Abschied

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Otto Lenk

Foren-Redakteur
Teammitglied
Das letzte Schiff hat abgelegt
Der Steg ist verlassen
Früher war das unsere Zeit
Wir saßen am Rand der Balken
Ließen unsere Füße baumeln
Und beobachteten
Wie die Sonne das Meer versuchte
Die Möwen segelten um dich herum
Und erzählten dir Geschichten
Du konntest sie verstehen
Mit deinem Herz
Dein Blick verlor sich oft
Hinter dem Horizont
Dann traten Tränen in deine Augen
Und es war
Als wüsstest du um deine Zukunft
„Dort werden wir uns treffen“
sagtest du, und deine Finger zeigten dabei
In eine andere Welt
Du bist nun schon so lange fort
Still ist es geworden
Zeit, Abschied zu nehmen
Das, was vom Leben übrig ist
Ist zu wenig, um zu bleiben
Die Ebbe wird mich hinaustragen
Und wenn ich die Möwen verstehe
Bin ich bei dir
 

Jongleur

Mitglied
Trostlos im Warten.

Wehmut. Verlassenheit. Trauer. Sehnsucht. Eintauchen in fremde Sprache. Verstehen.
Hallo Otto,
ein sehr trauriger Text. Jemand ist am Ort gemeinsamen Erlebens, erinnert einen Menschen, der nicht mehr bei ihm ist, der "hinter dem Horizont" ist, gestorben, in einem anderen Land.
Der Überlebende hat seinen Sinn im Leben verloren und keinen Boden mehr unter den Füßen gewonnen. Er sieht die Stunden an diesem gemeinsamen Ort vorüberziehen, hat eine Sehnsucht nach der Vereinigung mit dem verlorenen liebsten Menschen. Sieht in diesem Moment nur die Aussichtslosigkeit, keine Perspektive, Abschiedsgedanken kommen ihm. Er sehnt die Zeit herbei zu gehen, nimmt als Bild die mächtigen Gezeiten, die ihn forttragen werden, wenn er die Sprache der Möwen versteht.
Auch wenn das Gedicht flüssig erzählt ist, die letzten Bilder einen Frieden heraufzubeschwören suchen, den das Ich des Gedichts sucht - gehen mir in einer Trostlosigkeit sehr nah. Die Gefühl, wenn nichts bleibt als das Warten - auf ein Ende.

Die Zeile "Etwas Lebenswertes habe ich nicht gefunden" ist mir im Verhältnis zum übrigen Text steif. Mag an dem Wörtchen "etwas" liegen. Nichts Lebenswertes habe ich mehr gefunden?
Für mein Empfinden ist mit den danach folgenden Zeilen "Das, was vom Leben übrig ist, Ist zu wenig, um zu bleiben" alles gesagt.

Falls es ein aktueller Text ist, Otto, wünsche ich Dir Menschen auf den Weg! Und Mut und Kraft für Weihnachten!

Grüße vom Jongleur
 

Otto Lenk

Foren-Redakteur
Teammitglied
Lieber Jongleur

Der Text hat keinen aktuellen Hintergrund...und doch gibt es Dinge, die sind für immer präsent. Ich werde einige deiner Gedanken übernehmen......Danke dir!

„Worauf wartest du", fragte die Liebe.
„Ich warte darauf, dass du einen Platz in den Herzen der Menschen findest“, antwortete der Frieden.

Ich wünsche Dir und deinen Lieben ein liebevolles, friedliches Weihnachtsfest....

Besinnliche Grüße Otto
 
H

Holger

Gast
Lieber Otto,
Zwar schwermütig aber von hoher erzählerischer Qualität.
In seiner Einfachheit fast nicht mehr lyrisch.
Aber sehr gut, Otto

Beste Grüße
Holger
 

gareth

Mitglied
Lieber Otto Lenk,

das ist ein sehr eindrucksvolles Gedicht mit einfachen, eindringlichen Bildern, auf Freundschaft, Abschiednehmen, Sterben und Glauben an eine Welt hinter der sichtbaren. Traurig und tröstlich. Schön.
 
M

Mara K.

Gast
Hallo Otto,

sie weiß, dass du die Möwen verstehst.
Eine gute Zeit dir.
Danke. Mara K.
 

lapismont

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Otto,

ich stand schon damals etwas im Abseits mit meiner Meinung, aber noch immer, mag ich es nicht, wie stark Ich hier dem Du die Gefühle deutet.
Klar ist die Sprache gelungen, aber für mich so aufgesetzt, ich leider zu sehr mit Du.
Will mich wehren, dem Ich sagen: was weißt Du denn schon!

Alt, aber immer noch bedenkenswert.

cu
lap
 

Otto Lenk

Foren-Redakteur
Teammitglied
hallo christiane, lap!

damals, 2003, war es für mich kein geschreibsel. mit den jahren ändern sich gedanken und worte...und so kann ich, liebe christiane, deinen eindruck durchaus verstehen.

alles liebe euch otto

p.s. aber sie bleiben melancholische erinnerung.
 
C

casy01

Gast
Man sollte sich nie für eigene Gedichte

Zitat:
Ch:
"wartet geduldig darauf die Möwen zu verstehen (dann verstehe ich vielleicht auch irgendwann dieses Geschreibsel)"



Du? nun "entschuldigen oder gar rechtfertigen"

damals, 2003, war es für mich kein geschreibsel. mit den jahren ändern sich gedanken und worte...und so kann ich, liebe christiane, deinen eindruck durchaus verstehen.
?????????????????????????????????????????????????????

Otto das ist viel zu schade

gerade bei diesem Gedicht


und ich kann es durchaus "nicht" verstehen
wenn Du das tust



Alles hat seine Zeit und Schönheit
 

flammarion

Foren-Redakteur
Teammitglied
also

ich mach mir überhaupt nichts aus ungereimten gedichten, aber dieses hier ist aller erste klasse. bitte mehr davon!
lg
 

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