Seit Jahren habe ich
Nicht nur ein
Sondern Zweiräder ab.
Seit heute sind sie nun zu viert.
Drum bin ich nicht mehr nur der Geradhr
Sondern ein Gerädeter.
Denn die geerbte antiquierte Kiste sprang zwar an
Soff aber im nächsten Moment gleich wieder ab
Und blieb ertrunken.
Gestunken
Hat’s ziemlich und ganz besonders mir
Mitten im Dorf
Vor all den Witz
Begierigen.
Ein Hausfrauenkittel weit über 78einhalb
Leistete dahingehend Soforthilfe
Dass sie in ihrem VogelsbergeRRRRRRRRRR erklärte,
dass das Antiquum selbst im Winter
bei minus 24 Uhr um 2 Grad morgens
an.
Sprang!
Und lief.
Warum nicht mit mir und das um die Wette?
Oder vor mir weg?
Mobbte mich der alte Schwede?
Oder beliebte der Poltergeist
Meiner lieben verschiedenen Freundin
Mir den steifen Schabernacken zu kitzeln?
Schnurz und Mut:
Ein sonniger Engel löste sich aus einem herbei geeilten Strahlenbündel, besprühte die ersoffenen Kerzen mit heiligem Wasser, zündete sie schließlich an und röchelschnepperproch fiel dem Unboliden seine eigentliche Bestimmung wieder ein. Ich hatte ihn – aber bitte nicht weitersagen – insgeheim mit der Aussicht auf Langstrecken bestochen. Er sprang an und nicht mehr mit mir um. Nur noch ein ganz kleines bisschen an der Tankstelle, als die Lehne des Fahrersitzes beim Anfahren meinte, mich zügig in die stabile Rückenlage bringen zu müssen.
Nun bin ich wieder autorisiert.
Und sogar zu Hause angekommen.
Bakenknitter, gern gerädert
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GerhardBakenfalter Routinierter Autor
Registriert: Aug 2007
Meine geschundenen Füße kochen
sämtliche Eingeweide proben den Aufstand
und der Rest vom Beinahekadaver will
das Betriebssystem nur noch abschalten.
Jede Faser meines Herzens jedoch
sehnt sich auf der Stelle zurück
nach Hayastan.
„Ein Abschied von Armenien ist sehr traurig. Viel schlimmer ist es jedoch, niemals zurückzukehren.“
es reichen wir räder bis auf den (anti)poden, an jeder ecke eins. das fümfte hat speichen, in die musste greifn.
Tritt dich dem läbn tritt zurick, sagten weiland meine ostpreußischen vorfahren. jetzt sagen sie bald nichts mehr (dazu). sprachen gehen einfach so verloren. dem saab geht das rad ab. dem fahrrad eine speiche. dem speicher das gerümpel. und faltern die gute laune, wenn der flieder (nicht) wieder blüht.
mir blüht ein frühzeitiges ende (dieses texts).
W. - heute ganz ohne alt(h)er
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Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"
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GerhardBakenfalter Routinierter Autor
Registriert: Aug 2007
nach und nach ohne mich weiterzugehen, als ich dich im Herbst 1996 kennenlernte. Mein damaliges Leben als fürsorglicher Familienmensch mit gestutztem Vorgarten, aber ohne weiterführende Hintergedanken erfuhr eine exotische Bereicherung. So eine wie dich hatte ich in den behüteten 32 Jahren davor nicht kennengelernt. Eine Frau, die sich der Verantwortung für sich selbst stellt und nebenbei in der Küche ein Klo aus den Fugen kloppt, die auf relativ kleinen Füßen ihren Weg geht, ohne vorher ihren Mann um Erlaubnis zu fragen – fast schon beängstigend, aber hochinteressant und faszinierend. Ich wollte dich näher kennenlernen, was aber nicht so einfach war. Erst als unser kleines Schweinchen Billy meiner Unachtsamkeit und einem großen schwarzen Hund mit Jagdinstinkt zum Opfer fiel, ergab sich eine vorsichtige Annäherung. Benni und ich waren zu dir geflohen, als sich unser Haushaltsvorstand wegen des stattgehabten unbequemen Todesfalles echauffierte. Wir saßen zum ersten Mal in deiner Küche, du gabst dem trauernden Neunjährigen und mir zu essen und zu trinken, ein offenes Ohr, Wärme und Verständnis. So fing es an und ich weiß nicht, wie viele Nächte danach du und ich zusammen saßen, diverse Weinflaschen köpften und redeten. Besagter Haushaltsvorstand sollte dir einige Zeit später vorwerfen, dass du so etwas wie eine Hirnwäsche bei mir durchgeführt hättest. Immerhin, eine solche Wäsche setzt das Vorhandensein eines Denkapparates voraus. Du hast mich gelehrt, ihn sinnvoll zu nutzen, althergebrachte Wertvorstellungen in Frage zu stellen, darüber nachzudenken, ob ich nicht auch ohne die Aufsicht meiner familiären Vorgesetzten mein Leben in Freiheit gestalten könnte. Dir schlug zunächst meine Auflehnung entgegen, ich verteidigte mein bekanntes Unglück. Du hast an Fundamenten gerüttelt, die in meinem bisherigen Dasein in Stein gemeißelt waren. Zum Glück, kann ich heute nur sagen. Es waren viele Umwege nötig, bis ich den Pfad der Tugend hinter mir lassen und meinen Weg mit Achtung auch vor meinem Leben selbständig gehen konnte. Das vergesse ich dir niemals. Danke, Trudi.
In diesen bewegten Zeiten haben wir den einen oder anderen lustigen Ausflug links vom besagten Tugendpfad gemacht. Irgendwann hattest du auf deiner Couch gesessen und missbilligend draußen die Laternenpfosten betrachtet, die von Wahlplakaten der Republikaner verschandelt waren. „Die müssen weg!“, war unsere einhellige Meinung. Und so stapften wir im nächsten Morgengrauen mit einer Trittleiter und einem Seitenschneider ausgestattet zu den besudelten Pfosten. Du hieltest die Leiter fest und ich durfte die Laternen von den schmutzig-braunen Plakaten befreien. Wir schleppten sie in deinen Keller, die Aussicht aus deinem Wohnzimmerfenster war gerettet. Dummerweise prahlte ich vor meinem Exmann mit dieser Heldentat, was mir gehörigen Ärger von wegen Polizei, Staatsgewalt und Rache der Rechten einbrachte. Ich hätte die Klappe halten sollen, du hattest ja recht.
Ein anderes Mal hattest du mich abends zum feudalen Essen eingeladen. Wir spiesen vortrefflich, glühten uns mit Wein vor und zogen schließlich weit nach Mitternacht mit deiner Schubkarre los. Hinter der Bushaltestelle befand sich ein Materiallager für Straßenbauarbeiten, und da du deinem wunderbar wilden Garten einen kleinen Weg schenken wolltest, klauten wir diverse Betonplatten, die wir kichernd zu dir nach Hause karrten.
Auch deine letzte einsame Aktion passt ins Bild. Ihr Ergebnis macht mich sehr traurig. Dennoch freue ich mich für dich, dass du nun endlich in Frieden schlafen kannst, ohne dass die Schatten deiner Vergangenheit dein Dasein verdunkeln. Ich bewundere deinen Mut und deine Konsequenz.
Regina
22. Juli 2011
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GerhardBakenfalter Routinierter Autor
Registriert: Aug 2007
Heute Nacht
drangen Gigallionen Voltagen
(folglich nicht nur Zillionen Watt
sondern Megaliter Unwätter)
gleißend
in meinen Alptraum ein
und schlugen meinen Schlummer tot.
Apokalyptotischer Weltenbruch ins Nulloversum!
Hellwach analysierte ich
mein auswegsloses Vorbei
Zum Glück fiel mir ein
dass ich schlimmstenfalls sterben würde –
das war so lange tröstlich.
bis ich blitzgeblendet anfing
über den Weg dorthin nachzudenken
Heute früh
frisch geduscht und freitagspoliert
lachte mich meine Straße
einfach aus.
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GerhardBakenfalter Routinierter Autor
Registriert: Aug 2007
Vorhin, kurz nach dem Aufstehen, bewegte mein klammes Hirn die bange Frage, wo denn eigentlich der Kaffee geblieben sein könnte, der in meiner Kanne fehlte…? Offensichtlich stand das Teil schief unter der Eintropfanlage, doch konnte die Pfütze, die die halbautomatische Kaffeekochapparatur dekorativ einrahmte, nicht die fehlenden Schlucke erklären. Eigenartig, aber zu kompliziert für meinen postkomatösen Zustand, zumal die heiße Bohnensuppe schmeckte wie immer. Nach der zweieinhalbsten Tasse dann brüllte mein Magen nach Aprikosenkonfitüre. Also Toasts in die Schlitze, Teller gezückt, Butter raus, ein energischer Griff zur Schublade – schwupppppppps. Kalter Kaffee plantschte mir entgegen, schwappte ins Freie, während die kleinen Teelöffel bibbernd ein rabenschwarzes Vollbad nahmen…
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