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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Wenns um Liebe geht ...
Eingestellt am 23. 08. 2007 18:56


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Karl Feldkamp
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2006

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Manchmal war Werner Halbert es richtig satt. Dennoch versicherte er seiner Erika nach ĂŒber 40-jĂ€hriger Ehe immer hĂ€ufiger: „Ich liebe dich!“ Frauen wollen das hören. Wenn er ehrlich war, bedeutet diese LiebeserklĂ€rung kaum mehr als das Kompliment „Schmeckt sehr gut!“, das er regelmĂ€ĂŸig Erikas beachtlichen KochkĂŒnsten widmete.
Und wenn sie vom Friseur kam und meinte, einen vollkommen neuen Haarschnitt zu prĂ€sentieren, der sich in der Regel kaum vom vorherigen unterschied, ließ er ein ziemlich begeistertes „Steht dir gut!“ vernehmen. Ihre alte Frisur hielt er im Übrigen ohnehin jeweils fĂŒr die beste.
Das GesprĂ€ch zwischen ihnen war ĂŒber all die Jahre dennoch nicht verstummt. SpĂ€testens abends vor dem Einschlafen redeten sie immer noch darĂŒber, was sie am Tage erlebten und was sie dabei fĂŒhlten.
In den letzten Wochen spĂŒrte Werner hĂ€ufiger den Drang, mit sich allein sein zu wollen, versank mit Zeitung oder Buch im weichen Wohnzimmersessel, las nicht wirklich, da seine Gedanken auf der Suche nach Erkenntnissen ĂŒber die Liebe abschweiften. Stets um kurze und knappe Einsichten bemĂŒht, kam er zu dem Schluss, das Wichtigste im Leben sei die Liebe. Liebe könne nichts außer lieben. Und gĂ€be es ĂŒberhaupt Göttliches, dann sie.

KreuzwortrÀtsel langweilten ihn. Dennoch löste er eines in der Zeitung, um die Wohnung zu verlassen und die Postkarte mit dem Lösungswort in den Briefkasten zu werfen. Einen Kleinwagen gab es zu gewinnen. Dann wÀre er nicht mehr auf ihren gemeinsamen BMW angewiesen. Sie stritten hÀufig um ihn.
Unfrankiert steckte er die Karte in den gelben Kasten, schlenderte zur Bushaltestelle, und da gerade ein Bus kam, stieg er ein. Er fuhr zum Hauptbahnhof, durchstreifte ziellos die Bahnhofshalle, betrachtete desinteressiert Schaufenster-Auslagen, wich voran hastenden Reisenden aus, stieg zu den Bahnsteigen hinauf und wieder in die Halle hinunter, setzte sich schließlich in einer Kaffeebar an einen der hohen runden Tische, nachdem er sich zuvor bei einer tief dekolletierten Bardame einen Cappuccino geholt hatte.
Der kleine rote Zeiger der riesigen Uhr in der Bar hatte die Elf verlassen. Und wĂ€hrend der große auf die Vier vorrĂŒckte, bohrte ihm plötzlich jemand einen spitzen Finger in den RĂŒcken. „Ich mag nicht allein am Tisch sitzen!“ Erschrocken sah er sich um und in die dunklen, mit schwarzem Brauenstift umrandeten grĂŒnen Augen einer jungen Frau. Ihre kurzen tizianrot gefĂ€rbten Haare standen gleichmĂ€ĂŸig von ihrem kleinen runden Kopf ab. Aus Sommersprossen besprengelten Wangen ragte eine spitze Nase hervor und die Lippen waren zum Kussmund geschminkt.
Seufzend kletterte sie auf den hohen Barhocker, nahm ihren Kopf in beide HĂ€nde und massierte sich die SchlĂ€fen. „Scheißkopfschmerzen!“ Sie roch aufdringlich nach dem Haarshampoon, das er vor Wochen auch noch regelmĂ€ĂŸig benutzte. Sport stand als Duftnote auf der silbergrauen Plastikflasche. Inzwischen wechselte er zur Duftnote Klassik in schwarzen Flaschen.
Die kleine Rothaarige stieg noch einmal von ihrem Hocker, bestellte sich einen Milchkaffee, setzte sich an den Tisch zurĂŒck und sah ihn an. „Sie sehn aus, als wĂ€rn sie sehr allein.“
Nachdenklich schöpfte er mit dem Löffel Milchschaum aus der Tasse, wĂ€hrend sie ihren Milchkaffee schlĂŒrfte, beim Schlucken leise schmatzte und zwischendurch immer wieder nervös an ihrem nicht sonderlich tief ausgeschnittenen grauen Angorapullover zupfte. „Leute, die sich um diese Zeit hier rumtreiben und nicht verreisen wollen, sind zumeist allein.“
„Das will ich sogar sein.“
Sie machte Anstalten, vom Hocker herabzusteigen.
Er bat sie zu bleiben, rĂ€usperte sich und trank einen Schluck Cappuccino. „Meine Heilpraktikerin sagt immer, Kopfschmerzen kommen von ungeweinten TrĂ€nen.“
Wortlos starrte sie eine Weile vor sich hin und sah ihn plötzlich wĂŒtend an. „Ich hasse Schweigen! Also, was is, wird das heute Abend was zwischen uns?“ Dabei schlug sie mit ihrer kleinen Faust auf den Tisch.
„Was soll es denn werden?“
Sie legte ihre sorgfĂ€ltig manikĂŒrte Hand auf seinen Arm und grinste. „Hab ne Art Vaterkomplex. Mag keine Milchbubis.“ Wieder begann sie sich die SchlĂ€fen zu massieren. „Angenommen, du wĂ€rst mein Vater
.“
„Welcher Mann kann schon sicher sein, ob ich nicht irgendwo eine Tochter von ihm rum lĂ€uft. Damals gab es die Pille nicht. Und fĂŒr Kondome war ich noch nie zu haben
!“
„Eveline heiß ich“. Sie rutschte nĂ€her und legte ihren Kopf an seinem Oberarm.
Als er von ihr abrĂŒckte, wĂ€re sie beinahe von ihrem Hocker gefallen, kicherte und hob ihre Kaffeetasse. Sie war leer.
„Soll ich dir noch einen Milchkaffee ausgeben?“
LĂ€chelnd ging sie zur Theke und tuschelte mit der Barfrau, die ihn verstohlen musterte.
Als sie zurĂŒckkam, stellte sie die volle Tasse auf den Tisch, blieb stehen und zeigte auf die Bardame. „Die hat dich hier noch nie gesehn!“
Werner grinste. „Als ich damals beim Bund war, habe ich auch Bardamen kennen gelernt. Allerdings nicht gerade in Kaffeebars. Doch das ist weit mehr Jahre her als du alt bist.“
Sie lachte, zog ihren Pullover am Hals zur Seite, entblĂ¶ĂŸte ihre rechte Schulter, nahm seine Hand, legte sie darauf und hielt sie fest. „Ich wusste es. Du hast wunderbar warme HĂ€nde!“
Sie legte den Kopf an seine HĂŒfte und blieb regungslos stehen. Grinsend sah ihnen die Barfrau zu.
Als Eveline zu ihm aufsah, glitzerten ihre Augen feucht. „Gehen wir zu mir?“

Eigentlich hatte er nur ein kleines Zimmer mit einem breiten Bett erwartet. Aber Eveline bewohnte ein gerĂ€umiges Appartement mit KĂŒche, Bad und einem kleinen Schlafzimmer mit einem schmalen Bett. Sie bot ihm den Platz auf dem einzigen Sessel an, brachte ihm einen Kognak, setzte sich auf ihre zweisitzige Couch, streifte ihre highheels ab, legte die kurzen Beine, die in hautengen Jeans steckten, hoch und lĂ€chelte ihn an.
Über der Couch hing das große Foto eines Ă€lteren grauhaarigen Mannes.
„Dein Derzeitiger?“ wollte Werner wissen.
Sie schĂŒttelte den Kopf. „Hab das Foto gefunden und vergrĂ¶ĂŸern lassen. Ich finde, du siehst ihm Ă€hnlich.“
Sie lĂ€chelte. Musste plötzlich gĂ€hnen. TrĂ€nen traten aus ihren Augen. „Ich will ins Bett!“
Werner grinste. „Dann geh ich mich schon mal duschen!“
„Im Flur rechts!“ sagte sie knapp. „Kannst dirn Handtuch vom Regal nehmen.“

Werner nahm Shampoon aus der grauen Plastikflasche mit der Duftnote Sport, duschte lange und grĂŒndlich, nahm sich besonders viel Zeit dafĂŒr, seinen Penis zu reinigen, trocknete sich sorgfĂ€ltig ab, zog Unterhose und T-Shirt wieder an und ging ins dunkle Wohnzimmer zurĂŒck. Die SchlafzimmertĂŒr war angelehnt. Es brannte Licht dahinter. Leise klopfte er an, wartete, klopfte noch einmal. „Darf ich reinkommen?“
Eveline antwortete nicht. Vorsichtig schob er die TĂŒr auf. Die Bettdecke war zurĂŒckgeschlagen. Auf dem großen roten Kopfkissen lag ein weißes Blatt Papier.
Mit einem breiten roten Filzstift hatte sie es in Druckbuchstaben geschrieben. „Ich bin wieder unterwegs und suche einen Vater“.

__________________
Bei jedem Irrtum hat die Wahrheit eine neue Chance.

Version vom 23. 08. 2007 18:56


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maerchenhexe
???
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lieber Karl,

wieder eine leise ErzĂ€hlung, die ich so gern mag. Typischer Ehealltag nach vierzig Jahren, in denen das 'Ich liebe dich' zum Stereotyp verkommt. Dein Werner macht sich allerdings Gedanken, die hĂ€ufig der Frauensicht zugeschrieben werden. Das macht diesen Teil fĂŒr mich besonders interessant. Bei der Begegnung mit dem MĂ€dchen ahnte ich, worauf die Geschichte hinauslaufen wĂŒrde und wollte beim Weiterlesen meine Ahnung bestĂ€tigt wissen. Das hast du sprachlich wunderbar eingefangen. Aber bei aller Begeisterung gibt es eine Kleinigkeit, die mich sprachlich störte:

Du schreibst:

Und wenn sie, vom Friseur kommend, meinte, eine vollkommen neue Frisur zu prĂ€sentieren, die sich in der Regel kaum von der vorherigen unterschied, ließ er ein ziemlich begeistertes „Steht dir gut!“ vernehmen, da er ihre alte Frisur ohnehin fĂŒr die beste hielt.

Ich meine, hier ist zuviel Friseur und Frisur angehÀuft. Mein Vorschlag: ersetze die erste Frisur doch durch 'einen vollkommen neuen Haarschnitt', dann passt es.

Lieber Gruß
maerchenhexe

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Tend the garden, that you seeded,
be a friend, where a friend is needed and you won't have to look round the other way.

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Karl Feldkamp
Routinierter Autor
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Liebe Maerchenhexe,
danke fĂŒr deinen ausfĂŒhrlichen Kommentar und deinen Hinweis.
Du hast Recht, das ist sprachlich holperig...
Ich werde es sofort Àndern.
Herzliche GrĂŒĂŸe
Karl
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heike von glockenklang
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lieber karl,

ich finde deine geschichte recht interessant aufgebaut. dennoch finde ich deine sĂ€tzebesonders anfangs zu lang und etwas sehr verschachtelt. um so trefflicher das beschreiben einer langen lebigen beziehung. die carakterbeschreibung der jungen frau machte mir viel spaß. lĂ€chel,der abschluß wirkt nochmal ĂŒberraschend, da er den wink der jungen frau nicht versteht... das er nachhause gehen soll... statt dessen ein schlafzimmerabenteuer erwartet.wĂ€hrend sie sich aus dem staub macht.

deine geschichtenmachen nicht zuletzt wegen deiner wortgewandheit z.b. klischeehaftes in nicht banale sondern verstÀndnisvolle, gekonnt gewÀhle siuationsbeschreinungen einzubinden.

Zitat:
Sie roch aufdringlich nach dem Haarshampoon, das er vor Wochen noch benutzte. Sport stand als Duftnote auf der silbergrauen Plastikflasche. Inzwischen wechselte er zur Duftnote Klassik in schwarzen Flaschen.

Anmerkung:

sieh bitte meinen vorschlag an, deine version irritierte mich beim lesen sehr. weil mir die ĂŒberleitung fehlte...
Sie roch aufdringlich nach dem Haarshampoon, das er auch vor Wochen noch selbst regelmÀssig benutzte. Sport stand als Duftnote auf der silbergrauen Plastikflasche. Inzwischen wechselte er zur Duftnote Klassik in schwarzen Flaschen.

nachdenkliche und herzliche grĂŒsse
heike
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Wenn das Leben dir einen Kinnhaken gibt, kĂŒhle dein Kinn und lass dich auf deinem Weg nicht beirren.
H Keuper-g /13.07.06

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Karl Feldkamp
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2006

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Liebe Heike,
herzlichen Dank fĂŒr deine ausfĂŒhrliche Kritik. Ich habe mich sehr darĂŒber gefreut.
Ja, am Anfang habe ich wieder einmal ein paar verschachtelte SÀtze gebracht. Eine alte SchwÀche von mir.
Danke auch fĂŒr den Hinweis zum "Haarshampoon". Ich ĂŒbernehme deinen Vorschlag gern.
Liebe GrĂŒĂŸe
Karl
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