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Leselupe.de > Erzählungen
der Vogel, das Herz
Eingestellt am 29. 10. 2008 13:59


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Anton Zamka
Festzeitungsschreiber
Registriert: Oct 2008

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Der Vogel, das Herz



Dalai Lama droht mit Rücktritt, las Jan, dachte, die Stadt, der Lärm, der Ekel. Er schritt, links die Tasche, zum Altonaer Bahnhof, – jetzt schon, dem dritten Tag – angewidert. Auch von China. Was für ein fressendes Volk, dachte er, was für ein Fressvolk. Ja, dachte er, im wahrsten Sinne. Setzen Staudämme, die Dörfer löschen, die Räume löschen – der Größe des Saarlandes vergleichbar, – mit Tigern und Bäumen. Ziehen wie Tauben nach Kanada, weil China zu klein wurde, um in Kanada alle Bäume abzusägen, hierauf alles zu versiegeln, Slums darauf zu errichten. Bald begännen Chinesen Elche zu schießen, danach Sojasauce. An der Universität, in den Genetikkursen, tummelten sich die Chinesen, erinnerte er sich. Sie waren akkurat, arbeiteten lange. Ich habe sie und ihren Egoismus gehasst, vom zweiten Moment an, dachte Jan. Einmal hatte er einer Kommilitonen sein Proteinbuch geliehen, es nie zurückbekommen. Er entstieg an den Landungsbrücken der S-Bahn, es war kalt, windig. In der Stadt ist Wind und Regen unerträglich. Gänzlich scheuselig und nicht zu ertragen. In der Stadt, dachte er, hasse ich Regen und hasse ich den Wind. Der Wind ist ein verbogener, er wird, dachte er, von den Häusern, namentlich den Hochhäusern, getunnelt, abgelenkt und somit verschärft und scharf gemacht. Zuhause zieht der Wind übers Wasser, nimmt Salz und Gischt auf, zieht über das Gras, nimmt Ameisenspucke und Schafsdung auf, wird zerfasert von Millionen Grasspitzen, gestreichelt von einer Birke, und ist er stark, – das Birkenblatt gibt nach und fliegt. Der Regen zuhause, dachte Jan, ist ein Guter. In Hamburg, das ist eine Tatsache, ist der Regen verderblich. Die Schiffe, die Ozeanriesen fahren mit Schweröl und ihr Ruß, ja, den absorbiert der Regen und beschmiert Hamburg und dessen Bewohner. Bei mir, zuhause – ist der Regen warm und schön. Er ist harmonisch, weil alles harmonisch ist. Die Pollen fliegen in der Luft ebenso wie organische Moleküle, die gesunden Schwefelverbindungen aus dem Schlick und so fort; das alles verbindet sich mit den Regentropfen und fällt weich auf die Haut und ja, was? Nicht mal eine Hautcreme brauche ich, dachte er. Der Regen zuhause ist angepasst an meine Haut, oder meine Haut angepasst an ihn. Egal wie rum, dachte Jan, es ist harmonisch. Städte sind Ameisenhaufen, schrieb Dostojewski angewidert, das wäre eine Schriftstellermetapher, dachte Jan, – und falsch. Er, Dostojewski, wäre Petersburger gewesen und konnte Ameisenhaufen kaum kennen. Ein Ameisenhaufen ist keine Stadt. Ein Ameisenhaufen ist ein Organismus, mit einem Triebzentrum, der Königin, – und, Millionen Blutstropfen, den Ameisen –, die willenlos ihre Arbeit machen – gut machen, tagtäglich und nicht wie die Städter und nicht wie die Chinesen durch die Gegend rennen, in Freudenhäuser rennen, nicht rum sitzen und Bier trinken. Ein Ameisenhaufen ist gut, dachte er, weil sich viele Vögel, zum Beispiel Spechte, aber auch Meisen – welche Meisen?, überlegte er, Kohlmeisen, Blaumeisen, nein, Blaumeisen nicht, Tannenmeisen sicherlich, schloss er, – setzen sich auf ihm nieder, breiten ihre Flügel aus und lassen sich mit Ameisensäure bespritzen, dem so genannten Hudern, dachte er, mit Methansäure, und schützen sich damit vor Läusen. Vogelfedern, dachte er, sind nicht dasselbe wie Menschenhaar. Verliert ein Vogel seine Federn, verliert er sein Leben. Ich habe Vollhaar, Jan betrachtete sich im Schaufenster, – lebe – aber nicht deshalb, lachte er, aber mein Vater, beinahe haarlos, lebt auch. Ameisensäure, überlegte er, ist Methansäure oder Ethansäure? Methan, Ethan, Propan, überlegte Jan, immer ein Kohlenstoffatom mehr. Es ist Methansäure, dachte er, ein zentrales Kohlenstoffatom, drei Wasserstoffatome angegliedert und die Säuregruppe.

Er erklomm die Treppen zur Hafenstrasse und schlug Richtung Stiftung Seefahrtsdank ein. In Sichtweite die ehemaligen umkämpften Häuser. Die besetzten Häuser, dachte er, zuhause, er hatte gelesen, erinnerte er sich, waren aus den Besetzern Besitzer geworden: Aus Besetzern wurden Besitzer, sagte er, wiederholte er: Aus Besetzern wurden Besitzer. Die Stadt hatte den Besetzern Mietverträge gegeben, komfortable, für diese Lage, dachte er, der besten Lage Hamburgs, wären horrende Mietpreise fällig, die Besetzer hatten aber die beste Lage zu Schleuderpreisen bekommen, nun sind sie Besitzer. Man sieht sie mit Kinderwagen spazieren, man sieht sie mit Laptoptaschen hinausgehen, in ihre Büros, wo sie die neuen Kreativen sind: Webseiten entwickeln, Musikstudios begleiten. Letztlich, wahrscheinlich, das wäre ihnen zuzutrauen, dachte Jan, würden sie für die Elbvertiefung votieren. Denn sie wollen weiterhin über den Milchschaum hinweg auf die Schiffe schauen, weiterhin von den, aus Nichthafenorten angereisten Gästemündern hören: “Die Aussicht – oh wie schön!“ Er dachte, Tausende hätten damals an den Barrikaden gekämpft, für die Hafenstrasse, für die besetzten Häuser, Tausende hätten Polizeiknüppel zu spüren bekommen, tausende Strafanzeigen wurden verschickt und mancher, das wird so sein, dachte er, nicht alle, aber einige, hatten ernsthafte juristische Folgen ausbaden müssen, obwohl sie nie in der Hafenstrasse gewohnt hatten und nie dort wohnen würden. Die, genau die, dachte er, wohnen jetzt in den Hochhäusern in Hamburgs Dreck, und deshalb dachte er, ist auch die Hafenstrasse ein schäbiger Ort. Noch schäbiger, dachte er, weil auf den Hafenrundfahrten, das könnte er nicht beschwören, dachte er, aber sicher wäre es so, es könne nicht anders sein, – die Kapitäne aus den Lautsprechern den Touristen erzählen und zeigen: „Sehen Sie meine Damen und Herren, da oben rechts die Hafenstrasse! Heute alles friedliche Mieter.“ Und die Bootsausflügler würden die Hälse recken, sich an frühe Nachrichtenbilder, sich an Vermummte, Wasserwerfer, Polizeisoldaten erinnern. Jetzt verdient die Stadt an den ehemals so verhassten Besetzern Geld. Eine Besucherattraktion, da werden auch die verblichenen Wandparolen hingenommen: Friede den Hütten – Krieg den Palästen! Ein zusätzlicher Perversionsgrad wird erreicht, dachte Jan, durch die entstandene Werbung einer weltoffenen Hansestadt. Sie hatte sich mit den Linkschaoten arrangiert, hatte nachgegeben und somit, wie alle sehen, eine friedliche Koexistenz erschaffen. Eine, die sich für ein Weltzentrum gehört. Das war verlogen, wie ganz Hamburg verlogen ist, dachte Jan. Äußerst brutal war Hamburg damals gewesen, kein Pardon hatte immer die Parole geheißen. Mit Spezialkräften, der E-Schicht zum Beispiel, hatten sie Jagd auf alles links aussehende gemacht, hatten Menschen beinahe zu Tode geprügelt, das liberale Hamburg war immer ein roher Prügelknabe. Im Umgang mit den Junkies, im Umgang mit den Linken, mit den Juden oder letztlich mit ihrer braunen Geldader, der Elbe. Sie hatten immer im Interesse des Geldes, des reinen Profits gehandelt, Pfeffersäcke sind die Hamburger, die reichste Stadt Deutschlands, nirgendwo sonst in diesem Land, dachte er, ist die Millionärsdichte so hoch wie hier, eintausend oder zweitausend Millionäre. Verlogen ist diese Stadt, dachte Jan, die sich soviel auf ihren Hafen einbildet, dabei ist sie, lachte er beinahe, keine Stadt am Meer! Hundert Kilometer sind es noch zur offenen See und die Hamburger lieben sich in der Rolle des Küstenbewohners, sie mimen die ostfriesische Barschheit gut, sind dabei nichts anderes als binnenländische Prügelknaben.
Jan hatte die messingbeschlagene Schwingtür durchschritten, kam in die Lobby, starrte auf ein kleines Segelboot, das mit Blumen gefüllt in der Mitte des Springbrunnens stand. An der Rezeption erkannte man ihn nicht, man hatte ihn noch nie erkannt, dachte er, immer wäre es so, als wäre er zum ersten Mal dort. Das Rezeptionsmädchen, ein anderes als im Jahr zuvor – er merkte sich alle Gesichter, auch Jahrzehnte alte –, er hatte ein Gesichterdefizit, dachte er, ich sehe so wenig Gesichter zuhause, dass ich immer ein ganzes Jahr von den gesehenen Gesichtern zehre, zuhause, dachte er, erinnere ich mich an jene Gesichter, Gesichter die ich nicht kenne, ein Kassiererinnengesicht, das Rezeptionsmädchengesicht und andere, in meinem selbst gewählten Gesichtermangel zehre ich immer ein ganzes Jahr von diesen Gesichtern, lachte er still, einer der wenigen Gründe warum sich der Stadturlaub, – die Besorgungsfahrt, verbesserte er, doch lohne, eben wegen der Auffüllung des Gesichtstankes.
„Bitte, kann ich helfen?“
„Ja. Das hoffe ich. Schlegel. – Ich möchte zu Herrn Schlegel.“
„Kapitän Schlegel?“, Jan glaubte ein Lächeln auf ihrem Gesicht zu erkennen.
„Jawoll! – zu Käpt `n Schlegel“, Jan imitierte einen Matrosen.
„Herr Schlegel ist in der Messe. Wird gleich zu Ende sein, denke ich. Mögen Sie sich solange in die Rita setzen? Ich gebe Herrn Schlegel dann Bescheid. Wen darf ich ankündigen?“
„Den Sohnemann.“
„Oh! Sie sind der Sohn. – Na, das sieht man ja auch!“ Sie lachte. Er war in ihrem Ansehen gestiegen, dachte Jan.
Im Santa Rita setzte sich Jan an die Bar. Die Tresenkraft war attraktiv, nicht im Sinne der besonderen Attraktivität. Es war eine Naturattraktivität, dachte er, eine objektive. Aber Stil, Art und Weltanschauung waren nicht attraktiv, für mich, dachte er. Sie hatte gute Haare, lang, glatt, feine Haut, die Nase etwas spitz, etwas lang. Doch die Figur war tadellos, sogar mehr als das. Sehr attraktive Figur, dachte Jan. Sie begrüßte ihn auf die Art wie Bekannte begrüßt werden. Das Santa Rita war die Heimschenke, besucht von den Heimbewohnern und ihren Besuchern, insofern, familiär. Des Vaters Globalcharme, Jan konnte sich gut vorstellen wie sein Vater hier seinen weltweit geschulten Charme einsetzte. Seine Geschichten erzählte, die er – Jan, schon hunderte Male hatte hören müssen, die Geschichte, wie er im Hafen von, Jan fiel der Name nicht ein, es war aber egal, dachte er, denn sein Vater hatte in jedem Hafen der Welt gelegen, wirklich gelegen dachte Jan, im wahrsten Sinne „Gelegen“, im Bette einer Frau, keiner Hure, das wüsste er, denn sein Vater hatte das Glück besessen gut, zeitweise sogar sehr gut auszusehen, hatte das Glück besessen, sich nie um Frauen zu bemühen, sondern, andersherum, die Frauen hätten meinen Vater gesucht, hätten ihn hier und da gefunden, wie in Brasilien, wo sein Vater mit einer Dschungelschönheit, einer Amazone, dachte er, abgestürzt wäre. Morgens hätte die Dschungelschönheit des Vaters Geldbörse entwenden wollen, doch der Vater, erzählte der Vater, hatte es gerade noch abwenden können. Er wäre aufgewacht, nackt, nur von einem weißen Laken bedeckt, da hörte er ein Rascheln, doch die Dschungelkönigin wäre nicht mehr neben ihm gelegen, sondern, er sah die Dschungelkönigin – bereits angezogen – an seiner Jacke herumnesteln, erzählte der Vater einmal. Nach Prof. Avis – das Gespräch würde etwa eine Stunde in Anspruch nehmen, überlegte Jan, – werde ich in die Bibliothek gehen. Er musste einige Artikel kopieren. Über das letzte Jahr – fern jeder Bibliothek wohnend – hatte sich eine Liste von etwa achtzig Titeln angesammelt, die musste er kopieren, teilweise ganze Bücher, teilweise nur Auszüge.
Mit diesem Buchstabenvorrat würde er ein Jahr arbeiten können, ebenso wie er die Gesichter, zum Beispiel jenes der Thekenfrau, sammelte, um ein Jahr lang von diesem Gesichtertank zu leben. Denn er wusste, zu viel Einsamkeit würde sich schlecht auswirken, insbesondere auf die Arbeit. Die Arbeit aber, war ihm das Wichtigste.
In der Santa Rita hingen dicke Schinken, Ölschinken von Adolph Holst. Ein Bild zeigte die Pamir auf tosender See. Sein Vater, dachte er, wäre nur zur See gefahren um zu flüchten. Es war eine Flucht. Eine Flucht, überlegte Jan, ist die abwendende Bewegung vom Negativen. Das Negative kann Objekt, kann auch Subjekt sein. Ein negatives Objekt, dachte er, kann eine Landschaft sein, besser eine Nichtlandschaft, wie das Ruhrgebiet. Eine verschandelte. Es kann auch die Arbeitsstelle sein, oder die wirtschaftliche, die allgemeine Infrastruktur eines Wohnortes. In der Mehrzahl aller Fälle ist es aber das Subjekt, wie bei meinem Vater, dachte er, dass einen zum Fliehen drängt. Er war aus seinem Elternhaus geflohen, dann hatte er eine Weile die Flucht genossen, das Schiff, sein sich immer bewegender Fluchtort, also fliehend, doch Wohn und Arbeitsplatz bietend, eine fast ideale Art zu fliehen, dachte Jan, nur noch schlagbar durch eine Insel, die aus Verseuchungsgründen unbetretbar geworden war, oder, weil sie ein geschütztes Naturreservat darstellt, lachte er in sich hinein. Mein Vater war also geflüchtet, aus einer kranken Ansammlung kranker Subjekte, der Familie; – geflüchtet auf ein Boot, mit lauter Flüchtlingen, die ebenso wie er, geflüchtet waren vor allem Negativen, und so trafen sie aufeinander. Was da passierte, konnte er nicht ahnen, hier fehlten ihm Wissen und Fantasie. Der Vater hatte sich dann aber immer in die Arme vieler Weltfrauen geworfen; nein, geflüchtet, dachte Jan, immer wieder wäre der Vater vor der Flucht geflüchtet in die Arme der Frauen.
Dann hatte er eine Familie gegründet, neue Subjekte in die Welt geworfen, mich zum Beispiel, dachte Jan, doch die neue Subjektumgebung hätte ihn bald überfordert und er musste wieder die Erdflucht antreten, immer weg von der Erde, hin zum Meer, und war wieder Seefahrer geworden. Hiernach hatte er sich nie wieder einem Subjekt angeschlossen; mein Vater blieb danach Zeit seines Lebens allein, hatte aber viele Frauen mit seinem Charme, seinem guten, zeitweise sehr gutem Aussehen betören können, hatte auch früh zu trinken begonnen, irgendwann waren sehr viele Frauen weltweit befriedet worden, von meinem flüchtenden Vater, so dass auch der Geschichtentank übervoll war, er in Frührente gehen konnte, sich dem Geschichtenerzählen stark und dem Alkohol gänzlich verschreiben konnte.
Die KajĂĽtentĂĽr schlug auf, der Vater trottete herein. Er sah den Sohnemann, der sich sofort die Hand an den Kopf legte, den Ellbogen gestĂĽtzt auf das Tresenholz.
„Frohe Ostern!“, seine roten Pranken schoben sich in Richtung Jan. Jan erwiderte das Händeschütteln, schüttelte, lehnte aber darauf wieder seinen Kopf in die Hand. Gestützt auf schweren Mahagoni. „Ja, haha. Danke“
„Muss ja mal gesagt werden“, Herr Schlegel grinste. Der Vater bestellte sich einen Kaffee. Die Bedienung grinste nicht, flirtete nicht mit seinem Vater. Das fiel Jan auf. Vielleicht, und die Vorstellung erleichterte ihn, wären die Zeiten vorbei. Mein Vater alt und hässlich. Einem hübschen Seemann hört man gern zu. Einem alten, einem versoffenen Seemann nicht. Versoffene Geschichten sind unbeliebt, denn sie zeigen, der Erzähler hat sie nicht verstanden. Vielleicht dachte Jan, ist es genau das. Wann ist ein Geschichtenerzähler gut, wann schlecht? Früher, wenn Vater nach Hause kam, braungebrannt, mit exotischen Geschenken versehen, mit tausenden Erlebnissen im Gepäck, hingen wir an seinen Lippen. Seine Geschichten waren gewürzt mit Gerüchen, fremden Worten, Verwegenheit und sie hatten, Jan überlegte, sie hatten eine spezielle Art, die sein Vater inne hatte, vielleicht ein poetisches Moment, das wäre aber zu komplex, dachte Jan, er wisse eigentlich nicht was das poetische Moment ist, der Begriff wäre mir fremd, unzugänglich, dachte er. Nicht hinter Begriffen verstecken! –, mahnte er, sein Vater hätte den Blick gehabt, den Blick für das Besondere. Es waren keine Fickstorys, keine Geschichten, die offensichtlich nur aufs Geschlechtliche hinausgelaufen waren, die nur zeigten, was für ein toller Hecht mein Vater wäre. Oft hatte er Kleinigkeiten gesehen, oft hatte sein Vater Kleinigkeiten getan, die liebenswürdig waren. Sie zeigten mehr als einen Schiffsoffizier, der besoffen durch die Hafenquartiere strich. Früher, als ich die Geschichten nur oberflächlich hörte, nur den Spannungsbogen vernahm, aber nicht den wirklichen Inhalt, das Wesentliche, das was an Psychischem darunter verborgen lag, dachte Jan, waren die Geschichten toll! Sie hatten immer etwas absurdes, eine Art Witzmoment. Aber es war ein trauriger Witz, das hatte Jan gefühlt, dass sein Vater ein Melancholiker gewesen war, so wie Jan schon früh als melancholischer Clown bezeichnet wurde. Aber jetzt verstehe ich das, dachte er, ich sehe das Verborgene hinter den Geschichten. Ein Gerüst, das Geschichtengerüst, welches metallen im Dreck steht, dünne Stäbe, an denen schwarze Fahnen wehen, zwischen den Metallstreben dichte, über und über gewebte Spinnennetze, und Jan erinnerte sich plötzlich an seinen gestrigen Traum. Wie er in einer Garage stand, der Weg hinaus war mit Spinnennetzen verschlossen, kleinen, aber tausenden Spinnennetzen, er hatte ein Stöckchen und wischte die Netze beiseite. Da kam eine große Spinne zum Vorschein. Keine riesige Hollywoodspinne, eher eine Art gelber Vogelspinne, handtellergroß. Sie fixierte Jan, verlegte ihr ganzes Körpergewicht auf die Hinterbeine, spannte sich für einen kurzen Moment wie eine Stahlfeder – und sprang. Er hatte das Spannen gesehen, die Spinnenmotivation erraten und blitzschnell ein Brett hochgehoben. Die Spinne prallte daran ab, landete auf dem Boden. Jan hatte dann mit seinem Schuhabsatz die Spinne zerdrückt, viele Male. Bald lag sie in Einzelteile zerlegt auf dem Garagenbeton. Jan betrachtete erst die aufgedunsenen Hände seines Vaters, dann glitt sein Blick auf die Schiffsmodelle, die verstreut zwischen den Flaschen an der Bar standen.
„Und was machen die Vögel?“, fragte sein Vater, irgendwo hinstarrend, nur nicht zu Jan.
„Geht gut. Alles ruhig. War ein ruhiger Winter. Jetzt kommen sie ja wieder. Wenn ich wieder zu Hause bin, wird schon die Hölle los sein.“
„Ja ja, das kann ich mir vorstellen.“, antwortete der glatt rasierte Vater, Jan dachte, du kannst es dir nicht vorstellen. Damit hast du nichts zu tun. Würden du und dein Drecksschiff anlanden, es auch nur wagen, eure ölverschmierten Stiefel an Land zu setzen, ich würde eigenhändig die Schrotflinte aus dem Schrank holen und jeden einzelnen von Euch zurückballern, zurück aufs Schiff, in eure Welt, in eure Ölwelt, Frauenwelt, Dreckswelt.
Die Bedienung schob den Kaffee über den Tresen. „So Herr Schlegel…“.
„Oh Danke. Das hier ist übrigens mein Sohn! Der ist gut im Vögeln!“, sein Vater lachte leicht, etwas verschmitzt. Aber nicht brutal, dachte Jan, das war sein Charme. Dreckige Witze, sexuelle Düfte so verteilen, dass sie nicht obszön wirkten. So darstellen, als hätte er, der sie eben selbst gesagt hatte, dachte Jan, sie eben nicht gesagt. Sondern nur gehört und darüber müde, nur leicht belustigt gelacht. „Ich trinke ihn nur noch schwarz“, sagte sein Vater. „Seitdem ich bei Hirsch gesehen habe, wie die ranzige Milch im Kaffee flockte und der alte Hirsch selbst die Bröckchen mit den Fingern unterm Tresen schnell rausfischte, seitdem trinke ich nur noch schwarz.“ Jan schaute auf ein Messinstrument. So ein altes, er hatte den Namen vergessen, man konnte auf See mittels der Sterne die Lage bestimmen, es stand am Ende des Tresens. Darüber hing eine schwere Schiffsglocke. Jan erinnerte sich wie er einmal als Kind noch, mit seinem Vater in einer Hafenwirtschaft gesessen hatte. Aus purer Lust hatte der kleine Jan an der Glocke gebimmelt. Musste sich extra waghalsig vom Barhocker aus hinstrecken bis endlich der dumpfe, laute Klang die ganze Wirtschaft aufschauen ließ. Großes Gelächter und Gezeter hatten daraufhin eingesetzt. Alle redeten auf Jan ein, er müsste die nächste Runde ausgeben. Auch sein Vater verulkte ihn. Jan bekam Angst, wahrlich Angst, er hatte nicht genug Geld für eine Kneipenrunde, er hätte ja noch nicht mal die eigene Coca Cola bezahlen können. Er schaute auf das Messinstrument, erinnerte sich, dass sein Vater genau das Gleiche besessen hatte. Jahrelang hatte es in der Vitrine seines Vaters gestanden. Er kannte die Geschichte dazu. Es war eine klassische Geschichte. In irgendeinem südlichen Hafen wäre er von einer Frau angesprochen worden. Sie hätten gemeinsam den Abend verbracht, und schließlich die Nacht. Am nächsten Morgen wäre der Vater früh aufgestanden, da sein Schiff zeitig auslief. Sein Mädchen schlief noch und er schaute sich in ihrer Wohnung um. Sie besaß aus irgendeinem Grund, vielleicht war ihr Vater auch Seemann, eine große Glasvitrine mit allerlei historischem Seemannszeugs. Eine Lotsenpfeife und eben solch ein Messinstrument. Mein Vater entnahm das Messinstrument und bald stand es in seiner eigenen Vitrine. Mein Vater hatte immer geklaut. Das war bei uns eine Art Familienanekdote geworden, erinnerte sich Jan. Meine Mutter, dachte Jan, würde sich noch heute über die gemeinsamen Klautouren amüsieren, wie sie zum Beispiel nachts Kartoffeln klauen waren. Auf dem Feld und mein Vater hätte sich diebisch gefreut. Er hatte immer gut verdient, als Offizier, später als Kapitän erstrecht. Kartoffeln zu klauen war alles andere als notwendig. Er klaute des Klauens wegen. Das ist es, dachte Jan, die Geschichte des geklauten Messinstruments hatte mir als Junge imponiert, weil sie verwegen war, sie war auch latent sexuell. Ein junges, südliches Mädchen, die Nacht und das früh auslaufende Schiff. Romantik und Erotik lagen darin. Das historische Messinstrument. In Wirklichkeit, und das machen seine Geschichten heute unhörbar, dachte Jan, liegt das Traurige darin, dass sie nicht lustig sind, höchstens tragikkomisch. Doch mein Vater, und das macht ihn zum schlechten Geschichtenerzähler, zum ungern gehörten Geschichtenerzähler, wiederholt nicht nur ständig, sondern, er hat nie die Tragik in den Geschichten – seinem Leben – erkannt, und war immer der junge braungebrannte tragische Held seiner Geschichten geblieben. Der klassische Seebärenerzählertyp dagegen, der im Ruhestand mit weißem Bart seine Jugend, seine Abenteuer augenzwinkernd zum Besten gibt, ein Teeglas in der einen, den Enkel an der anderen Hand, seine alte Frau im Blick, dieser Mann hatte sich entwickelt, war alt geworden, nicht nur äußerlich – wie mein Vater, – auch innerlich. Es war nicht lächerlich, auch wenn die Geschichten den gleichen Inhalt transportierten wie die meines Vaters, dachte Jan. Denn der alte Seebär wäre nicht lächerlich. Für ihn waren es Episoden seiner Jugend, zwischen dem Jüngling und dem Sesselopa standen aber Jahrzehnte der Arbeit, der Familie, der Kinder, der Enkel, der Verantwortung. Jahre, in denen er sich nicht davongestohlen, sondern seinen Mann gestanden hatte.
Sich mit der Frau überwerfen aber wieder zueinander finden. Die Konflikte mit den Kindern annehmen, aber auch die Schönheit des Kindes wahrnehmend. Samstags der Tochter ein Kleid kaufen, danach einen Kaffee trinken und z-u-h-ö-r-e-n. Nur sie zwei, – entschädigt für so viel nervenaufreibende Arbeit am eigenen Kind. Ein Mann, der nie Vater war, ist kein Mann. Eine halbe Portion, dachte Jan. Er, der da sitzt, nur nichts bestellt, weil ich hier sitze, war immer eine halbe Portion. Deshalb sind seine Geschichten unerträglich, dachte Jan, weil sie von einer halben Portion erzählt werden. Weil er innen immer noch der braungebrannte Idiot ist, der sie schmunzelnd erzählt, auch wenn er längst alt, blass und hässlich ist, was die Sache nicht besser macht. Er hatte nie die Lehren aus seinen Lebensgeschichten gezogen, erzählte von dem geklauten Messinstrument wie von einer Kriegsbeute, doch vergaß dabei, es gab nie einen Krieg. Den Krieg, – den führte er allein, – gegen sich. Dass mein Vater immer Dinge klauen musste, dachte Jan, weil er dachte, die Welt, die Frauen wären ihm etwas schuldig. Denn das frappierende an seinem Klauen ist, dachte Jan, dass mein Vater kein schlechtes Gewissen kennt. Nein, er denkt, es stünde ihm zu. Er, der ewig zu kurz gekommene, muss sich das, was er nicht rechtens bekommen hatte, selbst besorgen. Die Frau mit dem Messinstrument wollte mit ihm schlafen, – mehr nicht. Sie wollte Sex mit einem braungebrannten Seemann, der zudem auch noch halbwegs geistreich erschien. Das wäre ein gegenseitiges Nehmen und Geben, beide hätten am nächsten Morgen zufrieden aufstehen können, das Tagewerk beginnen. Sie als sonnige Cafebedienung, er als sonniger Seemann. Aber mein Vater wird mit dem Gefühl aufgestanden sein, dachte Jan, dass ihm etwas genommen wurde. Das Mädchen hatte sich umgedreht, das Mädchen war eingeschlummert, das Mädchen war nicht aufgestanden um „Lebe Wohl“ zu sagen, ein Frühstück – zumindest den Versuch dessen – zu bereiten. Nein, das Mädchen hatte nächtens auch noch seine Muskelenergie genommen, seinen Körper. Liebe gab sie ihm nicht. Mein Vater nahm sich Ersatz. Er fühlte sich ausgenutzt, dachte Jan, und klaute das historische Messinstrument.
„Wann fährst du wieder?“, fragte Schlegel seinen Sohn.
„Morgen früh. Endlich. Ich hasse Hamburg. Jedes Mal wenn ich wieder hier bin, hasse ich es mehr.“
Die Schwingtüren des Clubs gingen auf, hinein kamen drei alte Herren. Sie hatten alle Uniformen an, der eine sogar eine weiße Mütze. Er kam auf Schlegel und seinen Sohn zu, klopfte dem Vater auf die Schultern: „Na, Hardy – der Sohnemann?“ Er wartete keine Antwort ab, Schlegel hatte ihm beim Frühstück vom Besuch erzählt. „Direkt von der Insel, wie?“, wendete er sich direkt an Jan. „Nein, ist schon der zweite Tag.“, antwortete dieser.
„Und, wie gefällt es Dir? Macht sich gut unsere Stadt, wie? Wenn ich an die Zeit nach dem Krieg denke, da stand nicht ein Stein auf dem anderen, ich selbst habe nach den Docks getaucht!“ „Ja, die Stadt ist groß, anders. Ich bin es nicht mehr gewohnt.“, sagte Jan. „Na denn. Morgen geht’s wieder zurück, wie? Ich wünsch dir ne hübsche Reise und grüß mir das Meer!“ Er verbeugte sich vor Jan, salutierte und ging lächelnd zu den anderen Beiden, die es sich am großen Tisch bequem gemacht hatten. „Hattest du nicht auch mal so eins?“, fragte Jan seinen Vater, wies dabei auf das historische Messinstrument. „Das war mal meins, ich hab’s dem Laden hier vermacht. Das habe ich ja…“, die Kellnerin unterbrach den Vater, tippte mit dem Zeigefinger auf die Armbanduhr: „Herr Schlegel…“, und guckte mit großen Augen erst Schlegel an, dann schwenkte ihr Blick über Jan, um schließlich bei den drei Herren zu landen. „Wer ist denn heute dran??“, fragte sie in Schwesterntonart. „Na, das lass ich mir nicht nehmen!“, hüstelte Herr Schlegel, mühte sich vom Barhocker und ging um den Tresen herum. Der Alte mit der Kapitänsmütze rief aufgebracht: „Halt!“, joggte ebenfalls zum Tresen, verlor dabei fast die Mütze, alle lachten, joggte danach die Mütze am Kopf festhaltend weiter. Jan dachte, das ist alles pervers, aber der Alte ist, verschroben hin und her, wenigstens ehrlich. Jans Vater erreichte das Ziel vor dem Alten, und zog in Gewinnerpose an der goldenen Kordel, feierlich schaute er Jan an, mit toten Augen, die aber das Gegenteil zeigen sollten. Augenblicklich dröhnten drei heisere Tuuuts durchs Gebäude. Es war das Nebelhorn eines alten Frachters, der Neuwerk, ein Heimbewohner hatte sie eigens ausgebaut, und dem Kapitänswohnheim geschenkt. Jan betrachtete nachdenklich das alte Messinstrument. Der Alte mit der Mütze war mittlerweile auch angekommen und man einigte sich, dass auch er noch mal ziehen dürfe. Jans Vater bestellte eine Runde, es wurde neuerlich getutet, schließlich stießen die beiden Alten miteinander an. Als Herr Schlegel wieder zurückgetrottet kam, schnürte Jan gerade seine Arbeitstasche zu.
Jans Gesicht formte ein Fragezeichen. Der Vater guckte genervt, „der Kapitänsstammtisch...“
„Willst du dich nicht umziehen?“, fragte Jan, obschon er die Antwort ahnte. „Das ist doch das Letzte, diese Uniformen, ich habe früher nie welche getragen, warum soll ich sie heute, als Rentner tragen?“ Jan lächelte, “Ja, kann ich verstehen.“ Er wusste augenblicklich, dass es falsch gewesen war, aber er stritt nicht, er hatte noch nie mit seinem Vater gestritten, es hatte keinen Sinn, dachte er, er trinkt – er stirbt.
Anstatt zu sterben redete sich Schlegel in Rage: “Ich kann sie nicht mehr hören. Das reinste Rostkloppen ist das!“ „Na ja“, sagte Jan, „im Geschichten erzählen warst du aber auch immer ne große Nummer.“ Gleichzeitig stand er auf, zog sich seine Jacke über. Sein Vater guckte mürrisch, „ich erzähle aber noch etwas geistreichere Dinge. Alles worüber sie reden…“, und winkte ab. Jan roch den Atem seines Vaters, scharf. „Versuchs zu genießen, rege dich nicht auf. Ich muss jetzt ins Institut, mit dem Chef quatschen. Schreib mir mal.“ Sie gaben sich die Hand. „Grüße deine Vögel“, rief ihm der Vater nach, da war Jan aber schon aus der Tür. In der Halle kam ihm ein Opa im Rollstuhl entgegen. Er stoppte, musterte Jan und salutierte. Jan legte seine Hand schlaff an die Stirn, „Ahoi!“ Er ging am Springbrunnen in der Eingangshalle vorbei, betrachtete das Rezeptionsmädchen, sie war still beschäftigt. Draußen sog er die Abendluft ein. Spuckte aufs Pflaster. Er umklammerte seine Arbeitstasche, spürte das historische Messinstrument, ging schnellen Schrittes.

Version vom 29. 10. 2008 13:59

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bluefin
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Registriert: Not Yet

hallo @anton,

der satz:

quote:
Verliert ein Vogel seine Federn, verliert er sein Leben.
den man als schlüsselsatz auffassen könnte in diesem stück, stimmt leider nicht.

es fehlt der zusatz "unter bestimmten umständen". dass die momentanen dem ich-prot nicht zusagen, lastet er (natürlich) nur den anderen an, nicht seinen eigenen.

klagende, dergestalt unstrukturierte monotonien wie die uns hier angebotene verlangen vom leser einen guten schuss geduld und, vor allem, ein mass an altruismus dem autor gegenüber, das der ich-prot dem rest der welt in diesem stück ganz offenbar nicht gönnt.

der rezipient ist daher gehalten, zu bemerken, dass es sich bei diesem text zwar um gewandt formulierte, aber schrecklich ausgetretene spät-68er-romantik handelt, in welcher der frühere (zwar auch schon selbstverliebte, aber immerhin noch gesellschaftsbezogene) impetus nur noch im tierschutz rudimentiert. ich persönlich nenne solcherlei attitüde den "brigitte-bardot-komplex".

texte wie deiner, lieber @anton, lesen sich - bei allem gekonnten manierismus - deshalb so langweilig, weil sie nur das wiederkäuen, was der zeitgeist ohnehin tag und nacht in den wind flüstert, egal, ob der dabei über das meer weht oder in einr großstadt zugig um's eck pfeift.

wenn du uns also schon mit derlei inhalten kommen möchtest, dann rate ich zu etwas interessanteren blickwinkeln als nur dieser einen, abgenudelten "vater-sohn"-nummer. schreibtechnisch hättest du's ja drauf.

du verstehst mich nicht ganz?

okay - warum nicht die szene (samt vorspann) das mädel am tresen erzählen lassen und sie danach mit dem ursprünglichen ich-prot ins bett schicken? dort hätte sie ihm dann den unterschied zwischen ihm (dem langweiler) und dessen vater (dem macher) erklären und ihm mitteilen können, wie sinnlos spekulationen über die bedeutung des vogelflugs eigentlich sind.

dann hätte der sohn nicht mit einem messing-messgerät allein auf seine insel zurück gemusst, sondern hätte was ganz anderes unterm arm gehabt. vielleicht wär' er ja gar nicht mehr zurück zu seinen piepmätzen?

nix fĂĽr ungut und ganz liebe grĂĽĂźe aus mĂĽnchen

bluefin

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