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Zwergen-Opfer
(Kommentar zu einem Fernsehbeitrag am 15. 7. 2010)
Je höher der Sommer desto tiefer das Loch. So etwas kann einem schon mal durch den Kopf schießen, wenn man vor der Hitze vor den Fernseher flüchtet und vom ZDF beim Einschalten mit der Nachricht überrascht wird, dass in Kelkheim ein Gartenzwerg misshandelt wurde. Fred, so der Name des Bezüpfelmützten, bewacht in jenem Ort einen Kreisverkehr. Ob er deshalb geschlagen und dabei mächtig ramponiert wurde oder ob schlicht Zwergenhasser unterwegs waren, ist derzeit unklar – die Fahndung läuft noch.
Im Ernst: Es wird gefahndet. Immerhin ist Stadteigentum beschädigt worden. Ein Mahnmal wurde geschändet! Ein Mahnmal knapper Stadtkassen, denn eben jene Geldflaute hatte dazu geführt, dass die Stadt nach Errichtung des Kreisels dessen Innenraum nicht angemessen würdevoll hatte gestalten können. Vielleicht, so die Hoffnung der Stadtoberen, kann man ja irgendwann einen Künstler mit der Bestückung der Verkehrsinsel beauftragen. Schon schlimm, wenn eine Stadt kein Geld hat, Kunst für die Straße zu kaufen, und sich mit simpler Blümchenbepflanzung behelfen muss! Und damit niemand statt zu kreiseln einfach querbeet fährt, musste eben Wächter Fred her. Was für schlimme Zustände in Deutschland, also wirklich!
Aber beschweren wir uns nicht: Genausogut hätte das Nachrichten-Magazin eine Nachricht über Promi X, Fußballergattin Y oder Zoobewohner Z bringen können. Es ist halt Sommer und die großen Themen in Urlaub. Sogar das Ölleck im Golf von Mexiko kommt wohl nun erfolgreich unter die Haube. Immerhin kann man, wenn man will, Freds Martyrium als Anlass nehmen, über die Bedeutung von Kunst im Alltag und die Verantwortung von Dorf-, Stadt- oder anderen Obrigkeiten dafür nachzudenken. Aber wer will das schon bei diesen Temperaturen. Auch deshalb ist jener Beitrag geradezu perfekt fürs Sommerloch.
Der Zwerg, der bei dem Angriff seiner Laterne samt Arm, seiner Zipfelmütze und eines Teils seines Fußes beraubt worden war, Schaden an Rücken und Hüfte erlitt, konnte übrigens von den Stadtwerkern Kelkheims wieder hergerichtet werden und hat bereits seinen Wächterposten wieder eingenommen. Ein Happy End – wie schön!
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Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)
Version vom 15. 07. 2010 14:15
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