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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Worpswede erwacht
Eingestellt am 28. 09. 2009 09:44


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Pnirff
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2009

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Worpswede erwacht

Seit 7 Jahren wohne ich in Worpswede, Niedersachsen, an der sch├Ânen Hamme, nord├Âstlich von Bremen, einer K├╝nstlergemeinde mit Kurortcharakter. Durchzogen von alten Fachwerkh├Ąuschen und mittelalterlichen Geb├Ąuden und einer Kirche, der Zionskirche, die auf einer Erh├Âhung von mehreren Metern liegt. Die h├Âchste Erhebung in Worpswede ist der Weyerberg, der mit stolzen 54,4 Meter ├╝ber dem Wasserspiegel liegt und im Winter von den Einwohnern des Ortes als Schlittenbahn genutzt wird. Ein Tag an dem Weyerberg im Winter, mit Kindern, Schlitten und hei├čem Tee, ist wie eine Reise in die eigene Vergangenheit. Man ist in Sekunden wieder 12 Jahre alt und erfreut sich an dem Gefrorenen und kehrt abends mit kalten Gliedern und roten Wangen an den heimischen Ofen zur├╝ck, um gemeinsam aufzutauen und sich zu st├Ąrken. Dieser malerische Ort verspr├╝ht Urlaubsgef├╝hle und t├Ąglich werden hunderte Touristen aus Bremen und Umgebung angezogen, die die begehrten Kunstobjekte aus den zahlreichen Galerien im Kern der Gemeinde begutachten und auch stolz erwerben. Am Wochenende gleicht die Hauptstra├če und deren Nebenstra├čen einem Wochenmarkt und Menschen aus aller Welt gehen von Galerie zu Galerie, wechseln ohne zu schauen die Stra├čenseiten, gehen mit gesenktem Kopf oder vertieft in einem angeregtem Gespr├Ąch die Bergstra├če entlang, so dass Anwohner, die mit dem Auto unterwegs sind, diese Stra├čen meiden. Man kann an der Kleidung der Menschen sehen, dass dieser Besuch f├╝r sie etwas besonders sein muss, jeder hat sich fein angezogen, jeder m├Âchte sehen, aber auch gesehen werden. Ich pers├Ânlich fahre w├Ąhrend dieser Zeit absichtlich durch Worpswede, da ich das Treiben auf der Stra├če liebe und auch ein wenig stolz bin, dass so viele Menschen ihr Wochenende dort verbringen, wo ich wohne. So gleicht Worpswede jeden Tag einem Fest, mit vielen Besuchern, vielen Attraktionen und lebenden K├╝nstlern, die sich von Touristen erkl├Ąren lassen, was der Erschaffer des Werkes sich wohl bei der Erstellung des Kunstobjektes gedacht haben muss. Ab 18.00 Uhr allerdings, wenn die Gesch├Ąfte, Galerien und ├Âffentlichen Einrichtungen schlie├čen, ebnet sich das Treiben und die Menschenmenge verringert sich drastisch. Schilder werden auf ÔÇ×geschlossenÔÇť gedreht, Verk├Ąuferinnen treten ihren Nachhauseweg zu den nahe gelegenen D├Ârfern und St├Ądten an, M├╝ll wird entsorgt und die Stehtische vor den zahlreichen Gasth├Ąusern werden mit regenfesten Planen abgedeckt. Die Stra├čen, die aus Worpswede f├╝hren verstopfen und im Kern ist es still, mausestill. Erst nach einer l├Ąngeren Zeit wackelt hier und dort ein Vorhang, zaghaft werden T├╝ren ge├Âffnet und die ersten Worpsweder treten auf die Stra├če hinaus, z├Âgerlich und immer ├╝ber die Schulter blickend. Einige finden sich zu Gruppen und setzen sich langsam und leise an Tischen zusammen um den Abend gemeinsam zu genie├čen. ÔÇ×Sind se all weg?ÔÇť h├Âre ich jemanden fragen. ÔÇ×Nich all, ober gen├Âgend, um sik ruttosetten!ÔÇť einen anderen antworten. ÔÇ×Wann mokst du dienen Loden eegentlich woller open?ÔÇť fragt der eine und z├╝ndet sich gen├╝sslich eine alte Pfeife an. ÔÇ×Erst denn, wenn de Stroten no Bremen veriest und woller vull Snee sind!ÔÇť
Die Sonne verschwindet hinter dem Weyerberg und Worpswede ist wach und atmet.

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bluefin
Guest
Registriert: Not Yet

ich halte den text f├╝r eine satire-stoffsammlung. orte, wo man touristen mit "kunst" begl├╝ckt und abgreift, gibt's auch im s├╝den der republik dutzendweis. in bernried am w├╝rmsee etwa steht seit 2001 ein buchheim-museum (das die b├╝rger von feldafing nicht haben wollten) und in kochel habens grad erst (2006) ein marc-museum aufgemacht. in beiden orten w├Ąlzen sich seither die touris und lassen sich mit billigdrucken, wei├čw├╝rsten und lokaler "kunst" vollstopfen (in der hochsaison sehr beliebt sind die sog. "heimatabende" oder das "bauerntheater"). und erst der t├Âpfermarkt in die├čen am ammersee! da soll auch irgendwo eine kolonie sein, aber kaufen tut man topfblumen, flammkuchen, poster, windspiele, t-shirts und h├╝te, fischsemmeln, "schmuck" aus indien und massenware aus china. ein paar irdene kr├╝gerln heimischer provenienz gibt's auch, aber die sind den heuschrecken meistens zu teuer.

wahrscheinlich muss man ein "zugereister" sein wie du, lieber pnirff, um sich dem wahne hinzugebebn, ein kaff wie deins oder eins der hier aufgez├Ąhlten w├╝rde erst dann wach, wenn der wochenendrummel vorbei ist, und besch├Ąftigte sich dann in der hauptsache damit, sich ├╝ber den zustrom ebenjener masse aufzuhalten, die ihren laden schmiert.

ich darf dir versichern: das ist nicht der fall. hat der letzte tourist den ort verlassen, werden auch in worpswede die b├╝rgersteige hochgeklappt und die dorflichter ausgeschaltet. mag sein, dass in der "k├╝nstlerkolonie" (was immer man unter einer solchen heutzutage auch noch verstehen mag) der eine oder andere weltverbesserer erst des abends wach wird und zu voller form aufl├Ąuft: die buden-, kunstschuppen-, ansichtskartenh├Ąusel- und devotionalienkioskbetreiber h├Ąngen daheim in den seilen und trinken ihr bier oder ihren schnaps vor dem "tatort" oder vor "wetten, dass?"...*hupps*...

tipp: mach ein bisschen humor an deine scheinidylle - dann w├╝rz!

liebe gr├╝├če aus m├╝nchen

bluefin

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Wipfel
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Registriert: Feb 2008

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Hi Pnirff,

eine Erz├Ąhlung? Ist das nicht. N├Â. Eher eine Ortsbeschreibung aus dem Reiseteil einer Wochenzeitung. Da h├Ątte es ein "gern gelesen" von mir bekommen - und zugleich ein nachdenkliches: Was soll ich da?

Gr├╝├če von wipfel

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