Am Obersee

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blackout

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Dem Lärm der Großstadt

entrückt, verborgen hinter gestutzten

Wacholderhecken, spät blühenden Cosmeas

in herbstverwilderten Gärten

bescheidener Vorstadtvillen

unverhofft der See.



Ein Buchenpark, jahrhundertalt.

Leute auf den Wegen, Hundegebell,

ein Angler, die Füße im Morast, das Gold

der Novembersonne zu fangen.

Ausladend alte Weiden, gelb schon ihr Laub,

schwer die Gehänge überm Gewässer,

sie wissen von schweren Jahren.



Überm See,

kaum zu vermuten,

das Haus des Mies van der Rohe,

Revolutionärs der Architektur,

hingeduckt ins herbstliche Gras.

Fenster, Licht, Licht! Die Welt zu sehen.



Auf einer Bank sitzend,

überblicke ich weithin den See,

die Ufer, von Dächern der Villen umrandet,

die Wolken, die sich im Wasser spiegeln,

die tief am Horizont stehende Sonne.

Und mein gefangener Blick wird Frage:

Wieviel Zeit uns noch bleibt.
 

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