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Leselupe.de > Kurzprosa
von Sinnen ...
Eingestellt am 30. 01. 2012 22:59


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KaGeb
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Registriert: Nov 2007

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Meine Sinne sind ein einziges Kribbeln auf dem Leib. Die ganze Zeit schon, die ich im Warteraum sitze. Einer unter Vielen und doch mit einem Unterschied: Ich habe keine Schmerzen. Kein Leid, das mich plagt, und deshalb bleibe ich stumm. Stimme nicht ein in den wehleidigen Chor der Anderen. Ein zeitversetztes Ächzen und Stöhnen wie ein Kanon in desinfektionsgetränkter Luft.
Meine Gefühle haben mich hierher getrieben, die Liebe, alte Sadistin, die meinen Verstand blockiert. Wie schon vor Tagen und die Woche davor. Die ganzen letzten Monate, die ich mich mit brennendem Verlangen hierher schleppe. Voller Sehnsucht, nur um einen Blick zu erhaschen, einen dieser göttlichen Wimpernaufschläge zu sehen. Feingliedrige Hände, dich mich berühren mit leichtem Druck auf Schmerzen, die es gar nicht gibt. Alle erlogen, doch das weiß nur ich.
Jetzt – ich werde aufgerufen.
Mein Puls treibt mir das Blut mit Hammerschlägen ins Gesicht. Die Röte passt zum Gebrechlichen, den ich spiele. Ein Todgeweihter, mögen sie denken, die mich mitleidig beobachten mit Ehrfurcht vor dem Siechenden und Erleichterung darüber, dass es ihnen vielleicht noch besser geht.
Ich bin gesund, könnte ich schreien und prustend loslachen, aber ich schweige natürlich. Ertrage die Umstände mit meinem Ziel vor Augen.
Dann bin ich allein im Behandlungsraum und kann mich vorbereiten. Gleich ist es soweit.
Mit Mühe unterdrücke ich das Zittern meines Körpers, atme flacher, um meine Aufregung zu verbergen. Schwelge in meiner Vorfreude. Die Gedanken an das letzte Mal sind wieder da, nur noch schemenhafte Erinnerungen wie ein Film auf der berühmten Laterna Magica. Ein Flimmern in Schwarz-Weiß mit Aussetzern und ohne Ton.
Die Tür geht auf. Sie kommt herein.
Eine Vision für Liebende. Blonde Lockenpracht, die über die Schultern wallt und bei jedem ihrer Gazellenschritte mitwippt. Geschmeidigkeit in den Bewegungen wie eine Katze, den Blick mit seiner erotischen Ausstrahlung auf mich gerichtet.
Sie lächelt, als ob sie ihn erahnen würde, den Sinn meines Treibens.
Dann beugt sie sich über mich. Fast japse ich auf, als sie mich berührt und vorbereitet.
„Sie werden gleich untersucht“, haucht sie fast tonlos, bevor sie verschwindet.
Pure Lust durchströmt mich, erregende Schauer toben über meinen Körper. Gut, dass ich liege, denn nur so kann ich es ertragen.
Die Tür geht auf und der Arzt kommt herein, erkennt mich, zum hundertsten Male sicherlich, schürzt verächtlich seine Lippen und schüttelt missbilligend seinen Kopf. Der Hypochonder wieder, könnte er denken.
Egal. Er muss mich untersuchen, er hat es geschworen ...

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