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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
aus meinen memoiren: tante rosa
Eingestellt am 31. 03. 2001 19:17


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flammarion
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Tante Rosa

Sie war Idas Schwester und die beiden waren viele Jahre lang verzankt, bis sie sich auf einer Beerdigung wieder vertrugen. Ich wei├č nicht mehr, wer da zu Grabe getragen wurde, ich wei├č nur noch, da├č eine freundliche, ├Ąu├čerst redselige kleine alte Dame uns mit einem Blumen-strau├č besuchen kam.
Ich fand ihre dicken ├ärmchen sehr niedlich mit der "Babyfalte" am Handgelenk. Sie ge-stikulierte beim Reden und hatte entschieden mehr Temperament als Ida. Auch hatte sie andere Auffassungen ├╝ber Kindererziehung und ├╝ber das Leben im Allgemeinen. Ich h├Ârte ihr gern zu, wenn sie sprach und sie lie├č auch mich zu Wort kommen.
Dann besuchten die Schwestern einander im Wechsel. Ida nahm mich mit, wenn sie zu ihrer Schwester ging. Das war f├╝r mich eine gesuchte Abwechslung. Bei Tante Rosa gab es stets Kaffee und Kuchen und ich wurde mit Kakao verw├Âhnt. Als der Tisch abger├Ąumt war, fragte Rosa mich: "Wat haste dir denn zum Schpieln mitjebracht?" Ich blickte erstaunt - was sollte ich mir wohl mitgebracht haben? Ida fauchte: "Du denkst doch woll nich, det ick mir mit Schpielkram for die J├Âre abschleppe!" Rosa antwortete: "Die kann doch woll ne Puppe ooch alleene traren!" Dann sagte sie: "Ick werd mal sehn, ob ick nich den Zeichnblock finde, den meine Enkel letztens hierjelassn haam." Ida sagte, da├č das nicht n├Âtig ist und das Papier und die Stifte viel zu schade sind, um von mir benutzt zu werden. Rosa erwiderte: "Die kommt doch bald in de Schule, da mu├č se vorher wissn, wie man mit Papier und Stifte umjeht!" und ich be-kam ein gro├čes Blatt Papier, auf dem ich herumkrakeln durfte. Ich fragte: "Wat soll ick denn maln, Tante Rosa?" Sie sagte: "F├Ąllt dir selba nischt ein? Na, denn male M├Ąnnekens." Bald wa-ren mir die Strichm├Ąnnchen zu bl├Âd und ich begann, eine Landschaft zu zeichnen, die ich als Titelbild auf einem der Acht-Groschen-Romane, die Ida so gern las, gesehen hatte. Da waren zwei H├╝gel mit einem Weg dazwischen, auf der einen Seite stand ein kleines Haus und auf der anderen Seite war ein W├Ąldchen. Rosa gefiel das Bild sehr und sie bewahrte es lange Zeit auf, wor├╝ber ich mich sehr wunderte. Ida w├Ąre es nie in den Sinn gekommen, eine Zeichnung von so einem bl├Âden G├Âr aufzubewahren!
Da ich das Bild zu perfektionieren suchte, wurde es der Rosa langweilig. An einem Sommertag schickte sie mich auf den Hof zum Spielen. Der Hof war riesig, beinahe park├Ąhnlich und geh├Ârte zu vielen H├Ąusern. Man mu├čte um den langen H├Ąuserblock herumgehen, um ihn zu erreichen. In der Mitte befand sich ein Spielplatz mit Buddelkasten, Wippe, Karussell und Klet-terger├╝st. Ich wollte am Kletterger├╝st turnen, da formierte sich eine Kindergruppe und die Anf├╝hrerin - sie war etwa doppelt so alt wie ich, die anderen Kinder ein wenig j├╝nger als sie - sagte zu mir: "Ej, runta da, det is unsa Klettajer├╝st! Du hast hier nischt zu suchn, hier d├╝rfn nur Kinda schpieln, die hier wohn!" Ich sagte, da├č ich bei meiner Tante zu Besuch bin und sie mich auf den Spielplatz schickte. Die Kinder wollten wis-sen, wie die Tante hei├čt und wo sie wohnt. Das konnte ich nicht genau beschrei-ben, ich wu├čte die Hausnummer nicht, nur, da├č sie im Parterre wohnt und Rosa B. hei├čt. Die Anf├╝hrerin wollte nicht glauben, da├č es einen solchen Namen ├╝ber-haupt gibt, bis ein anderes M├Ądchen sagte: "Rosa Luxemburg hats ooch jejehm!" Sie berieten kurz miteinander und die Anf├╝hrerin verk├╝ndete letztendlich: "Be-such is nich wohn. Also hau ab!" und ich mu├čte den Spielplatz verlassen. Noch Jahre sp├Ąter dachte ich: Wenn das Demokratie ist, dann kann ich darauf verzichten!
Einige Wochen sp├Ąter gingen wir wieder zu Tante Rosa. Vorher gab Ida mir eine Tasse s├╝├čes Wasser mit den Worten: ÔÇ×Komm, trink det janz aus, det is wat janz wat Feinet!ÔÇť Unterwegs wunderte ich mich, da├č mir so schwindlig war und ich oft stolperte. Nach dem Kaffee schickte Tante Rosa mich auf den Hof zum Spielen. Ich hatte Gl├╝ck: Die Rotte war nicht zuge-gen, ich konnte am Kletterger├╝st turnen. Ich probierte eine "Rolle" und st├╝rzte ab. Mit blutendem Kopf kehrte ich in Rosas Wohnung zur├╝ck. Heute ist mir klar, da├č Ida mir irgendetwas eingegeben hatte, damit ich nicht ÔÇô wie beim letzten Besuch ÔÇô irgendetwas ausplaudere.
Nachdem die Schwestern sich etwa ein Jahr lang gegenseitig besucht hat-ten, sagte Ida eines Tages zu Rosa: "Du brauchst nich mehr herzukomm und mir is der Weech zu dir ooch viel zu weit." Die Tage der netten Unterhaltungen wa-ren vorbei. Ich wei├č nicht, warum Ida sich abermals von ihrer Schwester lossagte, sie redete nicht mit mir dar├╝ber. Alle Mitbringsel von Rosa tilgte sie rasch. Kurze Zeit sp├Ąter sagte sie zu mir, da├č Rosa gestorben sei, weil ich fragte, wann wir sie wieder besuchen. Ich bedauerte lebhaft, da├č ich nicht zu ihrer Beerdigung mitgenommen worden war. Als zwei Jahre sp├Ąter mein Vater starb, war sie sehr stolz dar-auf, als Erstgeborene alle Geschwister ├╝berlebt zu haben. In Wahrheit lebte Rosa noch.


__________________
Old Icke

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Rainer Hei├č
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Hallo flammarion,

bisher hast du ja alle auftauchenden Fragen in deinen Schilderungen stets beantwortet. Bei dieser w├╝rde mich jetzt aber doch interessieren, was du h├Ąttest ausplaudern k├Ânnen. Zu indiskret? Bin halt neugierig...
Gr├╝├če, Rainer
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die Lage ist hoffnungslos aber nicht ernst

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Ralph Ronneberger
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Hallo Rainer,

nachdem ich die ersten zwei oder drei Kapitel aus flammarions Memoiren gelesen hatte, gab es auch bei mir noch tausend Fragen. Jetzt, wo ich alles, was sie bisher hier rein gestellt hat, durchgeschm├Âkert habe, sind es keine hundert mehr. ;-))
Es ist ein Puzzlespiel, aber ein am├╝santes, allerdings auch oft nachdenklich machendes. Viel Spa├č bei weiterer Lekt├╝re.

Gru├č Ralph
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Willi Corsten
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Hallo Flammarion

Danke für das Lob zu "Frauen bringen nur Ärger".
Deine "Tante Rosa" ist klasse.Werde demn├Ąchst weitere Sachen von Dir lesen.
Gru├č Willi Corsten

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Rainer Hei├č
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Hallo flammarion, hallo Ralph,

da bin ich ja tats├Ąchlich gespannt, die ersten Eindr├╝cke aus flammarions Memoiren haben mir auf jeden Fall Lust auf mehr gemacht. Und wo, Ralph, bist du zu finden? So auf`s erste fl├╝chtige Durchschauen habe ich nichts von dir gefunden...

Gr├╝├če, Rainer
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flammarion
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ja,

lieber rainer, da is mir auch nich helle. ich ahne bis zum heutigen tage nicht, was die alte verbergen wollte. ich glaube, sie wollte nur sicherstellen, da├č ich nicht so lebhaft bin wie es mein naturell ist.
vielen dank euch allen f├╝r die reaktionen. ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

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