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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
ein gewagter Versuch: Kafka und ich.
Eingestellt am 07. 07. 2003 21:46


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kauz
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Einleitende Anmerkung:
Diese kurze Erz├Ąhlung, die ich, wie Kafka sein "Urteil" (hehe), innerhalb einer Nacht verfasste, soll ein Versuch sein, den Roman "Der Proce├č" von Franz Kafka in neuer Form zu interpretieren.
Unter teilweisem ├ťbernehmen der Motive versuchte ich, das f├╝r mich selbst zu definieren, was im Sprachgebrauch "kafkaesk" genannt wird.
Ich bin mir der Schwierigkeit - vielleicht sogar Anmassung - bewusst, diesen Meister der Groteske quasi zu ├╝berarbeiten. Ich tat dies aber nicht aus Verbesserungslust, was ja ohnehin nicht m├Âglich ist, denn das Subjektive ist ja gerade das reizvolle an Literatur, sondern, weil ich Franz Kafka als Autoren sehr verehre und in mir den Wunsch versp├╝rte, den Versuch zu unternehmen, mich in ihn hineinzudenken.
Man teile mir bitte mit, inwieweit mir das gelungen ist und was zu verbessern w├Ąre.
Vielen Dank.

Hier nun die Geschichte:

Auf dem Marktplatz

In einer kleinen Ortschaft, die man - obwohl die Gegend wie auch der Charakter der Menschen, die dort wohnen, als l├Ąndlich anzusehen sind - als Stadt bezeichnet, befindet sich ein gro├čer Marktplatz. Von Menschen, die in diese Stadt kommen - etwa, um Verwandte zu besuchen oder um sich in der bergigen Landschaft mit ihren gro├čen, die Stadt weithin umschlie├čenden W├Ąldern und Gebirgsb├Ąchen von dem Stress und dem hektischen Leben in den gro├čen St├Ądten zu erholen - h├Âren die Einwohner des Ortes oft, dass der Marktplatz f├╝r dieses recht vertr├Ąumte St├Ądtchen mit ihren verwinkelten Gassen doch eigentlich viel zu gro├č sei. Und so war es auch, denn der Markt, der allw├Âchentlich abgehalten wurde und auf dem die Erzeugnisse der Bauern, die die wenigen umliegenden Felder besa├čen, angeboten wurden, nahm, alle Verkaufsst├Ąnde, die kleine B├╝hne, auf der das Orchester spielte und den gro├čen, historischen Brunnen eingeschlossen, nicht mehr als die H├Ąlfte des Marktplatzes ein, sodass auf dem ungenutzten Teil Parkpl├Ątze zur Verf├╝gung gestellt worden waren.
An einem solchen Tage - es war Wochenmarkt - war das Wetter, nachdem es am Vormittag geregnet hatte, aufgeklart; die Stra├čen waren zwar noch dunkel von der Feuchtigkeit, die den Asphalt benetzte, doch die V├Âgel sangen bereits wieder ihre Lieder in den B├Ąumen, die zu der Zeit in voller Bl├╝te standen.
Aus einem nahe des Zentrums der Stadt gelegenen, hohen und vornehmen Wohnhaus, dessen Fassade nach dem Regen im Licht der sich langsam senkenden Sonne fast eigenst├Ąndig zu leuchten schien, trat ein ├Ąlterer Herr von ungef├Ąhr 55 Jahren. Er war gut gekleidet, hatte ein zufriedenes L├Ącheln auf den Lippen und begab sich leichten Schrittes auf einen der gewohnten Spazierg├Ąnge durch die Stadt; die Fu├čg├Ąngerzone entlang zum Marktplatz, an dem er, wenn Markttag war, kurz verweilte und mit einigen Bekannten, die er oft traf, da er in der Stadt sehr bekannt und beliebt war, kurze Pl├Ąusche von, wie er fand, angenehmer Belanglosigkeit f├╝hrte; von dort die schmalen Gassen hinauf zum oberen Teil der Stadt, dort durch den Park mit dem kleinen Teich, wo er sich immer ein paar Minuten Zeit nahm, sich auf eine Bank zu setzen und den Enten und den zwei stolzen Schw├Ąnen zuzusehen, und schlie├člich wieder zur├╝ck zu dem Geb├Ąude, dessen Fassade in diesen Momenten so angenehm warm zu gl├╝hen schien.
Diesen Weg war er so oft gegangen, seit er hierher gezogen war und er hatte vor, ihn auch an diesem Tag zu gehen.
Doch heute war etwas anders: Um diese Zeit, am fr├╝hen Nachmittag, sah man auf den Stra├čen des Ortes gew├Âhnlich nicht viele Menschen, da die meisten ihrer Arbeit oder einem anderen Tagwerk nachgingen. Doch heute sah K. (das ist der Name des gutgekleideten, zufrieden dreinblickenden Herren), als er aus diesem, seinem Haus, in dessen oberen Stockwerk er selbst wohnte und dessen andere R├Ąume die seiner kleinen Firma waren, die er gegr├╝ndet hatte und in der ehemals vier, seit der vorigen Woche aber nunmehr f├╝nf Besch├Ąftigte arbeiteten, trat, ├╝berhaupt keine Menschen auf der Stra├če; keine M├╝tter, die mit ihren Kindern zum Wochenmarkt unterwegs waren, um Besorgungen zu machen, keine Kinder, die, sich auf ihr Zuhause und eine warme Mahlzeit freuend, lachend von der Schule nach haus rannten; niemand.
Leicht verunsichert und mit nachdenklichem Blick trat K. aus der T├╝r und ging ein paar Schritte auf die Stra├če, sah sich um, die breite Allee hinunter; doch nirgends ein Kind, nirgends eine Mutter - niemand.
K. fand die Situation sehr ungew├Âhnlich, denn in all den Jahren, die er jetzt schon hier wohnte, war es das erste mal, dass die Stra├če vor seinem Haus um diese Zeit und an einem Wochentag so g├Ąnzlich leer waren.
Um sicher zu gehen, dass er nicht ├╝bersehen hatte, dass Feiertag war oder er sich wom├Âglich gar im Tag geirrt hatte, ging er zur├╝ck zum Haus, um im B├╝ro einen seiner Angestellten zu befragen.
Als K. die B├╝ror├Ąume im ersten Stock betrat, fand er, entgegen seiner Erwartung, alle f├╝nf seiner Angestellten arbeitend vorzufinden, nur S. Schreiber, den er vor einer Woche eingestellt hatte und der zudem noch gerade seinen Mantel anzog und offensichtlich im Begriff schien zu gehen.
Als Schreiber K. erblickte, erschrak er und blickte verunsichert zu Boden.
Um den unangenehmen Moment der verlegenen Stille nicht zu lang werden zu lassen, fragte K.:
"Wieso ist heute kein Betrieb? Wo sind die anderen? Haben sie wom├Âglich, als ich ihnen gestern mitteilte, dass ich heute nicht anwesend sein werde, da ich oben noch privat zu tun h├Ątte, die Situation auszunutzen versucht...?"
"Aber Herr K.", unterbrach ihn Schreiber, "sind sie denn nicht auf dem Marktplatz, wie alle anderen auch?"
K. blickte Schreiber verwundert an. "Wieso sollte ich...?"
"Sehen sie doch, hier. Es wurde in der Zeitung doch schon seit 2 Wochen angek├╝ndigt." Schreiber hatte sich zu seinem Arbeitstisch begeben und unter einem Stapel unordentlich herumliegender Papiere eine Tageszeitung hervorgeholt, die er K. nun auffordernd vorhielt.
K. musterte Schreiber mit einem ungl├Ąubigen Blick und nahm die Zeitung an sich. Das Datum wies den gestrigen Tag aus. Er schlug sie auf, bl├Ątterte ein wenig.
"Da, sehen sie?" sagte Schreiber und wies auf einen eingerahmten Text.
K. las:

An alle Einwohner der Stadt!

Am Dienstag, den 28.7. haben sich alle vollj├Ąhrigen Mitb├╝rger und Mitb├╝rgerinnen wegen einer wichtigen Bekanntgabe um 14:30 Uhr auf dem Marktplatze zu versammeln.
Es besteht Anwesenheitspflicht, ein nicht Erscheinen kann rechtliche Konsequenzen haben.

gez. Der Stadtrat

Verwirrt, der merkw├╝rdigen Mitteilung wegen sah K. Schreiber nachdenklich an. Er las t├Ąglich die Zeitung und w├Ąhnte sich bisher ├╝ber alle Ereignisse in der Stadt gut informiert. Wie hatte ihm eine solche Anzeige entgehen k├Ânnen, zumal Schreiber doch erw├Ąhnt hatte, dass jenes seltsame Ereignis schon seit Wochen angek├╝ndigt wurde?
"Kommen sie, kommen sie, die Zeit dr├Ąngt." forderte Schreiber K. auf und w├Ąhrend er ihm wortlos nach drau├čen folgte, h├Ârte er ihn sagen: "Ich bin auch nur noch hier, weil ich in der Eile meinen Hut vergessen hatte, ohne den ich sonst nie vor die T├╝r gehe wegen meiner k├╝rzlichen Ohrenentz├╝ndung, sie wissen."
Mit schnellem Schritt, aber dennoch nicht ganz f├Ąhig, dem jungen Schreiber auf den Fersen bleiben zu k├Ânnen, folgte K. ihm durch die Fu├čg├Ąngerzone in Richtung Markt. Von Weitem schon sah K., wie sich eine gro├če Menschenmenge noch in der Stra├če dr├Ąngte, da der Markt trotz seiner Gr├Â├če vollkommen ├╝berf├╝llt war.
Als K. und Schreiber am hinteren Ende der Masse ankamen, war K., der das schnelle Laufen nicht gewohnt war, sehr knapp bei Atem.
Schreiber versuchte, einen Blick auf das Innere des Marktplatzes zu bekommen, konnte jedoch nicht an den Menschen, die sich zu sehr dr├Ąngten, vorbei. Das einzige, was man sehen konnte, war, dass auf der kleinen B├╝hne, auf der normalerweise das Orchester an Markttagen spielt, einige hohe Beamte der Stadt, der Stadtrat selbst sowie der B├╝rgermeister Platz genommen hatten.
Anscheinend um einen besseren Platz bekommen zu k├Ânnen, rief Schreiber in die Menge:
"Herr K. ist eingetroffen, machen sie bitte Platz!"
Augenblicklich verstummten die Menschen, die Schreibers Stimme vernommen hatten und sich bis gerade noch lebhaft ├╝ber dieses offensichtlich gro├če Ereignis unterhalten hatten und machten, K. neugierig anblickend trotz der gro├čen Gedr├Ąngtheit, die augenscheinlich keine Verdichtung mehr verkraften konnte, eine Gasse frei, in die Schreiber K., der, immernoch tief atmend und sich von dem schnellen Schritt hierher erholend, die H├Ąnde auf die Knie gest├╝tzt dastand, mit einem auffordernden L├Ącheln hineinzog. Hinter den beiden schlo├č sich sofort wieder die L├╝cke, sodass K. eine klaustrophobische Enge umh├╝llte, die Schreiber jedoch sofort wieder aufhob, indem er abermals in die Menge rief:
"Machen sie Platz f├╝r Herrn K.!"
Ein weiteres mal ├Âffnete sich eine schmale Gasse, die die Menschen, die Schreiber vernommen hatten, freimachten und durch die K. und Schreiber schl├╝pften. Diese Prozedur wiederholte sich nun noch einige Male, bis die beiden endlich vor der Absperrung, die um die B├╝hne gemacht worden war, standen.
Als die schwarzgekleideten M├Ąnner auf der B├╝hne, von denen K. die meisten pers├Ânlich kannte, da er in der kleinen Stadt eine sehr bekannte Pers├Ânlichkeit war, die sich auch in f├╝r die einfachen Menschen h├Âheren Schichten bewegte, K. bemerkten, was nur durch Schreibers Rufe in Richtung der B├╝hne zustande kam, dass Herr K. doch nun endlich eingetroffen sei und man beginnen k├Ânne, erhoben sie sich und der B├╝rgermeister trat hervor zu einem Mikrofon.
"B├╝rgerinnen und B├╝rger!" sagte er und lies eine Pause, um sich der vollen Aufmerksamkeit der Menschen gewiss zu sein.
K. stand, ob der unerwarteten Situation, still und gespannt den Worten des B├╝rgermeisters lauschend neben Schreiber an der Absperrung.
"Sie wissen alle, warum wir uns heute hier eingefunden haben." fuhr der B├╝rgermeister fort.
"Wir alle werden heute gemeinsam ├╝ber das weitere Schicksal des Herrn K., dessen Lebenslauf, Einsch├Ątzung und Anklage sie alle per Post erhalten haben, entscheiden. Ich m├Âchte mich bei dieser Gelegenheit noch einmal, wie ich es schon in dem den Unterlagen K.'s beigef├╝gten Brief tat, bei ihnen allen f├╝r diese St├Ârung ihres Tagesablaufes entschuldigen. Die Entscheidung, die die Stellen ├╝ber mir fordern und deren Gr├╝nde f├╝r ein solches Dr├Ąngen mir im ├ťbrigen auch nicht bekannt sind, muss so schnell wie m├Âglich gef├Ąllt werden und kann daher nicht bis auf den n├Ąchsten arbeitsfreien Tag verschoben werden."
Wie um die Rechtfertigung des B├╝rgermeisters anzuerkennen, nickten viele der Menschen stumm in Richtung der B├╝hne.
"Ich nehme an, sie, Herr K., haben die Anklage gr├╝ndlich gelesen und da sie darauf verzichtet haben, innerhalb der vorgegebenen Frist einen Rechtsbeistand anzufordern, nehme ich au├čerdem an, dass sie sich auf eine Selbstverteidigung entsprechend vorbereitet haben." fuhr der B├╝rgermeister fort und wandte sich im Reden K. zu.
Nach langen Sekunden des Schweigens, alle Augen schienen auf K. gerichtet, sagte dieser schlie├člich mit nachdenklich-verwirrtem Gesichtsausdruck: "Ich habe weder eine Anklage erhalten noch bin ich mir irgendeines Verschuldens bewu├čt, das ein solches ... Gericht rechtfertigen w├╝rde, welches ich im ├ťbrigen unter keinen Umst├Ąnden anerkenne."
Emp├Ârt sprang einer der M├Ąnner auf der B├╝hne, den K. aber nicht pers├Ânlich kannte, auf und ergriff das Mikrofon: "Sie wissen sehr wohl, was sie getan haben! Sie wissen sehr wohl um ihr Eindringen in diese Stadt, in der wir sie notgedrungen duldeten und den r├╝cksichtslosen Mi├čbrauch unserer Gastfreundschaft und Geduld! Um die niemals wiedergutzumachende Vergiftung des Lebens hier durch ihre despotische Ausbeutung unserer lieben B├╝rger; durch das Sch├╝ren von Neid und Hass der Menschen untereinander! Die ├ťbermittlung der Anklageschrift haben sie selbst unterzeichnet und ihr blo├čes Erscheinen hier und jetzt beweist ├╝brigens bereits, dass sie sehr wohl Kenntnis von dieser Gerichtstagung hatten!"
In seiner Hilflosigkeit und ├ťberraschung wandte sich K. Schreiber zu, der immernoch neben ihm stand. Dieser zog, K. verst├Ąndnislos anblickend, ein Schriftst├╝ck aus seiner Manteltasche und hielt es K. vor.
Eilig ├╝berflog K. das Dokument und erkannte, dass es eine Empfangsbest├Ątigung einer amtlichen Anklageschrift war, die er selbst unterzeichnet hatte. Der Grund der Anklage war nicht vermerkt, lediglich der Hinweis, dass es zu einer solchen Verhandlung kommen w├╝rde, da die "[...] Schwere und Einzigartigkeit ihrer Schuld nicht mit den Ma├čst├Ąben eines gew├Âhnlichen Gerichtes gemessen, geschweige denn von einem solchen beurteilt werden [...] " k├Ânne.
K. blickte erschrocken auf, sah erst in die Augen Schreibers, dann hoch zum B├╝rgermeister und dem immernoch w├╝tend danebenstehenden Unbekannten, schlie├člich drehte er sich um und schaute verzweifelt in die Augen der Menschen, die ausnahmslos ihn anblickten.
"Aber... aber ich..." Er wandte sich mit verzweifelt-ungl├Ąubigem Blick an Schreiber: "Niemand, keiner meiner Angestellten hatte doch jemals Grund zur Klage. Noch letzte Woche, nach ihrer Einstellung, erhielt ich Begl├╝ckw├╝nschungen und Dank von so vielen Leuten, die mir Achtung und Sympathie entgegenbrachten...."
"Nun, Herr K.?", schnitt ihm der B├╝rgermeister mit k├╝hler und ungeduldiger Miene das Wort ab, ohne auf K.'s Worte einzugehen, "Gestehen sie sich selbst jetzt endlich die Legitimit├Ąt dieses Gerichtes ein, so dass wir fortfahren k├Ânnen?"
"...Ja." sagte K. wie in Trance.
Daraufhin traten zwei der Herren von der B├╝hne und entfernten die Absperrung an der Stelle, wo K. und Schreiber standen. Sie schauten K. auffordernd an und dieser trat langsam, mit mechanisch wirkenden Bewegungen, den Blick stur auf die Gruppe der M├Ąnner auf der B├╝hne gerichtet, aus der Masse hervor und begab sich langsam die Stufen herauf zu ihnen.
"Nun, ihre Einsichtigkeit ob der klaren Tatsachen ist zwar lobenswert, wird das Urteil aber keinesfalls manipulieren k├Ânnen." sagte der B├╝rgermeister zu K. gewendet. Und weiter, ins Mikrofon sprechend: "Meine Damen und Herren, ich denke, wir k├Ânnen nun fortfahren."
Daraufhin stellten sich an jede Ecke und in die Mitte jeder Seite der im Zentrum des Marktplatzes stehenden B├╝hne jeweils einer der M├Ąnner, so dass nur noch der B├╝rgermeister, der schwarzgekleidete Unbekannte und K. in der Mitte der B├╝hne standen.
Mit erhabener Stimme fuhr der B├╝rgermeister fort:
"Da der Angeklagte K. offensichtlich kein Pl├Ądoyer zu seiner Verteidigung vorbereitet hat - aus welchen Gr├╝nden auch immer - schreiten wir nun, nachdem sie alle die Anklage genauestens zuhause studiert haben und sich aufgrund dieser, den mitgelieferten Beweisdokumenten, die eine genaue Darstellung des Straftatbestandes K.'s enthielten und ihren pers├Ânlichen Erfahrungen mit K., ein fundiertes Urteil bilden konnten, zur Abstimmung. Diese erfolgt durch Handzeichen, welche die Herren, die soeben ihre Positionen eingenommen haben, ausz├Ąhlen werden."
Er zeigte auf die M├Ąnner am Rande der B├╝hne.
Der B├╝rgermeister machte eine kurze Pause, blickte auf K., der nicht in der Lage war, etwas zu sagen, geschweige denn einen Einspruch anzubringen.
W├Ąhrenddessen stellte sich in der Menschenmenge unter ihnen ein reges Gefl├╝ster ein, welches teilweise durch ein Lachen hier oder ein Geschrei dort untermalt wurde.
Doch als der B├╝rgermeister abermals seine Stimme erhob, verstummte all dies schlagartig:
"Meine Damen und Herren. Wer daf├╝r ist, dass der Angeklagte K. eine andere Strafe als die erh├Ąlt, die in den Dokumenten als angemessen gekennzeichnet wurde, hebe bitte jetzt die Hand."
In diesem Augenblick meldete sich niemand.
Es verstrichen einige Sekunden, der B├╝rgermeister und die am B├╝hnenrand stehenden M├Ąnner blickten suchend in die Masse, K. sah abermals, unf├Ąhig, etwas zu sagen, verzweifelt Schreiber an, der K.'s blick aber peinlich ber├╝hrt auswich.
Niemand hatte sich gemeldet.
"Nun,", sagte der B├╝rgermeister schlie├člich, "das Ergebnis ist, obwohl es das durchaus nicht h├Ątte sein m├╝ssen, um das Urteil rechtskr├Ąftig werden zu lassen, eindeutig."
"Somit rufe ich nun den Vollstrecker des Urteiles auf, seines Amtes zu walten."
Der Mann, der mittlerweile wieder still neben dem B├╝rgermeister und K. gestanden hatte, drehte sich mit einem Male zu K., zog aus seiner Seitentasche eine Pistole, lud sie, zielte auf K.'s Bauch und schoss.
Das letzte, was K. sah, nachdem er zu Boden gest├╝rzt war, war, wie sich die Menschenmenge ohne weitere Anstalten aufl├Âste und sich in der Stadt verteilte. In seinem beginnenden D├Ąmmerzustand glaubte er auch, Schreiber noch einmal gesehen zu haben, der K. allerdings keines Blickes w├╝rdigte.

Ende.
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kauz
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Oh nein! ;)

Ich musste eben leider feststellen, was man normalerweise v o r dem Posten eines Werkes feststellen sollte; n├Ąmlich, dass die Erz├Ąhlung von mir bisher noch nicht Korrektur gelesen worden war und deshalb vor Gross-Klein-Schreibungsfehlern und leichten, aber st├Ârenden Logikfehlern nur so strotzt.
Da es wohl ├╝bertrieben w├Ąre, die mittlerweile ├╝berarbeitete Version noch einmal zu posten, bitte ich, wenn es m├Âglich ist, von den Fehlern abzusehen.

Danke

kauz
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Zefira
???
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Hallo kauz,

wieso ├╝bertrieben? Du kannst die alte Fassung, die hier steht, einfach durch die neue ersetzen.

lG, Zefira
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schmollfisch

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kauz
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Meine Versuche, dem Webmaster eine E-Mail zu schreiben, damit er den Beitrag freigibt, wie gefordert, wenn man sich l├Ąnger als 15 Minuten Zeit l├Ąsst, scheitern kl├Ąglich am Mailserver, der die Mail immer zur├╝ckschickt, weil angeblich die Adresse "webmaster@leselupe.de" falsch w├Ąre.

Ich belasse es bei der Version und dem Anliegen, ├╝ber die Fehler hinwegzusehen, wenn das ├╝berhauptjemanden interessiert.

kauz
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Rainer
???
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hallo kauz,

├╝ber den edit/delete-button unter deinem text (nicht den unter deinem erg├Ąnzenden kommentar) kannst du, so oft und so lange du willst, deinen text ver├Ąndern; die 15 min beschr├Ąnkung gilt nur f├╝r kommentare/antworten.


gr├╝├če

rainer
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ist meine, und damit nur EINE Meinung

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kauz
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Ah.
Beim ersten Versuch ging das irgendwie nicht so wirklich, doch nun ist, was mir beim nochmaligen Durchlesen auffiel, ge├Ąndert.
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Daria
???
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Es missf├Ąllt mir immer irgendwie, Geschichten oder Erz├Ąhlungen von anderen hier zu beurteilen, da ich wei├č, wie bitter es sein kann, wenn das eigene Werk von Fremden zerrissen wird, die es nach eigener Meinung einfach nicht verstehen k├Ânnen.
Ich versuche mal meine Gedanken verst├Ąndlich auszudr├╝cken, ohne vernichtende Kommentare.
Die Geschichte gef├Ąllt mir, Ausdrucksweise, Stil, alles perfekt, Parallelen zu Kafkas Proce├č lassen sich gut ziehen, allerdings wird es, am Ende, auf dem Marktplatz zu eindeutig. Klar ist es schwer, das, wof├╝r Kafka ein Buch brauchte, in eine kleine Geschichte zu packen. Und mir fallen auch momentan, das gebe ich zu, keine Verbesserungen ein, die ich aber auch gar nicht w├╝rde nennen wollen, weil es mir ebenso missf├Ąllt, Geschichten anderer meinen Willen aufzudr├Ąngen, denn die stehen eben da, wie sie da stehen.
Ich denke nur, auch jemand, der Kafkas Proce├č nicht kennt, der wei├č schon ab dem Moment, wo Schreiber verk├╝ndert "Herr K. ist eingetroffen", wie es weitergeht. Und in "Der Proce├č" ist fast bis zum Ende alles verwirrt, subtil und offen.
Aber trotzdem: ich mag sie.
__________________
Daria ┬ę

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