen-Klo erbaut im Jahre 1905.
Dabei wohnt meine Familie komfortabel, verglichen mit Leuten, die in HĂ€usern leben, die ein paar hundert Jahre alt sind. Ist keine so gute Idee die Kairoreise, zudem die Eltern hundert Fragen haben werden. Denk ich an Papas strengen Lehrerblick, wenn ich ihm erklĂ€re muss, mein Ehemann, der Christ, ist Handwerker, wird mir jetzt schon ĂŒbel. Nein, ich spare lieber und lade Mama und Papa nach Hannover ein, da wird es keine Fragen geben, so beeindruckt werden die sein. 800 Euro leg ich monatlich auf die hohe Kante, bleiben immer noch 200 fĂŒr extra WĂŒnsche, da hab ich die Reise inclusive Hotel in einem halben Jahr zusammen. Am liebsten schriebe ich es ihnen sofort, werde es aber erst mit Mike am Wochenende besprechen. Beeile dich, Wochenende, ich will meinen Mann!

Jussuf
Jussuf war blass vor Wut, als er endlich die neugierige Ziege von Nachbarin abgeschĂŒttelt hatte. Ich muss das vergessen, schĂ€rfte er sich ein, niemand darf auch nur ahnen, dass ich die Dame kenne.
Nachdem er die TĂŒr zum Flur geschlossen hatte, schob er das Rohr durch die geöffnete BadezimmertĂŒr bis in die Ă€usserste Ecke des Bades, schraubte die Muffe ab, die mittig auf dem Rohr saß. Jetzt hatte er zwei gleich lange Rohre, die sich bequem neben die Wanne legen ließen.
Verdammte Mila, warum hab ich sie eigentlich angequatscht, fragte er sich. Er sah in den Spiegel. Warum schon, weil sie ihren geilen Arsch durch die Gegend schwenkt wie jede christliche Nutte. Sie mag die Scharia nicht? Die Scharia wird ihr schon zeigen, wie eine Muslima sich zu kleiden hat. Sollte sie je wieder in Kairo leben und ich treffe sie, fĂŒhlt sie die Peitsche!
Jussuf setzte sich an den KĂŒchentisch, zog eine Zeichnung hinter einer Kachel hervor. Die Kachel setzte er sofort zurĂŒck an ihren Platz. Er prĂŒfte ihren Sitz aus verschiedenen Perspektiven, nichts war zu bemerken. Dann widmete er sich der Zeichnung, ĂŒbertrug mit Zirkel und Lineal Halbkreise, Strecken und Linien mit den dazugehörigen Formeln in ein Din A4 Heft. Manchmal nagte er heftig am Ende seines Bleistiftes, maß nach, radierte, riss die Seite raus, zerriss sie zu kleinen Schnipseln und zĂŒndete sie auf der Platte seines Elektroherdes an. Die zurĂŒckbleibende Asche fegte er mit der Hand zusammen, zerrieb sie zwischen den HandflĂ€chen und spĂŒlte sie durch den Ausguss.
Den ganzen Tag brĂŒtete er ĂŒber dem Heft, zeichnete, zerriss, verbrannte, spĂŒlte weg und fing wieder an. Zweimal unterbrach er seine Arbeit, kniete in Richtung Mekka nieder und betete lautlos. Als die Sonne unterging, machte er kein Licht, verrichtete sein letztes Gebet und legte sich zu Bett. Er wĂ€lzte sich von einer Seite zur anderen, konnte den prallen Weiberarsch nicht aus dem Kopf kriegen. Endlich stand er auf und verschaffte sich Erleichterung ĂŒber der KloschĂŒssel. Arabische FlĂŒche zwischen den ZĂ€hnen zerdrĂŒckend, packte er sich zurĂŒck ins Bett und schnarcht unvermittelt los.
Am nĂ€chsten Morgen stand er ab fĂŒnf Uhr Wache hinter seiner WohnungstĂŒr. Er musste wissen, wann und ob Mila die Wohnung verließ, es sah aus, als ob sie den Putzfrauenjob, nach dem sie so gegiert, geschnappt hatte. Ihre VorgĂ€ngerin, die Frau aus Ungarn, hatte auch die beiden NebenhĂ€user geputzt. Er hatte beobachtet, dass Mila Keller und Treppen von Haus 16 gestern fertig gemacht hatte. Als er sie im Keller traf, war es gegen sieben gewesen, also musste sie frĂŒh angefangen haben. Sollte sie auch Haus 18 und 20 putzen und genau so frĂŒh anfangen wie gestern, hatte er mindestens sechs Stunden Zeit zu hĂ€mmern und zu sĂ€gen. SĂ€mtliche anderen Hausbewohner waren ab neun Uhr ausgeflogen, deshalb hatte er die Wohnung in dem Schuppen angemietet. War verdammt viel Recherche nötig gewesen, um dahinter zukommen. Er stand sich die Beine in den Bauch, aber Geduld war seine starke Seite. Eine Woche noch aufpassen und nicht den kleinsten Fehler machen, dann in den Flieger und fertig.
Gegen sechs wurde seine Geduld belohnt. Er sah durch den Spion, wie Mila mit Eimer, Besen und Schrubber an seiner TĂŒr vorbei die Treppe hinunter ging.
Den Wecker auf halb neun gestellt, legte er sich fĂŒr den Rest der Nacht aufs Ohr.
Als das Klingeln ihn aus dem Schlaf riss, fĂŒhlte er sich frisch und ausgeruht. Hinter seiner TĂŒr registrierte er das Getrappel auf den Treppen und das Surren des auf und abfahrenden Aufzugs, beides sichere Zeichen fĂŒr das sich leerende Schlafsilo.
Sofort begann er mit den gerĂ€uschvollsten Arbeiten, sĂ€gte Rohre und klopfte ein Loch in die Wand zwischen Bad und KĂŒche. Danach lauschte er angestrengt hinaus ins Treppenhaus, aber nichts rĂŒhrte sich.
Alles weitere ging ihm fast gerĂ€uschlos von der Hand. Er hatte seine PlĂ€ne auf dem Tisch ausgebreitet und arbeitete Punkt fĂŒr Punkt exakt nach Plan. Als die Glocke der Kirche, deren spitzes Dach auf Höhe seines Fensters begann, um zwölf Uhr loshĂ€mmerte, kniete er in Richtung Mekka und betete lange und inbrĂŒnstig.
Jetzt war noch ein entscheidendes Teil einzubauen, und seine Vorrichtung wĂŒrde funktionieren. Das Paket mit dem Teil wĂŒrde ihm am Freitag zwischen 19 und 20 Uhr im Bistro Geysir auf der Herrentoilette von einem Mann mit blau gefĂ€rbten Haaren ĂŒbergeben werden.

Mike
Endlich Schluss mit dem verdammten AKW. Jetzt erst einmal sechs Wochen Urlaub, danach geht es weiter, nicht hier in Gronde, wird wohl BrunsbĂŒttel werden. Der Typ von der Behörde meinte, sĂ€mtliche DruckbehĂ€lter hielten einer ÜberprĂŒfung nicht stand, es gĂ€be noch viel Arbeit. Mir soll es recht sein, mein Geigercheck zeigt keine AuffĂ€lligkeit, werde das aber im Urlaub von einer neutralen, privaten Stelle ĂŒberprĂŒfen lassen, man kann nie wissen.
Was in meinem Hinterkopf rumort ist der Jussuf. Keine Eifersucht, hÀtte ich Grund, hÀtte Mila mir nicht von ihm erzÀhlt. Das lange Rohr stört mich, was hat der damit vor?
Einer, der Schlimmes vorhat, verhĂ€lt sich nicht so auffĂ€llig, oder hat er nicht damit gerechnet, auf Mila zu treffen? Quatsch, im Haus wohnen 40 Parteien, da konnte er sich nicht darauf verlassen, ungesehen zu bleiben. Andererseits kĂŒmmert sich keiner um seinen Nachbarn, auf der Straße lĂ€uft man sich um. Da konnte er unbekĂŒmmert sein Rohr hochwuchten. Es war Mila, die ihm in die Quere kam.
Mein Gott, hoffentlich ist sie nicht in Gefahr. Es ist vier Uhr, um sieben bin ich zu hause. Nicht verrĂŒckt machen, die nĂ€chsten sechs Wochen weich ich ihr nicht von der Seite, werde ihr beim Putzen helfen, und den Jussuf, sollte er auftauchen, nicht aus den Augen lassen.
Waren unangenehme drei Stunden gewesen, bis ich mein SchĂ€tzchen endlich unbeschĂ€digt im Arm hielt. Irgendwelche Neuigkeiten den Nachbarn betreffend, fragte ich sie, aber er war ihr seit der Episode mit dem Rohr nicht mehr unter die Augen gekommen. Sie war noch nicht einmal sicher, ob er sich in seiner Wohnung aufhielt, kein Rauschen der WasserspĂŒlung, nichts.
Ich packte aus und zeigte ihr meinen GeigerzÀhler. Das Ding trag ich bei der Arbeit. Sobald es zu ticken beginnt ist Schicht, erklÀrte ich ihr. Ein hochsensibler Apparat, der registriert eine radioaktive Quelle auf einen Kilometer.
„Und tickt, wenn er registriert?“ fragte Mila. „Ja, ich kann es dir nicht vorfĂŒhren, wir haben keine radioaktiven GegenstĂ€nde im Haus. FrĂŒher gab es Uhren mit leuchtenden Ziffern und Zeigern, die waren mit einer solchen Substanz behandelt, wĂŒrden den ZĂ€hler sofort munter machen. Was wichtiger ist, unser Nachbar hat auch keine radioaktiven Substanzen in seiner Wohnung, ich hatte mir schon Sorgen gemacht. Vergiss es, ist berufsbedingt, wo du gehst und stehst, wirst du vor der RadioaktivitĂ€t gewarnt bei meinem Job, das regt die Fantasie an.
Mila, dies ist der Tag vor meinem ersten Urlaubstag, 42 Tage ganz fĂŒr uns, freust du dich?“ „Ja, sicher freu ich mich, Mike, nur vergiss bitte die NĂ€chte nicht!“ „Mila Herzchen, wie könnte ich. Trotzdem oder deshalb schlage ich vor, wir gehen schwofen! Wie lange sind wir nicht mehr schwofen gewesen? Eine halbe Ewigkeit, komm, zieh kein SchnĂ€uzchen, ein Schwof heizt meinen Appetit auf dich so richtig an!“
Als sie gegen drei Uhr in der Nacht glĂŒcklich und beschwipst die WohnungstĂŒr aufschlossen, stieß sie das rasende Ticken des GeigerzĂ€hlers augenblicklich in die NĂŒchternheit.

Jussuf
Jussuf war frĂŒh im Geysir, er wĂ€hlte seinen Tisch so, dass Theke und Eingang in seinem Blickbereich lagen. Es waren nur wenige GĂ€ste da, ein Mann mit blauen Haaren war nicht darunter. War auch viel zu frĂŒh, doch zu hause neben seinem Baby hatte er es nicht mehr ausgehalten, immer und immer wieder hatte er sĂ€mtliche Schaltungen und Kontakte ĂŒberprĂŒft, bis seine nervösen Finger um ein Haar einen mĂŒhsam justierten Schalter verstellt hatten.
Ruhe, Jussuf, ermahnte er sich, die bestÀtigte Flugkarte auf den Namen Ali Bessar von Berlin nach Budapest habe ich in der Tasche. In Budapest werde ich abgeholt, von da ging es per Auto weiter nach Bosnien.
Er war lange in Bosnien, bevor sein Baby sich regen wĂŒrde, eine Lehre fĂŒr die verdammten Giaur! Nirgendwo waren sie sicher vor der rĂ€chenden Hand der RechtglĂ€ubigen.
Er las die Zeitung und ertappte sich dabei, wie er sie falsch herum hielt. Verdammt! Er fluchte, ohne Lippen und Zunge zu bewegen, reiß dich zusammen, bete, versenk dich in die GrĂ¶ĂŸe des Allerbarmers! Er zwang sich zu absoluter Ruhe. Nichts darfst du sehen, befahl er sich, bis auf den Mann mit den blauen Haaren. Alsbald bemĂ€chtigte sich Ruhe seines aufgewĂŒhlten Seele. Ruhe, Ruhe, Ruhe. Einen Tee bestellen, dein KĂ€nnchen ist seit einer halben Stunde leer, langsam trinken und wieder Ruhe, gelassene Ruhe. So vergingen die Stunden wie Minuten, ein Mann mit blau gefĂ€rbtem Haar stellte sich an den Tresen, bestellte ein Bier, trank langsam, und bestellte ein zweites. Jussuf winkte dem Kellner, zahlte und goss sich den Rest aus der Kanne ein. Der Blauhaarige drehte sich vom Tresen weg und ging zur Herrentoilette. Jussuf stand auf und folgte ihm. Er stellte sich neben den Mann, sah ihn nicht an und flĂŒsterte das Codewort Alhambra. Der Mann legte einen in Zeitungspapier eingewickelten Gegenstand in seine Hand und verließ den Raum. Jussuf versenkte das Teil in seine Hosentasche, verrichtet sein GeschĂ€ft und verließ das Lokal.
Zuhause angekommen, clickte er den faustgrossen ZĂŒnder in seine Vorrichtung, die Zeit fĂŒr die Aktivierung war eingestellt. Er fuhr mit dem Aufzug ins Parterre, ging zur nĂ€chsten Straßenbahnhaltestelle, fuhr zum Bahnhof, stieg um in die S-Bahn und stieg am Flughafen aus. Seine Maschine nach Budapest wĂŒrde in einer Stunde starten. Er checkte ein und wĂŒrde um Mitternacht Budapest in Richtung Bosnien verlassen haben.
WĂ€hrend des Fluges genoss er, wie die Spannung von ihm wich, doch eine Restunruhe wich nicht aus seinen Hintergrundgedanken.
In Budapest lief alles nach Plan. Am Ausgang wartete wie verabredet eine Frau die ein Schild auf dem 'Filler' stand, hochhielt. Er ging auf sie zu und sagte: „FĂŒhren Sie mich zum Automobil!“ Sie nickte und fĂŒhrte ihn zum Auto. Der Beifahrersitz war zurĂŒckgeklappt, so dass er bequem liegen und schlafen konnte. Er sah auf die Uhr, bis zum Ziel wĂŒrden sie fĂŒnf Stunden unterwegs sein, das Ereignis trat in acht Stunden ein. War Zeit genug zu berichten, und dann das Geschehen am Fernseher zu verfolgen.
Jemand rĂŒttelte seine Schulter, er wachte auf und sah einer Frau ins Gesicht. Ist was? fragte er. Die Frau lĂ€chelte und antwortete : „Wir sind da.“ Jussuf stieg aus, reckte sich, irgendwie fĂŒhlte er sich bleischwer. Na ja, tröstete er sich, nach all dem Stress der letzten Zeit. Die Frau fĂŒhrte ihn in eine Wohnung in der ersten Etage eines Plattenbaus, klingelte an einer der drei TĂŒren. Eine alte Frauenstimme fragte hinter der TĂŒr: „Wer ist da, was gibt’s?“ „Filler“ antwortete seine Begleiterin. Hinter der TĂŒr entfernten sich schlurfende Schritte, eine TĂŒr im Wohnungsinneren klappte. Einen Augenblick lang war alles still, Jussuf belauschte den Versuch einer Fliege, sich den SchĂ€del an einer Scheibe einzurennen. Surren und dann peng, peng. Sie kapiert es nicht, ging’s ihm durch den Kopf. Dann energische Schritte, die TĂŒr wurde aufgerissen, im Rahmem stand ein schlanker, bĂ€rtiger, dunkelhĂ€utiger Mann.
„Tritt ein, Bruder, im Namen des Propheten, Bruder, tritt ein,“ sagte er, legte einen Arm um Jussufs Schulter und zog ihn in den Flur.
Der Raum war fensterlos und sehr groß. Ein Fernsehbild war auf eine der WĂ€nde projiziert, es lief das erste Programm der ARD. In einer Ecke standen bequeme Sessel um einen niedrigen Tisch. "Nimm Platz, Bruder," nötigte ihn der Schlanke, "ich habe eine Kleinigkeit fĂŒr den ersten Hunger richten lassen. Feiern und schlemmen werden wir nach dem Ereignis, es bleibt doch bei acht Uhr?"
"Wenn nichts dazwischen kommt, Punkt acht Uhr, wie heißt Du eigentlich?"
"Lass uns mit dem Vorstellen warten, Bruder, bis es passiert ist. Was heißt, wenn nichts dazwischen kommt?"
Jussuf unterdrĂŒckte seinen Unmut und erklĂ€rte: "Ganz einfach, das heißt, wenn nichts versagt, kein Einbrecher die TĂŒr aufstemmt und Alarm schlĂ€gt, oder..."
"Oder," fuhr sein Inquisitor fort, "deine Àgyptische Nachbarin Lunte gerochen hat und die Sache aufgeflogen ist!"
Jussuf brach der Schweiß aus. Woher wusste der, ratterten seine Gedanken, blieb aber cool und konterte: "Habt ihr mich beobachten lassen? Wer hat das zu verantworten? Kann nur ein leichtfertiger Idiot veranlasst haben. Wenn was schief geht, lehne ich jede Verantwortung ab."
"Aber die Nachbarin gibt es,Jussuf, oder?"
"Sicher gibt es die, Bruder, die wohnte schon vor mir da."
"Warum der Kontakt, Jussuf, erklÀr das bitte."
"Nichts leichter als das, sie erkannte bei der ersten Begegnung, wir wohnten auf einem Flur, in mir den Landsmann und begrĂŒĂŸte mich. Sollt ich mich dĂ€mlich stellen, den Ägypter verleugnen? Das wĂ€re höchst suspekt gewesen. So lud ich sie einmal zum Kino ein, und wir besuchten danach ein Lokal. Sie gab mir eine Menge Tips, preiswerte LĂ€den, Verkehrsverbindungen usw.. Danach begegnete ich ihr einige Male auf der Treppe, sie war die Hausputzfrau, das war’s."
"So, das war’s" der BĂ€rtige verzog den Mund, lĂ€cheln sah anders aus. Jussuf ignorierte das und vertiefte sich in das Vorabend ARD Programm.
Die alte Frau kam und servierte Krautsalat und Cevapcici. Sah lecker aus, Jussuf machte sich drĂŒber her. Als er fertig war, sich den Mund abgewischt hatte, vibrierte sein Handy. Er schaltete ein. Der Anrufer sprach arabisch und erklĂ€rte, er habe die Überwachung veranlasst und zu verantworten, wie du, Jussuf, deinen Teil verantwortest. In einer halben Stunde wissen wir, wie du unserer Sache gedient hast. Jussuf sagte nichts. Als die Verbindung abbrach, steckte er das Handy ohne Kommentar in die Tasche. "Bruder", sein GegenĂŒber schien eine ErklĂ€rung zu erwarten. Jussuf zuckte die Achseln und sah weiter fern.
Im Geiste ging er noch einmal alle Handgriffe durch, die nötig waren, das Baby scharf zu machen, es passte alles. An sich konnte er beruhigt sein, war das aber ganz und gar nicht. WĂ€hrend der langen Zeit in Hannover, in der Stadt der Feinde, hatte er sich nicht so bedroht gefĂŒhlt wie hier unter seinen BrĂŒdern. Er ĂŒberlegte fieberhaft, sollte etwas schief gelaufen sein, war das sein Ende.
Er hatte sein Kampfmesser hinten im GĂŒrtel, seine Pistole war im GepĂ€ck. Mit dem Messer war er gut, wĂŒrde den Bruder blitzschnell erledigen. Aber was dann? Weit kam er nicht, wahrscheinlich nicht einmal lebend hier aus dem Zimmer.
Das Programm der ARD wurde unterbrochen, ein Sprecher kĂŒndigte einen Brennpunkt an und berichtete in einem Atemzug: "Hannover ist um Haaresbreite an einer unvorstellbaren Katastrophe vorbeigeschlittert. Terroristen haben einen atomaren Sprengsatz in einem Haus der Innenstadt installiert, der ohne die Aufmerksamkeit einer Familie, die im Hause wohnte, um 8 Uhr explodiert wĂ€re."
Mit dem letzten Wort des Sprechers knallte ein Schuss, dessen Kugel Jussuf im Genick traf und seinen augenblicklichem Tod herbeifĂŒhrte.

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HFleiss
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Was Mike und Mila geschah

Die Geschichte trĂ€gt einfach zu dick auf, du hast zu viele Probleme hineingepackt. Anfangs dachte ich, ein Eheproblem, ein Problem zweier Kulturen, dann ein Fremdgehproblem, dann Thema Nahost, denkste, ein Terrorproblem ist es endlich. Ein wenig stört mich auch der Wechsel der Perspektive bei Mila, einmal 3. Person, dann wieder Ich-Form, und das alles im selben Abschnitt, Grund dafĂŒr besteht doch nicht. Das dritte, was mich auch und nicht nur ein bisschen stört, ist die Sprache. Sie klingt gewollt burschikos, um nicht zu sagen prollig, vermischt mit regionalen Wendungen, was Alltagssprache implizieren soll. Geht aber ein bisschen daneben.
Was mich auch stört, ist das reichliche Reden ĂŒber Politik. Das hat meiner Ansicht nach in einer ErzĂ€hlung wenigstens in dieser kolportagehaften Form nichts zu suchen. Wennschon, dann stell die angesprochenen Probleme in einer Handlung dar, beweise, wovon du jetzt die Personen nur reden lĂ€sst. Der Leser ist ja unter anderem auch noch Zeitungsleser und will nicht auch noch in einer ErzĂ€hlung mit der Nase auf die tĂ€gliche Headline draufgestupst werden, sondern mit den Protagonisten mitfĂŒhlen, mitleiden und begreifen, wie sie mit den vielfĂ€ltigen Problemen fertigwerden, wie er es zu Recht von einer ErzĂ€hlung erwarten kann. Versteh mich richtig, ich bin sehr dafĂŒr, dass man in die Weite des Alltags geht, der ja Politik an sich ist. Und eine Ägypterin in morganatischer Ehe, wenn man so will, hat in Deutschland genauso wie in ihrer Heimat tatsĂ€chlich viele Probleme. Nun habe ich aufgezĂ€hlt, was mich stört, und jetzt sage ich dir, was mir gefĂ€llt: Das ist der Wechsel der Personen deiner ErzĂ€hlung, sie könnte ein Stoff sein, der den Leser wirklich mitnimmt. Aber entscheide dich, wovon du eigentlich erzĂ€hlen willst, die zerstreuten HackstĂŒcke bringen nicht VielfĂ€ltigkeit, sondern nur Patchwork, und das zerfließt am Ende in einem allgemeinen Brei mit Terrorpointe.

Gruß
Hanna

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Haarkranz
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Mike+mila

Hallo Hanna,
zu dick aufgetragen? wo denn?
es gibt die Verstimmung zwischen den Beiden, weil Mila nicht arbeiten soll, löst sich schnell in Wohlgefallen auf.
Ein Kulturproblem? Mila spricht gut deutsch und Mike hilft ihr rĂŒhrend ĂŒber die ersten Klippen.
Politik? Ganze 14 Zeilen um Jussuf zu charakterisieren. Viele Araber sehen den Westen so. Ich wollte die Bedrohung sichtbar machen.
Sprache: Die ersten 10 Zeilen ĂŒberziehen ein wenig. Aber so sprechen MĂ€nner wie Mike, die auf Montage leben, einen schweren Job stemmen. Im weitern Verlauf habe ich diese Sprache kaum benutzt.
Morganatisch ist eine Ehe mit einer nicht als ebenbĂŒrtig angesehen Frau. Alter Begriff ( Hochadel) Könige hatten Gemahlinnen zur Linken.

Das zu den Fakten. Ansonsten kann ich Deiner Kritik schwer folgen, freue mich jedoch und bedanke mich fĂŒr die Anteilnahme. Haarkranz.

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HFleiss
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Was Mike und Mila geschah

Hallo Haarkranz, ich dachte, dass dir meine Replik ein Hinweis sein könnte, irgendwo mit der Überarbeitung anzusetzen. Was aber die morganatische Ehe angeht, so funktioniert es auch von Weib zu Mann, ist bloß nicht so bekannt, weil es 1. Ă€ußerst selten Königinnen gab, und 2. die ihre Stallburschen dann auch geheiratet haben. Und fĂŒr Mila ist es ja eine wirklich Ă€hnliche Situation, ein "UnglĂ€ubiger" gilt wenig bei Muslims. Das nur nebenbei. Was aber die Sprache angeht, da will ich keine Abstriche vom bisher Gesagten machen. Zuerst muss man sich darĂŒber klar sein, dass eine Schreibe keine Spreche ist. Das verlangt, dass man das gesprochene Wort "bearbeitet". Habe ich dir so Ă€hnlich schon mal geschrieben, als es um den Dialekt ging. Welche Sprachebene man wĂ€hlt, hĂ€ngt nicht zuletzt auch vom Thema ab, hier ein Attentat. Es gibt also keinerlei Grund, eine niedrige Stilebene anzusetzen, es sei denn, und da Ă€ußert sich eben die Haltung des Autors: Man schreibt Attentate grundsĂ€tzlich Leuten aus den Slums zu, deren Ă€ußeres Zeichen es ist, eine etwas primitive Sprache zu benutzen. Zum ersten Mal bin ich gestolpert, als du schriebst, sie habe ihn angebrĂŒllt. Die nĂ€chsthöhere Stilebene wĂ€re: Sie hat ihn angeschrien. Und dann stolperte ich oft und öfter, und mein Eindruck war, mit diesem Text geht er unter sein eigenes Niveau, schon mal stilistisch. Aber da ist eben noch mehr, ich habe es dir geschrieben.

Gruß
Hanna

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Haarkranz
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Mike+mila

OK Hanna,
wenn du das so siehst. An angebrĂŒllt oder angeschrieen eine Stilebene festzumachen, das hat was. Ich wĂŒrde eher eine Frustebene daran knĂŒpfen. Deine Festellung der Schreiber verbĂ€nde AnschlĂ€ge mit Slumbewohnern, liegt ein wenig neben der Spur. Die AnschlĂ€ge des vorvorigen Jahrhunderts, und auch die kĂŒhl geplanten dieses Jahrhunderts, wurden meist von den Kindern der Bourgeoisie begangen. Slumbewohner sind zu solchen feingesponnen Taten viel zu kapput.
Glaube aber bitte nicht, ich mĂ€ĂŸe Deiner Kritik keine Bedeutung bei, weit gefehlt! Als einsamer Festplattenschreiber ist mir Kritik wichtig, bin aber nicht vor Freude aus dem HĂ€uschen, fĂŒhr ich sie mir zu GemĂŒte.
Einen schönen guten Abend, Haarkranz. Hier regnet es in Strömen.

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HFleiss
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Was Mike und Mila geschah

Frustebene hat ja nichts mit Schreiben zu tun. Du aber schreibst und brauchst infolgedessen sehr wohl eine Stilebene. Das Beispiel in diesem Text ist ja nur eines, es gibt sehr viele mehr. Nun, vielleicht bin ich hinsichtlich der Sprache ein bisschen empfindlich, du weißt, wie sehr sie mir zum Beispiel in "FrĂ€ulein" gefallen hat, weil sie hier genau richtig war. Mit der Stilebene, das heißt der Sprache, in der der Autor erzĂ€hlt, steht und fĂ€llt ein Text, sie fĂ€llt einem schon beim "Anlesen" ins Auge, und dann ist man gern bereit, zum Beispiel Plotfehler in Kauf zu nehmen.

Gruß
Hanna

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