An der Supermarktkasse

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Ciconia

Mitglied
Die Frau vor mir an der Supermarktkasse trägt einen grobmaschigen, ärmlich wirkenden Pullover, der weit über ihre unförmigen Hüften hinunter reicht. Ihre Haare wirken ungepflegt, von einer Frisur kann man nicht sprechen. Während ich meinen Einkauf aufs Band lege, höre ich die Kassiererin sagen:
„Neunundzwanzig Euro vierundneunzig macht das dann.“
Die Kundin, die sich nun der Kassiererin zuwendet, ist eigentlich mehr ein Mädchen als eine Frau. Ihr kugelrundes rotes Gesicht mit den mandelförmigen Augen verleiht ihr etwas Kindliches. Sie kramt hektisch in ihrer kleinen Geldbörse, legt eine Münze nach der anderen auf das Band. Die hübsche junge Kassiererin, deren gepflegtes Äußeres einen fast schmerzlichen Kontrast zum Aussehen der Kundin bildet, wartet geduldig.
„Soll ich Ihnen vielleicht helfen?“, fragt sie schließlich freundlich.
Das Mädchen schüttet verzweifelt den gesamten Inhalt seines Portemonnaies aus. Ich überschlage kurz: maximal zehn Euro werden das sein. Die Kassiererin zählt, die Kundin starrt hilflos auf das Geschehen.
„Das wird nicht reichen“.
„Dann eine!“
Erst jetzt sehe ich, was die junge Frau kaufen will: Zwei Packungen Ersatzzahnbürsten für eine elektrische Zahnbürste und eine Tube Zahnpasta.
„Eine kostet dreizehnachtundneunzig, das reicht leider auch nicht“, antwortet die Kassiererin gelassen.
„Eine!“, ruft das Mädchen fast flehend und mit zunehmender Verzweiflung in der Stimme.
„Wissen Sie was“, schlägt die Kassiererin vor, „Sie lassen einfach die Zahnbürsten hier und nehmen nur die Zahnpasta. Einverstanden?“
Ich bewundere die junge Hübsche für ihre einfühlsame Art. Sie zählt die Münzen für die Zahnpasta ab, verstaut rasch das restliche Geld in der kleinen Geldbörse und drückte alles der Kundin in die Hand.
„Einen schönen Tag noch!“
Das Gesicht des Mädchens unter den zotteligen Haaren zeigt keine Regung. Sie nimmt die Situation hin, wie sie vielleicht schon viele in ihrem Leben hat hinnehmen müssen – verständnislos. Mit leicht gesenktem Kopf und hängenden Schultern trottet sie Richtung Ausgang.

Es geht zügig weiter an der Kasse, ich zahle schnell und merke plötzlich, wie selbstverständlich uns Dinge scheinen, die einem behinderten Menschen so große Probleme bereiten können. Als ich meinen Einkaufskorb auf dem Parkplatz ins Auto hebe, schiebt sich langsam ein kleiner roter Bus aus der Parkbucht gegenüber. Er trägt die Aufschrift „Sozialtherapeutische Wohn- und Arbeitsgemeinschaft“. Unter den Fahrgästen herrscht anscheinend eine gute Stimmung, zwei Männer mit kindlichen Gesichtern albern herum und winken. Richtig, die habe ich vorhin am Zeitschriftenstand gesehen, wie sie eine Illustrierte nach der anderen aus den Regalen zogen und sich köstlich über die bunten Bilder amüsierten.

In der letzten Sitzreihe schaut eine traurige junge Frau, die immer noch wie ein Mädchen aussieht, still aus dem Fenster. Ihre Augen wirken leer. Man hat ihr heute mehr zugetraut, als sie bewältigen konnte.
 

Ciconia

Mitglied
Die Frau vor mir an der Supermarktkasse trägt einen grobmaschigen, ärmlich wirkenden Pullover, der weit über ihre unförmigen Hüften hinunter reicht. Ihre Haare wirken ungepflegt, von einer Frisur kann man nicht sprechen. Während ich meinen Einkauf aufs Band lege, höre ich die Kassiererin sagen:
„Neunundzwanzig Euro vierundneunzig macht das dann.“
Die Kundin, die sich nun der Kassiererin zuwendet, ist eigentlich mehr ein Mädchen als eine Frau. Ihr kugelrundes rotes Gesicht mit den mandelförmigen Augen verleiht ihr etwas Kindliches. Sie kramt hektisch in ihrer kleinen Geldbörse, legt eine Münze nach der anderen auf das Band. Die hübsche junge Kassiererin, deren gepflegtes Äußeres einen fast schmerzlichen Kontrast zum Aussehen der Kundin bildet, wartet geduldig.
„Soll ich Ihnen vielleicht helfen?“, fragt sie schließlich freundlich.
Das Mädchen schüttet verzweifelt den gesamten Inhalt seines Portemonnaies aus. Ich überschlage kurz: maximal zehn Euro werden das sein. Die Kassiererin zählt, die Kundin starrt hilflos auf das Geschehen.
„Das wird nicht reichen“.
„Dann eine!“
Erst jetzt sehe ich, was die junge Frau kaufen will: Zwei Packungen Ersatzzahnbürsten für eine elektrische Zahnbürste und eine Tube Zahnpasta.
„Eine kostet dreizehnachtundneunzig, das reicht leider auch nicht“, antwortet die Kassiererin gelassen.
„Eine!“, ruft das Mädchen fast flehend und mit zunehmender Verzweiflung in der Stimme.
„Wissen Sie was“, schlägt die Kassiererin vor, „Sie lassen einfach die Zahnbürsten hier und nehmen nur die Zahnpasta. Einverstanden?“
Ich bewundere die junge Hübsche für ihre einfühlsame Art. Sie zählt die Münzen für die Zahnpasta ab, verstaut rasch das restliche Geld in der kleinen Geldbörse und drückt alles der Kundin in die Hand.
„Einen schönen Tag noch!“
Das Gesicht des Mädchens unter den zotteligen Haaren zeigt keine Regung. Sie nimmt die Situation hin, wie sie vielleicht schon viele in ihrem Leben hat hinnehmen müssen – verständnislos. Mit leicht gesenktem Kopf und hängenden Schultern trottet sie Richtung Ausgang.

Es geht zügig weiter an der Kasse, ich zahle schnell und merke plötzlich, wie selbstverständlich uns Dinge scheinen, die einem behinderten Menschen so große Probleme bereiten können. Als ich meinen Einkaufskorb auf dem Parkplatz ins Auto hebe, schiebt sich langsam ein kleiner roter Bus aus der Parkbucht gegenüber. Er trägt die Aufschrift „Sozialtherapeutische Wohn- und Arbeitsgemeinschaft“. Unter den Fahrgästen herrscht anscheinend eine gute Stimmung, zwei Männer mit kindlichen Gesichtern albern herum und winken. Richtig, die habe ich vorhin am Zeitschriftenstand gesehen, wie sie eine Illustrierte nach der anderen aus den Regalen zogen und sich köstlich über die bunten Bilder amüsierten.

In der letzten Sitzreihe schaut eine traurige junge Frau, die immer noch wie ein Mädchen aussieht, still aus dem Fenster. Ihre Augen wirken leer. Man hat ihr heute mehr zugetraut, als sie bewältigen konnte.
 

Blumenberg

Mitglied
Liebe(r) Ciconia,

ich gehe hier wohl in Opposition zu den vielen guten Bewertungen, aber sei´s drum. Du lieferst ein handwerklich routiniert geschriebenes Prosastück, an dem es auf sprachlicher Ebene nichts auszusetzen gibt.

Trotzdem hat mich die Geschichte nicht begeistern können.

Das liegt glaube ich zum einen daran, dass die Erscheinung der beiden Personen ziemlich schematisch ihr Inneres spiegelt. Die Behinderte wirkt ärmlich, hat keine Frisur, unförmige Hüften, ist ausdruckslos, etc. Die Kassiererin ist freundlich, hübsch, hat ein gepfegltes Äußeres. Die Personen wären etwas ambivalenter gestaltet in meinen Augen wesentlich interessanter gewesen.

Was mich ich mich gefragt habe: Ist die Darstellung des Protagonisten als vollkommen empathielos Absicht?

Dein Ich-Erzähler trifft auf eine Behinderte, die an einer alltäglichen Situation scheitert, soweit die Situation. Was mir hier vollkommen fehlt ist irgendein empatischer Zugang zu der Frau. Stattdessen wird die Supermarktkassiererin für ihre Freundlichkeit gelobt(Ich bewundere die junge Hübsche für ihre einfühlsame Art.). Die einfühlsame Art kann ich aber in Ihrem Verhalten nicht so recht auszumachen. Die Kassiererin scheint es vor allem eilig zu haben. (z.b. Wissen Sie was“, schlägt die Kassiererin vor, „Sie lassen einfach die Zahnbürsten hier und nehmen nur die Zahnpasta. Einverstanden?") Sie wartet aber nicht mal eine Antwort ab, sondern packt einfach das Restgeld in die Geldbörse und wünscht einen schönen Tag. Das ist für mich nicht freundlich oder empathisch. Für mich geht das Verhalten der Kassiererin nicht über professionelle Höflichkeit hinaus. Sicherlich ist eine Kassiererin auch Sklavin ihrer beruflichen Umstände, das ließe sich durch den reflektierenden Ich-Erzähler fruchtbar machen(Sie kann kein Auge zudrücken und sich auch nicht richtig Zeit nehmen.).


Als unpassend empfinde ich zudem den letzten Satz der Geschichte, den ich ehrlich gesagt streichen würde:

"Man hat ihr heute mehr zugetraut, als sie bewältigen konnte."

Erstens ist das ein Satz, der eine Wertunf vornimmt und damit dem Leser quasi die Moral der Geschichte vor den Kopf knallt (sie packts halt nicht: enttäuschend). Zweitens habe ich mich als Leser gefragt, wer denn hier bitte dieses "man" sein soll, das als Subjekt des Satzes die Beurteilung vornimmt.

Angesichts der allgemeinen Begeisterung wird dich meine Kritik bestimmt nicht zu sehr schmerzen.

Liebe Grüße

Blumenberg
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Blumenberg,

zunächst einmal vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar – und nein, er schmerzt nicht, denn er ist sachlich gehalten. Da war ich in den vergangenen Jahren Anderes gewöhnt.

Trotzdem möchte ich Dir in einigen Punkten widersprechen: Dies ist keine Erzählung und keine Kurzgeschichte, in denen man die Personen wesentlich detailreicher hätte ausschmücken können, sondern eine Kurzprosa, eine geschilderte Szene. Deshalb auch die zurückgenommene Erzählerin, deren Empfindungen hier gar nicht zur Debatte stehen. In den vergangenen Jahren wurde mir oft der Vorwurf gemacht, ich würde zu sehr werten. Das sollte hier nun nicht der Fall sein.

Das Verhalten der Kassiererin finde ich durchaus entgegenkommend. Sie hätte z. B. auch unwirsch reagieren können, hätte nicht den Vorschlag machen brauchen, nur die Zahnpasta zu nehmen, und der Kundin nicht das Geld abzählen brauchen. Sie schiebt das Restgeld nicht einfach über das Band, sondern packt es auch noch rasch in die Geldbörse. Mehr kann man, glaube ich, in der heutigen Zeit nicht erwarten.
wer denn hier bitte dieses "man" sein soll
Vielleicht habe ich hier zu viel vorausgesetzt: Der genannte Kleinbus (wahrscheinlich mit einem Betreuer) setzt die Behindertengruppe vor dem Supermarkt ab, wo sie zu selbstbestimmten Kunden werden. Also geht „man“ davon aus, dass sie ihre Aufgaben auch bewältigen können. Im beschriebenen Fall hat dies nun leider nicht geklappt. Ich finde, der monierte Satz ist keine Wertung, sondern eine ganz einfache Schlußfolgerung aus dem Geschehen.

Schade, dass ich Dich mit dieser Kurzprosa nicht erreichen konnte.

Gruß Ciconia
(immer noch weiblich)
;)
 

Blumenberg

Mitglied
Liebe Ciconia,

Ich bemühe mich bei meiner Textkritik immer um Sachlichkeit. Ich finde das gehört sich so.

"Dies ist keine Erzählung und keine Kurzgeschichte, in denen man die Personen wesentlich detailreicher hätte ausschmücken können, sondern eine Kurzprosa, eine geschilderte Szene."

Ich habe hier auch gar nicht die Kürze der Darstellung moniert sondern deren starre Schematik bei der von dir vorgenommenen äußerlichen und inneren Beschreibung. Die Behinderte ist ausschließlich mit negativen Attributen versehen, während die Kassiererin ausschließlich positiv auftritt. Warum kann die Behinderte nicht beispielsweise etwas Hübsches tragen. Ich entnehme deiner Schilderung mit den mandelförmigen Augen, dass du ein Mädchen mit Down-Syndrom beschreibst. Ich kenne davon eine ganze Reihe und kann dir sagen, die sind durchaus in der Lage solche Dinge zu tun, außerdem sind sie in der Regel recht kommunikativ und oft sehr gut gelaunt und interessiert.

Auch bei der Freundlichkeit widerspreche ich dir. Supermarktkassierer ist ein Dienstleistungsberuf mit Kundenkontakt. Hier wird, wie auch zum Beispiel in der Gastronomie, sowohl Effektivität als auch Freundlichkeit verlangt und das Personal ist angehalten das zu befolgen. Eine wirklich empathische und freundliche Kassiererin würde sich Zeit nehmen die Antworten abzuwarten, sie würde Fragen, ob sie das Restgeld einfüllen darf und der Frau, die ja eine Zahnbürste will, eine Handzahnbürste (für die das Geld reichen würde) holen oder ihr das zumindest anbieten. Wenn jemand Zahnbürste und Zahnpasta kauft, gehe ich davon aus, dass er auch beides braucht.

„In den vergangenen Jahren wurde mir oft der Vorwurf gemacht, ich würde zu sehr werten. Das sollte hier nun nicht der Fall sein.“

Das tust du aber doch, durch die Attribuierung deiner Protagonisten. Du hast dich für eine Ich-Erzählerin entschieden, das heißt jede Einschätzung von ihrer Seite transportiert eine Wertung, denn ihre Perspektive ist eine subjektive. Damit ist auch eine, wie du schreibst, zurückgenommene Erzählerin (die es in meinem Augen in dieser Perspektive gar nicht geben kann)ausgeschlossen. Sie ist es die wahrnimmt und beschreibt und damit in das Geschehen direkt involviert ist und dieses bewertet. Wenn sie berichtet die Kassiererin sei hübsch ist das eine Wertung der Erzählerin keine Tatsache. Die Attribute mit denen beide geschildert werden sind in dieser Perspektive alle subjektive Setzungen deiner Ich-Erzählerin. Ein paar Beispiele:

- von einer Frisur kann man nicht sprechen
- deren gepflegtes Äußeres einen fast schmerzlichen Kontrast zum Aussehen der Kundin bildet.

Um Wertungsfreiheit zu erreichen müsstest du die Perspektive wechseln, das funktioniert nur mit einem neutralen Erzähler.

Der letzte Satz so wie du ihn in deinem Kommentar als Idee geschildert hast, ist so wie er da steht eine wertende Aussage (Wenn eine Aufgabe nicht erfüllt wird findet zudem doch eine Bewertung statt.) Außerdem ist er, so wie er da steht, ein Bruch der Erzählperspektive. Denn ein Ich-Erzähler kann das hier gar nicht wissen: „Der genannte Kleinbus (wahrscheinlich mit einem Betreuer) setzt die Behindertengruppe vor dem Supermarkt ab, wo sie zu selbstbestimmten Kunden werden. Also geht „man“ davon aus, dass sie ihre Aufgaben auch bewältigen können. Im beschriebenen Fall hat dies nun leider nicht geklappt“. Er kann es höchstens vermuten und dann muss der letzte Satz aus der Ich-Perspektive formuliert sein und ist eine Schlussfolgerung des Erzählers.

Liebe Grüße

Blumenberg
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Blumenberg,

ich weiß nicht, ob diese kleine Szene wirklich eine derart in die Tiefe gehende Analyse verdient, aber ich versuch’s noch einmal, meine Sicht der Dinge darzustellen.
Warum kann die Behinderte nicht beispielsweise etwas Hübsches tragen.
Weil sie in diesem Fall eben wirklich nichts Hübsches trug. Die hier genannte "Sozialtherapeutische Wohn- und Arbeitsgemeinschaft“ mag sich im ländlichen Umfeld befinden, die Behinderten haben vielleicht gerade noch auf dem Bauernhof gearbeitet und sind dementsprechend lässig gekleidet. Zugegeben, das kann der Leser nicht wissen. Aber er sollte nicht anzweifeln, dass dem so ist. Gerade das unvorteilhafte Outfit gibt dieser jungen Frau doch etwas Bemitleidenswertes und lässt das Geschehen noch betrüblicher wirken.
Eine wirklich empathische und freundliche Kassiererin würde sich Zeit nehmen die Antworten abzuwarten …
Theorie, lieber Blumenberg, nur Theorie. Ich kenne andere. Und ich gehe fast täglich – auch in unterschiedlichen Supermärkten – einkaufen.
Um Wertungsfreiheit zu erreichen müsstest du die Perspektive wechseln, das funktioniert nur mit einem neutralen Erzähler.
Das leuchtet mir nicht ganz ein. Aus welcher Perspektive sollte ich denn schreiben? Kannst Du mir ein paar Beispielsätze aufführen?

Gruß Ciconia
 

Ciconia

Mitglied
Die Frau vor mir an der Supermarktkasse trägt einen grobmaschigen, ärmlich wirkenden Pullover, der weit über ihre unförmigen Hüften hinunter reicht. Ihre Haare wirken ungepflegt, von einer Frisur kann man nicht sprechen. Während ich meinen Einkauf aufs Band lege, höre ich die Kassiererin sagen:
„Neunundzwanzig Euro vierundneunzig macht das dann.“
Die Kundin, die sich nun der Kassiererin zuwendet, ist eigentlich mehr ein Mädchen als eine Frau. Ihr kugelrundes rotes Gesicht mit den mandelförmigen Augen verleiht ihr etwas Kindliches. Sie kramt hektisch in ihrer kleinen Geldbörse, legt eine Münze nach der anderen auf das Band. Die hübsche junge Kassiererin, deren gepflegtes Äußeres einen fast schmerzlichen Kontrast zum Aussehen der Kundin bildet, wartet geduldig.
„Soll ich Ihnen vielleicht helfen?“, fragt sie schließlich freundlich.
Das Mädchen schüttet verzweifelt den gesamten Inhalt seines Portemonnaies aus. Ich überschlage kurz: maximal zehn Euro werden das sein. Die Kassiererin zählt, die Kundin starrt hilflos auf das Geschehen.
„Das wird nicht reichen“.
„Dann eine!“
Erst jetzt sehe ich, was die junge Frau kaufen will: Zwei Packungen Ersatzzahnbürsten für eine elektrische Zahnbürste und eine Tube Zahnpasta.
„Eine kostet dreizehnachtundneunzig, das reicht leider auch nicht“, antwortet die Kassiererin gelassen.
„Eine!“, ruft das Mädchen fast flehend und mit zunehmender Verzweiflung in der Stimme.
„Wissen Sie was“, schlägt die Kassiererin vor, „Sie lassen einfach die Zahnbürsten hier und nehmen nur die Zahnpasta. Einverstanden?“
Ich bewundere die junge Hübsche für ihre einfühlsame Art. Sie zählt die Münzen für die Zahnpasta ab, verstaut rasch das restliche Geld in der kleinen Geldbörse und drückt alles der Kundin in die Hand.
„Einen schönen Tag noch!“
Das Gesicht des Mädchens unter den zotteligen Haaren zeigt keine Regung. Sie nimmt die Situation hin, wie sie vielleicht schon viele in ihrem Leben hat hinnehmen müssen – verständnislos. Mit leicht gesenktem Kopf und hängenden Schultern trottet sie Richtung Ausgang.

Es geht zügig weiter an der Kasse, ich zahle schnell und merke plötzlich, wie selbstverständlich uns Dinge scheinen, die einem behinderten Menschen so große Probleme bereiten können. Als ich meinen Einkaufskorb auf dem Parkplatz ins Auto hebe, schiebt sich langsam ein kleiner roter Bus aus der Parkbucht gegenüber. Er trägt die Aufschrift „Sozialtherapeutische Wohn- und Arbeitsgemeinschaft Hof Gutsmann“. Unter den Fahrgästen herrscht anscheinend eine gute Stimmung, zwei Männer mit kindlichen Gesichtern albern herum und winken. Richtig, die habe ich vorhin am Zeitschriftenstand gesehen, wie sie eine Illustrierte nach der anderen aus den Regalen zogen und sich köstlich über die bunten Bilder amüsierten.

In der letzten Sitzreihe schaut eine traurige junge Frau, die immer noch wie ein Mädchen aussieht, still aus dem Fenster. Ihre Augen wirken leer. Man hat ihr heute mehr zugetraut, als sie bewältigen konnte.
 
Hallo Ciconia,

eigentlich wollte ich gestern noch mehr schreiben, dann kam ich nicht mehr dazu.

Ich stimme mit Blumenberg überein, mir sagt die Geschichte auch nicht zu, aus denselben Gründen wie ihm (Wertung insgesamt der Szene und vor allem der letzte Satz der Geschichte. Du weißt ja gar nicht, ob die Frau das selbst so empfunden hat).

.Weil sie in diesem Fall eben wirklich nichts Hübsches trug. Die hier genannte "Sozialtherapeutische Wohn- und Arbeitsgemeinschaft“ mag sich im ländlichen Umfeld befinden, die Behinderten haben vielleicht gerade noch auf dem Bauernhof gearbeitet und sind dementsprechend lässig gekleidet. Zugegeben, das kann der Leser nicht wissen. Aber er sollte nicht anzweifeln, dass dem so ist. Gerade das unvorteilhafte Outfit gibt dieser jungen Frau doch etwas Bemitleidenswertes und lässt das Geschehen noch betrüblicher wirken.
quote:
So wie ich das jetzt verstehe, erzählst du hier etwas nach, was du selbst so mirerlebt/gesehen hast. Eine solche Nacherzählung funktioniert aber meistens nicht.
In einem meiner Bücher über kreatives Schreiben (Roberta Allen, "Short Shortstorys schreiben") steht: Zitat: "Erst passiert es und dann erfinde ich es"Zitatende.
Das heißt, auch wenn es wirklich so war, dass in dieser von dir beobachteten Szene die Frau nichts Hübsches trug, kann man das in einer Geschichte trotzdem so schreiben. Geschichten müssen das wahre Leben nicht 1:1 abbilden.

LG SilberneDelfine
 

Ciconia

Mitglied
Hallo SilberneDelfine,

das ist alles sehr viel Theorie, die eine lebendige Geschichte meistens nicht weiterbringt. Ich habe übrigens noch nie ein Buch über kreatives Schreiben in der Hand gehabt.

Ich glaube, was Dir und Blumenberg an der Geschichte nicht gefällt, ist die schmerzende Tatsache, dass hier eine unschöne Realität abgebildet wird. Warum sollte denn eine behinderte Frau unbedingt hübsche Sachen tragen? Hätte das die Geschichte in irgendeiner Weise weitergebracht? Wie ich weiter oben an Blumenberg schrieb:
Gerade das unvorteilhafte Outfit gibt dieser jungen Frau doch etwas Bemitleidenswertes und lässt das Geschehen noch betrüblicher wirken.
Und warum soll ich eine solche Episode nicht in der Ich-Form, sondern in einer neutralen Erzählerstimme aufschreiben?
Du weißt ja gar nicht, ob die Frau das selbst so empfunden hat.
Nein, das weiß die Autorin nicht. Aber nach dem betrübten Gesichtsausdruck zu urteilen, den diese junge Frau bei der Abfahrt zeigte, konnte man wohl davon ausgehen, dass sie ziemlich niedergeschlagen war. Was ist also falsch an meiner Conclusio? Oder wäre es für Dich logischer, wenn ich schriebe: Ich vermute, man hat ihr heute mehr zugetraut ...

Gruß Ciconia
 

Blumenberg

Mitglied
Hallo Ciconia,

das ist alles sehr viel Theorie, die eine lebendige Geschichte meistens nicht weiterbringt.
Nein ist es nicht, es ist die handwerkliche Grundlage dessen, was du tust. Schreiben ist eine Kunst und deren Grundlagen muss man lernen oder man wird nicht besser. Wenn du lernen willst zu malen und ein Maler erklärt dir, wie Perspektiven funktionieren und wie man sie einsetzt (nichts anderes sind Erzählperspektiven) sagst du doch auch nicht, das ist graue Theorie, ich male weiter Strichmännchen. Nichts für ungut, aber um eine „lebendige Geschichte“ zu erzählen, braucht es Wissen darüber wie Erzählen funktioniert. Ich habe den Text übrigens genau deswegen auch nicht als lebendig empfunden.

Ich glaube, was Dir und Blumenberg an der Geschichte nicht gefällt, ist die schmerzende Tatsache, dass hier eine unschöne Realität abgebildet wird.
Das ist, wenn man meine hier eingestallten Geschichten kennt, eine steile These meine Liebe. Was mich an der Geschichte stört ist die mangelnde Ambivalenz der Figuren. Sie sind dadurch langweilig. Die „unschöne Realität“ besteht nicht aus weiß und schwarz, wie die hier geschilderte Wahrnehmung der Autorin es erzählt, sondern sie spielt sich in Graubereichen ab. Durch die gewählte Ich-Perspektive wird nicht die unschöne Realität abgebildet, sondern die Realität aus der Sicht des Ich-Erzählers bzw. was hier dasselbe ist, die Wahrnehmung der Autorin mit all ihren subjektiven Setzungen. Einfach nur das aufzuschreiben, was man gesehen hat ist keine Geschichte, sondern ein Tagebucheintrag.

Warum sollte denn eine behinderte Frau unbedingt hübsche Sachen tragen?
Meinst du die Frage wirklich ernst? Ich glaube hier liegt wohl der Grund warum mir die Geschichte und der Ich-Erzähler so empathielos erscheint. Du hast offensichtlich überhaupt keine Ahnung, wie es in einem Behinderten aussieht und auch kein Interesse dich darauf einzulassen. Eine behinderte Frau oder ein behinderter Mann haben doch Interessen, Vorlieben, Abneigungen, Wünsche und eine ästhetische Vorstellung wie jeder andere auch. Sie kann sich doch schön anziehen, wenn ihr das gefällt. Das war aber (wie deutlich in meinem vorigen Kommentar markiert) nur ein Beispiel, sie kann auch ein schönes Lächeln haben, freundlich sein, Interesse daran haben wie es der Kassiererin so geht. Was du uns präsentierst sind ausschließlich negative Eigenschaften und zwar keine Tatsachen, sondern Geschmacksurteile und Wertungen des Erzählers und dazu eine weitgehend passive Behinderte.

Hätte das die Geschichte in irgendeiner Weise weitergebracht?
Ja, hätte es. Aus zwei Gründen, den ersten habe ich im Abschnitt davor erläutert, da geht es darum die Figurengestaltung. Der zweite ist anders gelagert. Mitleid entsteht im Wesentlichen dadurch, dass man sich in den Anderen hineinversetzt, mit ihm mit-leidet. Wer im Elend, dass er sieht, nicht auch Schönes entdecken kann, hat keinen Grund für Mitleid. Das tut der Ich-Erzähler in diesem Text nicht, sein Fokus liegt auf der Kassiererin, er bewundert und lobt deren professionellen Umgang mit einer schwierigen Kundin.

„Und warum soll ich eine solche Episode nicht in der Ich-Form, sondern in einer neutralen Erzählerstimme aufschreiben?“
Diese Frage ich dir bereits ziemlich ausführlich beantwortet, die Nachfrage zeigt mir aber deutlich, wie aufmerksam mein Kommentar gelesen wurde.

Ich habe versucht, dir auf einer soliden theoretischen Grundlage zu zeigen, wo ich die Schwächen dieses Textes sehe. Nimm´s an oder ignorier es, das ist ganz deine Sache.

Liebe Grüße

Blumenberg
 

Ciconia

Mitglied
Schade, Blumenberg! Ich weiß nicht, wer oder was Dich dazu gebracht hat, derart aggressiv auf diesem Text herumzuhacken.

Wenn diese Kurzprosa als Tagebucheintrag erschienen wäre, hätte sie dann für Dich mehr Empathie enthalten? Hättest Du das gequälte Gesicht der Behinderten eher ertragen, wenn sie flotte Sachen getragen hätte und nicht den alten Pullover, mit dem sie gerade von der Arbeit kam? Was genau stört Dich daran, wenn eine Behinderte Arbeitsklamotten trägt? Weil nicht sein kann, was nicht sein darf?
Wer im Elend, dass er sieht, nicht auch Schönes entdecken kann, hat keinen Grund für Mitleid. Das tut der Ich-Erzähler in diesem Text nicht, sein Fokus liegt auf der Kassiererin, er bewundert und lobt deren professionellen Umgang mit einer schwierigen Kundin.
Auch das ist wieder sehr theoretisiert. Was soll man in so einer kurzen Szene Schönes entdecken? Hattest Du diese beiden Passagen übersehen?
Es geht zügig weiter an der Kasse, ich zahle schnell und merke plötzlich, wie selbstverständlich uns Dinge scheinen, die einem behinderten Menschen so große Probleme bereiten können.
In der letzten Sitzreihe schaut eine traurige junge Frau, die immer noch wie ein Mädchen aussieht, still aus dem Fenster. Ihre Augen wirken leer. Man hat ihr heute mehr zugetraut, als sie bewältigen konnte.
Und was das Schreiben im Allgemeinen angeht:
Schreiben ist eine Kunst und deren Grundlagen muss man lernen oder man wird nicht besser.
Auch hier muss ich Dir widersprechen. Schreiben ist in erster Linie das Spiel mit geschliffener (fehlerfreier!) Sprache, das Gefühl für außergewöhnliche Formulierungen und das Aufspüren außergewöhnlicher Situationen. Das kann man nicht lernen. Das hat man, vielleicht durch vieles Lesen schon von Kindheit an, vielleicht durch eine berufliche Beschäftigung mit Sprache(n) – oder man hat es nicht. Wenn jemand Rechtschreibung und Zeichensetzung nicht beherrscht, kann er noch so viele Lehrbücher gelesen haben und Theorien beherrschen, sein Text wird immer stümperhaft wirken.
sagst du doch auch nicht, das ist graue Theorie, ich male weiter Strichmännchen
Doch, Blumenberg, das sage ich, wenn es mir Spaß macht. Denn die Gnade der frühen Geburt gibt mir heute die Gelegenheit, hauptsächlich das zu tun, was mir Spaß macht – solange die Gesundheit noch mitmacht. Trotzdem habe ich in der Leselupe schon viel gelernt und lerne immer noch.

Gruß Ciconia
 

molly

Mitglied
Liebe Ciconia,

vielleicht könntest du auch statt "ärmliche" Kleidung gleich
"Arbeitsklamotten" einsetzen, das wertet schon mal nicht.

Vielleicht war die junge Frau im Bus auch traurig, weil die Kassiererin sie wie ein Kind behandelt hat.

Die Frau an der Kasse war sicher freundlich und hübsch, aber nicht hilfsbereit. Sie hätte der Kundin doch ohne weiteres zu anderen Zahnbürsten verhelfen können.

Aber so ist die raue Wirklichkeit.

Liebe Grüße

molly
 
Hallo Ciconia

.Ich habe übrigens noch nie ein Buch über kreatives Schreiben in der Hand gehabt.
Ich habe das früher auch mal vehement abgelehnt. Sowas hat man doch nicht nötig, dachte ich auch, entweder kann man es oder nicht. Stimmt aber nicht. Ich habe bis jetzt eine Menge aus diesen Büchern mitgenommen und es macht außerdem noch wahnsinnig Spaß, sich damit zu beschäftigen.

Übrigens: Interessantes zu den Erzählperspektiven kann man auch hier in der LL nachlesen, unter "Theoretisches".
https://www.leselupe.de/lw/titel-Wer-hat-s-erzaehlt-Die-Erzaehlperspektive-132418.htm

LG SilberneDelfine
 

Ciconia

Mitglied
Hallo molly,

danke für Deine Gedanken. Aber ist "ein grobmaschiger, ärmlich wirkender Pullover" denn dasselbe wie "ärmliche Kleidung"? Ich finde nicht. Und dass die Behinderten wohl in Arbeitskleidung waren, erschliesst sich erst aus der Aufschrift "Sozialtherapeutsche Wohn- und Arbeitsgemeinschaft Hof Gutsmann", also kann ich nicht vorher schon schreiben, dass der "ärmlich wirkende Pullover" eine Arbeitskleidung war.

Gruß Ciconia
 

Ciconia

Mitglied
Hallo SilberneDelfine,

das freut mich für Dich. Aber ich finde, das soll jeder halten wie er will.

Gruß Ciconia
 
Geschätzte Ciconia,

ausdrücklich stimme ich all dem zu, was du hier klug zur Verteidigung deines Textes vorgebracht hast. Die Lust, mich auf Gegenargumente näher einzulassen, hat mich schon da verlassen, wo dir fehlende Empathie in der Figurenzeichnung angekreidet wurde. Unprofessioneller kann man Literatur nicht beurteilen. Dass danach zum Ausgleich bergeweise literaturkundliches Wissen ausgebreitet wurde, macht die Sache nicht besser.

Nicht selten ist nach meiner Erfahrung folgender Effekt: Je strikter der Hobbyschriftsteller professionellen Ratgebern und literaturwissenschaftlichen Theorien folgt und sich an diese bindet, umso eher kommt ihm aus dem Blick, was Literatur tatsächlich vor allem sein kann: kreative und kunstvolle Verarbeitung von Welterfahrung. Gerade das Übermaß von Regelwerk im Kopf scheint das Lebendige in seiner Produktion abzutöten. Dies ist auch der Grund, warum ich hier in der LL um bestimmte Produkte gern einen Bogen mache. Sie kommen mir oft wie staubtrockene Pflichtübungen vor, die einer sich selbst auferlegt hat.

Dir ist mit deiner Skizze etwas gelungen, das ich mit einem Exponat in einem Herbarium vergleichen möchte: fixiert im Augenblick des Erfassens, doch in der Substanz lebensecht. Ich jedenfalls ziehe getrocknetes echtes Pflanzenmaterial Papier- und Plastikblumen vor.

Kollegial freundliche Grüße
Arno Abendschön

P.S. Bewertet habe ich ja schon anonym. Ich halte den Text für einen deiner besten aus jüngerer Zeit (Sparte Prosa).
 

MicM

Mitglied
Hallo Ciconia,
als ich den erste Satz des Textes gelesen habe, dachte ich aufgrund der Beschreibung, dass es sich bei der Frau um eine Alkoholikerin, Pennerin o.ä. handele. Den Hinweis einige Zeilen später, dass sie „kindlich“ wirke habe ich nicht einordnen können. Als es um die drei Zahnbürsten ging, dachte ich, sie hätte vielleicht Kinder, die sie versorgen müsste (vielleicht auch nur die Einbildung einer verwirrten Frau? Aber warum dann kindlich?). Dass sie (geistig) behindert ist, habe ich erst verstanden, als es (kurz vorm Ende) ausdrücklich geschrieben wurde. Unmissverständliche Hinweise bei der Beschreibung der Frau finde ich hierzu nicht. Auch die konkrete (mutmaßliche) Behinderung (jedenfalls aus Sicht der Prot) ist mir nicht klar geworden. Ich finde den Text eher verwirrend.

Ich habe mich daher in den Kommentaren von Blumenberg und SilberneDelfine weitgehend wiedergefunden: Ich konnte mich weder in Prot noch in die Frau einfühlen.

Zur Kassiererin: Gegenstand des Textes (Kurzprosa) ist doch - verkürzt gesagt - ein kurzes „Antippen“ des Themas „Behinderte im Alltag“, oder? Ich finde bei der Kassiererin verrutscht der Fokus. Bei Sätzen wie „Ich bewundere die junge Hübsche für ihre einfühlsame Art.“ geht es nach meinem Empfinden gar nicht mehr um Behinderung, sondern um den Job der Kassiererin. Da wird quasi nebenbei ein zweites Thema aufgemacht. Das empfand ich (gerade in einer Kurzprosa) störend.

Auch bei meinen Kommentaren handelt es sich nur um subjektive Eindrücke. So oder so: Ich finde, die Grundidee deines Textes gut und interessant. Und da ich vor einiger Zeit einen anderen Text von dir sehr gelobt habe, kannst du vielleicht meine Bewertung hier einordnen.

Auf bald,
MicM
 
Ich glaube, was Dir und Blumenberg an der Geschichte nicht gefällt, ist die schmerzende Tatsache, dass hier eine unschöne Realität abgebildet wird.
Blumenberg hat ja schon darauf geantwortet.

Meine Antwort:

Nein, denn ich empfinde die geschilderte Szene gar nicht als außergewöhnlich und auch nicht als unschön. So etwas kommt nun mal vor. Aber deine abschließende Interpretation "Man hat ihr mehr zugetraut, als sie bewältigen konnte" stört mich, weil davon ausgegangen wird, dass hier (wohl von den Betreuern) falsch gehandelt wurde. Finde ich nicht, denn Behinderten nicht viel zuzutrauen und ihnen alles aus der Hand zu nehmen, ist verkehrt. Sie sollen sich ja auch alleine im Alltag (und zwar genau bei solchen Sachen wie an der Supermarktkasse allein zu bezahlen) zurecht finden, das ist das Ziel. Wenn es mal nicht klappt, na und? Auch damit muss man zurecht kommen. Du bist hier mit deiner Interpretation am Schluss auf einer Schiene, die mir nicht gefällt.

Und um das zu vermeiden, wäre eine neutrale Erzählperspektive wesentlich besser gewesen. Allerdings finde ich es auch sehr schwer, aus dieser zu schreiben.

LG SilberneDelfine
 

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