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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Welcome to the jungle (Hinter den Mauern der Freiheit)
Eingestellt am 17. 01. 2005 23:53


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Hannibal
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Dec 2004

Werke: 4
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„Nein, die Mama hat gesagt, keine Schokolade vor dem Abendessen. Wir sind doch gleich zu Haus. Dann gibt’s Essen, und dann darfst du.“
Den Knall nahmen die Ohren gerade noch wahr, ehe sie rechts und links in die Luft stoben. Staub erhob sich partikelreich und der Gestank vom verbrannten Fleisch, das fetzenartig im Umkreis von mehreren Metern verstreut lag. In den plötzlich aufgetauchten Gesichtern aller stand es geschrieben, aber keiner sprach es aus.

Der Baß brachte die WĂ€nde zum Zittern, als wĂŒtete ein Orkan ĂŒber dem Haus. Im scharfen Rhythmus der Gitarre und dem kreischenden Gesang ging unter, was sonst sich noch als GerĂ€usch ausgab. Es lag eine Spannung zwischen den Lautsprechern, die alles elektrisierte, was Empfindsames sich dazwischen aufhielt.
Mit dennoch entspannter Eleganz drĂŒckten im VorĂŒberschweben die Finger auf die Tasten, und das rote Licht erlosch, sogleich danach öffnete sich die Seitenwand und legte die Kassette frei zur Entnahme, welche einige Takte spĂ€ter erfolgte und ihr Ende vorerst fand in einer schwarzen HĂŒlle, darauf geschrieben stand in sorgfĂ€ltig ausgefĂŒhrter Handschrift: Bumm Nr. XII.
Die HĂ€nde verloren keine Zeit: als die letzten KlĂ€nge des Liedes mĂŒde erstarben, waren sie bereits in die braune Jacke geschlĂŒpft und hatten die Aufzeichnung sicher deponiert, danach griffen sie die SchlĂŒssel und machten sich auf den Weg, ein kurzer Druck auf die Fernbedienung zuvor als Lebewohl an die Musik als auch an diesen einen köstlichen und unwiederbringlichen Moment.

Gassen und Straßen schritt er ab, als wĂŒĂŸte er nicht, was vor sich ging. Mit einem breiten LĂ€cheln auf den schmalen Lippen warf er freche Seitenblicke auf die VorĂŒberziehenden, die ihm zuhauf entgegenkamen. Auf dem stark frequentieren Gehweg voranzukommen, hĂ€tte ihm schwerer fallen mĂŒssen, aber er kam gut voran, in den Ohren noch das Lied von vorhin mit seinem ausgesprochen anheizenden Text, in der Nase den ĂŒberwĂ€ltigenden Geruch von Tausenden. Das Adrenalin staute sich in seinem Körper, wie jedesmal, wenn er im Begriff stand, einen Job zu vollenden, denn er liebte seine Arbeit. HĂ€tte er nicht einen Termin einzuhalten gehabt, der Sinn stand ihm durchaus nach ein wenig auftragsloser BetĂ€tigung; hinter den haselnußbraunen Augen jedenfalls war er bereits mitten drin.
Die lebenden Toten auf der Treppe stieß er mit einem milden Blick beiseite, und wie vor einem Gott wichen sie ehrfĂŒrchtig zurĂŒck, dann schmĂŒckte das LĂ€cheln noch breiter als vorhin das strahlende Antlitz. Im Vorbeigehen zertrat er die schon hĂ€ufig benutzten Spritzen, die sie zurĂŒckgelassen hatten, wie um sie ihm zu opfern, und als er ganz oben angekommen war, hielt er inne, beĂ€ugte sie aus sinnierenden Augen, die funkelten, und setzte nach wenigen Augenblicken seine Reise fort.
Der Schimmel an den WĂ€nden rankte sich hinauf bis zur letzten Etage und bedeckte gut ein Drittel der FlĂ€che; ein Großteil der Stufen war morsch, einige bereits durchgebrochen. Voller Faszination stand er davor und inspizierte alles wie ein gigantisches Kunstwerk. Eine TĂŒr krachte, und ein alter Mann quĂ€lte sich langsam heraus, bis er seiner ansichtig wurde und erschrak und mit deutlich hörbarem Keuchen wieder verschwand. Locker beschwingt machte er sich auf in den dritten Stock nach einem kurzen Moment des Genießens.
Vor TĂŒr Nummer acht holte er ein Taschentuch aus der Innenseite der Jacke, wickelte es um die Hand und klopfte dreimal. Nach etwa einer halben Minute vernahm er leises Husten und trat ein.
Die Wohnung war leer bis auf einen ĂŒberdurchschnittlich großen Fernseher und einen Videorecorder, der mehr gekostet zu haben schien, als jegliche Art von Heimunterhaltung wert war. Auf einer muffigen und fleckigen Decke gegenĂŒber hockte eine zerbrechliche Gestalt mit geschwollnen und geröteten Augen, die verstört herĂŒberblickte auf sein immergleiches LĂ€cheln. Er langte in die innere Jackentasche und holte die Kassette hervor, hielt sie deutlich sichtbar in Brusthöhe. Es dauerte nicht lange, da öffnete sich der blutleere Mund im ausgemergelten Gesicht ein StĂŒck und die eingefallnen Wangen zuckten, als wollte die Kreatur etwas sagen.
Mit fast einstudierter Gewandtheit legte er die HĂŒlle zu Boden, und ein merkwĂŒrdiges Glitzern schlich sich in die Augen des Kauernden. Geifer rann ĂŒber die schlaffen Lippen und das faltige Kinn, troff hinab auf die Decke und versank. Der Blick wechselte in abnehmendem Intervall zwischen seinem sanftmĂŒtigen Antlitz und der vor ihm liegenden Videokassette, und plötzlich offenbarte der Rachen die verfaulten Überreste von einstmals stolzen ZĂ€hnen.
Es verging eine halbe Ewigkeit, ehe einer der beiden einen vernehmbaren Laut von sich gab: ein lĂŒsternes Stöhnen entrang sich gurgelnd der Kehle des Halbverfallenen. Dann setzte er sich zaghaft in Bewegung, als wĂŒĂŸte er nicht recht, ob er durfte.
Einen Meter vor ihm blieb er sitzen und bestierte gierig den schwarzen Quader. Auf einmal erklang ein Grunzen, gefolgt von einem weiteren, und der Kopf mit den teilweise ausgerißnen Haaren wandte ihm die zur seelenlosen Fratze entstellte Vorderseite zu. Er sah die Pein in den mĂŒden Pupillen seines flehenden GegenĂŒbers und er sah darĂŒber hinaus.
„Dies ist die letzte,“ sagte er mit einer Stimme, die man niemals vermutet hĂ€tte in dem krĂ€ftigen Körper.
Und der Körper der Kreatur begann vor Entsetzen zu zittern. Der Mund schĂ€umte ihr ĂŒber bei dem Versuch, verstĂ€ndliche Laute von sich zu geben, und die blassen Finger ballten erbĂ€rmlich sich zu FĂ€usten, die beschwörend gen Himmel gereckt wurden.
„Betrachte unser GeschĂ€ftsverhĂ€ltnis damit fĂŒr erloschen. Ich habe Dir genug Gutes getan.“ Dann trat er einen Schritt zurĂŒck, ĂŒberließ dem Geschöpf sein letztes Geschenk und beobachtete aus leuchtenden Augen die Gier, mit der es nach einem Augenblick des Überlegens danach griff und sich in seine Ecke verzog. Danach ging er.
SchwermĂŒtigen Gedanken hing er nach wĂ€hrend seines RĂŒckwegs, schwelgte in traurig-schönen Erinnerungen, die nun fĂŒr immer hinter ihm lagen. Jeder einzelne, den er verlor, schmerzte. Aber er beklagte sich nicht: so war nun einmal das Leben. Man konnte nicht ewig aus dem gleichen Becher trinken.
Sein Weg fĂŒhrte ihn vorbei an unzĂ€hligen SchauplĂ€tzen lang vergangner Ereignisse. In vielen HĂ€usern war er schon zu Gast gewesen, ein gern gesehner zuerst und am Ende gehaßt, wie immer. Er machte sich nichts weiter daraus, auch wenn es ihm jedesmal einen kleinen Stich versetzte.
Zum anderen hin aber enthielt jedes Ende die Spannung eines neuen Anfangs, denn er konnte nie wissen, wer als nĂ€chster seinen Pfad kreuzen wĂŒrde. Mit dem Trost dieses Gedankens genoß er das rege Treiben achtloser MitbĂŒrger um ihn her.
Als er an einem jungen Greis vorĂŒberkam, der keine Beine mehr hatte, blieb er stehen und betrachtete ihn auffĂ€llig, so daß dieser nach kurzer Zeit seinen Kopf hob und zurĂŒckblickte. Wie fingen da seine Augen plötzlich Feuer, als er ihn erkannte: mit der verzweifelten Hoffnung eines Durstenden, der auf einmal eine Fata Morgana erspĂ€ht, richtete der schlaffe Körper sich auf so weit als möglich und lachte in vollkommenem Irrsinn. Immer wieder streckte er die Hand deutend nach ihm und mußte so laut prusten, daß der Speichel in hohem Bogen davon stob.
Es fiel ihm schwer, nicht stehenzubleiben, doch er riß sich los von diesem herrlichen Schauspiel. Zu vieles lag noch vor ihm, als daß er seine Zeit hĂ€tte vergeuden können mit der Betrachtung vollbrachter Werke. Nichtsdestotrotz war es hin und wieder schön, etwas von den Wundern zu sehen, die er getan hatte.
Auf einmal blieb er stehen. Die HĂ€nde in den Taschen begannen zu zittern vor Aufregung. Dann wandte er sich nach links und bog in eine andere Straße ein.
AllmĂ€hlich fing es zu dunkeln an, und die ersten Menschen verschanzten sich hinter ihren beheizten und beleuchteten Mauern auf der Suche nach Geborgenheit. Lange wĂŒrde es nicht mehr dauern, bis die Straßen so gut wie leer wĂ€ren.
Der Gestank nicht erfĂŒllter SehnsĂŒchte drĂ€ngte sich unangenehm an seiner Nase und machte ihn traurig. FĂŒr einen Augenblick schien sogar das Funkeln seiner Augen verschwunden, bis es, in der Dunkelheit gewachsen, um so mehr zu leuchten anhub. Die Erregung, die ihn so unruhig machte, wuchs mit jedem Schritt, den er auf das GebĂ€ude zu machte.
Als er dann endlich davorstand, verschlug es ihm fast den Atem, so sehr spannten sich die Nerven, und hÀtte er die heranschnellende Faust nicht aus den Augenwinkeln kommen sehen, sie hÀtte ihn voll erwischt; mit einem federleichten Sprung zur Seite jedoch entkam er ihr und schaute nun in das Gesicht des Senders. Da wuchs ihm wieder ein LÀcheln.
„Du mieses Schwein!“ fauchte sein GegenĂŒber und wackelte bedrohlich mit den geballten FĂ€usten.
Er erwiderte nichts, blickte lediglich in der ihm eigenen Milde zurĂŒck. „Die Ähnlichkeit,“ sagte er schließlich, worauf der junge Mann nicht recht zu reagieren wußte und nur wiederholte: „Du mieses Schwein!“
„Ich habe ihm nichts getan, was er nicht wollte. – Und,“ fĂŒgte er nach einem Moment hinzu und sah ihm direkt in die Augen dabei, „ich weiß auch, was du willst. Komm morgen Abend gegen neun bei mir vorbei. Du weißt, wo ich wohne.“ Dann ließ er ihn alleine und betrat das Lokal. Der Mann blieb verĂ€ngstigt draußen stehen und starrte irr ins Leere, ehe er sich unsicher davonmachte.
Der Raum war nicht stark bevölkert; lediglich eine Handvoll Menschen hatte sich dorthin verirrt, und darunter war nur eine Frau, die im ĂŒbrigen der Umgebung nicht angemessen schien, Ă€hnlich einem Diamanten, der in einen Kohlesack fĂ€llt. Trotz aller AttraktivitĂ€t und Aufreizendheit kauerte sie alleine an der Theke und schien sich zu langweilen, spielte ab und an gĂ€hnend mit dem erst halbleeren Glas.
Sein Blick hatte sie sofort fixiert. Mit legerer Verspieltheit schlenderte er selbstsicher an das andere Ende des Tresens und ließ sich dort auf einem Hocker nieder, die Aufmerksamkeit weiterhin ganz auf sie konzentriert. Und schon nach wenigen Augenblicken fiel ihre Hand genervt neben dem Glas auf das Holz und wandte sich das hĂŒbsche Gesicht ihm zu.
„Wenn Sie auf mir abgespritzt haben, sagen Sie Bescheid,“ zischte sie plötzlich und kniff die Augen zusammen dabei ein StĂŒck.
„Das wĂŒrde mir nicht im Traum einfallen,“ entgegnete er in voller Sanftheit. „Ich trĂ€ume von ganz anderen Dingen.“
„Ach ja? Und welchen? Wollen Sie mich mit Ihrem Kumpel teilen?“
„Nein. Raten Sie weiter.“
FĂŒr einen mißtrauischen Moment huschte eine kleine Falte ĂŒber ihre Stirn, dann sagte sie: „Sie sind irgendein Typ, der eine Möglichkeit sucht, mich flachzulegen.“
„Sie haben es erfaßt.“
Gleich darauf erhob er sich und trat neben sie. Ganz nah an ihrem Ohr flĂŒstere er: „Sie sind eine sehr attraktive Frau, die schwer zu beeindrucken ist, hab ich recht? Ich kann Ihnen geben, was Sie suchen. Wenn Sie sich jetzt entschließen, mit mir zu kommen.“
Hohn stand in ihr Gesicht geschrieben und die Erfahrung von tausend enttĂ€uschten Versprechungen. Und bevor sie ihm noch sagen konnte, fĂŒr wie bescheuert sie ihn hielt, spĂŒrte sie seine Hand auf ihrem Schenkel, die andere auf ihrer Schulter. Ein nachdrĂŒcklicher Blick seinerseits brachte sie zum Gehen.
Es dauerte keine fĂŒnfzehn Minuten, da stand sie gegen die Wand seines Wohnzimmers gepreßt, einen Dildo in ihrem Anus, einen anderen in ihrer Vagina, und hĂ€tte gestöhnt vor Lust, hĂ€tte er ihr nicht den Mund zugehalten. Mit einem jĂ€hen Ruck zog er beide Utensilien heraus und drĂŒckte sie zu Boden, wo er sie so heftig penetrierte, daß sie vor Schmerz zu schreien begann. Schließlich jedoch erbebte ihr Körper unter seinen harten StĂ¶ĂŸen und trieb eine Lustwelle durch ihre Eingeweide, wie sie tatsĂ€chlich noch keine erlebt hatte.
Keuchend noch vor Anstrengung beugte er sich nach vorn und sagte: „Dieses Mal kommst du frei davon. FĂŒr das nĂ€chste Mal wirst du bezahlen.“ Dann raffte er sich auf und riß sie zu sich in die Höhe. Ganz langsam und unter stĂ€ndiger Verfolgung durch ihren Blick setzte er Daumen und Zeigefinger an ihre rechte Brustwarze, blickte ihr danach ins Gesicht und meinte lĂ€chelnd, wĂ€hrend er die beiden Finger immer fester zusammenpreßte: „Morgen Abend. Acht Uhr. Sei pĂŒnktlich.“ Er genoß noch fĂŒr einen Augenblick die Pein in ihren Augen, hernach drehte er ihr einen Arm auf den RĂŒcken und schleuderte sie durch die geöffnete EingangstĂŒr in den Gang hinaus.
Eine leise TrĂ€ne floh ĂŒber das breite LĂ€cheln, dann verschwand er im Badezimmer.

Do you know where the fuck you are?
Als er die Lider aufschlug, lag das Morgenlicht weich auf seiner Brust wie der warme Atem gleichgĂŒltiger Ewigkeit. Doch er machte sich nichts weiter draus und schlĂŒpfte aus dem Bett.
Gut geschlafen hatte er und im Traum die Ereignisse des vergangnen Tags noch einmal genossen. Es lag ein traurig-fader Geschmack im frĂŒhen Mund eines neuen Morgens, doch hielt dieser sich erfahrungsgemĂ€ĂŸ nicht lang. Zu groß war der Drang, in seinem Kopf bereits geschehne Ereignisse endlich wahr zu machen. Geduld war keine seiner StĂ€rken, auch wenn seine Profession ihm einiges davon abforderte. Dieserhalb verlor er auch keine Zeit und verschwand eilig im Badezimmer. Penibelste Körperpflege war unerlĂ€ĂŸlich fĂŒr einen ereignisreichen Tag wie diesen.

Die Sonne fiel in satten Strahlen durch den glasklaren Himmel und machte das allseits wandelnde Fleisch lĂŒstern. In strenger Suche nach potentiellen Geschlechtspartnern blickten aufgeregte Augen zuckend ĂŒber die VorĂŒberziehenden hinweg. Inmitten dieser Melange aus erzĂŒrnten Hoffnungen und schĂ€umendem Verlangen stand er, seelenruhig, und beobachtete die wirren und geistlosen Verstrickungen der Masse, und es gefiel ihm. Die zivilisierte Beherrschung der zum Bersten gespannten Leiber amĂŒsierte ihn und machte ihn lĂ€cheln.
Da erspĂ€hten seine Augen etwas ganz Wunderbares, und er ĂŒberlegte keine Sekunden, sondern schritt einfach darauf los. Nachdem er einige Minuten in den AusdĂŒnstungen einer stetig fluktuierenden Schlange gestanden hatte, hielt er endlich sein Eis in HĂ€nden und schleckte genĂŒĂŸlich daran, als gĂ€be es keinen grĂ¶ĂŸeren Genuß auf Erden. Die Augen blitzten, wenn ein neuer Schub gefrorenen Wassers die Geschmacksnerven ĂŒberkam, und das LĂ€cheln wurde fĂŒr einen Moment noch breiter, wenn es im Mund wieder schmolz.
Und als wĂ€re dieser an Wonne wahrlich nicht arme Tag nicht schon glĂŒckbringend genug, gewahrte er plötzlich im pulsierenden Korpus unzĂ€hliger Menschen einen alten Freund aus Jugendtagen. Von erhabener Begeisterung getrieben machte er sich sofort daran, ihm ungesehen nahe zu kommen, um dann von hinten ihm auf die Schulter zu tippen und mit innigem Blick zu grĂŒĂŸen. Es dauerte keine drei HerzschlĂ€ge, da hatte dieser ihn wiedererkannt und seinerseits die Freude ĂŒber dies unverhoffte Wiedersehen mit einer krĂ€ftigen Umarmung zum Ausdruck gebracht.
„Wo sind nur die Jahre hin?“ fragte er und schleckte erneut am viel zu lange vernachlĂ€ssigten Eis, das sich bereits zu eigenen Erkundungen ermutigt fĂŒhlte.
„Ich habe keine Ahnung, aber an Dir vorĂŒbergezogen sind sie nicht, wie man sieht. Du bist alt geworden.“ Und da war sie wieder, die Verbundenheit von damals, als hĂ€tte sie nie an Kraft verloren; ein Blick genĂŒgte, um zu sagen, was tausend Worte nicht vermöchten.
„Du auch.“
Ein saftiges Grinsen belagerte des Freundes Antlitz. „Laß uns was trinken gehen. Ich lad Dich ein.“
Und so zog man von dannen, wie wenn der Strick der Zeit nie fortgeknĂŒpft worden wĂ€re.

Raschen Schrittes trugen ihn die FĂŒĂŸe dennoch andĂ€chtig gen Heim. SpĂ€t war es geworden, spĂ€ter, als er erwartet hatte und es eigentlich hĂ€tte werden sollen. Nur noch eine halbe Stunde trennte ihn vom Höhepunkt des Tages und vielleicht dieser Woche. Es wĂŒrde sicherlich ein ĂŒberwĂ€ltigendes Schauspiel.
Das Leben im RĂŒcken kehrte er daheim ein. Mit der Ungeduld eines Vorfreudigen schritt er Gang und Zimmer ab, bis die Klingel endlich schrill den Raum durchschnitt. WehmĂŒtig plötzlich trat er an die TĂŒr und öffnete. Ihrem erwartungsvollen Gesicht begegnete er mit GleichgĂŒltigkeit, zerrte sie statt dessen am Arm herein und schloß die TĂŒr ohne abzusperren. Weiter wortlos wies er auf den Eingang zum Schlafzimmer, und sie gehorchte.
Ein kraftvoller Hieb schlug sie jĂ€h aus dem Staunen ĂŒber die Eleganz des Raumes und ließ sie vornĂŒber aufs Bett fallen. Schon spĂŒrte sie seinen machtvollen Körper ĂŒber ihr, fĂŒhlte ihre HĂ€nde plötzlich gefangen und gebunden. Grob drehte er sie auf den RĂŒcken, riß ihr Bluse und Hose auf und die UnterwĂ€sche entzwei, verklebte ihr mit Paketband Mund und Augen und drĂ€ngte einen riesenhaften Dildo gewaltvoll in ihren Anus, daß ein Ruck von Schmerz durch ihren Leib zischte. Dann beugte er sich ĂŒber sie, wĂ€hrend er das Utensil hin und her steuerte, und flĂŒsterte wĂŒtend: „Ich habe noch nie jemanden so geliebt wie dich, du blöde Schlampe. Hörst du, was ich sage? Ich liebe dich!“
Mit einem Ruck entfernte er das Band von den Augen und einen Teil der Brauen dabei mit und blickte in zwei tiefe Löcher voller Furcht und Verlangen. Steinerner und hĂ€rter wurden seine ZĂŒge dadurch, erstarrten zu Granit, und mit einem wuchtigen Stoß penetrierte er Körper und Geist.
Nachdem er das Elixier neuen Lebens opfernd auf ihrem Gesicht verteilt hatte, ließ er sie zurĂŒck und verschwand im Badezimmer, sich von Schweiß und Schuld zu sĂ€ubern. Danach kleidete er sich in sein schönstes Gewand und nahm beilĂ€ufig vor dem Fernseher Platz, wo er blieb, bis ein zaghaftes Klopfen ihn aufstehen und an die TĂŒre treten hieß.
PĂŒnktlich um neun stand davor der junge Mann vom Tag zuvor und spĂ€hte unsicher im Treppenhaus umher. Er ließ ihn eintreten.
Anfangs erschreckte diesen, was er im Schlafzimmer vorfand: dies wunderschöne Wesen auf derart bestialische Weise mißhandelt und geschĂ€ndet, wehrlos und auf Gedeih und Verderb seinem Willen ausgeliefert; kaum hatte sein mickriger Verstand die Situation aber so recht erfaßt, entbrannte er in unmenschlicher Leidenschaft und stĂŒrzte sich auf sie.
Zuerst leckte er lediglich keuchend und stöhnend ĂŒber ihren ganzen Körper, in den Augen nur mehr das leere Funkeln vernunftlosen Begehrens und im ĂŒbrigen Leib die martialische Lust des Überlegenen. Mit einem letzten Seitenblick auf seinen an der Wand lehnenden Gönner versicherte er sich der Richtigkeit seines Tuns und fuhr, als dieser leicht nickte, mit ungeheuerlichem Ingrimm fort mit seinem Spiel von Schmerz und Gier, indem er zuerst zart ins weiche Fleisch biß, dann krĂ€ftiger, daß Blut sich zeigte, und zuletzt ein kleines StĂŒck heraus fetzte und es verĂ€chtlich zu Boden spuckte.
Da begehrten seine ZĂ€hne das nĂ€chste Opfer, und wĂ€hrend ihr Blick abglitt in bodenlose Panik, zernagte er mit geschloßnen Augen ihre rechte Brustwarze, und als der warme Körper sich darob unter ihm vor Pein schĂŒttelte, verging er sich an der anderen auf dieselbe Art und Weise.
„Bring’s zu Ende!“ vernahm er plötzlich schroff von hinter sich.
Und grunzend lenkte er seinen pochenden Schwanz in ihr Loch und umfaßte dabei ihre Gurgel und verengte mit jedem Stoß seinen Griff, bis er das Leben aus den sanften ZĂŒgen ihres Gesichts allmĂ€hlich entweichen sah und spĂŒrte, dann steigerte er sprunghaft Tempo und IntensitĂ€t und entledigte sich gerade in jenem Moment seines Samens, als die Augen zum letzten Mal sich weit weiß auftaten und merkwĂŒrdige GerĂ€usche unter dem Band im Mund sich qualvoll zerschlugen, indessen jeder Muskel sich im verlornen Todeskampf versteifte und verkrampfte.
Nachdem ihm die Sinne langsam wieder gekommen waren und er seiner Tat gewahr geworden war, stieg er zitternd von ihr und wankte schwindlig zurĂŒck. Dabei stieß er an ihn, der noch immer an der Wand lehnte. Mit Ă€ngstlichem Blick suchte er Gewißheit von ihm zu erheischen, daß sein Handeln richtig gewesen, aber nicht einen Deut verĂ€nderte sich jenes Miene, und so blieb er unsicher; statt dessen geleitete der ihn wortlos zur TĂŒr und wollte sie gerade schließen, als der BeglĂŒckte schwach die Lippen auseinander tat und sagte: „Vielen Dank, Mister Rose.“
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your only validation is in living your own life/vicarious existence is a fucking waste of time. blutsexleben.de

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