Ambulant (gelöscht)

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A

aligaga

Gast
Niemand zwingt einen Patienten hierzulande, sich ambulant in Narkose legen und am Knie operieren zu lassen – er kann dazu ebenso gut stationär ins Krankenhaus gehen.

Dass ein Patient sich bei ambulanter Behandlung nicht nur Vorteile einhandelt, sollte ihm von vorn herein klar sein – insbesondere bei der postoperativen Versorgung und bei der Schmerzausschaltung steht er daheim oft ziemlich dumm da. Selber schuld!

Bei der hier geschilderten Einrichtung scheint es sich um eine Art primitives Feldlazarett zu handeln, wo das „Personal“ noch nie etwas von präoperativer Sedierung gehört hat (z. B. von Propofol) und die Patienten lieber verdursten lässt, statt ihnen einen Schluck Wasser zu geben. Sonderbar!

Typisch allerdings die geschildert Psyche der Patientin, die in den behandelnden Ärzten eher Gegner erkennt und nicht wahrnehmen mag, dass auch in der Medizin viel mit ganz normalem Wasser gekocht wird. Die meisten Chirurgen tun, was sie können, um den Patienten zufrieden zu stellen. Ob der’s am Ende dann wirklich ist, hängt nicht einseitig von der Kunst des Arztes ab, sondern auch sehr viel davon, wie bereit der Patient ist, sein Leiden und die sich daraus ergebenden Folgen zu akzeptieren.

@Ali findet erstaunlich, mit welchem Eifer die allermeisten Patienten ihre Leidensgeschichten bis ins kleinste Detail ausbreiten und sich damit wichtig zu machen glauben. Dabei gibt es nichts Langweiligeres als in epischer Breite vorgetragene Krankenberichte, die gespickt sind mit den angeblichen Kunstfehlern Dritter und den „Unzumutbarkeiten“, die nicht Eiterkeimen, Organversagern, Knochenbrüchen, Knorpelschäden oder Krebsmetastasen eo ipso geschuldet, sondern von tapsigem Personal verursacht sind.

Das arme, unschuldige Opfer, verloren in der böhsen Welt der Medizin – ein Liedlein, das landauf, landab tagtäglich tausendfach gesungen wird, obwohl’s keine Sau wirklich interessiert in einer Welt, in der sich permanent Schicksale vollziehen. Eben erst hat ein Wahnsinniger absichtlich Kinder in die Luft gesprengt.

Das ist wirklich schlimm.

Sehr unheiter

aligaga
 

Ciconia

Mitglied
Niemand zwingt einen Patienten hierzulande, sich ambulant in Narkose legen und am Knie operieren zu lassen – er kann dazu ebenso gut stationär ins Krankenhaus gehen.
Dem Herrn Ali – vermutlich Privatpatient – sei diese unrealistische Sicht der Dinge verziehen, er weiß es halt nicht besser.
Das arme, unschuldige Opfer, verloren in der böhsen Welt der Medizin – ein Liedlein, das landauf, landab tagtäglich tausendfach gesungen wird, obwohl’s keine Sau wirklich interessiert in einer Welt.
Jeder schreibt halt so wie er kann. Die Eine macht ein launiges Gschichterl aus so einer Begebenheit, der Andere schreibt einen ganzen Fortsetzungsroman, in dem es gleich in sechs (!) Kapiteln nur um das (zugegebenermaßen schwerere) Schicksal eines Patienten geht.

Was das alles mit dem Anschlag von Manchester zu tun hat, mag nur der Herr Ali wissen. Oder müssen Autoren in einer Zeit des Terrors alle Werke hintanstellen, weil es ständig Schlimmeres auf der Welt gibt?

Kopfschüttelnd
Ciconia

Damit ist eine Auseinandersetzung mit Herrn Ali wieder einmal beendet. Er möge sich andere Diskussionspartner suchen, aber bitte nicht in diesem Thread.
 
A

aligaga

Gast
Köstlich, dieser ebenso prompte wie plumpe, persönliche Angriff!

Dumm, dass er ins Leere geht - in Doitschhland herrscht freie Arztwahl nicht nur für Privatpatienten wie den böhsen @ali. Ob sich der Patient das Knie ambulant oder stationär, in Vollnarkose oder unter Teilanästhesie aufschneiden lässt, entscheidet er selbst.

Wie du richtig feststellst, o @Ciconia, nervt @ali in den "Häusern am Fluss I" nicht mit persönlichen Krankengeschichtchen, in denen das (vermeintliche) Unvermögen des medizinischen Personals im Vordergrund steht wie bei deinen Tagebuchnotizen, sondern erzählt von einem Schicksal.

Im Prolog zu den "Häusern am Fluss II" schrieb @ali zudem:
Es wird behauptet, dass in der Belletristik mit gehandicapten Protagonisten kein Staat zu machen sei – sie ließen sich weder literarisch noch filmisch so abbilden, dass ein Leser oder Zuseher in deren Haut schlüpfen wollte.

@Ali glaubt das nicht unbedingt. Dafür gibt’s von Melville über Kafka, Hemingway oder Remarque zu viele gegenteilige Beispiele, und Filmerfolge wie „Forest Gump“, „Rain Man“ oder „Rust and Bone“ hätten nicht gefeiert werden können.

Wagen wir es also und begleiten Kipper auf seinem weiteren Weg! Ob er wohl trotz allem sein Glück wiederfindet? Sich, wie ursprünglich geplant, ein Leben unter Wasser einrichten kann? Und ob er wohl Ina noch einmal begegnet?

Wer das wissen möchte, kann hier den zweiten Band öffnen und die Geschehnisse mitverfolgen.
Offensichtlich waren @alis Befürchtungen unbegründet - die Geschichte mit dem angeschlagenen Protagonisten scheint doch tragfähig zu sein, wie die immer noch zahlreiche Leserschaft beweist.

Wie schön, dass auch du heimlich mitschmökerst. Du wirst staunen, was da noch alles passiert!

Wieder sehr heiter

aligaga
 

DocSchneider

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Ciconia,

Datenschutz ist doch sowieso hinfällig, wenn jeder hier seine Krankengeschichten zum Besten gibt. Bei einer ambulanten OP geht es genauso zu, wie Du es schilderst. Da helfen nur zwei Dinge: vorher (besser) informieren - oder stationär behandeln lassen, was meistens auch angeboten wird oder wonach man zumindest fragen sollte.

Ich habe nur vermisst, dass nicht unmittelbar vor dem Eingriff nochmal nachgefragt wurde, welches Knie denn nun operiert werden soll. Meistens passiert das ... :)

Gute Besserung!

Mit Gruß,

DS
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Doc,
Datenschutz ist doch sowieso hinfällig, wenn jeder hier seine Krankengeschichten zum Besten gibt.
Und ich dachte immer, ich sei hier anonym unterwegs … :eek:

Ich muss dazu sagen, dass diese Begebenheit schon einige Jahre zurückliegt - inzwischen bin ich ja schon einen Schritt weiter, wie meine treuen Leser wissen. ;) Damals wurde plötzlich alles nur noch ambulant angeboten, vom Leistenbruch bis wasweißich. Und wenn der eigene (gute) Orthopäde/Unfallchirurg diese kleine OP in einer Praxisklinik selbst ambulant anbietet, zögert man doch nicht. Außerdem wohnt nicht jeder in einer mit Ärzten und Kliniken überversorgten Großstadt ...
Ich habe nur vermisst, dass nicht unmittelbar vor dem Eingriff nochmal nachgefragt wurde, welches Knie denn nun operiert werden soll. Meistens passiert das.
Das weiß ich, ehrlich gesagt, nicht mehr. Ich weiß nur, dass einige Jahre später bei der großen OP vorher ein dickes Kreuz auf das zu operierende Bein gemalt wurde und auch kurz vor der Narkose noch einmal genau nachgefragt wurde.

Gruß Ciconia
 
A

aligaga

Gast
@Ali glaubt nicht, dass man mit banalen Meldungen über den persönlichen Blutdruck, Blutzuckerwerte oder Tumormarker ein Publikum literarisch vom Sitz reißen könnte.

Wer je einen Krankenhaus- oder einen Kuraufenthalt hinter sich gebracht hat, weiß, von welcher Mitteilsamkeit Kranke gesegnet sind und mit welcher Gnadenlosigkeit sie Mitpatienten deren wackelig gewordenes Bewusstsein mit ihrem persönlichen Seim zu vermullen trachten. Es ist dies einer der Gründe, warum sich manche vor den stationären Großküchen ekeln und ihr Heil im ambulanten Schnellimbiss suchen.

Aber das ist ein Fehler. Wer keine Zeit und keine Geduld mitbringen kann, sollte nicht krank werden müssen.

Heiter, sehr, sehr heiter

aligaga
 
Geschätzte Ciconia,

mir gefällt hier dreierlei: die genaue Beobachtung, die souveräne sprachliche Verarbeitung und der Blick leicht ironisch von oben, auch auf die eigene Person. Die Details kamen mir aufgrund eigener Erfahrungen z.T. vertraut vor.

Bei der Wertung habe ich mich nur zu einer "9" entschließen können. Begründung: Die häusliche Passage scheint mir nicht mehr ganz das Niveau der übrigen Abschnitte zu haben. Es mag daran liegen, dass die eigene Häuslichkeit nicht so leicht mit derselben kritischen Objektivität zu behandeln sein dürfte wie eine fremde Umgebung (für mich auch nicht). Daher würde es, meine ich, der literarischen Wirkung guttun, wenn der Text sich auf die Erfahrungen in der Praxis bzw. Klinik beschränkte.

Freundlichen Gruß
Arno Abendschön
 
A

aligaga

Gast
Wenn Füchsen die Ruten abhanden gekommen sind, versuchen sie nicht selten, sich ebenso schadenfroh wie hinterteilwedelnd neu zu nomenklaturieren und jeden Leidensgenossen mit lautem Gekläff zu begrüßen.

Nicht nur Cecil S. Foresters weltberühmte "Hornblower"-Romane fußten auf dieser Systematik. Die Besatzungen der englischen Fregatten wären anders nicht durch den napoleoneschen Krieg zu pressen gewesen.

Texte wie der von @Ciconia vorgestellte und von dem bekennenden @ali-Hasser A. soeben begrüßte sind nach @alis Verständnis nicht lustig, sondern zutiefst deprimierend. Sie zeigen dem Rest der Welt, wie sehr es darauf ankäme, nicht unermüdlich die eigenen Wunden zu zeigen, sondern die im Leib der anderen zu erkennen.

Das wäre der Punkt, wo schlechte Literatur aufhörte und die bessere begönne.

Heiter, sehr sehr heiter

aligaga
 

Ciconia

Mitglied
Der Text wurde vom Autor gelöscht.
Gemäß den Forenregeln bleiben die Kommentare jedoch erhalten.
 

Ciconia

Mitglied
Moin Arno,

vielen Dank für Deine anerkennenden Worte und die gute Wertung.
Dein Einwand ist durchaus berechtigt, der häusliche Teil der Geschichte ist ein wenig zu langatmig geworden. Ganz möchte ich allerdings nicht darauf verzichten, denn ich wollte schon herausstellen, dass die Probleme eines ambulanten Eingriffs eben nicht in der Klinik, sondern anschließend im häuslichen Bereich entstehen. Das hatte sich Cäcilie wohl vorher nicht so ganz ausgemalt …
Ich habe diesen Teil nun ein wenig gestrafft.

Einen schönen Feiertag wünscht Dir
Ciconia
 

Ciconia

Mitglied
Für diejenigen Leser, die vielleicht den Forentext nicht mehr so ganz im Kopf haben, hier ein Auszug daraus:
Bei der Kritik und Beurteilung der in diesem Forum vorgestellten Beiträge wünsche ich mir das Feingefühl seitens der Leser, ausschließlich die literarischen Qualitäten und Schwächen eines Textes unter die Lupe zu nehmen. Naturgemäß stimmen im Tagebuch lyrisches Ich und Verfasser häufig überein (mit Ausnahme fiktiver Tagebuchtexte). Verhaltensweisen und Charaktermerkmale, geschweige denn die Gesamtheit der Persönlichkeit Einzelner, stehen daher (und nicht nur hier) nicht zur Debatte.
Soweit die Theorie.
 
Ja, Ciconia, so ist es wesentlich besser. Richtig ist auch, dass rein sachlich die Phase der häuslichen Rekonvaleszenz bei der Schilderung eines solchen Eingriffs schon dazugehört. Das stilistische Problem besteht darin: Wenn ich den Ablauf in der Klinik leicht ironisch und mit spitzer Feder dargestellt habe, welche Tonart wähle ich dann für die Probleme und Schmerzen daheim? Diese Situation ist ja überhaupt nicht mehr zum Lachen. Man ist jetzt nicht mehr das umsorgte Objekt, das relativ souverän Beobachtungen anstellen kann, sondern aktiv handelndes Subjekt und Verwalter des eigenen Elends. Der Übergang von der Klinikliege zur häuslichen Treppe, die kaum zu bewältigen, führt so fast zwangsläufig zu einem Stilbruch. Bei einem (nichtsatirischen) Text über eine vergleichbare Situation habe ich mit dem Verlassen des OP-Raums aufgehört. Der langen Rede kurzer Sinn: Krankheit spielt sich auf zwei sehr verschiedenartigen Bühnen ab, die außer der Krankheit nichts miteinander verbindet.

Freundlichen Gruß
Arno Abendschön
 

Ciconia

Mitglied
Danke, Arno, dass Du noch einmal reingeschaut hast.

Ich habe gerade Deine Geschichte herausgesucht, muss ich damals übersehen haben. Wieder sehr fein geschrieben, gefällt mir gut.

Zunächst hatte ich auch überlegt, meinen Text in einer anderen Rubrik einzustellen, aber für Humor und Satire schien er mir nicht witzig genug, bei Kurzprosa kommt dann oft der Aufschrei: „Gehört ins Tagebuch!“, na ja, so bin ich dann eben hier gelandet.

Ich habe mich bemüht, auch den zweiten Teil einigermaßen selbst-ironisch durchzuziehen – aber wie Du schon sagst: Es sind zwei Ebenen, die schwer miteinander in Einklang zu bringen sind.

Gruß Ciconia
 

DocSchneider

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Ciconia,

natürlich bist Du hier anonym unterwegs und hast Deine Krankenkarte nicht vorgelegt. Mir kommt bei solchen Geschichten nur in den Sinn, dass man doch sehr viel Persönliches beim Schildern ausführlicher Krankengeschichten von sich preis gibt. Inzwischen hast Du den Text gestrafft, was ihm gut getan hat - er bleibt ein Tagebucheintrag, dass er in die Nähe 'hoher' Literatur kommt, halte ich für augeschlossen und das war mit Sicherheit nicht Deine Absicht.

Nun bin ich bei Deiner Krankengeschichte nicht auf dem Laufenden, aber das lässt sich ja ändern. :)

Mit Gruß,
DS
 

molly

Mitglied
Hallo Ciconia,

zum Glück habe ich die Arschwippe schon in mein "Lexikon" aufgenommen. Danke dir, das Wort kannte ich noch nicht. :D

Schönen Feiertag noch und Gruß

molly
 

Ciconia

Mitglied
Na ja, Doc, ich seh das mal so: Persönliches kann ja nur eine real existierende Person von sich geben und nicht der Avatar Ciconia ... :D

Gruß Ciconia
 

Ciconia

Mitglied
Huch, molly, das Wort steht doch jetzt gar nicht mehr drin ... :D

Aber ich hoffe, Du wirst die Arschwippe gesundheitsbedingt nie brauchen.

Dir auch einen schönen Feiertag!
Gruß Ciconia
 

Ciconia

Mitglied
Mir fehlen die Worte. Beleidigungen und Verletzungen wie diese
Typisch allerdings die geschildert Psyche der Patientin
Dabei gibt es nichts Langweiligeres als in epischer Breite vorgetragene Krankenberichte
obwohl’s keine Sau wirklich interessiert in einer Welt
Ali glaubt nicht, dass man mit banalen Meldungen über den persönlichen Blutdruck, Blutzuckerwerte oder Tumormarker ein Publikum literarisch vom Sitz reißen könnte.
Texte wie der von @Ciconia vorgestellte und von dem bekennenden @ali-Hasser A. soeben begrüßte sind nach @alis Verständnis nicht lustig, sondern zutiefst deprimierend. Sie zeigen dem Rest der Welt, wie sehr es darauf ankäme, nicht unermüdlich die eigenen Wunden zu zeigen, sondern die im Leib der anderen zu erkennen.
ausgerechnet im Bereich Tagebuch zu dulden und gleichzeitig den Hinweis der Autorin auf die im Forentext geforderte Feinfühligkeit auszublenden, veranlassen mich, diesen Text zu löschen. Im Tagebuch wird es von mir keine Texte mehr geben.

Ciconia
 
Status
Für weitere Antworten geschlossen.

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