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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Weihnachten
Eingestellt am 24. 11. 2002 19:36


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Heidrun
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Nov 2002

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Erinnerungen an einen ganz besonderer Tag


Ich m├Âchte erz├Ąhlen ├╝ber den wichtigsten Tag im Jahr unserer Familie. Jedenfalls empfand ich das immer so.
Meine Gef├╝hle dazu sind Spannung, Herzklopfen, Freude, Dankbarkeit und vor allem Liebe.
Sicher habe ich das als Kind nicht bewu├čt erlebt, sondern mich nur treiben lassen vom Geschehen, aber das was h├Ąngengeblieben ist schm├╝ckt mein Herz mit diesen Gef├╝hlen aus.

Der Tag meisten kalt, manchmal wei├č aber oft auch grau und regnerisch.
Wir wohnten am Rande der Stadt in einem eigenen kleinen Haus, was sogar schon ├╝ber eine Zentralheizung verf├╝gte.
Der Erste der aufstand war mein Vater und die ersten Ger├Ąusche, welche ich wahrnahm, war das Sch├╝ren des Heizkessels, ein Schaben und Klopfen welches als Ger├Ąusch ├╝ber die Heizk├Ârper ├╝bertragen wurde. Die erste Spur von Romantik und W├Ąrme, denn das Haus war noch kalt aber im Bett war es noch mollig warm. Der Tag begann.
Ehe wir vier Kinder uns ins Bad begeben hatten f├╝r eine kurze Katzenw├Ąsche, w├Ąrmte sich die Wohnk├╝che bereits auf und es duftete schon nach Br├Âtchen und Malzkaffee. Eigentlich war alles so wie an einem Sonntag aber wir wu├čten ja, da├č dieser Tag noch mehr bringen w├╝rde und er setzte sich auch nicht, wie sonst an einem Sonntag, mit einem gemeinsamen Kirchgang fort.

W├Ąhrend wir Kinder unser Zimmer aufr├Ąumten, spielten und die letzten Bastelarbeiten fertigstellten oder einpackten, begannen meine Eltern im verschlossenen Wohnzimmer zu werkeln.
Denn es war Heilig Abend.

Das Einzigste, was wir manchmal zu sehen bekamen war der ungeschm├╝ckte Tannenbaum den mein Vater ins Haus trug.
Der Mittelpunkt unseres Zuhauses war die Wohnk├╝che und dort spielte sich das Familienleben ab.
Und so sa├čen wir dort und warteten, da├č der Nachmittag n├Ąher r├╝ckte.
Es knisterte und raschelte und die Spannung erh├Âhte sich mit jedem St├╝ck Papier, was von Mutter oder Vater durch die Wohnk├╝che getragen wurde. Am Vormittag waren es oft nur Papierschnipsel oder Tannennadeln auf dem Kehrblech, die mein Herz h├Âher schlagen lie├čen.

Unterbrochen wurde das Ganze durch das Mittagessen und das gemeinsame Abwaschen und Abtrocknen des Geschirrs. Ausnahmsweise gab es um die Aufgabenverteilung mal keine Streitereien.

Und danach kam der erste gro├če Augenblick
Unser Vater stand in der T├╝r vom Wohnzimmer mit dem Fernsehapparat. Schnell war der Platz auf der Anrichte oder dem Kindertisch vor dem Fenster freiger├Ąumt und das Heilig-Abend-Hauskino konnte beginnen.
Bei uns wurde sonst nur wenig Fernsehprogramm geschaut aber an diesem Tag war das Kinderprogramm der ehemaligen DDR so reichhaltig und stimmungsvoll, da├č wir dadurch die richtige wohl wirkungsvollste Einstimmung und Vorfreude auf das Fest bekamen.
Zun├Ąchst kam etwa um 14.00 Uhr ein M├Ąrchenfilm, gedreht von der DEFA. Ich erinnere mich dabei vor allem an „Schneewittchen", „Das singende klingende B├Ąumchen" oder „Frau Holle". Danach begann gleich eine bunte Weihnachtsrevue mit all den uns bekannten Figuren aus dem DDR-Kinderfernsehen.
Wer aus der ehemaligen DDR stammt, wird sich noch sehr gut an Meister Nadel├Âhr, Professor Flimmrich, Pittiplatsch, Schnatterinchen, Tadeus Punkt, Struppi, Herrn Fuchs und Frau Elster oder sogar noch an Meister Briefmarke erinnern. Sie haben uns das ganze Jahr ├╝ber bei der Flimmerstunde oder dem t├Ąglichen Abendgru├č mit dem Sandmann begleitet und nun waren sie alle verwickelt in eine Weihnachtsgeschichte.
Es gab zwar keine Engel und auch nur den Weihnachtsmann aber unsere Herzen schlugen h├Âher wenn Pittiplatsch heimlich die Pfefferkuchen naschte und von Schnatterinchen dabei erwischt wurde. Sp├Ąter hat er dann in der Weihnachtswerkstatt beim einpacken der Geschenke helfen m├╝ssen, damit zum Fest alles noch p├╝nktlich fertig wurde. Die Nu├čknacker, die Helfer vom Weihnachtsmann, hatten n├Ąmlich alle verschlafen.

W├Ąhrend wir uns von dem so wichtigen Programm berauschen lie├čen und es einfach toll fanden, da├č der heilige Fernseher nun in der Wohnk├╝che stand und nicht im Wohnzimmer, waren die Eltern weiter flei├čig.
Wir h├Ârten nicht wie unsere Mutter laufend 1,2,3,4,5,6 z├Ąhlte und so die bunten Teller f├╝r jeden f├╝llte und unser Vater das Moos unter dem Weihnachtsbaum verteilte.
Darauf baute er ganz liebevoll die Weihnachtskrippe auf. Ich erinnere mich noch daran, wie an einem Heiligen Abend die Hirten und Schafe Gesellschaft bekommen hatten, n├Ąmlich einen wei├čen und einen schwarzen Hund. Die hatten eigentlich ein Magnet am Hinterteil, so da├č man sie wunderbar aneinanderkoppeln konnte. Irgendwo aus unserem Spielzeug hatte sie mein Vater wohl ausgegraben.

An diesem Nachmittag gab es noch ein weiteres Familienritual. Wir gingen baden.
In unserem Bad stand w├Ąhrend meiner Kindheit au├čer der Badewanne und der Toilette noch ein Waschkessel, den meine Mutter zum w├Ąscheabkochen nutzte, in dem aber auch unser Badewasser erhitzt wurde. Das musste man dann mit einem Eimer in die Wanne hin├╝ber sch├Âpfen. So etwas modernes, wie einen Badeofen gab es bei uns nie. Der Waschkessel wurde viel sp├Ąter durch eine Elektrotherme ersetzt.
Also w├Ąhrend unter dem Waschkessel das Feuer brannte badeten wir, eine Tochter nach der anderen. Alle benutzten ein St├╝ck Seife. Es war die Palmolivseife von Frau Taube.
Frau Taube war eine Bekannte meiner Mutter, die nach dem Krieg auf der westlichen Seite von Deutschland gelandet war. Die schickte jedes Jahr ein Paket mit allen Zutaten f├╝r einen Weihnachtsstollen, allerhand S├╝├čigkeiten f├╝r die bunten Teller, Zigarren f├╝r meinen Vater und die geliebte Palmolivseife.

Frisch gebadet sch├Ân angezogen erschienen wir nacheinander alle gut nach der Seife duftend wieder in der Wohnk├╝che.
Meine Eltern erledigten zwischenzeitlich noch die letzten Handgriffe im Wohnzimmer.

Jedes Jahr suchte meine Mutter ein Geschenk f├╝r genau 1,75 Mark und erh├Âhte damit ungemein die Spannung, weil sie sagte, wir k├Ânnten erst mit der Bescherung anfangen, wenn sie es gefunden h├Ątte.
Noch heute ├Ąrgere ich meine Kinder auf die gleiche Weise.

Irgendwann h├Ârte das Geraschel auf und auch meine Eltern verschwanden im Bad um die duftende Weihnachtsseife zu benutzen.

Anschlie├čend wurde in der Wohnk├╝che der Kaffeetisch gedeckt und es gab den selbstgebackenen Weihnachtsstollen und den noch heute so geliebten Bienenstich, nach einem alten Familienrezept gebacken.

Schon vorher hatte meine ├Ąlteste Schwester leichte Bauchschmerzen und das jedes Jahr. Die Bauchschmerzen verschlimmerten sich zunehmend wenn mein Vater gen├╝sslich nach der ersten Zigarre aus der Kiste von Frau Taube griff.
" Ach Vati, nein, nicht wieder so lange eine Zigarre rauchen, rauche doch lieber eine Zigarette!" sagte immer irgend jemand von uns. Das verschmitzte L├Ącheln im Gesicht meines Vaters wird immer in meiner Erinnerung bleiben.
Das war nun wieder so ein Weihnachtsritual und sp├Ątestens zu diesem Zeitpunkt lag meine ├Ąlteste Schwester heulend auf ihrem Bett vor Aufregung und Bauchschmerzen die nur eine Ursache hatten. F├╝r sie war es besonders schlimm, weil sie so furchtbar neugierig war.

Sp├Ąter war dann auch die Weihnachtszigarre aufgeraucht und w├Ąhrend wieder zwei von uns Kindern den Abwasch machten, haben die anderen zwei die Kaninchen mit ├äpfeln und unseren Kater „Jacki" mit guter Wurst als Weihnachtsgeschenk bedacht.

Nun endlich konnte es losgehen.
Obwohl wir in der DDR lebten, waren wir alle sehr gl├Ąubig gro├č geworden. So begann die Heilige Nacht und die Bescherung zuerst mit einem gemeinsamen Gebet. Wir standen alle in der nun finsteren Wohnk├╝che und sprachen die Worte tats├Ąchlich mit Andacht.
In diesem Moment glaube ich, habe ich trotz der Aufregung ganz and├Ąchtig gebetet und mich ├╝ber das Wunder der Heiligen Nacht gefreut.

Mein Vater sah nach, ob das Christkind noch da war. Bei uns kam immer das Christkind und nicht der Weihnachtsmann.
Hurra, das Gl├Âckchen am Schlitten des Christkindes hatte geklingelt, es war schon weg und wir durften hinein in die helle leuchtende Weihnachtsstube.
In der Ecke auf einer Anrichte stand der Weihnachtsbaum hell leuchtend und ganz in Silber geschm├╝ckt. Es brannten einige Wunderkerzen daran, die der Weihnachtsstube noch den notwendigen Duft verliehen. Darunter stand die wundersch├Âne Weihnachtskrippe.

Nun standen wir sechs alle zusammen an der Eingangst├╝r und sangen " Stille Nacht " und "Ihr
Kinderlein kommet" .
Nat├╝rlich gingen w├Ąhrend des Singens meine Blicke im Zimmer umher und ich w├Ąre kein Kind gewesen, wenn ich nicht nebenbei neugierig an den Formen der verpackten Geschenke versucht h├Ątte zu erraten, was es sei. Am Ende der Lieder hatte ich meistens raus auf welchem Platz meine Geschenke lagen.

Nun war es wiederum eine Gewohnheit in unserer Familie, da├č die J├╝ngste anfangen durfte auszupacken und jeder geduldig wartete bis man dran war. Ich glaube, das war nie ein Problem f├╝r uns, denn es war auch spannend zu sehen, was die anderen bekamen.

Die F├╝lle der Geschenke war immer reichlich. Wenn man bedenkt, da├č die finanziellen Verh├Ąltnisse meiner Eltern nicht die besten waren, bin ich noch heute erstaunt, wie ihnen das m├Âglich war.
Und es war auch immer ein heimlicher Wunsch erf├╝llt. F├╝r mich war immer ein Buch dabei, meine gro├če Leidenschaft seit ich lesen konnte.

Auch wir hatten Geschenke f├╝r die Eltern, oft im Werkunterricht in der Schule gebastelte Dinge, liebevolle gemalte Bilder oft mit Texten versehen, die f├╝r das kommende Jahr besonders artige Kinder versprachen.
Das war ├╝brigens auch der einzigste Wunsch den man meiner Mutter entlocken konnte.

Anschlie├čend sa├čen wir bei Gl├╝hwein oder Apfelsaft zusammen am Wohnzimmertisch und die ersten S├╝├čigkeiten wurden genascht und nat├╝rlich auch Mutters Pl├Ątzchen und Haferflockenmakronen gekostet. Es wurden auch die S├╝├čigkeiten auf den bunten Tellern begutachtet und die ersten entdeckt, die ich vielleicht mit einer meiner Schwestern tauschen k├Ânnte. Ich glaube, am wenigsten interessierte das meine ├Ąltere Schwester die, wie auch mein Vater alles einteilte, da├č es oft bis in den den Februar reichte.

Der Abend verging schnell.
Es war der besondere Abend an dem unser Vater mit uns spielte.
Mal war es das Kasperletheater, mal die Kinderzitter mit den von ihm vorgefertigten Noten zum darunterlegen oder das Tischtennisspiel.
Die Wohnk├╝che wurde schnell zur Sporthalle umfunktioniert und das Spiel „Keuchel gegen Scheuchel" konnte beginnen.
Im Jahr des Tennismatches schrieb unsere Mutter einen Weihnachtsbrief an meine ├Ąlteste Schwester, welche im Mai des Jahres geheiratet hatte und nun bei ihrer Familie in Th├╝ringen wohnte.
Vielleicht ist da auch eine heimliche Tr├Ąne auf das Briefpapier getropft, auf den sonst so lustigen Text. Denn das konnte unsere Mutter schon immer gut. An ihr ist wohl eine Dichterin verloren gegangen.

Wenn der Abend zur Nacht wurde, gab es noch die ├╝blichen Halberst├Ądter Bockw├╝rste und die ganze Familie zog in die Josephskirche zur Christmesse.
Dort sangen wir alle nochmals " Stille Nacht " und unser Lieblingslied " Heiligste Nacht " .
M├╝de und das Herz voller W├Ąrme ging es eineinhalb Stunden sp├Ąter heimw├Ąrts, wo wir noch einige Zeit bei Schinkenbrot und Selleriesalat verbrachten.

So ein Schinkenbrot war gar nichts gew├Âhnliches, denn das gab es nur zu Weihnachten und dann auch nur von „unter dem Ladentisch". Es hing immer davon ab, ob die Fleischersfrau unserer Mutter wohlgesinnt war. Davon hing auch ab, ob es mehr Speck als Schinken war.

Mit vollem Bauch und dem Gef├╝hl den sch├Ânsten Tag im Jahr erlebt zu haben, ging es dann sp├Ąt ins Bett.

Im Haus war es bereits schon wieder etwas kalt geworden.

Ich wei├č nicht ob meine Eltern immer gut einschlafen konnten in der Zeit als wir alle noch daheim lebten, aber ich glaube in diesen N├Ąchten nach dem Heiligen Abend schliefen sie ruhig.

Mit dem Vierm├Ądelhaus war es sicher manchmal schwer nicht die Geduld zu verlieren, aber meine Eltern haben es geschafft, aus uns allen Menschen zu machen, die die Liebe und das Zusammengeh├Ârigkeitsgef├╝hl immer in sich behalten haben.

Und so treibt es uns jedes Jahr wieder am Zweiten Advent in das Haus der Kindheit, wo meine Eltern nun das ganze Jahr ├╝ber allein wohnen und sicher oft an die Zeit der turbulenten Weihnachtsabende denken.
Im Verlauf der letzten Jahre haben wir alle unseren Heimatort verlassen und wohnen verstreut in ganz Deutschland.
Es ist zu einem sch├Ânen Brauch geworden, das sich unsere ganze Familie, inzwischen auch mit Enkeln und Urenkeln, in der Adventszeit bei unseren Eltern trifft. Bei Gl├╝hwein und Liedern k├Ânnen wir uns auch an unsere Kinderzeit erinnern.
Ich w├╝nsche mir noch viele solcher in den Advent verlegten Heilig Abende meiner Familie.

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Heidrun
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Nov 2002

Werke: 6
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falscher Titel

Ja so ist das, wenn man nicht richtig mit den Regeln vertraut ist.
Die Erz├Ąhlung hei├čt eigentlich"Ein ganz besonderer Tag" und nicht "Weihnachten".
Ich wu├čte nicht das mit Thema gleich Titel gemeint ist.
Aber reingeschaut haben ja trotzdem schon viele, nur leider keine Bewertung, dabei bin ich "Blutiger Anf├Ąnger" und sehr neugierig auf eine Meinung.

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