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Leselupe.de > Ungereimtes
nichts
Eingestellt am 24. 04. 2001 13:26


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Chrissie
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Oct 2000

Werke: 67
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nichts

solch zÀhe tage
schwer und trÀnenreich
nicht einmal erahnbar
wie glĂŒck sich anfĂŒhlen könnte
unglĂŒck kriecht
durch alle strassen
in allen gassen
ĂŒber alle plĂ€tze
wie schwarzer schleim
aus tausend toten
nach verwesung stinkend
wie ein penner aus dem maul

(gott existiert nicht
gott ist ein penner
gott ist tot)

im stakkato wirr wirbelnder
dunkel gefÀrbter gedanken
verschattet der sichtkreis
kein entkommen
aus der grausamkeit die innen wohnt
keiner kann helfen
gefangen im kerker der eigenen angst
niedergedrĂŒckte augen zeichnen den weg
ĂŒber schmutzige pflastersteine
durch hundehaufen und rostige nadeln
immer hinein
durch den stĂ€rksten schmerz in den grĂ¶ĂŸten dreck

(unerreichbar sind die Àngstlichen
selbst ausgegrenzt vom leben
hinter mauern gebaut aus pein)

geh! geh weg
fort, lass mich!
ich suche keine heimat
ich suche nichts mehr
ich will deine liebe nicht
ich will so bleiben
und mich weiden
am eigenen leid

CMvM 2001

__________________
Pseudonym? Nein Danke!
Christine Mell von Mellenheim

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Bernd
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Aug 2000

Werke: 2139
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Liebe Chrissie,

kann Gott tot sein, wenn er nicht existiert?
Wenn er tot ist, existiert er tot.
FĂŒr Gott, den AllmĂ€chtigen, wĂ€re das kein Problem.
FĂŒr Gott, den Allwissenden, auch nicht.
FĂŒr den Lebendigen Gott schon.

---

Ich habe Schmu gemacht.
Im Gedicht ging es um Anderes, und es gefÀllt mir sehr.

---

Sehr schön die Doppeldeutigkeit im SÀchsischen:

mauern gebaut aus pein

---

Das Gedicht ist in sich vollkommen.

Viele liebe GrĂŒĂŸe von Bernd

__________________
Copy-Left, samisdada

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Chrissie
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Oct 2000

Werke: 67
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...die beinernen mauern aus pein... das ist klasse!

Dein Lob freut mich, gerade weil das mal ein ganz anderes Gedicht ist als der Rest, den ich so schreibe.

Merci vielmals
Chrissie
__________________
Pseudonym? Nein Danke!
Christine Mell von Mellenheim

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Rote Socke
Guest
Registriert: Not Yet

Ausgestaltung Top, Message Flop!

Liebe Chrissie,
nein, das mit dem Flop meine ich natĂŒrlich nicht so.

ZunÀchst ist diese Lyrik eine lesenswerte Lyrik, mit ausgefeilten SÀtzen.

(unerreichbar sind die Àngstlichen
selbst ausgegrenzt vom leben
hinter mauern gebaut aus pein)

Du hast meine Gedanken auf zweierlei Art beschÀftigt.

1. Menschen die Leid erleben, erlebt haben, verstecken sie sich wirklich hinter dieser Mauer wegen Angst. Leid und Pein können doch auch den Mutigen ereilen.

2. Du grenzt die möglichen Perpektiven gegenĂŒber einem Gott völlig aus. Wo bleibt der klitzekleine Funken Hoffnung?

Viele GrĂŒĂŸe
RG (Der rote GlÀubige)

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Bernd
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Aug 2000

Werke: 2139
Kommentare: 10392
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Lieber RG,

muss es immer Message sein?
Ich denke, das Gedicht braucht so etwas nicht, zumindest nicht dringend.
Der Informationsgehalt von Lyrik liegt im Verweigern von Message.

Die Hoffnung ist das Gedicht.

"mich weiden
am eigenen leid"

charakterisiert die Person und gibt eine (leicht ironische) Distanzierung.
Üblicherweise weiden sich negative Personen am Leid anderer.
(Erfreuen sich am ..., ernÀhren sich vom ... usw.)

Viele GrĂŒĂŸe von Bernd
__________________
Copy-Left, samisdada

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Rote Socke
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Bernd,

also das bin ich völlig Deiner Meinung: Es muss nicht immer eine Message hinausposaunt werden. Doch auch ohne die direkt sichtbare Message, bietet nicht jeder Text im Verborgenen eine Art Message, eine PrÀmisse, die der Text dem Leser vorhÀlt? WÀre dem nicht so, brÀuchte ich mich nicht schriftlich mitzuteilen.

Du sagst, die Hoffnung ist der Text selbst. Als Grundthese mag ich mich gern damit zufrieden geben, weil es wahr ist. Aber in dieser Lyrik fand ich die Hoffnung nicht. Magst Du mir auf die SprĂŒnge helfen?

(mich weiden am eigenen leid) soll das eine Art Hoffnung darstellen?

Beste GrĂŒĂŸe und freue mich auf Deine Antwort, weil's mich interessiert.

RS

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