Abschied am Fluss

4,30 Stern(e) 15 Bewertungen

Ciconia

Mitglied
Novembergrau verfärbt den Fluss,
liegt bleiern auf den Deichen.
Nach Rauch schmeckt unser letzter Kuss.
Gibst du mir noch ein Zeichen?

Dein Schiff nimmt Kurs auf Nordnordwest,
fährt ohne mich nach Norden.
Ich halt an meinen Träumen fest
von schneeumkränzten Fjorden.

Am Deich: Die Zeit steht still,
hat jeden Takt verloren.
Ich weiß nicht, ob ich warten will -
mein Herz ist fast erfroren.
 
E

equinox

Gast
Hallo,
was für ein wunderbares Gedicht.

Warum steht das hier?


Gern gelesen
equinox
 

Ciconia

Mitglied
Herzlichen Dank an equinox, anbas und revilo für Kommentar und Bewertung!
Ich freue mich sehr, dass mein kleiner Ausflug in die Welt der Lyrik kein Reinfall geworden ist.

Liebe Grüße
A.
 

Ciconia

Mitglied
Ich war sehr angenehm überrascht über die guten Bewertungen dieses Gedichts, nochmals vielen Dank. Es würde mir allerdings für eventuelle weitere Werke helfen, wenn auch mal ein kleiner Kommentar dazu geschrieben würde, um Stärken und Schwächen zu erkennen. Darf ich Euch darum bitten?

Liebe Grüße
A.
 

ENachtigall

Mitglied
Sehr schön,

z. B. die zeilenübergreifende Bezogenheit von "Rauch" und "Zeichen",

die Verspieltheit der Richtungen, die als genau ausgefeilte Präzision (Norddordwest) einen besonderen Akzent setzt,

die Frage, "ich weiß nicht ob ich warten will"; wer will schon warten?

Es wirkt wie der Abschied zweier, die die Zeit vergessen haben vor lauter gefühlten Frühlings, die den Abschied bis in den späten Herbst verschleppt haben und auf einmal - allein - wird die Kälte doppelt spürbar.

mein Herz ist fast erfroren
Die Besonderheit der Geschichte dieses Abschieds liegt eingebettet in den Bildern. Sie ist unaufdringlich, aber ihre Intensität ist beim Lesen spürbar.

Allein and der Stelle hadere ich ein wenig mit dem melodischen Bruch bezüglich der verkürzten Zeile.
Am Deich: Die Zeit steht still,
Einzig das Adjektiv "unumstößlich" käme mir als treffende Ergänzung in den Sinn.

Ich hoffe, Dir hiermit Etwas an die Hand gegeben zu haben. Möge es Dir Dein Gedicht von Leserseite aus erschließen.

Lieben Gruß,

Elke
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Elke,

Dein Kommentar hilft mir sehr, ich danke Dir ganz herzlich dafür. Es lag und liegt mir viel daran zu erfahren, wie dieses Gedicht auf den Leser wirkt.

Mit der "verkürzten" Zeile hast Du absolut Recht, diese Verkürzung war mir auch bewusst. Ich wollte damit (ohne Rücksicht auf Rhythmus und Versmaß) den Stillstand der Zeit unterstreichen, sozusagen wie ein Abbremsen. Dies meinte ich auch durch den unvollständigen Satz und den Doppelpunkt "Am Deich: ..." unterstrichen zu haben.

Wenn dies aber nicht so rüberkommt und die Form zu sehr verletzt wird, könnte man vielleicht auch
Am Deich: Die Zeit steht quälend still
schreiben. Dein Vorschlag "unumstößlich" erscheint mir zu lang. Was denkst Du?

Liebe Grüße und einen schönen Abend
A.
 

ENachtigall

Mitglied
Lieber Anonymus,

ich hatte so die Vermutung, dass der Bruch in der verkürzten Zeile beabsichtigt war. Gelungen wäre er, wenn das in einer lauten Rezitation als sprachliches Mittel rüberkäme. Das ist mir bisher nicht gelungen.
Deshalb wäre die Alternative mit "quälend" auf jeden Fall bedenkenswert.

LG

Elke
 

Ciconia

Mitglied
Novembergrau verfärbt den Fluss,
liegt bleiern auf den Deichen.
Nach Rauch schmeckt unser letzter Kuss.
Gibst du mir noch ein Zeichen?

Dein Schiff nimmt Kurs auf Nord-Nordwest,
fährt ohne mich nach Norden.
Ich halt an meinen Träumen fest
von schneeumkränzten Fjorden.

Am Deich: Die Zeit steht quälend still,
hat jeden Takt verloren.
Ich weiß nicht, ob ich warten will -
mein Herz ist fast erfroren.
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Elke,

ich habe Deinen Rat befolgt und die Zeile mit "quälend" ergänzt. Gefällt mir jetzt selbst auch besser.

Nochmals danke!
LG A.
 
A

Architheutis

Gast
Hallo A.,

Nach Rauch schmeckt unser letzter Kuss.
Gibst du mir noch ein Zeichen?
Ein letzter Kuss als Rauchzeichen der Liebe - brillant! Das sage ich sogar als Nichtraucher.

Der einzige Nachteil des Textes ist, dass man ihn suchen muss. Er täte gerade dem oft geschundenen Form des Gereimten mehr als gut.

Weiterfreuen,
Archi
 

Ciconia

Mitglied
Hi Archi,

danke! :D :D
Der einzige Nachteil des Textes ist, dass man ihn suchen muss
Ja, wenn man als Anfänger nicht so viele Zweifel an seinen Texten hätte, traute man sich auch, seinen Namen darunter zu setzen. Aber mal ganz ehrlich: Vielleicht wäre dieses Gedicht dann im „Gereimten“ etwas schlechter bewertet worden. Also ist es gut, dass niemand weiß, dass ich ... heiß! :p

Liebe Grüße
A.
 
A

Architheutis

Gast
Es gibt sicher Einige, die hier nach Nase werten und nicht nach der Qualität des Textes. Gerade wenn man etwas offener Kritik verteilt, ist man vor Rachewertungen nicht gefeit. So du am Anfang Deiner LeLu-Karriere stehst, hast Du sicher noch nicht zwei Lager um Dich.

Ich denke, der Text hätte auch im Gereimten entsprechend positiven Anklang gefunden. Fühl Dich ermutigt, Dich zu zeigen. Mit solchen Texten muss man sich wahrlich nicht verstecken!
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Archi,

dann trau ich mich mal aus der anonymen Deckung. Du hast mich überzeugt. :)

Danke auch noch für die neueste anonyme Bewertung, und danke an Elke und Zeder fürs Verschieben.

Gruß Ciconia
 

Ciconia

Mitglied
Danke, Archi und Andreas! Wie sich im Nachhinein gezeigt hat, war die anonyme Veröffentlichung eines ersten Lyrik-Textes (wenn man von Limericks mal absieht) der richtige Weg für mich.

Gruß Ciconia
 

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