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Leselupe.de > Erzählungen
historisierend überarbeitet: Achill & die Schildkröte
Eingestellt am 15. 12. 2007 13:29


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collecteur
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Achill und die Schildkröte (überarbeitete Fassung)
oder

Wie man mit seinen Schwächen wuchern und seinen Stärken scheitern kann

Achilles und die Schildkröte hatten sich für einen Wettlauf verabredet, dessen seltsame Regeln jemand anderes aufgestellt hatte, aber sie fanden es beide nett, sich bei solch einer Gelegenheit mal zu treffen und auch zu messen.
Die Regel war folgende: Achill als berühmter Läufer sollte der Schildkröte 100 Meter Vorsprung lassen und dann erstmal diesen Vorsprung aufholen, inzwischen hat ist die Schildkröte ja weiter gekrochen und hat erneut einen Vorsprung, welchen Achill aufholen muss, kurz gesagt, Achill holt immer erst den Vorsprung ein.

Man begrüßte sich, die Stimmung war ausgelassen, und sie verabredeten, dass der Verlierer eine Runde in der weiter vorne liegenden Kneipe schmeissen müsse, und los gings.

Achill machte sich siegesgewiss keine weiteren Gedanken über die merkwürdige Regel, genoss seine Lockerungsübungen, freute sich über das schöne Wetter und konzentrierte sich dann auf seinen Start.

Die Schildkröte kroch los und ging im Geiste noch einmal die Regel durch. Dabei kam sie zu dem Schluss, dass niemand, auch nicht der berühmte Achill, ihr den Sieg nehmen könnte. Sie versuchte, sich jede Phase des Rennens genau vorzustellen, kam dabei bald in Schwierigkeiten, aber die genaue Anwendung der Regel half ihr jedesmal und bestätigte sie in der Überzeugung, einen sicheren Sieg vor sich zu haben. Achill müsste immer erst den Vorsprung einholen und so ewig hinter ihr bleiben. Ein wenig Sorge bereitete ihr der Gedanke, wer denn wann ihren Sieg als amtlich feststellen würde, aber Achill müsste halt irgendwann die Vergeblichkeit seiner Bemühungen einsehen und kapitulieren.

Nun war sie an der 100 Meter Marke angekommen, und Achill rief: "Ich leg jetzt los!" und startete. Die 100 Meter hatte er, da er sein gewohntes Wettkampftempo vorlegte, bald zurückgelegt. Allerdings musste er auf den letzten 20 Metern schon kräftig abbremsen, sonst hätte er die Schildkröte einfach überflogen.

Diese war inzwischen mit mäßiger Anstrengung 1 Meter weitergekommen. Jetzt fuhr Achill allerdings der Schreck in die Glieder: Wenn sie in der Zeit, in der er 100 Meter schaffte, nur einen Meter weit kam, dann würde sie, nachdem er den Meter hinter sich gebracht hätte, ...vergeblich versuchte, er eine Berechnung anzustellen. Die Schildkröte bemerkte seine Verwirrung und zischte ihm zu: "Jetzt den Meter, dann einen Zentimeter, dann immer weiter ein Hundertstel von...."
Achill bemühte sich verzweifelt, trotz der Umstände irgendwie in Bewegung zu bleiben, zumal einfach stehen zu bleiben ihm wie ein Verrat an dem gemeinsamen Unternehmen vorgekommen wäre. Wie um Zeuss willen sollte er denn bei Schuhgröße 46 einen Ein-Zentimeter-Schritt machen. Schließlich stolperte er mit dem linken Fuß über die rechte Schuhspitze und um nicht hiinzufallen, musste er einen großen Schritt machen und dann schnell noch einen und noch einen. Dabei rief er mit resignierendem Lachen: "Blöde Regel, das geht ja gar nicht! Ich zahl die Runde und bestell schon mal." ...und trabte erschöpft vom Rechnen aber erleichtert wegen der Aussicht auf ein kühles Helles auf die Kneipe zu.

Dabei versuchte er nur auf den ersten zwei Metern noch, zu verstehen, was die Schildkröte ihm nachrief.
Fassungslos sah sie ihn davonlaufen, beinahe wäre auch sie gestolpert, weil sie unwilkürlich ein Vorderbein angehoben hatte in einem empörten aber vergeblichen Versuch ihn aufzuhalten. "Das ist gegen die Regel. Hast du sie vergessen? Die Regel besagt doch, dass du immer erst den Vorsprung..".und sie argumentierte und referierte... auch die Tatsache, dass er durch seine Bereitschaft zu zahlen, sich praktisch zum Verlierer erklärt hatte, nahm sie zwar zur Kenntnis, aber sie beruhigte die Verzweifelte keineswegs.. Sie wollte nicht durch seinen Regelverstoß zur Siegerin werden, das kam ihr fast verwerflich vor. Die Nonchalance, mit der Achill über die Regeln und auch über seine Schwierigkeiten mit dem Kopfrechnen hinweggegangen war, ließ sie mit ihren Ordnungsgedanken und Siegerphantasien gekränkt und enttäuscht zurück.

Immer noch Erklärungen vor sich hin murmelnd kam sie schliesslich, den Mund voller Staub, bei der Kneipe an. Bevor sie jedoch zu dem finalen Vorwurfsmarathon ansetzen konnte, schnitt Achill ihr wiedermal das Wort ab. "Hör mal, du musst mir helfen, du kannst doch so gut rechnen, ein Bier kostet hier 2,77 Drachmen. Reichen da meine 10 Drachmen für 5 Biere? "
Die Schildkröte überlegte - aber nur ganz kurz -, ob sie ihm die richtige Lösung nur im Falle einer regeleinhaltenden Wiederholung des Rennens verraten sollte, aber da verschluckte sie aus Versehen eine kleine Staubwolke, und all ihr Sehnen und Trachten warf sich auf ein BIER. Sie murmelte: "Den Rest zahl ich." Und das folgende "du dummkopf" wurde von prickelnd kühlem Bier runtergespült.

Achill gilt bis heute als großer Läufer, und die Schildkröte erwarb sich einen Ruf als Erfinderin unlösbarer Rätsel..




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