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Leselupe.de > ErzÀhlungen
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Eingestellt am 26. 12. 2004 21:47


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Billenstone Nati
AutorenanwÀrter
Registriert: Oct 2004

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„Ich will das aber haben“.
Sie schmiss sich auf den Boden. Mit der ganzen Energie bĂŒndelte sie ihre zarte Stimme und, nahm keine RĂŒcksicht auf ihre zierlichen StimmbĂ€nder. Schreiend und mit weit aufgerissenem Mund, aus dem ein durchsichtiger Faden ihres Inneren floss, vermischt mit dem was aus der Nase rann, wĂ€lzte sie sich auf dem kalten schmutzigen Boden.
Gerade vorher noch stand auf diesem Boden eine Horde von Jugendlichen.
Üppig zierte der Schnee die Straßen und Gehsteige und schichtete sich an den Schuhsohlen der Jugendlichen. So standen sie vor den Regalen mit den bunt verpackten Leckereien. WĂ€hrend den Kindern der Speichel in ihren MĂŒndern sammelte, schmolz der Schnee in den Rillen ihrer Stiefel, und blieb als Zeitzeuge vermischt mit dem Straßenkiesel am Tatort zurĂŒck.
SehnsĂŒchtig schielte dieses schreiende EnergiebĂŒndel von unten auf die Kinder, die sich mit ihren kĂ€uflich erworbenen SĂŒĂŸigkeiten beschĂ€ftigt wieder dem Ausgang zuwendeten. Sie verlieh ihrem Verdruss noch mehr Ausdruck, indem sie ihre Haube vom Kopf riss und rĂŒcklings auch noch ihre langen Löckchen in eben diesem Schneematsch wĂ€lzte.
Der helle Overall bekam sein Muster ab. Die blonden Löckchen erhielten ihre nassen verklebten StrÀhnchen und, das Gesichtchen die hektischen roten Flecke.
Indessen stuften die unermĂŒdlich rollenden AugĂ€pfel der Kassiererinnen die Mutter
des schmutzwĂ€lzenden Kindes, bereits in ihren Registern „AntiautoritĂ€re“ mit dem Verzeichnis „ErziehungsunfĂ€hige“ ein.
Mit den Stirnfalten der Ă€lteren Kunden hĂ€tte man mĂŒhelos die Hornhaut von den FĂŒĂŸen raspeln können. WĂ€ren da nicht ihre offenen MĂŒnder, die heißen Dampf verbreiteten mit ihren Parolen von der gesunden Watschen.
Mitleidige Blicke von anderen Kindern und angestrengte von deren MĂŒttern die unentwegt alle erdenklichen Manöver von Schleichwegen erkundeten um ihren Kindern dieses Panorama vorzuenthalten.
Es bestand erhebliche Ansteckungsgefahr.
Die funkensprĂŒhenden Augen dieses suhlenden kleinen Störenfrieds könnten jederzeit ĂŒberspringen und ein Lauffeuer von ausweglosem Schaden an den Geldtaschen ihrer MĂŒtter anrichten.
Und die Mutter dieses Gefahrenpotentials?
Die SelbstsĂŒchtige erledigte ihre EinkĂ€ufe!
Solange sich das Kind der Aufmerksamkeit der Anwesenden sicher wĂ€hnte, nahm sich diese unverschĂ€mte Person die BewĂ€hrungsfrist fĂŒr die PrĂ€zision von anschließenden Verhandlungen und erledigte ihre EinkĂ€ufe!
Mit einem akribisch augeklĂŒgelnden System steuerte sie ihre brauchbaren Einsammlungen an. ZweckmĂ€ĂŸig hĂ€ufte sie möglichst bunte Verpackungen obenan. Aus ihren Augenwinkel belauerte sie wachsam die Tochter. Diese spĂŒrte ihrerseits nach ihrem ausgeklĂŒgelten Ritual der Mutter nach. Dem intuitiven Ritus folgend, heulte die Kleine berechnend mit verstohlenem Blick zur Mutter vom tiefsten bis zum höchsten Ton, ihre Tonleiter rauf und runter.
Die Mutter wusste die Melodie als Auftakt zum Finale zu deuten.
Den Zieleinlauf zur Kassa den ihre am Boden wĂ€lzende Tochter markierte, zierte inzwischen ein betrĂ€chtlich drĂ€ngelndes Publikum. In den RĂ€ngen wurde mĂ€chtig gemurmelt. HĂ€tte die Mutter Interesse daran, hĂ€tte sie Fetzen von „Rabenmutter“ oder „das arme Kind“ vernommen. Ein Geraune ging durch die Reihen, als die Mutter die leuchtend, rot verpackten Bandnudel aus dem Einkaufswagen nahm und diese auf die Kassa legte, mit den begleitenden Worten
“Nein, mein Schatz, diese bekommst du erst zu Hause“.
Die Ziellinie siegessicher vor Augen erhob sich das verstummte Kind abrupt, griff siegessicher nach der Nudelpackung, und ging mit einem SiegerlÀcheln der ebenso stolzen Mutter voran aus dem GeschÀft.
Diese Bodenlosigkeit der Narretei eines Kindes, brachte ihr vom Publikum noch die Kategorie „völlig untauglich“ ein.

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Gandl

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Registriert: Jul 2003

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Hi,
und? Was willst du damit sagen? ... *grinz
So kaufe ich mit meinen Kindern immer ein ...
Das muss man ĂŒben, so einzukaufen.
Zielgerichtet, willig, entschlossen.
Dass Mutter und Kind fein aufeinander abgestimmt sind, hast du sehr schön beschrieben.
Auch das ganze Drumherum.
Gelungen,
findet
Gandl

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Billenstone Nati
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Hallo Gandl,
ich danke dir fĂŒr deinen löblichen Kommentar.
Du hast völlig recht. Aber unheimlich Spaß macht es zu beobachten, wenn Kinder mit deiner
beschriebenen Entschlossenheit, mit ihren Eltern losziehen.
Liebe GrĂŒĂŸe
Billenstone Nati

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huwawa
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hallo nati

Ja, manchmal ist das schon ein richtiges ritual zwischen mĂŒttern (manchmal auch vĂ€tern) und kindern beim einkaufen, wo am ende fĂŒr beide seiten das erwartete ende herauskommt. das hast du gut beobachtet und beschrieben. meine schon ĂŒbliche kritik richtet sich nur wieder einmal gegen die vielen unnötigen beistriche - die sind bei dir schon fast ein ritual! - und auf die "siegessichere ziellinie" wĂ€re ich einmal neugierig, wie die ausschaut!

liebe grĂŒĂŸe
huwawa
__________________
manchmal sind die anderen klĂŒger als man(n) selbst...denkt

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Billenstone Nati
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Hallo huwawa,
ich danke dir fĂŒr deine Aufmerksamkeit

Der Beistrich

Habe mir wieder mal seine Regeln durchgelesen. Ich hoffe, ich habe sie richtig angewendet und sie bleibt wenigstens drei Geschichten lang hÀngen.
Die Ziellinie ist jetzt ĂŒbringens nicht mehr so siegessicher...
danke fĂŒr den Hinweis
LG
Billenstone nati

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