Ach was! – Holz wird knapp

jon

Foren-Redakteur
Teammitglied
Ach was! – Holz wird knapp

„Brennholz wird knapp. Dies bestätigt eine bundesweite Umfrage der Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher e.V. (AGR) unter mehreren Stadtforstämtern. … Würden alle 15 Millionen Haushalte, die bereits heute einen Holzofen besitzen, ausschließlich mit Holz heizen, entstünde ein Bedarf von schätzungsweise bis zu 300 Millionen Kubikmetern Holz – das Vierfache des jährlich nutzbaren Waldholzes“, lese ich in der Pressemitteilung, die eben auf meinen Tisch flattert, und denke hämisch-bitter grinsend: „Ach was!“ Geschichte wiederholt sich eben doch. In grauen Menschheitsvorzeiten soll das Gebiet vieler damaliger Hochzivilisationen großflächig bewaldet gewesen sein, habe ich in grauen Ich-Vorzeiten mal in der Schule gelernt. Weil aber all die vielen Leute Holz zum Heizen und Kochen brauchten, schrumpften die Wälder, das Land versteppte.

Vor weit kürzerer Zeit – waren es zehn Jahre, zwanzig, dreißig? – wurden Holzöfen als DIE Antwort auf das absehbare Ende der Ölförderung gepriesen. Nachwachsender Rohstoff – toll! Billig – wie schön! Kamine wurden aktuell und Kraft-Wärme-Anlagen, die mit Holzpellets gefüttert werden. Jeder, der ein bisschen was vom Marktprinzip von Angebot und Nachfrage versteht und eine ungefähre Ahnung davon hat, wie lange Holz zum Wachsen braucht, hätte damals schon sehen können, wohin diese Entwicklung führt. Auch ohne so eine Geschichtsstunde, wie ich sie genießen durfte.

Ja, sind die denn alle deppert? Selbst jetzt, da die Grenze des Machbaren erreicht ist (*), wird weiter „Holz als Energieträger“ gefördert. Das hat nichts mehr mit Kurzsichtigkeit zu tun, dass ist echte Blindheit. Inzwischen wird Holz zum Verheizen importiert. Von Holz als tollem neuen Öko-Baustoff ganz zu schweigen. Unsere Wälder schont das, sicher, aber was ist mit denen anderer? Deren Problem? Seit wann geht uns durch Naturverstümmelung mitverursachter Klimawandel nichts mehr an?

„Der Mensch ist vernunftbegabt“, heißt es. Mag sein. Aber welcher?



(* http://www.3sat.de/page/?source=/nano/technik/148053/index.html erwähnt „nano“ das Dilemma. Nachdem auch diese „Zukunftsendung“ jahrelang begeistert von immer neuer Holzverbennungstechnick berichtet hat.)
 

Ironbiber

Foren-Redakteur
Ach ja! - Holz wird knapp

Ich weiß gar nicht was du willst, Jon?

Wenn wir dazu übergehen könnten, die Holzwolle, die die Köpfe vieler Politiker, Ökonomen, Lobbyisten, Trendsetter und Trendkonsumenten verstopft, zu verheizen, hätten wir die Energiequelle der Zukunft gefunden. Und diese Energiequelle würde auch hemmungslos nachwachsen :)

Ich hoffe, dass deine Beitragsleser ein wenig nachdenklich werden. Aber genauso fürchte ich auch, dass diese Nachdenklichkeit sehr schnell endet, wenn sich Meister Konsumterror von hinten wieder anschleicht und seine heile Welt aus Holz und Plastik zeichnet.

Frage an mich selbst: Bin ich anders oder gar besser?

Aufgeklärter und einsichtiger – etwas.
Anders oder besser – nein.

Danke für den guten Artikel … Ironbiber
 

Val Sidal

Mitglied
Jon,

die Bäume sind es schuld! Die Idioten wachsen zu langsam! Sind nicht anpassungsfähig - halt nicht vernunftbegabt!
Und manche Arten leben zu lange: sie verdrängen die Ackerflächen, auf denen Gen-Mais wachsen könnte. Oder Raps für Sprit. Oder Tomaten für die spanische Brauchtumspflege.

Man kann dennoch optimistisch in die Zukunft blicken: Durch die Erderwärmung wird der Brennholzbedarf dramatisch abnehmen, die Nachfrage sinken, die Wälder werden sich erholen: es wird wieder genug Brennholz geben.

Der Mensch ist ganz sicher vernunftbegabt - er nutzt sie nur selten: Weil die Zeit knapp ist, wie Brennholz.
 

jon

Foren-Redakteur
Teammitglied
Ach was! – Holz wird knapp

„Brennholz wird knapp. Dies bestätigt eine bundesweite Umfrage der Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher e.V. (AGR) unter mehreren Stadtforstämtern. … Würden alle 15 Millionen Haushalte, die bereits heute einen Holzofen besitzen, ausschließlich mit Holz heizen, entstünde ein Bedarf von schätzungsweise bis zu 300 Millionen Kubikmetern Holz – das Vierfache des jährlich nutzbaren Waldholzes“, lese ich in der Pressemitteilung, die eben auf meinen Tisch flattert, und denke hämisch-bitter grinsend: „Ach was!“ Geschichte wiederholt sich eben doch. In grauen Menschheitsvorzeiten soll das Gebiet vieler damaliger Hochzivilisationen großflächig bewaldet gewesen sein, habe ich in grauen Ich-Vorzeiten mal in der Schule gelernt. Weil aber all die vielen Leute Holz zum Heizen und Kochen brauchten, schrumpften die Wälder, das Land versteppte.

Vor weit kürzerer Zeit – waren es zehn Jahre, zwanzig, dreißig? – wurden Holzöfen als DIE Antwort auf das absehbare Ende der Ölförderung gepriesen. Nachwachsender Rohstoff – toll! Billig – wie schön! Kamine wurden aktuell und Kraft-Wärme-Anlagen, die mit Holzpellets gefüttert werden. Jeder, der ein bisschen was vom Marktprinzip von Angebot und Nachfrage versteht und eine ungefähre Ahnung davon hat, wie lange Holz zum Wachsen braucht, hätte damals schon sehen können, wohin diese Entwicklung führt. Auch ohne so eine Geschichtsstunde, wie ich sie genießen durfte.

Ja, sind die denn alle deppert? Selbst jetzt, da die Grenze des Machbaren erreicht ist (*), wird weiter „Holz als Energieträger“ gefördert. Das hat nichts mehr mit Kurzsichtigkeit zu tun, dass ist echte Blindheit. Inzwischen wird Holz zum Verheizen importiert. Von Holz als tollem neuen Öko-Baustoff ganz zu schweigen. Unsere Wälder schont das, sicher, aber was ist mit denen anderer? Deren Problem? Seit wann geht uns durch Naturverstümmelung mitverursachter Klimawandel nichts mehr an?

„Der Mensch ist vernunftbegabt“, heißt es. Mag sein. Aber welcher?



(* http://www.3sat.de/page/?source=/nano/technik/148053/index.html erwähnt „nano“ das Dilemma. Nachdem auch diese „Zukunftsendung“ jahrelang begeistert von immer neuer Holzverbrennungstechnik berichtet hat.)
 

jon

Foren-Redakteur
Teammitglied
Heute eine Pressemeldung bekommen. Man beachte die fett markierten Passagen …

Warnung vor Brennholz-Knappheit ist Panikmache

Frankfurt am Main (ots) - Holzvorräte nehmen zu, Waldfläche wächst, Kaminofenbesitzer handeln vorausschauend

Aktuelle Presseberichte, wonach das Brennholz knapp werde, sind reine Panikmache und widersprechen sich bereits bei den Zahlen, die in eben diesen Berichten genannt werden. Demnach werden in deutschen Wäldern pro Jahr zwischen 75 und 85 Millionen Kubikmeter Holz geerntet. Dem steht ein jährlicher Zuwachs von 120 Millionen Kubikmetern gegenüber. Das heißt: Die Holzvorräte in den Wäldern nehmen Jahr für Jahr um rund 40 Millionen Kubikmeter zu.

Auch kann der Nachschub für Holzheizungen in Privatwohnungen gar nicht "zur Neige" gehen. Denn Holz ist bekanntlich ein nachwachsender Rohstoff. Zur Neige gehen vielmehr die Vorräte fossiler Brennstoffe wie Öl und Gas.

Auf diese Widersprüche macht der HKI Industrieverband Haus-, Heiz-und Küchentechnik e.V. aufmerksam, der die Hersteller moderner Feuerstätten vertritt und der sich neben neun weiteren Verbänden - darunter die holzverarbeitende Industrie - an der Finanzierung der Studie beteiligt hat, aus der hier zitiert wird.

Ein weitere Zahl dieser Studie der Universität Hamburg, die unter Leitung von Prof. Dr. Udo Mantau vom Zentrum Holzwirtschaft durchgeführt wurde und bereits seit Mai 2012 vorliegt, wird in der aktuellen Berichterstattung hingegen nicht genannt: Vor deutschen Eigenheimen stapeln sich rund 50 Mio. Festmeter oder umgerechnet 70 Mio. Raummeter Scheitholz. Das entspricht mehr als der zweifachen Menge an Scheitholz, die 2010 hierzulande in Kaminöfen, Kachelöfen und Heizkaminen verfeuert wurde.

Bei lokalen Engpässen in Ballungsgebieten springt das Umland ein

Nimmt man Schnittholzreste und gebrauchtes Holz sowie Pellets und Holzbriketts hinzu, errechnet sich für das Kalenderjahr 2010 ein Brennholzverbrauch von 34 Mio. Festmetern. Hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, dass sowohl der Januar als auch der Dezember 2010 extrem kalt waren, sodass der Verbrauch bereits im folgenden Jahr wieder deutlich zurückgegangen ist.

Die Angst, dass Holz knapp werden könnte, ist jedenfalls unbegründet. Der Wald wächst. Sowohl die bewaldete Fläche als auch die dort stehenden Holzvorräte nehmen weiter zu. Und sollte es tatsächlich einmal in Großstädten zu einem lokalen Engpass kommen, springt das Umland ein.

Dass Brennholz seinen Preis hat, ist nicht zuletzt positiv für die Umwelt. Denn er ist Ausdruck für die Knappheit eines Gutes und setzt Anreize, Verbrennungsprozesse zu optimieren, zum Beispiel in modernen Feuerstätten - mit geringen Emissionen und einem hohen Wirkungsgrad.

Auf diese Weise hilft der private Ofenbesitzer, indem er Brennholz kauft, auch beim notwendigen Umbau der Wälder - weg von Monokulturen aus Fichten und Kiefern hin zu artenreichen Mischwäldern. Denn der Holzverkauf ist mit über 90 Prozent nach wie vor die wichtigste Einnahmequelle der Forstbetriebe - und stellt somit die wirtschaftliche Grundlage für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung dar.
Holz wird deshalb nicht knapp, weil es nachwächst. Aaaaja. Ich werde in Zukunft nur noch ein Brötchen pro Tag einkaufen (es "nachwachsen lassen"), dann kann ich jeden Tag so viele Brötchen essen, wie ich will.

Und was soll mir eigentlich die "das Umland springt ein"-Aussage mitteilen? Dass Holz eigentlich immer aus der Stadt kommt und nur im Engpass-Fall aus dem "Umland" geholt wird? Oder dass, wenn in Deutschland das Holz knapp wird, das Ausland einspringt, was an die globale Holzproblematik schlagartig entspannt?

Sehr schön finde ich auch den Hinweise darauf, dass die Privat-Nutzer jetzt so große Holzvorräte haben, dass sie zwei Jahre (für Kamine & Co. nicht für alles) reichen würden. Wow! Doch so lange, ja?
 

Sigurt Funk

Mitglied
Holz - der

Lebe seit 1980 auf dem Land und heize selbst ausschließlich mit Stück-Holz; würde diese Heizung aber nicht als "Allheilmittel" für alle ansehen so wie es auch in Österreich angepriesen wird. Besser als Öl und Gas ist das Holz allemal. Für mich gibt es derzeit ohnehin keine Alternative, die in Frage käme. Allein in meinem Umkreis (3km) verrottet viel mehr Holz im Wald als ich je nützen könnte. Viele Leute gehen nicht mehr in den Wald altersbedingt, den Jungen ist es zu blöd, nach der Arbeit am Wochenende Holz zu machen.
Aber auch meine Heizung wird wohl in den nächsten Jahren ersetzt werden müssen. Bis dahin hoffe ich auf eine vernünftige Lösung, zu der man dann auch in Hinblick auf die ökologischen Aspekte stehen kann.
Finde den Beitrag sehr lesenswert und anregend. Eine kleine Kritik vielleicht: Das „deppert“ könnte man zwar als „erfrischend“ interpretieren, mir ist es dennoch zu „reißerisch“ und wegen der Güte des Textes auch unnotwendig.
Mit besten Grüßen
sf
 

jon

Foren-Redakteur
Teammitglied
Ach was! – Holz wird knapp

„Brennholz wird knapp. Dies bestätigt eine bundesweite Umfrage der Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher e.V. (AGR) unter mehreren Stadtforstämtern. … Würden alle 15 Millionen Haushalte, die bereits heute einen Holzofen besitzen, ausschließlich mit Holz heizen, entstünde ein Bedarf von schätzungsweise bis zu 300 Millionen Kubikmetern Holz – das Vierfache des jährlich nutzbaren Waldholzes“, lese ich in der Pressemitteilung, die eben auf meinen Tisch flattert, und denke hämisch-bitter grinsend: „Ach was!“ Geschichte wiederholt sich eben doch. In grauen Menschheitsvorzeiten soll das Gebiet vieler damaliger Hochzivilisationen großflächig bewaldet gewesen sein, habe ich in grauen Ich-Vorzeiten mal in der Schule gelernt. Weil aber all die vielen Leute Holz zum Heizen und Kochen brauchten, schrumpften die Wälder, das Land versteppte.

Vor weit kürzerer Zeit – waren es zehn Jahre, zwanzig, dreißig? – wurden Holzöfen als DIE Antwort auf das absehbare Ende der Ölförderung gepriesen. Nachwachsender Rohstoff – toll! Billig – wie schön! Kamine wurden aktuell und Kraft-Wärme-Anlagen, die mit Holzpellets gefüttert werden. Jeder, der ein bisschen was vom Marktprinzip von Angebot und Nachfrage versteht und eine ungefähre Ahnung davon hat, wie lange Holz zum Wachsen braucht, hätte damals schon sehen können, wohin diese Entwicklung führt. Auch ohne so eine Geschichtsstunde, wie ich sie genießen durfte.

Statt dessen wird selbst jetzt, da die Grenze des Machbaren erreicht ist (*), weiter „Holz als Energieträger“ gefördert. Das hat nichts mehr mit Kurzsichtigkeit zu tun, dass ist echte Blindheit. Inzwischen wird Holz zum Verheizen importiert. Von Holz als tollem neuen Öko-Baustoff ganz zu schweigen. Unsere Wälder schont das, sicher, aber was ist mit denen anderer? Deren Problem? Seit wann geht uns durch Naturverstümmelung mitverursachter Klimawandel nichts mehr an?

„Der Mensch ist vernunftbegabt“, heißt es. Mag sein. Aber welcher?



(* http://www.3sat.de/page/?source=/nano/technik/148053/index.html erwähnt „nano“ das Dilemma. Nachdem auch diese „Zukunftsendung“ jahrelang begeistert von immer neuer Holzverbrennungstechnik berichtet hat.)
 

jon

Foren-Redakteur
Teammitglied
Danke, Sigurt, für den Hinweis. Hast recht, das "deppert" war in der ersten Empörung entstanden, jetzt sollte es etwas weniger reißerisch sein.
 

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