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Wie gewonnen so zerronnen
Eingestellt am 06. 07. 2010 11:27


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Michael Schmidt
Routinierter Autor
Registriert: Jan 2002

Werke: 39
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Gefreut hatten sich die Uruguayer. Als letzte von 32 Mannschaften hatten sie sich für die WM qualifiziert und waren in ihrer Gruppe Außenseiter.
Im ersten Spiel gelang den Südamerikanern ein Achtungsremis gegen Frankreich und zeigte die Stärke der Mannschaft: Sehr gut organisiert und eine kaum zu überwindende Defensive. Gegen überforderte Südafrikaner zeigte auch die Offensive, allen voran Forlan, ihre Qualitäten und gewann mit 3:0. Im entscheidenden Spiel wurde Mexiko geschlagen, die zwar spielstärker waren, aber Probleme in der Defensive hatten.
Auch im Achtelfinale gelang ein Sieg gegen kompakte Südkoreaner und folglich gab es Kritik am Qualifizierungsmodus. Schließlich erlangte Uruguay die WM Endrunde erst im letzten Moment durch ein Entscheidungsspiel gegen Costa Rica, dem dritten in der Nordamerika Gruppe.

Dazu muss man wissen, dass eine Fußballweltmeisterschaft ein Politikum ist und dahinter diverse regionale Interesse bestehen.
So wurde die WM in all den Jahren immer wieder reformiert. Das bedeutete zuletzt immer wieder ein Mehr an Teilnehmern. 1982 gab es erstmals 24 Mannschaften und nach der Vorrunde gab es eine Zwischenrunde anstelle des K.O. Systems. Dort konnte man in rassigen Spielen erleben, wie Maradonnas Argentinier und Zicos Brasilianer sich den Außenseitern aus Italien geschlagen geben mussten, die später Weltmeister wurden. Die Spielweise der Italiener würde heutzutage eine Flut an Roten Karten hinter sich ziehen, doch damals kaufte man den Südamerikanern entsprechend den Schneid ab oder die Selbstkontrolle, wie Maradonnas Karatetritt und die anschließende Rote Karte zeigte.
Später wurde die Teilnehmerzahl auf 32 erhöht. Das lag auch an dem politischen und wirtschaftlichen Wandel.
Allein in Europa gibt es seit den 90er Jahren eine Vielzahl neuer Länder, die Jugoslawien, die Sowjetunion und auch die Tschechoslowakei ablösten.
Wirtschaftlich stieg die Bedeutung der asiatischen Staaten. Und Afrika, dessen Spieler die europäischen Ligen verstärkten, forderte ebenfalls einen größeren Anteil an Teilnehmern.
So wurden Formeln gesucht, Kompromisse geschlossen, doch nie sind alle zufrieden.

Die letzten acht Mannschaften der WM 2010 stammten aus folgenden Kontinenten: 4 Südamerikaner, 3 Europäer und 1 Afrikaner.
Zwei Nordamerikaner und zwei Asiaten hatten schon im Achtelfinale die Segel gestrichen.
So war die Forderung Uruguays, den fünften Platz in der Südamerikagruppe als direkte Qualifikation zuzulassen, scheinbar durchaus mit Sachargumenten untermauert.
Die Leistungen Nordkoreas, Honduras und mancher afrikanischer Mannschaften sprachen eine ähnliche Sprache. Und nur 3 von 16 Europäern im Viertelfinale rüttelt auch am Status des größten Fußballkontinents.
Südamerika war die gefühlte Supermacht des Fußballs. Und das mit der WM 2014 in Brasilien vor Augen.

Doch wie gewonnen so zerronnen.
Im Halbfinale sieht es dann ganz anders aus. Gut, waren es 2006 noch vier Europäer in der Vorschlussrunde, sind es dieses Mal nur drei.
Uruguay, die nominell schwächste Mannschaft der Südamerikaner hielt als einzige die Fahne hoch und warf die letzte afrikanische Mannschaft mit viel Glück im Elfmeterschießen raus. Die Favoriten Argentinien und Brasilien scheiterten an Deutschland und Holland.

Wieder zeigt sich, die etablierten Mannschaften setzen sich meistens durch.
Mit Holland, Deutschland, Brasilien, Argentinien waren die etablierten Länder im Viertelfinale. Auch Spanien als Europameister und Topfavorit kam bisher weit.
Andererseits zeigen Uruguay, Paraguay und Ghana, auch Außenseiter haben Chancen und setzen Glanzlichter, Favoriten wie Italien und Frankreich scheitern kläglich in der Vorrunde. Gerade das macht den Reiz des Turniers aus. Auch die schwächeren Mannschaften wie Honduras oder Nordkorea bereichern eine Endrunde, sorgen für Achtungserfolge oder einfach Abwechslung im Kreis der Etablierten.

Was ich mir aber wünschen würde, wäre eine mehr interkontinental ausgerichtete Qualifikation. Zwar spielen die Südamerikaner mit den Nord- und Mittelamerikanern einen Platz aus, die Europäer machen ihre Qualifikation unter sich aus. Wäre doch viel interessanter, wenn den letzten Platz nicht Frankreich gegen Irland ausspielt (wie geschehen), sondern Frankreich gegen Algerien und gleichzeitig Irland gegen Tunesien. So wäre die Länderverteilung nicht nur ein Produkt der Klüngelei in diversen Hinterzimmern, sondern auch sportliche Entscheidung, die auch immer wieder für Überraschungen sorgt, wie man den Ergebnissen der Endrunde ablesen kann.
Das wäre ein Schritt zu mehr Offenheit und gegen Nationalismus. Zwar besteht die Gefahr, dass dann anstatt 6 Afrikanern nur 3 teilnehmen. Aber wenn es sportlich gut läuft, könnten es dann auch 10 Mannschaften sein und sie somit die größte Gruppe stellen.

Heute starten die Halbfinale. Und vielleicht überrascht Außenseiter Uruguay wieder und zieht ins Finale ein.
Und wir können wieder sagen: Wie gewonnen so zerronnen
Denn am Ende zählt nur der Weltmeistertitel.


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