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Leselupe.de > Erzählungen
Wie es wirklich war
Eingestellt am 27. 01. 2004 18:01


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knychen
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Liebe Marie!
Dass da ein Anderer ist an deiner Seite, das weiß ich längst.
Immerhin liegt dein letzter Besuch sieben Wochen zur√ľck und schlecht geschauspielert hast du auch.
Ich akzeptiere das. Du bist jung, h√ľbsch; was sollst du also mit einem, der seit drei Jahren im Knast sitzt und selbst bei guter F√ľhrung erst in dreizehn Monaten raus kommt.
Dass ich der Vater deines Kindes bin? Viele Kinder wachsen ohne den leiblichen Vater auf
Dass wir uns einmal sehr geliebt haben? Viele Beziehungen gehen kaputt und ich werde ein ganz anderer Mensch sein nach meiner Entlassung.
Nat√ľrlich werde ich im Rahmen meiner M√∂glichkeiten finanziell f√ľr unser Kind sorgen.
Versprich mir nur eins- erzähl der Kleinen nicht, ich wäre ein schlechter Mensch gewesen und vor allem kein Totschläger.
Deswegen will ich dir heute in meinem letzten Brief etwas mitteilen, was ich damals selbst dem Anwalt nicht erzählt habe. Es hätte mir eh nichts genutzt. Es sind keine Fakten und nur die haben Bestand.
Ich weiß, dass du die ganze Vorgeschichte kennst, aber ich muss beim Urschleim anfangen.
Denn jede Nacht seit dem Unfall laufen die Ereignisse als Film vor meinem inneren Auge ab.

Es war also der bewusste Samstagmorgen vor drei Jahren. Ich fuhr mit dem Lkw auf der A9 in Richtung Berlin, die Ausfahrt Köselitz lag kurz hinter mir.
Die Stunde der toten Augen- grau brachte sich der Morgen in Erinnerung, aber noch war es Nacht. Viele Unfälle passieren in dieser Zeit, es ist die biologische Uhr, welche die Lider schwer werden und die Konzentration sinken lässt. Aber ich war putzmunter, erst seit drei Stunden am Arbeiten. Noch dreißig Minuten, dann das Auto an die Rampe stellen, ab nach hause und Wochenende.
Der Verkehr tendierte gen Null, ich hätte minutenlang mit aufgeblendeten Scheinwerfern fahren können.
Im R√ľckspiegel sah ich ein schnell n√§her kommendes Auto. Das Licht sah irgendwie seltsam aus, als ob der Wagen drei Scheinwerfer hatte. Dann erkannte ich, dass es zwei Fahrzeuge waren. Sie fuhren sehr schnell auf der ganz linken Spur, der hintere Wagen etwas seitlich versetzt, dadurch die Illusion der drei Scheinwerfer. In unregelm√§√üigen Abst√§nden versuchte der Fahrer des hinteren Wagens den Vorausfahrenden mittels Lichthupe zum Spurwechsel zu bewegen. Irgendein niederer Jagdinstinkt l√§sst die Leute immer wieder solchen Schwachsinn veranstalten.
Als die Beiden genau neben mir waren, bestimmt doppelt so schnell wie ich, also ungef√§hr 180, gab der Vordere mit seinem Blinker zu erkennen, dass er nun die Spur wechseln w√ľrde. Sofort verk√ľrzte der hintere Wagen den Abstand von vielleicht drei Metern auf maximal Einen. Ein Wahnsinn bei dem Speed.
Der vordere Wagen, ein dicker, dunkler Audi mit polnischem Kennzeichen, schob sich langsam nach rechts, aber kurz bevor der Abstand links neben ihm zu einem wenn auch gef√§hrlichen √úberholen ausgereicht h√§tte, unterbrach er die Seitw√§rtsbewegung. Das brachte den Fahrer des ebenfalls dunklen BMW hinter ihm aus dem Konzept. Er verriss kurz das Lenkrad, touchierte die Mittelleitplanke, kam wieder von ihr weg, schoss nach rechts √ľber alle drei Spuren, tauchte, da am rechten Rand keine Leitplanke war, in den flachen Stra√üengraben ein und verschwand ungef√§hr f√ľnfhundert Meter vor mir mit einem wilden Flicflac im Kiefernwald.
Der Audi bestand nur noch aus sich schnell entfernenden roten Lichtp√ľnktchen.
Schon als die Beiden so rasant an mir vorbei flogen, hatte ich den rechten Fu√ü √ľber dem Bremspedal, die ganze Situation stank f√∂rmlich im Vorfeld und beim Touche an der Leitplanke ging ich in die Eisen. Immerhin hatte ich f√ľnfundzwanzig Tonnen Zement geladen und dass der BMW im Wald verschwinden w√ľrde, konnte ich ja nicht voraus sehen. Eine fette Staubwolke hing in der Luft und wies mir den genauen Weg des Unfallwagens.
Auf der anderen Stra√üenseite fuhr ein Kollege vorbei, ich rief ihm √ľber Funk zu, er solle Polizei und Krankenwagen rufen, A9 zwischen K√∂selitz und Klein Marzehns, Fahrtrichtung Berlin. Er rief zur√ľck, ob ich Hilfe br√§uchte, ich antwortete, ich wei√ü es noch nicht, aber wird schon jemand in meiner Fahrtrichtung kommen und anhalten.
Ich griff hinter den Fahrersitz, kramte die Taschenlampe hervor. Sie funktionierte sogar. Dann nahm ich meine Arbeitshandschuhe und rannte los.
Es war mir schon öfter passiert, dass ich der Erste an einer Unfallstelle bin und ich wusste, wie schmerzhaft es sein kann, wenn man jemanden aus einem Auto zieht und sich erst durch Scherben oder heiße Motorteile kämpfen muss, deswegen die Handschuhe.
Der Wald an der Unfallstelle besteht aus erwachsenen Kiefern, so drei√üig bis vierzig Zentimeter dick. Sie stehen mit unterschiedlichen Abst√§nden im kniehohen Gras und der BMW konnte nicht allzu weit gekommen sein. Drei√üig Meter hatte er aber doch geschafft, denn in etwa dieser Entfernung sah ich ihn hochkant mit der Schnauze im Dreck an zwei eng stehenden Kiefern. Der Motor hatte sich selbst abgew√ľrgt und ich hoffte, dass sich kein Benzin auf irgendwelchen Kr√ľmmern oder Strom f√ľhrenden Teilen entz√ľnden w√ľrde.
Beinahe trat ich auf etwas Buntes, das vor mir im Gras lag.
Ich erschrak.
Da lag ein kleines Mädchen.
Du wei√üt, ich bin nicht religi√∂s, aber in diesem Moment sagte ich doch so was wie: ‚ÄöLieber Gott, mach es mir nicht so schwer heute. Ich will ja helfen, aber versau mir nicht f√ľr ewige Zeiten den Spa√ü an der Arbeit‚Äô
In Gedanken setzte ich sogar noch ein ‚Bitte’ dazu.
Die Kleine, ungef√§hr vier Jahre alt, lag in einer fast exakten stabilen Seitenlage auf dem Waldboden. Helles Blau schien ihre Lieblingsfarbe zu sein. Im wirr daliegenden schwarzen Haar funkelte eine blaue Spange, das T-Shirt war himmelblau, die knielangen Radlerhosen ebenso, blaue Sandalen mit Glitzer drauf hatte sie an den F√ľ√üen, besser gesagt nur am Rechten, der Linke trug nur eine Ringelsocke in Blaugelb. Kratzer auf den d√ľnnen Beinchen und eine tiefe Fleischwunde auf dem linken Unterarm, das waren die einzigen Verletzungen, die ich erkennen konnte.
Das Auto lag noch zehn Meter weiter als die Kleine, vermutlich hatte sie auf dem R√ľcksitz liegend geschlafen und wurde einfach herausgeschleudert bei einem √úberschlag.
Es roch nach heißem Metall und Benzin, aber nicht brenzlig. Das Wrack knackte, ab und an unterbrochen vom Geräusch herabrieselnder Glassplitter.
Ich strich dem M√§dchen die Haare zur Seite und als ich meine Hand zur√ľckzog, sah ich viel gl√§nzendes Blut im Schein meiner Lampe. Vorsichtig nahm ich die Locken am Hinterkopf hoch und stolperte vielleicht zwei Schritte r√ľckw√§rts.
Da war kein Hinterkopf mehr.
Eine schleimige blutverschmierte Masse vermischte sich mit dem Gras und Sand und das Blut hatte schon einen beachtlichen Fleck Waldboden dunkel gefärbt.
Ich wurde panisch. Was sollte ich auch machen?
Etwa, entschuldige diese Piet√§tlosigkeit, alles in den Kopf schieben und die Hand sch√ľtzend dar√ľber halten bis Hilfe kommt? Alles konnte falsch und genauso richtig sein.
Dann sah ich, wie die Kleine den Mund bewegte. Nicht als ob sie sprechen wollte, mehr wie ein Suchen nach Nuckel oder Daumen.
Ich besah mir ihre Hände. Die Spuren waren eindeutig, sie nuckelte am rechten Daumen. Ihre rechte Hand lag schon in der richtigen Position, ich musste sie nur noch ein paar Zentimeter zu ihr hin schieben. Die Augenlider des Mädchens flackerten ein wenig, wurden aber sofort ruhig, als sie den Daumen gefunden hatte. Die linke Hand nahm ich mit Zeige- und Mittelfinger ein wenig hoch. Mit sanftem Druck erwiderte sie meine Geste.
Dann kam der schrecklichste Moment dieses Morgens.
Urplötzlich wurde aus der kleinen warmen Hand, die meine beiden Finger umschloss, etwas Lebloses. Die Mundbewegungen am Daumen hörten auf und zum ersten Mal in meinem Leben hörte in meinem Beisein ein Herz auf zu schlagen.
Und ich konnte nichts machen.
Ich weiß nicht, wie lange das Alles gedauert hat, und ich weiß auch nicht, wie lange ich heulend neben der Kleinen gehockt habe, aber irgendwann brachte mich ein Knacken hinter mir dazu, mich umzudrehen.
In einem regelmäßigen Kreis von vielleicht sieben, acht Metern Durchmesser saßen oder hockten seltsame Gestalten um mich herum. Große schwarze Schatten, wie Geier mit hochgezogenen Schultern. Sie knurrten und knackten mit irgendwelchen Gliedmaßen oder Kiefern, begannen unruhig den Kreis enger zu machen.
Dann ertönte ein scharfes Zischen.
‚Schhhhhhhhhhhh!’ machte es.
An der der Tiefe des Waldes zugewandten Seite des Kreises h√ľpften zwei der Schatten unbeholfen auseinander und schufen so eine √Ėffnung, durch die eine gro√üe, aus meiner Hockposition sogar riesengro√üe Gestalt trat. So um die zweieinhalb Meter hoch vielleicht, gekleidet in einen schwarzen oder doch zumindest sehr dunklen Umhang mit Kapuze.
‚ÄöDer Tod!‚Äô dachte ich erschrocken. Aufstehen konnte ich nicht, √ľberhaupt keine Bewegung war mir m√∂glich.
Die hohe Gestalt hob ein wenig die Kapuze, aber au√üer zwei leuchtenden Punkten, wohl den Augen, war nichts zu erkennen. Die beiden √Ąrmel seines Gewandes, die ineinander verschr√§nkt waren wie bei einem M√∂nch, √∂ffneten sich und eine unendlich lange strahlendwei√üe Knochenhand erschien.
Zuerst hielt sie mit einer Geste, die international f√ľr ‚ÄěStop‚Äú steht, die unruhigen Gestalten um mich herum zur√ľck. Bis auf den Zeigefinger knickten die anderen Finger ein und die Hand bewegte sich zweimal von links nach rechts und zur√ľck, wie um zu sagen: ‚ÄöDas ist nichts f√ľr euch‚Äô.
Dann schoss der Finger auf mich zu, schwenkte dann ein wenig herum und wies auf einen Punkt etwa drei Meter neben mir. Ohne eine Lichtquelle erkannte ich dort einen handlichen Kiefernkn√ľppel, ungef√§hr einen Meter lang und geformt wie einen Baseballschl√§ger. Der Finger wanderte weiter und wies auf den Wagen, der auf seinen K√ľhlergrill gest√ľtzt an den beiden B√§umen stand.
Wie auf Kommando begann es in dem Wrack zu poltern, ich leuchtete hin√ľber, sah wie jemand versuchte, die Fahrert√ľr von innen zu √∂ffnen, h√∂rte ein Fluchen und Husten, ein Schlagen gegen Glasreste und konnte dann einen Mann erkennen, der sich kopf√ľber aus der Frontscheiben√∂ffnung w√§lzte.
Er fiel zu Boden, st√ľtze sich an dem einen Baum ab, stand wankend auf und starrte auf sein Auto.
Von Ferne erkannte ich schon ein bläuliches Flackern aus Richtung Autobahn, Hilfe war also im Anmarsch.
Das ganze Ausma√ü der Zerst√∂rung erkennend, begann der Mann pl√∂tzlich zu br√ľllen.
‚Das Schwein bring ich in den Knast! Der Polacke hat mich abgedrängt! Wo ist das Scheißhandy?!’ und alles so wirres Zeug.
Nach dem kleinen Mädchen suchte er nicht.
Der große Schwarze wies erneut energisch zu dem Mann.
Ich nahm den Kn√ľppel, ging ohne Ger√§usche zu verbergen hin√ľber, der Mann stand ja mit dem R√ľcken zu mir, holte weit aus und schlug zu.
Der Kerl erstarb in seinen Bewegungen.
Das Knirschen des Kn√ľppels oder des Sch√§dels, es war mir egal, pflanzte sich √ľber das Holz und meinen Arm bis in mein Herz fort, es steigerte meine Wut √ľber die Selbstsucht dieses Mannes. Er hatte, um seinen Alpham√§nnchen-Trieb zu befriedigen, das Leben anderer, wahrscheinlich seiner eigenen Tochter aufs Spiel gesetzt und selbst jetzt interessierte ihn nur der Sachschaden. Dass der Mann unter Schock stehen konnte, kam mir √ľberhaupt nicht in den Sinn. Ich hatte ja den Unfallhergang gesehen und wusste, dass er schuld war.
Als ich erneut ausholen wollte, hing der Kn√ľppel irgendwie fest. Ich musste mehrmals r√ľtteln um ihn los zu bekommen. Wiederum holte ich Schwung, der Mann ging w√§hrenddessen in die Knie, lie√ü aber die Arme wie in einer flehenden Geste hoch aufgerichtet. Im Schwungholen sah ich, dass der Kn√ľppel an der Stelle, mit der ich den Mann getroffen hatte, einen ungef√§hr zehn Zentimeter langen Aststumpf besa√ü. Dieser Stumpf musste dem Mann tief in den Sch√§del gedrungen sein.
Zu einem zweiten Schlag kam es nicht mehr.
Zwei Rettungssanit√§ter, die inzwischen angekommen waren, drehten mir brutal die Arme auf den R√ľcken. Einer dr√ľckte mich dann zu Boden und der Andere lief zu dem Mann, der immer noch reglos kniete und die Arme hoch hielt.
Polizei kam dazu, riß mich weg von dem Ort.
‚Seht ihr nicht den Tod? Seht ihr nicht, was der da macht?’
Aber wahrscheinlich war mein Geschrei bar jeder menschlichen Verständigung und so blieb ich wohl alleiniger Zeuge der Szene.
Der gro√üe Schwarze war inzwischen an den Knienden herangetreten, unbemerkt von den beiden Sanit√§tern, die den Mann ansprachen und sich selbst medizinische Fachausdr√ľcke zuwarfen. Mit der langen d√ľnnen wei√üen Knochenhand griff der Tod dem Verletzten oben in die Kopfwunde hinein, tiefer und tiefer schob er seinen Arm in den K√∂rper, den Blick der hohlen Augen nach oben ins Nichts gewand. Die Bewegung des Armes erstarb, er hatte wohl gefunden, was er suchte, mit einem Ruck riss er an dem Gefundenen, zog ein langes schwarzes Seil aus dem Sch√§del des Mannes, nahm die andere Hand zu Hilfe und verschwand mit den anderen Schattengestalten unter Gekreisch und Gewinsel im Wald.
Der Mann fiel im gleichen Augenblick zusammen wie eine Marionette, der man sämtliche Fäden mit einem Mal durchschneidet.
Wie du wei√üt, wollte man mich erst wegen Herbeif√ľhrung eines schweren Verkehrsunfalls belangen, aber schnell erkannten die Ermittler, dass der BMW-Fahrer selbst Schuld gewesen sein muss. Der Vorwurf des Totschlages blieb und daf√ľr sitze ich ja nun auch.
Jede Nacht, aber wirklich jede, versuche ich einzuschlafen, bevor die Bilder kommen. Es gelingt selten, eigentlich nur, wenn ein wenig Gras im Spiel ist. Doch selbst das mildert es nicht f√ľr mich.
Denn immer zur Zeit des Unfalles, um drei Uhr siebenunddreißig, erscheint das kleine Mädchen vor mir. Längst ist sie älter geworden, sieben oder acht jetzt, spricht aber immer noch mit der Stimme einer Vierjährigen.
Und jede Nacht fragt sie mich ununterbrochen: ‚Wo ist Papa? Wo ist Papa? Wo ist Papa?’
Ich erwache dann in einer Ecke auf dem Fu√üboden sitzend, die H√§nde sch√ľtzend √ľber den Kopf gebreitet, weil ich Angst vor den schwarzen Schatten habe.
Jede Nacht! Seit drei Jahren!
Noch einmal: Du weißt, ich bin nie ein religiöser Mensch gewesen. Hätte ich etwas ändern können, wenn ich vielleicht eine halbe Stunde später losgefahren wäre?
‚ÄöNat√ľrlich!‚Äô wirst Du denken.
'Nein!' werde ich dir dann antworten, es war Bestimmung.
Ich bin n√§mlich nicht sp√§ter losgefahren, ich bin zur exakten Zeit an der Unfallstelle gewesen, ich habe diesen Kerl erschlagen und ich w√ľrde es wieder tun. Vielleicht daf√ľr die Strafe. Weil ich das B√∂se gesehen habe.
Die Strafe.
Leb wohl, Marie!
Besuch mich nicht mehr!
Ich bin ein anderer Mensch!
Ich muss mich jetzt verstecken, es ist f√ľnfundzwanzig Minuten nach Drei!
Fahr immer vorsichtig!
Karl

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kny

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katia
???
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eine f√ľr mich sehr runde, spannende und au√üergew√∂hnliche geschichte, die ich zu ende lesen musste, obwohl hier auf dem schreibtisch genug arbeit liegt, und die ich auch weiter empfehlen bzw. noch mal lesen werde. die erz√§hlung bachmeiert ganz sch√∂n und es bleibt einmal mehr die frage: wie w√ľrde man selbst reagieren?
mir gefällt auch der briefstil in diesem zusammenhang, weil der gleich mehrere seiten der leser herausfordert.
die wenigen kleineren handwerklichen fl√ľchtigkeiten, die mir aufgefallen sind, schicke ich dir per e-mail. sind aber wirklich nur erdn√ľsse (um den anglizismus peanuts zu vermeiden)
__________________
(kas)

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knychen
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die frage ist der grund

moin katia,
die frage, die dir bleibt, ist der grund f√ľr das entstehen der geschichte.
aus langeweile denke ich mir bei langweiligen nachtfahrten ab und an gefahrensituationen aus und spiele dann verschiedene m√∂gliche handlungsabl√§ufe durch, bis ich mit dem ergebnis zufrieden bin. das soll mich im ernstfall vor gef√ľhlsduselei und zu langen denkzeiten sch√ľtzen. also eine schlichte feuerwehr√ľbung. eigentlich gab es noch eine vorgeschichte, aber ich habe irgendwann gemerkt, ich mu√ü weder karl noch seine zuk√ľnftige exfrau noch irgendjemanden in dieser geschichte deutlicher vorstellen. zweites ziel, mehr so eine pers√∂nliche vorgabe, die erst beim schreiben entstand, war der versuch, nur opfer zur√ľck zu lassen. gut, es gab einen sieger: den seelensammler.
bis dann. knychen
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kny

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katia
???
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da kann ich nur sagen: treffer - versenkt! ist dir gelungen.
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San Martin
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Die Geschichte fand ich ganz in Ordnung. Dem miesen BMW-Fahrer-Schwein hätte ich gern persönlich seinen Schädel eingeschlagen. Insgesamt wirkt deine Art zu Schreiben an einigen Stellen unbeholfen, oder als ob du dir keine Zeit zum Überarbeiten genommen hättest.

Hier noch einige Vorschläge:

quote:
grau brachte sich der Morgen in Erinnerung

Seltsame Formulierung.

quote:
erst seit drei Stunden am Arbeiten

"Am Arbeiten" ist Talk-Show-Grammatik.

quote:
Eine fette Staubwolke hing in der Luft und wies mir den genauen Weg des Unfallwagens.

Woher kommt der Staub? Fährt der Unfallwagen nicht in einen Kiefernwald? Du schreibst: "Der Wald an der Unfallstelle besteht aus erwachsenen Kiefern, so dreißig bis vierzig Zentimeter dick. Sie stehen mit unterschiedlichen Abständen im kniehohen Gras" - kniehohes Gras ermöglicht keinen Staub.

quote:
Du wei√üt, ich bin nicht religi√∂s, aber in diesem Moment sagte ich doch so was wie: ‚ÄöLieber Gott, mach es mir nicht so schwer heute. Ich will ja helfen, aber versau mir nicht f√ľr ewige Zeiten den Spa√ü an der Arbeit‚Äô
In Gedanken setzte ich sogar noch ein ‚Bitte’ dazu.

"Lieber Gott, mach, dass sie noch lebt" f√§nde ich bei weitem glaubw√ľrdiger, weil es k√ľrzer und klarer ist.

quote:
das Blut hatte schon einen beachtlichen Fleck Waldboden dunkel gefärbt.

Bitte streich das "beachtlich". Es wirkt hier sehr fehl am Platz.

quote:
Zuerst hielt sie mit einer Geste, die international f√ľr ‚ÄěStop‚Äú steht, die unruhigen Gestalten um mich herum zur√ľck.

Meiner Meinung nach vergreifst du dich hier im Ton. Bei der Schilderung einer unheimlichen Knochengestalt sollte auf keinen Fall etwas von der "internationalen Geste f√ľr Stop" erw√§hnt werden. Das zerst√∂rt die Atmosph√§re.

quote:
Aber wahrscheinlich war mein Geschrei bar jeder menschlichen Verständigung


"Bar jeder..."? Das passt stilistisch nicht zum restlichen Text. Entweder du hebst das sprachliche Niveau an, oder hältst es umgangssprachlich. Ein Mix von beiden passt nicht recht.

quote:
Mit der langen d√ľnnen wei√üen Knochenhand

Adjektive bitte ausd√ľnnen oder ganz entfernen.

quote:
zog ein langes schwarzes Seil

Seil? Ich verstehe, was du sagen willst, aber "Seil" finde ich nicht gut.

quote:
Leb wohl, Marie!
Besuch mich nicht mehr!
Ich bin ein anderer Mensch!
Ich muss mich jetzt verstecken, es ist f√ľnfundzwanzig Minuten nach Drei!
Fahr immer vorsichtig!

Diese Aneinanderreihung von Ausrufesätzen wirkt ungeschickt, und das finale "Fahr immer vorsichtig" beinahe wie Parodie. Das verleidet mir den Schluss erheblich...
__________________
"I still can remember the way that you smiled on the fifth day of May in the drizzling rain."

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knychen
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rechtfertigung

hallo martin,
ist ja 'ne ganze menge, die du bem√§ngelst. ich kann aus zeitgr√ľnden nicht auf jede stelle eingehen, weil ich in wenigen minuten in meinen lkw steige und nach m√ľnchen mu√ü.
was du als sprachliche unbeholfenheit bzw an anderer stelle als umgangssprachlich bezeichnest, hat seine ursache in der briefform. alles, was zur vorstellung des schreibenden beitragen k√∂nnte, mu√üt du dir selbst herauslesen. (schulbildung, soziales gef√ľge etc.) bestes beispiel: das schwarze seil. ein subjektiv gepr√§gtes bild. ich bzw karl h√§tte nat√ľrlich seele schreiben k√∂nnen, aber wenn es nun mal wie ein seil aussah, warum es nicht so benennen. genauso die internationale geste. jeder z√∂llner und polizist benutzt diese geste und so hat karl sie auch gedeutet. warum also in eine epische breite gehen, die dem klischee eines lkw-fahrers nicht entspricht?
weiter im text.
wenn du mal auf der A9 nach berlin f√§hrst, dann schau am bezeichneten kilometer einfach nach rechts. das land brandenburg besteht dort aus sand, sand und sand. dar√ľber eine d√ľnne schicht schwarzerde und darauf k√ľmmerliche flachwurzler wie kiefern, birken etc. gras ist ebenfalls anspruchslos und bildet keine geschlossene narbe. schon ein schlag mit 'nem golfschl√§ger wirbelt staub auf, vorausgesetzt, es war ein paar tage trocken.
"am arbeiten" ist umgangssprache.
"bar" bleibt auch stehen. jeder mensch hat irgendwelche sprachlichen eigenheiten, meist aus der kindheit √ľbernommene gewohnheiten. ich kenne jemanden, der sagt zu einer toilette ganz normal toilette oder wc oder bad. aber wenn er bei seiner oma ist, verf√§llt er in die altert√ľmliche bezeichnung "abort".
die finale aneinanderreihung von ausrufezeichen ist dem umgangston des karl angepaßte ausdrucksmöglichkeit. ich gehe davon aus, daß er nicht den höheren bildungsweg beschritten hat.
parodie ist der letzte satz nicht, eher ein flehen um der tochter willen.
karl hat sich schließlich verändert, so wie knast die meisten menschen verändert. und wenn er jede nacht das gleiche träumt, ist davon auszugehen, daß er angst davor hat.
danke daf√ľr, da√ü du dich mit dem text so sehr besch√§ftigt hast. wenn dir das sprachliche niveau trotzdem zu schaffen macht, stell dir den brief mit der ungelenken schrift eines menschen, der selten l√§ngere texte schreibt und mit ein paar typischen rechtschreibfehlern vor. vielleicht ist er dann glaubhafter.
gruß aus berlin und jetzt muß ich los. knychen
__________________
kny

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