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Leselupe.de > Ungereimtes
gedanken a-z
Eingestellt am 29. 12. 2001 11:55


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zettelstraum
Bl├╝mchendichter
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Das Gedanken A-Z

V wie vorneweg das Vorwort. Oder doch wie Viagra, Vagina oder vage gesagt Wagemut. Nein, im Ernst. Ein guter Gedanke zur Einleitung ist niemals schlecht.
Hier kam er recht, von Hegel ( wo ich doch Gymnasiallehrer nicht als unbedingt intelligente Menschen betrachte, habe ich doch zwei solcher Menschen in meiner eigenen Familie ):
Im Fremden das Eigene zu erkennen, in ihm heimisch zu werden, ist die Grundbewegung des Geistes, dessen Sein nur R├╝ckkehr zu sich selbst aus dem Anderssein ist.
So ist der Spruch auch nicht sicher von Hegel so gesagt bzw. geschrieben worden, sondern nur von mir bei Gadamer gefunden.


Angst: Das vor dem wir Angst haben ist das, was wir nicht sind. Oder besser gesagt, wir haben Angst etwas zu verlieren, was uns zwar wertvoll erscheint, aber nicht sein mu├č. Wenn wir es verlieren sollten, dann ist es Bestimmung oder einfach unsere nachl├Ąssige Art und Weise wie wir es behandelt haben. Und Angst haben zu sterben ist die l├Ącherlichste Angst, denn wir m├╝ssen es. Wenn wir unsere Mitmenschen anschauen, unseren Planeten, auf welchem wir leben, dann m├╝ssen wir uns doch wirklich fragen, warum wir traurig sein sollten, abzuleben? In den 80er-Jahren lebten wir in der No-Future-Generation, nun, nach einem guten B├Ârsenjahr, meinen wir alle, wir sollten jetzt einen Audi TT fahren und zwei Mal im Jahr an Gardasee fahren, sowie mindestens einmal nach Ibizza jetten. O.k., nach dem 11.9. wurden wir ein bi├čchen ├Ąngstlich. Aber im Grund genommen war dieses Attentat das beste Beispiel f├╝r all diejenigen, die bisher noch nicht begriffen haben, da├č man mit Geld und Macht und Egoismus vor allem gesch├╝tzt ist.

Beobachten: Beobachten soll Schauen hei├čen, am sinnhaftigsten durch das induktive. Beobachten hei├čt sich zu verlieren. In einen Augenblick, in einen Gegenstand, in seine Seele. Kreis schlie├čen, gewahr werden, Ruhe, Frieden, sich selbst sehen im Sehen.
Prim├Ąr besteht der Mensch aus Figur, zu dick oder zu d├╝nn, Augen, dann Erscheinung, bei sehr auff├Ąlliger Erscheinung eher anders herum, doch spricht hier das Wort auffallen schon f├╝r sich. Jemand, einer dieser Niemands, f├Ąllt auf, aus dem Rahmen, der 100 Tanzenden, der 1000 durch Fu├čg├Ąngerzonen Marschierenden, etc.
Mittlerweilen ist Beobachten gr├Â├čtenteils als Voyeurismus verschrien. Fr├╝her, heute scheinbar nur noch in Frankreich, betont l├Ąssig en vogue: `Appetit holt man sich auf der Stra├če, gegessen wird daheim!┬┤. Beobachten war auch eine besondere Gabe, nicht nur unter K├╝nstlern. Man interessierte sich, man machte sich ein Urteil, man realisierte, da├č man nicht alleine auf der Welt ist.
Beobachten ist in Gro├čst├Ądten etwas Herrliches, in Chatr├Ąumen etwas Schockierendes, schlimmer beinahe als das Beobachten von Schwachsinn in den Talkshows im Fernsehen, wenn man zu Besuch bei Sozialhilfeempf├Ąngern, Rentnern, Arbeitslosen oder ├Ąhnlichen Gestalten der drohenden Bedeutungslosigkeit ist.
Apropos Fernsehen: das reine Schauen ist Stumpfsinn! Das Betrachten von Dingen ist Kunst. Das Beobachten aber setzt Intellekt voraus.
Manchmal ist eine Party erfolgreicher, wenn man eine interessante Frau beobachten, als eine dumpfe gutaussehende Blondine verf├╝hren kann.
Zur Beobachtung bedarf es Distanz. Wer etwas ver├Ąndert oder ber├╝hrt, verl├Ą├čt die Ebene des Beobachtens.

Charisma: Fr├╝her gab es den charismatischen jungen Mann, heute bezeichnet man als charismatisch nur noch Sektenf├╝hrer oder Revoluzzer wie Che, Dutschke, Bin Laden. Das charismatische Aussehen ist etwas, was nicht mehr gefragt ist. Heutzutage ist man gutaussehend, kr├Ąftig, ist ein Teil eines insgesamten Aussehens. Charismatisch ist mittlerweile ein negativer Begriff, bezeichnet eine menschliche Schw├Ąche. Man sieht eher den armen Blick, den man in Zusammenhang mit Armut bringt, als den einf├╝hlsamen Blick, den man in Zusammenhang mit Gef├╝hl bringt. Charisma ist etwas was man auf den Gesichtern der Menschen auf der Stra├če sucht, vergeblich. Man sieht Autos, Anz├╝ge, unpassende Kleidungsordnung, bunte Haare, schlecht geschminkte Gesichter, Frauen mit zu kurzen Haaren, M├Ąnner mit zu dicken B├Ąuchen, doch man sucht verzweifelt nach einem Ausdruck in einem Gesicht, welcher fesselt. Ausdruck wie Stre├č, Banalit├Ąt, Aggressivit├Ąt, Arroganz, Dummheit, dieses sieht man h├Ąufig. Es erscheint, als unser Auge sich selbst in Bezug auf Mitmenschen auf das ├äu├čerliche beschr├Ąnkt hat, bzw. um es in einer anderen Sprache auszusprechen: die Medienwelt uns soweit soziologisiert hat, da├č wir uns selbst zu bilden nicht mehr in der Lage scheinen. So erscheint die Zeit vorbei, da├č es Helden geben k├Ânnte wie einen Kaspar Hauser, einen Klaus Kinski, einen Werther oder wie auch sonst die Menschen hie├čen, die abseits gesellschaftlicher Hochrangigkeit, Angepasstheit , etc. zu wirken wu├čten.

Diagnose: Die Zukunft, k├Ânnte man sie mit R├╝cksichtsnahme auf die Gegenwart diagnostizieren, wie eine Art Chart-Analyse im Brokerbereich, dann s├Ąhe es d├╝ster aus. Zum Gl├╝ck haben wir die Geschwister Scholl, Ch├ę Guevara und Bin Ladin.
Diagnose, da denk ich an Zahnschmerzen, an Krebs, an Prostata, an die Brust der Frau, welche verloren gehen k├Ânnte, ├╝ble Sache. Man wartet, schwitzt, badet sich in Alptr├Ąumen und f├╝hlt sich dem Arzt ausgeliefert. Nichts z├Ąhlt mehr, denn das Ergebnis der Diagnose. Freut man sich auf ein Kind, so bedenke man, da├č dadurch noch mehr Diagnosen dazu kommen.
Zum Gl├╝ck gibt es auch f├╝r die Liebe keine Diagnose. Da gibt es vielleicht Prognosen, aber die stehen bei der wahren Liebe zumeist schlecht. Die Diagnose der Liebe k├Ânnte vielleicht eine Partnerschaftsberatungsstelle abgeben, aber wenn es dann mal soweit ist....
Die Diagnose f├╝r mein Leben, Herr Doktor? - Wollen wir mal das Beste hoffen.

Elan, der gro├če Bruder der Elegie:

Freiz├╝gigkeit: Output, Output, Output! Ging man doch eigentlich davon aus, da├č man in der Pubert├Ąt Wert auf Nichtwerte legte, so scheint heute in der Zeit endlos verl├Ąngerter Jugend keine Moral mehr zu bestehen. Freiz├╝gigkeit hei├čt auch irgendwie z├╝gellos sein, nicht nur frei zu sein. Freiz├╝gigkeit war in den Anf├Ąngen der Alternativbewegung verankert, heute findet man es in allen Schichten. Die Musikbranche verlangt es von ihren Million├Ąren, die Werbeindustrie sowieso. Ein besonderes ├ťbel der Freiz├╝gigkeit ist die Magersucht. Wir verlieren uns in Freiz├╝gigkeit, werden unnormal. Wir setzen uns Masken auf, anstatt da├č wir uns wirklich entkleiden. Und das L├Ącherlichste ist, da├č die Masse zu dumm ist, sich einzugestehen, da├č man sie f├╝r dumm verkauft, wenn man ihnen zur Verkaufsf├Ârderung einen Nabel zeigt und ein kleines bi├čchen Brust. Hinsichtlich der Emanzipationswelle der Neuzeit mutet es wie ein Wunder an, da├č Frau Schwarzer sich gegen Frau Feldbusch erhob, um dieses Verkaufen weiblicher St├Ąrken anzuprangern. Dieses Wunder hebt sich nur dadurch wieder auf, da├č die Medienwelt die Vorderb├╝hne dieses Hinterb├╝hnenwerks war, um es mit den Begriffen des amerikanischen Soziologen Goffman zu deuten.


Galanterie: Verlernt, unn├Âtig in Bereichen, in welchen man Damen vielleicht wirklich den Hof machen k├Ânnte. In dem Bereich, in welchem es nicht n├Âtig w├Ąre, versucht man es manchmal. Es gibt jedoch noch viele gut erzogene junge M├Ąnner, die galant sein k├Ânnen, aber leider sind sie zu schwach f├╝r das schwache Geschlecht und werden so gerne zur Vorlieben des m├Ąnnlichen Geschlechts. Galanterie ist ein Wert aus einer alten Zeit, in welchen Casanovas noch Helden waren. Nun fahren sie gro├če Autos, kleinen Verstand und billige Frauen. That`s it!

Heimat: Als Deutscher immer mit der Vergangenheit verbunden, die Amis haben es komischerweise geschafft, es auf die Zukunft zu richten. Wer erinnert sich denn noch an die Indianer, das Feuerwasser, die Eisenbahn und die B├╝ffel. Nachdem diese ausgerottet wurden, werden es jetzt die B├Ąume - und die Kultur einiger V├Âlker, aber das darf man nicht so laut sagen. Nicht aufgrund der Vergangenheit distanziere ich mich von den Deutschen. Deutsche sind intelligent, vom Kopf aus, wirkliche Wirtschaftswundertypen. Das gef├Ąllt mir nicht. Der Kopf urteilt, das Herz verzeiht. Deutschland urteilt nach dem guten Geschmack, Frankreich geht nach dem bon sens, nach dem was sie im Moment mit dem Gegen├╝ber sensitiv verbindet.
Den Preis was der/die Deutsche f├╝r die Rechtfertigung der Kritik im Felde des Geschmacks zahlt, besteht darin, da├č er dem Geschmack jede Erkenntnisbedeutung abspricht. ( vgl. Gadamer, Wahrheit und Methode )

Internet: Ein guter Gedanke hinsichtlich Entertainment. Leider f├Ąllt es in die H├Ąnde aller Menschen. So entsteht ein neuer Blick des gro├čen Bl├Âdsinns, des Schwachsinns, der Peinlichkeiten auf die Hinterb├╝hne unserer Gesellschaft. Die gro├čen M├Âglichkeiten der Informationsbeschaffung scheinen bald nicht mehr so angenommen zu werden, da sie zus├Ątzliches Geld kosten sollen. M├Âglichkeiten schaffen nicht nur Gutes. Das Land der vielen M├Âglichkeiten ist kein gutes Land, denn es hat einen Richter als Pr├Ąsidenten, der Menschen umbringen l├Ą├čt. Amerika ist kein Himmelreich, Mr. Bush kein Gott und das Internet ist nicht der tolle Apfelbaum. Und wenn er es w├Ąre, dann ist die Schlange nach ein paar Stunden des Herumbalgens auf dem Baum ziemlich schnell gefunden.
Man kann das Internet verschiedenst nutzen, doch viele Menschen nutzen es in der Weise, die man als Eintauchen in eine Cyberwelt bezeichnen kann. Sie nutzen das Medium nicht nur als Informationsbord, auf welchem man Neuigkeiten aus aller Welt finden kann oder aber auch Informationen aus aller Welt sich beschaffen kann. Sie treten in eine zweite Welt ein, in welcher sie sich in der Weise austoben k├Ânnen, da├č man dessen Sinn genauso hinterfragen mu├č, wie den p├Ądagogischen Sinn der Teletubbies f├╝r Kleinkinder. Auf Erich Fromm bezogen, meint Rainer Funk, da├č diese Inszenierung illusion├Ąrer Wirklichkeit den gro├čen Vorteil unmittelbarer und sofortiger Befriedigung mit sich bringt. Man m├╝sse weder warten, noch komme man zu kurz. Beim Eintauchen in die Cyberwelt gelangen wir zu neuen Freunden, zu Online-Schwestern, Online-Ehen und bei der Vermischung mit der realen Lebewelt ├╝ber Dates zu Offline-Vergn├╝gungen. Doch die Kehrseite sieht im wahrsten Sinne des Wortes traurig aus.
So meint Funk: ÔÇ×In einer inszenierten, illusion├Ąren Wirklichkeit zu leben, war schon immer auch eine gesellschaftlich praktizierte M├Âglichkeit, dem `Jammertal┬┤ dieses Erdenlebens zu entkommen.". Nat├╝rlich erscheint demjenigen, welcher diesen Satz ohne genauere Hinterfragung liest, dieses Jammertal ein generelles Menschheitsproblem zu sein, doch bei genauerer Betrachtung dieser realen Problematik kommt man dazu, sich klarmachen zu m├╝ssen, da├č das Eintreten in die Cyberwelt nicht nur ein blo├čes Kompensieren von Urtraurigkeit ist, sondern eine Best├Ątigung seines unausgef├╝llten Lebens.
Er fl├╝chtet sich in eine Welt, die besonders dadurch gepr├Ągt ist, da├č sie von vielen geteilt wird, welche in einem ├Ąhnlichen Dilemma sind, sich aber in dieser Parallelwelt eine gute, gl├╝ckliche, befriedigende Rolle aneignen k├Ânnen. Hierin bl├╝hen sie derma├čen auf, da├č ihnen teilweise nicht mehr m├Âglich ist, ihre wahre Rolle im Leben zu begreifen. In der Parallelwelt prahlen sie mit K├╝nsten, die sie im normalen Untereinander nie besessen haben und welche nur mit den Figuren ausgelebt werden k├Ânnen, welche ihrer gleich sind.
Generell kann man sagen, da├č diese Menschen, in der Welt der Moderne und ihrer Wahlverwandtschaft, in einer Wirklichkeit der Langeweile und des ├ťberdrusses, chronischer Depressivit├Ąt und Gesch├Ąftigkeit leben. W├╝rden uns Wirtschaft und Medien, und teilweise sogar die Politik, nicht weismachen, da├č dies Normalit├Ąt ist und w├╝rde es nicht von den meisten Menschen verfolgt werden, was im neuzeitlichen Demokratiedenken folglich als gesund und gut gilt, so k├Ânnte man diese Ambivalenz, diese Gespaltenheit und Schizophrenie als psychische Krankheit bezeichnen.

Ja: Ja zum Leben? Das a hat einen guten Klang und kommt in guten Worten vor: Wahrheit, Klarheit, Banales, Sahne. In Billard oder Zigarette kommt es auch vor, aber da hat es nicht die dominante Stellung. In meinem Leben gibt es selten Momente, in welchen ich Ja sage. Sehr selten. Aber sage ich deswegen Nein? Ich denke nicht. F├╝r Ja stehen unbedingt BMW, Mercedes, der FC Bayern M├╝nchen, aber auch Helmut Kohl, Christoph Daum (obwohl er gelogen hat ), die FDP ( sie sagt eigentlich zu allen Ja, Hauptsache es erlaubt zu regieren ), Banker und Immobilienmakler. Wenn ein Immoblienmakler zum Beispiel Nein denken w├╝rde, dann g├Ąbe es keine hohen Maklergeb├╝hren und keine unversch├Ąmten Nachfragen in Bezug auf Lohn, B├╝rgschaft, etc. Akzeptables Beispiel? Ich hoffe JA.

Kunst: Manche K├╝nstler sind keine Kunst ( z.B. Warhol ), manche Kunstwerke sind keine Kunst ( z.B. Beuys oder Kunstwerke, die daraus bestehen auf einer gro├čen unifarbenen Fl├Ąche einen unifarbenen Strich, Fleck bzw. Fleck zu hinterlassen ). Die K├╝nstler an sich sind aber h├Ąufig sehr besondere Menschen. In Unterhaltungen mit ihnen erkennt man den Geist ihrer Kunst manchmal einfacher als in deren Kunstwerken. Manchmal ├Ąhneln K├╝nstler Suizidkranken, die durch die besondere Aktion, das besondere Happening, auffallen wollen, mitteilen wollen, da├č sie die Welt so nicht ertragen.

L├╝ge: Die L├╝ge gibt es nicht mehr. Sie ist ein wirtschaftlicher Erfolgsgarant und somit ist sie nicht mehr das B├Âse. Es gab eine Form der L├╝ge, welche mir meine ach so christliche Mutter lehrte: die Notl├╝ge. Diese d├╝rfe ich immer anwenden. Um Schlimmeres zu vermeiden. L├╝gen haben lange Beine, es gibt einen leicht pornographischen Witz, in welchem eine nymphomanische Gesellin auf Pinoccios Unterleib sitzend, ihn bittet zu l├╝gen. Es w├Ąre gelogen, wenn ich sagen w├╝rde, ich h├Ątte nie gelogen. Eine doppelte Negation kann aber mathematisch gesehen zum Positiven f├╝hren. Vielleicht ist es also gut, gelogen zu haben. Um im Nachhinein das Unrecht f├╝r sich zu verarbeiten. Die L├╝gen der Wirtschaft f├╝hren zu H├Ąusern, Hochh├Ąusern, Macht, etc. Aber wie man heutzutage an den Gr├╝nen erkennen kann: Macht macht dumm. Also: wer l├╝gt, betr├╝gt. Im meisten Falle sich selbst.

Mode: Kann man das anziehen, was uns die Mode empfiehlt? Manche tun es und schauen furchtbar aus. Manche verstehen nicht, da├č Mode Geschmack verlangt, nicht umgekehrt. Wer davon ausgeht, gut auszusehen, wenn er die aktuellste Mode tr├Ągt, kann leicht ausschauen wie Ariane aus Berlin, wie ein Teletubbie mitten im kultigen Entenhausen, da├č sich bei Dagobert Duck als Putzfrau bewirbt. Mode sollte doch eigentlich nichts anderes sein wie eine gut dosierte Droge ( womit ich nun nicht Heroin oder Ecstasy meine ); es sollte das verst├Ąrken, was man eh schon besitzt. Nat├╝rlich ist die Mode auch ein Mittel der Verkleidung, der Blendung. Dieses aber sinnvoll anzuwenden bedarf es einer Stilkunde in Bezug auf seine F├Ąhigkeiten, seines Aussehens und seines Selbstbewu├čtseins. Sonst k├Ânnte man aussehen wie der alte, dicke Kanzler Kohl in einem Jogginganzug von Calvin Klein ( stellt der so etwas eigentlich her??? ). Oder gar wie ein Mr. Bush in einem Gewand eines Freiheitsk├Ąmpfers. Das steht Herrn Bush vielleicht zur privaten Faschingsparty im Kreise seiner militanten Kollegen, aber sonst ist es ein absoluter Stilbruch.
Ach ja, ein absolutes Modefauxpas im Ausgehbereich sind graue Farben, Anz├╝ge, Krawatten und zu offensichtliche Stringtangas bei Frauen, sowie Hosen, welche den Eindruck erwecken, als ob jener junge Mann keinen Hintern in der Hose hat. Diese Gegenst├Ąnde geh├Âren auf die Stra├če, ins B├╝ro, zum Wochenendeinkauf in die Fu├čg├Ąngerzone sowie in Einkaufszentren. Denn diesen Bereichen kann man ausweichen. Wenn man weggehen will, sollte man schon eine gewisse Spritzigkeit im Bezug auf das Modeverhalten eingestaubter Alltagsmenschen erwarten d├╝rfen.

N├Ąhe: ÔÇ×Wenn ich mich recht erinnere, war es ( das Heftchen ) eine Imitation des Atlantis-Romans von Pierre Benoit, aber mit einem Schu├č Jules Verne. Als die Sonne unterging, war ich - in meinem Zimmer eingeschlossen - bereits aus Allessandria entschwunden, ich fuhr ├╝ber schweigende Meeresgr├╝nde, sah andere Sonnenunterg├Ąnge und andere Horizonte. Mein Vater meinte, als er nach Hause kam, ich l├Ąse zuviel, und sagte zu meiner Mutter, ich sollte ├Âfter mal an die frische Luft. Dabei war ich gerade dabei, mich von zuviel Raum zu entw├Âhnen." (Umberto Eco, Satiren und Glossen).
Manche Menschen erkennen N├Ąhe nicht mehr als einen inneren Raumbegriff, sondern nurmehr als ├Ârtlichen.
Vielleicht waren wir uns fr├╝her zu nahe. Vielleicht haben uns die Medien zu h├Ąufig umworben und f├╝r neue Lebens- und Arbeitsverh├Ąltnisse gewonnen.. Jedenfalls meiden wir N├Ąhe. Wir suchen das Anonyme und offenbaren uns darin ( BB, Hier klicken Wir n├Ąhern uns ArbeitskollegInnen auf Partys. Dabei haben wir gleichzeitig sowenig Zeit f├╝r Freizeit, f├╝r Nahes, weil wir soviel an uns herankommen lassen, uns einnehmen lassen.
Wir n├Ąhern uns anhand von Talkshows, erfahren N├Ąhe als Privates, was banal wird. Wir meiden Privates, meiden N├Ąhe. Die N├Ąhe ist der gr├Â├čte Feind der Freiheit. Nah stehen wir h├Âchstens uns. Aber gerade diese N├Ąhe schafft es, da├č wir nicht in der Lage sind uns zu betrachten.

Ordnung: Ist Ordnung ein Zwang? Wer Zuhause ordentlich ist, ist es innerlich nicht. Wer innerlich ordentlich ist, ist es Zuhause nicht. Was wie eine unversch├Ąmte Behauptung oder einer diesen vielen Beispiele f├╝r Yin-Yang klingt, steht aber auch f├╝r Zeichen von Verachtung, Ausleben, Nobody-is-Perfect. Ordnung steht f├╝r Krawatte um den Hals. Aber schn├╝rt uns diese Krawatte nicht den Hals ab? Ist die Krawatte nicht auch Zeichen f├╝r Kauf und Verkauf? F├╝r Handeln, f├╝r ├ťberlisten. Ist das Ordnung oder Lug und Trug?
Ich erinnere mich an ein Plakat auf der Autobahn: Vorne auf dem Bild der Langhaarige Student, dessen Haare scheinbar vom Fahrtwind ( seines von Paps gezahltem Cabrio?? ) zeigen, da├č er zu schnell f├Ąhrt, w├Ąhrend hinter ihm, ein Mann mit Anzug und Krawatte das Lenkrad ruhig h├Ąlt ( w├Ąhrend er sicher mit seinem 200 PS-Auto die Autobahn auf der linken Spur entlang rast ). Seitdem ich in M├╝nchen lebe, sehe ich auf der linken Spur auf dem Ring, wo man alle 1000 m an das Tempolimit von 60 km/h erinnert wird, Autos heranrasen, mit M├Ąnnern welche Krawatten tragen, w├Ąhrend die langhaarigen Studenten ( falls sie nicht sowieso schon ausgestorben sind ) mit dem Fahrrad die Leopoldstra├če entlang radln.
Und dann w├╝nscht sich die CSU f├╝r die n├Ąchste Wahlperiode weniger Stau in M├╝nchen, damit Paps noch schneller nach Hause rasen kann. Das ist ja fast schon genauso ordnungswidrig wie Beckenbauer, der Weihnachten Frauen Kinder beschert, ohne daf├╝r gestraft zu werden. Warum reden die eigentlich noch von der christlichen Leitkultur, die Becksteins, Stoibers, etc. ???

Perversion (z.B.: das erotische Tagebuch ist keine Erotik, kein Sex...sondern reine Perversion...Z├Ąrtlichkeiten im Zeitalter der moderne, der unverbindlichen one-night-stands sind nur Perversion...)

Qual ( das Auswendiglernen, das nicht-vergessen-d├╝rfen....)

Recht: Recht hat der, der Geld hat. Wer Geld hat, kann sich freikaufen. Diese Art der Rechtsprechung ist Unrecht. Aber das hilft nichts. Alles was die Wirtschaft belebt ist rechtens, aber wie, das ist ebenfalls oft unrecht. Manche begreifen es vielleicht, nachdem die B├Ârse pl├Âtzlich eine Baisse vollf├╝hrt hat und nun die Direktbroker sich das Geld aus kleinen Aktionen holen und damit die B├Ârsenkultur zerst├Ârt haben. Aber vielleicht gibt es bald eine neue Rechtsprechung, die wieder uriger ist, und bei welcher, im Moment zumindest, ein zutodeverurteilender Richter, eine wichtige Rolle spielt. Eigenartig aber, da├č ein Richter wie er, sich dagegen ausspricht, da├č man ein Todesurteil ausf├╝hrt. Hat er doch auch schon oftmals Recht gesprochen.
Wir k├Ânnten auch rechts-bezogene Grundfragen stellen:
Ist die Wirtschaft gerecht? Und wenn nicht, warum gilt dann das Diktat der Wirtschaft als Grundlage der heutigen Demokratie?
Darauf k├Ânnte ich dann nur sagen: dies ist mehr recht als GUT.

Sensibilit├Ąt: Gefragt. Fr├╝her war es die St├Ąrke der Frauen, nun wird es von den M├Ąnnern erwartet. Sensibilit├Ąt ist aber auch ein Modewort geworden. Geh├Ârt ein bi├čchen zu dem Problemwort Dekadenz. Dies war einstmals ein Kulturwort, mittlerweile eher ein Begriff der Midlife-crisis-Kultur. Sensibilit├Ąt steht im Zusammenhang mit dem Film Sense and Sensibility. Sensibilit├Ąt k├Ânnte doch so sch├Ân daf├╝r stehen, da├č man sich mehr versteht anstatt besser verstehen mu├č. Sensibilit├Ąt k├Ânnte der Inbegriff daf├╝r werden, da├č man nicht mehr nach dem bestm├Âglichen schielt, sondern Verst├Ąndnis f├╝r die Schw├Ąche im Kampf innerhalb einer Ellbogengesellschaft hat.

Traum: 30% unserer Lebens schlafen wir. Nun k├Ânnte man meinen, diese Zeit sei leblose Zeit. Aber es ist die Zeit der Tr├Ąume, des Sehens von Augenblicken, die wir uns erw├╝nschen, die h├Ąngen geblieben sind, etc. Manche Menschen verstehen - aufgrund der Werbeindustrie - unter Traum, das was man fr├╝her als Wunsch bezeichnete. Der Traum vom Auto, eigenem Haus, etc. Den Humanisten tr├Ąumte es g├Ąbe eine Hoffnung auf Friede auf Erden. Martin Luther King hatte einen Traum. Bin Laden sprach: Aus der Traum! Und Bush vollf├╝hrte nun etwas, was man nicht zu tr├Ąumen wagte, in Zeiten einer aufgekl├Ąrten Gesellschaft.
Wenn wir sterben, werden wir aufwachen und feststellen, da├č dieses Leben nur ein Albtraum war??!

Unterhaltung: Neuerdings spricht man ja von Entertainment, vom Event, etc.. All das Amerikanisieren, was schon viele Kulturen zerst├Ârte, erreicht jetzt auch immer mehr die Wertekultur. Unterhaltung ist das, was man erlebt, wenn man jemanden trifft. Fr├╝her galt es als selbstverst├Ąndlich, da├č ein zuf├Ąlliges Sichtreffen reine Unterhaltung erwarten lie├če. Nun l├Ą├čt man sich unterhalten, berieseln von Unterhaltung, richtige Gespr├Ąche, ein Sich-Unterhalten findet selten statt. Wenn das banale Gespr├Ąch aus Selbstzweck ein Ende findet, dann landet es wom├Âglich im Trauergespr├Ąch, weil der Alkohol die Seele erweicht hat. Eine Unterhaltung ├╝ber ein Thema gibt es selten, au├čer es handelt sich um ein illustr(iert)es oder aber um Sport. Manches der letzten Gespr├Ąche ├Ąhneln dann wiederum aber der Unterhaltung im Stile von Berieselung. Ein Buch unterh├Ąlt, ein Wein unterh├Ąlt, ach, wie selten nur noch. Let me entertain you - Robbie Williams. In diesem Sinne w├╝nscht Ihnen RTL eine gute Unterhaltung mit dem kommenden Kochkurs von Naddel.

Vernunft: ausgestorben wie die Moral, wie Gerechtigkeit und wie Ehrfurcht vor etwas was uns menschlich leben lassen k├Ânnte....oder sagen wir: ausverkauft!...is nicht mehr im Lager...man k├Ânnte sie nachbestellen, aber dieses Land, in welchem sie lagert, ist im Moment noch mit einem Wirtschaftsembargo behaftet...

Wasser:

X wie der TOD, die gro├če Unbekannte.....

Yacht ( meine Frau, mein Haus, meine Yacht )

Zivilisation: Die Zivilisation - oder nennen wir es ruhig die Vergesellschaftung unseres pers├Ânlichen Lebens - hindert uns nicht nur bei Rousseau am Gl├╝cklichwerden. Fromm bezeichnet Gl├╝ck als einen ÔÇ×Zustand intensiver innerer Aktivit├Ąt, das Erlebnis wachsender Lebenskraft, die durch die positive Bezogenheit auf die Welt und auf uns selbst besteht". Nachdem aber amerikanische Wirtschaftswissenschaftler oder nennen wir sie einfach geldgierige Mediengogule zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf die glorreiche Idee kamen, statt die Wirtschaft dem Menschen dienen zu lassen dieses umzukehren, indem sie dem Menschen W├╝nsche suggerieren wollen, welche er eigentlich gar nicht hat, werden wir immer weiter von dem entfernt, durch die Gaben auf dem weihnachtlichen Gabentisch gl├╝cklich zu werden. Denn Gl├╝cklichsein hei├čt F├╝lle erleben und nicht Leere, die gef├╝llt werden mu├č. Wir k├Ânnen aufgrund der Begriffe der `Zivilsation┬┤ heute Menschen vergn├╝gt und am├╝siert nennen, das negative Pendant dazu deprimiert oder gelangweilt.
Viele Menschen haben heutzutag in unserer westlichen Zivilisation das Problem der Langeweile. Und je mehr sie sich davon befreien wollen, durch immer mehr und mehr Anschaffungen und Kommunikationsformen, desto langweiliger wird ihr Leben eigentlich. Sie k├Ânnen dann nicht nur das Problem, welches Blaise Pacal deklamierte, als er davon sprach, da├č der Mensch unf├Ąhig sei, alleine in einem Raum sich aufzuhalten, nicht bew├Ąltigen sondern verlieren sie sich gleichzeitig immer mehr in Welten, in welcher sie mehr und mehr einer menschenleeren H├╝lle gleichen. Wir sehen sie in grauen Masken von einer Besch├Ąftigung zur anderen dahinziehen und fliehend darum betend, da├č doch endlich - nach mehreren verzweifelten Cocktails - der Schleier der Nacht sie bedeckt und der Geist unter der Last des geplagten K├Ârpers zusammenbricht. Diese Zivilisation diktiert und wird diktiert. Nur einige enthalten sich dieser Muster; jene, welche es sich nicht leisten k├Ânnen und jene, welche es ihrem Geist nicht zumuten wollen.

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zettelstraum
Bl├╝mchendichter
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warum...

...schenkt mir keiner n tip f├╝r die ├╝brigen worte wie wasser, yacht und tod?

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Psyche
Schriftsteller-Lehrling
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Hi Chris,

ich versuchs mal.

Wasser: Ist alles und ohne Wasser ist keiner lebensf├Ąhig....
das beste L├Âsungsmittel der Welt.....Grundlage unseres Lebens.....man kann in ihm ertrinken, schwimmen, sich darin einwickeln, schlummern und noch so vieles mehr.
Wir degradieren es zu einem allt├Ąglichen Gebrauchsgegenstand, wir mi├čbrauchen es zur Aus├╝bung von Macht und verstehen wieder einmal nichts von den Dingen, die die Welt zusammenhalten. Das Meer erweckt in mir die Sehnsucht nach mehr Intensit├Ąt,Weite, Wegfahren und Ankommen d├╝rfen.....ausgeliefert den Wellen meiner sturmgepeitschten Seele vertraue ich darauf das Wasser tr├Ągt....

Yacht: Statussymbol einer Gesellschaft die es verlernt hat zu suchen und nur nach Besitz strebt.Wir lieben unseren Besitz (z.B. Yachten) mehr als unsere Frauen, M├Ąnner, Kinder.
Dabei sind Yachten etwas wunderbares, wenn man auf Reisen gehen m├Âchte, bei so einer Reise wei├č man vorher nicht so genau wie sie enden wird..... k├╝mmerlicher Rest des Forscherdranges vergangener Generationen ???

Tod: Aus unserem heutigen Leben verdr├Ąngt, verleugnet und zum Horrorereignis abgestempelt. Vor meinem eigenen Tod hab ich keine Angst.... wovor wir Angst haben ist der Schmerz den wir durchleben m├╝ssen, wenn ein geliebter Mensch uns f├╝r immer verlassen hat. Die Endg├╝ltigkeit des Todes ist es die wir nicht warhaben wollen, die uns unf├Ąhig macht zu trauern und dies auch zu zeigen. Dabei sind so viele Menschen ihr ganzes Leben lang tot....... das einzig Wichtige in unserem Leben sind die Spuren der Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir gehen........
Hinterlassen wir Spuren ?

Liebe Gr├╝├če Psyche

__________________
Psyche

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zettelstraum
Bl├╝mchendichter
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vielen dank

ehrlich danke...psyche...werde es einbauen.
ich finde es sehr gut, wenn man diese plattform auch als plattform der ideen sehen kann, der kommunikation und nicht nur der selbstdarstellung.
ich habe wenig zeit und erlebe im moment selten momente der muse, um nachzudenken, zu gr├╝beln, zu sehen, niederzuschreiben...und so finde ich es trefflich, wenn mir jemand seine ideen leiht.

nochmals thank u.

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Psyche
Schriftsteller-Lehrling
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Hallo Chris,

freut mich wenn es Dir Inspiration verschafft.
Ich nehm mir im Moment die Zeit zum Nachdenken und habe eine Muse gefunden, ich find es wundersch├Ân wenn man mal ein Feedback bekommt. Es ist so selten das Menschen meine Gedanken verstehen k├Ânnen.
Ein bischen wie Weihnachten im Januar.......

Sei Herzlich gegr├╝├čt Psyche
__________________
Psyche

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