Alles fließt (Stanze)

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Franke

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo blackout,

ich nehme das als Trost für meinen "Aufbruch" dankend an.
Sehr gerne gelesen!

Liebe Grüße
Manfred
 

Didi Costaire

Mitglied
Gut, nur der Textanfang
Was dir fehlt, das ist jene kluge Stimme,
wirkt sehr trochäisch, zumindest die ersten drei Worte. Danach merkt man, dass es ein Jambus sein soll. Ich wüde eher mit

Dir fehlt vermutlich jene kluge Stimme,

oder ähnlich beginnen.

Schöne Grüße,
D.
 
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blackout

Mitglied
Didi, es ist so: Ich bestimme, welches Wort die Betonung trägt. Hier wird also mit Auftakt "was" (es ist ja der Jambus) das "dir" betont. In diesem Fall merkst du sofort eine Hinwendung zu einem Du. So gesehen wäre deine Formulierung der Trochäus, denn dann müsste ich nämlich ohne Auftakt schreiben, also mit dem Dir einsteigen, um diese Hinwendung zu erreichen. Bei deiner Formulierung müsste ich zudem ein "vermutlich" einfügen, was den Sinn verändert, denn dadurch wird die Aussage etwas unbestimmt. Ein Präzedenzfall ist Storms "Graue Stadt am Meer", worüber die Literaturwissenschaft sich sehr lange in den Haaren lag.

Es ist tatsächlich so, dass die Stellung des Wortes auch den Sinn (selbstverständlich auch das Metrum) innerhalb einer Aussage bestimmt, weshalb man ja auch zum Beispiel Inversionen einsetzt, um eben das wichtige Wort zu betonen.

Aber vielen Dank fürs Reinsehen, danke.

Gruß, blackout
 

James Blond

Mitglied
Der Autor versucht mittels Metrum zu bestimmen, welches Wort die Betonung tragen soll. Leider macht ihm dabei häufig die gewohnte Lesart einen Strich durch die Rechnung. Hier beginnt ein Text mit den Worten "Was dir fehlt ..." , zu einem Zeitpunkt also, an dem der Leser noch keine Information über das im Gedicht angestrebte Metrum hat, folglich wird er hier einen Anapäst ("Was dir fehlt ..." ) oder Trochäus "("Was dir fehlt ...") betonen.

Um den erwünschten Jambus durchzusetzen, braucht man zur metrischen "Stabilisierung" einleitend einige eindeutig jambische Verse oder eine vorausgehende Verdeutlichung, zum Beispiel:

Zu oft sagst du, ich brächte dir das Schlimme,
was dir fehlt, das ist jene kluge Stimme, ...


Grüße
JB
 

blackout

Mitglied
James Blond, das ist eine Stanze, und die wird prinzipiell im Jambus geschrieben. Es kann also nach menschlichen Ermessen keine Verwechslung geben. Das "dir" ist eindeutig eine Hebung. Wenn ich das "fehlt" hätte betonen wollen, hätte ich anders formuliert, dann stünde es an betonter Stelle, aber hier ist es eine Senkung, keine Hebung. Ich habe Rezitieren gelernt und weiß, dass der Rezitator das Metrum mitsprechen muss. Er kann da nicht einfach so sprechen, wie er es empfindet. Für mich ist das eine fruchtlose Diskussion.

Gruß, blackout

Übrigens, Hochhuth ist gestorben, las ich eben.
 
Zuletzt bearbeitet:

James Blond

Mitglied
James Blond, das ist eine Stanze, und die wird prinzipiell im Jambus geschrieben.
Zweifellos soll es eine Stanze sein - nur leider regiert die Definition nicht so über die Lesart, wie es dem Dogmatiker passt.
Zunächst lese ich einen Text und entscheide dann, ob es auch das ist was es sein soll. ;)

Gruß
JB
 

blackout

Mitglied
Es IST eine Stanze. Das ist so klar, dass es darüber keine Unsicherheiten unter Autoren geben sollte. Was willst du denn danach noch entscheiden - dann hast du eine Stanze gelesen. Ich verstehe die ganze Diskussion nicht.
 

James Blond

Mitglied
Man sollte den Lesern seiner Texte ein eigenes Vorgehen zugestehen.
Ich gehe beispielsweise nur selten deduktiv an ein Gedicht heran, sondern induktiv, indem ich aus dem Text etwas herauslese, um anschließend zu sagen, was zueinander passt und was nicht. Und hier passt eine Betonung nicht von selbst in den beabsichtigten Jambus, das ist auch anderen aufgefallen. Dem Autor ist es anscheinend nicht aufgefallen, deshalb hier nun der Hinweis.
 

blackout

Mitglied
Hier handelt es sich nicht um Prosa, sondern um ein gereimtes Gedicht, das im Metrum des Jambus geschrieben ist. xXxX ... Die Hebung wird gesprochen immer betont, deshalb nennt man sie auch betonte Silbe. Es wird also nicht das unbetonte "Was" oder das unbetonte "fehlt" betont, sondern das betonte "dir". Damit ändert sich die von dir angenommene Aussage dahingehend, dass auf eine Frage geantwortet wird: "Was fehlt mir?" Das ist ein völlig korrekter Einstieg ins Gedicht.

Du kannst natürlich vorgehen, wie es dir beliebt, James Blond, aber mach diesem Gedicht keinen Vorwurf. Lies einfach, was dasteht. Das kann ich von einem, der selbst schreibt, doch erwarten.

Gruß, blackout
 

James Blond

Mitglied
Liebe Blackout,

sicher kannst du das erwarten
und genauso sicher möchte ich dir deine Empfehlung, "lies einfach, was da steht", ans Herz legen.

Wenn ich - von allen metrischen Vorhaben und Vorgaben unbelastet - einfach mal lese,
Was dir fehlt, das ist ...
dann werde ich spontan (, wie viele andere Leser auch,) es so betonen: Was dir fehlt, das ist ...
... demnach der Jambus ... ;)

Gruß
JB
 

blackout

Mitglied
Tut mir leid, James Blond, ich hab dir alles erklärt, besser kann ichs nicht. Und wenn du das Gedicht so lesen willst, dann lies es so, wer hindert dich. Stört mich überhaupt nicht. Und ich dachte, du weißt, was du reimst.

Gruß, blackout
 
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James Blond

Mitglied
Es tut mir ausgesprochen leid, unsere Zeit hier vergeudet zu haben. Aber versprochen: Es wird bestimmt nicht wieder vorkommen ...

JB
 

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