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Leselupe.de > Erzählungen
Zeitlos
Eingestellt am 03. 08. 2005 14:01


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dakini
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jul 2005

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Die Zeit saß im Morgenrock an ihrem Schreibtisch und war gerade damit beschäftigt, sich dicke falsche Wimpern anzukleben.

Der Tod trat hinter sie, beugte sich zu ihr herunter und dr√ľckte ihr einen Ku√ü auf die Wange.
Igitt, sagte die Zeit, was hast du nur f√ľr ein ekelhaftes Rasierwasser, und verzog angewidert das Gesicht.
Es ist kein Rasierwasser, sagte der Tod und lächelte geheimnisvoll, es ist ein neues Parfum, Liebste....

Die Zeit sah ihn interessiert an.
Du hast heute √ľberhaupt so einen Humphrey-Bogart-Touch, sagte sie.
Der Tod fuhr sich mit einer gezierten Geste durchs brillantineglänzende Haar.
Ich bin eben flexibel, sagte er und pustete ein imaginäres Staubkorn von seinem Jackett.
Gefällt es dir? fragte er und drehte sich vor ihr langsam im Kreis.

In diesem Moment flog die T√ľr auf und der Augenblick st√ľrzte gehetzt ins Zimmer.

Habt ihr vielleicht zufällig die Ewigkeit gesehen? fragte er, erschöpft nach Atem ringend, und sah sich suchend im Zimmer um.

Nein, zum Gl√ľck nicht, sagte die Zeit. Sie konnte die Ewigkeit nicht ausstehen.
Der Augenblick wandte sich wortlos um und lie√ü die T√ľr laut knallend ins Schlo√ü fallen.

Die Zeit widmete sich wieder dem Spiegel.
Rella Tief war ja heute noch gar nicht da, sagte der Tod.
Sie hat doch eine Affäre mit irgendsoeinem Theo, erwiderte die Zeit, während sie sich die Haare kämmte, weißt du das nicht?

Mit welchem Theo, fragte der Tod verständnislos und probierte ein paar Dracula-Zähne vor dem Spiegel aus.
Theo Rieh, oder so, sagte die Zeit, mit dem hängt sie doch dauernd zusammen.

Da klingelte es st√ľrmisch an der Haust√ľr, und der Tod erhob sich, um zu √∂ffnen.
Na, da bist du ja, sagte er nur, während Rella Tief den Raum betrat.
Hi, darling, sagte sie zur Zeit und setzte sich auf ihren Schoß. Na, was macht Theo, fragte die Zeit und fing an, sich ihre Fingernägel zu lackieren.
Ach, sagte Rella und kicherte, ich habe ihn schon ganz schön durcheinandergebracht. Es ist köstlich!

Der Tod sa√ü auf einem kleinen Pl√ľschhocker und sah gelangweilt aus dem Fenster.

Bist du schon wieder eifers√ľchtig? fragte die Zeit und schob Rella von ihrem Scho√ü, um aufzustehen.
Sie ging zum Tod und umarmte ihn sanft.
Ich kann ohne dich einfach nicht leben, sagte der Tod und seufzte.
Ja, weiß ich, antwortete die Zeit, mir geht es so ähnlich....

Ach Kinder, sagte Rella, nun h√∂rt doch mal mit dem albernen Liebesges√§usel auf. Das geht einem auf die Nerven. Und au√üerdem koch ich jetzt Kaffee. H√∂rt ihr mir √ľberhaupt zu?
Als sie keine Antwort bekam, zuckte sie nur mit den Schultern und ging in die K√ľche.

Die beiden waren so ineinander versunken, daß sie nicht bemerkten, wie die Ewigkeit leise ins Zimmer huschte.
Ein L√§cheln flog √ľber ihr Gesicht.

Sie glich dem Augenblick wie ein Ei dem anderen.

Als sie die Wirklichkeit in die Möglichkeit verwandelte, löste der Raum sich plötzlich lautlos auf und verschwand im Nichts.

Die Ewigkeit stand unbeweglich da.

Sie lächelte noch immer.

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