Abschied einer Unbequemen

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Scorpio

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Abschied einer Unbequemen

Christine Nöstlinger ist tot. Eine der bedeutendsten österreichischen Kinder- und Jugendbuchautorinnen der vergangenen Jahrzehnte. Hochdekoriert mit zahlreichen Auszeichnungen von Hans-Christian-Andersen-Preis, dem österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis bis zum Astrid-Lindgren-Gedächtnis-Preis. Sie war Schöpferin von mehr als einhundert Werken für Kinder, die oft genauso waren wie ihre Protagonisten: aufsässig, unfolgsam und manchmal als Außenseiter anders als die anderen. Die Ein-Mann-Buchstabenfabrik, wie sie sich selbst nannte, verstand die großen und kleinen Sorgen ihrer Leser wie keine andere. In ihren Geschichten war nicht immer alles eitel Sonnenschein; es steht ja auch in der Welt der Kinder oft nicht alles zum besten. Bei ihr konnten Außenseiter zu Helden werden, und die Eltern hatten nicht immer recht. Sie begegnete ihren Lesern niemals mit erhobenem Zeigefinger, vielmehr mit Verständnis und Humor. Autorität als pädagogisches Konzept lag ihr fern.

Ich hab noch einige Bücher aus ihrem riesigen Repertoire in meinem Bücherregal stehen. Als Gern- und Vielleserin durfte ich die Außenseiterrolle in meiner frühen Jugend auch des öfteren übernehmen. Vielleicht war genau das der Grund, warum ich Titel wie „Das Austauschkind“, „Wir pfeifen auf den Gurkenkönig“ oder „Die feuerrote Friederike“ unter der Schulbank oder abends im Bett heimlich verschlungen habe. Ganz besonders freut mich aber, dass mein Sohn die Leselust seiner Eltern (auch der Göttergatte ist ein Vielleser) geerbt hat. Hat er doch bereits ab dem Alter von drei Jahren Bilderbücher en masse vorgelesen bekommen. Und wie selbstverständlich dann als Schuljunge ebenso viel und freudvoll gelesen. Aus der Bibliothek hat er sich besonders gern den „Pudding-Pauli“ und die „Geschichten vom Franz“ ausgeliehen. Dass da nicht immer alle brav und angepasst waren, hat ihn gleichermaßen erfreut wie bestätigt.

Dennoch hat sich Christine Nöstlinger niemals bei Kindern angebiedert. Sie hat sie weder in den Himmel gehoben, noch wollte sie ihre Werke als pädagogische Ratgeber verstanden wissen. In einem Interview etwa zwei Jahre vor ihrem Ableben hat sie einmal gesagt, sie sei „nicht speziell kinderlieb“, was aber nicht abschätzig gemeint war. „Es gibt halt auch unsympathische Kinder und grausliche“. Vielleicht war es genau diese entwaffnende Ehrlichkeit, gepaart mit ihrem großartigen Einfühlungsvermögen in die Welt der Kinder, die sie für das Schreiben von Kinderbüchern prädestinierte. Kurz vor ihrem Tod erfuhren wir auch, dass sie mit dem Schreiben im Jahr zuvor ganz aufgehört hatte - nicht nur aus Altersgründen, sondern weil, wie sie sagte, sie die Welt der heutigen Kinder nicht mehr verstehen könne. „Ich weiß einfach nicht, warum sie stundenlang auf ihre Handys starren und pausenlos Selfies machen“, so ihr Kommentar dazu.

Liebe Frau Nöstlinger, ich bin sehr dankbar, dass ich Bekanntschaft mit so vielen Figuren ihrer einzigartigen Werke machen durfte. Ich hab mich so verstanden gefühlt, manchmal bestärkt, immer aber auch gut unterhalten - und ich glaube, das ist es, was Sie ja erreichen wollten. Möge es Ihnen gut gehen, dort wo Sie jetzt sind.
 

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N'Abend Scorpio,

Danke fuer diesen Nachruf auf eine Autorin, die ich bislang nicht kannte - und somit gleichzeitig auf das Schliessen einer meiner vielen Bildungsluecken :)

Werde mich mal im Internet schlau machen ueber die von Dir lobgepreiste Autorin, und - wer weiss - vielleicht das eine oder andere Werk der Verblichenen ordern. Meine Hausbibiothek ist zwar vergleichsweise gross, aber sie weist immer noch raeumliche Luecken auf, die es nach und nach zu fuellen gilt.

Herzliche Gruesse aus der Schweiz!
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Scorpio

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Abschied einer Unbequemen

Christine Nöstlinger ist tot. Eine der bedeutendsten österreichischen Kinder- und Jugendbuchautorinnen der vergangenen Jahrzehnte. Hochdekoriert mit zahlreichen Auszeichnungen von Hans-Christian-Andersen-Preis, dem österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis bis zum Astrid-Lindgren-Gedächtnis-Preis. Sie war Schöpferin von mehr als einhundert Werken für Kinder, die oft genauso waren wie ihre Protagonisten: aufsässig, unfolgsam und manchmal als Außenseiter anders als die anderen. Die Ein-Mann-Buchstabenfabrik, wie sie sich selbst nannte, verstand die großen und kleinen Sorgen ihrer Leser wie keine andere. In ihren Geschichten war nicht immer alles eitel Sonnenschein; es steht ja auch in der Welt der Kinder oft nicht alles zum besten. Bei ihr konnten Außenseiter zu Helden werden, und die Eltern hatten nicht immer recht. Sie begegnete ihren Lesern niemals mit erhobenem Zeigefinger, vielmehr mit Verständnis und Humor. Autorität als pädagogisches Konzept lag ihr fern.

Ich hab noch einige Bücher aus ihrem riesigen Repertoire in meinem Bücherregal stehen. Als Gern- und Vielleserin durfte ich die Außenseiterrolle in meiner frühen Jugend auch des öfteren übernehmen. Vielleicht war genau das der Grund, warum ich Titel wie „Das Austauschkind“, „Wir pfeifen auf den Gurkenkönig“ oder „Die feuerrote Friederike“ unter der Schulbank oder abends im Bett heimlich verschlungen habe. Ganz besonders freut mich aber, dass mein Sohn die Leselust seiner Eltern (auch der Göttergatte ist ein Vielleser) geerbt hat. Hat er doch bereits ab dem Alter von drei Jahren Bilderbücher en masse vorgelesen bekommen. Und wie selbstverständlich dann als Schuljunge ebenso viel und freudvoll gelesen. Aus der Bibliothek hat er sich besonders gern den „Pudding-Pauli“ und die „Geschichten vom Franz“ ausgeliehen. Dass da nicht immer alle brav und angepasst waren, hat ihn gleichermaßen erfreut wie bestätigt.

Dennoch hat sich Christine Nöstlinger niemals bei Kindern angebiedert. Sie hat sie weder in den Himmel gehoben, noch wollte sie ihre Werke als pädagogische Ratgeber verstanden wissen. In einem Interview etwa zwei Jahre vor ihrem Ableben hat sie einmal gesagt, sie sei „nicht speziell kinderlieb“, was aber nicht abschätzig gemeint war. „Es gibt halt auch unsympathische Kinder und grausliche“. Vielleicht war es genau diese entwaffnende Ehrlichkeit, gepaart mit ihrem großartigen Einfühlungsvermögen in die Welt der Kinder, die sie für das Schreiben von Kinderbüchern prädestinierte. Kurz vor ihrem Tod erfuhren wir auch, dass sie mit dem Schreiben im Jahr zuvor ganz aufgehört hatte - nicht nur aus Altersgründen, sondern weil, wie sie sagte, sie die Welt der heutigen Kinder nicht mehr verstehen könne. „Ich weiß einfach nicht, warum sie stundenlang auf ihre Handys starren und pausenlos Selfies machen“, so ihr Kommentar dazu.

Liebe Frau Nöstlinger, ich bin dankbar, dass ich Bekanntschaft mit vielen Figuren ihrer zahlreichen Werke machen durfte. Ich hab mich so verstanden gefühlt, manchmal bestärkt, immer aber auch gut unterhalten - und ich glaube, das ist es, was Sie ja erreichen wollten. Möge es Ihnen gut gehen, dort wo Sie jetzt sind.
 

Blumenberg

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Hallo Scorpio,

willkommen in der Leselupe. Ich muss gestehen ich kenne Christine Nöstlinger nicht und bin Kinder- und Jugendbuchtechnisch eher mit Lindgren, Preussler und Janosch aufgewachsen. Ich habe deinen Text trotzdem gelesen und gebe mal meinen Senf dazu.
Insgesamt bin ich ein wenig zwiespältig. Auf der einen Seite ist die Begeisterung für die Autorin authentisch und spürbar. Andererseits gibt es etliche Punkte, die ich noch für überarbeitungsbedürftig halte. Sind meine subjekitven Eindrücke, vielleicht helfen sie trotzdem ja ein wenig.

Sie war Schöpferin von mehr als einhundert Werken für Kinder, die oft genauso waren wie ihre Protagonisten: aufsässig, unfolgsam und manchmal als Außenseiter anders als die anderen.
Waren hier die Werke oder die Kinder wie ihre Protagonisten? Den Satz finde ich nicht so recht gelungen. Den Zusatz „für Kinder“ braucht es in meinen Augen nicht, da du sie bereits als Kinderbuchautorin gekennzeichnet hast.

Mir ist der persönliche Teil im zweiten Abschnitt zu lang und zu abschweifend. Die Idee einen Bezug zum Autor herzustellen ist grundsätzlich gut, aber du solltest aufpassen, dass es sich ja trotzdem immer um die verstorbene Autorin drehen soll; Persönliche Erfahrungen also keinen zu großen Raum einnehmen. Von daher könntest du Dinge wie den „Göttergatten als Vielleser“ oder Zusätze wie „im Alter von drei Jahren“ und „en masse“ ruhig streichen. Ebenso den Satz: „Als Gern- und Vielleserin durfte ich die Außenseiterrolle in meiner frühen Jugend auch des öfteren übernehmen.“

Ich hab noch einige Bücher aus ihrem riesigen Repertoire in meinem Bücherregal stehen.

auch der Göttergatte ist ein Vielleser)
Nur eine Kleinigkeit: Ich würde in so einem Text auf Umgangssprache verzichten, das passt auch nicht so recht zu deiner restlichen Sprache.

Daneben verwendest du im Text viele Superlativformen, da können etliche weg. (riesigen Repertoire, wie keine andere, großartigen Einfühlungsvermögen, ganz aufgehört, zahlreichen Werke, etc.

Auch wenn sich´s im ersten Moment nach viel Kritik anhören mag, insgesamt kein schlechter Text. Vor allem die Zitate der Autorin finde ich gut gewählt.

Beste Grüße

Blumenberg
 

Scorpio

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Lieber Blumenberg,

du hast vollkommen recht, über genau die beiden von dir zitierten Stellen bin ich auch gestolpert beim Durchlesen.... habs dann aber nicht mehr geändert. Ich werde es nun nachholen.

Danke für die konstruktive Kritik. Beim Studium von Texten und insbesondere den Kommentaren anderer wähnte ich mich schon im Kindergarten, alternativ im Irrenhaus.
 

Scorpio

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Abschied einer Unbequemen

Christine Nöstlinger ist tot. Eine der bedeutendsten österreichischen Kinder- und Jugendbuchautorinnen der vergangenen Jahrzehnte. Hochdekoriert mit Auszeichnungen wie dem Hans-Christian-Andersen-Preis, dem österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis bis zum Astrid-Lindgren-Gedächtnis-Preis. Sie war Schöpferin von mehr als einhundert Werken: Bücher, aber auch Radiosendungen Kinder, die oft genauso waren wie ihre Protagonisten: aufsässig, unfolgsam und manchmal als Außenseiter anders als die anderen. Die Ein-Mann-Buchstabenfabrik, wie sie sich selbst nannte, verstand die großen und kleinen Sorgen ihrer Leser wie keine andere. In ihren Geschichten war nicht immer alles eitel Sonnenschein; es steht ja auch in der Welt der Kinder oft nicht alles zum besten. Bei ihr konnten Außenseiter zu Helden werden, und die Eltern hatten nicht immer recht. Sie begegnete ihren Lesern niemals mit erhobenem Zeigefinger, vielmehr mit Verständnis und Humor. Autorität als pädagogisches Konzept lag ihr fern.

Ich hab noch einige Bücher aus ihrem riesigen Repertoire in meinem Bücherregal stehen. Als Gern- und Vielleserin durfte ich die Außenseiterrolle in meiner frühen Jugend auch des öfteren übernehmen. Vielleicht war genau das der Grund, warum ich Titel wie „Das Austauschkind“, „Wir pfeifen auf den Gurkenkönig“ oder „Die feuerrote Friederike“ unter der Schulbank oder abends im Bett heimlich verschlungen habe. Ganz besonders freut mich aber, dass mein Sohn die Leselust seiner Eltern (auch der Göttergatte ist ein Vielleser) geerbt hat. Hat er doch bereits ab dem Alter von drei Jahren Bilderbücher en masse vorgelesen bekommen. Und wie selbstverständlich dann als Schuljunge ebenso viel und freudvoll gelesen. Aus der Bibliothek hat er sich besonders gern den „Pudding-Pauli“ und die „Geschichten vom Franz“ ausgeliehen. Dass da nicht immer alle brav und angepasst waren, hat ihn gleichermaßen erfreut wie bestätigt.

Dennoch hat sich Christine Nöstlinger niemals bei Kindern angebiedert. Sie hat sie weder in den Himmel gehoben, noch wollte sie ihre Werke als pädagogische Ratgeber verstanden wissen. In einem Interview etwa zwei Jahre vor ihrem Ableben hat sie einmal gesagt, sie sei „nicht speziell kinderlieb“, was aber nicht abschätzig gemeint war. „Es gibt halt auch unsympathische Kinder und grausliche“. Vielleicht war es genau diese entwaffnende Ehrlichkeit, gepaart mit ihrem großartigen Einfühlungsvermögen in die Welt der Kinder, die sie für das Schreiben von Kinderbüchern prädestinierte. Kurz vor ihrem Tod erfuhren wir auch, dass sie mit dem Schreiben im Jahr zuvor ganz aufgehört hatte - nicht nur aus Altersgründen, sondern weil, wie sie sagte, sie die Welt der heutigen Kinder nicht mehr verstehen könne. „Ich weiß einfach nicht, warum sie stundenlang auf ihre Handys starren und pausenlos Selfies machen“, so ihr Kommentar dazu.

Liebe Frau Nöstlinger, ich bin dankbar, dass ich Bekanntschaft mit vielen Figuren ihrer zahlreichen Werke machen durfte. Ich hab mich so verstanden gefühlt, manchmal bestärkt, immer aber auch gut unterhalten - und ich glaube, das ist es, was Sie ja erreichen wollten. Möge es Ihnen gut gehen, dort wo Sie jetzt sind.
 

Scorpio

Mitglied
Abschied einer Unbequemen

Christine Nöstlinger ist tot. Eine der bedeutendsten österreichischen Kinder- und Jugendbuchautorinnen der vergangenen Jahrzehnte. Hochdekoriert mit Auszeichnungen wie dem Hans-Christian-Andersen-Preis, dem österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis bis zum Astrid-Lindgren-Gedächtnis-Preis. Sie war Schöpferin von mehr als einhundert Werken, schrieb für Tageszeitungen, aber auch Drehbücher und moderierte eigene Sendungen im Hörfunk. Die Protagonisten in ihren Büchern waren oft Außenseiter, anders als die anderen - viele Kinder und Jugendliche konnten sich genau aus diesem Grund mit ihnen identifizieren. Die Ein-Mann-Buchstabenfabrik, wie sie sich selbst nannte, verstand die großen und kleinen Sorgen ihrer Leser wie keine andere. In ihren Geschichten war nicht immer alles eitel Sonnenschein; es steht ja auch in der Welt der Kinder oft nicht alles zum besten. Bei ihr konnten Außenseiter zu Helden werden, und die Eltern hatten nicht immer recht. Sie begegnete ihren Lesern niemals mit erhobenem Zeigefinger, vielmehr mit Verständnis und Humor. Autorität als pädagogisches Konzept lag ihr fern.

Ich hab noch einige Bücher aus ihrem Repertoire in meinem Bücherregal stehen. Als Gern- und Vielleserin durfte ich die Außenseiterrolle in meiner frühen Jugend auch des öfteren übernehmen. Vielleicht war genau das der Grund, warum ich Titel wie „Das Austauschkind“, „Wir pfeifen auf den Gurkenkönig“ oder „Die feuerrote Friederike“ unter der Schulbank oder abends im Bett heimlich verschlungen habe. Ganz besonders freut mich aber, dass mein Sohn die Leselust seiner Eltern geerbt und wie selbstverständlich als Schuljunge ebenso viel und freudvoll gelesen hat. Aus der Bibliothek hat er sich besonders gern den „Pudding-Pauli“ und die „Geschichten vom Franz“ ausgeliehen. Dass da nicht immer alle brav und angepasst waren, hat ihn gleichermaßen erfreut wie bestätigt.

Dennoch hat sich Christine Nöstlinger niemals bei Kindern angebiedert. Sie hat sie weder in den Himmel gehoben, noch wollte sie ihre Werke als pädagogische Ratgeber verstanden wissen. In einem Interview etwa zwei Jahre vor ihrem Ableben hat sie einmal gesagt, sie sei „nicht speziell kinderlieb“, was aber nicht abschätzig gemeint war. „Es gibt halt auch unsympathische Kinder und grausliche“. Vielleicht war es genau diese entwaffnende Ehrlichkeit, gepaart mit ihrem Einfühlungsvermögen in die Welt der Kinder, die sie für das Schreiben von Kinderbüchern prädestinierte. Kurz vor ihrem Tod erfuhren wir auch, dass sie mit dem Schreiben im Jahr zuvor ganz aufgehört hatte - nicht nur aus Altersgründen, sondern weil, wie sie sagte, sie die Welt der heutigen Kinder nicht mehr verstehen könne. „Ich weiß einfach nicht, warum sie stundenlang auf ihre Handys starren und pausenlos Selfies machen“, so ihr Kommentar dazu.

Liebe Frau Nöstlinger, ich bin dankbar, dass ich Bekanntschaft mit vielen Figuren ihrer Werke machen durfte. Ich hab mich so verstanden gefühlt, manchmal bestärkt, immer aber auch gut unterhalten - und ich glaube, das ist es, was Sie ja erreichen wollten. Möge es Ihnen gut gehen, dort wo Sie jetzt sind.
 
Lieber Scorpio,

darf ich bekennen, was mich länger von der Lektüre deines, wie ich nun sehe, doch recht gelungenen Nachrufs abgehalten hat? Es war der Titel in Verbindung mit dem auf der Startseite lesbaren Textanfang. Ich sagte mir: Na ja, so unbequem kann sie nicht gewesen sein, wenn sie "hochdekoriert" war. Der Text in seiner jetzigen Version war dann eine angenehme Enttäuschung für mich. Du vermittelst eine kurze anschauliche Vorstellung von der Welt ihrer Bücher. Nur deinen Titel finde ich immer noch nicht geglückt. Das sagt sich so leicht: unbequem. Es ist inzwischen fast zu einem Gemeinplatz geworden. Sonst keine Einwände von mir.

Freundlichen Gruß´
Arno Abendschön
 

Scorpio

Mitglied
Liebe KommentatorInnen,

Ich danke euch sehr für die konstruktive Kritik und Vorschläge zum Verbessern meines Schreibstils. Ja, beim Durchlesen fällt einem dann auf, das Vieles berechtigt ist, was hier angemerkt wurde. So weit es mir möglich war und richtig erschien, hab ich die Geschichte schon nachgebessert.
Grundsätzlich möchte ich unterhalten, anregen, zum Schmunzeln bringen. Ich freue mich über Leserschaft, die ich so erreichen kann. Über den tlw. harschen, unfreundlichen, manchmal beleidigenden Ton hier bin ich jedoch nicht erfreut.
Umgekehrt lese ich mit Vergnügen Texte anderer und hab auch bereits einiges kommentiert, aus meiner Sicht, so wie ich es empfinde. Das ist das, was ich tun kann -und will.
Doch jetzt gehts erst mal ab in den Urlaub, denn es gibt auch ein Leben neben PC und Tablet.

Gruß Scorpio
 

Blumenberg

Mitglied
Hallo scorpio,

nichts zu danken! Ich finde deine Überarbeitung hat dem Text gut getan. Er liest sich wesentlich runder.

Das es hier manchmal rauer zugeht liegt wohl in der Natur des Netzes, aber sei´s drum. Wenn ich etwas kommentiere, dann auch so, dass ich den Eindruck habe, es hilft meinem Gegenüber weiter. Für anderes ist mir, um ehrlich zu sein, meine Zeit zu schade. Du hast schon ganz recht, das eigentliche Leben spielt nicht im Internet

Beste Grüße und einen schönen Urlaub!

Blumenberg
 

Scorpio

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Abschied einer Unbequemen

Christine Nöstlinger ist tot. Eine der bedeutendsten österreichischen Kinder- und Jugendbuchautorinnen der vergangenen Jahrzehnte. Hochdekoriert mit Auszeichnungen wie dem Hans-Christian-Andersen-Preis, dem österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis bis zum Astrid-Lindgren-Gedächtnis-Preis. Sie war Schöpferin von mehr als einhundert Werken, schrieb für Tageszeitungen, aber auch Drehbücher und moderierte eigene Sendungen im Hörfunk.

Kinder und Jugendliche mehrerer Generationen liebten ihre Bücher, deren Protagonisten oft Außenseiter waren, anders als die anderen. Viele konnten sich aber genau aus diesem Grund mit ihnen identifizieren. Die Ein-Mann-Buchstabenfabrik, wie sie sich selbst nannte, verstand die großen und kleinen Sorgen ihrer Leser wie keine andere. In ihren Geschichten war nicht immer alles eitel Sonnenschein; es steht ja auch in der Welt der Kinder oft nicht alles zum besten. Bei ihr konnten Außenseiter zu Helden werden, und die Eltern hatten nicht immer recht. Sie begegnete ihren Lesern niemals mit erhobenem Zeigefinger, vielmehr mit Verständnis und Humor. Autorität als pädagogisches Konzept lag ihr fern.

Ich hab noch einige Bücher aus ihrem Repertoire in meinem Bücherregal stehen. Als Gern- und Vielleserin durfte ich die Außenseiterrolle in meiner frühen Jugend auch des öfteren übernehmen. Vielleicht war genau das der Grund, warum ich Titel wie „Das Austauschkind“, „Wir pfeifen auf den Gurkenkönig“ oder „Die feuerrote Friederike“ unter der Schulbank oder abends im Bett heimlich verschlungen habe. Ganz besonders freut mich aber, dass mein Sohn die Leselust seiner Eltern geerbt und wie selbstverständlich ebenso viel und freudvoll gelesen hat wie wir. Aus der Bibliothek hat er sich besonders gern den „Pudding-Pauli“ und die „Geschichten vom Franz“ ausgeliehen. Dass da nicht immer alle brav und angepasst waren, hat ihn gleichermaßen erfreut wie bestätigt.

Dennoch hat sich Christine Nöstlinger niemals bei Kindern angebiedert. Sie hat sie weder in den Himmel gehoben, noch wollte sie ihre Werke als pädagogische Ratgeber verstanden wissen. In einem Interview etwa zwei Jahre vor ihrem Ableben hat sie einmal gesagt, sie sei „nicht speziell kinderlieb“, was aber nicht abschätzig gemeint war. „Es gibt halt auch unsympathische Kinder und grausliche“. Vielleicht war es genau diese entwaffnende Ehrlichkeit, gepaart mit ihrem Einfühlungsvermögen in die Welt der Kinder, die sie für das Schreiben von Kinderbüchern prädestinierte. Kurz vor ihrem Tod erfuhren wir auch, dass sie mit dem Schreiben im Jahr zuvor ganz aufgehört hatte - nicht nur aus Altersgründen, sondern weil, wie sie sagte, sie die Welt der heutigen Kinder nicht mehr verstehen könne. „Ich weiß einfach nicht, warum sie stundenlang auf ihre Handys starren und pausenlos Selfies machen“, so ihr Kommentar dazu.

Liebe Frau Nöstlinger, ich bin dankbar, dass ich Bekanntschaft mit vielen Figuren ihrer Werke machen durfte. Ich hab mich so verstanden gefühlt, manchmal bestärkt, immer aber auch gut unterhalten - und ich glaube, das ist es, was Sie ja erreichen wollten. Möge es Ihnen gut gehen, dort wo Sie jetzt sind.
 

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