Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5284
Themen:   87785
Momentan online:
358 Gäste und 17 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > ErzÀhlungen
Wie kann ein Tier ein Buch heiraten?
Eingestellt am 16. 01. 2003 21:59


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Joerg Feierabend
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Nov 2002

Werke: 8
Kommentare: 7
Die besten Werke
 
Email senden
Profil


Als er kam, war es drei Uhr nachmittags und wir alle gingen einer mehr oder weniger langweiligen, alltĂ€glichen, vielleicht völlig unnĂŒtzen BeschĂ€ftigung nach. Wir alle, das sind meine Mutter, mein Vater, meine damals 17- und meine 6-jĂ€hrige Schwester, die gerade ihren ersten Schultag hinter sich gebracht hatte. Nicht zu vergessen unser Knecht, neben meiner damals 16-jĂ€hrigen Wenigkeit.
NatĂŒrlich habe ich noch viel mehr Geschwister, doch ist ihre AuffĂŒhrung nicht weiter von Bedeutung, da sie entweder schon verheiratet waren und/oder keine Rolle in dem einjĂ€hrigen TheaterstĂŒck, welches Er uns lieferte, spielten.
Er, das ist keine besonders bemerkenswerte Erscheinung, weder war er besonders groß, noch sonderlich klein, auch war er weder hĂŒbsch, noch hĂ€ĂŸlich. Seine Augen- und Haarfarbe habe ich ebensowenig in Erinnerung, wie seine Hautfarbe, die alle Stufen der menschlichen Hautschattierungen zu durchlaufen schien. Dieses einzig AuffĂ€llige an ihm, war seine UnfĂ€higkeit zu sprechen.
Einen ersichtlichen Grund ausgerechnet an unsere HaustĂŒr zu klopfen, gab es fĂŒr ihn nicht. Nicht der kleinste Grund wie Dunkelheit, Sturm oder auch nur Erschöpfung lagen vor.
Als er kam, war es drei Uhr nachmittags und wir alle gingen einer mehr oder weniger langweiligen, alltĂ€glichen, vielleicht völlig unnĂŒtzen BeschĂ€ftigung nach.
Die Menge aber verharrte gespannt auf ihren StĂŒhlen, der Dinge harrend, die da kommen sollten. Und der Vorhang tat sich auf.....

Dieses einzig AuffĂ€llige an ihm blieb, Seine UnfĂ€higkeit zu sprechen. Doch was er mit Worten nicht auszudrĂŒcken vermochte, beschrieben seine HĂ€nde, wie es nur wenige unserer Zungen sagen könnten. Er fragte nicht einfach, ob er in unserer Scheune die Nacht verbringen dĂŒrfe, Seine HĂ€nde zeichneten eine ganze Geschichte, die an Können und Klarheit nicht zu ĂŒberbieten war.
Wie er die HĂ€nde diese Bilder entstehen ließ, ist schwer -nein- unmöglich zu sagen. Seine Bewegungen waren teils romantischer, vertrĂ€umter Natur, andernteils etwas schwerfĂ€llig, unbeholfen, was ihm eine nicht zu ĂŒberbietende Anmut und Echtheit verlieh. Diese etwas zerriebenen HĂ€nde beschrieben die letzten samtroten Strahlen der untergehenden Sonne, den erschöpften, verzweifelten Wanderer, dessen FĂŒĂŸe nicht mehr weiterwollen, der furchtsam vor jedem GerĂ€usch in der Nacht zusammenzuckt, immer weiter hastet, sehnsĂŒchtig das Morgengrauen erwartend, um endlich, mit den ersten rosefarbenen Strahlen der wiederkehrenden Sonne in den so lang erwarteten Schlaf zusammenzubrechen. Dieser Wanderer hat die Hoffnung in der Nacht schlafen zu können, schon lange aufgegeben. Zuviele unbekannte Dinge sind da, die die Nacht vor ihm versteckt. Er blieb auf der Suche nach etwas, was ihn vor der Dunkelheit versteckt und auf seiner Suche war er nun vor unserer TĂŒr gestrandet.
Ich erinnere mich noch gut, wie mein Vater ihn gastfreundlich aufnahm, bedauernd kein Bett anbieten zu können.
Erst spĂ€ter merkten wir, wie unsinnig unsere Entschuldigungen waren, da er nicht ein einziges unserer Worte verstand. Wenn er sie auch mit dem Gehör aufnehmen konnte, hat er doch Ihre Bedeutung nur erraten. Wir sahen es, glaube ich, als wir ihn am Abend zum Essen einluden. Auch wenn er sehr schnell verstand, mußten wir doch einsehen, wie wenig unsere KĂŒnste im Darstellen durch die HĂ€nde an die Seinen heranreichten.
Leider lehnte er unsere Einladung ab. Er machte uns klar, daß er schon gegessen hĂ€tte. Einen Vogel, wenn ich richtig verstanden habe, woran ich nicht zweifle. Ich glaube, er meinte eine Amsel. Wie ihn eine solche Nahrung befriedigen konnte, war uns unbegreiflich, doch blieben unsere mĂŒhsamen Überredungsversuche wirkungslos. Er blieb da einfach im Schneidersitz hocken, lĂ€chelte uns nur an.
Ergebnislos und etwas enttĂ€uscht zogen wir dann ab, trotzdem versorgte Ihn meine Schwester noch nach dem Abendessen mit ein paar Kleinigkeiten, die sie ihm in die Scheune brachte. (Übrigens war es die Idee meiner Mutter, nicht ihre eigene.) Entgegen allen unseren Erwartungen blieb er dann bei uns.
Nachdem Er uns die ersten beiden Tage ebenso interessiert wie belustigt zugesehen hatte, fing Er auch an zu arbeiten. D.h., genaugenommen arbeitete Er nicht, Er ahmte uns nach. Oft lachte Er dabei. Es sollte immer dasselbe Spiel bleiben: Erst sah Er ein Weilchen zu, dann nahm Er dem Arbeitenden das Werkzeug aus der Hand, um selbst weiterzumachen. Sehr zum Ärger unseres Knechtes, der keine Gelegenheit ausließ, Ihn zu demĂŒtigen.
Ich bin mir sicher, Er spĂŒrte seine Feindschaft wohl, ließ sich jedoch so wenig wie möglich anmerken, auch wenn Er schon deutlich zeigte, wen er zu seinen Freunden zĂ€hlte. So schenkte Er einmal meiner Schwester einen schon abgezogenen und ausgenommenen Hasen, welchen sie mit einer gewissen Irritation im Blick annahm.
Doch ihn zusammen mit uns zu verspeisen, lehnte er ab. Nach wie vor mochte er nicht an unserem Tisch essen, ging nur immer auf StreifzĂŒge, von denen er Karnickel, Vögel und vielerlei Pflanzen mitbrachte. Noch immer jagte Er nur in der MorgendĂ€mmerung, denn Er fĂŒrchtete die Nacht wie am ersten Tag.
Aber mittlerweile hatte sich meine Schwester (meine 17-jĂ€hrige) es sich trotz Seines anfĂ€nglichen Mißtrauens zur festen Gewohnheit gemacht, Ihn jeden Abend noch mit einer Extramahlzeit zu versorgen. Dabei sprach sie in allen ihr bekannten Sprachen zu ihm, doch stets blieb seine einzige Antwort nur ein LĂ€cheln.
Marian sagte mir einmal, wenn es noch etwas gĂ€be, was Er perfekt beherrsche, außer seinen HĂ€nden, wĂ€ren es Seine Lippen. Sein LĂ€cheln wĂ€re noch gekonnter, noch viel gekonnter als alle seine Handsprachen. Ich meine, es war nur eine schĂŒchterne Geste, eine kleine Entschuldigung, weil er sie so oft nicht verstand.
Dieses einzig Beeindruckende daran vielleicht noch die absolute Ehrlichkeit, die Ihn, besonders wenn er lÀchelte, fast sonnengleich umstrahlte.
Daß er nicht taub war, haben wir, wie gesagt, sehr schnell herausbekommen, doch an seiner scheinbaren Stummheit, daran hatte es fĂŒr uns nie den geringsten Zweifel gegeben; denn dieses einzige, was Seine Lippen hervorbrachten, war ein LĂ€cheln; ein LĂ€cheln, welches so echt wirkte, daß meine Schwester zu Seiner unterwĂŒrfigen Sklavin geworden wĂ€re, hĂ€tte Er es nur gewollt.
So flossen also die Tage dahin und noch ehe wir uns versahen, war der Sommer vorbei und wir standen mitten imHerbst mit all der Arbeit, die er mit sich brachte.
Noch immer half Er genauso tĂŒchtig mit, doch je mehr Ihn diese ungewohnte TĂ€tigkeit amĂŒsierte, desto mĂŒrrischer wurde unser Knecht. Wir verstanden nicht, warum er sich denn nicht mit uns freute ĂŒber Ihn und seine Erfolge.
Jedenfalls, spießte der Knecht bei der Heuernte einmal nicht den Heuballen, sondern - eben Ihn auf. Viel hĂ€tte nicht gefehlt und wir hĂ€tten einen Grabstein ohne Namen aufstellen mĂŒssen, doch nur einer der Zinken wollte sich zwischen Seine Rippen bohren. Meine Schwester klagte sofort den Knecht an, wir ĂŒbrigen wollten jedoch nicht an eine solche, mit voller Absicht begangene Bösartigkeit glauben, schien doch nicht das geringste Motiv vorzuliegen. "Mörder" nannte meine Schwester ihn damals. NachtrĂ€glich muß ich ihr zustimmen.
Warum Er den Knecht nicht sofort nach seiner Genesung angriff, kann ich mir nur mit Seiner Einstellung erklĂ€ren, die ihm vorschrieb, Menschen dieser Art wĂ€ren etwas Höherstehendes, etwas fĂŒr Ihn Unantastbares.
Seit dem Tage aber haßte Er den Knecht, und Er hĂ€tte ihn angegriffen, hĂ€tte Er gewußt, wie die Reihenfolge in unserer Familie aussah. Ich bin mir dessen ganz sicher. Oh, wir waren UnmĂŒndige, Regierung, Intellektuelle und ewig Unentschlossene auf unserem Hof. Der Knecht jedoch hatte seinen vermeintlichen Widersacher verfehlt. Ein zweites Mal wĂŒrde es fĂŒr ihn nicht geben, und nun wurde dieser Köter, wie er Ihn nannte, auch noch in unser Haus gebracht.
Obwohl Er diese Behausung immer mit Ehrfurcht und einer gewissen Angst betrachtet hatte, folgte Er doch meiner Schwester Marian, die, wenn Er lÀcheln konnte, ihre Augen ebensogut einzusetzen vermochte. Nie schaffte Er es, ihr voll in die Augen zu sehen. Es kostete Ihn schon unsÀgliche Anstrengung, sie wenigstens nur als ganze Person anzusehen.
Und eines schönen Tages passierte jenes, wodurch Sein Leben so entscheidend verĂ€ndert werden sollte: Er sah meine 6-jĂ€hrige Schwester mĂŒhsam Buchstaben fĂŒr Buchstaben kritzeln. WĂ€re es einer von uns gewesen, es hĂ€tte Ihn nicht im Geringsten gerĂŒhrt, aber daß dieses kleine, nicht ernst zu nehmende Kind jenes voraushatte, was Ihm fehlte, traf Ihn tief.
Wir waren fĂŒr Ihn unerreichbar, weshalb unsere Schreibkunst Ihn kaum in Verlegenheit brachte, waren wir doch etwas Anderes, Höheres. Als meine kleine Schwester aber, die noch zu klein war, um sie uns gleichzustellen, wenn auch ungeschickt und langsam, schrieb, war dieses einfach eine Herausforderung fĂŒr Ihn. Marian sah es natĂŒrlich, kaum daß es geschah, da ihre einzige BeschĂ€ftigung nur noch darin bestand, jeden Seiner Schritte zu beobachten. Allen vorherigen Versuchen Ihm die Sprache nĂ€herzubringen, hatte er sich mit dem Hinweis der Nichteignung und UnfĂ€higkeit entzogen. Jetzt aber - nun endlich sah meine Schwester Marian die Gelegenheit gekommen, Ihn in die Kunst der Sprache einzuweihen.
Heute, nachdem ich meine Ruhe gefunden habe, ist es eigentlich nicht mehr schwer zu verstehen, Seine Sprachunlust meine ich. Denn ist nicht schon nur eine Fremdsprache das reine Grauen fĂŒr uns? Sicher - wir lernen einige Vokabeln, Ihre Aussprache und etwas Grammatik, nur.... wer von uns lernt je eine Fremdsprache so völlig beherrschen wie ein wortgewandter InlĂ€nder? Ich weiß nicht, ist es einfacher oder schwieriger, wenn man vorher keine Sprache besessen hat, dann eine zu erlernen? Sicher ist jedoch: Die Buchstaben, ihre Anordnung und Trennung, die Silben und Wörter ergeben, sind unlogisch. Wir erlernen nichts weiter als die namentliche Bezeichnung jedes einzelnen Buchstaben und in welcher Reihenfolge sie einen fĂŒr die anderen, die die Sprache schon beherrschen, verstĂ€ndlichen Begriff ergeben. Die Anordnung der Buchstaben f-i-s-c-h z. B. ergibt den Begriff "Fisch". Die Groß- und Kleinschreibung wollen wir hier außer Acht lassen, da sie erst zu den ebenso unlogischen Feinheiten der Grammatik zĂ€hlt. Besonders interessant ist hier die, mit durch die Rechtschreibung beeinflußte Aussprache des Begriffes "Fisch". Denn die Anordnung der Buchstaben s-c-h unterliegt einer Ausnahmeregel, wird sprachlich also nicht so geformt, wie es doch nach den bisherigen geltenden Regeln getan werden mĂŒĂŸte. Warum dieser Zustand nie eine Änderung erfahren hat, muß mit der dem Menschen angeborenen Angst vor Neuerungen begrĂŒndet werden. Folglich gibt uns die Sprache nichts, womit wir unseren Verstand schulen könnten, trotz der starken Inanspruchnahme unseres GedĂ€chtnisses. Nur fĂŒr den Perfektionisten geben Wortspiele und seltenere ihr Klangbild verĂ€ndernde Worte noch etwas fĂŒr den Verstand auf. Doch sind die Möglichkeiten recht beschrĂ€nkt und bedĂŒrfen einer absoluten Perfektion, so daß der Sprecher gezwungen wird, in nur einer Sprache zu bleiben, auf der Suche nach Menschen, die fĂ€hig sind, auf diese Wortspiele einzugehen; weshalb ich fast zwangslĂ€ufig die Sprache als einen unlogischen Ablauf perfektionierter Zeichen und Laute bezeichnen muß, die auch dem DĂŒmmsten, solange er einen gewissen Fleiß aufbringt, klargemacht werden können. Dieses zu begreifen, fiel uns damals schwer, so schwer, daß es meiner jĂŒngsten Schwester bedurfte, in Ihm den Wunsch nach der Sprache zu wecken.
Ein völlig anderes, weniger bedeutendes, doch nicht minder interessantes Problem war Seine Neigung, sich unter den Tisch zurĂŒckziehen zu wollen, wovon Marian Ihn nur mit MĂŒhe zurĂŒckhalten konnte, und es ihr ĂŒberhaupt nicht gelang, Ihn an den Tisch oder auch nur auf einen Stuhl zu setzen. Leider gab dieses unserem Knecht immer neue Gelegenheiten zu sehr verletzenden DemĂŒtigungen. So z.B. gab er ihm des öfteren Hundenamen. Denn Er hatte schon begriffen, daß jeder von uns einen Rufnamen (oder fĂŒr Ihn Laut) kannte, auf den er oder sie reagierte, nun mußte Er natĂŒrlich denken, dieses wĂ€re Sein Rufname, auf den Er zu reagieren hĂ€tte. Die Beleidigung, die dahinter steckte, konnte Er natĂŒrlich nicht verstehen, und so fiel Er manchesmal auf die plumpen Beleidigungen des Knechtes herein,obwohl Marian nie ihr Auge von Ihm ließ. (In der Tat hatten wir nie einen Namen fĂŒr Ihn, bis Er selbst in die Notwendigkeit geriet, sich zu benennen.)
FĂŒr Marian war und blieb Er eben ein Findelkind, welches gehegt und gepflegt zu werden hatte. So sagte sie mir jedenfalls.
Sie hatte schon immer so einen Instinkt und an Ihm kam derselbe jetzt voll zur Entfaltung. Nur - da ist dann aber doch noch ein Unterschied, ob man ein ein Kind bemuttert oder einen mehr oder minder erwachsenen Mann. (Wir hatten als einziges Maß seinen wenig entwickelten Bart.) Zu eben diesem Zeitpunkt sah ich schon die ersten Gewitterwolken sich zusammenziehen, denn er war ein Mann, ein heiratsfĂ€higer guter Mann und kein Findelkind im eigentlichen Sinne.
Außerdem schien Marian in Ihn, Er hingegen weit weniger in sie verliebt zu sein. Ihr blieb dann, da sie den Kontakt zu Ihmm nicht verlieren wollte, nichts anderes ĂŒbrig, als sich zu Ihm zu setzen. Sie gab Ihm ein Buch als Unterlage und ließ Ihn diese seltsamen Zeichen, diese Striche und Bögen zeichnen, die sie Buchstaben nannte. Jedes einzelne dieser Zeichen hatte einen eigenen Namen. Er lernte sie auswendig, und nach nur vier glĂŒcklichen Tagen hatte er ihre seltsamen Formen, ihre Sprechweise und Reihenfolge im Griff. Aussprechen wollte er sie jedoch nur, wenn Er mit Marian allein war. Wenn ich nicht irre, war es immer eine Art der Offenbarung fĂŒr Ihn, die Er nur ihr, Marian machen wollte. Die Nahrungssuche hatte Er inzwischen aufgegeben, da Er nach Seiner Genesung endlich voll und ganz unsere bequemere Nahrung akzeptierte. SpĂ€ter als meine Schwester Ihm zur VervollstĂ€ndigung auch noch die Regeln der Mathematik erklĂ€ren wollte, mußte sie feststellen, daß Er ihren RechenkĂŒnsten nichts weniger als weit ĂŒberlegen war! FĂŒr mich als den unbeteiligten Beobachter war es ein VergnĂŒgen, ihre Eifersucht mitansehen zu dĂŒrfen. Denn es waren nicht Seine ĂŒberragenden FĂ€higkeiten in der Mathematik, es war vielmehr die große Frage, wer sie Ihm beigebracht hatte, die Marian so bis aufs Blut reizte. Eine Zeit lang war sie auch mit Mißtrauen erfĂŒllt, denn wie sollte er gelernt haben, ohne eine Sprache zu verstehen? Wie konnte er ĂŒberhaupt, ohne irgendeine Sprache zu verstehen, das ganze Leben bestritten haben? Diese fĂŒr sie (Marian) unendlich quĂ€lenden Fragen wurden zum Teil dadurch gelöst, als Er ihr ein zerfleddertes Mathematikbuch zeigte, welches er aber wie ein Heiligtum schĂŒtzte und nur Ihr, der einzigen, der er volles Vertrauen schenkte, zeigen wollte. Dank seiner klaren Handsprache konnte Er ihr sehr schnell begreiflich machen, daß Er sein Mathematikwissen ausschließlich diesem Buch verdankte. Im Grunde genommen ist die Glaubhaftigkeit dieser ErklĂ€rung auch kaum anzuzweifeln, da die Mathematik im Gegensatz zur Sprache logisch aufgebaut ist. Da gibt es als erstes die Zahlen 0 - 9. Die nĂ€chste ist eine 10. Es fĂ€ngt wieder von vorn an, ist nur durch die Null auf zwei Stellen erweitert worden. Soll die Zahl vergrĂ¶ĂŸert werden, wird statt der 0 eine 1 - 9 eingesetzt. Je nachdem wieviel gebraucht wird. Man muß nur wissen, der 10 folgt die 11, nicht die 20, schon hat man das ganze Zahlensystem begriffen. Nur die Stellenzahl mit einer Null erweitern und mit den gewĂŒnschten Zahlen die Stellen nach Belieben vergrĂ¶ĂŸern. Fast schon zu einfach.
Die Zeichen + und - waren es, die sich Ihm als nĂ€chstes in den Weg stellten, konnten Ihm jedoch nicht lange Schwierigkeiten bereiten, dagegen hielten Ihn die Zeichen der Multiplikation und der Division lĂ€nger auf, doch auch dieses Problem löste Er durch das einfache Probieren. (Da die kurzen ĂŒbereinanderliegenden Striche das Ergebnis anzeigten, immer mehrere Beispiele vorhanden waren und Er durch Sein einfaches striktes Auswendiglernen das Zahlensystem beherrschte, wußte Er auch, zwei Äpfel sind zwei und nicht drei.)
Hier nun die Aufgabe: 3 + 1 = 4
war klar, einer war dazugekommen.
Lautete sie: 3 - 1 = 2
war einer abgezogen worden.
Kein Problem.
Dagegen 6 : 3 = 2 war schwieriger.
Doch stellte Er sehr bald fest, zwei Reihen zu je drei Äpfeln ergeben 6 Äpfel, womit Er unbewußt die Multiplikation mit erlernt hatte und auch die Probe zu machen imstande war. Um sich nun auch noch ein ZahlenverstĂ€ndnis verschaffen zu können, hatte Er, da Er sich unter 20 oder 30 und mehr nichts vorstellen konnte, einfach Steine oder Äste oder was eben gerade zur Hand war, aufgehĂ€uft, einfach nur, um zu wissen, wieviel 20 oder 30 denn nun sind. So konnte Er dann die Zahlen nicht beim Namen nennen, doch er wußte, 26 Steine sind 26 Steine, nicht mehr und nicht weniger. Wenn Ihm die geschriebenen LehrsĂ€tze auch sehr geholfen hĂ€tten, so brauchte Er sie doch nicht. Dieses Mathematikwissen aber behinderte die Erlernung der Sprache zuerst außerordentlich, da fĂŒr Ihn die Mathematik das einzig Logische darstellte und Er nur sie achten wollte. Doch hing Er auch an Marian, der Er gern einen Gefallen getan hĂ€tte. Und daß Sie Gefallen daran fand, wie Er lernte und begriff, ist nicht zu bestreiten. (Trotzdem blieb fĂŒr Ihn die Sprache nichts als ein unlogisches Werkzeug, einfach zu erlernen und ohne Aufgaben, weshalb es fĂŒr Ihn immer wesentlich interessanter war, Maßeinheiten, die Ihm vorher völlig unbekannt waren, zu erfahren.) Meine Schwester legte damals einen ungewohnten Geist, gepaart mit noch ungewohnterer Geschicklichkeit an den Tag, die ich Ihr vorher nie zugetraut hĂ€tte. Doch Marian bewĂ€hrt sich erst, wenn sie gefordert wird. Leider schwankte er aber immer noch zwischen Seinem Mathematikbuch und Marian, obwohl sie die einzige war, der er es ĂŒberhaupt zeigte, vielleicht sogar nur sie fĂŒr wĂŒrdig und erhaben genug befand, weshalb Er mit Freuden Ihre MathematiklĂŒcken fĂŒllte, nachdem sie Ihn darum gebeten hatte. (Sie hĂ€tte Ihm wahrscheinlich keine grĂ¶ĂŸere Gunst erweisen können.) Nachdem sie nun bekehrt war, waren Seine Gewissensnöte behoben. Die AnnĂ€herung konnte von neuem beginnen.
Er war jetzt immerhin so weit, daß er wenigstens schon neben uns auf dem Boden kauernd zu essen pflegte. Des öfteren machte er sogar Witze, auch wenn Ihm die FĂ€higkeit zu lachen völlig abging. Gelegentlich wirkte er zwar belustigt, doch gelacht hat er nie, obwohl er es gerne sah, wenn wir lachten. Mehr und mehr wuchs er zum Mittelpunkt der Familie heran, auch wenn er kein Wort sprach, sich nicht an unseren Tisch setzen wollte und nach wie vor die Nacht fĂŒrchtete. Die Zeit verging weiter. Es wurde Winter und Er gewöhnte sich daran, statt im Heu der Scheune vergraben, auf einer Decke vor unserer DielentĂŒr zu schlafen. Unvergesslich der Anblick wie Er sich erst langsam auf eine Hand, dann die andere, dann auf einen Oberschenkel niederließ, sich schließlich noch einmal um die eigene Achse wand, bevor Er endlich, unter gelegentlichen Schnaufern, eine Kugel bildete, in der Er bis zum Aufstehen verharrte.
Noch immer so unermĂŒdlich wie zu Beginn brachte Marian Ihm in winzigen BruchstĂŒcken die Sprache nahe, was ihr immer schwerer fiel, da Er keinerlei Begriffe fĂŒr irgendetwas hatte. Er hatte nie eine Sprache erlernt. Wie sollte man sie Ihn lehren? Die Nomen konnte sie erklĂ€ren, doch die Verben? Und die Adjektive? Wie sollte man Ihm ein so bedeutungsvolles und ĂŒberladenes Wort wie "lieben" erklĂ€ren? Er mußte die Sprache wie ein SĂ€ugling erlernen, nur daß Er sich eben weigerte, uns gegenĂŒber den Mund auch nur zu einem Versuch aufzumachen. Wenn Er Seine HĂ€nde auch Fragen stellen ließ.....wie sollte Er je zu uns sprechen können, wenn Er sich doch weigerte? Niemand der darĂŒber trauriger war als meine Schwester Marian. Ein weiterer Punkt, der sie fast noch ein wenig mehr betrĂŒbte, war, wann immer sie Ihn um etwas bat, Ihm irgendetwas sagte, antwortete Er stets mit einem leisen, fĂŒr uns unhörbaren: "Ja, Herrin." Gerade das leise Sprechen bereitete Ihm Schwierigkeiten, aber diese beiden kurzen Worte vergaß Er nie. Sie verbot es Ihm mehrfach. Auch das Kopfsenken vor unseren Eltern, wenn sie mit Ihm sprachen. (Die Verbeugung sah Er nur als Höflichkeitsakt bei der BegrĂŒĂŸung an. Sie blieb den anderen vorbehalten.) Wahrscheinlich hatte Er gesehen wie der Knecht nach jedem Befehl, oder wie man es nennen will, zum Zeichen des VerstĂ€ndisses kurz nickte. In Seiner Wertvorstellung aber hatte Er eben, trotz meiner Schwester Marian, den Kopf zu senken, bis Sein oder der Herr ausgesprochen hatte.
(Ein weiterer Beweis fĂŒr meine Theorie der Rangfolge in Seinen uns stets fremdgebliebenen Gedanken.) Doch niemals sah oder fĂŒhlte Er sich als Gefangener. Er hĂ€tte jederzeit gehen können, und ich bin mir sicher, hĂ€tte Er es gewollt, Er hĂ€tte es noch im selben Augenblick getan. Jedenfalls erreichte meine Schwester, daß Er ihr nicht mehr diese beiden Worte entgegenschlug, die Er trotzdem noch dachte. Meine Schwester wußte das und ich möchte wetten, es hat sie schlaflose NĂ€chte gekostet.
Apropos schlaflose NĂ€chte ... hĂ€tte Er noch in der Scheune geschlafen, wĂ€re die Herrin vielleicht zum Hund gekommen. Aber in die Diele, wo nur eine Decke lag? Zu sich in ihr Zimmer konnnte sie Ihn auch nicht bitten. Abgesehen davon wie schwerlich er gefolgt wĂ€re, schlief auch noch unsere kleine Schwester in demselben Zimmer. (Ein Umstand, der Marian in den Zustand der Raserei versetzte.) In gewisser Weise war es amĂŒsant, sie in ihren Nöten zu sehen, die durchaus keine Gewissensnöte waren.
Ich bin bestimmt kein Lauscher, und ich weiß auch nicht warum, aber ich bin grundsĂ€tzlich bei allen wichtigeren Ereignissen als unbeteiligter Zuhörer dabei. Eines dieser Ereignisse war die Heimkehr des in letzter Zeit immer hĂ€ufiger betrunkenen Knechtes. Zu allem UnglĂŒck saß Er vor der HaustĂŒr, um, wie ich vermute, sich an die Dunkelheit zu gewöhnen. Dort blieb Er denn auch sitzen, als der Knecht, seinen Haß und seine Alkoholfahne vorausschickend, auf Ihn zutorkelte. Diesesmal waren sie beide allein. Keiner von beiden brauchte auf unsere Familie, unsere Gedanken und GefĂŒhle RĂŒcksicht zu nehmen. Der Knecht angetrunken, Er mit dem Blut des wilden Tieres in sich, waren sie sich ebenbĂŒrtig. Fauchend stellte Er sich in geduckter Haltung, die Hauswand im RĂŒcken, auf. Ich möchte schwören, gesehen zu haben wie Seine glĂŒhenden Augen Seine langen EckzĂ€hne in mattes Licht tauchten, die Ohren angelegt, die scharfen Krallen nach außen gebogen. Der Knecht nahm die typische Boxerhaltung ein. Ich wollte schreien, die FĂ€uste des Knechtes aufhalten, als Er schon in einem langgestreckten Sprung Seine Krallen in den Schultern des Feindes vergrub, Seinen Kopf immer wieder gegen den Seines Widersachers schlagend, bis dieser endlich taumelte. Sein zweiter Sprung landete mit beiden Beinen in der Magengrube des Knechtes. Es war bezeichnend fĂŒr dessen starke Konstitution wie schnell der sich wieder aufrichtete. Nur - Er war schon nicht mehr da. Die FĂ€uste prĂŒgelten ins Leere, er brĂŒllte nach Ihm, schrie Hundenamen und verfluchte Ihn, Er aber blieb ruhig im Baum hocken, dachte sich, ich weiß nicht was.
Das betrunkene Gegröle der Nacht reichte meinem Vater dann endgĂŒltig, der daraufhin den Knecht vor die TĂŒr setzte. Die anschließende Diskussion blieb mir zufĂ€llig ebenfalls nicht verborgen. Meine Mutter fragte damals meinen Vater, wen er jetzt als Knecht einstellen wolle, denn gute Arbeiter waren damals rar. Wahrscheinlich hatte mein Vater schon lange mit der Lösung, Ihn die zweitwichtigste Stelle des Hofes einnehmen zu lassen, geliebĂ€ugelt. Im Grunde genommen wĂŒrde sich nichts Ă€ndern. Meine Eltern erhofften ohnehin, Ihn eines Tages als Ehemann Ihrer Tochter und somit als Nachfolger fĂŒr den Hof begrĂŒĂŸen zu dĂŒrfen, da ich mich nie sonderlich von der Aussicht des Landwirtes beeindruckt gezeigt hatte. (Ich wollte eines Tages studieren.) Dementsprechend erhielt er ein eigenes Zimmer und anstelle des ĂŒblichen Lohnes ein gewisses Verzehrgeld und die Aussicht auf die Hand meiner Schwester. Ach, damals waren solche Gedanken noch statthaft. Überhaupt waren die Zeiten viel freier. Damals waren Knechte noch nicht Menschen zweiter Klasse, sondern Verstand und Fleiß gaben den Ausschlag. Heute mĂŒssen uns wieder andere Menschen mĂŒhsam einprĂ€gen, weshalb es keine zweitklassigen Menschen gibt, nie gegeben hat und nie geben wird. Ich habe nie verstanden, wie die Dummheit sich derart ausbreiten und festhalten konnte. Verstehen Sie es?
Die guten Zeiten sind jetzt so lange schon vergangen, manchmal jedoch glaube ich, ich bin gestern erst aus einem besseren Land abgereist. Oder waren die Zeiten gar nicht besser? Das Geschichtsbuch beantwortet die Frage eindeutig mit "Nein.", aber damals war ich 16, meine Schwester 17 Jahre alt und da war ein wunderbarer Mensch, den man gernhaben durfte, auch wenn Er nicht sprach, die Nacht fĂŒrchtete und unsere Möbel mit Angst betrachtet, bevor Marian sich Seiner annahm.
Was ich sagen will, ist, er hatte die Herzen meiner Eltern zweifellos nicht nur durch Seine Tatkraft, sondern auch durch Seine hervorragenden RechenkĂŒnste im Nu gewonnen.
Seine SprachfĂ€higkeiten betreffend bin ich nie das GefĂŒhl losgeworden, wir alle hĂ€tten in Ihm den verwunschenen Prinzen gesehen, welcher langsam sein wahres Gesicht enthĂŒllt, ohne den Restschleier des Geheimnisvollen zu lĂŒften, wodurch Er sich immer eine gewisse Publikumswirksamkeit sicherte, von der Er entweder gar nichts ahnte oder aber sie sehr geschickt zu inszenierten wußte.
Beides ist möglich. Ich wage nicht, eines von beiden auszuschließen. Wenn er jedoch alles nur inszeniert haben sollte, dann - war Er perfekt. Mein Vater gab Ihm das Zimmer und das Verzehrgeld, obwohl er befĂŒrchtete, Ihn dadurch zu beleidigen, schien Er doch nur meiner Schwester Marian wegen dazubleiben. Ein zukĂŒnftiger Schwiegersohn ist schließlich ein Mitbesitzer, nicht ein Helfer des Hofes. Marian jedoch bestand auf der Lohnforderung, woraufhin mein Vater sehr schnell nachgab. Allein - Er nahm die runden MetallplĂ€ttchen zwar lĂ€chelnd entgegen, ohne aber zu ahnen, welchen Nutzen diese seltsamen Scheibchen erfĂŒllen könnten.
Er begriff sehr wohl, diese runden Metallscheiben mußten irgendeinen Sinn haben, nur welchen war Ihm eben nicht klar, weshalb Er Sie meiner Schwester Marian schenkte, die Ihm dafĂŒr freudestrahlend um den Hals fiel. Diese Art der Liebkosung schĂ€tzte Er besonders, wie sie sehr wohl wußte. Doch mochte Er es nur, wenn Er auch verstand warum, auch dieses wußte sie. (Meine Schwester war natĂŒrlich sehr schnell dahintergekommen, jemand dem die Sprache fern war, konnte auch den Gebrauch des Geldes kaum kennen, woraus sie schloß, sie dĂŒrfe keine Gelegenheit, Ihm um dem Hals zu fallen, ungenutzt verstreichen lassen, um sich ein wenig Befriedigung zu verschaffen und Ihm eine Freude zu machen.)
Das Geld notierte sie genau, fest entschlossen, es Ihm zu geben, sobald Er den Begriff desselben verstanden hĂ€tte. Fast wie ein Eichhörnchen, welches sich VorrĂ€te zulegt, vergrĂ€bt und bei Bedarf wieder hervorholt. (Wieder danke ich dem Zufall fĂŒr das rechtzeitige HinfĂŒhren an den rechten Ort, da die GeldĂŒbergabe nur heimlich erfolgte, vermutlich weil Er nicht wollte, daß mein Vater davon erfuhr, wie sorglos Er mit seinen Geschenken umging.)
Dabei fĂ€llt mir ein: Wissen Sie eigentlich, wieviel so ein StĂŒckchen Gold, oder was auch immer Sie als Zahlungsmittel verwenden, wert ist? Es ist wirklich nur soviel wert wie jemand anderes, die GĂŒter, die sie brauchen oder haben wollen, ihnen zu geben bereit ist. Nicht mehr und nicht weniger. Was nun Ihn betraf, war Er dafĂŒr nichts zu geben bereit. Es war nicht Seine WĂ€hrung.
Kurzum, da er nun auch ĂŒber ein eigenes Zimmer vefĂŒgte, hatte meine Schwester endlich die Möglichkeit diese und jene Nacht bei Ihm zu verbringen. Allerdings schlief Er nach wie vor auf einer Decke vor dem Bett wie Marian mir einmal unter dem Siegel der Verschwiegenheit anvertraute. Unter besagtem Siegel deshalb, weil sie nicht wollte, daß irgendjemand von Seiner immer noch wĂ€hrenden Ablehnung der Zivilisation erfuhr. (Und außer meiner kleinen Schwester hat es auch nie jemand von mir erfahren.)
Und eines Tages geschah es. WĂ€hrend Er auf dem Feld war, ließ sie Sein sonst so behĂŒtetes Mathematikbuch im Ofen verschwinden.
Sie tat es vor meinen erstaunten Augen; als ich Sie fragte warum, lĂ€chelte sie, ließ mich jedoch versprechen, es niemandem zu erzĂ€hlen.
Allerdings bereitete es Ihm auch ohne meine Hilfe keine MĂŒhe zu erraten, wer es "gestohlen" haben mußte, trotzdem machte es Ihm nicht mehr sehr viel aus. Das Mathebuch hatte Ihm nichts mehr geben können, es war schon lange in jeder Einzelheit in Seinem Kopf festgehalten, und Er hatte Marian und die BĂŒcher, die mit Buchstaben statt mit Zahlen gefĂŒllt waren.
Seine Sprachkenntnisse sollen weiterhin große Fortschritte gemacht haben, sofern grĂ¶ĂŸere Fortschritte noch möglich waren. Er lernte sehr schnell; und doch, alles Lernen kann nichts helfen bei den abstrakten Begriffen, die man einfach durch den Gebrauch kennenlernt. Sie wußte das. Er nicht, weil Er nie eine Sprache besessen hatte und nicht verstand, wie irgendein Begriff außerhalb des Vermögens des Darstellens durch die HĂ€nde liegen konnte. Doch liebte sie Ihn und das reichte ihr.
Einmal fragte ich sie, wie sie es denn mit Ihm anstellen wolle, wo er doch garantiert nie aufgeklĂ€rt worden sei, und selbst wenn Er die Situation von den Tieren auf sich ĂŒbertragen hĂ€tte, trotzdem gewisse, eigentlich doch sehr entscheidende Feinheiten, völlig außer Acht lassen mĂŒsse.
NatĂŒrlich wußte sie auch diesesmal wie recht ich hatte, wahrscheinlich aber hoffte sie, Ihn StĂŒck fĂŒr StĂŒck verĂ€ndern zu können, so wie sie Ihn auch die Sprache gelehrt hatte, obwohl Er selbst ihr gegenĂŒber nie mehr als einzelne Vokabeln laut werden ließ. Doch liebte sie Ihn und das reichte ihr.
Die Zeit raste unaufhaltsam weiter und entgegen jeder Logik schien Er auch die abstrakteren Begriffe zu erlernen, eine Tatsache, die meiner Meinung nach nur meiner Schwester zu verdanken ist, die durch ihre unerschöpfliche Geduld und teilweise bĂŒhnenreife SchauspielstĂŒckchen Ihm jeden Begriff zu erklĂ€ren vermochte. So hatte sie Ihn inzwischen sogar schon soweit gebracht, mit uns an einem Tisch zu sitzen, nachdem Er endlich Seine Scheu vor MöbelstĂŒcken ĂŒberwunden hatte.
Wie weit sie auf dem Gebiet des Geschlechtsverkehrs war, weiß ich nicht. Ich habe sie auch nie gefragt. Ich brauchte nur auf den Zufall zu warten.
Mittlerweile verstand er schon jedes Wort von uns, und ich wette, selbst seinen nimmermĂŒden Humor, den Er jetzt nicht mehr nur mit den HĂ€nden, sondern obendrein noch mit dem ganzen Körper und der Mimik erweitert hatte, hatte er ebenso meiner Schwester Marian, die Ihm nie zu weit von der Seite wich, zu verdanken. Manchmal jedoch spĂŒrte Er immer noch, trotz aller stĂ€ndig fortschreitenden Zivilisation einfach das BedĂŒrfnis gestreichelt zu werden. Dann zupfte Er an ihrer Kleidung oder stupste sie an irgendeinem unbedeckten Körperteil, meistens der Hand, gelegentlich auch ihrem Gesicht an. So sind auch Seine KĂŒsse, die Er irgendwann einmal gesehen haben mußte, nichts weiter als eine dankbare oder freundliche Geste gewesen, so wie manchmal ein Hund die Hand des Herrn leckt, ohne irgendeinen ersichtlichen Grund.
Er hat mich ĂŒbrigens öfter an einen Hund erinnert: So z.B., wenn wir einen unserer seltenen SpaziergĂ€nge unternahmen, lief er, sprang Er, nicht auf dem Weg, vielmehr meist daneben herum. Meine Schwester pfiff Ihn immer nach einiger Zeit zurĂŒck, wobei pfeifen vielleicht nicht ganz der richtige Ausdruck ist. Sie rief Ihm nur ihr: "Komm zu mir!" oder etwas Ă€hnliches zu, worauf Er folgsam zurĂŒckkehrte, allerdings immer ohne die Ihm dargebotene Hand zu ergreifen. NatĂŒrlich beleidigte dieses meine Schwester zutiefst, bevor sie begriff, daß Er nicht einmal im Entferntesten daran denken mochte, die Hand, die die Seinige ĂŒber die noch leeren Papierseiten gefĂŒhrt hatte, ergreifen zu dĂŒrfen, auch wenn Er von ihr gestreichelt werden wollte. Vielleicht empfand Er es als ein "an die Leine legen". Wer will das wissen?
Wenn dem aber so gewesen sein sollte, dann wurde Er an die Leine gelegt. SelbstverstÀndlich von seiten meiner Schwester, da sie nicht warten konnte und wollte, bis Er es von sich aus tat.
Wo ich gerade von Geschlechtsverkehr gesprochen habe ... den habe ich zwar nie erlebt, ich meine gesehen, dafĂŒr aber kann ich vielleicht etwas anderes anbieten:
Obwohl nĂ€mlich der See direkt vor unserer HaustĂŒr lag, steckte Er morgens nur den Kopf hinein. Baden tat Er natĂŒrlich auch, nur eben viel zu selten fĂŒr Marians Geschmack, also schleppte sie Ihn eines Morgens zum See, zog Ihn aus und steckte Ihn in Ihrer rigorosen, keinen Widerspruch duldenden Art ins eiskalte Wasser. Ein sehenswertes Bild, wirklich!
Er, frierend und völlig nackt, meine Schwester aber, gut gekleidet, im bodenlangen schwarzen Rock, mit geblĂŒmter blauer Bluse und Schleife im Haar. Viele Jahre spĂ€ter habe ich mir dieses Bild von einer Malerin anfertigen lassen. Heute hĂ€ngt es in meinem Arbeitszimmer und ist mein ganzer Stolz.
Ich werde nie diese Szene vergessen, als sie Seine Kleidung begutachtete, fĂŒr unschicklich befand und mir zurief, ich solle den blauen Anzug bringen. Der blaue Anzug war der, der mir zu groß war, weshalb ich ihn auch nicht mochte und mich beeilte ihn herbeizuschaffen, auch damit meine Schwester Ihn endlich aus dem Wasser entließ. (Wenigstens mir nötigte es gewaltige Achtung ab, wie man bei dieser Temperatur im Wasser bleiben konnte.) Meine Schwester schien es völlig kalt zu lassen, ob Er fror oder nicht. (Glaubte ich zumindest.) Doch machte Er ja auch keine Anstalten, aus dem Wasser herauskommen zu wollen. Marian hatte Ihm gesagt, Er hĂ€tte im Wasser zu bleiben, also blieb Er im Wasser, da gab es nichts zu argumentieren.
Wie wĂŒtend aber wurde sie, als sie sah, daß ich nur den Anzug, jedoch weder an Hemd noch StrĂŒmpfe oder Schuhe gedacht hatte; tobend vor Zorn schrie sie mich an, gefĂ€lligst noch einmal ins Haus zu laufen, um die restlichen Dinge zu holen. Zu lange sollte Er nun auch wieder nicht im Wasser bleiben. Was sollte Marian schließlich mit einem Mann mit LungenentzĂŒndung anfangen?
Als ich endlich zurĂŒckkam mit der restlichen Kleidung und zwei HandtĂŒchern bewaffnet, stand Er in all seiner Herrlichkeit auch schon wieder an Land vor Marian, die mir sofort die TĂŒcher aus den HĂ€nden riß, um mich gleich darauf mit strafenden Blicken wegzuschicken.
Eine letzte Betrachtung, ein letztes Umdrehen erlaubte ich mir, was mir zu meinem damaligen, nicht geringen Entsetzen offenbarte, sie trocknete nicht nur Seinen ganzen Körper -nein- auch seine empfindlichsten Teile auf das behutsamste. Zugegeben, wir waren damals weit schamloser oder natĂŒrlicher als die heutige Gesellschaft es sein will, trotzdem grenzte dieses schon an den Gipfel der Hemmungslosigkeit.
VerschĂ€mt und entsetzt wollte ich sofort meiner Mutter berichten, doch hatte ich noch gar nicht geendet, da hatte sie mir auch schon eine schallende Ohrfeige verpaßt, mit dem knappen Kommentar, ich sollte mich da gefĂ€lligst heraushalten! Heute ist mir die NervositĂ€t meiner Mutter natĂŒrlich klar, Er war ja schon seit langem als Ehemann meiner Schwester anerkannt gewesen, ob mit oder ohne Sein Wissen, kann ich nicht sagen.
Den Anzug mußte Er ĂŒbrigens deshalb in Sein Bekleidungsprogramm aufnehmen, weil Er sie bei einem Besuch von Freunden begleiten sollte. Wie es Ihm dort ergangen ist, weiß ich leider nicht, nur eines weiß ich, Marian war hoffnungsvoller denn je, als sie beide spĂ€tabends zurĂŒckkamen.
Sagte ich vorhin noch, Sein LĂ€cheln hĂ€tte meine Schwester zu Seiner treuen Sklavin machen können, so mußte ich spĂ€ter dieses Urteil revidieren.
Denn nun machten die Augen meiner Schwester Ihn zu ihrem treuen, ich weiß nicht, ob Sklave das richtige Wort ist. Können Wesen wie Er ĂŒberhaupt Sklaven sein? Zumindest versuchte meine Schwester Ihn auf die richtigen VerhĂ€ltnisse, unsere VerhĂ€ltnisse, zurechtzustutzen. So fanden z.B. Seine langen Haare keinen Platz mehr im Schönheitsideal meiner Schwester. Zu meinem Erstaunen wehrte Er sich nicht. Damals glaubte ich, Er wolle meine Schwester nicht verĂ€rgern, abgesehen davon wie sehr Er ihre BerĂŒhrungen schĂ€tzte; heute meine ich, dieser Haarschnitt war fĂŒr Ihn so etwas wie eine Ordensverleihung. Er war denen, die er so hoch achtete, ein StĂŒckchen nĂ€her gekommen. Nie hĂ€tte Er selbst gewagt, sein Haar so weit zurechtzustutzen, doch nun hatte Marian, die Höchststehende der gesamten Ihm bekannten Menschheit diesen Orden verliehen. Auch Sein Selbstbewußtsein wurde dadurch gehoben, obwohl Marian Ihm noch lĂ€ngere Haare ließ, als damals allgemein ĂŒblich war. Dadurch wirkte Er, was wohl durchaus in der Absicht meiner Schwester lag, ein wenig - anders. Einige Zeit nach dem Haarschnitt beschloß Marian, Seine spitz zugeschliffenen NĂ€gel bedĂŒrften ebenso einer Korrektur, dergestalt, daß eine ManikĂŒre ihr sehr angebracht zu sein schien. Eine Tatsache, womit ich mich so gar nicht abfinden mochte. "Findest du nicht auch, Er sieht jetzt aus wie ein SchoßhĂŒndchen?" Marian fand es nicht.
"Du solltest Ihm Seine Krallen lassen, vielleicht braucht Er sie noch einmal." Unendlich langsam wandte Sie mir Ihr hĂŒbsches Gesicht zu. "Es wird auch noch fĂŒr einen zweiten Knecht reichen." Sie wandte sich wieder ab.
Noch wochenlang erzĂ€hlte mein Vater lachend bis ihm die Luft wegblieb, ich hĂ€tte in jenem Augenblick ausgesehen wie ein erstickender Karpfen mit Nackenschlag. Mein Kiefer soll tatsĂ€chlich direkt auf dem Brustbein gelegen haben. Meine Frage blieb jedoch unbeachtet: Hatte Marian Ihn absichtlich vor die HaustĂŒr gesetzt, um diesen Kampf ein fĂŒr allemal zu beenden? Mit dem Risiko des Todes von einem der beiden, womöglich Er es hĂ€tte sein können? War Ihr Glaube an Ihn so fest, daß Sie ĂŒberzeugt sagen konnte, Er wĂŒrde weder erschlagen werden, noch selbst erschlagen? Ich habe es bis heute nicht erfahren können, Marian selbst zeigt mir Ihr wunderhĂŒbsches LĂ€cheln und schweigt. Und doch - trotzdem Er kurze Haare und beschnittene FingernĂ€gel mit gebĂŒhrendem Selbstbewußtsein trug, war es vielleicht doch nur eine schöne Verkleidung fĂŒr Ihn. Ein hĂŒbscher Anzug den man trĂ€gt, mit dem man Achtung einfĂ€ngt, den man aber doch bei jeder Gelegenheit wieder fallen lassen kann. Seltsam, wieviel nur lĂ€ngere Haare und Seine oft kuriose Kleiderwahl ausmachen können. (Wir hatten Ihm eine Kleidertruhe mit allen möglichen KleidungsstĂŒcken zur VerfĂŒgung gestellt, die mir in ihrer Auswahl ein Querschnitt der letzten beiden Jahrhunderte zu sein schien.)
Er wirkte auf mich, wie das was Er war. Ein schönes, feuriges Pferd mit eigenem Stolz, welches einem manchmal erlaubte, es reiten zu dĂŒrfen und doch selbst die Richtung bestimmte. WĂ€re Er nicht meiner Schwester so hörig gewesen, hĂ€tte man Ihn fĂŒr irgendeine BerĂŒhmtheit inkognito gehalten, so aber war Er eine verliebte BerĂŒhmtheit inkognito. Schnell, immer schneller gerieten die UmstĂ€nde Seines Kommens in Vergessenheit, wichen unserem schönem, großen, wunderbaren Bild eines erlauchten Herrn, der es vorlĂ€ufig vorzog, nicht mit jenen in Konversation zu treten, die Seine menschliche Umgebung bildeten.
Er war arm unter die Leute gegangen, um ein liebendes MÀdchen und nur ein solches zu finden, alles andere blieb nebensÀchlich. Welche Noblesse, welcher Adel dahinterstand. Jeder von uns bewunderte Ihn auf Seine ganz persönliche Weise, denn Er war wir geworden, der lebende Superlativ unserer TrÀume, das war Er! Nie hat mich dieser Gedanke losgelassen, wann immer ich Ihn lachend bei der Arbeit oder versonnen, Bewunderung und Hochachtung im Blick neben meiner Schwester sah.
Hat Er nicht uns alle, einschließlich Marian, zum Narren gehalten? Eine Frage, die ich auch meiner Schwester stellte, die mir nur einen Blick Ihrer herrlichen Augen zur Antwort schenkte.
Zumindest eines aber war mir klar: Sie beide wurden trotz aller gemeinsamer Freuden nie von ihren Ängsten losgelassen. Bis heute habe ich den Eindruck nicht verlieren können, Er hĂ€tte immer gefĂŒrchtet, irgendwie Seinen Pflichten nicht genĂŒgend nachgekommen zu sein. Eine dieser Pflichten schien es zu sein, uns immer unterhalten zu mĂŒssen. Ich habe nie verstanden, warum, vielleicht wollte Er oder hat Er, bewußt oder unbewußt, uns allesamt als hirnlose Schwachköpfe entlarvt. Denn obgleich wir alle wußten, Seine Sprachkenntnisse hĂ€tten durchaus ausgereicht, um die Frage Seiner Herkunft zu beantworten, haben wir Ihn nie gefragt, vielleicht nicht einmal Marian.
Sie wiederum litt unter der stĂ€ndigen Furcht, Er könnte doch noch gehen, dorthin von woher Er gekommen war. Kannte Marian Seine Herkunft möglicherweise doch? Ich weiß es nicht. Ich habe sie nie gefragt. Ebensowenig wie meine Eltern in ihrer GroßzĂŒgigkeit mit der sie ĂŒber diese Möchte-gern-Ehe in ihrem Haus hinwegsahen, auch wenn sie sich berechtigte Hoffnungen machten, Er werde sie eines Tages auch heiraten. Selbst wenn Er nicht der verwunschene Prinz gewesen wĂ€re, woran niemand zu zweifeln wagte, konnte da noch etwas schiefgehen? Sein einziger Feind, der Knecht, war auch nicht mehr in unmittelbarer NĂ€he. Wo konnte es noch Schwierigkeiten geben?
Ich wußte es nicht, und doch war ich mir sicher, so elend sicher, irgendwo wĂŒrde der Schatten des bösartig grinsenden UnglĂŒcks lauern. Wie aber hĂ€tte ich Ihnen helfen sollen? Einfach hingehen und ihnen sagen, ich hĂ€tte eine dumpfe Ahnung? Das fehlte noch. Ich hatte solche Angst um die beiden, daß ich schlaflose NĂ€chte verbrachte, in denen ich das UnglĂŒck herbeisehnte, damit es nur endlich da wĂ€re, damit die Ungewißheit mich nicht lĂ€nger quĂ€len konnte.
Lange Zeit aber wollte nichts geschehen. Zaghaft wiegte ich sie schon in Sicherheit, bis endlich ein naher Verwandter von uns meinen Vater bat, seine Hochzeitsfeier in unserem Hause begehen zu dĂŒrfen, da sein eigenes zu wenig Möglichkeiten bot. Mein Vater willigte selbstverstĂ€ndlich sofort ein, und ich wußte der Tag war gekommen, auf den ich so lange gewartet hatte.
Vor allem anderen noch fĂŒrchtete ich den fĂŒr eine Hochzeit normalen Alkohol, denn obwohl ich Zweifel an der Echtheit Seiner Rolle hegte, spielte Er sie doch so perfekt, das heißt, unbeholfen, daß ich zuletzt nicht anders konnte, als Ihm doch zu glauben. Grund genug meiner Schwester meine dringende Sorge vor dem Alkohol und Seiner Reaktion mitzuteilen. FĂŒr mich war klar, nachdem Marian Ihn schon dazu gebracht hatte, an dem Fest teilnehmen zu wollen, wĂŒrde Er auch den Alkohol genießen. Es wĂŒrde gar nicht ausbleiben können, Er mußte an diesem unbekannten Rausch beim ersten Mal Gefallen finden. Ebensosehr zweifelte ich an der Abwesenheit unseres ehemaligen Knechtes wĂ€hrend der Hochzeit, der bei eben diesem Verwandten untergekommen war. Es blieb die logische Schlußfolgerung, ein Streit und vielleicht mehr als dieses konnte nicht ausbleiben, wodurch die ganze Hochzeit gefĂ€hrdet worden wĂ€re. Gigantische Probleme tĂŒrmten sich vor uns auf, und ich hatte nicht die kleinste Idee, wie man sie hĂ€tte lösen können.
Doch wie energisch wurde meine Schwester, nachdem ich ihr alle meine BefĂŒrchtungen auseinandergesetzt hatte. Ohne zu zögern, ergriff sie die Flasche Schnaps, die mein Vater stets neben seiner Tabakspfeife als eiserne Reserve in seinem Zimmer versteckt hielt. Marians Theorie war ebenso einfach wie logisch. Sie wollte Ihn unbedingt an dem Fest teilhaben lassen, und sie wollte ihre Verlobung bekanntgeben, wovon er freilich zu diesem Zeitpunkt nichts wußte. Um ihn gegen den Alkohol gefeit zu machen, hatte sie beschlossen, Ihm soviel einzutrichtern, daß Er sich am nĂ€chsten Morgen hundeelend fĂŒhlen mußte, womit Ihm der weitere Alkoholdurst auch fĂŒrs erste vergangen sein sollte.
Denn schon meine Mutter hatte gelegentlich gesagt, trotzdem mein Vater nur sehr mĂ€ĂŸig trank, die einzige Rivalin gegen die eine Frau immer machtlos sei, wĂ€re der Rausch, gleich welcher, die Frau als Frau verliere nur oder stimme mit ein, was ersterem recht gleich kĂ€me.
Meine Schwester teilte diese Ansicht, weshalb sie vorbeugende Maßnahmen ergriff. Ich bedaure zutiefst, daß Sie diese Szene nicht ebenso wie ich durch einen dummen Zufall mitverfolgen konnten.
Da lag Er nun, wußte gar nicht wie Ihm geschah und sollte nun auch noch die Flasche bis auf den letzten Tropfen in sich versenken. Irgendwann endlich sank Er voll und die Flasche leer ins Heu. (Ich vergaß zu erwĂ€hnen, sie hatten sich in ErwĂ€gung fĂŒr die der Tat nachfolgenden Unannehmlichkeiten in die Scheune zurĂŒckgezogen.) Meine Schwester als treue GefĂ€hrtin schlief natĂŒrlich neben ihm, nichtsdestotrotz war Er am nĂ€chsten Morgen schon vor ihr auf den Beinen und entgegen unseren Erwartungen bei allerbester Laune.
(Meine Mutter soll schon am Abend zuvor dieselbe Idee gehabt haben. Sie ließ Ihn allerdings nur die halbe Flasche austrinken, fĂŒllte sie dann aber wieder nur mit Wasser auf, damit mein Vater nicht zu frĂŒh den gesunkenen Alkoholspiegel in seiner eisernen Reserve bemerke. Zwei Frauen, ein Gedanke.)
Wir verbrachten danach zwei gespannte Tage bis zur Hochzeit. Am Vorabend erst traute sich Marian Ihn zu fragen, wie Er denn zu der Verlobung stehen wĂŒrde. Leider habe ich diese Szene nicht mitverfolgen können, doch sah ich Marian weinend aus der Scheune gehen.
Obgleich mir der genaue Vorfall nicht schwer zu erraten schien und ich die beiden gern mochte, ging ich nicht zu Ihm. In meinen TrĂ€umen sah ich Ihn ĂŒber sie in schallendes GelĂ€chter ausbrechen, ihr klarmachend, wie viele andere MĂ€dchen es gebe, die noch auf Ihn warten wĂŒrden und meine Schwester im ĂŒbrigen nicht mehr als ein unbestelltes StĂŒck Land gewesen wĂ€re. Ich sah Ihn lachend Sein BĂŒndel schnĂŒren, als Er sich höhnisch bei ihr bedankte, bedauernd, daß es ein so unschönes Ende finden mußte, nur weil sie derart kindische Forderungen an Ihn stellte.
Doch wie verwirrt war ich, Ihn am nÀchsten Morgen, dem Morgen vor der Hochzeit, völlig irritiert dasitzen und offensichtlich mit einem Problem kÀmpfend vorzufinden.
Betont kĂŒhl fragte ich Ihn ĂŒber den vorherigen Abend aus, worauf Er mir folgenden Satz in den Boden schrieb:
"Wie kann ein Tier ein Buch heiraten?"
Das also war Sein Problem. Er achtete die Menschen als Quelle aller Weisheit, wußte sogar, daß Er selbst Sein Mathematikbuch ihnen zu verdanken hatte. Die Tiere aber hatten Ihm nur als Nahrung dienen oder einige Jagdtricks zeigen können. Er war irgendwo zwischen ihnen beiden, auf der Suche nach Seinesgleichen.

Ich wÀre gern geblieben
Ich mochte so viele Tiere
Ich mochte so viele Menschen
Ihr Blut löschte meinen Durst
Ihr Fleisch stillte meinen Hunger
Deshalb mag ich sie

Sie halfen meinen Durst zu löschen
Sie halfen meinen Hunger zu stillen
deshalb mag ich sie

Eine sagt mir, sie mag mich
Trotzdem sie Hunger und Durst hat
Weshalb mag sie mich dann?

WĂ€hrend ich noch ĂŒber den ersten Satz nachdachte, hatte Er schon diese Zeilen auf ein schmieriges Blatt Papier gekritzelt. Da erst wurde mir, angesichts der klaren Grammatik, bewußt, wie sehr ich ĂŒber Ihn und Seine genauen Sprachkenntnisse im Dunkeln gewesen war. Nachdem ich nun endlich mein Erstaunen ĂŒberwunden hatte, kam ich dazu, die Zeilen nĂ€her zu betrachten. Ich fragte Ihn, warum Er es in Gedichtform geschrieben hĂ€tte, doch gab Er mir keine Antwort. Es waren doch klare, verstĂ€ndliche SĂ€tze fĂŒr Ihn, weshalb nicht fĂŒr mich, warum stellte ich Ihm solche Fragen?
Marian verstand im Gegensatz zu mir den Satz und die Botschaft, noch bevor Sie sie gelesen hatte. Sie kannte Sein Problem: Wo endet die Achtung und wo beginnt die Liebe von und zu einem Menschen? Was ist Liebe ĂŒberhaupt? FĂŒr Ihn war das höchste GefĂŒhl die ehrfĂŒrchtige Bewunderung, was wollte sie mehr von Ihm, was war da, daß Er noch nicht kannte? In Seinem Vorstellungsvermögen war es, trotz ihrer mit Sicherheit zahlreichen Hinweise, gar nicht vorgesehen, er könnte gar einen genauso hohen Stellenwert haben wie sie. Sie blieb etwas ĂŒber Ihm, welchem Er sich unterwarf und doch fortlaufen konnte. Nur die Zuneigung konnte Er nicht mitnehmen, die mußte Er zurĂŒcklassen. Die Sprache konnte Er vereinnahmen, doch niemals die GefĂŒhle, die Er selbst so hoch zu schĂ€tzen gelernt hatte.
Marian ließ mich nach diesen unseren kurzen Überlegungen einfach stehen, um zu Ihm zu gehen, Ihm zum letzten Male etwas zu erklĂ€ren, aus der Sicht von einer, die höher stand, den einzigen Unterschied zwischen Mensch und Tier nach dem so unbestĂ€ndigen Denkvermögen, die GefĂŒhle. Sie gab Ihm das Buch, GefĂŒhl in Zeilen, tragbar an jeden Ort. Die GefĂŒhle, die Menschen zu allem befĂ€higen, die sie veranlaßt haben, Klöster zu bauen oder Kriege zu fĂŒhren, zu töten oder eben - zu lieben.
Die wunderbaren GefĂŒhle, die nie ein Tier gefĂŒhlt hat. Auch diesen so abstrakten Begriff soll Er am Nachmittag, als die Hochzeit begann, verstanden, fĂŒr immer unverrĂŒckbar Seinem Wesen zugefĂŒgt haben.
Der Alkohol, der auf der Hochzeit so reichlich berauschte, auf Ihn mußte Er verzichten, Marian hatte Ihn darum gebeten. (Sie sagte mir, nachdem Er die Sprache endgĂŒltig begriffen, sich einverleibt hatte, hĂ€tten sie sich nur noch selten ein Wort zu sagen gebraucht. Der andere habe es schon verstanden, bevor es ausgesprochen war.)
Wir hatten noch das Problem, Ihm fĂŒr die AnkĂŒndigung der Verlobung einen Namen zu geben, doch hatte Er selbst sich schon einen ausgesucht. Nicht zu fremdartig, aber doch wohlklingend. Auf der Hochzeit dann endlich geschah dieses fĂŒr uns alle Unfaßbare: Er sprach. Das Erstaunen der GĂ€ste war schier grenzenlos, war Er doch inzwischen zu einer kleinen BerĂŒhmtheit geworden, vielleicht, ohne es zu wissen. In einem kleinen Dorf wie unserem spricht es sich schnell herum, wenn ein Fremder da ist. Wenn er dann auch noch als völlig Mittelloser, Stummer und die Sprache in keinster Weise Beherrschender bleibt, bald darauf sogar die Stelle des zweitwichtigsten Mannes auf dem Hof ĂŒbernimmt, ist das eine Sensation.
NatĂŒrlich schwirrten die seltsamsten GerĂŒchte aller Art durch das Dorf. Keiner jedoch, der nicht in Ihm den verwunschenen Prinzen sah, der langsam, wenn auch nicht vollstĂ€ndig den Schleier, der Ihn umgab, lĂŒftete. Seine schier unerschöpflichen EinfĂ€lle, die Er nicht nur mit den HĂ€nden und dem Körper, sondern auch mit der Sprache erweiterte, unterhielten die Gesellschaft auf das Beste, nur zwei, die nicht lachen, applaudieren, nach Zugaben schreien mochten. Marian war vielleicht nur zu glĂŒcklich, um sich mitfreuen zu können, oder hatte sie Angst, Er werde jetzt, da Er so perfekt war, sogar das Wesen der GefĂŒhle begriffen hatte, sie jetzt in eben diesem Augenblick verlassen, in dem Er Seinen absoluten Höhepunkt erreicht hatte? Ich konnte in diesem Augenblick ihr Gesicht nicht sehen, auch war ich viel zu sehr mit der Frage beschĂ€ftigt, ob Er nicht uns alle vor uns selbst zu geistlosen Idioten degradierte, um zu wissen, wie es mit Marians GefĂŒhlen stand. Gelacht aber hat sie nicht, die silbernen Glocken ihrer Stimme wĂŒrde ich unter tausenden wiedererkennen. Hat auch sie das GefĂŒhl des gleichzeitig sich auf der BĂŒhne zum Narren zu Machenden und im Publikum blöde zu Lachenden gehabt?
Und Er sprach, sprach und sprach.
Als die Verlobung bekannt gegeben wurde, gab es niemanden, der nicht beifĂ€llig genickt hĂ€tte, abgesehen natĂŒrlich von unserem ehemaligen Knecht. Bei Beginn des Tages mußten meine Schwester und Er verschwunden sein. In mir regte sich die Ahnung, der Zufall wollte mir vielleicht etwas vorenthalten. Als ich auch den Knecht nicht fand, wußte ich endlich, dieses war der Moment all meiner Ahnungen.
Ich hastete den Weg zum See hinunter, fand das Geschehen jedoch schon dem Ende nahe vor. Und trotzdem war Es noch ein fantastisches Schauspiel. Meine (wirklich hĂŒbsche) Schwester lag bewußtlos auf dem hellen das Mondlicht reflektierenden Sand, Ihre schwarzen Haare ihr Haupt ringförmig umkreisend, wĂ€hrend Er noch wölfisch Seinem Peiniger die Kehle zerriß, daß die Erde in kleinen Rinnsalen sein Blut weitertransportieren mußte.
Nur allzu gut erriet ich das Geschehen. Der Knecht hatte den schwersten Fehler begangen, den Er hÀtte begehen können - er griff nicht Ihn, sondern sie an, sie aber war und blieb eine Heilige, auch wenn sie beide verlobt waren.
Er konnte ja kaum den Begriff der Verlobung erklĂ€ren, war nicht mit unserer Welt aufgewachsen, hatte nicht unsere Moralvorstellungen, doch sie war die Quelle der Weisheit, sie hatte Ihn gelehrt, Seinen Gedanken Ausdruck zu geben, hatte Ihm gesagt, sie liebe Ihn. Ohne Eile erhob Er sich von der Brust des Knechtes, wusch das Blut ab, weckte Marian, Seine Verlobte, alles ohne von mir Notiz zu nehmen. Erst als Er Marian den Weg hinauftrug, rief ich Ihm nach, ein Wolf mĂŒsse den Knecht angefallen haben, so etwas komme in NĂ€chten wie diesen vor. Seine Stimme und ihr Echo, sie trugen mir zu, es sei in der Tat ein Wolf gewesen, doch nun sei er fort.
Wenn ich nicht irre, hat Er in diesem Moment meine Schwester gekĂŒsst, sie muß also schon wach gewesen sein, denn niemals wĂŒrde Er etwas getan haben ohne ihr Wissen oder gar gegen ihren Willen. Wenn ich Ihm noch so lange nachblickte, dann deshalb, weil Er der grĂ¶ĂŸte Mann war, den ich je gesehen hatte.
Die Stimmen derer, die auch dem kleineren Bruder jederzeit die Hand reichen, gehörten ihm schon immer, die der dumpfen, trĂ€gen Masse hatte Er gewonnen, die Dummheit war fĂŒr den Augenblick verdrĂ€ngt und Er hatte das Wohlwollen der Regierung.
Konnte da noch etwas schiefgehen? Ich wollte Ihn fragen, ob Er die Wahl annehme. Noch heute trĂ€ume ich davon, vor Ihm niederzuknien, Ihn zu bitten, die Wahl der Macht ĂŒber uns anzunehmen, so wie ich es in jener Nacht tat, als Er vor mir den HĂŒgel hinaufschritt.

Epilog

Am nĂ€chsten Morgen war Er verschwunden. Die Leiche des Knechtes wurde natĂŒrlich wenig spĂ€ter gefunden, dank meiner Zeugenaussage aber konnte der Fall glĂŒcklicherweise schnell aufgeklĂ€rt werden. Ich ging nicht zu seinem BegrĂ€bnis.
Marian fragte mich am Morgen nach der Hochzeit, ob ich an Seine baldige RĂŒckkehr glaube. Ich erwiderte lachend, Hunde und MĂ€nner wĂŒrden manchmal ein wenig Auslauf brauchen. Nur Seine Bemerkung Er glaube nicht an die RĂŒckkehr des Wolfes, ließ meine Worte ein wenig fade schmecken. Vielleicht hatte Er auch nur gemeint, Er hĂ€tte jetzt endlich den letzten Schritt vom Tier zum Menschen gemacht. War die EnttĂ€uschung zu groß, um noch lĂ€nger bei uns, mit uns leben zu können?
Oder wir machten uns völlig umsonst Sorgen. Nachher wĂŒrden wir ĂŒber unsere Dummheit lachen. Sicher war ich mir nicht. Meine Ahnungen hatten mich verlassen, zum ersten Mal. Auf den Tag genau ein Jahr war vergangen seit Seiner Ankunft.
Möglicherweise ging er dorthin zurĂŒck von woher Er gekommen war. Woher wissen wir, daß es da nicht eine andere Frau gibt, die auf Ihn wartet, Ihn stĂŒrmisch nach einjĂ€hriger Trennungszeit begrĂŒĂŸt? War alles nur Verstellung? War Er wirklich nicht fĂ€hig, den Unterschied zwischen Achtung und Liebe zu machen? Oder gab es fĂŒr Ihn nur das eine?
Was ich meiner Schwester niemals sagen werde, ist, jemand, der nie ein Wort, einen Begriff fĂŒr irgendwelche TĂ€tigkeiten gehabt hat, kann doch auch nicht mit einem Male unsere koordinierten Laute fĂŒr solche Dinge akzeptieren, oder? Man kann eine neue Sprache erlernen, aber doch nicht fĂŒr den Begriff "laufen", welches nur ein koordinierter Laut ist, diesen jetzt akzeptieren. Oder hatte Er sich schon eine eigene Sprache geformt, so wie wir als Kinder Geheimsprachen entwickelten, bis wir eine Fremdsprache kennenlernten und diese akzeptierten? Ein anderer Punkt, der mich immer verwundert hat, ist der der Kleidung. Woher kann Er von Kleidung gewußt haben? Wie ist Er zu der Kleidung gekommen, die Er bei Seiner Ankunft trug? Äffte Er uns nach? Das hieße, Er muß vorher schon unter Menschen gelebt haben, oder? Wo hat Er Seine Kinderjahre verbracht? Wer hatte Ihn das Jagen ohne Waffen gelehrt? Von wo hatte Er das Mathebuch? Hatte man es Ihm geschenkt? Hatte Er es gefunden? Das Mathebuch, Sein Glaubensbekenntnis, wurde von Seiner Madonna, Marian gefressen. Das Götzenbildnis der Madonna wurde von Ihm gefressen. Und Marian? Sie liebte Ihn.

Ich wÀre gern geblieben
Ich mochte viele Tiere
Ich mochte viele Menschen

Ihr Blut löschte meinen Durst
Ihr Fleisch stillte meinen Hunger
Deshalb mag ich sie
Sie halfen meinen Durst zu löschen
Sie halfen meinen Hunger zu stillen
Deshalb mag ich sie

Eine sagt mir, daß sie mich mag
Trotzdem hat sie Hunger und Durst
Weshalb mag sie mich dann?

Hatte Er die Frage beantwortet?
Mußte Er deshalb gehen?
War alles nur ein gigantisches Ein-Mann-Theater? War Er ein verwunschener Prinz?
Jubelschreie drangen an mein Ohr. Marian wollte Ihn dort auf dem HĂŒgel gesehen haben, auf dem Weg zu uns. Ich hielt meine Hand als Sonnenschirm auf der Stirn, trotzdem blendete sie viel zu sehr, als daß ich etwas hĂ€tte erkennen können.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Rainer
???
Registriert: Jul 2002

Werke: 0
Kommentare: 791
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Rainer eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

hallo jörg feierabend,

ich muß deine erzĂ€hlung erstmal verdauen, und noch einmal lesen - sie ist sehr phantastisch. irgendwie stören mich die vielen logischen brĂŒche (phantasie) in dem eigentlich wirklichen leben (realitĂ€t). entschuldige, aber momentan erscheint es mir wie ein destillat aus kaspar hauser, dem dschungelbuch, herbstmilch sowie trivialen und hochgeistigen psycho-bĂŒchern - aber es ist ein qualitativ hochwertiger brand, sonst hĂ€tte ich ihn auf grund seiner enormen lĂ€nge sicher nicht bis zum ende gelesen.
(außerdem glaube ich, daß er wiederkommt, auch wenn du deinem leser diesen glauben nehmen willst)
ich melde mich dann nochmal, wenn sich der text ein bißchen "gesetzt" hat.

gruß

rainer

Bearbeiten/Löschen    


Joerg Feierabend
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Nov 2002

Werke: 8
Kommentare: 7
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
Es verneigt sich ...

quote:
UrsprĂŒnglich veröffentlicht von Rainer
hallo jörg feierabend,

ich muß deine erzĂ€hlung erstmal verdauen, und noch einmal lesen - sie ist sehr phantastisch. irgendwie stören mich die vielen logischen brĂŒche (phantasie) in dem eigentlich wirklichen leben (realitĂ€t).

Dabei ist sie eigentlich nicht einmal wirklich doppelbödig. Es ist eine einfache Geschichte, wie sie uns allen jeden Tag passiert. In gewisser Weise zumindest.


entschuldige, aber momentan erscheint es mir wie ein destillat aus kaspar hauser, dem dschungelbuch, herbstmilch sowie trivialen und hochgeistigen psycho-bĂŒchern - aber es ist ein qualitativ hochwertiger brand, sonst hĂ€tte ich ihn auf grund seiner enormen lĂ€nge sicher nicht bis zum ende gelesen.

Das wÀrmt mich auf.
Von innen. :-)


(außerdem glaube ich, daß er wiederkommt, auch wenn du deinem leser diesen glauben nehmen willst)
ich melde mich dann nochmal, wenn sich der text ein bißchen "gesetzt" hat.

Ich denke, der ErzĂ€hler will glauben, daß er das damals schon gedacht hat. Aber entweder ist er nie wiedergekommen oder der ErzĂ€hler hat keinen Kontakt mehr. Er erinnert sich nur an diese eine Episode, aber verrĂ€t uns nicht, was zwischen damals und dem Zeitpunkt seiner unkitischen NacherzĂ€hlung geworden ist. Vielleicht hat er einen guten Grund dafĂŒr, vielleicht ist es auch nur, daß es danach nichts mehr in seinem Leben gegeben hat, was er wĂŒrde erzĂ€hlen wollen.
Wer weiss?

Winkewinke,

ein dankbarer Joerg


gruß

rainer

Bearbeiten/Löschen    


ZurĂŒck zu:  ErzĂ€hlungen Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.



Leselupe-Bücher





Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!