Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5284
Themen:   87754
Momentan online:
156 Gäste und 3 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
soziales
Eingestellt am 18. 11. 2007 17:17


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
grasshof
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Nov 2007

Werke: 57
Kommentare: 103
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um grasshof eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Joachim wird heimgeholt
Lydia zw├Ąngte sich durch das Kn├Ąuel der Aussteiger, bis sie neben dem Gesuchten Platz fand. Es war Joachim. Sie kannte ihn vom Sehen schon sehr lange, als er noch seiner Arbeit nachgegangen war. Dann war da ein Unfall, sp├Ąter folgte die Arbeitslosigkeit, seit Jahren beobachtete sie, wie er immer mehr verkam und sie hatte Mitleid. Aufmerksam wurde sie eigentlich schon in jungen Jahren auf ihn, denn er erinnerte sie an ihren Vater. Deswegen war sie unterwegs zu ihm.
Sie setzte sich neben Joachim hin: "Sch├Ânen Abend Herr Bendler, was machen Sie denn hier?" Der Mann starrte entgeistert auf die Frau, war er es doch nicht mehr gewohnt, angesprochen zu werden. Dann antwortete er: "Ich hier? Na ja, ich sitze hier, weil es da warm ist, und ich trinke, weil ich sonst nicht hier sein kann." Aber warum sie denn frage, wer sie denn sei?
Lydia r├╝ckte zu ihm hin und nahm die Hand des Mannes, hielt sie fest: "Joachim, Sie sollten mit dem Trinken aufh├Âren, verstehen Sie, dann w├╝sste ich einen Ausweg aus ihrer Lage."
Weiter sprach sie nicht, sie dachte nur an die zwei Betten zu Hause in ihrer warmen Stube, dort w├Ąre Platz f├╝r zwei. Er k├Ânne sich doch einer Frau anvertrauen, in seinem Alter. Nur mit dem Trinken m├╝sste er halt aufh├Âren.
Joachim lie├č seine Hand in der ihren liegen, er r├╝ckte nicht ab, er wurde auch nicht zudringlicher. Ja, er hatte Haltung, wie ihr Vater, welcher erst vor einigen Monaten gestorben war, den sie gepflegt hatte bis zu seinem Tod.


Lydia blieb eine Weile bei dem Mann sitzen. Seine Hand war kalt, doch allm├Ąhlich begannen seine Augen zu leuchten, als ob er verstanden habe.
Sie versprach ihm, bald wieder vorbeizukommen. Kurz, nachdem die Frau das Lokal verlassen hatte, richtete sich auch Joachim zum Fortgehen. Seine Zechgenossen witzelten hinter ihm her, wegen dieses ├╝berraschenden Besuches einer so attraktiven Frau. Doch der Mann verlie├č ruhig das Gasthaus und humpelte die Stra├če entlang. Es war bitterlich kalt. Seine Beine trugen ihn kaum, obwohl er diesmal n├╝chtern den Weg zu seiner Behausung ging.
Immer wieder murmelte er: ÔÇ×Sie hat meine Hand gehalten."
Er sperrte umst├Ąndlich mit zittrigen H├Ąnden das Gartentor auf, schob die Eisent├╝re zum Keller zur├╝ck und stieg die Stufen nach unten. Da hatte er seine Bleibe. Er warf den Mantel ├╝ber den einzigen Stuhl im Raum, holte mit dem Eimer Wasser aus der Waschk├╝che und schob dann den Riegel vor seine T├╝r. Wackelig schlurfte er zu seinem Lager. Es bestand nur aus drei Matratzen am Boden. Seine Kleidung behielt er an.
Sie hat meine Hand gehalten, sie hat mich sogar angeschaut, murmelte er. Gerne h├Ątte ich ├╝ber ihr ergrautes Haar gestrichen, oder ├╝ber ihre rosige Wange, aber sicher w├Ąre sie dann abger├╝ckt. Ich wei├č ja, wie Frauen sind. Ich habe mich stillgehalten, redete er mit sich selber. Sie hat meine Hand gehalten und mich angeschaut. Wie gro├č ihre dunklen Augen waren, wie rot ihre Lippen brannten. Ihre Hand war warm und ihre Augen freundlich. Lydia hei├če sie und ich solle mit dem Trinken aufh├Âren, dann ..., ja, was meinte sie damit? Sie hat mich gl├╝cklich gemacht, mein Gott, wie lange war ich nicht mehr gl├╝cklich.
Wie war das Beisammensein heute sch├Ân und es war gut!
Lydia, murmelte er. Wie gut es doch ist, jemanden neben sich zu haben. Bald schlief Joachim ein.
Die Frau besuchte Joachim jeden zweiten Tag abends im Gasthaus. Er nahm einen kleinen Imbiss zu sich, besoff sich aber nie mehr. So vergingen einige Wochen.
Nach dieser Zeit dann, stand der Sandler Joachim lange an einer Stra├čenecke. Seine rotblau gef├Ąrbten Finger ragten gekr├╝mmt aus zerrissenen Handschuhen. Sein K├Ârper steckte in einem zerschlissenen, farblosen, dunklen Mantel, viel zu gro├č, viel zu lang und um einen Knopf schief zusammengekn├Âpft. Unter dem Mantel lugten abgetragene Sommerschuhe hervor. Er stand da als warte er auf etwas. Er wartete und wartete, keiner beachtete ihn.
Tr├Ąnen liefen ├╝ber sein b├Ąrtiges Gesicht. Rot, und w├Ąssrig waren seine Augen. Ein grauer Filzhut hielt seinen leicht ergrauten Haarkranz zusammen.
Sein Blick schien ins Leere zu schweifen. Doch zeitweise schrak er zusammen und seine Augen irrten rundum, als w├Ąre er blind.
Immer wieder putzte sich Joachim die Nase mit einem rotkarierten Tuch.
Seine Gedanken wanderten zur├╝ck in die Vergangenheit, als er noch als Tischler arbeitete, dann, als er erkrankte, arbeitslos wurde und letztlich im Wirtshaus landete. Aber was h├Ątte er denn tun sollen, wennÔÇÖs zu kalt wurde, fl├╝chtet man eben ins Gasthaus und trinkt. Aber die Frau, auf die er jetzt wartete, w├╝rde ihm helfen. Mit dem Trinken habe er ja aufgeh├Ârt, das hatte sie verlangt. Sie wollte ihn zu sich holen. Sie hat ein Bett frei in einer warmen Stube. Lydia! Er tr├Ąumte vor sich hin. Um zw├Âlf Uhr holt sie mich ab, dann wird das Leben nochmal beginnen.


Es war erst 10 Uhr. Aber der Mann wollte diese zwei Stunden warten. Es ist doch sch├Ân auf jemanden warten zu k├Ânnen, dachte er und es war ihm bewusst, dass es nicht viele Menschen gibt, die, aus einer solchen Situation heraus, von jemandem heimgeholt werden.
anna grasshof



Version vom 18. 11. 2007 17:17
Version vom 11. 12. 2007 20:57
Version vom 11. 12. 2007 21:45

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


nofrank
???
Registriert: Oct 2004

Werke: 44
Kommentare: 975
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um nofrank eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

hallo anna,

erstmal vorneweg: du musst f├╝r ├╝berarbeitete textversionen keinen neuen beitrag aufmachen (kannst du aber selbstverst├Ąndlich). du hast die m├Âglichkeit ├╝berarbeitungen mit der bearbeiten/l├Âschen funktion zu posten. dann wird die aktuellste version eingeblendet (die anderen sind durchs datum verlinkt).

so, jetzt aber zum text und bitte versteh das hier nicht als besserwisserei, sondern als konstuktive kritik: im prinzip ist die geschichte gut, aussage klar, aufbau stimmig. die charaktere sind auch lebendig. aber sprachlich habert es, gerade zu beginn ein wenig, sodass der erste absatz schon zum knackpunkt wird.

der titel: soziales oder joachim wird eingeholt? beides eher deskriptiv, aber nicht unbedingt etwas das ein leseerlebnis einleietet.

die sprache ist noch ein wenig ungelenk, mit vielen ├╝berfl├╝ssigen f├╝llseln, klarer auf den punkt kommen. der satzaufbau haufig nicht optimal. mir hilft beizeiten das laute vorlesen, um satzmelodie besser zu erkennen (klappt aber auch nicht immer).

in dem teil mit dem kurzen dialog, schlie├čt sich eine indirekte rede an. wozu? das kann er gleich mit sagen.

f├╝r weitere details fehlt mir gerade die zeit. ich hoffe, der punkt ist klar.

inhaltlich nicht ganz ausgereift an folgenden punkten:

aussteiger im ersten satz ist schwierig, k├Ânnte auch eine bushaltestelle sein. die situation muss sich der leser erst erarbeiten.

Lydia setzt sich 2mal neben joachim bendler und obwohl er trinkt geht er sp├Ąter n├╝chtern nach hause.

genauso wie seine zechgenossen keine rolle spielen, wahrscheinlich sitzen sie nur - wie immer - da rum, haben aber sonst nichts miteinander zu tun, bestenfalls tresenbekanntschaften, die dummschw├Ątzen.

sandler ist ein eher ├Âsterreichischer ausdruck, aber sch├Ân, nur nicht sehr gel├Ąufig. es wird indirekt angedeutet, dass joachim heimlich in einem keller haust, wieso ist da eine waschk├╝che mit wasser?

und das ende ist gleichfalls wieder doppelt: joachim tr├Ąumt erst, dann wartet er. das ist eine zeitperiode. das der protagonist dann einfach der mann wird, ist nicht so gl├╝cklich, erz├Ąhltechnisch gesehen.

ich hoffe, das war jetzt nicht zuviel des guten.

liebe gr├╝├če & ein sch├Ânes wochenende.

nofrank
__________________
ÔÇ×Die Preisgabe der Diskretion im ├Âffentlichen Raum ist eine Vorstufe zum faschistischen Ordnungsdenken, sage ich." (Wilhelm Genazio "Die Liebesbl├Âdigkeit")

Bearbeiten/Löschen    


4 ausgeblendete Kommentare sind nur f├╝r Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zur├╝ck zu:  Erz├Ąhlungen Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.



Leselupe-Bücher





Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!